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Gästebuch

notiz
Hörspiele von, Michael Koser
Sam: Per Müllförderband nach Sanssouci, euer Gemächlichkeit? Na, sagen wir um 10. Jonas: Pause, Sammy, Jonas schläft ein paar Stunden. Sam: Ist gut. Von linden Lüften lau umlabert, schlaf mein Prinzchen schlaf ein. Jonas: Kein kurzer Weg, aber auch kein schwieriger, unter Sam Leitung, vom Abwassersystem zur zentralen Müllerfassung... vollautomatisch natürlich. Und von der Müllerfassung läuft ein unterirdisches Förderband nach Sanssouci, mit allem nicht verwertbaren Müll der großen Stadt Babylon, Jonas fuhr mit, als blinder Passagier, oder als Abfall ehrenhalber. Eine ereignislose Reise. Gleichmäßiges Rattern, Dunkelheit, Gestank, und ein leicht flaues Gefühl im Magen, nicht wegen Gestank und Müll, wegen der Dinge, die da kommen sollten. Nach einer guten Stunde stoppte das Band, weiter ging’s vertikal. Im Müllpaternoster. Viele viele Meter in die Höhe. Sam: Zwei Knaben stiegen auf den Turm. Jonas: Das paßt, Sammy. Sam: Der eine hat nen Band im Wurm. Jonas: Wie die Faust aufs Auge. Sam: Ja, und der andere frisch und munter ließ sich dran herunter, hehe. Jonas: Da oben wird’s hell. Sam: Achtung, fertig machen zum Absprung. Ansonsten würde jemand in die Verteilerdüse eingespeist werden, wie all dieser Müll, der uns Gesellschaft leistet, und dann wird er über die Deponie verstreut, der Jemand, in handlichen formschönen Teilchen. Jonas: Muß nicht sein, Sammy. Sam: Countdown läuft. 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1. Jonas: Bei Null sprang Jonas ab, ein paar Schritte, und ich stand auf der Plattform an der Spitze des Verteilerturms, mitten in der Deponie Sanssouci und ganz hoch drüber. Die Aussicht war einmalig, ein bißchen monoton vielleicht. Im Osten Müll, im Westen Müll, im Norden Müll, und im Süden, Sie haben es erraten, Müll. Müll, soweit das Auge reichte, und im Müll krabbelte es wie in einem Ameisenhaufen. Sam: Siehe, sie höreten das Wort des Herrn und sie folgeten ihm nach. Jonas: Sie sind da, Sammy, sie sind alle da. GD, GGD, GGGD und der Kasten da drüben, das ist O, O vom GGGD, seine Leute haben ihn auf Rollen gesetzt, und ziehen ihn hinter sich her, mit samt Aggregat. Sam: Ach, hätten wir doch nur ein Bömbchen, Herr Luftmarschall, oder einen Kessel voll des heißen Öles. Jonas: Nicht nötig, Sam, das erledigen die da unten selber, mit ihren Laserstrahlern, Sturmgewehren, Neurofreezern, mit ihren Flammenwerfern und Super-MGs. Was sagt die Uhr, Sam. Sam: 5 Minuten vor 12, hohes Gericht, dies irae, dies illa, solve seklum, com fanila oder so ähnlich. Jonas: Vielleicht eine Nummer zu groß, das dies irae, aber irgendwie angemessen. Die versammelten Geheimdienstler jagten ihren jeweiligen Feindbildern nach und massakrierten sich gegenseitig. Sam: Armageddon, Herr Großinquisitor, Apokalypse, Verwüstung. Jonas: Das wird mir zu laut, Sammy. Phase 2. Sam: Zu Befehl, Phase 2. Zack zack. Jonas: Schalt dich ins System der Deponie ein. Sam: Auftrag ausgeführt. Zack zack. Jonas: Laß die Müllmaschinen los. Sam: Müllmaschinen los, marsch. Konzentrischer Angriff. Zack Zack. Jonas: Riesenbagger und Superschaufeln rückten vor, unaufhaltsam, unwiderstehlich, sie überrollten das Schlachtfeld, deckten ab, gruben um, planierten, schütteten das ganz Gewusel zu, und falls sich doch einer herausarbeiten konnte, am Rand lauerten die Trolle, mit Messer und Kochgeschirr. Nachmittag. Jonas kam zurück ins Büro und schmiß als erstes den Trauerfrack von sich. Sam: In den Müll, hoher Herr. Jonas: In den Müll, Sammy. So, und jetzt wollen wir uns mal ans Aufräumen machen. Nein, es ist niemand zu Hause. Sam: Na, geh ran, du Knallhorn. Jonas: Warum sollte ich. Sam: Weil es ein Kunde sein könnte, mit einem ganz normalen Auftrag. Jonas: Glaubst du an den Weihnachtsmann, Sammy? Sam: Oder eine unverhoffte Erbschaft, oder der Hauptgewinn in der babylonischen Klassenlotterie oder. Jonas: Damit du endlich Ruhe gibst. Hallo. Stimme am Fon: Guten Tag. Bin ich verbunden mit Herrn Jonas, nur Jonas, seines Zeichens Privatdetektiv. Jonas: Sie sind. Stimme am Fon: Sehr gut. Gestatten Sie mir, Herr Jonas, Ihnen im Namen meiner Organisation Dank und Anerkennung auszusprechen. Sie, Herr Jonas, haben sich um Babylon, um Europa verdient gemacht, in einer brillanten Aktion haben Sie GD, GGD, und GGGD eliminiert, gründlich und nachhaltig, es war höchste Zeit, Herr Jonas, sonst hätten sie die Erde unterworfen, Herr Jonas, besetzt, Herr Jonas, kolonisiert. Jonas: Wer? Die Geheimdienste? Stimme am Fon: Und ihre geheimen Lenker und Leiter, die Drahtzieher im Dunkel, Herr Jonas, die Marsmenschen mit ihren Ufos und ihren Todesstrahlen. Jonas: Ach ja, und wer sind Sie? Stimme am Fon: Hier spricht der GGGGD, Herr Jonas, der ganz und gar geheime Geheimdienst. Leben Sie wohl, Herr Jonas. Jonas: Paranoia, Sammy, totale Paranoia. Sam: Zwei Knaben schlichen durch die Nacht, der eine still, der andre sacht. Ja, und man konnt sie weder sehen noch hören, wenn sie’s nun gar nicht gewesen wären. Jonas und Sam: Freut euch des Leben, Großmutter wird mit der Sense rasiert, alles vergebens, sie war nicht eingeschmiert. Sam: Ja wieso denn nicht? Das war Paranoia. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam: Peer Augustinski. Außerdem wirkten mit: Johanna Liebeneiner, Hans Jürgen Silbermann, Bernd Stephan, Jochen Striebeck und viele andere (Alois Maria Giani, Detlef Kügow). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Aufnahmeleitung: Reiner Kositz. Assistenz: Wolfgang Ruhdörfer. Regie: Werner Klein. (Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks) (1991). (Redaktion: Erwin Weigel). Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Pharao Jonas: Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude. Nicht weit vom Van-Dusen-Platz. Aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig. Jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Schrödinger: Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch. Setzen Sie sich, Herr Jonas. Jonas: MA? Schrödinger: Magister Artium. Ein akademischer Titel. Medienwissenschaft Universität Babylon. Und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Jonas: Uni Feuerland. Nahkampf und Guerillatechnik. Schrödinger: Der antarktische Krieg. Ich verstehe. Zur Sache, Herr Jonas. Im November 2010, vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt. Sie haben damals ordentliche Arbeit geleistet, Herr Jonas, und vor allem waren Sie recht preiswert. Die Kultur... Jonas: Die Kultur hat nie Geld, das ist bekannt. Wenn ich Sie wieder mal besuche, Frau Cornelia Schrödinger MA, Dezernentin für Museen und so weiter, dann bringe ich mein Poesiealbum mit, und Sie können mir ihre gute Meinung schriftlich geben. War das alles? Schrödinger: Nehmen Sie wieder Platz, Herr Jonas, das Dezernat hat einen neuen Auftrag für Sie. Jonas: So? Aber das sag ich Ihnen gleich, ins wilde Kusbekistan fahr ich nicht noch mal. Eine Todestour ist genug für Jonas. Schrödinger: Keine Sorge, Herr Jonas. Sie bleiben in Babylon. Jonas: Und? Schrödinger: Und was? Jonas: Ich bleibe in Babylon und tue was? Schrödinger: Eine Kleinigkeit, Herr Jonas. Sie bringen uns Ramses zurück. Jonas: Ramses? Welchen Ramses? Schrödinger: Den zweiten, Herr Jonas. Ramses den zweiten. Sie wissen doch, wer das ist. Sam: Häh, weiß er nicht, wetten, nie was von gehört, keinen blassen Schimmer, hmhm, also dann, alle mal herhören. Kurze Nachhilfe aus Mayers Brockhaus, für historische Nieten und geistig unterbelichtete. Jawohl, genau Sie sind gemeint, Herr von und zu Jonas. Ramses zwo, Ägyptischer Pharao, geb. um 1300 v.Ch. als Sohn des Pharaos Hegit des ersten, kam an die Regierung 1279 v.Ch., starb 1213 v.Ch., bedeutendster Pharao der 19. Dynastie, immense Bautätigkeit, aggressive Außenpolitik, intensives Familienleben, 100 Frauen, weit über 200 Kinder, huiuit nicht schlecht Herr Specht. Schrödinger: Was ist das? Jonas: Mein Taschencomputer, Samuel heißt er kurz Sam oder auch kurz Sammy. Sam: Ich bin der Geist der stets was weiß. Jonas: Verbal, wie Sie hören, überverbal möglicherweise, manche meinen, er leidet an verbalem Durchfall. Sam: Bitte, bitte, Diaröh, wenn schon, ja. Jonas: Und diese Dame, Sammy ist Frau Schrödinger. Sam: Ma. Alles klar. MA, MB, MC, MC Quadrat, e gleich MC Quadrat. Quod erat demonstrandum. Schrödinger: Nett, so klein und so laut. Kann man es abstellen. Sam: Wehe, wehe, sage ich euch, und abermals wehe, so ihr euch solches unterfanget wird über euch kommen heulen und zähneschnattern, äh äh zähneflattern, zähneknattern, zähneplattern. Jonas: Man kann. So. Wir waren bei Ramses. Hab ich Sie richtig verstanden, Frau Schrödinger MA, ich soll Ihnen einen ägyptischen Pharao zurückbringen, der seit gut 3000 Jahren tot und begraben ist. Schrödinger: Nicht begraben, Herr Jonas, darum geht es ja gerade. Um die Mumie von Ramses den zweiten. Jonas: Ja und, sagte Jonas. Und die Dame mit dem akademischen Titel erklärte es ihm. Kurz, in einfachen Worten. Readers Digest für Bildungsbanausen. Im Museum für internationale Kulturgeschichte, gleich neben dem Ministerium, war eine Ausstellung gelaufen. Macht und Magie des Pharaonenreiches. Einmalige Stücke, sagte Frau Schrödinger MA, Leihgaben aus Kairo, Glanznummer war die Originalmumie des alten Ramses II. Des größten aller Pharaonen. Zu 100.000en waren sie geströmt die Babylonier, bis vorgestern. Schrödinger: Da wurde die Ausstellung geschlossen. Am 6. Juni 2013. Und am nächsten Morgen war die Mumie verschwunden. Zusammen mit ein paar weniger bedeutenden Ausstellungsstücken, Möbel, Schmuck und dergleichen, und zusammen mit dem leitenden Ägyptologen des Museums, Dr. Juniper. Jonas: Na so ein Zufall. Was sagst du dazu, Sammy? Sam: A-h-a. Aha. Jonas: Das denk ich auch. Warum haben Sie sich nicht an die Polizei gewand, Frau Schrödinger MA? Schrödinger: Unmöglich Herr Jonas die Affäre darf nicht an die Öffentlichkeit dringen, können Sie sich vorstellen, wie die Ägypter reagieren, wenn sie davon erfahren? Es käme zu außenpolitischen Komplikationen, zu innerpolitischen Konsequenzen. Jonas: Stühle wackeln, Köpfe rollen, z.B. der von Cornelia Schrödinger MA Dezernentin. Schrödinger: Wir müssen die Sache intern regeln. Aber im Ministerium gibt es natürlich keinen, wie soll ich mich ausdrücken, keinen kriminologischen Experten. Wir brauchen Hilfe von außen. Einen Privatdetektiv. Sam: O Babylon, du große Stadt, wo's keine Detektive hat, bloß einen, den meinen. Jonas: Den einzigen, den letzten. Jonas heißt er. Nur Jonas. Haben Sie Probleme, rufen Sie Jonas, den letzten Detektiv. Jonas macht alles, im Rahmen. Jonas kennt sich aus im großen Dschungel Babylon. Jonas schlägt sich durch, Jonas gibt sich Mühe. Schrödinger: Wir haben uns an Sie erinnert, Herr Jonas. Leidlich effizient, diskret, billig. 90 Euros pro Tag nicht wahr? Jonas: 120 plus Spesen. Alles wird teurer, auch ein Privatdetektiv. Schrödinger: Nun, Herr Jonas, auch das wird sich unter Umständen erschwingen lassen. Jonas: Wie schön. Es scheint, daß ihr Ägyptologe, dieser Dr. Dr. Dr. wie heißt er? Sam: Juniper, Juliper, Augustper. Jonas: Ruhe. Es scheint, daß dieser Juniper Ihren Ramses geklaut hat. Oder wie sehen Sie das, Frau Schrödinger MA? Sam: Ja, wie sehen Sie das? Schrödinger: Zwiespältig, Herr Jonas. Einerseits bin ich gezwungen, Ihnen zuzustimmen. Die Sicherungen wurden außer Kraft gesetzt, die Sperren umgangen, die speziell gesicherten Mumienboxen aus Plastiplex problemlos geöffnet, keine Schrammen, keine Einbruchspuren, und Dr. Juniper besaß alle Schlüssel, kannte alle Sicherheitscodes. Jonas: Verschwunden ist er auch. Klarer Fall sollte man meinen. Einerseits. Und andererseits, Frau Schrödinger MA? Schrödinger: Andererseits, Herr Jonas, kann ich mir beim besten Willen Dr. Juniper nicht als Erpresser vorstellen. Er ist Ägyptologe, lebt nur für die Wissenschaft. Jonas: Erpresser, wer sagt was von Erpressung? Schrödinger: Das hier, Herr Jonas. Jonas: Ein Fax. Kein Absender. Schrödinger: Also nicht zurückzuverfolgen. Lesen Sie. Jonas: Betrifft Austausch Pharao gegen 100.000 Euros in bar, wann, 8. Juni 2013, 23 Uhr. Heute abend. Wo? Babylon Planquadrat OX 13 BQ. Schrödinger: Das ist an der Grenze zum Reservat, wo das Giganthotel steht. Was haben Sie, Herr Jonas? Jonas: Judith. Vor einem Jahr war sie umgebracht worden, im Planquadrat OX 13 BQ, und ein paar Tage später hatte Jonas sie gerächt, im Planquadrat OX 13 BQ. Das hatte ich, aber das sagte ich nicht. Jonas: Entführung einer Mumie zwecks Lösegelderpressung. Sie wollen darauf eingehen, Frau Schrödinger MA? Schrödinger: Ich muß wohl. Jonas: Und ich soll den Austausch durchführen. Schrödinger: Deshalb hab ich Sie kommen lassen, Herr Jonas. Jonas: Versteh ich nicht. Bei einer so einfachen Kiste. Warum nicht einer ihrer Museumswächter, warum ein wie war das, kriminologischer Experte. Schrödinger: Es gibt da ein Problem, Herr Jonas, das Geld, die Kultur hat keins, jedenfalls keine 100.000. Jonas: Wieviel können Sie locker machen? Schrödinger: 10.000 maximal. Jonas: Tja, und der Rest. Schrödinger: Ihre Sache, Herr Jonas, lassen Sie sich was einfallen. Sam: Papier. Schrödinger: Papier, was heißt Papier? Sam: Na was wohl, hochgeschätzter akademisch titulierter Amtsschimmel, Klopapier, Löschpapier, Briefpapier, Buntpapier, mit Nichten und Neffen. Jonas: Sondern, Sammy? Sam: Altpapier du Pappkopf. Das Ministerium für Kultur ist eine altmodische Institution, das gibt's sowas in Mengen. Nicht wahr, gnädige Frau. Jonas: So machen wir es, Frau Schrödinger MA, setzen Sie einen Hilfsknecht an, lassen Sie Altpapier zuschneiden, Euroformat, dann besorgen Sie einen Koffer. Das Papier nach unten, und oben drauf gut sichtbar die echten 10.000. Schrödinger: Das schöne Geld. Halten Sie das wirklich für nötig, Herr Jonas? Jonas: Ein bißchen müssen Sie schon opfern, Frau Schrödinger MA, für Ihren Ramses und für Ihren Stuhl. Ein Fahrzeug brauch ich auch. Schrödinger: Es wird bereitstehen, mit Koffer und Inhalt, im Hof des Ministeriums, heute abend 9 Uhr 30. Seien Sie pünktlich, Herr Jonas. Jonas: Ich hätte es mir denken können, das Dienstfahrzeug des Ministeriums war ein altersschwaches E-Motorrad mit Beiwagen, der Koffer war aus Pappe, aber die echten Euros waren drin, und die falschen fielen nicht auf, wenigstens etwas. Nachts, kurz vor 11, Planquadrat OX 13 BQ. Rechts am Horizont der Gipfel des Giganthotels im warmen Schein der Holoprojektionen, links das Reservat, ein unendliches schwarzes Loch, scharfkantige Ruinen, rotierende Nebelspiralen, dunkle Geräusche in der Ferne. Freaks, Nachtmenschen. Ich hatte den Motor abgestellt und wartete unter einer flackernden Straßenlaterne. Sammy sang leise Lili Marlene. Punkt 11 kamen sie. Aus dem Reservat. In einem Panzerwagen. Ein bleicher Riese mit Laserstrahler und eine bucklige Frau. Der Riese sah aus wie ein Klonkiller, er blieb neben dem Wagen stehen, stumm, aufmerksam. Die Frau zog ein längliches Bündel aus der Ladeklappe. Jonas: Ramses? Igora: Was denken Sie denn, wer da drin ist, die Bürgermeisterin von Babylon? Typisch Kulturministerium, einen echten Vollidioten haben sie uns geschickt, hoffentlich haben Sie das Geld nicht vergessen, Pinke Pinke, verstehen Sie, Euros, 100.000 Euros. Jonas: Hier. Igora: Aufmachen. Jonas: Wollen Sie nachzählen? Igora: Wozu? Um uns reinzulegen sind Sie viel zu dämlich. Nehmen Sie sich die Mumie, und grüßen Sie Ihre Chefin schön von meinem Chef, Dr. Frankenstein, und von mir, Igora heiße ich, nicht vergessen. Jonas: Sie fuhren, zurück ins Reservat, ich fuhr zurück ins Ministerium, mit Ramses im Beiwagen. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Sicher, die Sache war glattgegangen, zu glatt, das machte mir Sorgen. Ich wuchtete die Mumie in Frau Schrödingers Büro, sie war schwer, viel schwerer als ich mir so einen vertrockneten Pharao vorgestellt hatte. Frau Dezernentin wickelte höchstpersönlich die Verpackung ab, und da gab es eine Überraschung. Unter den Bandagen steckte kein toter alter Ägypter, sondern ein toter neuer Ägyptologe. Schrödinger: Dr. Juniper. Das ist Dr. Juniper. Jonas: Mit durchgeschnittenem Hals. Deshalb war das Paket so schwer. Schrödinger: Mehr haben Sie dazu nicht zu sagen, Herr Jonas? Sie lassen sich 10.000 Euros aus meinem Etat abnehmen, bringen mir dafür die Leiche von Dr. Juniper, und jetzt stehen Sie da und zuckeln die Achseln. Haben Sie die Güte sich zu äußern. Jonas: Sieht so aus, als ob sie uns reingelegt haben, Frau Schrödinger MA. Schrödinger: Uns, Herr Jonas? Sie sind reingelegt worden, Herr Jonas, Sie ganz allein, Herr Jonas, Sie haben versagt, Herr Jonas. Jonas: Immer mit der Ruhe, Frau Schrödinger MA, das war nur die erste Runde, die nächste gewinnen wir. Wir wissen jetzt mehr. Dr. Juniper kann nicht der Drahtzieher gewesen sein, diese Igora mit ihrem Klon... Schrödinger: Interessiert mich nicht, Herr Jonas, Sie sind gefeuert, Sie Sie Sie kriminologischer Experte für 120 Euros plus Spesen. Wegen krasser Unfähigkeit. Sam: Nananana. Jonas: Apropos 120 Euros, die hab ich noch zu kriegen. Schrödinger: So? Bringen Sie mir Ramses, dann können wir darüber reden, unter Umständen. Die Tür ist gleich hinter Ihnen, Herr Jonas. Jonas: Na bitte. Mein ungutes Gefühl. Frau Schrödinger MA hatte Recht, Jonas war aufs Kreuz gelegt worden, die Gegenseite auch, aber das tröstete mich nicht. Ich war sauer. Wenn Jonas sauer wird, dann wird er stur. Ich würde am Ball bleiben, das nahm ich mir fest vor, als ich über den nächtlichen van-Dusen-Platz ging. Nicht wegen den paar Euros, jedenfalls nicht nur. Es galt die professionelle Ehre des Privatdetektivs wiederherzustellen. Sam: Wunderschön gesagt Meister aus dem Munde des Poesiealbum. Vor dem großen Tore steht ein Weihnachtsmann, singt von seiner Lore so schön und laut er kann. Jonas: Du gehst mir auf die Nerven, Sam, spiel was anders. Sam: The Time the goes nun by, das ist was auch mein Ei. Jonas: Gefällt mir auch nicht, Schluß mit dem Gedudel, an die Arbeit, Sam, wo steigen wir ein. Sam: Ja, a ja, Dr. Juniper, euer Fragwürden, Dr. Juniper selig, blutige Leiche im Postpaket, oder vom Ägyptologen zur Mumie in nur zwei Tagen, Gebrauchsanweisung liegt bei. Jonas: Schön wär's. Was wissen wir über Juniper. Sam: Melde gehorsamst, wenig, Herr Stabsarzt. Jonas: Hab ich dir nicht gesagt du sollst dich im System des Museums mal umsehen. Sam: No gewiß doch Sir, hat Sammy auch getan. Brav beflissen und beharrlich. Jonas: Und? Sam: Besagter Juniper war ein solcher, welcher niemals nicht auffiel und insofern sich datenmäßig wenig niederschlug. Ein Nobody, wie wir Fremdsprachler zu sagen pflegen. Jonas: Ein bißchen was wirst du doch gefunden haben. Sam: Ein babylonisch Sprichwort kündet: Ein kleiner Hund scheißt kleine Haufen. Jonas: Und was das mit Dr. Juniper zu tun. Sam: Ganz und gar nichts, Chef, nur so, fiel Sam gerade ein. Jonas: Dr. Juniper, Sam, schieß los. Sam: Zu Befehl, losschießen. Juniper, Adalbert, Dr. phil., Ägyptologe am Museum für Internationale. Jonas: Bekannt, Sammy, längst bekannt. Sam: Es wird gebeten, den Fluß der Gedanken tunlichst nicht zu unterbrechen. Jonas: Gedanken, hab ich Gedanken gehört? Sam: Es geht weiter, Damen und Herren, Piep, geb. 22. 2.1963, wohnhaft Museum für internationale Kulturgeschichte. Jonas: Irrtum, Sammy, da hat er gearbeitet. Sam: Und gewohnt, euer Vorschnelligkeit, in einem Verschlag neben seinem Arbeitszimmer. Ja, Feldbett, Waschzelle, Kleiderständer. Hobbies: keine. Freund-, Lieb- und Partnerschaften: keine. Privatleben: keines. In Worten: keines. Ende der Durchsaga. Jonas: Das ist wirklich nicht viel, Sammy. Sam: Hab ich's nicht gesagt, Monsignore. Total tote Hose. Jonas: Wo soll man da anfangen? Nofretete: Zum Beispiel damit. Jeden Freitag verließ Dr. Juniper das Museum kurz vor 10, und kurz vor 11 kam er zurück. Jonas: Plötzlich war sie aufgetaucht, aus dem Schatten, geräuschlos, eine junge Frau, apart, irgendwie exotisch, orientalisch, ägyptisch genauer gesagt. Ich beschloß sie Nofretete zu nennen. Irgendwo hatte ich sie schon gesehen, im Planquadrat OX 13 BQ. Vor dem Ministerium? Vielleicht. Nofretete: Seit etwa einem Jahr tut er das, Freitag vormittag, 10 bis 11. Jonas: Jeden Freitag. Nofretete: So gut wie. Jonas: Woher wissen Sie das? Nofretete: Wir wissen viel, Jonas. Jonas: Wissen Sie auch, wohin Juniper gegangen ist? Jeden Freitag 10-11. Nofretete: Warum nicht hierher? Jonas: Sie zeigte auf ein Türschild an einem der alten Häuser, die rund um den Platz stehen, ein Messingschild, mit altmodischen eckigen Buchstaben: Sammy knipste seine Lampe an, und Jonas las: Jonas: Dr. phil. Dr. med. Gloria Zapp, Psychotherapie, Psychologie, Psychogymnastik, alle orthodoxen Schulen, Freud, Jung, Reich, Strunk, bei attestierter Gemeingefährlichkeit staatliche Kostenübernahme möglich. Sam: Sowas, ist es nicht zu und zu komisch, Frau Nachbarin. Jonas: Was Sammy? Sam: Was Sammy, daß die berühmtesten Psychologen nur eine einzige klitzekleine Silbe ihr eigen nennen, namensmäßig betrachtet. Jonas: Und? Sam: Könnte dies furiose Kaktum Korrektur könnte dies kuriose Faktum nicht gewisse Rückschlüsse auf die von ihnen gewählte Wissenschaft nahelegen. Jonas: Halt uns nicht auf. Sie meinen, Juniper ist jeden Freitag zu dieser Psycho... Nofretete? Wo steckt sie denn? Sam: Verschwunden. So still und klammheimlich wie sie kam. Mysteriös. Jonas: Du sagt es, Sammy. Glauben wir ihr. Sam: Da eine erfolgversprechende Möglichkeit uns vorerst mangelt, Exzellenz, folgen wir kühn dem Winke des Schicksals. Duridu didi... Jonas: Sammy, Wink mit dem Zaunpfahl meinst du. Ja. Also gut, gleich morgen früh. Jonas: Frau Dr. Dr. Zapp hatte ein handfestes Wesen und einen kräftigen Händedruck, außerdem hatte sie viel zu tun. Aber nicht nur deshalb wollte sie Jonas nichts sagen. Zapp: Professionelle Diskretion, Herr Jonas. Ärztliche Schweigepflicht. Für Sie Fremdworte, nehm ich an. Jonas: Kommen Sie mal wieder runter, Frau Doppeldoktor. Ich will ja gar nicht wissen, was Juniper für Meisen oder Macken hatte, ob er Zwangsneurotiker war, oder Bettnässer, ob er nicht mehr Selbstwertgefühl hatte als äh als... Sam: Als eine durchgesessene Klobrille. Jonas: Dank dir, Sammy. Sam: Bitte. Jonas: Ich brauch nichts als einen ganz kleinen Hinweis, damit ich den erwischen kann, der ihn umgebracht hat. Zapp: Umgebracht? Dr. Juniper? Jonas: Dr. Juniper ist tot, Frau Doppeldoktor Zapp. Sam: Zapp Zapp. Jonas: Ermordet. Zapp: Einen Augenblick, Herr Jonas, ich muß meinem Vorzimmerrobot was sagen. Achtung, Freitag 10-11, Termin kann neu vergeben werden. Was Sie mir da erzählen, Herr Jonas, ändert die Situation. Jonas: Na also. Zapp: Ein wenig. Lediglich graduell, wenn Sie verstehen was ich meine. Jonas: Ist Ihnen in letzter Zeit an Dr. Juniper irgendwas aufgefallen, was besonderes. Zapp: Auf Einzelheiten kann ich natürlich nicht eingehen, er hat zwei, dreimal seinen Termin abgesagt. Jonas: Warum? Zapp: Weil er wichtige Besprechungen hatte, mit einer wichtigen Person, hat er behauptet. Jonas: Sonst noch was? Zapp: Dr. Juniper war in ausgesprochen guter Stimmung, sehr ungewöhnlich, richtig euphorisch war er. Jonas: Weshalb? Zapp: Wegen der Schlacht von Kadesh. Jonas: Weshalb? Sam: Schlacht von Kadesh. Ungebildeter Knochen, im Jahre 1274 v.Ch. Ägypter unter Ramses den zwoten. Jonas: Aha. Sam: Wider Hetiter unter König Tsatuse, nein falsch, Nuwatali, jawohl der war's, König Nuwatali, mein Gott die hetetischen Namen. Jonas: Und wer hat gewonnen? Ramses oder dieser Nuwatali, dieser Hetiter? Sam: Dies, o mein wißbegieriger Freund, ist bis zum heutigen Tage unbekannt geblieben. Der genaue Ausgang der Schlacht von Kadesh gilt als eines der größten ungelösten Rätsel der Ägyptologie. Zapp: Genau das hat Dr. Juniper auch gesagt. Und dann hat er erklärt, ganz stolz, das Rätsel der Schlacht von Kadesh und ein paar andere würden in nächster Zeit ein für alle mal gelöst werden, und zwar durch ihn, Juniper und seinen persönlichen Einsatz. Der erste Patient. Ihre Zeit ist um, Herr Jonas. Äh, letzten Freitag hat Juniper mir übrigens eine interessante Frage gestellt. Ob zur Förderung der Wissenschaft auch Dinge getan werden dürfen, die ethisch und juristisch womöglich nicht völlig einwandfrei sind. Jonas: Und was haben Sie geantwortet, Frau Doppeldoktor? Zapp: Nichts, die Frage war zu allgemein, und Dr. Juniper lehnte es ab, sie zu konkretisieren. Jonas: Viel war das auch nicht, aber besser als nichts. Stoff zum Nachdenken, zurück zur Basis, sprich 1Zimmer-Büroapartment, klein aber mein. Ich stieg aus dem Lift, ging über den Korridor, dunkel wie immer, ein intensiver Duft nach Schimmel und kaltem Sojakaff. Wie immer. Soweit nichts besonders. Aber dann ging's los, kurz vor meiner Tür, Sammy fing an durchzudrehen, plötzlich heulte er los wie ein meschuggenes Nebelhorn. Sam: Verzeih mir Meister, verzeih deinem armen kleinen Sammy. Jonas: Was ist los, Sammy? Sam: Windet sich vor dir im Staub, o Sultan des Weltalls, in Sackleinwand schleicht er einher, Asche häufelt er auf sein mißratenes Haupt, o bitte Beherrscher der Gläubigen nicht aus dem Fenster schmeißen. Nicht in die Schrottmühle. Jonas: Was ist denn, was hast du? Sam: Sammy hat, kaum vermag es über die bleichen Lippen zu bringen. Jonas: Du hast keine Lippen, Sammy, und kein Haupt, und erst recht kein Grund so Theater zu machen. Sam: Großmächtiger. Sammy was vergessen. Jonas: Nein. Sam: Doch, ein signifikantes Faktum im Fall Juniper, Chef, zur Kenntnis genommen, abgelegt und vergessen. Jonas: Hör auf zu heulen und spuck's endlich aus dein Faktum. Sam: Hören ist gehorchen, allgewaltiger Schah. So vernimm denn. Es war zu finsterer Mitternacht im Ministerium, da geschäftige Hände jene Mumie enthüllten, welche keine Mumie war, vielmehr die ermordete Leiche des Dr. Juniper. Jonas: Sam ist nicht nur eine Heulboje Sam ist auch unter anderem ein Geigerzähler, und der hatte beim Auswickeln was registriert, eine relativ hohe Bequerell-Strahlung aus Bandagen und Leichen. Radioaktivität dieser Größenordnung gibt es in und um Babylon nur an einer Stelle: dem sogenannten Grausektor mitten im Reservat. Sam: Wo damals die Taschenatombombe hochging. Bumm. Jonas: Im Grausektor war sie die Leiche, und das hast du mir unterschlagen, Sam. Einfach vergessen. Was mach ich mit dir. Sam: Wenn Lord Sammy vielleicht ein leckeres Lecithinprogramm erstehen würde. Jonas: Was war das? Sam: Was war das? Ah, da fiel ein Stuhl in dero Hoheit Residenz. Jonas: Da ist jemand, ganz ruhig Sammy... Hände hoch. Nofretete: Salemaleikum, Jonas, stecken Sie Ihren Laserstrahler weg. Sam: Das ist meiner. Nofretete: Ich tu ihnen nichts. Jonas: Nofretete in meinem Sessel, entspannt, die schönen Beine übereinanderschlagen, inmitten einer sehr viel weniger schönen Unordnung. Alles war geöffnet, umgestürzt, durchwühlt. Was hatte sie gesucht? Nofretete: Ramses den zweiten. Jonas: Bei Jonas? Nofretete: Warum nicht. Jonas hätte sich die Mumie beim Austausch übergeben lassen und dann für sich behalten können, um dann das Ministerium ein zweites Mal zu erpressen. Jonas: Hätte Jonas, hat er aber nicht. Nofretete: Davon habe ich mich überzeugt, Jonas. Sie sind sauber. Jonas: Zu gütig. Nofretete: Und darum habe ich mich entschlossen, Ihnen, wie sagt man hier, sauberen Wein einzugießen. Jonas: Gießen Sie los. Nofretete: Ich bin Ägypterin. Jonas: Hab ich mir gedacht. Wissen Sie, wie ich Sie getauft habe, vorhin auf dem van-Dusen-Platz? Nofretete. Nofretete: Danke. Nennen Sie mich ruhig weiter so. Was ist schon ein Name. Sam: Schall und Rauch. Knall und Rauch. Jonas: Es reicht Sammy. Sam: Nein, Schall und Rauch. Shakespeare. Nofretete: Ich arbeite für unsere Altertümerverwaltung im verdeckten Außendienst. Jonas: Das heißt, Sie sind ägyptische Geheimagentin. Nofretete: Wenn Sie es so romantisch ausdrücken wollen, Jonas. Man hat mich nach Babylon geschickt, um auf die Leihgaben für Ihre Ausstellung zu achten, vor allem natürlich auf die Mumie unseres großen König Ramses. Jonas: Das hat wohl nicht so recht geklappt. Nofretete: Ich habe meinen Auftrag nicht erfüllt. Ich habe versagt. Wie Sie, Jonas. Jetzt haben wir beide das gleiche Ziel, Ramses den zweiten zu finden, ich schlage vor wir tun uns zusammen, wir teilen unsere Informationen und gehen gemeinsam vor. Jonas: Einverstanden, teilen wir unsere Informationen. Nofretete: Sie fangen an Jonas. Jonas: Nicht doch. Jonas ist Kavalier. Nach Ihnen Nofretete. Nofretete: Gut. Passen Sie auf. Vor etwa einem viertel Jahr haben Unbekannte versucht, Napoleons Grab im Pariser Invalidendom aufzubrechen, ohne Erfolg. Jonas: Was hat das mit unserem Fall zu tun. Nofretete: Warten Sie ab. Etwas später hörten wir von mysteriösen nächtlichen Grabungen in Berlin, auf dem Gelände der alten Reichskanzlei, wo heute das gigantische Denkmal der Vereinigung steht. Jonas: Sieht aus, als ob jemand tote Herrscher sammelt. Napoleon, Hitler. Nofretete: Und jetzt Ramses den zweiten. Interessant nicht wahr. Sie sind dran, Jonas, was haben Sie bei der Psychotherapeutin erfahren. Jonas: Ich sagte es ihr, und ich sage ihr auch, was Sammy mir gerade gebeichtet hatte. Nofretete: Also in diesen wie hieß das, in diesen Grausektor führt die Spur. Sam: Im Grausektor aber ist's fürchterlich, nicht geheuer ist es dort, Geister gibt an jenem Ort. Jonas: Wirklich Sam. Sam: Ja, radioaktive Geister. Und über ihnen ragt in den verhangenen Himmel dräuend und grausend der Schecken aller Schrecken, Frankensteins Burg. Ua... Jonas: Ugarte. Keine schlechte Idee. Sam: Keine schlechte Idee. Ha. Bravo Sammy, heißt das, gut gemacht Sammy, Danke, Sammy, was würde ich ohne dich tun, Sammy. Jonas: Ugarte. Dr. Victor Ugarte. Vor Jahren eine leuchtende Hoffnung der Wissenschaft, genialer Genetiker und Mikrobiologe, umworben, hofiert, Lehrstuhl an der Uni Babylon mit 20, Aussicht auf den Nobelpreis, und dann war alles vorbei, ganz plötzlich. Ugarte hatte heimlich für die Korporation gearbeitet, das organisierte Verbrechen, organlose Kuriere hatte er geklont und absolut furchtlose Wegwerfkiller. Das kam raus. Ugarte setzte sich ab in den Grausektor, wo sich kein Polizist hintraut, und da saß er immer noch und forschte und klonte in seinem illegalen Labor. Sam: Frankensteins Burg heißt sie im Volksmäulchen. Jonas: Igora kam aus dem Reservat, mit der Mumie und mit einem Klonkiller, ihr Chef heißt Frankenstein. Hat sie gesagt. Alles paßt zusammen. Nofretete: Ugarte hat die Königsmumie gestohlen mit Junipers Hilfe. Jonas: Und er hat sie noch. Wozu. Warum. Nofretete: Vielleicht ist er Sammler. Jonas: Könnte die Sache was mit Gentechnik zutun haben. Nofretete: Das wird sich zeigen. Wir werden Frankenstein besuchen, auf seiner Burg. Jonas: Einfach so, ein gemütlicher Spaziergang in den Grausektor durchs Reservat. Nofretete: Sie kennen sich da doch aus, Jonas. Oder? Sam: Und ob er sich auskennt, mein Meister, ein und aus, rein und raus, ja, ein Pfadfinder im Reservat, ein Führer durch die Wildnis, siehe Fall Reservat, siehe Fall Störfalle, siehe Fall Eurodschungel, und so weiter und so fort etc. Nofretete: Ja, dann ist ja alles in Ordnung. Zeigen Sie mir den Weg auf der Karte, Jonas, wo liegt der Grausektor. Sam: Da drüben an der Ecke wo die Rosentulpen stehen... Jonas: Im Südosten von Babylon, mitten in dem großen dunklen Fleck, vor 15 Jahren im Bürgerkrieg ist das ganze Viertel draufgegangen, seitdem existiert es nicht mehr. Offiziell. Inoffiziell ist es das Reservat, eine Wüste aus Stein und Metall, ein Dschungel mit eigenen Gesetzen, wild und gefährlich, am wildesten und gefährlichsten im Grausektor. Ich zeigte Nofretete den Weg durchs Reservat zum Grausektor. Nofretete: Wir sollten sofort aufbrechen Jonas. Jonas: Augenblick, nicht so schnell, erst helfen Sie mir beim Aufräumen. Nofretete: Wenn Sie darauf bestehen, aber vorher sollten wir anstoßen auf das Team Nofretete/Jonas. Sam: Und Sammy. Nofretete: Gibt's hier was zu trinken. Jonas: Bürowhisky, wenn Sie die Flasche nicht ausgekippt haben, o haben Sie nicht, die Gläser sind auch noch ganz, also dann cherio. Auf gute Zusammenarbeit, Nofretete. Nofretete: Auf gute Zusammenarbeit, Jonas. Jonas: Sie trinken ja gar nicht, Nofretete, warum trinken Sie nicht? Jonas: Ich fiel, vom Schreibtisch auf den Fußboden, durch den Boden, tiefer, immer tiefer, bis nichts mehr da war, kein Boden, kein Jonas. Im meinem Kopf tobte die Schlacht von Kadesh. Mal gewannen die Ägypter, mal die Hethiter. Jonas verlor immer, das war nicht fair. Ich machte die Augen auf. Ich lag auf dem Fußboden in meinem Büroapartment. Die Schlacht tobte immer noch. Nur daß es nicht die Schlacht war, es war Sammy. Sam: Tatatatä. Erhebet euch ihr Gläubigen, strömet zu Hauf, na los, komm schon endlich hoch du nasser Sack, kikeriki, erwachet, erwachet, er krähte der Hahn, die Sonne betritt ihre güldene Bahn. Kikeriki. Jonas: Der Hahn heißt Sam. Und das mit der Sonne stimmt schon gar nicht. Sam: Theo gratias, Halleluja. Halleluja. Jonas: Wie spät haben wir's? Sam: Er ist wieder da, er ist wieder bei sich, er ist wieder bei Sammy, mein Jonasle, Jonas der große, der einzige, der unnachahmliche. Jonas: Jajaja wie spät. Sam: Höre Jonas laß dir sagen, unsere Uhr hat 6 geschlagen, und äh ja und 7 Minuten und 23 Sekunden. Jonas: Abends? Sam: Na, Mitternachts wird's sein. Jonas: Das heißt ich war fast 8 Stunden abgetreten. O... O Gott. Da hat mir die liebe Nofretete ein Teufelszeug in meinen Whisky gekippt. Sam: Gelinkt hat sie meinen Meister, lahmgelegt, kaltgestellt, pfui spinne wat fies, damit sie ihren Ramses ganz allein holen kann. Jonas: Viel Glück, das braucht sie. Sam: Wie dürfte ich das verstehen, Sir? Jonas: Oh, ich hatte so ne Ahnung, und darum hab ihr einen ganz besonders interessanten Weg durchs Reservat gezeigt, über Turkistan, vorbei am Hauptquartier der Straßensamurai und an den Höhlen der Nachtmenschen. Sam: Ja, das schafft sie nie, die linke Lola. Clever, und da bist du ganz alleine draufgekommen, du Dünnbrettbohrer. Jonas: Wer sich auskennt, kommt problemlos ins Reservat, weil er weiß, wo die Lücken im Dom sind, und die vergessenen Unterführungen, und im Reservat kennt er die versteckten Wege durch die Trümmer. Und wenn er dann noch Glück hat, kommt er durch. Gegen Mitternacht war ich im Grausektor, Radioaktivität bedenklich, aber nicht lebensgefährlich. Sagt Sam. Passendes Wetter, heftiger Regen, Blitz und Donner, die Klimaregulierung spielte verrückt, das tut sie hier immer. Um Jonas graue Hügel, eintönig und unheimlich, und darüber, blitzumzuckt, ein hohes finsteres Gebäude. Sam: Frankensteins Burg. Jonas: Ugartes Labor, wir sind da. Sam: Früher war das mal ein Bezirksgericht, gelle, ja, gebaut im 19. Jahrhundert, daher das gotische Brimborium, Zacken, Zinnen, Türmchen. Ja, so was fanden die geil damals. Beachten Sie vor allem die stilechten Spitzbögen Ladys und Gentlemen. Jonas: Ich denke nicht dran. Sam: Und woran sofern die Frage erlaubt wäre, denken Eminenz falls überhaupt. Jonas: Wie kommen wir rein, daran denke ich. Sam: Ja, gute Frage, Kumpel, laß uns mal überlegen. Jonas: Türen und Fenster sind out, Sammy. Sam: Ja, da scharf bewacht und streng gesichert, daccord Monsieur. Jonas: Übers Dach. Sam: Hubschrauber weniger zu empfehlen. Jonas: Also von unten, durchs Abwasser, wie seinerzeit in Nirwana. Sam: Fall Spielwiese. In dem daß die Abwasserleitung hiesigenorts zu ebener Erde verläuft und sich in einem bewachten Zustand befindet. Jedoch. Jonas: Sam hatte in eine Idee. Ab und an ist er wirklich zu brauchen. In alter Zeit stand gegenüber vom Gericht das Untersuchungsgefängnis, und dazwischen lief ein unterirdischer Gang, damit die Angeklagten sicher vor den Richter gebracht werden konnten. Sam wußte das. Sam weiß viel. Er wußte auch, welcher Trümmerhaufen das ehemalige Gefängnis war, und wo Jonas im Schutt wühlen mußte, um den Gang zu finden. Eine Stunde später waren wir unter der Erde, es war eng, etwas muffig, aber sauber und hell. Sammy ließ sein Licht leuchten auf glatte Wände, die nur einmal unterbrochen waren, durch eine Metalltür mit einem wohlbekannten Zeichen: Jonas: Drei schwarze Speichen im gelben Kreis, hierdurch geht’s ins alte Atomschutzsystem, Sammy. Fall Schneewittchen, weißt du noch. Sam: Ah Herr Hofrat, ich bitt Sie, wird Sammy auch nur einen einzigen Fall seines Jonas vergessen. Jonas: Vorsicht, Sam, ich sag nur Lecithin. Sam: Ja, nur zu, brutaler Folterknecht, dreh an der Schraube, reibs ein, schmier's dem armen Sam aufs Butterbrot, immer und immer wieder, ich werd es ertragen sieben Jahr, ich werd es ertragen. Jonas: Tu das Sam. Weißt du, was die Tür bedeutet. Wir haben einen Fluchtweg, schnell und gefahrlos unter dem Reservat direkt nach Babylon. Falls du den Öffnungscode kennst. Sam: Ha. Kennt Sammy sein Einmaleins, sein Alphabet? Jonas: OK. Merken für nachher, wir werden's dann vermutlich eilig haben. Weiter. Sam: Drei vier. Das Wandern ist das Jonas Lust, das Wandern... Jonas: Der Gang endete an einer schmalen Treppe, 30 Stufen steil nach oben, dann ein kleiner Absatz, rechts und links Wände, darin je eine hölzerne Schiebetür. Undeutliche Geräusche hinter der linken Tür. Ich schob sie vorsichtig zurück, kroch durch die Lücke und war in einer Art Kanzel, zwei mal zwei Meter. Unter einer hohen Gewölbedecke. Was war das? Ugarte: Gut so, macht sich, macht sich. Sehr schön. Sam: Großer Verhandlungssaal, Herr Vorsitzender. Jonas: Und diese Kanzel. Sam: Für den Angeklagten. Jonas: Ach so. Ob ich mal über den Rand kucke? Sam: Vorsicht, euer Ehren, Klavier, piano, pianissimo. Jonas: Der Saal war voll. Voll mit Geräten, Maschinen, Apparaten, Instrumenten, Konsolen, Röhren, Gläsern. Retorten. Alles brummte und summte, dampfte und stampfte, tickte, brodelte und kochte, Elektroöfen zischten, bunte Lichter zuckten. Frankensteins Labor. Wie im Kino. Mittendrin zwei Figuren in weißen Kitteln, eine klein und bucklig, Igora. Neben ihr ein Mann, groß, etwas gebückt, fahrige Bewegungen, stechende Augen hinter dicken Brillengläsern, wirre lange Haare, die um seinen Kopf standen wie ein pervertierter Heiligenschein. Das mußte er sein. Frankenstein persönlich, Dr. Victor Ugarte. Ugarte: Gut machen sie sich, unsere kleinen Adolfs, Igora. Igora: Wundervoll, Herr Doktor, ganz wundervoll. Ugarte: Sie blühen, sie gedeihen. Die neuen Nährlösung scheint ihnen besser zu bekommen. Igora: Viel besser, Herr Doktor. Viel, viel besser. Ugarte: Der kleine, dicke hier, ist das nicht ein Prachtexemplar. Kann man nicht schon fast seinen Schnurrbart erkennen? Igora: Vollbart, Herr Doktor, Rauschebart. Ugarte: Red keinen Unsinn, Igora. Was macht unser Sonderfall, unser Sorgenkind. Igora: Herr Doktor meinen den Pharao? Ugarte: Wen denn sonst. Ißt er? Igora: Jawohl, Herr Doktor, aber sprechen tut er immer noch nicht. Ugarte: Ich seh ihn mir mal an. Jonas: Beide gingen durch eine Tür, direkt unter meiner Kanzel. Jonas ging auch, das heißt er kroch, zurück durch die Schiebetür, über den Absatz, durch die rechte Schiebetür: Und da war ich wieder auf einer Kanzel, über einem Saal, der kleiner war als der erste. Und in dem es ganz anders aussah. Sam: Ägyptisch. Jonas: Wenn du das sagt, Sammy. Sam: Ja, Thronsaal eines Pharao. Neues Reich, 19. Dynastie. Jonas: Glaub ich dir unbesehen. Hier sind sie also gelandet die Stücke aus der Ausstellung. Aber wo ist die Mumie? Sam: Ja, wo ist die Mumie? Auf dem Thron. Jonas: Nein, Sammy, das ist ein Mensch, eben hat er den Arm bewegt. Sam: Ja und? Jonas: Ein Mann, groß, mager, dunkelhäutig, mit ausgeprägter Hakennase und einem langen schmalen Kinnbart. Er trug einen Lendeschurz und auf dem Kopf einen hohen runden Aufbau, ein bißchen wie eine Bischofmütze. Und nach Bischof sah auch der kurze Krummstab aus, den er in der Hand hielt. Er saß da, steif und fast regungslos und sah vor sich hin. Auf Ugarte, der vor ihm herumfuchtelte, reagierte er überhaupt nicht. Ugarte: Sag mal, Ramses, was soll das, was denkst du dir? Gerade mit dir habe ich mir ganz besondere Mühe gegeben. Igora: Und auch hohe Kosten haben Herr Doktor nicht gescheut. Ugarte: Sehr richtig, Igora. Kosten Mühen und Zeit. Ich mußte diesen Idioten Juniper kultivieren, sein Vertrauen gewinnen, ihm anvertrauen, daß ich aus der Mumie von Ramses II. eine genuine Kopie des alten Pharao klonen kann. Igora: Und wie Herr Doktor das können, phänomenal. Ugarte: Ich habe ihm erzählt, daß so eine Kopie ihm alle Fragen über den echten Ramses beantworten kann, wer die Schlacht von Kades gewonnen hat, und was weiß ich noch alles. Igora: Und das hat er Herr Doktor wirklich geglaubt? Ugarte: Als ob ein Klon die Erinnerungen des Originals behält, ein Trottel, der Mann, keine Ahnung von Genetik. Als er mir die Mumie brachte und merkte, was ich wirklich vorhatte, da machte er mir eine Szene. Igora: Eine Frechheit Herr Doktor, eine bodenlose Frechheit. Ugarte: Dafür ist er ja auch bestraft worden, Igora, und ich, ich habe die Mumie präpariert und zerlegt, das Genmaterial isoliert, nach der PCR-Methode kopiert und da mir mehr als ausreichend DNA-Substanz zur Verfügung stand, habe ich dich produziert, Ramses. Du bist ein Pharao, ein Autokrat, ein Tyrann, ein blutdürstiger Krieger. Benimm dich gefälligst auch so. Igora: Alarm, Herr Doktor. Ugarte: Geh ans Fon, Igora, frag die Sicherheitszentrale was es gibt. Igora: Ja, was ist los? Aha? Jemand hat versucht, ins Institut einzudringen Herr Dr. Ugarte: Wer hat es gewagt. Man bringe ihn zu mir. Igora: Sie. Herr Doktor, es ist eine Frau. Jonas: Auftritt zwei riesige Klonkiller mit Lasern, zwischen ihnen, Sie haben es erraten, Nofretete, sie hatte es tatsächlich geschafft. Respekt trotz allem. Sie sah sich um, verwirrt zuerst, dann immer stärker beeindruckt. Fast verzückt, riß sich los, lief zum Thron, fiel auf die Knie. Nofretete: Majestät, o großer Pharao, sieh gnädig herab auf deine Dienerin. Ugarte: Machen Sie sich nicht lächerlich. Das ist nur ein Klon. Ein Produkt. Vor mir sollten Sie knien. Ich hab ihn geschaffen, einen lebendigen Pharao aus einer toten Mumie, und das ist erst der Anfang, wenn erst die vielen kleinen Adolfs reif geworden sind, und bald, sehr bald werde ich in den Osten aufbrechen, ins Eldorado der Tyrannen, Lenin, Stalin, Iwan der Schreckliche, Dschingis Khan. Tamalan. Durch mein Genie werdet ihr zu neuem Leben, neuen Untaten erwachen. Igora: Bravo, Herr Doktor, bravissimo. Ugarte: Man hat mich verfolgt, man hat mich gedemütigt, meine Karriere hat man vernichtet, mein Leben zerstört, ich werde mich dafür rächen. Babylon, Europa, die ganze Welt wird erfahren, wozu Dr. Victor Ugarte fähig ist. Ich klone Welteroberer, Diktatoren, Tyrannen, Massenmörder, Blutsäufer, es werden mehr werden, immer mehr, viele, und wenn die Zeit gekommen ist, werde ich, Dr. Victor Ugarte, meine schwarzen Heerscharen, meine apokalyptischen Horden auf die Menschheit loslassen. Ein Chaos wird ausbrechen, eine globale Katastrophe, die Greuel der Verwüstung. Heulen und Zähneklappern, Berge von Leichen, Ströme von Blut. Armageddon, Götterdämmerung, Weltuntergang. Sam: Total beknackt dieser Klon... Ramses: Amun steh mir bei, was für ein melodramatischen Monolog, ein richtiges, verzeihen Sie Dr. Ugarte, ein richtiges Schmierentheater. Igora: Ramses, der kann sprechen, und wie, Herr Doktor, wie ein Buch. Sam: Ne, wie ein Computer. Ugarte: Wie redest du mit mir, Ramses, du bist mein Geschöpf, was ich befehle führst du aus. Ramses: O nein, Dr. Ugarte, rechnen Sie bitte nicht mit mir, ich finde ihr Weltuntergangsszenario abgeschmackt, makaber, richtig krank. Außerdem kann ich kein Blut sehen. Ugarte: Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken, Igora. Ramses ist ein Fehlschlag. Viel zu brav, kein Tyrann, wie wir ihn brauchen. Was über Ramses II. in den Geschichtsbüchern steht, ist offenbar stark übertrieben. Wir werden ohne ihn auskommen müssen. Programm Adolf wird intensiviert. Viel zu tun, viel zu tun. Igora: Und die Frau, Herr Doktor, die Einbrecherin? Ugarte: Bringen sie um, Igora. Igora: Mit meinem kleinen scharfen Messer, Herr Doktor, wie Juniper. Ugarte: Genau so, Igora, zeig diesem entarteten Pharao wie Menschenblut aussieht. Igora: Komm, komm mein Täubchen, komm zu Igora. Igora wird dir deinen schönen Hals abschneiden von einem Ohr zum andern mit ihrem kleinen scharfen Messer. Ramses: Zurück. Ich bin der Pharao, ich werde nicht dulden, daß meiner Dienerin Leid geschieht. Igora: Misch du dich nicht ein Ramses, sonst bist du der nächste. Haltet sie fest. Sam: Sollten wir einschreiten, mein über den Dingen schwebender Jonas. Jonas: Du hast Recht, Sam, es wird Zeit. Laserstrahler. Igora und zwei Klonkiller. Jonas: Tot. Alle drei. Meisterschütze Jonas hopste über die Kanzel. Nofretete war keine Amateurin. Sie lief sofort zur Tür, drehte den Schlüssel um. Keine Sekunde zu früh. Ugarte: Igora, was ist passiert. Nofretete: Nun tun wie uns also doch noch zusammen, Jonas. Teilen wir unsere Ressourcen. Was haben Sie beizusteuern? Jonas: Meinen Laser und einen Hinterausgang plus Fluchtweg. Und Sie Nofretete? Ugarte: Aufmachen. Nofretete: Ich, das hier. Jonas: Eine Superminibombe mit einstellbarem Zeitzünder. Sehr gut. Nofretete: Zum Glück haben sie mich nicht durchsucht. Sam: Die Zeit drängt, verehrte Anwesende. Stell den Knaller ein, eine viertel Stunde sollte reichen, na los versteck ihn und dann ab und durch die Middle. Jonas: Und Ramses, nehmen wir ihn mit. Nofretete: Mein Pharao. Komm zurück. Sam: Ja wo ist er denn. Jonas: Ramses schritt zur Tür. Kopf hoch, Arme über der Brust gekreuzt, feierlich, jeder Zoll ein Pharao. Ugarte und seine Klonkiller hatten ein mächtiges Loch in die Füllung geschlagen. Ramses blieb davor stehen, majestätisch hob er den Krummstab. Ramses: Im Namen Amuns, in meinem eigenen Namen, ein Gott bin wie er, im Namen aller Götter Ägyptens, fort mit den Waffen, in den Staub, das befiehlt euch Ramses, der Sohn des Rah, der da geliebt wird von Amun, Ramses der große Pharao. Jonas: Nofretete, was ist mit der Bombe. Nofretete: Eingestellt und versteckt. Jonas: Dann los, hier auf die Kanzel, beeilen Sie sich. Auf die Kanzel. Nofretete: Armer Ramses. Armer Pharao. Jonas: Eine Viertel Stunde später, in einem Gang des unterirdischen Atomschutzsystems Richtung Babylon. Jonas ging voran, dahinter Nofretete, Sammy in meiner Hand leuchtete. Wir hatten es eilig. Aus gutem Grund. Sam: Adio Frankensteins Burg. Adios Frankenstein. Alias Dr. Victor Ugarte. Jonas: Adios Ramses. Ein Jammer, daß wir ihn nicht retten konnten, Nofretete, und seine Mumie schon gar nicht, aber die hat Ugarte schon vor Tagen zerschnipsle und zu Genmaterial verarbeitet. Nofretete? Nofretete? Sam: Nofreretetete? na, verschwunden, die flüchtige, wieder einmal. Jonas: Und diesmal für immer. Mir sollte es recht sein. Als ich zuhause war, rief ich Frau Schrödinger M.A. an, wollte ihr erzählen, wie der Fall ausgegangen war, wer dahinter gesteckt hatte und warum. Aber sie wollte es nicht hören. Schrödinger: Interessiert mich nicht, Herr Jonas, absolut nicht, das hab ich Ihnen schon mal gesagt. Mich interessiert nur eins. Was ist mit Ramses? Jonas: Erschossen, Frau Schrödinger, MA. Schrödinger: Was? Jonas: Was ist mit meinem Geld? Schrödinger: Reichen Sie Ihre Rechnung ein. Jonas: Was? Schrödinger: Ich habe einen großen Papierkorb. Jonas: Natürlich kriegte Jonas keinen Euro. Frau Schrödinger MA kriegte was, einen neuen Posten. Sie wurde nach Albanien versetzt zur Regionalverwaltung historisch wertvoller Zwergkirchen. Sam: Und da soll sie bleiben, bis sie schwarz wird, das walte Hugo, Amen Bmen, Batman. Das war Pharao. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem wirkten mit: Christiane Bachschmidt, Ulrike Kriener, Elisabeth Volkmann, Hans Stetter und viele andere (Elisabeth Endriss, Karl Friedrich). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks (1994). Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Nachtcafe Jonas: Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller. Steaks. Echtes Rindfleisch. Unbezahlbar. Sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen. Und sie schrien. Sie schrien vor Hunger. Sie schrien nach unseren Abfällen. Der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu. Einen abgenagten Knochen. Durch die elektronisch gesicherte Klappe. Sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Lumbago: Hahahaha! Das macht Laune und Appetit. Hunger ist der beste Koch. Sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert. Na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch, später, vielleicht, wenn ihr uns bei Laune haltet. Na, bietet uns mal was. Allehopp! Jonas: Das Lokal hieß Drittwelt. Ein Schuppen für Superreiche. Man tafelte in Plastikkuppeln. Dahinter Horden halbverhungerter Drittweltler. Der Besitzer ließ sie an der Grenze einsammeln. Da gab's mehr als genug. Frischer Nachschub. Jede Nacht. Lumbago: Super Idee. Der letzte Schrei. Erlebnisgastronomie mit Pfiff. Sie essen ja gar nicht Jonas. Hauen Sie doch rein. Die Chefin zahlt. Jonas: Sie haben mich hierher bestellt, sagen Sie, worum es geht. Ich höre zu. Aber vorher drücken Sie auf den Knopf. Lumbago: Sie meinen Ton weg, Kuppel undurchsichtig? Aber wieso denn, die Hungerleider sind doch gerade der Witz hier. Krug: Tun Sie uns den Gefallen, Lumbago, stellen Sie das da draußen ab. Jonas: Sie war Kassandra Krug: Albin Krugs einzige Tochter, die reichste Erbin in Babylon, vielleicht in ganz Europa, trotzdem tat sie mir leid, sie war so klein, einsdreißig - höchstens. Und ihre Augen hatten den gleichen traurigen Blick wie die Augen der armen Schweine hinter dem Plexiglas. Ihretwegen blieb ich, der Mann bei ihr war weniger mein Fall. Jonas: Lumbago. Lumbago: Ja, so heiße ich. Tayfun Lumbago, Dr. Lumbago, Dr. der äh... Krug: Kunstgeschichte. Jonas: Doktor. Lumbago: Was dagegen? Jonas: Genau so hab ich mir einen Doktor der Kunstgeschichte vorgestellt, zwei Meter im Quadrat, Nasenknick, Blumenkohlohren. Lumbago: Nur kein Neid, Freundchen. Krug: Dr. Lumbago betreut die Kunstsammlung meines Vaters. Deshalb ist er mitgekommen. Verstehen Sie? Jonas: Kein Wort. Vielleicht fangen Sie mal an mir zu erklären was Sie von mir wollen. Lumbago: Van Gogh. Schon mal gehört den Namen? Jonas: Maler vor 100 Jahren. Nicht ganz dicht, hat sich was abgeschnitten, Ohr, richtig, krieg ich jetzt den Preis. Krug: Mehr wissen Sie nicht? Jonas: Wozu? Krug: Nachtcafe, Jonas, sagt Ihnen das was? Jonas: Ist das ne Kneipe? Kenn ich nicht. Lumbago: Na wissen Sie Freundchen, mit ihrer Bildung sieht's eher mickrig aus. Jonas: Im Gegenteil, Freundchen, meine Bildung ist gewaltig, und ich habe sie immer bei mir, in der Tasche. Bitte, mein Computer, spricht viel, weiß alles. Hast du zugehört, Sam. Sam: Ja natür... haben wir Chef. Doch doch doch mit einem Öhrchen, na ja warum. Nicht gerade anregend das Gesülze. Jonas: Van Gogh, Sammy, Nachtcafe, leg los, mach Eindruck, zeig den Herrschaften, was Bildung ist. Sam: Aber immer, Meister, auf die Plätze fertig los, Piep. Vincent van Gogh, 1853 bis 1890, zu Lebzeiten ein bettelarmer, völlig erfolgloser, gänzlich unbekannter Maler, wurde nach seinem allzufrühen Tod anerkannt und gefeiert als einer der genialsten Künstler, welche je auf Erden wandelten. Bereits im 20. Jahrhundert erzielten seine Gemälde Rekorderlöse –heute sind sie so gut wie unerschwinglich. Jonas: Das wußte sogar Jonas, und er wußte auch warum. Weil es kaum noch echte van Goghs gab, die meisten waren in den letzten Jahren draufgegangen, als Holland und Belgien überflutet wurden, als beim Erdbeben von Tokio die Großbanken mitsamt ihren Tresoren ins Meer rutschten, als im 2. amerikanischen Bürgerkrieg die Museen in Flammen aufgingen. Sam: Nachtcafe ist der Titel eines Gemäldes, welches van Gogh im September 1888 zu Arles in Südfrankreich schuf. Jonas: Ach so. Ein Bild ist das. Sam: Was denn sonst du hirnamputierte Beutelmaus. Nachtcafe, vordem im Besitz der Yale University, wurde im Dezember 2012 von Albin Krug, dem bekannten babylonischen Multimillionär und Multimilliardär für seine Sammlung erworben, Kostenpunkt 500 Millionen Euros. Jonas: Eine halbe Milliarde. Sam: Ja. Jonas: Für ein Bild. Sam: Ja. Krug: So ist es Jonas. Und jetzt hat mein Vater erklärt, daß er Nachtcafe mitnehmen will. Jonas: Mitnehmen, wohin. Lumbago: In die Hölle vermutlich. Verzeihung, Kassandra. Krug: Schon gut, Lumbago. In den Sarg, ins Krematorium. Wenn er tot ist. Lumbago: Und das wird nicht mehr lange dauern, immerhin ist Albin Krug an die 120. Krug: 121 Jahre und 4 Monate. Jonas: Moment, ihr Vater will ein Bild für eine halbe Milliarde verbrennen. Warum? Krug: So ist er, Jonas, wenn es ihn nicht mehr gibt, soll es auch Nachtcafe von van Gogh nicht mehr geben. Lumbago: Ja, und darum haben wir Sie kommen lassen, Jonas. Krug: Sie sollen verhindern, daß mein Vater seinen Plan ausführt. Lumbago: Sie sollen Kassandras wichtigstes und wertvollstes Erbstück sichern und der Welt ein einmaliges Kunstwerk erhalten. Jonas: Ich verstehe, Sie brauchen keinen Detektiv, Sie brauchen einen Dieb. Lumbago: Jacke wie Hose Jonas. Krug: Bitte, Jonas, retten Sie Nachtcafe, für mich. Sam: Gut wir retten Nachtcafe. Jonas: Sie sah mich an, schräg von unten, mit großen traurigen Augen. Deshalb blieb ich. Jonas war nicht in Form. Jonas hatte keinen Bock. Jonas wollte kein Detektiv mehr sein. Letzter, vorletzter, allerletzter. Egal. Jonas wollte was ganz anderes tun, was kreatives. Töpfern, Klavierspielen, Midlifecrisis nennt man so was. Und ein Bild klauen, das hat ja auch was kreatives. Irgendwie. Was künstlerisches. Lumbago: Auf jeden Fall ist es eine ganz einfache Kiste Jonas. Sie gehen zu Krugs Haus, gleich nebenan, durch den bewachten Park, 10 Minuten zu Fuß. Sie gehen ins Haus, durchs Foyer und dann rechts in den Bildersaal, immer gerade aus, Nachtcafe hängt an der hinteren Wand, nicht zu verfehlen. Sie nehmen das Bild ab, klemmen es unter den Arm, kommen zurück. Jonas: Nicht so schnell, Lumbago. Lumbago: Dr. Lumbago. Jonas: Wollen Sie mir erzählen, daß Haus und Bild überhaupt nicht gesichert sind? Lumbago: Natürlich sind sie gesichert, und wie, aber das ist nicht Ihr Problem. Kassandra? Krug: Hier, Jonas, eine Generalsupersicherheitsscheibe. Lumbago: Damit legen Sie das komplette Schutzsystem im Hause Krug lahm. Jonas: Kein Personal. Lumbago: Die Menschen haben Ausgang, die Automaten schaltet ihre Scheibe ab. Jonas: Und Albin Krug selbst. Krug: Wird Sie nicht stören, Papi hält sich in seinem Spezialambiente auf, tief unter dem Haus. Lumbago: Ja, Sie sehen Jonas, ein Kinderspiel. Mit dem Bild kommen Sie hier her zurück, dafür kriegen Sie 500 Euros. Jonas: 500. Für ein Bild, das 1.000.000 mal soviel wert ist. Lumbago: Na, sagen wir 1000, aber mehr ist nicht drin. Krug: Pappi hält mich kurz. Lumbago: Alles klar Jonas. Jonas: Noch nicht ganz, wenn die Sache so leicht ist, wozu brauchen Sie mich. Warum klauen Sie Nachtcafe nicht einfach selbst. Lumbago: Schwer von Begriff ist er auch noch. Albin Krug wird natürlich Kassandra verdächtigen. Krug: Sie auch Lumbago. Lumbago: Und darum brauchen wir ein Alibi. Wir sitzen hier in der Drittwelt, ganz gemütlich. Und derweil reißt sich ein Außenstehender das Bild unter den Nagel, einer den Krug nicht kennt. Der mit Kunst nichts am Hut hat und der sich dabei nicht allzu dämlich anstellt hoffentlich. Uhrenvergleich. Es ist jetzt. Sam: 22 Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden. Piep. Lumbago: Spätestens um 11 sind Sie wieder hier, Jonas. Mit Nachtcafe, eingewickelt natürlich, Decken und Packpapier finden Sie im Bildersaal auf dem Tisch rechts von der Tür. Krug: Viel Glück Jonas. Wir sehen uns. Sam: Tschüß. Jonas: Jonas war schon oft danebengewesen, aber noch nie so daneben wie an diesem 2. Juli 2013. Midlifecrisis wie gesagt und große Zwergenaugen. Wie auch immer, Jonas ging klauen. Krugs Haus war kein Haus, eine Residenz, eine Palast, eine gigantische Schatzkammer, gesichert und bewacht von allem was gut und teuer war. Schleusen und Scanner jeder Art, Robodogs und Robokiller, Monitore, Fallen, Alarmanlagen, aber damit hatte Jonas keine Probleme. Jonas war unsichtbar, seine Superscheibe bahnte ihm den Weg durch die Dornenhecke ins Dornröschenschloß. In den Bildersaal, was heißt Bildersaal, ins Museum. Überall gerahmte Kunst, groß, klein, bunt, einfarbig. Soweit so gut. Wo war Nachtcafe? Sam: Sperr die Schweinslitzen auf Genosse, hier, direkt vor dero hochwürdigstem Riechorgan. Jonas: Das Bild da, das kleine Ding? Sam: Ja, 70 mal 90 cm, klein, aber oho, wie Miss Kassandra die Krügin. Jonas: Na, weißt du, Sammy. Giftgrün, Blutrot, Eitergelb, und mittendrin ein schiefer Billardtisch. Also mir gefällt's nicht. Sam: Och, wer fragt dich denn, du Banause, merke 500 Milliarden Euros können nicht irren. Jonas: Bißchen Ästhetik hätte ich dir einprogrammieren sollen. Sam: Nachtcafe ist eines der häßlichsten Bilder, die ich geschaffen habe, sagte Vincent van Gogh, der Meister höchstpersönlich. Jonas: Ja, der sollte es wissen. Sam: Und ferner sprach er: Ich habe versucht, die finsteren Nächte in einer gemeinen Kneipe darzustellen, und das in einer Atmosphäre fahl und schweflig wie ein Höllenofen. Jonas: Interessanter Aspekt, Sammy. Sam: Also so geht’s nicht, Chef, sind wir hier, um das Bild zu betrachten, zu interpretieren, kritisch zu werten? Hä? Mitnichten, geklaut soll es werden das Bild, also dann mal los, du Schnarchsack, bißchen plötzlich. Jonas: 10 Minuten später war ich draußen. Auf der Straße. Unter dem Arm ein flaches Paket, rechteckig, 70 mal 90, in einer Decke, im Bauch ein ungutes Gefühl. Und in der Tasche ein Computer, dem die Geschichte auch nicht gefiel. Und der das sagte, laut und deutlich. Sam: Da kommt eine Zwergin mit einem merkwürdigen Doktor der Kunstgeschichte und einer noch merkwürdigeren Story, und was tut mein Meister, er geht hin und klaut einen van Gogh. Wahnsinn! Jonas: Für einen guten Zweck, Sammy. Sam: Ach ja, also wenn du das glaubst, du Knallfrosch, dann muß dir einer ins Hirn genotdurftet haben. Was, genotdurftet, ach was geschissen. Jonas: Vorsicht Sam, du weißt, man kann dich abschalten. Sam: Apropos abschalten. Die Sicherheitssysteme im Hause Krug Jonas: Waren abgeschaltet durch meine Superscheibe. Oder nicht. Sam: Doch doch doch doch, irgendwie schon. Einerseits. Jonas: Was heißt das? Sam: Naja, schwer zu erklären, euer Unempfänglichkeit, da war noch mehr hinter dem Sicherheitssystemen, verdeckt, verborgen, Elektronik zu Hauf. Jonas: Bist du sicher Sam. Sam: Mein Gott Jupiter Merkur, was weiß ich, was heißt sicher, ist eher eine Art schleichende Ahnung, ungewiß oder unabweisbar, ein Gefühl. Jonas: Du hast keine Gefühle, Sammy. Sam: Was kein Gefühl. Jonas: OK. Was schlägst du vor. Sam: Folgendes Herr Kollege, Bevor uns nicht gewisse Aufklärung über Grund, Sinn und Zweck der Affäre Nachtcafe zu teil wird, liefern wir das Gemälde nicht ab. Wir halten es zurück, verstecken es, als Pfand, na ja non capito, als Sicherheit. Jonas: Keine schlechte Idee, und Jonas wußte auch wo er das Bild unterstellen konnte: Bei Joana, einer alten Freundin, Besitzerin der kleinen Kunstgalerie Picassos Pinsel in der Palmettostraße, nicht weit, nur um die Ecke. Joana ist eine tüchtige Geschäftsfrau, die Galerie war noch auf. Abends kurz vor 11. Tja, wir Freiberufler, immer im Dienst. Joana: Sieh mal wer da kommt, Jonas, Jonas der letzte Detektiv. Welch seltene Ehre, Tusch Herr Kapellmeister. Sam: Tätätätä, Jonas und Sam. Der Treueste der Treuen, wie sprichwortet doch das Volk. Je später der Abend. Joana: Halt den Rand Sammy. Gerade wollt ich abschließen und ins Bett gehen, allein, aber jetzt. Jonas: Laß dich nicht aufhalten Joana, ich muß gleich weiter. Kannst du das hier für mich aufheben. Joana: Ein Bild? Seit wann interessierst du dich für Kunst, Jonas? Jonas: Laß es eingewickelt, tu es in deinen Tresor, morgen hol ich es wieder ab. Joana: Was ist los Jonas, worum geht's? Ein Fall. Jonas: Keine Zeit, Joana, morgen, und was ich noch sagen wollte, danke. Jonas: Punkt 11 kam ich in der Drittwelt an. Wie besprochen, aber Kassandra Krug und Lumbago waren nicht da. Kellner: Die Herrschaften lassen sich entschuldigen, eine unvorhergesehene Abhaltung. Sie werden sich in wenigen Minuten einfinden. Sie, Herr... Jonas: Jonas. Kellner: Ach ja, ganz recht, Sie werden ersucht zu warten, Herr Jonas, hier an der Bar, wenn’s beliebt. Jonas: Es beliebte. Auch wenn Jonas leicht säuerlich war. Wozu hatte ich mich so beeilt. Egal. Ich saß an der Bar, weit ab von den heulenden Drittweltlern, trank mit Andacht einen echten Single Malt Whisky und wartete. Ein paar Minuten vergingen, dann machte es puff, in meiner Jackentasche, ich faßte rein, nichts drin, auch nicht Kassandra Krugs Superscheibe, die eben noch dringewesen war. Anscheinend ein Autodestruktions- und Evapourationsmechanismus, schweres Wort, hab ich von Sam. Als ich gerade anfing, mich zu wundern, piekte mich plötzlich ein Zeigefinger ins Kreuz, ein amtlicher Zeigefinger. Und eine amtliche Stimme flüstere mir was ins Ohr. Brock: Sie sind festgenommen Jonas. Jonas: Chefinspektor Brock, warum flüstern Sie, haben Sie ihre Dienstmarke verschluckt? Brock: Rücksicht ist das, weil wir in der Drittwelt sind, und weil hier der Polizeipräsident verkehrt, die Bürgermeisterin, Milliardäre, Industriekapitäne und -innen, bessere Leute, die wollen das exotische Ambiente in Ruhe genießen und sich beim Speisen nicht durch polizeiliche Maßnahmen stören lassen. Jonas: Was für polizeiliche Maßnahmen, Bröckchen? Brock: Sie sind festgenommen, Jonas. Jonas: Ach was. Warum. Brock: Das erfahren Sie auf dem Revier. Kommen Sie jetzt mit. Jonas: Ich denke nicht daran. Den Grund der Festnahme müssen Sie mir sofort sagen und dann müssen Sie Ihren Spruch ableiern. Alles was Sie aussagen kann vor Gericht usw. Ist Gesetz. Brock: Können Sie haben, Jonas, ich pfeife, meine Leute kommen rein, wir nehmen Sie fest, mit allen Schikanen, wie es im Gesetzbuch steht. Jonas: Das wird dem Herrn Polizeipräsidenten gar nicht gefallen. Brock: Ihren aber auch nicht, Jonas. Es könne nämlich passieren, daß Sie dabei unter Umständen ein kleines bißchen beschädigt werden. Aber ganz wie Sie wollen. Soll ich pfeifen? Jonas: Säuseln Sie lieber weiter, Bröckchen, das ist zwar auch nicht schön, aber ausgesprochen selten. Brock: Gut so. Stehen Sie auf, langsam, unauffällig. Gehen Sie voraus. Jonas: Auf dem Revier gab's keine besseren Leute, wir waren unter uns. Unter uns normalen, sofern man Bullen und private Schnüffler aus Normal bezeichnen kann. Chefinspektor Brock war wieder der alte, laut ruppig, harte Schale, und nicht ganz so harter Kern, womöglich, jedenfalls spendierte er mir einen Sojakaff. Und dann sagte er mir, warum ich festgenommen war. Brock: Diebstahl in Verbindung mit Einbruch. Sie haben ein Gemälde aus Albin Krugs Sammlung gestohlen, Wert eine halbe Milliarde. Die Beweislage ist eindeutig. Beim Begehen der Straftat wurden Sie holografisch erfaßt und aufgenommen. Jonas: Das also waren Sammy elektronische Ahnungen. Brock: Bestreiten Sie das Ihnen zur Last gelegte Verbrechen, Jonas. Jonas: Ja, das heißt nein, sagen wir nicht direkt. Ich kann alles erklären, das heißt Kassandra Krug kann, Albins Tochter, fragen Sie sie Brock. Brock: Nicht nötig, Kassandra Krug hat Sie angezeigt Jonas und uns das Holoband vorgelegt. Jonas: Das ist doch nicht wahr. Brock: Rufen Sie sie an. Sie wissen ja: einen Anruf haben Sie. Das ist Gesetz. Jonas: Das Bild, das ich, ich meine um das es geht, ist das versichert. Brock: Klar. Jonas: Bei wem? Brock: Moment, steht alles im Protokoll. Hier. Vereinigte Kosmos. Jonas: Kenn ich. Fall Supernova. OK Brock, machen Sie mir eine Fonverbindung. Brock: Mit Kassandra Krug? Jonas: Nein, mit der Versicherung. Jonas war dabei wieder Dampf aufzunehmen. Agieren, nicht reagieren hieß die Parole. Der Vereinigten Kosmos schlug ich ein Geschäft vor, ich bot an, Nachtcafe zurückzugeben, morgen, wenn ich sofort aus der Haft entlassen würde, vorläufig, gegen Kaution. Jonas mußte raus. So schnell wie möglich, um festzustellen, was gespielt wurde, von wem und warum. Gegen zwei Uhr nachts war ich draußen und machte mich sofort auf den Weg zur Palmettostraße. Da wartete die nächste Überraschung auf Jonas, ungewöhnliche Aktivität. Feuerwehrsirenen, Leitern, Schläuche, rote Glut, schwarze Trümmer. Die Galerie Picassos Pinsel war ausgebrannt, Joana stand vor den Resten. Sie schrie nicht, sie raufte sich nicht die Haare. Sie war sauer. Auf Jonas. Joana: Willkommen großer Detektiv, willkommen zum festlichen Feuerzauber. Sieh es dir an, Jonas, siehs dir ganz genau an. Das wirst du mir alles ersetzen. Meine Galerie, meine Wohnung, meine Objekte, meine Bilder. Alles. Jonas: Ich. Wieso ich. Joana: Weil du mir vorhin dieses Bild gebracht hast, Jonas, deshalb. Jonas: Versteh ich nicht. Joana: Das Bild ist explodiert mit einer Stichflamme, die hat die Wandbehänge in Brand gesetzt, usw. s' ging ganz schnell. Jonas: Explodiert. Wann. Joana: Genau um 11. Hatte es abgestellt, wollte gerade den Tresor aufschließen. Jonas: Punkt elf. Ein Autodistrukt mit Zeitschaltung. Wie der bei Scheibe. Mein Gott das Bild, Joana, was ist mit Nachtcafe. Joana: Was soll sein. Explodiert. Verbrannt. Hinüber. Jonas: Verbrannt. Ein echter van Gogh. 500 Millionen Euros. Joana: Unsinn. Eine Kopie, gutgemacht, aber doch nur eine Kopie. Nicht mehr wert als 100 Euros. Jonas: Bist du sicher. Joana: Ich hab's mir angekuckt dein Bild. Ausgewickelt und angekuckt. Wollt doch wissen, was Jonas bei mir abstellt. Van Goghs Nachtcafe. Kopie in Originalgröße. Jonas: Eine billige Kopie. Ich hab ne Kopie geklaut. Joana ich brauch dich. Komm mit. Joana: Darauf kannst du dich verlassen Jonas, daß ich mitkomme und dich nicht aus den Augen lasse. Nicht weil ich dich brauche. Ich brauch ein Bett und Schadensersatz. Rat und Hilfe sowieso. Jonas: Auch Jonas brauchte Rat und Hilfe. Es war höchste Zeit für eine Konferenz. Eine Stunde saßen wir in meinem Büroapartment zusammen. Joana, Jonas und Sam natürlich. Nur daß der nicht saß sondern lag. Auf dem Schreibtisch, was seinen Redefluß keineswegs einschränkte. Im Gegenteil. Sam: Im Namen der Logik, des Intellekts und des heiligen Geistes, lasset uns rekapitulieren liebwerte Gemeinde. Joana: Von mir aus. Jonas: Nur zu, Sammy. Erstens. Sam: Niemals. Punktum Römisch I. Fraktur. Jonas: Ist uns auch recht, was Joana. Sam: Römisch I. Alldieweil Sintimalen und was maßen unserem hochwertgeschätzten Anbefohlen namens Jonas nur Jonas zubenamset der letzte Detektiv von Seiten einer gewissen Kassandra Krug die Aufgabe zu teil wart, ein ölfarbbedecktes Stück Leinewand vulgo Nachtcafe aus ihres Herrn Vaters hochkünstlerischer Sammlung heimlichst zu entfernen, äh entfernen, sintinmalen zu entfernen, sinti... wo war. Jonas: Na Sammy, verhaspelt, weißt du nicht weiter. Sam: Piep. Zwo. Jonas klaut Bild, wird dabei ohne sein Wissen elektronisch beobachtet, und aufgezeichnet. Drei. Kassandra Krug zeigt Jonas wegen Diebstahls an. Vier. Supersicherheitsscheibe wird durch Selbstzerstörungsmechanismus vernichtet. Jonas: Und damit verliere ich meinen einzigen Beweis, daß ich für Kassandra Krug gearbeitet habe. Sam: Bitte den Vortragenden nicht zu unterbrechen. Fünf. Vernichtet wird gleichermaßen das gestohlene Bild, welches sich zu allem Überfluß Punkt sechs als Kopie erweist. Jonas: Erwies, Sammy, erwies. Sam: Bzw. bewies. In dem das. Jonas: Alldieweil und sintimalen. Sam: In dem das Alldieweil und sintimalen Punkt sieben besagtes Bild nicht mehr existiert ebenfalls dank eines Autodistruktmechanismus, durch welches Faktum dem Paktum des p.p. Jonas der Versicherungsgesellschaft zur Gänze die Basis entzogen wurde. Fuu äh Korrektur Uff. Jonas: Das heißt Jonas muß in den Knast. Punkt 8. Sam: Fazit Jonas nur Jonas der letzte Detektiv belieben sich in einer keinesfalls als beneidenswert zu bezeichnenden Situation zu befinden. Jonas: Vulgo in der Scheiße. Bis zum Hals. Joana: Und ich. Geht's mir etwa gut? Sam: Irrelefant meine Gnädigste. Denn merke: Sam ist ein persönlicher Computer. Sams Person ist Jonas. Zufällig zugelaufene Wesen weiblichen Geschlechts gehören nicht in Sams Aufgabeparameter. Joana: Blas dich nicht so auf du eifersüchtige Blechbüchse. Sam: Unsachliche Unterstellungen großmütig ignorierend, kommen wir nunmehr zum Schluß, liebwerte Gemeinde, wieder einmal ist Jonas, nur Jonas der letzte Detektiv Objekt und Opfer in einem üblen Spiels, welches mit ihm getrieben wird. Jonas: Scheiß Spiel. Sam: Ja. Jonas: Getrieben von wem. Wer steckt dahinter. Sam: Ach armer Jonas, die alte alte Frage und ist doch ewig neu. Jonas: Is ja gut Sammy, und deine Antwort. Sam: Unzureichende Daten, o Wiederstein der Weltaltswonnen. Jonas: Die alte alte Antwort also. Joana: Kassandra Krug, wer denn sonst. Jonas: Vielleicht auch dieser Dr. Lumbago, der Leiter von Albin Krugs Sammlung. Joana: Augenblick, Jonas, was soll dieser Dr. Dingsbums sein. Jonas: Lumbago, Leiter von Krugs Kunstsammlung. Joana: Nie im Leben. Der Leiter ist Professor Asmus, ich kenn ihn persönlich. Jonas: Wie sieht er aus. Joana: Ein alter Herr, klein, zierlich, trägt nur schwarz, drückt sich sehr gewählt aus. Sam: Hm, hört sich ganz und gar nicht an wie unser Freund Tayfun Lumbago. Was Chef. Joana: Ein interessanter Mann, Asmus mein ich, früher mal vor 30, 40 Jahren recht bekannter Maler, Pseudoexpressionist, Neoabstracter, Fotorealist. Jonas: Hast du seine Fonnummer, Joana. Joana: Moment. Joana: In meinem Computer. Sam: Was, anderer Computer? Nein, Sammy eifersüchtig, nicht anderer Computer. Jonas: Prof. Asmus ging nicht ans Fon, aber Joana hatte seine Adresse. Racivilweg, Südbabylon, das alte Künstlerviertel, eine Dachwohnung, fast ein Penthouse, unproblematisches Türschloß, dahinter ein riesengroßer Raum, Schlaf- und Wohnzimmer plus Atelier, ein überdimensionales Fenster, Nordlicht, zwischen Bett und Staffelei ein hochkünstlerisches Chaos. Zeichencomputer, Pinsel und Farben, auf einem echten alten Holztisch vollgekritzelte Blätter, über- und durcheinander. Joana: Skizzen, Entwürfe, Studien, und alle zu einem Thema, zu einem Bild. Jonas: Sag's nicht, Joana, laß mich raten, blutrot eitergelb giftgrün, Billardtisch, Nachtcafe. Van Gogh. Joana: Kopie von Prof. Asmus. Jonas: Das heißt, die Kopie, die Jonas im Hause Krug gestohlen und dann dir übergeben hat Joana. Joana: Und die bei mir in die Luft geflogen ist, mitsamt der ganzen Galerie. Jonas: Diese Kopie hat Asmus produziert, Professor Asmus, Maler und Leiter von Krugs Kunstsammlung. Joana: Das gibt doch keinen Sinn, Jonas, außer, Moment, außer Asmus ist der große Unbekannte, der Drahtzieher im Hintergrund. Jonas: Nein, Joana, das ist er nicht. Joana: Wieso nicht? Jonas: Asmus trägt immer schwarz, hast du gesagt. Joana: Ja, warum? Jonas: Darum. Unter dem Bett sah ein Fuß hervor, in schwarzem Schuh und schwarzer Socke. Ich faßte zu und zog. Zum Vorschein kam ein kleiner alter Mann in schwarz. Ein toter Mann. Mit verdrehtem Kopf und gebrochenem Genick, noch warm. Joana: Professor Asmus, das ist er. Jonas: Das war er. Jemand hat ihn umgebracht. Joana: Der Unbekannte, der Drahtzieher. Jonas: Sieht so aus. Joana: Drahtzieherin Kassandra Krug. Jonas: Ich weiß nicht, Joana. Irgendwie traue ich ihr sowas nicht zu. Sam: Jaja, strenger Vater, kleine Tochter, große Augen. Armes Kind. Ein Sentimentalinski ist mein Jonas. Hört das Fon ihr läuten, was hat's denn zu bedeuten? Jonas: Blöde Frage, Sammy, irgendwer ruft bei Asmus an. Joana: Wer kann das sein, Jonas? Jonas: Werden wir gleich hören. Hallo? Krug: Das wurde auch Zeit. Meine Tochter, schnell. Jonas: Hier ist das Atelier von Professor Asmus. Krug: Weiß ich. Ich bin Albin Krug. Persönlich. Ich warte nicht gern. Geben Sie mir meine Tochter. Wer immer Sie sind, ich weiß daß sie da ist. Jonas: Ich zittere Herr Krug vor Angst und Ehrerbietung, aber Kassandra ist momentan unanwesend, leider, ich hätte sie auch gern gesprochen. Krug: Das können Sie haben, Jonas, hier bin ich. Legen Sie das Fon hin, heben Sie die Arme und drehen Sie sich zum Fenster, langsam. Ein Laserstrahler schießt auch durch Glas, und wir haben drei. Jonas: Sie waren auf dem Dach hinter dem Atelierfenster. Kassandra die bedauernswerte Kleine, immer noch klein, aber nicht mehr bedauernswert. Neben ihr Lumbago, und neben Lumbago sein Ebenbild, genauso groß, genauso breit, genauso häßlich. Der Fall wurde immer undurchsichtiger. Eins war allerdings klar. Die drei am Fenster hatten schußbereite Laser, und damit hatten sie uns. Im Sack. Um ihn zuzumachen, stiegen sie durch den offenen Flügel, das heißt Kassandra und Lumbago stiegen, das Ebenbild krachte voll durch die Scheibe. Lumbago: Doch nicht so, Atlas. Atlas: Hu, Fenster putt. Lumbago: Da siehst du. Und deine Hand. Atlas: Blut. Aua. Lumbago: Lecks ab. Mein Bruder Atlas ist ein bißchen impulsiv, Jonas. Jonas: So ihr Bruder, Lumbago, auch Doktor? Der Philosophie oder der Metaphysik? Lumbago: Unter uns, Jonas, mein Bruder Atlas ist möglicherweise nicht ganz so intelligent wie ich, aber er hat seine Qualitäten. Was Atlas? Atlas: Die da, totmachen? Jonas: Tayfun und Atlas, die zwei Lumbagos, eine echte Clownnummer, ausgefuchst, eingespielt, und richtig komisch, schade daß Jonas so gar nicht darüber lachen konnte, die arme Joana auch nicht. Atlas: Totmachen, ja, bitte, bitte, totmachen. Krug: Halten Sie ihn noch einen Augenblick an der Leine Lumbago. Hallo Papi, Kassi hier, Asmus? Erledigt, Papilein, abgehackt. Wie besprochen. Auf deine Kassi kannst du doch verlassen, das weißt du doch. Eben am Fon? Das war Jonas, der Detektiv, genau, der Trottel, der die Kopie gestohlen hat, Atlas wird sich gleich um ihn kümmern. Was? Aber Papischatz wozu denn das hält doch nur auf, ja, na gut, Papilein, ganz wie du willst, wir sind gleich bei dir. Küßchen Papi. Lumbago: Alles klar Kassandra. Atlas: Jetzt totmachen ja? Krug: Tut mir leid, Atlas. Atlas: Nix totmachen? Krug: Nix totmachen Atlas, Pappi will das nicht. Lumbago: Er hat sich doch so darauf gefreut, ich versteh das nicht, Kassandra, es war doch abgemacht, daß Jonas über die Wupper geht. Krug: Und dabei bleibt's auch, Lumbago, nur daß Papi die Sache selbst in die Hand nehmen wird. Sie kennen ihn doch, er ist Romantiker, Genußmensch. Mit Jonas will er sich ein Fest machen. Zuhause. In aller Ruhe. Lumbago: Also ex und hopp auf die schnelle wär mir lieber Kassandra. Krug: Mir auch, Lumbago, mir auch, aber Papis Wille geschehe. Kommen Sie Jonas, und Sie auch Herzchen. Ich weiß nicht wer Sie sind. Joana: Joana ist mein Name. Krug: Ich will's auch gar nicht wissen, mitgefangen, mitgehangen. Los. Jonas: Auf dem Dach, hinter einem dicken Schornstein, wartete ein Minihelikopter. Mit Platz für zwei. Tayfun Lumbago steuerte, Atlas nahm Kassandra auf den Schoß. Joana und Jonas banden sie außen an. Ein dröhnender atemberaubender Luftsprung zum Dach des Hauses Krug. Da stiegen wir um in einen Lift, abwärts in den Keller und weiter abwärts, noch ein gutes Stück, schließlich Endstation. Alles aussteigen. Es war kalt. Sehr kalt. Arktisch kalt. Und arktisch sah er auch aus, der große Raum tief unter dem Haus. Boden und Wände klinisch weiß gefliest und kahl, in der Mitte ein Bett, darauf eine zerknüllte weiße Decke, davor eine große Konsole, halbrund, voll mit Schaltern, Tasten, Bildschirmen, Signalleuchten. An der rechten Wand, in einem abgedichtetem Plexikasten, ein buntes Bild. Joana: Nachtcafe, das Original! Krug: Selbstverständlich das Original. Ein echter van Gogh, meine Herrschaften. 500 Millionen Euros. Jonas: Ein Ofen wäre mir lieber, ich, ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so gefroren wie jetzt. Sam: Irrtum, Meister, denke zurücke, November 2011 vor anderthalb Jahren, Fall Schneewittchen, der Kühlraum im Hafenspeicher, ja, da ist's auch kalt gwen. Jonas: Weißt du, Sammy, der alte Philip Marlowe hatte es besser, er mußte nie in die Kälte. Sam: Aber ins Treibhaus, du Frostbeule. Jonas: Kein Vergleich, Sam, kein Vergleich. Krug: Sie frieren, Herr Jonas, das tut mir leid. Ich bin Ihnen entgegengekommen, auf Minus 30 Grad, die normale Temperatur hier beträgt Minus 70 Grad. Sam: Ei höllisch. Jonas: Was da sprach, war die Decke auf dem Bett. Keine Decke, ein Mensch, ein Mann, klein, uralt, faltig, verschrumpelt und schneeweiß. Haar, Bart, Haut, Kleidung, alles weiß. Albin Krug, am Leben gehalten durch das Wunder der Kryonik, extreme Kälte verlangsamte und schonte die Funktionen seines verbrauchten Körpers. Krug: Ein guter Rat, Herr Jonas, halten Sie sich kühl, dann werden Sie alt, 120 Jahre und älter. Jonas: Sie erinnern mich an die gleichnamige Champagnermarke, Herr Krug, vor Gebrauch gut kühlen. Krug: Witzig. Fesseln, ihn und die Frau. Atlas: Auch knebeln, Boß? Krug: Nicht doch, sie sollen sich ausdrücken können. Bitten, betteln, schreien, um Hilfe, vor Angst, vor Schmerzen. O, nur fesseln. Jonas: Das klang nicht gut. Joana und Jonas wurden verschnürt, mit Biofesseln, die speziell auf große Kälte eingestellt waren. Das verriet uns Albin Krug, und dann verriet er uns die Hintergründe im Fall Nachtcafe. Krug: Wissen Sie, etwas großes zu tun, reicht nicht, man muß es auch kund tun. Sie Herr Jonas und ihre Freundin sind ein ideales Publikum. Jonas: Klar, wir können nicht gehen wenn es langweilig wird. Krug: Aus zwei Gründen. Sie haben in der Affäre mitgewirkt, in nicht unwichtigen Funktionen, und Sie werden das, was Sie erfahren, nicht weitergeben können. Krug: Papiliebling, beeil dich ein bißchen, du weißt, die hohe Temperatur tut dir nicht gut. Krug: Sorg um deinen Papi, wie immer Kassi mein Herz, damit es schneller geht, du mir ab und zu helfen. Krug: O wie gern Papilein. Krug: Gut. Ich beginne. Als ich vor nicht allzulanger Zeit bekannt gab, ich wolle meinen kostbaren van Gogh ins Grab mitnehmen, in einem vorübergehenden Anfall von Krug: Von Morbidität, da gab's in der sogenannten Kulturszene ein großes Gezeter. Krug: Da war schön, das hat Spaß gemacht. Krug: Aber das war nicht genug. Papi Liebling fiel was besseres ein. Nachtcafe stehlen lassen und doch behalten, die Versicherung übers Ohr hauen. Jonas: OK, Herr Krug, aber wozu, bei Ihrem Vermögen kann doch eine halbe Milliarde keine große Rolle spielen. Krug: Das Geld interessiert mich nicht, Herr Jonas. Jonas: Sondern? Krug: Noch niemals Herr Jonas hatte ich ein Verbrechen begangen. Jonas: Ach wirklich, Sie Albin Krug, Multimilliardär und Wirtschaftskapitän. Krug: Mein Gott, Wirtschaftsvergehen, Geschäftsusancen, am Rande der Legalität, das... Krug: Das zählt nicht. Papilein meint richtige Verbrechen, Kapitalverbrechen. Krug: Betrug, Diebstahl, Mord, eine neue Herausforderung, Herr Jonas, neue Erfahrungen, ganz neuer Spaß. Natürlich brauchte ich Unterstützung durch Kassi, die späte Frucht meiner Lenden und von einem gekauften Ei, nicht groß aber effektiv. Krug: Ich tu alles für dich Papilein. Krug: Und die beiden Lumbagos fürs Grobe. Ich machte einen Plan, und wir suchten einen... Krug: Einen Dummen. Jonas, einen Dieb und Sündenbock, einigermaßen brauchbar mußte er sein, ehrlich, ein bißchen sentimental, nicht sehr klug, und wir fanden... Jonas: Jonas. Jonas, den letzten Detektiv. Krug: Eine geradezu ideale Besetzung. Asmus wurde beauftragt, eine Kopie von Nachtcafe anzufertigen, und diese Kopie haben Sie brav gestohlen, Herr Jonas. Krug: In ihr befand sich ein Autodestrukt, eingestellt auf 11 Uhr. Die gestohlene Kopie verschwand für immer, der überführte Dieb wurde verhaftet, die Versicherung muß zahlen. Jonas: Und damit Asmus keine Schwierigkeiten macht, hat Kassi ihn kurzerhand umgebracht. Krug: Also genaugenommen war's Atlas. Atlas: Totgemacht. Hals umgedreht. Krug: Brav, Altlas, Guter Mann. Jonas: Mord, Versicherungsbetrug in 3stelliger Millionenhöhe, Anstiftung zu Einbruch und Diebstahl. Eine runde Sache, Herr Krug, wie fühlt man sich so als Schwerverbrecher? Zufrieden? Krug: Noch nicht, Herr Jonas, noch fehlt der Höhepunkt in Albin Krugs krimineller Karriere. Albin Krug wird einen Mord begehen, persönlich. Krug: Zwei Morde, Papischatz. Krug: Einen Doppelmord. Eigenhändig. Langsam. Mit Genuß. Mit Hingabe und Raffinesse. Atlas: Ja, Boß, totmachen. Krug: Kann ich solange rausgehen Papilein? Jonas: Zart besaitet, Kassandra. Krug: Unsinn, mir ist kalt. Lumbago: Mir auch. Krug: Atlas solltest du hierbehalten, Papi, als Leibwächter und Handlanger falls du einen brauchst. Jonas: Kassandra und Lumbago gingen sich aufwärmen, Atlas blieb bei Krug. Der mußte offenbar eine kurze Pause einlegen. Jedenfalls war es ein paar Minuten still im Raum, zu hören war nur das leise Summen der Kühlaggregate hinter den Wänden. Das brachte Jonas auf einen Gedanken. Sam, in meiner Brusttasche, ich ließ den Kopf sinken und nahm Kontakt auf. So leise wie möglich. Sam: Alles vernommen, Meister. Leb wohl, leb wohl auf ewig, Sammy wird um dich trauern und dir Blumen ans Grab bringen. Jonas: Blumen gibt's schon lange nicht mehr, Sam. Sam: Ne? Jonas: Und mit der Trauer wartest du besser, bis Jonas wirklich im Grab liegt. Sam: Ist gut. Joana: Das wirst du bald Jonas und ich dazu wenn dir nicht schnellstens was einfällt. Jonas: Mir, ich bin nur ein kleiner Privatdetektiv, Joana, ein nützlicher Idiot, nicht sehr klug, hast du ja gehört, für Einfälle ist Sam zuständig. Sam ist der Computer, der Rechner, der Denker, na los, Sammy, denk uns hier raus. Sam: Ist viel zu kalt, Meister, viel zu kalt. Viel zu kalt. Ist aus Kiß me Kalt, kennst du. Jonas: Dann muß ich dir wohl ein bißchen auf die Sprünge helfen, Sammy, das Summen, hör doch mal. Sam: Na und? Kälteaggregate. Um Albin Krug schön kühl zu halten, damit er nicht verdirbt, gleich hinter der Wand. Jonas: Elektronisch gesteuert? Sam: Na ja was denn sonst? Aha, Ach so. Ja so. Jonas: Sam hatte kapiert und machte sich an die Arbeit. Als Maulwurf im Steuersystem von Krugs Kühlanlage. Es dauerte ein bißchen, ein paar Sicherungen gibt es, die kann nicht mal Sam auf die Schnelle knacken. Aber dann war er durch. Langsam, ganz langsam stieg die Temperatur, wurden die Aggregate lauter. Albin Krug merkte nichts. Er suhlte sich voller Wonne in Killerphantasien. Krug: Wie soll ich sie töten, welche Todesart verspricht höchsten Genuß? Jonas: Das ist die Frage, wie ein gewisser Hamlet mal gesagt hat. Krug: Soll ich die Raumtemperatur allmählich zurückdrehen, und beobachten, wie sie ganz langsam erfrieren, nein, das ist zu einfach, zu wenig raffiniert. Jonas: Phantasielos. Krug: Unser guter Atlas könnte ihnen die Haut in Streifen vom Leib schneiden. Atlas: O ja Boss, totmachen, Haut abziehen. Krug: Ich weiß nicht. Ach, meine lieben kleinen Autodistruktbömbchen, immer zur Hand auf meiner Konsole. Wie wär's denn damit. Atlas drückt ihnen die Nase zu uns zwingt sie so einen niedlichen Knallfrosch herunterzuschlucken. Oder wir führen ihnen ein paar Ladungen in andere sehr viel empfindlichere Körperöffnungen ein. Joana: Nein. Krug: Auf welchen Zeitpunkt ich die Bomben eingestellt habe, das wird nicht verraten, das bleibt mein kleines Geheimnis, schwitzen werden sie vor Angst, sich bemachen, winseln, heulen, zähneklappern, und plötzlich werde ich sagen, in einer Minute explodiert ihr Magen, ihr Darm, was immer, aber vielleicht ist es gar nicht wahr, ein wunderbares Spiel, tausend Tode werden sie sterben, zehntausend, hunderttausend. Atlas: Oh, heiß Boß, Atlas muß schwitzen. Jonas: Recht hatte er. Die Temperatur war in tropische Höhen geklettert. Genau das richtige Ambiente für einen Gorilla, aber nicht für einen überalterten eiskalten Greis. Krug: Was, was ist das? Hilfe! Ich sterbe. Ich schmelze. Ich löse mich auf. Oh... Atlas: Boss? Boss tot, Boß tot. Jonas: Die Hitze schmolz unsere Biofesseln, und auch Albin Krug war dahingeschmolzen. Vor unseren Augen hatte er sich aufgelöst. In Zeitraffer, bei lebendigem Leibes verwest. Jetzt war von ihm nichts mehr übrig als eine schmutzig-graue Pfütze auf dem Bett, eine dicke Blase stieg an die Oberfläche und zerplatzte. Es roch nicht gut. Atlas glotzte, er zitterte und war so verstört, daß Jonas ihm problemlos den Laser aus der Hand nehmen und über den Scheitel ziehen konnte. Sam: Das wär's Leute, hochverpupptes Ehrlichkeit, liebe Kinder, ja, ist das nicht ganz exquisit gelaufen? Hm? O welche Wonne wie Eis an der Sonne schmolz er dahin. Jetzt ist er ne Pfütze, zu nichts mehr nütze, das war der Sinn. Jonas: Der Krug geht so lange zu Wasser bis er schmilzt. Joana: Schrecklich. Ich will raus. Jonas: Zu. Abgeschlossen. Von außen. Elektronisch, Sammy? Sam: Ach was. Mechanisch, Uraltmodisches Türschloß. Mit sowas gibt sich unser eins gar nicht erst ab. Joana: Du hast doch den Laserstrahler, Jonas. Jonas: Mit dem Laser krieg ich die Tür nicht auf. Joana: Und mit einem Autodistrukt. Jonas: Das ginge. Und was machen wir, wenn die Tür auf ist. Sam: Shot out, Partner. Raus mit dem Laser. Jonas: Ein einzelner Jonas gegen Kassi und Lumbago, riskant. Joana: Vielleicht sollten wir verhandeln. Jonas: Vielleicht. Kassandra Krug macht einen ganz vernünftigen Eindruck. Na bitte. Hallo? Krug: Bist du das Atlas? Jonas: Unser gemeinsamer Freund Atlas ist leider verhindert. Krug: Jonas? Was ist passiert? Jonas: Tja, wie soll ich mich ausdrücken, vielleicht so: Seit ein paar Minuten sind Sie Kassandra Krug, die reichste Person in Babylon. Krug: Papilein? Jonas: Exakt. Jonas: Wissen Sie, es war so kalt, daher haben wir die Temperatur erhöht, das ist Papi gar nicht gut bekommen. So sieht's aus, Kassandra. Papi tot, wir drinnen, Sie draußen. Patt. Krug: Matt, Jonas, Sie, wir brauchen nur zu warten, bis Sie anfangen sich vor Hunger aufzufressen. Jonas: Sie vergessen was, Kassandra. Wir haben Nachtcafe und ein paar Autodistruktladungen, vom Laser ganz zu schweigen. Es wäre doch schade um ein einmaliges Kunstwerk, ihr wertvollstes Erbstück, Kassandra. Krug: Was verlangen Sie? Jonas: Freien Abzug, Schmerzensgeld. Joana: Für mich auch. Jonas: Schadensersatz für Joana. Joana: 100.00 Euros. Mindestens. Jonas: Und Nachtcafe. Krug: Was? Kommt nicht in Frage. Jonas: Sie kriegen das gute Stück ja wieder Kassandra von der Vereinigten Kosmos. Da muß ich es abliefern. Damit die Anklage gegen mich zurückgezogen wird. Krug: Und was kriege ich? Jonas: Einen Ärger, mit der Versicherung, mit der Polizei wegen Asmus, und Papis Milliarden natürlich. Krug: Einverstanden, kommen Sie raus. Jonas: Ich hatte es ja gesagt, Kassandra Krug war ein kluges Kind, unser Abmarsch ging glatt, vielleicht weil Jonas den Finger am Abzug des Lasers hatte, und die Mündung an Nachtcafe. Sicher ist sicher. Sam: Happy End und Sonnenschein. Es ist so schön so klein zu sein. Jonas: Darauf sollten wir was trinken, Joana, im Casablanca. Oder bei mir. Sam: Oder bei mir. Joana: Kein Zeit Jonas, ein andermal, ich muß mich ums Geschäft kümmern. Wir sehen uns. Sam: Tschüß. Jonas: Wir sahen uns. Wochen später bei der Eröffnung von Joanas neuer Galerie: Nicht mehr Picassos Pinsel. Ars nova, protzig und teuer, in bester Lage am Markgrafenboulevard. Adeba Asmus, ein unbekannter Klassiker, so hieß die große Verkaufsausstellung. Gleich nach unserem Nachtcafeabenteuer hatte Joana angefangen, Bilder von Asmus aufzukaufen, bevor sein Tod bekannt wurde, für ein paar Euros, jetzt kosteten sie das Vielfache. Nicht van Gogh Klasse aber immerhin. So ist das. Ein toter Maler lebt nicht schlecht. Vielleicht sollte ich mich umschulen lassen. Sam: Hast wohl zu viel Nachtcafe gesoffen du Hirnsklerotiker, merke, immer noch besser ein lebendiger Jonas als ein toter Van Gogh gelle oder wie oder was? Das war Nachtcafe. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem wirkten mit: Diana Körner, Simone Rethel, Ulrich Beiger, Dirk Galuba, Martin Semmelrogge und viele andere (Claudius Zimmermann, Klaus Neumann, Pascale Schulze, Marc Schulze, Urs Schaudinn, Andreas Wohlrab, Eva Windisch). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks (1994). Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Strafkolonie Jonas: Mir ging's gar nicht gut. Jacobs neuer Whisky. Beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er. Gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet. Ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao, und ich sah auch so aus. Aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht. Im Gegenteil. Stammheim: Sehr schön. Zerknittert. Unrasiert. Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum. Bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Jonas: Welchen Job? Stammheim: Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Jonas: Werd ich das. Worum geht’s denn? Stammheim: Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Jonas: Klar, mach ich. Wenn sich nichts besseres bietet. Ich bin Detektiv. Privatdetektiv. Der letzte in Babylon, der riesengroßen Stadt, glaub ich wenigstens. Jonas ist der Name, nur Jonas, und wie hieß der Glatzkopf. Stammheim: Stammheim, Alonso Stammheim. Jonas: Macht ja nichts. Was für Außenstände, Herr Stammheim? Stammheim: Geld, das mir zusteht, weil ich’s beim Pokern gewonnen habe Jonas: Wieviel. Stammheim: An sich kleine Fische, 400 Euros, ich hab einen Schuldschein, alles ist in Ordnung nur Jonas: Der Kerl zahlt nicht. Stammheim: Ja. Jonas: Warum geben Sie Ihren Schein nicht dem staatlichen Exekutor, Herr Stammheim? Stammheim: Weil ich im öffentlichen Dienst arbeite verehrtester, im Justizministerium und weil sich Poker und Spielschulden nicht gut in der Personalakte macht. Jonas: Lassen Sie es doch einfach sausen. Stammheim: Kommt nicht in Frage. Nicht mit mir. Sie werden mein Geld eintreiben, Herr Jonas, für 10 %. Jonas: 25. Und nur wenn die Sache im Rahmen bleibt. Stammheim: Im Rahmen? Jonas: Der Gesetze, Herr Stammheim, nichts Illegales. Stammheim: Natürlich nicht, Herr Jonas. Sie werden dem Mann lediglich ein bißchen zureden, mit gewissem Nachdruck. Jonas: Wie heißt er, wo wohnt er. Jonas: Die Adresse war im Nordosten, ein mittlerer Wohnbezirk, nicht so fein wie die Gegend um den Markgrafenboulevard, nicht so vergammelt wie die Südstadt, relativ ungefährlich. Ein kurzer schmerzloser Job, dachte ich, deshalb verzichtete ich darauf, Alonso Stammheim abzuchecken, und ich ging ausnahmsweise allein, ohne meinen Computer. Ich fand das Haus, machte die Tür auf, betrat einen dunklen Flur, und da schlugen sie zu, Auto-Cops, ein Greiferkommando, sie hielten mich fest, zogen mir einen Bodybag über, machten ihn zu, alles ging sehr schnell. Autocop: Jonas, nur Jonas, Sie sind festgenommen. Sie stehen im Verdacht, schwerste Verbrechen gemäß Corpus Juris Babylonici begangen zu haben. Jonas: Ihr Blechbullen tickt wohl nicht richtig, laßt mich raus, ich bin der falsche. Autocop: Verhalten Sie sich ruhig, unterlassen Sie jeden Widerstand, sollten Sie in Ihrer Renitenz beharren, würden Sie sich der akuten Gefahr polizeilicher Zwangsmaßnahmen aussetzen. Sie sind hiermit gewarnt. Jonas: Immer mit der Ruhe, hört doch mal zu. Ganz langsam zum mitschreiben. Verhaftung Irrtum. Falsches Programm. Kommando zurück. Alles klar. Ihr sollt mich rauslassen verdammt. Ah. Jonas: Die Zwangsmaßnahmen sahen so aus, daß einer der Auto-Cops eine Spritze ausfuhr und mir einen Schuß in den Hals verpaßte. Schlagartig gingen in meinem Kopf die Lichter aus. Jonas trat ab. Als ich wieder auftrat, steckte ich immer noch bis zum Hals im Sack, der hing jetzt am Haken an der Wand einer engen Zelle, eine Tür, kein Fenster, kahl und leer, bis auf den schwarzen Plastikwürfel vor mir ca. 1 mal 1m, unten Rollen, oben Skalen und Knöpfe, und eine Lampe, die plötzlich aufleuchtete, der Würfel quietschte, knarrte, kam ins Zittern und dann fing er an zu reden: Auto-Judex: Achtung, Achtung, Ruhe im Saal, die Verhandlung ist eröffnet, vor dem ordentlich bestallten, unter Nr. 202-9771-17 amtlich zugelassenen Auto-Judex des Gerichtsbezirks 17 im Justizministerium von Babylon erscheint heute am 29. Juli 2013 als Beklagter der babylonische Bürger Jonas, nur Jonas, geboren am 1. Mai 1967, der Beklagte wird beschuldigt diverser schwerer Vergehen wider Leib, Leben und Eigentum, als da sind Diebstahl eines Gemäldes im Wert von 500 Millionen Euros in Tateinheit mit Einbruch, Mord am babylonischen Bürger Albin Krug, schwere Körperverletzung sowie Beihilfe zum Mord. Beklagter, bekennen Sie sich schuldig? Jonas: Augenblick mal, das ist ein Mißverständnis, offenbar geht es um den Nachtcafefall vor 3 Wochen, aber der war ganz anders, wenn ich das mal. Auto-Judex: Das Gericht nimmt zu Protokoll, der Beklagte bekennt sich in allen Punkten schuldig. Jonas: Was? Ich denke nicht daran, kein Wort davon ist wahr. Auto-Judex: Eine Beweisaufnahme kann somit entfallen. Angesichts der schwere der vom Beklagten eingestandenen Taten fordert die Anklage die schnellstmögliche Verbringung des Beklagten in die Strafkolonie zum dortigen Verbleib ohne zeitliche Limitierung. Jonas: Ich protestiere. Auto-Judex: Da die Verteidigung auf ihr Plädoyer verzichtet, schreiten wir nunmehr zur Verkündigung des Urteils. Entsprechend dem Antrag der Anklage wird Jonas, nur Jonas, verurteilt, sein weiteres Leben in der Strafkolonie zu verbringen, der Beklagte nimmt das Urteil an, das Urteil ist rechtskräftig. Jonas: Nein, nein, das könnt ihr doch nicht machen, Zeugen, ich hab Zeugen, Chefinspektor Brock von der Kripo. Auto-Judex: Die Verhandlung ist geschlossen. Jonas: Weg war er, und ich hing weiter am Haken und wußte nicht, wie mir geschah. Auto-Cops, Auto-Judex, eine auf Stromlinie programmierte Verhandlung, die ein Witz war. Aber ein schlechter auf meine Kosten. Zum Teufel mit allen Justizautomaten, dachte ich. Jonas braucht dringend einen Menschen. Und wie ich so dachte, kam er auch schon durch die Tür, der Mensch, ein nicht unbekannter solcher, namens Alonso Stammheim. Stammheim: So sieht man sich wieder, Herr Jonas. Was machen Sie denn für schlimme Sachen. Jonas: Sie arbeiten doch im Justizministerium, Herr Stammheim, tun Sie was, ich bin unschuldig, und ihr Auto-Judex schickt mich in die Strafkolonie. Stammheim: Glatter Justizmord, ganz Ihrer Meinung. Jonas: Die Verhandlung war absolut unfair. Stammheim: Eine Farce, Herr Jonas, eine Schande, empörend. Jonas: Irgendein Mäusebein in der automatischen Justizelektronik, nehm ich an. Stammheim: Das kann schon mal vorkommen, unsere Automaten sind leider nicht unfehlbar. Tja, Ihr Pech. Jonas: So ist das also. Sie waren das, Stammheim. Sie haben mich reingeritten. Die Auto-Cops, der Auto-Judex. Stammheim: Von mir programmiert. So ist es, Herr Jonas. Jonas: Warum Stammheim. Sie müssen doch einen Grund haben. Stammheim: Natürlich hab ich einen Grund, zwei sogar. Ich wollte Sie in eine positive aufnahmebereite Stimmung bringen für mein Anliegen und auch gleich in die richtige Ausgangsposition. Ich brauch Sie nämlich drinnen, Herr Jonas. In der Strafkolonie. Jonas: Danke, da gehe ich nicht hin. Stammheim: Sie müssen Herr Jonas, Sie sind rechtskräftig verurteilt, Sie haben keine Wahl: Aber was rede ich da. Sie haben eine Wahl, Herr Jonas, Sie bleiben in der Kolonie, bis Sie schwarz werden, oder Sie kommen in ein paar Tagen raus, wenn Sie getan haben, was ich von Ihnen verlange. Jonas: Unmöglich. Aus der Strafkolonie ist noch keiner lebend rausgekommen. Stammheim: Bisher, Herr Jonas, bisher, Aber wenn ich Ihnen helfe. Wissen Sie, was ich im Justizministerium mache, Herr Jonas, ich bin Chiefcontroller, ganz oben, direkt unter dem Minister, verantwortlich für die Automatenprogramme und für die Aufsicht über den Strafvollzug. Wenn wir kooperieren, Herr Jonas, Sie drinnen, ich draußen. Jonas: Was soll ich tun. Stammheim: Jemanden rausholen. Aus der Strafkolonie. Jonas: Eine Frau, Megan Alcatraz, 35 Jahre, Controller Second class im Justizministerium, in Stammheims Vorzimmer, vor zwei Monaten festgenommen und vor den Auto-Judex gebracht, als der gute Alonso Stammheim gerade ahnungslos im Urlaub war. Schneebretteln in der Antarktis, und weil ihr niemand half wurde Alcatraz zur Strafkolonie verurteilt. Wegen schwerer Korruption und Bestechlichkeit im Amt. Stammheim: Eine absurde Beschuldigung, Herr Jonas. Ich kenne Megan, wir stehen uns recht nahe, nicht nur dienstlich, und als ich kürzlich aus dem Urlaub kam und erfuhr was geschehen war... Jonas: Da faßte Ritter Alonso von Stammheim, den romantischen Entschluß die Dame seines Herzens zu retten. Stammheim: Wenn Sie es so ausdrücken wollen, Herr Jonas. Jonas: Beziehungsweise retten zu lassen. Stammheim: Ich bin Beamter, Herr Jonas, ich plane, ich ziehe die Fäden. Sie sind ein Macher, Sie gehen rein, Sie holen Megan raus. Jonas: Mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Wie sieht Ihr Plan aus, Stammheim. Stammheim: Was wissen Sie von der Strafkolonie, Herr Jonas? Jonas: Nicht sehr viel. Ein riesiges Gefängnis, supergesichert, irgendwo in der Wildnis um Babylon. Seit der Privatisierung des Strafvollzugs vor 12 Jahren wird die Strafkolonie von der Firma Privollzug AG betrieben. Für jeden Gefangenen, den er einliefert, zahlt der Staat pauschal, alles weitere übernimmt Privollzug: Haltung, Wartung, Bewachung, vor allem übernimmt Privollzug die Garantie für absolute totale Sicherheit, wenn es auch nur einem Gefangenen gelingt, auszubrechen, verliert die Firma sofort die Betreiberlizenz und damit ein gutes Geschäft. Der Staat kontrolliert, locker, von weitem, die Gefangenen sind sich weitgehend selbst überlassen, deshalb geht’s drinnen wild zu, sagt man. Nichts genaues weiß man nicht. Zwischen der Strafkolonie und der Außenwelt gibt's keine Verbindung. Stammheim: Jedenfalls nicht direkt. Was es gibt ist die sogenannte Schleuse. Sie müssen sich das vorstellen, Herr Jonas, die Strafkolonie ist ein kreisförmiges Gelände unter freiem Himmel, Durchmesser etwa 10 Kilometer, ringsherum und obendrüber eine undurchdringliche elektronische Schutzhaube, eine Art Schirm oder Kuppel, und die geht auch tief in den Boden hinein. Jonas: Damit keiner auf die Idee kommt sich a la Maulwurf rauszubuddeln. Stammheim: Und direkt am Schutzschirm liegt die Schleuse. Ein Bunker mit einem hochkomplizierten System automatischer Türen und Sicherungen, hier kommen die neuen Gefangenen an und die Warenlieferungen, Lebensmittel, Drogen, was die Kolonie so braucht. Jonas: Wie läuft das? Helikopter, E-Mobil? Stammheim: Kapseln, Herr Jonas, durch eine pneumatische Untergrundröhre zwischen Strafkolonie und Babylon. Endpunkte hier sind Justizministerium und Privollzug. Ja, und da kann ich ein bißchen dran drehen, Herr Jonas, an den Sicherheitsprogrammen der Schleuse. Jonas: Die Sie kontrollieren. Stammheim: Das ist mein Job, Herr Jonas, und ich werde dafür sorgen, daß sich das innere Schleusentor zu bestimmter Zeit außerplanmäßig kurz öffnet. Jonas: Wann? Stammheim: Später, Herr Jonas, später. Morgen werden Sie mit Ihren Leidensgenossen per Pneumatik in die Strafkolonie überstellt. Bis dahin bleibt mir genug Zeit, Sie über alle wichtigen Details zu informieren. Jonas: Nicht mich, Stammheim, Sam werden Sie informieren. Stammheim: Sam? Jonas: Sam ist mein Computer, überschlau, geschwätzig, Sam denkt nicht nur, Sam redet, ohne Punkt und Komma, ohne Unterlaß, ohne Erbarmen, weil er mit Verbalprogrammen vollgestopft ist bis zur nicht existenten Halskrause. Schon als ich ihn mir vor Jahren zulegte, war er ein Sondermodel, ein Versuchsmodell, heute ist er ein absolutes Einzelstück. Einsame Klasse, meint er, ich seh das anders. Trotzdem gehe ich ohne Sam nirgendwo hin, schon gar nicht in die Strafkolonie. Stammheim: Völlig unmöglich. Keine Computer, keine Waffen, vor dem Transport werden Sie gründlichst durchsucht. Jonas: Dann sehen Sie selbst zu, wie Sie die Lady rauskriegen, Stammheim. Sam muß mit. Irgendwie. Sonst streikt Jonas. Mein letztes Wort. Stammheim: Sie haben Zahnschmerzen, Herr Jonas, wie finden Sie das? Jonas: Großartig. Stammheim: Sie müssen sofort zum Autodentisten. Hier im Justizministerium. Da wird Ihnen ein Zahn gezogen. Jonas: Ach ja. Stammheim: Und in die Lücke wird Ihnen ein Mikromodul eingesetzt aus Plastik, als quasi Außenstelle Ihres Computers, Sender und Empfänger, auf seine Frequenz festgelegt. Ich programmiere Ihrem Sam alles ein was Sie brauchen, Herr Jonas, Infos über Megan Alcatraz, über die Kolonie, über die Schleuse, Sicherheitssystem, nicht vorgesehene Öffnungen usw. usw. Wenn Sie drinnen sind, Herr Jonas, können sie sich mit ihm beraten, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, in ihrem Kopf, direkt, über ihr Sprach und Hörzentrum: Sehr gut. Geben Sie mir den Zugangscode, Herr Jonas. Jonas: Ich hatte einen seltsamen Traum: Auto-Cops nahmen mich fest, ein Auto-Judex verurteilte mich zur Strafkolonie. Ein Autodentist zog mir einen Backenzahn und setzte mir Mikro-Sam ein, klein, weiß, und laut. Im meinem Mund schien er sich sehr wohl zu fühlen. Sam: So nah waren wir uns noch nie, Meister. Ich bin der klitzekleine Zahn in deinem Kiefer, der Zahn ist faul und putt und deshalb bißchen mieft er. Jonas: Ich war richtig froh, als man mir wieder eine Schlafspritze verpaßte. Ich wachte auf. Ich hatte das Gefühl, daß der Alptraum jetzt erst richtig losgeht. Ich war in einem großen grauen schwach beleuchteten Raum, an den Wänden Automaten, Würger, Scanner, und ein paar die wie Killer aussahen. Auf dem Boden Berge von Kisten und Haufen von Menschen in grauen Kitteln, die Haufen bewegten sich, erst schwach, dann stärker, man kam zu sich, ich arbeitete mich raus, stand auf, sah an mir runter, grauer Kittel, um den Hals an einer Schnur eine Plastikscheibe mit Namen, Vergehen, Urteil. Plötzlich ein entsetzliches Geräusch, immer und immer wieder, Alarm, eine Sirene. War das Sam? Sam: Wo denken Herr Graf hin bzw. her. Niemals würde Sam sich ein obszönes Gelärm erlauben, den geliebten Meister zu erwecken würde Sammy zärtlich säuseln oder melodisch singen wie folgt: Die güldene Sonne Jonas: Ruhe. Wo sind wir. Machs kurz. Sam: Schleuse. Strafkolonie. Dahinten Pneumakapsel, automatisch ausgeladen. Jonas: Was ist das für ein Krach. Sam: Warnsignal, die Türe dorten stehet offen, und herein schneien diverse Strafkolonisten, um ihre neuen Gefährten zu empfangen, wenn nun besagte Tür sich wiederum schließt, in etwa 2 kurzen Minuten, bringen Autokiller an den Wänden jedes Wesen so hier noch kreucht und fleucht gnadenlos vom Leben zum jähen Tod. Jonas: Schluß damit, du sollst mich nicht nerven, du sollst mich informieren. Sam: Na los hopp, Tempo. Jonas: Draußen vor dem Schleusenbunker im kalten hellen Tageslicht mußten wir neuen uns in einer langen Reihe aufstellen, um uns drängten sich Hunderte von Strafkolonisten, Frauen und Männer, manche im schlichten Kittel wie wir, die meisten hatten sich fantastisch rausgeputzt, mit Plastikhelmen und Plastikpanzer, mit bunten Bändern in Haaren und Bärten, mit Broschen aus Blech und Kunststoff, viele trugen Waffen, Knüppel, Messer, eiserne Keulen und Spieße, alles selbstgemacht, Abfallprodukte aus Verpackungsmaterial, die wilde Horde starrte uns an, abschätzend, gierig, hungrig, dann trat jemand vor, eine hagere Frau mit einem gelben Halbmond im grauen Haar: Sie hob ihre Eisenstange, wartete einen Augenblick, wandte sich uns zu. Alte: Ruhe. Ruhe. Hört mal her ihr neuen Säcke, ihr seid jetzt in der Strafkolonie, was ihr Pißnecken draußen ward, das juckt uns hier drinnen kein Stück, ihr seid der letzte Scheiß, und je eher ihr schnallt was bei uns läuft um so besser für euch, also was wir jetzt mit euch machen, das ist die Fleischbeschau, die Leute aus den Clans kucken sich den neuen Schrott aus Babylon an und suchen sich raus, was sie brauchen: Sklaven, Maultiere, Eunuchen, und Sonntagsbraten für den Clan der Kannibalen werden gleich in die Clanhäuser gebracht. Wer Schwein hat und nen besseren Job abkriegt, Krieger oder Hexe, der muß sich erst bewähren, als Sandfloh, und was das ist, das kriegt ihr noch früh genug mit, so das war's, seht zu, wie ihr durchkommt, und merkt euch ihr Kotzeimer, jeder für sich, hilf dir selbst, denn sonst tut's keiner. klar? Jonas: Sam, diese Clans, was weißt du darüber. Sam: Sogleich euer Fraglichkeit. Flugs soll euch Aufklärung zu teil werden. Clans nennen die Strafkolonisten ihre primitiven Organisationsformen, archaische stammesähnliche Gebilde, hierarchisch gegliedert, ursprünglich 40, ein Clan pro Megabarak, inzwischen schrumpf die Zahl, starke Clans sind dabei, sich die schwächeren einzuverleiben, alle Clans führen ständig Krieg miteinander, überall in der Kolonie, nur hier nicht, das Schleusengebiet gilt als neutral und so es interessiert, wären an Einzelclans zu nennen: Die Samurai, die Barbaren, die Furien, die Arier, die Teufelsweiber, die Eisenärsche, die Kopfjäger, die Amazonen... Jonas: Usw. Eine merkwürdige Mischung. Antiquiert, komisch und gefährlich. Eine muskulöse Amazone im roten Minirock hob meinen Kittel mit ihrer Peitsche, dann las sie, was auf meiner Scheibe stand, und winkte ab. Amazone: Zu alt für die Zucht, unsere Königin will junge Männchen. Jonas: Na ja, nicht an... Gonzo: Platz da Platz für Megan die Magische, die zaubermächtige Großhexe des hochedlen Clans der Barbaren, aus dem Weg. Platz für Megan die Magische, Weichet, widrige Wichte, weichet. Sam: Kuck mal wie der spricht, so matiniert, mariniert. Jonas: Das mußt du gerade sagen Sam. Sam: Hey Boss, da ist sie, die da. Jonas: Wer ist was, Sam, deutlicher bitte. Sam: Die da, die mit dem blauen Zottelpelz und dem Lametta an den Ohren. Jonas: Megan die magische. Sam: Alias Megans Alcatraz. Diejenige welche. Stammheims Begehren. Jonas: Das war prompter Service. Kaum tauchte Jonas in der Strafkolonie auf, da lief ihm die gesuchte schon über den Weg, d.h. sie schritt, und zwar gemessen, durch die Menge, die respektvoll Distanz hielt, zu ihr und zum Knüppel ihres Begleiters. Sie war nicht sehr groß, schlank, gutaussehend, trotz ihrer barbarischen Aufmachung und tüchtig, nach nur 2 Monaten in der Kolonie hatte sie es bis zur Großhexe gebracht. Eine Blitzkarriere. Sam: Na los Blödmann quatsch sie an. Jonas: Bist du verrückt, hier vor all den Leuten. Sam: Sag ihr, sie soll dich für ihren Clan aussuchen, und wenn sie dann näherkommt Jonas: Megan, hierher. Gonzo: Was erlaubst du dir, du Abschaum. Wie spricht du zur zaubermächtigen Großhexe des hochedlen Barbarenclans. Jonas: Wer will denn was von dir, du Angeber. Also wenn s denn sein muß, zaubermächtige Großhexe. Braucht dein Clan Sam: Hochedler Clan. Jonas: Dein hochedler Clan nicht einen guten Krieger, erfahren in allen martialischen Künsten. Megan: Du bist sehr vorlaut, Neuer, wollen doch mal sehen. So, Jonas, Privatdetektiv, daß es so was noch gibt, vorher Söldneroffizier im Antarktischen Krieg, Mord, Raub, Einbruch, nicht schlecht, du bist zwar nicht mehr der Jüngste. Jonas: Stammheim. Megan: Augenblick. Treib das Volk zurück, Gonzo. Gonzo: Wie du befiehlst zaubermächtige Großhexe. Zurück, weg Gesindel, ihr seid der zaubermächtigen Großhexe lästig. Jonas: Alonso Stammheim schickt mich, Frau Alcatraz, ich soll Sie rausbringen. Megan: Aja, ich beanspruche diesen Mann für den hochedlen Clan der Barbaren. Melde dich im Clanhaus, so bald wie möglich. Jonas: Leicht gesagt, erstmal wurde Jonas als Sandfloh eingesetzt. Am Rand der Strafkolonie erhob sich ein gewaltiger Sandhaufen, der mußte jeden Tag rüber auf die andere Seite geschafft werden, und tags darauf zurück, in langer Kette mit Eimern. Das hatte sich Privollzug ausgedacht, damit die Gefangenen zu tun hatten und nicht auf gefährliche Gedanken kamen. Eine stupide Arbeit, voller Eimer von links, voller Eimer nach rechts, usw. Eine Woche lang mußte man sich als Sandfloh abschuften. Das dauerte Jonas zu lange. Jonas: Hau hupp. Sammy, wann gehen die Schleusentüren für uns auf? Was hat Stammheim gesagt. Hau ruck. Sam: Total vergessen, siebhirniger Alzheimer. Am 1. August 2013 fünf Minuten vor der Mitternacht für genau 20 Sekunden, und falls euer Trottelhaftigkeit diese Chance nicht wahrzunehmen vermag, bietet sich 24 Stunden später eine zweite solche. Jonas: Und wenn ich, hau Ruck, das auch nicht schaffe. Sam: Dann mußt du halt hierbleiben in der wunderschönen Strafkolonie. Jonas: Lieber nicht. Heute haben wir den Sam: 31. Juli 2013, 15 Uhr 27. Höre mein Jonas laß dir sagen. Jonas: Halt die Backen. Hau Ruck, Also heute abend, spätestens übermorgen. Nicht mehr viel Zeit. Hau ruck. OK, Sammy, wir gehen. Macht's gut, Genossen. Mann: Was ist da los? Aufseher: Hey, du da, was fällt dir ein, zurück in die Kette, aber plötzlich. Buly zu mir. Jonas: Unser Aufseher: ein mürrischer Eisenarsch im rituellen Outfit seines Clans, oben schwarze Weste aus Pseudoleder mit Nieten, unten ohne, abgesehen von einem knappen Futteral, bisher hatte er abseits gehockt und seine Nieten poliert, jetzt schwang er sich auf sein Maultier, das heißt auf einen kräftigen Sklaven, der ihm als Reittier zustand, er ritt auf mich zu und wollte mich mit seiner Lanze zurück in die Kette stochern. Das mißfiel mir. Ich nahm den Eimer hoch und holte aus. Das Muli kriegte eine volle Ladung Sand ins Gesicht, stolperte, schlug hin, der Aufseher flog aus dem Sattel, und krachte mit dem Nacken auf den Eimerrand. Sam: Ist er tot der nacktgesäßige Grobian. Jonas: Sieht so aus, Sammy. Maustod. Hals gebrochen. Sam: O jemine. Weiß mein leichtsinniger Eimerschmeißer was das bedeutet. Jonas: Klar Sammy, wir können jetzt ungehindert zum Clanhaus der Barbaren wandern, zu Megan Alcatraz. Sam: Und. Jonas: Und was. Sam: Es bedeutet auch und vor allem Blutrache. Der wilde Clan der Eisenärsche wird sich an die Fersen meines Meisters heften, seinen Kopf fordern und was sonst noch alles. So ist's hierzulande Sitte. Schako. Jonas: Weißt du, Sammy, darüber mache ich mir später Sorgen, wenn ich nichts Besseres vorhabe. Auf geht's. Haus der Barbaren. Gibt den Kurs vor. Sam: Aye aye. Ost Süd Ost. Mehr nach links, backbord wollte ich sagen. Gut so, und jetzt immer gerade aus. Jonas: Die 40 Megabaracken der Strafkolonie stehen an der Peripherie, rundherum wie Striche auf einem Zifferblatt. Eine gute Stunde Fußmarsch durch die tote Steinwüste, dann tauchte am Horizont ein enormer grauer Quader auf, wurde größer, deutlicher, noch eine halbe Stunde und ich konnte vor dem Tor aufgespießte Köpfe erkennen, und nicht mehr frische Leichen, die im Wind schaukelten. So etwa hatte ich mir die Burg der Barbaren vorgestellt. Wächter: Zurück, clanloser Niemand, verschwinde oder wir hängen dich an den Füßen auf als Zielscheibe für unsere jungen Bogenschützen. Jonas: Mach das Maul zu mach das Tor auf, ich in einer von euch, ein Barbar. Wächter: Ach ja, wo hast du denn das Totem, und dein Rangstreifen. Jonas: Megan die Magische hat mich herbestellt, eure zaubermächtige Großhexe, sagt ihr Bescheid, sag ihr Jonas ist da. Wächter: Warte. Jonas: Ein zotteliger Barbar führte Jonas durch dunkle, schmutzige, stinkende Gänge, voll von zotteligen Barbaren, dann Treppen rauf, viele Treppen, die Oberbarbaren lebten oben, unterm Dach. Großhexe Megan hatte einen ganzen Raum für sich, über einer Feuerstelle hing ein Eisenkessel, in dem eine übelriechende schwarze Brühe brodelte, an den Wänden standen seltsam geformte Glasgefäße, gefüllt mit gelben und grünen Elixieren, zerstochene Wachspuppen lagen herum, Hexenbesen, mumifizierte Finger, Ohren und andere Körperteile. Dieser ganze magische Kram störte mich wenig. Was mich störte war der finstere Typ mit dem Knüppel: Mein alter Freund Gonzo, Leibwächter der Großhexe Megan Alcatraz. So ging das nicht. Der Kerl mußte weg. Jonas: Gonzo alter Junge, du störst, warum geht du nicht ein bißchen vor die Tür und kuckst wie's Wetter wird. Gonzo: Gonzo bleibt. Megan: Er muß bleiben, Jonas, er ist mein Leibwächter. Wenn er mich verläßt, verliert er seine Ehre. Gonzo: Gonzos Ehre heißt Treue. Jonas: Ja was machen wir denn da. Sam: Zum Bleistift dieses. Madam wechselt ihren Wächter. Jonas: Nicht schlecht, Sammy, gar nicht schlecht. Megan: Was meinen Sie Jonas. Jonas: O, ich habe gerade mit meiner inneren Stimme gesprochen. Megan: Aha, und was sagt sie. Jonas: Daß ich von jetzt ab Ihr Leibwächter bin. Gonzo kriegt Urlaub und kann sich anderweitig vergnügen. Alte Frauen erschrecken, Kleinkinder beißen, Schnuller wegnehmen, Nasebohren, na Gonzo ist das ein Angebot. Gonzo: Du forderst Gonzo heraus, Fremder? Jonas: Tu ich das. Megan: Das müssen Sie, Jonas. Wer den Rang eines anderen will, muß ihn zum Zweikampf fordern, und töten. Gonzo: So will es die geheiligte Sitte der Väter. Jonas: Na dann komm Gonzo, bringen wir's hinter uns. Gonzo: Nicht so Fremder, wir kämpfen wie das Gesetz es befielt. Nach dreimaliger Herausforderung binnen Wochenfrist in der Halle der Zweikämpfe. Vor seiner brutalen Erhabenheit Häuptling Conan und dem ganze Clan. Jonas: Tja, weißt du Gonzo mein Freund, so viel Zeit hab ich leider nicht, und darum, und jetzt abwärts. Jonas: Ich steckte ihm kurz den Kopf in den Hexenkessel, das lenkte ihn ab und ich konnte ihn aus dem Fenster schieben. Nicht gerade fair, das gebe ich zu, aber wer oder was war in diesem Fall schon fair zu Jonas. Megan: Wie’s scheint, habe ich einen neuen Leibwächter. Ich bin beeindruckt, Jonas. Jonas: Jeder für sich, hilf dir selbst, ich hab mich nur nach dem gerichtet, was hier üblich ist. Megan: Gut. Stammheim, was hat er vor, erzählen Sie. Jonas: Als ich fertig, war, fing Megan Alcatraz an im Zimmer herumzuwandern. Sie wirkte nachdenklich. Irgendwie unentschlossen. Megan: Seit gestern bin ich am Überlegen, Jonas, seit unserer Begegnung vor der Schleuse. Ob ich mit Ihnen die Kolonie verlassen oder bleiben soll. Jonas: Ist das Ihr Ernst? Megan: Sicher, es geht mir gut. Ich bin Großhexe. Der Clan respektiert mich, Häuptling Conan tut was ich sage. Das Leben ist primitiv, zugegeben, aber dafür ist es aufregend, dunkler, einfach lebendiger als in Babylon. Wissen Sie, Jonas, schon als Kind wollte ich Hexe werden, nach der Schule bin ich auf die Akademie für Esoterik gegangen, ich habe einen Abschluß in fortgeschrittener Hexerei, und in weißer und schwarzer Magie mit Auszeichnung. Jonas: Und warum sind Sie nicht dabei geblieben. Megan: Die Berufsaussichten waren schlecht, viel zu viel Hexen in meinem Lager, ich war vernünftig und ließ mich umschulen für den höheren Staatsdienst. Auch gut. Aber was eine Justizangestellte kann, ist hier in der Strafkolonie nicht gefragt. Also fing ich wieder an zu hexen. Zora, die Zauberin war da Großhexe bei den Barbaren, ich hab sie herausgefordert, ihr einen Herzinfarkt angehext, ihre Stellung übernommen. Und all das soll ich aufgeben, für einen Schreibtisch in Babylon? Jonas: Dann eben für Alonso Stammheim, der gibt sich mächtig Mühe, Sie zurückzuholen, haben Sie denn keine Sehnsucht nach ihm? Megan: Sehnsucht nach Stammheim? Ich? Tot will ich ihn sehen, diesen Drecksack, er hat mich aufs Kreuz gelegt, er hat mich in die Strafkolonie geschickt. Jonas: Langsam, jetzt versteh ich überhaupt nichts mehr. Megan: Aber Sie haben ja recht, Jonas, ich komm mit Ihnen, seinetwegen, ich will Stammheim fertig machen. Ich will seinen Posten. Chiefcontroller Megan Alctraz. Das hört sich noch besser an als Großhexe. Jonas: Megan Alcatraz war ehrgeizig. Stammheim, ihr Chef, blockierte seit Jahren ihre Beförderung. Sie versuchte Material gegen ihn in die Hand zu kriegen, sie hatte Glück, sie knackte den Geheimcode für Stammheims private Datei, sie wurde fündig. Alonso Stammheim ließ sich bestechen in großem Stil, von der US-Firma Highsec, die war sehr daran interessiert, im europäischen Strafvollzug Fuß zu fassen. Highsec machte einen Deal mit Stammheim. Privollzug sollte die Lizenz zum Betrieb der Strafkolonie verlieren, dafür wollte Stammheim sorgen, und dafür, daß die Lizenz dann an Highsec ging, für eine halbe Million Euros. Bar unterm Tisch. Alcatraz kopierte den Deal und versteckte die Kopie. Im Archivsystem des Justizministeriums. Dann konfrontierte sie ihren Chef: Beförderung sofort, oder die Sache wird veröffentlicht. Megan: Stammheim versprach alles, was ich wollte. Und als ich abends nach Hause kam, wurde ich verhaftet. Von Auto-Cops. Einen Tag später war die Verhandlung, falls man das so kennen kann. Ich wurde zur Strafkolonie verurteilt. Jonas: Also eins ist mir nicht klar, Megan. Sie sind in der Strafkolonie. Stammheim ist Sie los. Sie können ihm nichts mehr tun, weshalb schickt er mich, um Sie rauszuholen, das ist doch widersinnig. Megan: Und wie ich ihm was tun kann, das glaubt er jedenfalls. Ich hab's ihm geschrieben. Jonas: Geschrieben, von hier aus? Megan: Ja. Jonas: Das ist doch nicht drin. Es gibt keine Verbindung zwischen der Strafkolonie und der Außenwelt. Megan: Sagt man. Aber mir ist was eingefallen. Einmal die Woche fliegt ein Satellit des Justizministeriums über die Kolonie und schießt Holographie, zur Kontrolle, die Bilder landen auf Stammheims Schreibtisch. Genau zum Satellitentermin habe ich einen großen Zauber veranstaltet, oben auf dem Dach, ein paar hundert Barbaren mußten sich so aufstellen, daß sie magische Zeichen und Figuren bildeten. Jonas: Buchstaben. Megan: Und Zahlen, deutlich von oben zu lesen. Jonas: Gute Idee. Und was stand da? Megan: Rausholen, sonst Deal automatisch publik 15.8. Megan. So was. Jonas: Stimmt das? Megan: Daß das Material am 15. automatisch freigeben wird und an die Medien geht, nö, das war ein Bluff. Aber Stammheim weiß das nicht, darum hat er reagiert. Jonas: Und Jonas geschickt. Megan: Sie sehen Jonas, wir haben beide wenig Grund, Stammheim zu lieben. Jonas: Was wird er tun, wenn wir rauskommen, was meinen Sie, Megan. Megan: Nichts Gutes. Er wird versuchen, mir das versteckte Material abzunehmen, mit allen Mitteln, und Sie, Jonas, Sie wird er wohl gleich umbringen, weil er Sie nicht mehr braucht. Sam: Sie irrt, die barbarisch blau bezottelte Hexe. Jonas: Sammy, schön, daß du mal wieder was von dir hören läßt. Sam: Und wie Superfiesling Stammheim meinen Meister noch braucht. Denn siehe des güldenen Geldes die Menge ist es ihm wert. Jonas: Moment, Sammy, wer ist wem was wert. Sam: Hirnsklerotiker. Dem p. p. Stammheim. Eine halbe Million Euros. Jonas: Du redest Blech, Sam. Sam: Jedoch nur als tote Leiche. Megan: Haben Sie was, Jonas, ist Ihnen nicht gut? Jonas: Seien Sie mal einen Moment still, meine innere Stimme hat mir was zu sagen. Also Sam, was ist los. Sam: Schwere chronische Verstopfung, Herr Medizinalrat, in dero Dumpfheit sogenannten Gehirn. Jonas: Paß auf, Sam, wenn mir erst mal draußen sind und ich dich abschalten kann. Sam: Und Humor hat er auch kein Stück, der Sauerkopf. Doch was soll's. Er ist mein Jonas, ich muß ihn nehmen wir er kommt. Jonas: Komm du endlich und zwar zu Potte. Sam: Subito Signore. Oder auch pronto. Piep. Stammheim kriegt eine halbe Million Euros, wenn Privollzug die Lizenz für die Strafkolonie loswird. Klar? Wann verliert eine Firma die Lizenz zum Betreiben der Strafvollzugsanstalt. Häh? Wenn die Anstalt nicht mehr sicher ist, wenn z.B. ein Insasse auskneift, klar, ein möglichst gefährlicher. Klar. Ein Gewaltverbrecher, Räuber, Mörder, ist das klar. Jonas: Klar, Sammy, Stammheim bring Jonas um, die Leiche wird entdeckt. Sam: Allgemeiner Aufschrei, Verurteilter aus Strafkolonie getürmt, Privollzug wird Lizenz entzogen. Auf der Stelle. Jonas: High Sec übernimmt. Stammheim wird's schon richten. Sam: Ja, und wenn ein toter Jonas nicht reicht, hat der listenreiche Stammheim noch eine tote Alcatraz anzubieten, etwas später wenn er ihr die Würmer aus der Nase geleiert hat, das mein ich damit, sprich das versteckte Belastungsmaterial. Jonas: Das heißt Stammheim schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Megan Alcatraz ist er los. Sam: Und er kriegt ne halbe Million. Friede Freude Eierkuchen im Hause Stammheim. Jonas: Das mußte verhindert werden. Ich informierte Megan. Sie kannte Stammheim und sah die Gefahr, aber bevor wir die Situation abschätzen und einplanen konnten, wurden wir gestört. Ein junge Lehrhexe kam ins Zimmer, mit einem tiefen Knicks und einem Auftrag. Botin: O zaubermächtige Großhexe Megan, die magische, seine brutale Erhabenheit Häuptling Conan sendet dir durch meinen Mund eine Botschaft. Megan: Sprich Griselda. Botin: Unsere Kundschafter melden, daß sich Arier, Amazonen und Knochenbrecher wider den hochedlen Clan der Barbaren verbündet haben. Megan: Unsere Nachbarn. Weiter Griselda. Botin: Sie haben eine große Wurfmaschine gebaut. Damit werden sie in drei Tagen unser Haus bestürmen. Megan: Und ich soll was dagegen unternehmen. Botin: So ist es, zaubermächtige Großhexe. Seine brutale Erhabenheit läßt dieses sagen: mache einen Zauber, einen großen Zauber, verwirre den Geister unserer Feinde, zerstöre ihre Maschine, mache zunichte ihren Plan. Jonas: Na das paßt doch wie die Faust aufs Kinn, Megan. Sie machen wieder mal einen großen Zauber. Aber nicht auf dem Dach sondern Megan: Draußen an der Schleuse, morgen um Mitternacht. Ich allein, nur mein neuer Leibwächter wird mich begleiten. Morgen mittag brechen wir auf. Jonas: Einen Tag später, 1. August 2013, kurz vor Mitternacht an der Schleuse: In der Zwischenzeit waren wir, Megan und ich uns nähergekommen: Sie hatte mich in die vielfältigen Pflichten eines Leibwächters eingeführt. Und ich hatte ihr mein großes Geheimnis verraten: Sam. Sam, den geschwätzeigen Backenzahn, zu dritt hatten wir überlegt und geplant, bis wir zu dritt durch die Kolonie zur Schleuse zogen. Jetzt waren wir da. Vom grauen Klotz des Schleusenbunkers sahen wir nur eine Hälfte, die andere lag draußen, hinter dem Schutzschirm, unsichtbar. In wenigen Sekunden würde sich die massive Tür in der Front zu öffnen. Hoffentlich. Alles schien ruhig. Zu ruhig, meinte Megan, sie war mißtrauisch. Da ein Geräusch, die Tür, sie fing an sich zu bewegen. Sam: Na, was ist, noch nie ne offene Tür gesehen, steht nicht rum wie Ochs und Kuh vorm Scheunentor. In 20 Sekunden ist das Loch wieder zu. Countdown läuft. Piep. Jonas: Komm Megan. Megan: Adios Strafkolonie. Bluträcher: Halt. Das Blut unseres Clanbruders scheit nach Rache. Jonas: Plötzlich waren sie da, schwarzes Leder, Nieten, Eisenstangen, Blut in den Augen, Rache im Herzen, Eisenärsche, an die zwanzig, zu viel für Jonas, aber Jonas war nicht allein, Megan war bei ihm, und Megan konnte hexen, sie fixiert die Bluträcher, hob feierlich die Hände, rote Blitze zuckten aus ihren Fingerspitzen. Megan: Asrael und aller Dämonen... Steht still und starr und stumm, laßt die Waffen fallen, rührt euch nicht. Jonas: Es wirkt, Megan, wie machst du das, Hypnose. Megan: Hahaha, Hexerei, Jonas. Komm Jonas, schnell. Sam: Alehopp. Megan: Komm Jonas, schnell. Jonas: Die Tür war zu und wir waren drinnen im Schleusenbunker, nichts und niemand nahm uns zur Kenntnis, die automatischen Scanner blieben inaktiv, die Killer auch. Stammheim hatte an ihren Programmen gefummelt, wie versprochen. An der offenen Hintertür wartete die Pneumakapsel. Sam: Zum pneumatischen Express nach Babylon bitte einsteigen und die Türen schließen. Der Zug fährt sofort ab. Jonas: Augenblick noch, Sammy, hast du die Programm so umgestellt wie wir es besprochen haben. Sam: Na klar Chef, alles im Griff. Jonas: Was sieht Stammheim? Sam: Nichts, Chef, null Komma nichts, total leere Schleuse. Jonas: Und die Kapsel. Sam: Flutscht nicht zum Justizministerium, sondern an der Gabelung rechts Zielbahnhof Privollzug. Abfahrt. Jonas: Die kleine Station unter dem Privollzughochhaus war vollautomatisch, kein Mensch weit und breit. Gut, einerseits, Jonas und Megan waren praktisch nicht vorhanden, die Sicherheitssensoren hatte Sam außer Gefecht gesetzt. Andererseits schlecht. Wir brauchten Menschen, zwei vorzugsweise. Sam: Blaue Zottel, Graue Kittel, Plastik, so kommt ihr beiden Süßen nie in die Chefetage, bestenfalls in den Abfallcontainer. Jonas: Wir müssen uns was zum Anziehen besorgen, Megan, was unauffälliges. Manager-Outfit oder so was. Megan: Uniformen vom Privollzugwerkschutz. Jonas: Das ist gut. Wir warten bis zum Morgen, Sammy schlägt Alarm. Sam: O ja, großer Meister, Alarm, und wie, das die Wände wackeln. Jonas: Das möchtest du wohl. Kleiner Alarm. Wasserschaden, Ratte im Kabelschacht, diese Preisklasse. Sam: Oh, Spielverderber. Jonas: Zwei Typen vom Werkschutz kommen nachkucken, die treten immer zu zweit auf. Wir machen kurzen Prozeß. Megan: Und wir ziehen uns um. Jonas: Null Problemo. Gegen halb 10 standen wir im Chefzimmer von Vizepräsident Pierre Cayenne, den kannte Megan aus ihrer Zeit im Justizministerium. Jonas stellte sich an die Wand, die rechte Hand am Neurofreezer, Sam spazierte durchs Sicherheitssystem und blockierte ein paar Verbindungen. Megan ging zum Schreibtisch, nahm die Mütze ab, schüttelte ihr Haar aus. Cayenne war irritiert. Cayenne: Was soll das, was erlauben Sie sich. Gehen Sie zurück auf Ihren Posten. Megan: Erkennen Sie mich nicht, Pierre? Cayenne: Megan, Megan Alcatraz? Aber, aber Sie sind doch in der Strafkolonie. Megan: Ich bin hier Pierre, in ihrem Zimmer, das sehen Sie doch. Drücken Sie ruhig auf den Alarmknopf, das bringt nichts. Aber kommen Sie nicht auf die Idee aufzustehen und zur Tür zu gehen. Mein Partner würde Sie neurofreezen. Jonas: Würd ich. Sofort. Cayenne: Was wollen Sie Megan? Megan: Sie warnen, Pierre, ihren einen Tip geben, falls Privollzug Wert darauf legt, die Lizenz für die Strafkolonie zu behalten. Jonas: Pierre Cayenne war ein vernünftiger Mann, und Megan Alcatraz war eine vernünftige Frau, das wußte er, darum glaubte er unsere Geschichte. Aber es fiel ihm nicht leicht. Cayenne: Beweise. Ohne Beweise kann ich nichts gegen Stammheim unternehmen. Geben Sie mir Beweise, Megan, rufen Sie Ihr verstecktes Material ab. Megan: O nein, Pierre. Das Material bleibt vorerst da, wo es ist, ich will Sie nicht in Versuchung führen, wenn Sie mein Material haben, können Sie Stammheim problemlos allein erledigen. Und dann kämen Sie womöglich auf den unschönen Einfall mich und meinen Partner Jonas zu eliminieren. Sie würden an das Wohl von Privollzug denken, immerhin sind wir aus der Strafkolonie ausgebrochen, aus Ihrer Obhut. Cayenne: Trauen Sie mir nicht, Megan. Megan: Ich wäre dumm, wenn ich's täte, Pierre. Hören Sie zu. Sie kriegen ihre Beweise, aber anders. Jonas: Stammheim wird sich selbst überführen, er wird sich stellen, er wird alles zugeben. Cayenne: Ich verstehe. Soll ich Sie mit einem versteckten Sender ausrüsten. Jonas: Nicht nötig. Den haben wir schon. Ich geb Ihnen die Frequenz. Sie werden mithören. Megan: Sie und die Medien. Die Sache muß an die Öffentlichkeit. Wir wollen voll rehabilitiert werden. Von einem Deal unter der Hand zwischen Stammheim und Ihnen haben wir beide gar nichts. Cayenne: Aber sowas würde ich doch nie Megan: Natürlich nicht, Pierre. Jonas: Wenn's brenzlig wird, greifen Sie ein, Cayenne. Cayenne: In Ordnung, Werkschutz. Kripo auch wenn Sie wollen. Jonas: Aber keine Auto-Cops. Jonas: Rund 14 Stunden später, 3. August 2013, 0 Uhr 20, tief unter dem Justizministerium. Eine Pneumakapsel kam zum Stehen, die Klappe ging auf, Megan Alcatraz und Jonas, wieder in ihrer Koloniekluft, stiegen aus und wurden sofort in Bodybags gestopft, von Auto-Cops. Alonso Stammheim sah gutgelaunt zu. Stammheim: So läßt es sich doch viel angenehmer plaudern, nicht wahr. Sie haben es also geschafft, Jonas, wenn auch erst im zweiten Anlauf. Eigentlich hatte ich Sie schon gestern erwartet. Na Ende gut alles gut. Megan, meine Teure, glänzend sehen Sie aus. Ein wenig extravagant aber glänzend. Verraten Sie mir, wo Sie die Daten über meinen Deal mit Highsec haben. Und den Abrufcode natürlich auch. Megan: Sie glauben doch nicht ernsthaft, daß ich Ihnen das sage, Stammheim, Sie Ratte. Stammheim: Nun ja, vielleicht nicht sofort, liebste Megan, aber wenn Sie erst in der Autotortur. Megan: Oh. Stammheim: Damit haben Sie nicht gerechtet, was, ha, die automatische Folterkammer ist fertig, mein Lieblingsprojekt, Sie wissen ja, Sie geschätzte Kollegin werden die Ehre haben als Versuchskaninchen zu agieren. Sie sind eine starke Frau, wie lange werden Sie wohl durchhalten, 10 Minuten, eine halbe Stunde oder gar länger. Wir werden sehen, hören, erleben, genießen. Jonas: Kommen Sie mal wieder runter, Stammheim. Sie ja schon am durchdrehen bevor es losgeht. Sam: Ejakulatio presskopf sagt der Experte. Stammheim: Herr Jonas, entschuldigen Sie, Sie sind ja auch noch da. Die Autotortur, wissen Sie, ein Thema bei dem ich immer alles andere vergesse. Ja, was mach ich mit Ihnen, es war vorgesehen, Sie schnell zu töten, aber wenn ich es mir recht überlege, sind zwei Kaninchen besser als eins. Wie Ihre Leiche aussieht, ist schließlich egal, Hauptsache man kann Sie identifizieren als ausgebrochenen Strafkolonisten. Ha, zwei mal Autotortur, eine halbe Million Euros. O happy day! Schafft die beiden in die Autotortur. Jonas: Es wurde Zeit. Zeit daß Sammy was tat. Der hatte es sich im Autojustiz-Systems bequem gemacht. Megan hatte ihn mit den Geheimcodes versorgt, noch aus ihrer Zeit im Justizministerium. Aber jetzt trat Sam in Aktion. Zuerst knackte er die Schlösser an unseren Bodybags. Dann gab er den Auto-Cops neue Befehle. Priorität eins a. Sie hörten nicht mehr auf Stammheim. Sie hören überhaupt nicht, sie zogen ihre Knüppel und fingen an, aufeinander einzudreschen. Mit lobenswertem Eifer. Stammheim: Aufhören, Schluß damit. Ihr sollt aufhören, hab ich gesagt. Megan: Warst du das Jonas, hast du Stammheim in Starrkrampf versetzt. Haha. Sag bloß, du kannst auch hexen. Jonas: Iwo, Neurofreezer, den hatte ich mir bei Privollzug unters Hemd gesteckt. So. Die Auto-Cops sind im Eimer. Was machen wir mit unserem Freund Stammheim. Megan: Autotortur schlage ich vor. Soll er sein Lieblingsprojekt selbst testen. Bin gespannt, wie lang er durchhält. Ah er schwitzt Jonas, sieh mal. Jonas: Die Hosen hat er auch voll. Cayenne: Halten Sie aus, gleich sind wir bei Ihnen. Jonas: Die Kavallerie. Zu spät, wie immer. Megan: Zu früh, keine Autotortur für dich Stammheim, schade. Jonas: Statt dessen kam er vor den Auto-Judex. Megan und ich sahen zu. Durch einen Einwegspiegel in der Wand. Auto-Judex: Stammheim Alonso, wird verurteilt, sein weiteres Leben in der Straf-kolonie zu verbringen, der Beklagte nimmt das Urteil an, das Urteil ist rechtskräftig. Stammheim: Nein, nein, nicht in die Strafkolonie, bitte, bitte, ich tu's auch nie wieder. Gnade. Megan: Wie's ihm da wohl gehen wird. Jonas: Gutes Eunuchenmaterial. Megan: Ja? Also ich hoffe, die Kannibalen kriegen das Schwein. Jonas: Schalt ab, Megan, er ist so laut. Megan: Was ich dir noch sagen wollte, Jonas. Ich hab seinen Job. Jonas: Chiefcontroller. Megan: Hm. Jonas: Gratuliere Megan. Megan: Wollen wir das nicht feiern, wir zwei, vielleicht gleich hier im Kasino. Das Essen ist allerdings nicht berühmt. Jonas: Gehen wir lieber ins Casablanca. Da ist das Essen auch mies, aber dafür der Whisky noch mieser, und die Atmosphäre unbeschreiblich. Wüah. Megan: Einverstanden. Wann? Jonas: Sagen wir in zwei Stunden. Ich hab vorher noch was zu erledigen. Beim Autodentisten. Sam: Nein, Sammy will in seinem Meister bleiben, ganz eng, ganz nah, ganz innig, von nun an bis in Ewigkeit. Jonas: Das könnte dir so passen. Du kommst raus. Sam: Liebt mein Jonas denn seinen Sam gar nicht mehr. Jonas: Merk dir Sammy. Die wahre Liebe blüht in der Distanz. Sam: Ach? Hat das Goethe gesagt? Jonas: Zu mir nicht. Sam: Zu mir auch nicht. Das war Strafkolonie. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem wirkten mit: Kerstin de Ahna, Karl Friedrich, Achim Höppner und viele andere (Werner Klein, Michael Schneider, Ilse Neubauer, Michael Vogtmann, Detlef Kügow, Ernst Wilhelm Lenik, Dorothee Hartinger, Pascale Schulze, Marc Schulze, Urs Schaudinn, Andreas Wohlrab, Eva Windisch). Ton und Technik: Günter Heß, Christine Koller und Monika Graul. Regieassistenz: Holger Buck, Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks (1994). Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Ufo Sam: Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trübem Sinnen auf Babypsilon, die große Stadt. Jonas: Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut. Ausnahmsweise. Klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir. Ein riesiger Flickenteppich. Im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb. Ruhig. Gediegen. Grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd. Strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril. Dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke. Im Südosten ein großes schwarzes Loch: Das Reservat. Rundum, am Horizont die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung. Darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus mit zahllosen Fenstern. Langsam zog es dahin. Unbeirrbar. Unerschütterlich. Unergründlich. Sam: Unerträglich. Jonas: Das Ufo? Sam: Ach Quatsch, deine melancholische Fensterschau, dein poetisches Geplapperlaber, du Hemingway für Arme. Jonas: Wer ist Hemingway, Sammy? Sam: Was juckt uns Hemingway, was juckt uns das Ufo, das gondelt doch schon seit Wochen jeden Abend über Babylon herum. Laß grübeln und glotzen, hinweg mit dem Trübsinn, mach dir ein paar schöne Stunden, Kumpel, geh ins Casablanca. Jonas: OK. Aber das half auch nichts. Die Stimmung blieb mies. Und das Ufo, die Drohung, die Dunkelheit, alles das wartete schon auf Jonas. Im Casablanca. Ich kriegte es nur nicht gleich mit. Zuerst war da nur die Frau, an meinem Tisch, auf meinem Platz. Jacob: Sie wartet auf dich, Jonas. Jonas: Soll sie, ich bin nicht da, ihr Pech. Jacob: Hier ist er, Frau Delamotte. Jonas: Halts Maul, Jacob, ich bin nicht in Stimmung. Delamotte: Jonas? Jacob: Jonas, in Lebensgröße. Jonas: Schöner Freund bist du. Jacob: Ich bin kein Freund, ich bin Gastwirt. Jonas: Sie war Ende vierzig. Gut angezogen, grau und dunkelblau, höheres Management dachte ich, oder öffentlicher Dienst. Ich ging rüber zu ihr. Lust hatte ich nicht. Delamotte: Setzen Sie sich. Was trinken Sie? Jonas: Whisky, Jacob, aber nicht den aus Singapur. Delamotte: Sie sind also der Detektiv. Jonas: Der letzte. Der absolut total allerletzte. Wenn Sie mir einen Auftrag geben, tun Sie's auf eigene Gefahr. Delamotte: Sie haben seltsame Art für sich zu werben. Was kosten Sie? Jonas: 120 Euros pro Tag und Spesen und eine Zulage, wenn ich raus muß aus Babylon. Muß ich? Delamotte: Ich glaub schon. Jonas: Wohin? Delamotte: In die Wildnis. Jonas: 200 pro Tag. Sie können sich das leisten, das sehe ich Ihnen an. Was soll ich tun? Delamotte: Jemanden suchen und finden wenn möglich. Jonas: Wen? Sam: Lalü lala. Tatü Tata. Alarm. Es brennt. Lichterloh, feurio. Loriot. Halt stopp, denk weiter. Delamotte: Sam nehm ich an. Jonas: Sie kennen Sam? Delamotte: Wer kennt ihn nicht. Sam: Ha. Hast du gehört, meitabbelige Gallenblase. Mir san hin und hergerissen, gnädige Frau, charmo charmo Küß eahna die Hand. Jonas: Mein Computer. Klein aber laut. Gefüttert mit sämtlichen Sprachprogrammen, die es gibt. Die es nicht gibt, hat er sich selbst beigebracht. Sam. Auch Sammy. Selten Samuel. Wegen Casablanca. Den Film meine ich, nicht meine Stammkneipe. As time goes by. Sam ist mein elektronischer Begleiter. Mein Schlappenschamois. Meine nützliche Nervensäge. Sam: Teuerste sehen mal wieder ganz extraordinär entzückend aus. Delamotte: Danke. Sam: Aber dennoch dessen ungeachtet und nichts desto trotz, erstmal wird geklärt, wer Sie sind. In dem daß wir bislang noch nicht das Vergnügen Ihrer geschätzten Bekanntschaft genaßen. äh genießen. Hatschi. Danke. Genossen. Feste Regel im Hause Jonas. Also dann mal los verehrteste. Hosen runter. Jonas: Wer sind Sie? Delamotte: Delamotte ist mein Name. Audrey Delamotte, ich arbeite im Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit als Staatsrätin. Jonas: Alles klar, also, fangen wir nochmal an, Frau Delamotte. Wen soll ich suchen? Delamotte: Einen Mann namens Adam Stiller. Sam: Schiller? Delamotte: Sagt Ihnen der Name was? Jonas: Stiller? Sam: Schiller? Jonas: Stiller? Sam: Stiller? Jonas: Nein. Sam: Nein. Delamotte: Schriftsteller. Buchautor genauer gesagt. Das hier hat er geschrieben: Jonas: Sie kommen aus dem Kosmos – das Geheimnis der Ufos. Kenn ich nicht. Delamotte: Sie machen sich wohl nichts aus Büchern, Jonas. Sam: Ich auch nicht. Delamotte: Wie die meisten in Babylon. Sam: Jaja. Jonas: Falsch. Jonas ist Nostalgiker. Jonas kauft und liest Bücher. Krimis aus dem 20. Jahrhundert. Science-Fiction interessiert mich nicht. Und genau sowas hatte Adam Stiller geschrieben. SF-Romane, Sachbücher über Ufos, fliegende Untertassen, Raumschiffe aus fernen Welten, ein Thema, das ihn faszinierte. Delamotte: Das war vor etwa 20 Jahren in den 90ern, ich war damals Lektorin in einem kleinen Buchverlag Sense of Wonder. Stiller schrieb für uns, kompetent, fleißig, manchmal inspiriert, und immer erfolglos. Wie der ganze Verlag. Bücher waren schon zu dieser Zeit kein Geschäft mehr, und darum ging der Verlag in Konkurs, 1998, vor 15 Jahren, Stiller war da 60, er konnte und wollte nicht noch mal von vorn anfangen. Jonas: Was hat er gemacht? Delamotte: Er ist ausgestiegen, aus Babylon verschwunden, untergetaucht. Jonas: Und Sie, Frau Delamotte. Delamotte: Ich, ich hab mir was Neues gesucht, und bin im Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit gelandet. Jonas: Wo Sie's zu was gebracht haben. Schön für Sie. Was wollen Sie jetzt nach 15 Jahren von Stiller, warum suchen Sie ihn. Delamotte: Warum? Weil seine Zeit gekommen ist, seine Bücher sollten neu aufgelegt werden, heute hätten sie Erfolg. Jonas: Vermutlich, und was hätten Sie davon. Delamotte: Ich kenne Stiller, ich würde ihm helfen, ihn managen. Jonas: 20 %. Delamotte: Eher 25. Stiller und ich, wir würden ganz groß mitschwimmen auf der Ufowelle. Jonas: Das klang plausibel. Vor einem Vierteljahr hatte sie angefangen, die UFO-Welle, die UFO-Schwemme, der UFO-Wahn. Seltsame Erscheinungen tauchten am Himmel auf. Rätselhafte Objekte. Mysteriöse Flugkörper. Scheibenförmig, hell und strahlend. Immer mehr. Immer öfter. Waren es außerirdische Raumschiffe? Bald flogen die Ufos nicht nur, sie landeten, ab und zu, weit draußen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit, Menschen die mitgenommen und dann freigelassen wurden, erzählten Wunderdinge, und Wunderdinge verhießen auch die Funksprüche, die vom Himmel kamen: Hoffnung, Frieden, Lösung aller Probleme, ganz Babylon war im UFO-Fieber, Ufokulte hatten gewaltigen Zulauf, alles andere war uninteressant geworden, es gab nur ein Thema: die Ufos. Delamotte: Was halten Sie von den Ufos, Jonas. Jonas: Ich, ich halt mich raus. Bleiben wir bei Adam Stiller, er ist jetzt wie alt? Sam: 75, du Schlunzpiepe. Jonas: Falls er noch lebt. Delamotte: Das hoffe ich. Sie werden es feststellen, Herr Jonas, Sie werden ihn aufspüren und zu mir bringen. Jonas: Wenn ich ihn finde und wenn er will. Warum nicht in der Wildnis, warum nicht sagen wir im Reservat. Delamotte: Fürs Reservat ist er nicht der Typ, ich bin ganz sicher, er steckt in der Wildnis. Jonas: Sie müssen's wissen, Frau Delamotte, es ist ihr Geld. Apropos. Delamotte: Sie brauchen eine Anzahlung nehm ich an. 500 Euros in bar, ist das genug. Sam: Es ist genug. Es ist nie genug. Es ist nie genug. Jonas: Mein Fon klingelte, als ich aus dem Lift stieg, ich ging durch den Korridor, suchte den Schlüssel, schloß auf, ich hatte es nicht eilig, das Fon hörte auf zu klingeln: Gut so. Eine Minute später fing es wieder an. Laut und beharrlich. Jemand mußte große Sehnsucht nach Jonas haben. Jonas: Jonas, nur Jonas, was ist. Maid: Hier spricht der hohe Tempel der druidisch-kosmologischen Kirche, seine Mysteriosität, Erzdruide Fingal, wünscht eine Unterredung mit Ihnen. Jonas: So, dann soll er doch mal vorbeikommen ihr Erzdruide, vielleicht übermorgen. Maid: Ich bitte Sie, Herr Jonas, Sie werden kommen zum hohen Tempel, sogleich. Jonas: Jetzt, 5 Minuten vor Mitternacht. Maid: Auf der Stelle, Herr Jonas, sofern Ihnen an einem einträglichen Auftrag gelegen ist. Jonas: Sam? Sam: Anruf genuin, Chef. Jonas: Tja, so ist das, wochenlang will kein Schwein was von Jonas, und jetzt rennen sie mir die Bude ein. Sam: Beziehungsweise zitieren euer Willfährigkeit ins Haus. Jonas: In den Tempel, Sam. Adresse. Sam: Yes. Jonas: Die druidisch-kosmologische Kirche war einer der neuen Ufokulte, der größte und offensichtlich lukrativste. Der hohe Tempel erwies sich als Prachtbau in bester Lage in einer Nebenstraße des Markgrafenboulevard, zwei bewaffnete Türsteher fragten nach meinem Namen, ließen mich durch, ein kahles Foyer, eine zweite Tür, ich stand in einem großen runden Raum unter einer hohen Kuppel, spärliches Licht aus unsichtbarer Quelle, aus unsichtbaren Lautsprechern Sphärenmusik, auf dem nachtblauen Hintergrund von Wänden und Kuppel tanzten helle Kreise in komplizierter Choreographie, plötzlich ein helles Rechteck, ganz hinten war eine Tür aufgegangen, eine Gestalt in einem langen weißen Hemd wandelte mir entgegen. Maid: Der hohe Tempel entbietet ihnen durch mich seinen Willkommensgruß, Herr Jonas. Jonas: Gleichfalls. Waren Sie die Maid vorhin am Fon. Sind Sie die Sekretärin des Erzdruiden? Maid: Ich habe die überaus große Ehre, seiner Mysteriosität als rituelle Opfermaid zu Diensten zu stehen. Jonas: Is ja drollig. Interessanter Job? Maid: Bitte, Herr Jonas. Seine Mysteriosität erwartet Sie. Jonas: Hinter der hellen Tür ein freundlicher kleiner Raum, ein Studio oder Herrenzimmer wie das früher hieß, edel ausgestattet, echt lederne Clubsessel, ein massiver Echtholzschrank, hinter der Echtglastür echte Bücher, und inmitten der teuren Pracht ein Mann, groß, gewichtig, würdevoll, eingewickelt in ein weißes Laken, eine goldene Sichel am Gürtel, im dünnen Haar ein Mistelkranz, in der Hand ein Glas, und im Glas, was roch die Nase des Experten? Erzdruide: Ganz recht, Herr Jonas, Uskibeha, wie die alten Kelten sagten, Wasser des Lebens, echter schottischer Maltwhisky, wollen Sie auch einen? Jonas: Hm, ehe ich mich schlagen lasse, Hochwürden. Erzdruide: Mysteriosissimus ist die mir zustehende Anrede, Herr Jonas. Jonas: Mysteriovissimus. Auf ihr Wohl. Erzdruide: Mysteriosissimus. Jonas: Oder so. Erzdruide: Auf ihr Wohl. Auf Teutates und Bedisama, auf die alten Götter, die da zurückkehren aus der Tiefe des Raumes, ihre irregegangenen Kinder zu retten, zum Wohl. Jonas: Warum haben Sie mich kommen lassen. Erzdruide: Sie sollen ihn ausfindig machen, Herr Jonas, den Vorläufer, den Propheten, der da bereits vor etlichen Jahren uns die Wiederkehr der himmlischen Göttern weissagte, in den erleuchteten Werken, welche Sie hier hinter Glas sehen, Herr Jonas. Jonas: Sie kommen aus dem Kosmos. Erzdruide: Unter anderem, Herr Jonas. Jonas: Adam Stiller. Erzdruide: Eben diesen, Herr Jonas. Jonas: Sieh mal an. Ein vielbegehrter Typ, dieser Stiller. Jonas dachte kurz nach. Sollte er dem Erzdruiden erzählen, daß er denselben Auftrag schon angenommen hatte? Von Audrey Delamotte. Ich hielt den Mund. Ein kleines bißchen unethisch, möglicherweise, aber es wurde niemand geschädigt. Und einer hatte den Nutzen, Jonas, der kriegte doppeltes Honorar. Und nicht nur das. Erzdruide: Nach unseren Erkenntnissen ist Adam Stiller ausgestiegen, wie der volkstümliche Ausdruck lautet, und zwar bereits vor 15 Jahren. Sie werden ihn also womöglich in der Wildnis suchen müssen, Herr Jonas. Jonas: Womöglich. Macht 200 Euros pro Tag und Spesen und eine Zulage, weil ich in die Wildnis muß. Erzdruide: Die druidisch-kosmologische Kirche brennt vor Verlangen, den Propheten in ihrem Tempel willkommen zu heißen. Sie werden Eifer zeigen, Herr Jonas, Sie werden eilen. Jonas: Ich tu, was ich kann, Mysteriovissimus, gleich morgen. Erzdruide: Heute, Herr Jonas, wir werden zahlen, um ihr Bemühen tunlichst zu beschleunigen, stellt die Kirche ihnen ein E-Mobil zur Verfügung, Sie werden es vor dem Tor finden, hier ist der Schlüssel. Jonas: 5 Stunden später, früher Morgen, ich fuhr durch die Südstadt, raus aus Babylon Richtung Wildnis, es war Platz auf den Straßen, mehr als sonst, keine Penner, keine Obdachlosen, keine Tütenmenschen, verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt, und noch was fiel mir auf: die großen Seniorenanstalten am Stadtrand standen leer, Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, seltsam. Aber was ging das Jonas an. Jonas hatte einen Auftrag. Zwei Aufträge. Eden, ein kleiner Ort in der Wildnis, noch dasselbe traurige Nest wie vor 3 Jahren, Fall Spielwiese, egal, Jonas war nur auf der Durchreise, zu drei alten Freunden, Debora, Amos und Obadja. Übrigbleiber, Survivalists, weit draußen in der Wildnis hatten sie sich eine Hütte gebaut, da hausten sie, schlicht und gottesfürchtig, putzten ihre Waffen und warteten auf den großen Knall, nur daß sie jetzt nicht mehr zu dritt waren. Debora: Bruder Obadja hat uns verlassen, Bruder Jonas. Jonas: Tot, Debora? Amos: Schlimmer, er ist zurückgekehrt nach Babylon zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Sam: Volksrente, Computer, elektrisch Licht und Schnaps aus dem Dipsomaten. Chemnitzluja. Korrektur Halleluja. Amos: Ah Brüderchen Samuel. Debora: Wie geht's denn kleiner Schreihals. Sam: Erlauben Sie Madam, nicht dieser Ton. Debora: Och, ist er beleidigt. Jonas: Laß ihn, Debora, er wird wieder. Amos: Bist du gekommen, um für immer bei uns zu bleiben, Bruder Jonas, denn siehe das Ende der Welt steht vor der Tür. Jonas: Schon wieder oder immer noch? Debora: Wirklich und wahrhaftig, Bruder Jonas, hebe deine Augen empor zum Himmel und schaue die Vorzeichen der nahenden Schrecknisse. Jonas: Die Ufos meinst du. Amos: Und auch auf Erden geschieht fürchterliches. Jonas: Wem sagst du das Amos. Debora: 50 km von hier haben sie ein neues Agrocenter hingestellt. Jonas: In die kahle Wildnis. Debora: In die Wildnis, wo nichts wächst, jeden Tag und jede Nacht fahren riesige E-Trucks von Babylon ins Center, vollbeladen mit Menschen, und wenn sie zurückfahren sind sie leer. Amos: Die große Säuberung hat begonnen, Bruder Jonas, und der Herr gießt aus die Schalen seines Zorns über Gerechte und Ungerechte. Jonas: Wie dem auch sei. Wenn morgen die Welt untergeht, wird Jonas noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen. Sam: Bruder Jonas, also steht es geschrieben in dem heiligen Werk, das da genannt wird, Büchmanns geschniegelte Worte, was, nein, geprügelte Worte, a Moment, ahaha, gebügelte Worte, ja gebügelte Worte. Jonas: Halt den Rand, Sammy, denn wahrlich ich sage dir, so du nicht zügelst den Fluß deiner Rede, schalt ich dich ab. Verstanden. Sam: Amen und abermals amen. Amos: Du hast einen Auftrag auszuführen, Bruder Jonas. Jonas: Ich suche einen Mann namens Adam Stiller, Aussteiger. Debora: Adam? Alt? Jonas: 75. Kennst du ihn Deborah. Debora: Es gibt hier draußen einen alten Mann, der den Namen Adam, der Geschichtenerzähler trägt. Amos: Manche nennen ihn auch Adam der Spinner. Jonas: Das dürfte er sein. Wo lebt er? Debora: Im Asyl, 20 km weiter nach Westen. Jonas: Der Ort, der jetzt Asyl hieß, war in der alten Zeit ein Campingplatz gewesen, an einem See, der natürlich längst ausgetrocknet war, die Caravans standen noch da, eine Schrottlaube neben der anderen, fast bis zum Horizont, jeder Wagen bewohnt, Aussteiger, Übrigbleiber, Durchsnetzfaller, ein paar Flüchtlinge aus der Drittwelt, die es durch den Militärkordon geschafft hatten. Jonas fuhr durch die rostigen Reihen, sah sich um, fragte, vorsichtig, eine Hand am Leitsystem des E-Mobils, die andere in der Jacke am Laserstrahler. Abends war ich am Ziel, ein verrotteter Minibus, kein Motor, keine Räder, das Heim von Adam dem Spinner alias Adam Stiller. Ein Greis, verkrümmt, verknittert, verknöttert, er ließ mich nicht rein, aber er blieb vor der Tür und hörte sich an, was Jonas ihm mitzuteilen hatte. Babylon ruft, sagte ich, und das gleich zweimal. Jonas: Babylon ruft. Stiller: Ach was, wer denn. Jonas: Erzdruide Fingal und Audrey Delamotte. Stiller: Und Lisa, Lisa will nichts von mir wissen. Jonas: Wer? Stiller: Lisa. Lisa Polonius. Jonas: Wer ist das? Stiller: Na, meine Partnerin damals, junger Mann, meine Muße, hab ich immer gesagt, sie hat mir geholfen beim Denken, beim Schreiben, besonders bei meinem letzten Manuskript, ein Roman, nur ein Gott kann uns noch retten, war der Titel, ein Heideggerzitat, werden Sie nicht kennen, junger Mann. Jonas: Ein Roman über Ufos. Stiller: Ja, aber nicht so wie Sie vielleicht denken, junger Mann, mein Meisterwerk, schade daß es nicht veröffentlicht wurde, kurz nachdem ich es eingereicht hatte, ging der Verlag pleite. Hat Audrey nichts davon gesagt, sie muß es noch haben. Jonas: Das Manuskript? Nein nichts. Stiller: So, was macht sie denn jetzt. Wieder bei einem Verlag? Jonas: Audrey Delamotte ist Staatsrätin im Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Stiller: Oh. Wirklich? Also das finde ich interessant, sehr interessant, wenn ich mir so ansehe, was im Moment läuft, diese Ufokiste und kein Wort von meinem Manuskript, da kommt man ins Grübeln, junger Mann. Jonas: Also was ist, Herr Stiller, was wollen Sie, Verehrung als Prophet, oder viel Geld als neuaufgelegter Autor, oder beides. Stiller: Oder weiter meine Ruhe als Aussteiger, nicht so flott, junger Mann, das muß ich mir überlegen, mal drüber schlafen. Kommen Sie morgen früh wieder. Jonas: Wo kann ich übernachten? Stiller: Ihre Sache, junger Mann. Jonas: In ihrem Minibus. Stiller: Null Chance. Schlafen Sie doch in ihrem E-Mobil. Jonas: Das werd ich wohl müssen. Stiller: Ein guter Rat, junger Mann, fahren Sie ein Stück raus, bleiben Sie nicht im Asyl, die klauen ihnen den Sitz unterm Hintern weg. Jonas: Das wollte ich nicht. Also fuhr ich raus, zwei drei Kilometer bis zu einem Haufen bizarrer Felsen, da stellte ich das E-Mobil ab, klappte die Lehne runter, legte mich hin, halb zwölf. Schlafenszeit. Sam schob Wache, in dieser Gegend war es nicht geheuer, und das war noch eine Untertreibung. Sam: Düdüdüdüdüdüdüt, Erwache, Meister, o Meister o werde wach, düt, nu hör schon auf zu schnofen, du alte Schlafmütze. Jonas: Sam, wie spät. Sam: Piep. 2 Uhr und 22 Minuten. Die Nacht ist noch jung. Jonas: Warum weckst du mich? Was ist los. Sam: Siehst du nichts, du blindes Huhn. Hörst du nichts, du taube Nuß? Ha? Jonas: Ich richtete mich auf. Drüben, wo das sogenannte Asyl lag, war der Himmel rot, Feuer, Schüsse, Krieg. Wer gegen wen? Ich startete das E-Mobil, fuhr zurück, ohne Licht, langsam, bis ich sie im Schein der Flammen erkennen konnte: gepanzerte Kampfmaschinen, haushoch, schwer bestückt, Bordkanonen, MGs, Laserwerfer, sie hatten Asyl umstellt, walzten alles nieder, schossen die Caravans in Brand, machten sie platt mitsamt den Bewohnern, wer sich ins Freie retten konnte, wurde abgeschossen. Was ging hier vor? Was waren das für Maschinen. Sam: Mähdrescher, Herr Agronom, Ernteautomaten, Agrarmaschinen. Jonas: Du spinnst Sammy. Sam: Steht doch groß und deutlich dran. Jonas: AgroC. Sam: Ja. Jonas: Dieses ominöse AgroCenter. Sam: Welches nicht ist, was es zu sein vorgibt. Jonas: Was hat Debora gesagt: Trucks voller Menschen rein, leer wieder raus. Und jetzt das. Mord, Sam. Sam: Massenmord euer Ehren. Mit System und Methode. Jonas: Und mit modernsten Kampfmaschinen. Wer steckt dahinter Sam. Sam: Wenn eure Tiefschürfigkeit jene uralte, doch immer wieder neu gestellte Frage für den Augenblick zurückstellen und sich gütigst einem akuten Problem widmen wollte. Denn siehe, wie Debora und Amos sagen würden, eine der mörderischen Maschinen ist ausgeschwenkt und nimmt Kurs auf unseren Standort. Jonas: Zufall, Sammy, die Leute oben auf der Brücke können uns im Dunkeln nicht sehen, von uns wollen die nichts. Oder? Das Ding kommt direkt auf uns zu, Sammy. Sam: Und ab durch die Mitte. Mach schon, gib Gas. Jonas: Jonas gab Gas, änderte die Richtung, schlug Haken, alles umsonst, die Maschine blieb dran, und kam immer näher. Der Lichtkegel ihres Scheinwerfers war nur noch wenige Meter vom E-Mobil entfernt. Sam: Die wissen genau, wo wir sind und wie weit entfernt. Jonas: Ein Orter, Sammy. Sam: Transmitter, very good Sir und wo meine ich? Jonas: Irgendwo hier im E-Mobil. Sam: Im E-Mobil, Jonas geliehen und zur Verfügung gestellt vom lieben Erzdruiden. Jonas: Dieser hinterhältige Armleuchter. Aber warum? Sam: Achtung, Felsen direkt voruss. Jonas: Die Rettung. Mit quietschenden Reifen bog ich um die Felsengruppe, dahinter nahm ich sofort Tempo weg, steig aus, bis der Wagen fast kroch, ich stieg aus, stellte am Leitsystem Höchstgeschwindigkeit ein und tauchte dann mit einem Hechtsprung zwischen die Felsen, von da sah ich, wie die Kampfmaschine hinter dem leeren E-Mobil herratterte, bis beide Fahrzeuge in der Dunkelheit verschwanden. Sam: Das Wandern ist des Sammys Lust, für Jonas singen ist ein Frust, das Wandern. Im Frühtau zu Berge... Jonas: Am nächsten Morgen wanderte ein Privatdetektiv durch die Wildnis, er war allein, aber nicht einsam, hoch über ihm zogen Ufos ihre Bahn, und in seiner Tasche tönte es. Laut und herzzerreißend. Sam sang zur Aufmunterung Wanderlieder. Die blieben ihm aber im nicht vorhandenen Halse stecken, als wir unserem Ziel näherkamen, die Hütte meiner Übrigbleiberfreunde war ein rauchender Trümmerhaufen, von Amos und Debora war nichts zu sehen, vermutlich lagen sie drunter. Sam: Erspäht mein Bruder Shatterhand die Raupenspuren im Wüstensand? Jonas: Kampfmaschinen, hier waren sie also auch, vermutlich haben sie uns ab Babylon verfolgt, weit weg hinter dem Horizont. Ein gewaltiger Aufwand, Sammy, warum. Sam: Unzureichende Daten euer Fragwürden. Jonas: Typisch, wenn man dich wirklich mal braucht. Sam: Auf jeden Fall hat es was mit Herrn A. Stiller selig zu tun. Mein gröJaz. Jonas: GröJaz? Sam: Ja, größter Jonas aller Zeiten, sollte ihn aufspüren, um ihn so nichtsahnend ans Messer zu liefern. Präzislicher vor die Kampfmaschine. Jonas: Für den Erzdruiden. Deshalb hat er mir ein E-Mobil mit Orter gegeben. Aber viel weiter sind wir damit nicht, Sammy. Welche Rolle spielt Audrey Delamotte. Und vor allem warum wurde Stiller umgebracht. Sam: Nicht nur er, höchsteigentlich du mein Allerwertester, vielmehr auch jeder Mann und jede Frau, die so mit ihm Umgang pflagen. Bis hin zu Amos und Debora. Requiencant in pace. Jonas: Amen. Was war mit Stiller. Weshalb war er so gefährlich? Für wen? Was passiert im AgroCenter. Und was ist mit den Ufos. Sam: Herr Lehrer, Herr Lehrer, darf Sam auch mal was fragen. Jonas: Bitte. Schieß los. Sam: Wie kommen wir zurück nach Babylon. Jonas: Die Frage konnte Jonas beantworten. In einer Höhle nicht weit weg hatten die Übrigbleiber ein altes Benzinauto versteckt, vollgetankt, fahrbereit, für die Zeit nach dem großen Knall, das wußte ich von meinem ersten Besuch vor drei Jahren. Ich wartete bis zum Abend, dann fuhr ich los Richtung Babylon. Unterwegs hielt ich Ausschau nach Kampfmaschinen und Helikoptern, aber alles was ich am Himmel sah, waren Ufos. Am Stadtrand ließ ich das Auto stehen, und suchte mir eine Kneipe, in der Jonas garantiert unbekannt war, ich mußte was trinken, was essen, was mit Sammy bereden. Sam: Nach Hause, in dero Dussligkeit Büroapartment, dich haben sie wohl mit dem Bups gepiekt, was Knallkopp bzw. oder auch mit Klammerbeutel gepudert, kommt ja gar nicht in die Tür, da ist dicke Luft Mann, da warten sie auf dir, du Hirnsklerotiker. Jonas: Wer immer sie sind. Also untertauchen. Wo? Audrey Delamotte. Was hältst du davon, Sammy? Sam: Sammy enthält sich jedweder Meinung. Jonas: Ganz was neues. Also gut, wir können es ja mal probieren. Es ist jetzt. Sam: 1 Uhr 11, mitten in der dunklen Nacht. Jonas: Um die Zeit liegt ein braves Mädchen im Bett. Sam: Allein zuzweit. Jonas: Mach ne Verbindung Sam. Delamottes Wohnung. Sam: Bitte sehr der Herr. Piep. Jonas: Na, was ist. Sam: Der Anschluß ist außer Betrieb, die Teilnehmerin ist verstorben. Überraschung. Jonas: Kann man wohl sagen, eine rundum tödliche. Was jetzt. Sam: Adam Stiller. Jonas: Ist auch tot. Auch blöder Vorschlag. Sam: Laß mich doch ausreden, du Napsülze. Adam Stiller hat was von einer früheren Partnerin Lisa Polonius. Da könnte man einhaken. Jonas: Was soll dabei rauskommen, Sam. Sam: Infos Dummie. Über Stiller, über Manuskript Nur ein Gott kann uns noch retten. Jonas: Ich weiß nicht, Sammy, also von mir aus, Lisa Polonius, gibt’s die überhaupt, los Sam, an die Arbeit Besen, du hast es so gewollt. Sam: Schon gut. Piep. Lisa Agneta Polonius, wohnhaft Babypsilon Südstadt, große Ausfallstraße Nr. 2271, Apartment IX S. Jonas: Gar nicht weit, praktisch um die Ecke, das traf sich gut, Jonas rief an, holte Lisa Polonius aus dem Bett, stellte sich vor, sagte was von Stiller, das genügte. Eine halbe Stunde später saß ich in ihrem schäbigen Zimmer, 10 Quadratmeter, ich erzählte ihr von meinen Abenteuern in der Wildnis und von Stillers Tod. Sie war erschüttert. Ein bißchen. Nicht lange. Schließlich hatte sie 15 Jahre nichts von ihrem Expartner gehört. Dann war sie dran mit Erzählen. Lisa: Ich war es, Herr Jonas. Ich habe die Lawine losgetreten, weil ich Audrey Delamotte angerufen habe. Jonas: Wann war das? Lisa: Vor... vor 4 Tagen, am 31. Oktober 2013. Jonas: Weshalb haben Sie angerufen? Lisa: Wegen Adam und wegen der Ufos, weil mir was aufgefallen war, die ganze Sache mit den Ufos und daß erst ein paar über den Himmel fliegen und dann immer mehr und daß sie landen, daß sie Kontakt aufnehmen, alles das, das steht ganz genau so drin in Adams Manuskript. Jonas: Nur ein Gott kann uns noch retten. Lisa: Ja. Hat Audrey ihnen davon erzählt. Jonas: Nein, kein Wort. Das war Stiller. Lisa: Ah. Ich hab Audrey nämlich vorgeschlagen, das Buch jetzt rauszubringen, 15 Jahre später. Jonas: Wie hat sie reagiert. Lisa: Sie hat gesagt, das geht nur, wenn Adam zustimmt, deshalb wollte sie einen Detektiv beauftragen, Adam zu suchen. Jonas: Und das hat sie getan, noch am gleichen Tag, nicht nur sie übrigens, kennen Sie den Erzdruiden Fingal, Frau Polonius. Lisa: Sagen Sie Lisa. Jonas: Kennen Sie ihn, Lisa? Von der druidisch-kosmologischen Kirche. Lisa: Nein. Jonas: Dieses Manuskript von Stiller, wer hat das. Lisa: Audrey, sie hat es behalten damals, der Verlag brach zusammen, Adam war verschwunden. Jonas: Haben Sie eine Kopie. Lisa: Es gibt keine Kopie, aber ich weiß was drin steht, ich habe schließlich mitgearbeitet. Jonas: Stillers letzter Roman spielte in der nahen Zukunft, einer düsteren Zukunft voller Probleme: Umwelt kaputt, zuviel Menschen, zuwenig Ressourcen, die Weltregierung wußte nicht mehr weiter, und da kam sie auf eine clevere Idee, sie holte die Ufos aus der Mottenkiste, nach genau ausgearbeitetem Plan, mit allen technischen und psychologischen Tricks, Holoprojektionen, Halluzinationsdrogen, neue Sekten, gefälschte Holoreportagen in dramatischer Steigerung, Ufos flogen, Ufos landeten, Ufos enthüllten ihr Geheimnis, Ufos kamen aus dem Weltraum, sie verbreiteten keine Angst, sie machten Hoffnung, ein gigantisches Manöver, eine massive Ablenkung, die Menschen sahen nicht mehr der Regierung auf die Finger, sie sahen zum Himmel, erwartungsvoll, optimistisch. Lisa: Die Idee zu dem Buch hatte Adam schon früh, um 1990, die Regierung von Peru ließ damals an mehreren Stellen im Land die Madonna erscheinen, die frommen Peruaner gingen auf Wallfahrt und vergaßen ihre Armut, ihre korrupten Minister. Interessant, nicht wahr, Jonas. Jonas: Interessant, das hat Stiller auch gesagt, als er hörte, Audrey Delamotte sei jetzt beim Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Lisa: Ah, ist sie das. Jonas: Sogar als Staatsrätin. Radio-Sprecher: Wir unterbrechen unser laufendes Programm für eine wichtige Sondermeldung. Jonas: Stellen Sie lauter Lisa. Radio-Sprecher: In der Nacht vom 1. zum 2. November 2013 hat ein unbekanntes Flugobjekt versucht, in der Wildnis etwa 150 km südlich von Babylon... Jonas: Das ist da, wo ich war, in der selben Nacht. Radio-Sprecher: Asoziale Bewohner eines nahegelegenen illegalen Lagers reagierten hysterisch und aggressiv. Jonas: Das Asyl ist gemeint. Radio-Sprecher: Es kam zu einer Panik, die mehrere Opfer forderte, darauf brach das Objekt den Landeversuch vorerst ab. Soweit die Meldungen. Jonas: Alles falsch. Radio-Sprecher: Bleiben Sie am Apparat, meine Damen und Herren, noch in dieser Nacht sind weitere sensationelle Entwicklungen zu erwarten. Jonas: An der ganzen Meldung stimmt nur eins: Es gab Opfer. Ufos waren nicht da. Nur Maschinen, ausgesprochen irdische Kampfmaschinen, gesteuert von Menschen. Lisa: Vielleicht, vielleicht gibt es überhaupt keine Ufos. Was wir da am Himmel sehen, das sind vielleicht auch nur Fälschungen. Jonas: Vielleicht ist die ganze Ufowelle nicht wahr, alles gelogen, alles falsch. Lisa: Wie es Adam in seinem Buch vorgedacht hat, ich glaube... Jonas: Machen Sie das Licht aus Lisa. Jonas: Ich ging ans Fenster, unten auf der Straße hielt ein großer Elektrotruck, Aufschrift AgroC, natürlich, die Truppe, ein rundes Dutzend, sprang von der Ladefläche, alle groß, alle breitschultrig, alle bewaffnet mit Laserstrahlern und Sturmautomaten, wie Landwirte sahen sie nicht aus, ehe wie Cops in Zivil, sie rannten über die Straße in den Hauseingang. Es wurde Zeit zu verschwinden. Wie? Lisa: Hinten raus durchs Bad, nein, kommen Sie Jonas, aus dem Fenster, über die Feuerleiter aufs Dach. Jonas: Und dann? Lisa: Rechts um, vier Häuser weiter ist ein Altenheim, vorn an der Ecke, das Heim steht leer, seit 3 Tagen, seit der Umsiedlung. Jonas: Was für eine Umsiedlung? Lisa: Ja wissen Sie denn das nicht. Alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen werden umgesiedelt. Jonas: Wohin. Lisa: Irgendwo außerhalb, wie hieß das, in ein den spezifischen Lebensführung der Umsiedler angepaßtes alten- und krankengerechtes Ambiente, so ungefähr. Jonas: Alle Heimbewohner, und so schnell, merkwürdig. Lisa: Im Heim können wir uns verstecken, ich kenne mich aus, ich war oft da, Freunde besuchen. Achtung, Schornstein. Jonas: Fast 70 Jahre war sie alt, aber zäh und beweglich wie eine junge. Oder sagen wir wie ein Detektiv in den besten Jahren. Gemeinsam turnten wir über Leitern und Dächer. Bis wir in Sicherheit waren, fürs erste jedenfalls. Im Gemeinschaftsraum des leeren Altenheims. Da verpusteten wir uns und machten weiter, wo wir in Lisas Zimmer aufgehört hatten. Allmählich reimten wir uns die ganze wüste Geschichte zusammen. Zu dritt. Sammy war ja auch noch da. Sam: Ja was soll denn das, jeder sagt, was ihm einfällt, alle reden durcheinander, so geht das nicht. Wird Zeit, daß ein geistig überlegenes Digitalwesen ein bißchen Fasson in die Sache bringt. Also dann. Die Sitzung ist eröffnet. Den Vorsitz führt Computer Samuel. Vorsitzender Computer Samuel erteilt das Wort an Computer Samuel. Danke Herr Vorsitzender. Bitte, bitte. Jonas: Blas dich nicht so auf, Sammy. Sam: Ruhe auf den billigen Plätzen. Computer Samuel beginnt. Danke. Erstens. Es steht dringend zu vermuten, daß es sich bei der aktuellen Ufowelle um eine Vortäuschung falscher Tatsachen, um eine Ablenkung geradezu gigantischen Ausmaßes seitens höchster babylonischer Stellen hundelt was äh handelt. Lisa: Ablenkung wovon. Sam: Später gute Frau, eins nach dem andern. Alles zu seiner Zeit. Lisa: Sagen Sie, ist er immer so Ihr Computer, Jonas. Jonas: Nein, meist ist er schlimmer. Sam: Der Vorsitzende verbittet sich energisch jedwede beleidigende Anmerkung im Saal. Fahren Sie fort, Computer Samuel. Danke, Herr Vorsitzender. Zweitens. Die offensichtlich verewigte Audrey Delamotte, Staatsrätin im Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit, hat das in ihrem Besitz befindliche Manuskramramon Korrektur Romanmanuskript des gleichfalls verewigten Autors Adam Stiller mit dem Titel "Nur ein Gott kann uns noch retten", als Grund- oder auch Vorlage für besagte Großtäuschung benutzt, dies glaubte sie allem Anschein nach problemlos tun zu können, hielt sie doch Stiller für verschollen, und Lisa: Ja, aber dann hab ich Audrey angerufen. Sam: Dieserhalb und desterwegen. Jonas: Jetzt ist es gut, Sam. Faß dich kürzer oder du kriegst Ärger. Sam: Drittens. Delamotte: Auftrag an Jonas, such Stiller, bring zurück Babylon, Ziel Stiller umbringen. Kurz genug, Sir. Jonas: Kurz genug. Weiter. Weiter. Sam: Viertens Erzdruide derselbe Auftrag, Stiller lokalisieren, Ziel Stiller durch Kampfmaschinen umbringen lassen. Fazit: Erzdruide auch sehr interessiert Ufoschwindel geheim zu halten. Frage Chef: Erzdruide in Verbindung mit Delamotte? Jonas: Ich stell die Frage Sam. Du bist Computer Samuel, die geistig überlegene Digitalperson. Du antwortest. Sam: Unzureichende Daten, euer Ungnaden. Jonas: Hätt ich mir denken können. Bist du jetzt fertig? Sam: Viertens. Jonas, Lisa Polonius wissen zu viel, darum verfolgt, gehetzt, in Lebensgefahr. Jonas: Da wären wir ohne dich nie draufgekommen. Sam: Siehste. Lisa: Ich muß nochmal fragen. Weshalb das ganze große Manöver, wovon soll abgelenkt werden. Sam: Davon. Jonas: Ich wußte die Antwort, aber ich wollte sie nicht wissen, ich wollte weg aus Babylon, aus einer Welt, in der solche Dinge geschahen, die leeren Straßen, die leeren Heime, die sogenannten Umsiedlungen in ein sogenannten Agrocenter, Straßenmenschen, Obdachlose, Alte, Behinderte, Kranke, es gab zu viel davon, zuviel für eine Regierung, die nicht mehr wußte, wie sie die Volksrente aufbringen sollte, die deshalb die demografische Statistik korrigierte, und um die Aktion eine Nebelwand legte, die Ufos. Nur so konnte es sein. Aber ich mußte mich vergewissern. Megan Alcatraz, Chiefcontroller im Justizministerium, sie war mir was schuldig, Fall Strafkolonie vor einem viertel Jahr. Das Fon im Heim war noch in Betrieb, ich rief sie an. Megan: Es gibt Gerüchte über eine streng geheime Staatsaktion, Codename Lebensabend, offiziell weiß ich nichts, unser Ministerium ist nicht beteiligt. Jonas: Wer ist beteiligt, weißt du das, Megan. Megan: Finanzen, Inneres, Gesundheit, Kultus, das Amt für Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Jonas: Staatsrätin Delamotte. Megan: Ja, so heißt sie glaub ich. Ja, und dann noch das Agrarministerium. Seltsamerweise. Jonas: Wenn man im Mist wühlt, stinkt es, wer Wind sät, wird Sturm ernten. Megan: Hast du etwas mit Lebensabend zu tun, Jonas. Jonas: Andersrum, Megan, Lebensabend hat mit mir zu tun. Megan: Halt dich da raus, Jonas, Lebensabend ist gefährlich. Jonas: Lebensgefährlich. Nicht nur für Jonas. Megan: Hast du ein Hologerät in Reichweite? Jonas: Ja, hier steht eins, warum? Megan: Schalt ein, und mach's gut, Jonas. Holo-Reporter: Steht unmittelbar bevor, ein einmaliges meine Damen und Herren, ein historisches Ereignis, die größte Sensation seit es Menschen gibt, die erste offizielle angekündigte Landung eines außerirdischen Raumschiffs auf dieser unserer Erde. Lisa: Die Begegnung der vierten Art, wie in Adams Buch. Holo-Reporter: Meine Damen und Herren, diesmal wird es keine Explosion geben, die Regierung hat das Landegebiet räumen und absperren lassen, das große Ufo, das seit einigen Minuten über uns schwebt, in einer Höhe von ich würde mal schätzen, 500 Metern, äh, das beginnt jetzt zu sinken, langsam, ganz langsam nimmt es immer mehr Fahrt weg, es beginnt zu sinken, und jetzt ein Lichtkegel von fast unerträglicher Helligkeit, erfaßt die Vertreter der Medien, erfaßt die Abordnung der Regierung, die darauf wartet unsere außerirdischen Besucher willkommen zu heißen. Jonas: Gut gemacht die Special effects. Holo-Reporter: Meine Damen und Herren, warten Sie mit uns gespannt auf die Landung, das Ufo senkt sich weiter, tiefer, immer tiefer, gleich, meine Damen und Herren, wird es den irdischen Boden berühren, mein Gott, es kommt, es kommt immer tiefer, jetzt... Cop: Hände hoch. Hinlegen. Mach die Kiste aus. Jonas: Die Agronomen in Zivil von vorhin, jetzt hatten sie uns. Flucht war nicht drin, Widerstand auch nicht. Sie nahmen mir den Laser weg. Sam fanden sie nicht, der lag im Schatten und war ganz still. Cop: Jonas, nur Jonas? Jonas: Der bin ich. Cop: Rechts rüber, noch ein Stück, gut so. Jonas: Lisa. Sie, Sie haben sie erschossen. Einfach so. Cop: Na sowas. Das ist unser Job, was regen Sie sich auf, seien Sie froh, daß Sie nicht auch da liegen neben dem alten Gemüse, aber wir haben strengen Auftrag, Ihnen nicht zu tun, jemand legt Wert darauf, daß Sie am Leben bleiben. Jonas: Wer? Cop: Hohes Tier im Justizministerium, Alcatraz. Jonas: Megan hat uns verraten. Cop: Sie hat ihren Anruf zurückverfolgt und den großen Chef informiert, Bedingung: Sie werden nicht getötet, war doch nett von ihr. Jonas: Kann ich jetzt gehen? Cop: Klar, können Sie, mit uns, zum Chef. Hopp Hopp. Sie haben uns schon genug Zeit gekostet. Jonas: Eine längere Fahrt von der Südstadt ins Zentrum zum Markgrafenboulevard, zum hohen Tempel der druidisch-kosmologischen Kirche, zum großen Chef. Erzdruide: Jawohl, Herr Jonas, der Chef bin ich, Babelenus usw. Erzdruide und Vorsitzender des Führungsgremiums der Aktion Lebensabend sowie der Unteraktion Ufo. Jonas: Deshalb wußten Sie Bescheid über Stiller und sein Manuskript. Audrey Delamotte hat Sie informiert. Erzdruide: Das hat sie nicht, Herr Jonas. Die gute Audrey hat uns den Plan für das Ablenkungsmanöver Ufo als ihr eigenes Produkt verkauft, von Stillers Manuskript haben wir erst durch den Anruf von Lisa Polonius erfahren. Jonas: Sie haben Delamotte überwacht. Erzdruide: Wir überwachen alle Eingeweihten unterhalb der Führungsebene, Fon, Computer, Kontakte. Als wir dann hören mußten, der Autor des Manuskripts lebe womöglich noch, da, Herr Jonas, beschlossen wir, Frau Delamotte zuvorzukommen und direkt einzugreifen, mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Es ging um Glaubwürdigkeit und Akzeptanz zweier hochsensibler Operationen. Wir durften nichts riskieren. Stiller und sein Manuskript mußten verschwinden. Jonas: Also haben auch Sie mich beauftragt, mir das E-Mobil mit Orter angedreht, und als ich Stiller gefunden hatte, haben Sie die Kampfmaschinen losgelassen, auf das Asyl mit zigtausend Bewohnern. Finden Sie das nicht ein bißchen übertrieben. Erzdruide: Sicher ist sicher Herr Jonas. Außerdem, was waren denn das für Menschen, Asoziale, Flüchtlinge, kaputte Typen, unnütze Fresser, das ist doch der Sinn der Aktion Lebensabend, so was wollen wir loswerden. Jonas: Wie Jonas. Erzdruide: Sie werden nicht ausgeschaltet, Herr Jonas, das habe ich Frau Alcatraz von Justizministerium versprochen, aber einfach laufen lassen kann ich Sie natürlich auch nicht. Jonas: Natürlich nicht. Wo ich jetzt soviel weiß. Erzdruide: Sie haben so viel durchgemacht, Herr Jonas, Sie sind verwirrt, Sie sind überlastet mit Informationen, die Sie nicht verstehen, die Sie nicht einordnen können, die viel zu schwer für Sie sind, ihre Sinne sind überfordert, ihr Geist ist überanstrengt, Sie brauchen Ruhe, Entspannung, eine Kur für Körper, Geist, Gemüt, und zum Glück Herr Jonas, haben wir genau das richtige für Sie. Sie werden jetzt ein Medikament einnehmen, Herr Jonas, das Sie vollkommen ruhig stellt, und dann das Bad des Vergessens. Jonas: Ich war in einem Tank unter dem Tempel, ich schwamm auf Salzwasser, ich war nackt, ich konnte kein Glied rühren, ich sah nichts, unvorstellbar schwarze Nacht, kein noch so schmaler Lichtstrahl fiel in den Tank, ich hörte nichts, unvorstellbare Leere, kein noch so leises Geräusch drang in den Tank, ich war bei Bewußtsein. Mein Bewußtsein wehrte sich, kämpfte, tobte, schrie, bis es müde wurde und sich zurückzog in mich hinein. Tief in mich hinein. Maid: Du bist Jonas. Erzdruide: Du hast geschlafen. Maid: Und schlecht geträumt. Erzdruide: Vom Ufos. Maid: Jetzt bist du wach. Erzdruide: Du bist ganz ruhig. Maid: Du hast alles vergessen. Erzdruide: Es geht dir gut. Maid: Alles ist gut. Erzdruide: Es gibt keine Probleme. Jonas: Ich bin ganz ruhig. Alles ist gut. Es gibt keine Probleme. Jonas: Inzwischen im Gemeinschaftsraum des leeren Altersheim klagt ein alleingelassener Computer um seinen Herrn. Sam: Mein Mensch, mein Meister, mein einziger Jonas, wo ist er, was tut er, wie geht's ihm, auch wird sein armer kleiner Sammy ihn jemals wieder sehen. Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen. Bleib nicht so lange weg, den Jonas werd ich wiedersehen. Für ihn ist dann sein Pech. Das war Ufo. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem wirkten mit: Kornelia Boje, Ute Mora, Alois Maria Giani, Horst Sachtleben und viele andere (Kerstin de Ahna, Matthias Knappe, Rolf Aicher, Annette Wunsch, Felix Eitner, Detlef Kügow, Sascha Icks, Hans Stetter, Pascale Schulze, Marc Schulze, Urs Schaudinn, Andreas Wohlrab, Eva Windisch). Ton und Technik: Günter Hess, Christine Koller und Monika Graul. Regieassistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks (1994). Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Weihnachtsmärchen Coco: Sti-hille Nacht. Hei-lige Nacht. Coco hat in die Hose gemacht. Sam: Altes Ferkel. Coco: Coco lacht, daß es kracht. Hahahahaha! Spaß muß sein, Kinder. Aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Sam: Ich nicht. Coco: Kinderweihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Liebe. Was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. Sam: I pfui Teufel. Coco: Liebe ist Fühlen. Mitfühlen. Mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben. Liebe ist Geben. Sam: Ne ne! Nehmen. Coco: Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt. Schickt sie an mich, an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network Holo-TV Babylon. Sam: Bab-ypsilon. Coco: Sti-hille Nacht, heilige Nacht, geben so viel Freude macht. Gebt von eurem Taschengeld für das Elend in der Welt. Jonas: Zum Kotzen. Warum sehe ich mir das an, warum schalte ich nicht gleich ab. Sam: Unzureichende Daten, euer Fragwürden. Apropos Weihnachten. Jonas: Sam wollte ein Geschenk. Einen neuen Namen. Sam gefiel ihm nicht mehr. Zu kurz. Sammy war ihm zu albern. Und Samuel zu umständlich. Die Frage war, wie wollte er ihn Zukunft heißen? Sam: Behufs dieses Punktes steht eine endgültige Entscheidung noch dahin bzw. aus. In wohlwollender Erwägung befinden sich Prof. Einstein und Superhirn unter anderem. Jonas: Weltseele. Lieber Gott. Sam: Ach, seien Sie nicht albern, junger Mann, heiliger Geist, das hat was. Val: Hallo, jemand zu Hause? Jonas: Valerie! Sam: Sieh mal einer kuck, der Wal, in voller Lebensgröße. Jonas: Valerie. Kurz Val, Sammy sagte: Der Wal. Weil sie so groß und umfangreich war. Das sollte ein Witz sein. Jonas und der Wal. Sehr komisch. Valerie war eine Ex-Freundin, ausgesprochen ex, wir waren nur kurz zusammen, und seit Jahren auseinander, von mir aus hätte es so bleiben können. Was wollte Val von Jonas? Jonas: Was willst du Val von Jonas. Val: Dir frohe Weihnachten wünschen, dir erzählen, wir’s mir geht, ich hab mich selbständig gemacht, hier, sieh mal, meine Karte. Jonas: Valerie, nur Valerie, die letzte Detektivin. Val: Merkst du was, Jonas, ich hab von dir gelernt. Sam: hehe, das geht doch gar nicht. Jonas: Das konnte man wohl sagen. Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In der großen Stadt Babylon und drum herum. Val hatte mich schamlos kopiert. Ich schlug ihr ne Änderung vor, die allerletzte Detektivin. Val: Charmant wie eh und je, Jonas, wie sieht's bei dir aus, alles OK? Jonas: O danke. Val: Ich hab so was gehört. Daß es dir vor ein paar Wochen gar nicht gut ging. Jonas: Sie meinte den Ufofall, Anfang November 2013, damals hatte Jonas drei Dinge verloren, Sam seinen sprechenden Computer, sein Gedächtnis und den Glauben an die Menschheit. Computer und Gedächtnis hatte ich wieder, den Glauben an die Menschheit suchte ich immer noch. Val: Armer Jonas. Da wirst du noch lange suchen müssen. Jonas: Du bist doch nicht gekommen, weil du dir Sorgen um mich machst, Val. Was willst du? Val: Ich bring dir 'nen Fall, Jonas. Jonas: Du mir glaub ich nicht. Val: Einen richtigen Jonasfall, schwierig aber interessant. Jonas: Wo ist der Haken? Val: Naja, die Leute haben kein Geld. Jonas: War nett dich mal wieder zu sehen, Val, mach's gut. Val: Ach, nun hör dir die Sache doch wenigstens mal an. Jonas: Von mir aus. Val: Also, da ist ein altes Hetero-Paar, Ramona und Kevin Klein, arm aber ehrlich, Nachbarn von mir, sie wohnen im selben Hochhaus, Straße 130 in der Südstadt. Jonas: Vor gut 50 Jahren haben sie die Südstadt hochgezogen, flott und billig, inzwischen sind die grauen Hochhäuser kräftig am krümeln, soweit sie überhaupt noch stehen. Aber die Südstadt ist kein Slum, sagt die Bürgermeisterin. Die Südstadt ist ein urbaner Sektor mit spezifischen strukturellen Problemen. Oder so. In der Südstadt wohnt, wer sich wo anders keine Wohnung leisten kann. Val: Gestern ist den Kleins das Kind gestohlen worden, das sie sich gerade erst gekauft hatten, aus dem Bett, von Weihnachtsmännern mit Laserstrahlern. Jonas: Lösegeld. Val: Ne, nichts. Keine Kontaktaufnahme. Kein Wort von den Kidnappern. Die Kleins sind zu mir gekommen, aber unter uns, Jonas, für mich ist der Fall eine Nummer zu groß. Naja, ob du nicht ganz unverbindlich aus fachlichem Interesse. Jonas: Manchmal übernimmt Jonas einen Fall für noth, aus Sport sozusagen, weil er ihn interessiert, weil er sich langweilt. Außerdem hatte ich meinen sozialen Tag. Weihnachten stand vor der Tür, das Fest der Liebe usw. Ich fuhr mit Val in die Südstadt, Straße 130, Haus N, 13. Stock, Ramona und Kevin Klein, ältlich, ärmlich und völlig aufgelöst. Es dauerte ein bißchen bis sie sich bekrabbelt hatten und mir erzählen, was passiert war, der Reihe nach, von Anfang an. Ramona: Wir hatten mal einen Sohn, Herr Jonas, vor langer Zeit als wir jung waren. Kevin Klein: Einen selbstgemachten. Ramona: Er ging zur UNO als Soldat, und dann ist er gefallen, unser Kevin junior. Kevin Klein: In Mazedonien, Sommer 1998. Ramona: Wir haben uns so sehr einen neuen Sohn gewünscht, Herr Jonas. Kevin Klein: Kevin junior Nummer zwei. Ramona: Aber ein Retortenkind oder eine Leihmutter können wir uns nicht leisten, und für eine legale Adoption sind wir zu alt. Jonas: Also entschlossen sich die Kleins, ihr Wunschkind illegal zu adoptieren, das heißt zu kaufen, das ist offiziell nicht gestattet, wird aber toleriert, es gibt jede Menge Kinderhändler, sie beziehen ihre Ware aus der Drittwelt und verkaufen sie in Babylon. Mehr oder weniger offen. Ramona: Wir haben alles zusammengekratzt was wir hatten. Kevin Klein: Verschuldet haben wir uns auch. Ramona: Mit dem Geld sind wir zu Olga Omarenko gegangen, die ihren Laden am unteren Ende vom Markgrafenboulevard hat, Omas Kinderstube. Kevin Klein: Offiziell vermittelt Frau Omarenko Kinder für Werbung und Medien, aber in erster Linie verkauft sie Adoptivkinder. Ramona: Wir sind also zu ihr gegangen. Kevin Klein: Das war vor drei Wochen, Ende November. Ramona: Und wir haben ihr genau gesagt was wir wollten, einen Jungen etwa zwei Jahre alt, gesund. Omarenko: Gesund, Omas Kinder sind alle gesund, Mütterchen, kerngesund. Ramona: Und dunkle Haare. Omarenko: Dunkle Haare, Karacho, keine Sorge Mütterchen Väterchen, Oma wird besorgen. Kevin Klein: Und äh wieviel wird es kosten. Omarenko: Nicht teuer, Väterchen, spottbillig, 8000. Kevin Klein: 8000 Euros? Omarenko: 5000 jetzt sofort, bar als Anzahlung 3000 später wenn Oma liefert. Recht so, Väterchen, Mütterchen? Ramona: Gib mir das Geld Kevin. Und wann? Wann Frau Omarenko kriegen wir unseren kleinen Kevin junior? Omarenko: Schwer zu sagen Mütterchen. Geduld, ja? Ramona: Wir hätten ihn so gern zu Weihnachten. Omarenko: Alle wollen Kinder zu Weihnachten Mütterchen, nu Oma wird versuchen, Karacho? Kevin Klein: Wir kommen vorbei und fragen nach. Omarenko: Tut das Väterchen, tut das. Kevin Klein: Ich weiß nicht, wie oft wir in Omas Kinderstube waren. Ramona: 5 Mal, Kevin. 6 mal mit gestern. Kevin Klein: Jedes Mal wurde uns gesagt, noch nicht da, tut uns leid, demnächst, fragen Sie wieder nach. Ramona: Aber gestern, da war es endlich soweit. Angestellter: Bedaure, Frau Omarenko ist nicht im Hause, kann ich was für Sie tun? Kevin Klein: Mein Name ist Klein, wir hatten vor drei Wochen Ramona: Kevin, hier ist er. In der dritten Krippe. Unser Kevin Junior. Genau wie wir ihn haben wollten. Ja nicht wahr, du bist mein kleiner Kevin, so ein süßes Kind. Angestellter: Sie meinen das ist das Kind, das Sie bestellt haben. Kevin Klein: Ganz bestimmt. Angestellter: Sehen wir mal nach. Aha. Klein, Ramona und Kevin, Restpreis 3000 Euros. Kevin Klein: Hier. 3000. Angestellter: Na, dann ist ja alles in bester Ordnung. Sollen wir das Kind schicken oder nehmen Sie gleich mit. Ramona: Ein netter junger Mann. Kevin Klein: Kevin junior haben wir natürlich mitgenommen. Ramona: Schon seit Wochen war alles fertig. Bettchen, Kleidung, Spielzeug, Sie sehen ja hier in der Ecke. Gestrahlt hat er unser Kleiner. Kevin Klein: Eine Stunde später klingelte es, ich machte auf, es war Frau Omarenko, sie sagte kein Wort, schob mich zur Seite, kam rein, sah sich um. Ramona: Und wollte mir Kevin junior vom Arm reißen. Ramona: Was fällt ihnen ein? Omarenko: Ruhig Blut, Mütterchen, Kind ist nicht ihr Kind, Mein wie sagen Sie Ladenhüter hat gemacht Irrtum, Kind ist für einen anderen Kunden, geben Sie zurück, Mütterchen, Väterchen. Ramona: Nein, unseren Kevin junior geben wir nicht mehr her. Kevin Klein: Wir haben ihn voll bezahlt, hier ist die Quittung. Omarenko: Hören Sie Mütterchen, Sie sind Frau, Sie werden verstehen, leibliche Mutter in Drittwelt ist ganz krank vor Sehnsucht, wird sterben wenn nicht bekommt zurück ihr Kind. Seien Sie Engel Mütterchen, geben Sie her. Ramona Klein: Das glaub ich Ihnen nicht. Kevin junior bleibt hier. Omarenko: Väterchen Oma sagt Ihnen was, Oma gibt Ihnen zurück ihr Geld, 8000 Euros und dazu 2000, njet, 4000? 6000? Viel Geld Väterchen. Kevin Klein: Na ich weiß nicht. Ramona Klein: Nicht für 1 Million Euros. Gehen Sie. Raus. Raus. Ramona: Frau Omarenko ging. Und wir spielten mit Kevin bis es Zeit war ihn ins Bettchen zu bringen nach dem Abendessen. Er war gerade eingeschlafen, da. Kevin Klein: Da kamen die Weihnachtsmänner, ganz normale Weihnachtsmänner mit Bärten in roten Mänteln und roten Zipfelmützen, die haben nicht geklingelt, die haben gleich die Tür eingetreten. Weihnachtsmann: Fröhliche Weihachten. Ramona Klein: Pst. Sie wecken das Kind auf. Weihnachtsmann: Hände hoch an die Wand. Kevin Klein: Was soll das bedeuten? Weihnachtsmann: Kein Wort, keine Bewegung. Nimm das Kind, Nick. Ramona: Nein, lassen Sie ihn los, geben Sie Kevin her. Kevin Klein: Einer hat Ramona niedergeschlagen. Mit dem Griff seines Laserstrahles. Zeig Herrn Jonas die Beule, Ramona. Ramona Klein: Hier, unter den Haaren. Jonas: Wie viele waren es. Kevin Klein: Drei. Zwei hielten uns mit Laser in Schach, einer nahm Kevin junior aus dem Bett, es dauerte nur ein paar Sekunden. Jonas: Sind Sie den Männern nachgegangen Herr Klein. Kevin: Nein, sie hatten doch Laserstrahler, aber ich hab aus dem Fenster gekuckt. Jonas: Was haben Sie gesehen. Kevin Klein: Ein graues E-Mobil, die drei sind eingestiegen. Mit unsrem Kind. Jonas: Nummer? Kevin Klein: Konnt ich nicht erkennen, das E-Mobil Ist losgefahren, Richtung Westen. Val: Zum Markgrafenboulevard. Omas Kinderstube. Jonas: Möglich. Wir werden uns da mal umsehen, Val. Ramona: Bringen Sie mir meinen Kevin Junior zurück, Herr Jonas, bitte. Jonas: Omas Kinderstube lag am ruhigen Ende des Markgrafenboulevard, keine Hektik, wenig Geschäfte, Büros und Wohnungen, zehnmal so teuer wie in der Südstadt. Auf der Straße war nicht viel los, wenig Passanten, ein einsamer Weihnachtsmann hockte geduldig am Rinnstein, ab und zu bimmelte er mit seiner Glocke, lustlos, pflichtbewußt. Omas Laden war dunkel und bis auf weiteres geschlossen, das stand auf dem Schild an der Tür. Val: Geschlossen. Was tun wir Jonas. Jonas: Wir glauben nichts unbesehen. Wir sind skeptisch. Wir checken. Sam: Jawohl, wir recken, wir drecken die dreckige Klinke. Val: Die Tür ist auf. Jonas: Nach Ihnen, meine Dame. Val: Du meinst wir gehen rein, Jonas, einfach so? Sam: Ja. Jonas: Einfach so. Ganz ordentlich eingerichtet der Laden, schwarzer Tisch, schwarze Sessel, fast Echtholz, fast Leder, fast Mailänder Design, an der hinteren Wand ein Arbeitsplatz mit Computer, 6 leere Kinderkrippen und eine Tür. Val: Ich hör was, Jonas. Jonas: Hinter der Tür. Val: Kinder. Kleine Kinder. Sam: Hach, was haben Gnädigste denn in einem Kinderladen erwartet, Elefantanten. Jonas: Sehen wir mal nach, Val. Und du Sammy beschäftigst dich mit deinem Kollegen auf der Konsole, kriech mal rein, kuck in den Speicher. Das übliche. Sam: Hach, wenn euer Großkotzigkeit doch nur ein einziges Mal einen Gedanken daran verschwenden würden, wie frustrierend, ja demütigend es für einen Computer von Bildung und Distinktion ist, einem minderbemittelten nicht einmal der Sprache mächtigen Rechner ins Gedärm zu schlüpfen. Ach, doch wenn es denn sein muß. Jonas: Hinter der Tür ein kurzer Gang, drei Türen. Rechts, links, voraus. Das Kindergeschrei kam von rechts. Val machte die Tür auf. Eine Menge Kinderbetten. Drei davon belegt. Drei Kleinkinder im eigenen Saft und offensichtlich hungrig. Val ging auf die Suche. Hinter der linken Tür fand sie eine kleine Küche, Schrank, Flaschenregal, Kühlbox voller Milchcontainer und ein Herd, davor ein toter Mann, den Kopf in der Bratröhre, er roch nicht gut. Val: Ih, wer ist das? Jonas: Omas Ladenhüter vermutlich, der nette junge Mann, der den Kleins das Kind überlassen hat. Jemand hat seinen Kopf in die Röhre gesteckt und den Strom angedreht. Glitschig. Val: Da ist einer im Laden, Jonas. Jonas: Der Weihnachtsmann. Val: Der mit der Bimmel, woher weißt du? Jonas: Der Weihnachtsmann auf einsamer Straße, der nicht schnorrt und nicht wirbt, kann nicht astrein sein. Geh raus in den Laden, Val. Val: Wieso ich? Jonas: Weil Jonas was anders vorhatte. Er ging in den Gang, stellte sich neben die Tür zum Laden, und wartete. Nicht lange. Dann kam Val durch die Tür, rückwärts, beide Hände oben. Gefolgt von einer Pranke mit Laserstrahler, ein roter Ärmel. Das reichte. Jonas holte aus und schlug zu. Mit der schweren Eisenpfanne aus dem Küchenschrank. Die Pranke ließ den Laser fallen, der dazugehörige Weihnachtsmann stolperte durch die Tür, ein Profi, er hatte noch eine zweite Hand und einen zweiten Laserstrahler, den zog er aus dem Gürtel. Was sollte Jonas tun. Er hatte auch einen Laser. Er drückte auf den Abzug. Der Weihnachtsmann fiel um. Val: Der Mann ist tot Jonas. Jonas: Dann hat er sicher nichts dagegen, daß wir ihn mal kurz durchsuchen, noch ein Laser, Neurofreezer, Messer und eine Geschäftskarte, aha. Val: Nick Bazooka, Firma Ex und Hopp. Jonas: Tatsächlich. Ein Profi. Ex und Hopp war bekannt als effizientes Killerunternehmen, fast so gut wie die Todesschwadron, und in manchen Kreisen beliebter. Die Todesschwadron ist konservativ, ein bißchen langweilig, ihre Leute tragen nur formelles Busineßoutfit, Ex und Hopper sind peppiger, bunter, modischer und passen sich der Saison an. Val: Unser Fall ist auf dem falschen Gleis, Jonas, wir haben zwei Leichen auf dem Hals, drei vollgekackte halbverhungerte Babys und weiter sind wir immer noch nicht. Jonas: Abwarten Val. Sam? Sam: Roter Baron Sam meldet sich zurück vom Feindflug Herr Luftmarschall, äh Heißluftmarschall. Jonas: Wie sieht's aus in Omas Computer, Sammy. Sam: Melde gehorsamst kahl. Jonas: Unterlagen gelöscht. Sam: Sozusagen Sahib gewissermaßen Genosse. Jonas: Quatschkopf. Sam: Majestät nehmen mir das Wort aus dem Munde. Jonas: Den du nicht hast. Was heißt Quasi. Sam: Siehe die dahingingen und löscheten waren in großer Eile und agiereten dilettantisch, ja und da Sammy stolzer Besitzer eines recht leistungsfähigen Retrievalprogramms ist, wie mein Meister nur zu gut weiß, hat er es doch seinem geliebten Computer gespendet. Jonas: Konntest du was retten. Sam: Der Daten Hülle und Fülle, Herr Programmdirektor. Jonas: Zum Beispiel? Sam: Zum Bleistift wo sich Stammsitz und Nachschubdepot der Firma Omarenko, Kinder en gro und en detail befinden: General Bastiani. Jonas: Bastiani. Sam: Was du mein wonniger Jonas. Jonas: Was ist was Sam? Sam: General Bastiani ist der Name einer Festung unserer tapferer Grenztruppen, die bekanntlich ohn Unterhos Korrektur ohn Unterlaß das Abendland vor dem Untergang bewahren, sprich vor dem Ansturm hungriger Drittweltler. Jonas: Interessant. Sam: Es dürfte Herrn Chefinspektor ebenfalls interessieren, daß die Geschäfte der Firma Omarenko weiter ausgreifen als es den Anschein hat, vor allem im Schmuddelbereich. Jonas: Schmuddel. Das treffende Wort. Oma Omarenko verkaufte nicht nur Adoptivkinder, Oma belieferte auch die Kinderpornoindustrie und den Pädophilenfreundeskreis, mit Mengenrabatt, Außerdem besorgte und verscherbelte sie kindliche Organspender. Aber was hatte das alles mit unserem Fall zu tun. Sam: Beiläufig dieses, o Vater aller dummer Fragen, Klein Kevin junior, Omarenko-Laufnummer D1270-4 ist gar nicht Klein Kevin Junior, er ist vielmehr der Knochenmarkspender, den ein Auftraggeber für 125.000 Euros bestellt und mit 50.000 Euros angezahlt hat. Das ist Megamäuse Boß. Jonas: Du sagt es Sammy. Wer ist der Auftraggeber? Sam: Ein mit Chiffre C. gekennzeichnetes anonymes Individuum mein Gutester. Jonas: So. Wieso ist der teure Knochenmarkspender als preiswertes Adoptivkind bei Kleins gelandet. Ein Versehen? Sam: Mal sehen, äh mag sein, Meister, doch könnte nicht auch der Geist der nahen Weihnacht Omarenkos Ladenschwengel zu einem bewußten Akt des Mitleids veranlaßt haben, um das Kind vor einer kurzen aber schmerzhaften Existenz als Transplantationsopfer zu bewahren. Jonas: Wie auch immer Sam, die Omarenko hat versucht, den Kleins das Kind abzuschwatzen, als das nicht klappte, hat sie sich bei Ex und Hopp ein paar Vollstrecker gemietet, und die haben den Kleins das Kind weggenommen. Val: Warum Jonas? Ich meine wozu der Aufwand. Warum hat Oma ihrem Auftraggeber nicht irgendein anderes Kind besorgt. Sam: Null Ahnung von Medizin, was Gnädigste. Irgendein Kind tut es mit Nichten und Neffen. Von wegen Histokompatibilität... Antigeneabstoßung. Comprende. Val: Kein Wort Sam. Sam: Aha, qui sporidi ruski. Val: Tanjaschnor. Jonas: Von allen Kindern, die Oma zur Verfügung hatte, kam als kompatibler Knochenmarkspender in diesem Fall nur dieses eine in Frage. Richtig so. Sam: Grünau. Val: Und wo ist das Kind jetzt. Jonas: Beim Auftraggeber vermutlich. Val: OK alles klar. Jonas: Bis auf ein paar Kleinigkeiten. Wer ist der Auftraggeber, wer hat den Angestellten umgebracht und warum. Weshalb ist Ex und Hopp immer noch aktiv. Val: Und wo steckt Oma Omarenko. Jonas: Sie hat ihre Daten gelöscht und ist untergetaucht und ich glaube ich weiß wo. Val: Wollen wir ihr nach, Jonas. Jonas: Unbedingt, weil wir nur über sie weiterkommen, aber das macht Jonas besser allein. Du wirst hier gebracht, Val, die kleinen Scheißer müssen versorgt werden, bring sie zur nächsten Sozialstation und dann gehst du zu Kleins und wartest auf mich. Jonas: Jonas flog von Babylon nach Murnau, nicht weit von der Grenze. Und da mietete er ein E-Mobil. Alles aus eigener Tasche, aus der eisernen Reserve, so ist Jonas nun mal, was er anfängt, zieht er durch. Sam: Unbeirrbar, unerschütterbar unerbitterlich, in einem Wort, in einer Silbe stur, stur wie ein Panzer. Jonas: Wie Sam Spade, wie Phil Marlowe. Sam: Ein Mann geht den Weg, den ein Mann gehen muß. Bis ans Ende. Allien äh Korrektur allein. Jonas: Chandler. Sam: Ne, Sam, nicht schlecht was, hätte gut von Chandler sein können. Achtung, Fort General Bastiani voraus. Jonas: Kilometerweit rechteckige Klötze, Kasernen im beliebten 08/15-Stil, daneben vorfabrizierte Plastikschuppen, weit hinten am Horizont ein dunkler Streifen, die Grenze. Sperranlagen, Stacheldraht und die gewaltige Mauer. Ich fragte mich durch zum Dienstzimmer des Medienoffiziers. Jonas war Medienarbeiter, Researcher, für Supermedia Holo TV. Papiere und Identscheibe hatte Sam fabriziert, eine seiner leichteren Übungen. Medienoffizier: In Ordnung, Herr Jonathan. Jonas: Jonas. Medienoffizier: Sie kommen allein klar. Leider kann ich mich kaum um Sie kümmern, unsere große Weihnachtsfeier, wissen Sie, alle im Fort haben mit den Vorbereitungen zu tun, bis auf die Grenzstreife natürlich. Jonas: Ich werde mich schon zurechtfinden. Medienoffizier: Bestens. Sie dürfen sich im Fort frei bewegen, sich umsehen, ihre Recherchen durchführen. Apropos, warum geht's da eigentlich. Was hat Supermedia vor? Jonas: Unter uns. Wir planen eine große Holodoku über den verantwortungsvollen Dienst der Grenztruppen. Europas Bollwerk auf Wacht, während die anderen schlafen, so etwa. Medienoffizier: Klingt gut, na dann viel Erfolg, Herr Jonathan. Falls Sie länger bleiben wollen, unser Gästetrakt steht zu Ihrer Verfügung. Jonas: In den Kasernen war Platz für 30.000 Grenzer. Falls die Drittweltler wieder einen großen Durchbruch versuchen sollten. Außerhalb der Kasernen gab es Läden, ein Bordell und Kneipen. Was der Mensch so braucht. Olga Omarenko fand Jonas nicht, statt dessen fand er Schieber, Nutten, einen geschwätzigen Wirt. Und überteuerten Synthwhisky. Wirt: 20 Euros. Jonas: Die Flasche? Wirt: Haha, das Glas. Jonas: Fröhliche Weihnachten. Wirt: Wie gefällt Ihnen der General Bastiani Chor? Jonas: Umwerfend. Olga Omarenko. Kennen Sie die? Wirt: Klar kenn ich Oma. Jeder im Fort Bastiani kennt Oma, sehr beliebt, bringt Geld unter die Leute, was wollen Sie von Oma? Jonas: Ich hab was mit ihr zu besprechen, geschäftlich. Wirt: Ich frage nur, weil Sie nicht der erste sind, der sich heute nach ihr erkundigt, vor ner Stunde waren ein paar Weihnachtsmänner hier mit nem Laster. Jonas: Und die haben nach Oma gefragt. Wirt: Ja. Wollten wissen, wo sie sie finden können. Jonas: Haben Sie's ihr gesagt. Wirt: An der Grenze, Kontrollzone 7 mit der Streife, Oma ist oft mit der Streife unterwegs, damit sie die Ware gleich an der Quelle begutachten kann. Jonas: Was für Ware? Wirt: Na die Kinder, die sich durchschleichen. Jonas: Die kauft Oma, von den Grenzern. Wirt: Fragen Sie sie selbst, ich hab zu tun und ich weiß gar nichts. Jonas: Ich hatte eine Karte vom Grenzbezirk. Der Medienoffizier war so freundlich gewesen. Damit arbeitete ich mich vor. Die Mauer am Horizont wurde höher, immer höher, ihr gigantischer Schatten legte sich über das Grenzgebiet, über Babylon, über ganz Europa. Die Mauer war neu, sonst sah die Gegend aus wie früher, als sie noch Niemandsland hieß, wüst und leer, Stilleben mit Ruinen. Wann war Jonas zuletzt hier gewesen. Sam: Präzis im August 2010 euer Vergeßlichkeit. Jonas: Vor dreieinhalb Jahren Sammy. Inzwischen ist eine Menge passiert. Sam: Anfall Chef und Überfall. Jonas: Anfall Überfall, was soll das heißen Sam. Sam: Fall an Fall, Fall über Fall, ein Witz. Jonas: Haha, Durchfall, verbaler Durchfall, das ist das, was du hast Sam. Sam: Nanana. Trouble is waiting, Capitan. Jonas: Hinter dem Hügel, direkt an der Mauer. Sam: Vorschlag zur Güte: Anhalten, aussteigen und ganz vorsichtig weiterkrauchen. Jonas: Bis auf den Hügel. Ich hob den Kopf hinter einem großen Stein, langsam, und was sah ich unten: Eine offene Klappe in der Mauer, davor im Halbkreis die Grenzstreife, 12 Mann, am Boden lagen etwa 20 Drittweltler, Frauen und Männer, tot, dazwischen ein paar Kinder, lebendig und laut, und eine stämmige Frau in farbiger Folklore, munter und geschäftig. Das mußte Oma Omarenko sein. Omarenko: 3,4,5,6. 6 Kinder, Leutnant. Leutnant: Macht 300 Euros. Omarenko: Moment, 250, Oma kann nicht gebrauchen den da, zu alt, hat schiefes Bein. Leutnant: Abschießen. So, macht das Loch in der Mauer wieder zu, heute kommt doch keiner mehr. Weihnachtsmann: Weihnachtlich glänzet der Wand, freue dich... Jonas: Ein roter E-Kleinlaster, auf der Ladefläche 6 rote Weihnachtsmänner, der Laster hält, die Weihnachtsmänner springen ab, sie strahlen und winken, und rufen fröhliche Weihnachten, die Grenzer winken zurück und lassen die Hände gleich oben, weil die Weihnachtsmänner plötzlich Laserstrahler aus den Manteltaschen ziehen. Profikiller von Ex und Hopp. Leutnant: Hey, die Grenztruppen im aktiven Dienst mit der Waffe zu bedrohen ist streng verboten. Stecken Sie Ihre Laser weg. Weihnachtsmann: Regen Sie sich ab, Leutnant, Ihnen und Ihren Leuten tun wir nicht. Wir wollen bloß Oma. Wir haben Auftrag sie ein bißchen totzuschießen. Gehen Sie aus dem Weg, dann passiert Ihnen nichts. Leutnant: Sie werden hier niemanden totschießen, schon gar nicht Frau Omarenko, sie steht unter unsrem Schutz. Weihnachtsmann: Wenn Sie das so sehen, Leutnant, Feuer. Jonas: Harte Sitten im Grenzgebiet, und lockere Laser. Jetzt lagen auch die Grenzer auf der Erde neben den Drittweltlern, die sie eben erst erschossen haben. Olga Omarenko lebte noch, sie bückte sich, versuchte eine Waffe aufzuheben, aber der Oberweihnachtsmann hatte was dagegen. Omarenko: Au, meine Hand tut weh. Weihnachtsmann: Machen Sie sich nichts draus, Oma, in ein paar Sekunden tut ihnen nichts mehr weh. Garantiert. Omarenko: Was Sie wollen, Oma hat Vertrag mit Ex und Hopp wir Partner Täubchen. Weihnachtsmann: Keine Partner, Oma. Der Vertrag ist abgelaufen, Ihr werter Geschäftsfreund ist für Sie eingestiegen, und der bezahlt uns eine Menge, wenn wir Sie umlegen. Omarenko: Väterchen Conrad Coburg, aber warum, Oma hat ihm geliefert Kind mit Knochenmark für sein Söhnchen, war nicht leicht, Täubchen, gar nicht leicht. Weihnachtsmann: Sie haben versucht, Coburg ein bißchen zu erpressen, um den Preis hochzudrücken, darum Oma. Coburg hat nicht gegen Sie als Mensch, aber Sie sind im Stande, ihn bloßzustellen, das kann er sich nicht leisten als prominente Persönlichkeit und professioneller Kinderfreund. Nehmen Sie's nicht tragisch, Oma, Sie können zufrieden abtreten, ein erfülltes Leben liegt hinter Ihnen, viele tausend tote Drittweltler, viele tausend verhökerte Kinder, ist doch was. Also dann. Omarenko: Wir machen neue Vertrag, Karatscho, Oma wird bezahlen. Ah. Jonas: Abgang Olga Omarenko. Genannt Oma. Kinderhändlerin, keine nette Person, die Weihnachtsmänner schnitten ihr den Kopf ab, und packten ihn in eine Kühlbox als Beweis für ihren Auftraggeber, dann bestiegen sie ihren Laster und verschwanden in einer Staubwolke mit weihnachtlichem Gesang. Zurück blieben diverse Leichen, 5 heulende Kinder und Jonas. Sam: Und Sam. Jonas: Wie konnte ich dich vergessen, geliebtester Computer meiner Seele. Sam: Ah von wannen diese ungewohnten Töne mein Jonas, ist dir die Ballerei an die Nieren gegangen, kein Wunder, laut, blutig, schlimmer als die Karl May Festspiele. Jonas: Sei du froh daß du keine hast. Sam: Was. Jonas: Keine Nieren meine ich. Sam: Nobody ist perfekt. Jonas: So hat die Omarenko sich also ihre Waren besorgt, die Kinder die sie in Babylon verkauft hat. Die Grenze machen ein Loch in der Mauer auf, lassen eine Gruppe Drittweltler durch, bringen die Erwachsenen um. Sam: Und die Kinder kriegt Oma jaja zum bescheidenen Stückpreis von 50 Euros. Jonas: Hat sie gekriegt, Sammy, jetzt haben wir sie, die fünf kleinen Heuler da unten. Was machen wir damit. An der Grenze gibts keine Sozialstation. Sam: Hier lassen, Augen zu und weg, nein nein, ist nicht drin, du Wohltäter der Menschheit. Wir nehmen sie mit, jawohl, aber nur bis zum Fort, sollen die Grenzer sich drum kümmern. Jonas: Da seh ich schwarz, Sammy. Sam: Wieso? Jonas: Weißt du was, wir geben Sie im Bordell ab. Sam: Bravo Commandore, wie alle Welt weiß haben die dort tätigen Damen Herzen aus purem Gold, ja, da wird's ihnen gut gehen den kleinen Scheißern. Jonas: Amen. Von der Festung General Bastiani fuhr Jonas schnell weiter nach Murnau und stieg in den nächsten Flieger nach Babylon, bloß weg, bevor es Ärger gab, und den würde es geben, sobald jemand über die Leichen an der Mauer stolperte. Sam: Piep. Geruhen mein Herr und Meister zu schlafen. Jonas: Ich denke nach Sammy. Sam: Er denkt, o Wunder. Jonas: Und du kannst mir dabei helfen. Sam: Machen wir doch glatt. Ein Mensch allein, was kann das schon sein. Chaos Herr Oberkirchenrat, Tohu und Bohu, Kraut und Rüben, Omi und Opi. Jonas: Conrad und Coburg. Wer ist Conrad Coburg Sammy? Sam: Na schauen wir mal. Erstens Geschäftsfreund von Frau Omarenko selig. Jonas: Ist bekannt. Sam: Zwotens: prominente Persönlichkeit und professioneller Kinderfreund. Jonas: Auch bekannt, Sam, wenn du nichts neues zu bieten hast. Sam: Drittens: weithin geschätzter und beliebter Holoclown. Jonas: Aha. Conrad Coburg. Co-Co. Coco! Sam: Mit dem goldenen Herzen. Jonas: Der Weihnachtssülzer. Sam: Eben dieser und kein anderer euer Ehren. In diesem Zusammenhang dürfte wohl eine kürzliche Meldung einschlägiger Medien von gewissem Belang sein, daß nämlich besagter Conrad Coburg alias Coco einen etwa 2-jährigen Sohn, Costa mit Namen sein eigen nennt, welcher ganz plötzlich von der bösen akuten Leukämie daniedergestreckt wurde. Jonas: Sieh mal an. Jetzt paßte alles zusammen. Das Puzzle war gelöst. Der Fall war klar. Sam: Klar wie Knödelsuppe. Wie Knochenmarkslösung. Jonas: Conrad Coburg braucht für seinen Sohn einen histokompatiblen Knochenmarkspender, er geht zu Oma. Sam: Ja. Jonas: Oma sucht. Sam: Ja. Jonas: Oma findet. Sam: Und was geschieht? Aus irgendeinem Grunde landet das für Coburg bestimmte Kindlein bei den Kleins. Jonas: Oma läßt es kidnappen und liefert es bei Coburg ab. Sam: Ja, und dabei kommt sie auf die Idee, ihren Auftraggeber unter Druck zu setzen, um einen höheren Preis rauszuschinden, hätte sie lieber lassen sollen, die gierige Großmutter, denn Herr Kollege. Jonas: Coburg wird sauer. Sam: Ja. Jonas: Ihm wird klar, wie gefährlich die Sache für ihn werden kann. Sam: Coco mit dem goldenen Herzen, Holopersonality, geliebt von allen Kindern in und um Babypsilon, kauft heimlich ein Drittweltkind, um es gnadenlos auszuschlachten. Pfui Teufel, so geht's ja wirklich nicht, meine Damen und Herren, liebe Kinder, hochverpupptes Ehrlikum. Jonas: Coburg muß handeln, und was tut der Herr Kollege? Sam: Jaja er beauftragt Ex und Hopp, alle Beteiligten zu beseitigen, zu liquidieren, auszuradieren, zum Schweigen bzw. um die Ecke zu bringen zu killen, abzumurksen. Jonas: Oma. Ihren Angestellten. Sam: Ja. Und was Herr Kollege ist mit Ramona und Kevin Klein. Jonas: Ja was war mit den Kleins. Ich machte mir Sorgen. Zu recht. Am frühen Morgen kam Jonas nach Hause, und da stand sie, vor der Tür des Büroapartments und wartete, Valerie. Nur Valerie, die letzte Detektiv. Die allerletzte. Val: Ich brauch dringend was zu trinken, Jonas. Jonas: Bürowhisky? Val: Na wenn du nichts Besseres hast. Jonas: Wollten wir uns nicht bei den Kleins treffen. Val: Kleins sind tot. Laserstrahler, gestern abend hab ich sie gefunden. Was jetzt Jonas, wir haben keine Klienten mehr. Der Fall hat sich erledigt. Jonas: Nicht ganz, Val. Wir haben Kevin Junior noch nicht gefunden, das müssen wir tun, das sind wir den Kleins schuldig und uns selbst auch. Val: Wenn du meinst. Wo willst du anfangen zu suchen. Jonas: Da wo er steckt Val. Val: Und das weißt du. Jonas: Das weiß ich. Sammy? Sam: Gnädiger Herr wünschen. Jonas: Coburgs Adresse. Sam: Piep. Im allgemein zugänglichen Bürgerverzeichnis nicht zu finden Sir. Jonas: Na und, dann sieh in die nicht zugängliche Liste der Geheimadressen. Oder kannst du das nicht. Sam: Eine derart dümmliche Unterstellung vermag Sam nicht einmal ein müdes Lächeln zu entlocken. Hehe. Piep. Conrad Coburg ist seß- und wohnhaft am Schwanensee bei Tschaikowski. Wo die feinen Häuser pinkeln, Korrektur wo die feinen Pinkel hausen, die reichen Schweine. Val: Wer ist Coburg, Jonas. Jonas: Erzähl ich dir unterwegs Val. Sam: Erlaube mir den bescheidenen Hinweis, Sir, daß es nicht gänzlich unproblematisch sein dürfte, Sir, zu besagtem Coburg vorzudringen, Sir. Jonas: Da wird sich schon was finden Sammy. Sam: Erlaube mir ferner den Hinweis, daß es nicht geraten erscheint, Sir, dies Haus auf dem üblichen oder auch direktem Weg zu verlassen, Sir. Weihnachtsmänner vor dem Tor, Sir, von draußen vom Schwanensee da kommen sie her. Jonas: Tatsächlich. Die müssen dir gefolgt sein, Val. Von Kleins aus. Val: Ich hab nichts gemerkt. Jonas: Das hätte mich auch gewundert. Also durch den Notausgang. Sam: Kellerzwischentür, Kellernebenhaus, Hintertür. Val: Und dann? Jonas: Auf zu Coburg. Sam: Hallali Safari. Vom Himmel hoch da komm ich her. Jonas: Zuerst machten wir einen kleinen Abstecher, was besorgen, umziehen, das dauerte ein bißchen. Drei Stunden später standen zwei Weihnachtsmänner vor Coburgs Tür. Korrektur: ein Weihnachtsmann und eine Weihnachtsfrau, rote Mützen ins Gesicht gezogen. Rote Mantelkragen hochgeschlagen. Die Frau drückte auf den Klingelknopf, der Mann hielt eine Visitenkarte vor das Scannerauge. Nick Bazooka stand darauf. Firma Ex und Hopp. Die Tür ging auf. Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau traten ein. Val: Schick die Hütte. Sam: Alles sauber, Boss. Nur ein Mensch im Haus. Keine Waffen. Jonas: Personal? Sam: Elektronisch. Automatisch. Nicht blöd der Coburg. Roboservants tun was man ihnen sagt, ruhen sich nicht aus, nehmen keinen Urlaub, werden nicht krank so wie du Rotzlöffel. Jonas: Und wenn sie stören, werden sie einfach abgeschaltet, klar Sammy? Sam: Klar Boss. Nur ein Wort und das System liegt lahm. Kein Problem für Sam, Sam den Hacker, den Knäcker, den Racker, den Kacker, ach ne der Kacker bist du. Coburg: Was soll das? Keine Hausbesuche, das habe ich ihnen ausdrücklich gesagt. Sie kompromittieren mich. Jonas: Das tut uns aber schrecklich leid, Herr Coburg. Coburg: Was wollen Sie denn? Jonas: Das Kind. Coburg: Was? Val: Den kleinen Drittweltler, den sie bei Olga Omarenko gekauft haben. Coburg: Sie, Sie sind nicht von Ex und Hopp. Jonas: Sehr richtig, Herr Coburg, wir haben gelogen, damit Sie uns reinlassen, wir sind überhaupt zwei rücksichtslose und gefährliche Typen. Wo ist das Kind. Coburg: Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Jonas: Er wußte es dann doch. Als wir ihm zwei entsicherte Laserstrahler unter die Nase hielten, er fing an zu schwitzen, versuchte zu verhandeln. Aber Jonas ließ sich auf nichts ein. Coburg gab auf und ging voran, ins Untergeschoß, in ein Krankenzimmer, hell, sauber, bestens ausgestattet, Robodoc und Robonurse standen in Bereitschaft, Maschinen summten und piepten, dazwischen zwei kleine Betten. In einem ein etwa zweijähriges Kind, blaß, völlig kahl, es schlief und warf sich dabei unruhig hin und her. Coburg: Mein Sohn, mein Sohn Costa, er hat Leukämie, akute lymphatische Leukämie, die Chemotherapie hat ihm nicht geholfen, nur die Transplantation kann ihn retten, die Knochenmarktransplantation, verstehen Sie, darum. Jonas: Im zweiten Bett, das ist Kevin Junior, der Junge aus der Drittwelt. Coburg: Ja, der Knochenmarkspender. Sie haben ja keine Ahnung, wie schwierig es ist, ein histokompatibles Kind zu finden, damit das transplantierte Gewebe nicht gleich wieder abgestoßen wird, das ist sehr sehr schwierig. Val: Was ist mit ihm los. Warum rührt er sich nicht. Coburg: Er ist, ich meine, wir haben ihn nun ja in ein Koma versetzt. Jonas: Was heißt das, ist er tot? Coburg: Nicht direkt. Sehen Sie, er atmet. Sam: So, aber sein Hirn arbeitet nimmer, Herr Medizinalrat, und es wird auch nimmer arbeiten. Kein Hirnstrom, kein Lebenszeichen. Jonas: Der Junge ist also hirntot. Sam: Hirntot ist tot, Herr Oberstabsarzt, tot wie ein Sargnagel, toter geht das nicht. Val: Sie haben das Kind umgebracht Coburg. Coburg: Gott, was heißt umgebracht, so ist es einfach praktischer, das Material bleibt länger frisch, länger transplantationsfähig, und der Spender ist ruhiggestellt. Er wäre sowieso draufgegangen. Mein Sohn braucht sehr viel Knochenmark in kurzer Zeit. Jonas: Schalt ab, Sam. Sam: Kevin Junior? Jonas: Natürlich Kevin Junior. Stop die Maschinen, die ihn künstlich am Leben erhalten, laß ihn sterben. Sam: Zu Befehl. Piep. Coburg: Nein, mein Sohn, mein Costa. Wenn die Transplantation nicht weiterläuft, stirbt er. Wo soll ich so schnell einen neuen Spender herkriegen. Jonas: Wie wär's denn mit ihnen selbst, Coburg, als leiblicher Vater sind Sie automatisch histokompatibel. Coburg: Das steh ich nicht durch, bei der Menge Knochenmark, die Costa braucht. Jonas: Ihre Entscheidung Coburg. Vielleicht fällt Sie Ihnen leichter, wenn Sie sich klarmachen, daß Sie sowieso schon tot sind, so gut wie. Sie kommen vor Gericht, die Medien werden Sie in der Luft zerreißen, Ihren Job werden Sie los, kein Kind wird Sie noch sehen wollen. Dafür werden wir sorgen. Coburg: Das... Sie wollen mich anzeigen. Jonas: Das ist nicht nötig Coburg. Wir stecken die Geschichte ihrem größten Konkurrenten. Val: Peter Pelican, Pepe mit der roten Nase, Holoclown bei Supermedia. Jonas: Und kommen Sie nicht auf den Gedanken, uns Ihre Ex und Hopper auf den Hals zu hetzen. Val: Mit denen werden wir ganz fertig. Was Jonas? Jonas: Aber sicher Val. Wenn sie ein bißchen Anstand und Mut haben, Coburg, dann retten Sie ihrem Sohn das Leben, Sie selbst sind nicht mehr zu retten. Komm Val. Sam: Und noch recht fröhliche Weihnachten allerseits. Es ist ein Roß entsprungen, wo will das Pferd bloß hin... Das war Weihnachtsmärchen. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Ilse Neubauer, Ellen Schwiers, Simone Solga, Peter Fricke, Michael Hinz und andere (Hubert Mulzer, Werner Haindl, Timo Dierkes, Klaus Neumann, Friedrich Schloffer). Ton und Technik: Daniela Röder und Günter Heß. Assistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1995. Redaktion Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Virtuella Jonas: Sie kennen das. Aus hundert Romanen und tausend Filmen. Der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro. Dreht Däumchen. Bohrt in der Nase. Plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig! Eine tolle Frau! Atemberaubend! Geheimnisvoll! Blond! Angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an. Herausfordernd. Abschätzend. Sie setzte sich. Schlug die Glitzerbeine übereinander. Vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Mona: Dreizehn einhalb. Hallo, wie geht es Ihnen? Jonas: Gestern ging es noch, und selbst? Mona: Danke der Nachfrage. Sie sind der Detektiv? Jonas: Ich bin Jonas, nur Jonas. Der letzte Detektiv. Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe. Spezialist für aussichtslose Fälle. Für Fälle, die nichts einbringen. Für Fälle mit übermächtigen Gegnern und undurchsichtigen Klienten. Ein Kind als Klientin, das war neu. Mona: Langsam. Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich Sie nehme. Jonas: Hast du an mir was auszusetzen? Mona: Sie sind zu alt. Sam: Haha! Mona: Süß! Jonas: Ich? Mona: Ihr Taschencomputer hier auf dem Tisch. Ein richtiges kleines Männlein. Süß. Darf ich mit ihm spielen? Sam: He, Finger weg! Bin weder Männlein weder süß, mein Fräulein ich verbiet mir dies. Mona: Süß, er spricht! Sam: Ach Herrje. Jonas: Er spricht nicht nur, er quasselt und blödelt und singt und sülzt. Ein Spezialversuchsmodell. Seinerzeit billig zu kriegen. Ein Glück, daß es so was wie ihn nur einmal gibt und mein Pech, daß er mir gehört. Aber loswerden will ich ihn auch nicht. Meistens jedenfalls. Wir haben uns aneinander gewöhnt. Mehr oder weniger. Sam: Ich hab mich so an dich gewöhnt hahaha. Mona: Süß. Wie heißt er. Jonas: Sam. Sam: Samuel bitte. Samuel. Jonas: Du kannst Sammy zu ihm sagen. Sam: Kann sie nicht. Mona: Süß. Sag was, Sammy. Sag ein Gedicht auf. Sam: Kommt nicht in die Tüte. Mona: Süß. Sag Mona Liebling Sammy. Sam: Häh igitt. Mona: Süß. Los, Sam, sag Mona Liebling. Mandelbrot: Mona, hab ich dir nicht eingeschärft, du sollst bei Fuß verharren und keinesfalls vorauseilen. Sam: Ist sie ein Hund. Jonas: Immer herein. Sind Sie der letzte oder kommen noch wer? Mandelbrot: Ihr Lift ist außer Betrieb. Jonas: Das ist er oft. Machen Sie die Tür zu, und setzten Sie sich. Mandelbrot: Meine Karte. Jonas: Dr. Fraktal C. Mandelbrot, Prof. h.c. Sam: Gesundheit. Jonas: Leitender Direktor des Mandelbrotinstituts für prothetische Andrologie. Schwanzklempner. Vielen Dank. Wir brauchen nichts. Mandelbrot: Bleiben wir doch seriös Herr Jonas. Jonas: Aber sicher Dr. Mandelbrot so seriös wie ein Ärztekongreß in Acapulco. Wer ist die junge Dame. Mandelbrot: Meine Tochter. Mona: Stieftochter. Meine Karte Herr Jonas. Jonas: Mona Mox. Mandelbrot: Ein Mitbringsel meiner geschätzten Gattin aus ihrer ersten Ehe mit Herrn Maximilian Mox, doch mir ans Herz gewachsen als sei's mein eigen Fleisch und Blut. Jonas: Mox. Max Mox, der Glücksspielnapoleon. Mandelbrot: Der Eigentümer gewisser spezifischer Institutionen, welche einem großen interessierten Publikum niveauvolle Unterhaltung auf der Basis von Geschicklichkeit und Zufall offerieren insofern. Mona: Können Sie pokern Jonas. Jonas: Ein bißchen. Mona: Blackjack auch? Mandelbrot: Mona! Wie Ihnen womöglich bekannt ist Herr Jonas, verstarb Herr Mox am 3.3.2013, vor einem Jahr. Jonas: Bedauerlich, aber warum erzählen Sie mir das. Mandelbrot: Weil ich erwäge, Sie in Sachen Mox zu engagieren Herr Jonas. Sam: Ach Herrje. Jonas: Um den toten Mox ging es nicht, es ging um das, was er hinterlassen hatte, das Moxvermögen: Dutzende von Spielhöllen hier in Babylon und anderswo, Wert insgesamt 120 Millionen Euros, laut Testament kriegte Sohn Moritz dreiviertel, das restliche viertel war für Mona, aber sie kam nicht ran, noch nicht. Mona: Erst wenn ich volljährig bin. Mandelbrot: In einem halben Jahr, am 9.8.2014. Mona: Da werde ich 14. Vergessen Sie nicht mir zu gratulieren Herr Jonas. Jonas: Tag und Nacht werde ich dran denken Mona. Mona: 9. August. Merks dir Sammy. Sam: Speicher voll, kein Platz, schon vergessen, merke nur ein Mensch hat Sam was zu sagen, Jonas, mein Jonas, Jonas der einzige, der einmalige, der größte, der vielgeliebte, der... Jonas: Hör schon auf Sammy. Sam: Und nicht so eine unausgegorene Göre namens Mona. Jonas: Ist ja gut. Mir ist noch nicht klar, was Sie von mir wollen, Dr. Mandelbrot. Mandelbrot: Kurz gesagt, Herr Jonas, es steht zu befürchten, daß Monas Anteil am Moxerbe. Sam: Dreißigmillionen Euros, muß ein alter Mann ganz schön lange hobeln. Mandelbrot: Daß diese 30 Millionen nicht mehr vorhanden sind, wenn Mona volljährig wird, bis dahin hat allein ihr Bruder, Moritz Mox, als der geschäftsführende Direktor Verfügungsberechtigung, er kann mit Monas Geld machen, was er will. Wissen Sie, Herr Jonas, man hört so dieses und jenes, daß sich die Firma Mox in finanziellen Schwierigkeiten befindet, daß das Anlagevermögen schrumpft, daß eine Übernahme weit unter Wert durch ein auswärtiges Unternehmen bevorsteht. Jonas: Und was sagt Moritz Mox dazu. Mandelbrot: Das weiß ich nicht Herr Jonas. Jonas: Haben Sie ihn nicht gefragt, Dr. Mandelbrot. Mandelbrot: Natürlich hab ich das, das heißt ich hab's versucht, ich kann ihn nicht erreichen, man läßt mich nicht vor, stellt mich am Fon nicht durch mich, mich Dr. Franktal C. Mandelbrot. Jonas: Professor h.c. eine Unverschämtheit. Mandelbrot: Sie sagen es Herr Jonas. Jonas: Und verdächtig. Mandelbrot: Sie nehmen mir das Wort aus dem Munde Herr Jonas, aus diesem Grunde sah ich mich genötigt, gewisse Schritte einzuleiten. Nicht meinethalben, Herr Jonas, glauben Sie mir, ich brauch die Moxmillionen nicht. Jonas: Natürlich nicht. Mandelbrot: Nein, ich bin eine in Babylon hochangesehene Persönlichkeit, bei mir verkehren Dezernenten, Manager, namhafte Kulturschaffende, den Schwager der Bürgermeisterin kenn ich persönlich. Jonas: Den leibhaftigen Schwager, Dr. Mandelbrot ich bin beeindruckt. Mandelbrot: Ich fühle mich vielmehr moralisch verantwortlich für das Vermögen eines mir anvertrauten jungen Menschen. Sam: Edel sei der Mandelbrot, hilfreich und gut. Jonas: Machen wir's kurz Dr. Mandelbrot, 120 € pro Tag und Spesen das koste ich. Mandelbrot: Nicht eben wenig, Herr Jonas. Jonas: Was soll ich dafür tun? Mandelbrot: Sie stellen fest, wo Herr Moritz Mox sich aufhält, Sie nehmen Kontakt zu ihm auf, Sie eruieren, wie es um die finanzielle Situation der Firma Mox bestellt ist. Jonas: Nicht eben wenig, Dr. Mandelbrot. Mandelbrot: Und Sie erstatten mir jeden Abend Bericht, persönlich. Jonas: Ich übernahm den Auftrag, nicht wegen Dr. Mandelbrot, der ging mir gewaltig auf den Senkel, Mona Mox fand ich da schon sympathischer, auch wenn sie sich beim Abschied Sammy ausleihen wollte. Sam: Dank, Meister, dank, dank daß du dem schnöden dem widerlichen Weibe. Jonas: Ich brauch dich noch, ob ich will oder nicht, und Mona hätte dich womöglich kaputtgemacht. Sam: Mit rosa Schleifchen hätte die mich umschlungen, ja, Balladen ohne Zahl hätt ich rezitieren müssen, grausames Schicksal, hm, schlimmer denn der Tod. Jonas: Übertreib nicht Sammy. An die Arbeit. Sam: Bitte sehr bitte gleich was befielt mein Herr und Gebieter? Jonas: Eine Fonverbindung mit Firma Mox, Direktion. Moritz Mox. Sam: Aha, der große Manitu höchst selbst. Sogleich euer Gnaden. Piep. Jonas: Moment, Sammy du rufst an aus sagen wir Singapur aus meinem Vorzimmer, und ich bin... Sam: Ein stinkreicher chinesischer Finanz-Hai, der ein paar Milliönchen anlegen will. Capito Exzellenz, will sagen sehr wohl Sir. Ella: Ja? Sam: Die ehrenwerte Firma Mox Babypsilon Europa. Ella: Ja, hier Mox. Sam: Ah, Mr. J. O. Nas. Direktor Finanzen Enterprise Singapur wünscht Mr. Moritz Mox zu sprechen. Ich verbinde. Jonas: Hallo. Ella: Hallo. Jonas: Sie sind doch nicht Mister Mox. Ella: Ich bin die persönliche Chefassistentin von Herrn Moritz Mox, Ella von Rensenbrink. Was kann ich für Sie tun, Herr ähm... Jonas: Nas. J.O. Nas. Geben Sie mir Mister Mox. Ella: In welcher Angelegenheit, Herr Nas? Jonas: Ich möchte Mister Mox ein Angebot machen für seine Firma. Ich höre Sie wollen verkaufen. Ella: Herr Mox ist nicht zu sprechen, Herr Nas, und die Firma Mox steht nicht zum Verkauf. Sie verschwenden ihre und meine Zeit. Sam: Aha, abgewimmelt, äh abgewimmelt, kurz und schmerzhaft wie Dr. Mandelbrot. Jonas: Der ist zwar ein aufgeblasener Heißluftballon, aber in einem hat er recht, es stinkt bei Mox. Sammy ich brauch was. Sam: Was es auch sei, Sam schafft’s herbei, ganz auf die Schnelle es ist zur Stelle. Jonas: Vielen Dank, Sammy. Ich brauch einen Menschen. Sam: Was, einen äh Menschen, einen schwabbeligen fehlkonstruierten Durcheinanderdenker, o wo dir Sam zur Verfügung steht, Sam die vollkommene Denkmaschine, o bitterliche Kränkung, unauslöschliche Schmach. Jonas: Hast du einen Smoking Sam. Sam: Smoking, na, eher weniger euer Merkwürden. Jonas: Na also. Aber Zocker Willy trägt einen Smoking, immer und überall, weil er mal Chefcroupier bei Mox war, bis sie ihn mit einem Magneten in der Socke erwischt und gefeuert haben, seitdem schlägt er sich so durch, Roulette, wenn es sein muß Mensch ärgere dich nicht, meistens Poker, im Full House, gleich um die Ecke, gegenüber vom Casablanca, im Hinterzimmer, wie es sich gehört, bei spärlicher Beleuchtung, es roch nach Synthwhisky und Männerschweiß, auf dem Tisch Stapel zerfledderter Euroscheine, nur nicht vor Willy, der war am verlieren. Willy: Passe. Tür zu, kiebitzen gibt's nicht, hinsetzen mitspielen oder raus. Jonas: Spiel nicht, Willy, weißt du doch. Wie findest du meine Jacke? Willy: Komm ans Licht, naja. Jonas: Ich brauch nen Smoking, Willy, nur für ein paar Stunden. Willy: Und ich soll so lang deine karierte Kutte anziehen. Also weißt du Jonas. Jonas: Neue Jacke, neues Glück, sagte der große Spieler Manulesco. Willy: Wirklich, na ja wenn's so ist. Jonas: Vom Full House hatte ich es nicht weit, 10 Minuten zu Fuß, dann ragte es vor mir auf, das Moxcenter, die unteren 10 Stockwerke hießen Las Vegas, ein Paradies für Spieler, durchgehend geöffnet, laut, schrill, üppig, Stucksäulen, Neonlichter, Spiegel, und Gold, überall Gold, dazwischen Tische, Automaten, Spieler, Croupiers, und Heerscharen wunderschöner Mädchen in Bikinis aus Goldlame. Androidinnen, eine hängte sich gleich an Jonas. Androidin: Herzlich willkommen, Freund, ich bin ihre Führerin und heiße Fortuna, wo wollen Sie ihr Glück versuchen, Freund, hier im Erdgeschoß in unserer atemberaubenden amerikanischen Automatenalhambra, 30.000 Glücksmaschinen, alle 3 Minuten ein Jackpot. Jonas: Was haben Sie denn sonst noch zu bieten. Androidin: Ah, ich verstehe, Sie sind ein Mann. Sie wollen spielen wie ein Mann. Nicht wie ein Kind am Gambelboy. Sie suchen die Herausforderung, den Nervenkitzel, das Risiko. Folgen Sie mir. Jonas: In einem der zahlreichen Aufzüge fuhren wir nach oben, recht gemächlich. Von Stock zu Stock, von Spiel zu Spiel. Androidin: 1. Stock Eckhead Empore Schach und Golf. Jonas: Nichts für mich. Androidin: Das hatte ich mir gedacht. Sie sind kein Eierkopf. Aber unter uns: Wenn Sie spät abends noch bei uns sind, sollten Sie mal in die Schachecke reinschauen, da spielt die Bürgermeisterin von Babylon mit ihrem Referenten. Jonas: Und gewinnt jedesmal weil sie die Züge vorhereingeübt haben kein Interesse. Androidin: Pool Parcour. Wie wär's mit Queue und Kugel, Freund. Jonas: Billard. Nein. Androidin: Die wählerischen Gäste sind uns die liebsten. Crap Corner, lassen Sie die Würfel rollen. Jonas: Lieber nicht. Androidin: Also weiter. Bei uns findet jeder sein Spiel. Orientalische Mysterien. Panafuda Majong. Jonas: Ist mir zu exotisch. Androidin: Dann vielleicht unser Stammtisch Europa. Skat, Schafkopf, Jass, Tarock, Schnapsen. Jonas: Zu Hausbacken. Androidin: Bridgebasar. Jonas: Was für alte Damen. Danke. Androidin: Wie Sie wünschen, der Gast ist König. Das ist was für Sie, Poker Parlor, das Spiel für harte Männer. Jonas: Ein andermal, weiter. Androidin: Unsere Blackjackbar. Jonas: Nein, Kopfrechnen schwach. Androidin: Casino Montecarlo, Roulette, das königliche Spiel. Jonas: Na also, hier sind wir richtig. Androidin: Ich hätte es wissen müssen, ihre vornehme Haltung, ihr Smoking. Wünschen Sie weitere Begleitung? Jonas: Nicht nötig. Ich finde mich schon zurecht. Androidin: Viel Glück Toi Toi Toi Hals und Beinbruch. Jonas: Glück konnte ich brauchen, auch wenn ich nicht vorhatte zu spielen. Ich wanderte durch die Halle. Roulettetische aus Echtholz, riesige Lüster, goldene Tapeten, weinrote Teppiche, Luxus. Was ich suchte, fand ich ganz hinten, versteckt hinter einer Säule, eine unscheinbare Tür, ein unscheinbares Schild: Personal. Ein unscheinbarer Gang, kein Gold, kein Luxus, ein paar eilige Menschen, keiner achtete auf Jonas. Weil der einen Smoking trug wie ein Croupier. Ein unscheinbarer Lift, ich drückte auf den obersten Knopf, Chefetage, vorbei an 5 Türen, für die es keine Knöpfe gab. 5 geheimnisvolle Stockwerke ohne Zugang, vorbei am Verwaltungstrakt der Firma Mox. 24 Etagen. Geschäftig und zugänglich. Der Lift hielt, Jonas stieg aus direkt in ein Vorzimmer, komplett, mit Vorzimmerdame. Ella: Sie da, bleiben Sie stehen, was haben Sie hier zu suchen. Jonas: Zu Herrn Mox. Moritz Mox. Ella: Zu Herrn Mox. Haha. Einfach so. Kommen Sie mal her. Jonas: Sie trug Latex, schwarz, mit Silbernieten und taktischen Lücken, Dominalook, nicht mehr der allerletzte Schrei, aber ihr stand es, sie war groß, schlank, dunkel, an die 40, eine kühle Stimme, die ich schon gehört hatte, vorhin am Fon, Ella von Rensenbrink. Moxens persönliche Assistentin. Ella: Wer sind Sie? Arbeiten Sie bei uns. Jonas: Noch nicht, ich will mich bei bewerben, ich bin Croupier. Ella: Croupiers brauchen wir zurzeit nicht, lassen Sie Ihre Daten hier vielleicht später. Jonas: Vielleicht, vielleicht sollte ich doch besser mit dem Chef selbst sprechen, wo ich schon mal hier bin. Den Stier bei den Hörnern packen oder die Kuh am Schwanz wenn ihnen das lieber ist. Ella: Jaja. Zwecklos, Herr Moritz Mox ist nicht in Babylon. Jonas: So, wo steckt er denn? Ella: In Rom, falls Sie das was angeht. Geben Sie mir ihre Daten, ich stehe in ständiger Verbindung mit Herrn Mox. Jonas: Jonas machte ein paar schnelle Schritte zur hinteren Wand und riß die Echteichentür auf, das Zimmer des Chefs, aber der war nicht drin, offenbar war er schon lange nicht drin gewesen, die Klimaanlage lief nicht, auf den wertvollen Möbeln lag eine feine Staubschicht. Das sah ich auf den ersten Blick. Zu einem zweiten kam ich nicht, weil ich plötzlich was im Rücken spürte, was rundes, hartes. Die Mündung eines Laserstrahler. Ella: Sehr richtig, und Sonja kann damit umgehen. Der Herr will uns verlassen, Sonja, bring ihn raus. Wenn er sich anstellt. Sonja: Tu ich ihm weh. Ella: Und wenn er nochmal hier oben aufkreuzt. Sonja: Bring ich ihn um. Alles klar. Los. Jonas: Ein muskelbepacktes Viereck, anderthalb mal 2 Meter, obendrauf eine Bowlingkugel mit roten Borsten, die rote Sonja, ein Freak oder eine Klonkillerin. Auf jeden Fall gefährlich. Jonas wehrte sich nicht, ließ sich nach unten bringen und durch die Personaltür rausschmeißen, ging zurück zum Full House, wo Zocker Willy mit Sehnsucht auf seinen Smoking wartete. An der Bar erzählte ich ihm, was ich bei Mox erfahren hatte. Willy wunderte sich. Willy: Was hat sie gesagt, wo soll Moritz Mox sein? Jonas: In Rom. Willy: Ach nie im Leben, Er ist nicht in Rom, nicht in der Sahara, nicht in Grönland, er ist hier, in Babylon, weil er nämlich Klaustrophobie hat, Moment, nicht Klaustrophobie, das Gegenteil Aga... Sam: Angoraphobie, Angst vor weiten Räumen, vor der Außenwelt. Willy: Genau Sammy, Agoraphobie. Moritz Mox hat Agoraphobie. Sam: Angoraphobie. Jonas: Fakt oder nur Gerede. Willy: Na wer war denn Chefcroupier bei Mox, wer ist denn bei Moxens ein und ausgegangen, ich weiß Bescheid, Jonas, Moritz Mox hat nicht nur Angoraphobie, Moritz Mox ist ein echter Mackenheinrich, ein Schlaffi, ein Jammerlappen, einer der am liebsten im Bett liegt und sich die Decke über den Kopf zieht. Jonas: Wenn das so ist, hätte Mox senior lieber Tochter Mona zur Haupterbin einsetzen sollen. Willy: Nicht der alte Max Mox, Jonas, der war ein richtiger Patriarch. Jonas: Papa Mox hatte versucht, den mißratenen Sohn umzupolen, aufzubauen, ihm Energie und Härte einzubimsen, auf ziemlich ungewöhnliche Weise, durch VR, virtuelle Realität, Pseudorealität durch Computersimulation. Willy: Nero, Jonas, römischer Kaiser, schon mal was von gehört. Jonas: Der aus Quo Vadis. Sam: Jonas, nur Jonas, so lausche denn und lasse dich zur Gänze durchbilden, Nero mit vollem Namen Claudius Cäsar Augustus Germanicus Nero, ward geboren am 15. Dezember anno Domini 37, regierte als Kaiser ab dem 13. Oktober 54, verstarb am 9. Juni 68, entwickelte sich vom unausgegorenen Deppenjüngling zum fetten ausgegorenen Tyrannen und Sadisten. Willy: Genau das wollte der alte Mox. Durch das Rollenspiel als Nero sollte Moritz Mumm in die Knochen kriegen, ein richtiger Wirtschaftskapitän sollte er werden, einer der über Leichen geht, Max Mox hat eine VR-Expertin engagiert, die was von römischer Geschichte verstand, äh Ella von und zu Dingsbums. Jonas: Rensenbrink. Ella von Rensenbrink. Willy: Ja, kann sein, wir haben sie immer nur Virtuella genannt, sie hat das Neroprogramm ausgearbeitet, und Moritz hat begeistert mitgespielt, Rom verbrannt, Christen verfolgt, Senatoren umgebracht usw. Jonas: Nicht eben wenig. Sam: Jedem Tierlein sein Pläsierlein. Wie der klassische Römer spricht. Jonas: Gut und schön, Willy aber wo steckt Moritz Mox, das will ich wissen. Willy: Irgendwo im Moxcenter. Jonas: Das ist groß, Willy, wo da, bestimmt nicht im Las Vegas. Sam: Alldieweil allgemein zugänglich und stark frequentiert, daccord Monsignore, gleiches gilt für den Verwaltungstrakt, cum grano salis, Übersetzung für Hilfsschüler Jonas und dergleichen, mit einem Körnlein Salzes, will sagen. Jonas: Ruhe. Im Chefzimmer ist er auch nicht. Also wo. Willy: Bleibt nur die illegale Zone, wetten da steckt er. Jonas: Moxcenter Stockwerke 11 bis 15, die unzugänglichen, illegal deshalb, weil da verbotene Spiele gespielt werden, sagte Willy. Spiele für ganz besondere Spieler, für Superreiche Spiele ohne Limit, und in denen arme Schweine das einsetzen, was sie haben, Herz, Nieren, Knochenmark, die eigenen Organe. Wer gewinnt, kriegt ein kleines Vermögen, wer verliert muß unters Messer. Die Staatsgewalt weiß, was in der illegalen Zone bei Mox läuft, aber sie drückt beide Augen zu, der Organmarkt braucht Nachschub. Willy: Wo sollt er denn sonst sein der Moritz Mox, Platz ist genug, die illegalen Spiele laufen nur in 2 Etagen. Jonas: Warst du mal drin, Willy? Willy: Ja einmal, vor Jahren aus Neugier. Ich bin kein Krösus, weißt du. Und Organspiele sind nicht mein Ding. Jonas: Dann weißt du wie man reinkommt. Willy: Weiß ich. Jonas: Kommst du mit. Heute abend 10 Uhr. Willy: Moxcenter Nordseite. Jonas: Wie spät haben wir jetzt. Sam: Mit dem melodischen Ton des Zeitzeichens ist es genau 17 Uhr 58 Minuten, ja, Zeit für den ausbedungenen abendlichen Mandelbrotbericht euer Samseligkeit flupp. Jonas: Richtig, ich rief Dr. Mandelbrot an, am Fon wollte er nicht reden, er bestellte mich zu sich, in seine exklusive Villa im exklusiven Südwesten, wo Dezernenten, Künstler und Bürgermeisterinnenschwäger verkehrten, heute nicht, heute verkehrte bloß Jonas und auch das nur kurz, Dr. Mandelbrot hatte eine Überraschung für mich. Mandelbrot: Ich habe mich entschlossen, Herr Jonas, unser vertragliches Verhältnis zu beenden, auf weitere Bemühungen ihrerseits lege ich keinerlei Wert. Jonas: Das ging aber fix, Dr. Mandelbrot, was ist los? Mandelbrot: Lassen Sie mich offen sprechen, Herr Jonas, zu meinem Bedauern haben Sie sich als wenig effizient erwiesen, fast einen ganzen Tag sind Sie bereits für mich tätig, und was haben Sie erreicht, so gut wie nichts. Jonas: Sie brauchen keinen Detektiv, Dr. Mandelbrot. Sie brauchen einen Wundertäter. Mandelbrot: Wie dem auch sei, Herr Jonas, ich storniere den Auftrag. Jonas: Ihr gutes Recht, Dr. Mandelbrot. Sie schulden mir 120 € und diverse Spesen. Mandelbrot: Darüber könnte man streiten Herr Jonas, aber ich lege Wert darauf, mich ohne jede Friktion von ihnen zu trennen. Bitte sehr 150 Euros, das dürfte wohl ausreichen. Ein Drink Wodka, Whisky, Cognac, Armanjak? Jonas: Whisky. Scots. Mona: Ich finde das nicht gut, Stiefpapa, das ist mein Fall, mein Erbe, mein Geld. Mandelbrot: Mona, du hast an der Tür gelauscht. Mona wie oft hab ich dich ermahnt. Mona: Jonas soll weiter machen. Mandelbrot: Du bist ein Kind Mona, du bist nicht geschäftigfähig, du kannst mit Herrn Jonas keinen Vertrag abschließen. Mona: Ich brauch keinen Vertrag. Ich will, daß er weitermacht. Für mich, ja Herr Jonas. Bitte. Jonas: Mal sehen was sich tun läßt. Dein Wohl Mona. Mona: Wie geht's Sammy, haben Sie ihn mit? Jonas: Jetzt fing der Fall an richtig interessant zu werden. Jonas beschloß dranzubleiben. Für Monas? Vielleicht, ganz sicher für Jonas. Er hatte einen Ruf zu verlieren und er hatte nichts besseres vor. 10 Uhr abends, Moxcenter Nordseite. Vorn strömten die Massen, hier war alles still, verschalte Häuser, Ruinen, Relikte der letzten Unruhen, darüber die hohe kahle Moxfassade, keine Fenster, nur eine kleine Hintertür, der Eingang zur illegalen Zone, sagte Willy, für Spezialgäste mit Spezialcodescheiben. Wir hatten keine, noch nicht. Wir warteten. Eine E-Limousine in schwarz und Gold fuhr vor, hielt, zwei Typen stiegen aus, helle Burnusse, Kopftücher. Ölscheiche aus Kusbekistan. Der Wagen fuhr weiter. Die Scheiche wanderten zur Tür, aber sie kamen nicht an. Willy: Augenblick die Herren, mein Freund will ihnen was zeigen. Jonas: Das ist ein Laserstrahler. Kennen Sie vielleicht. Wenn ich den in ihre Richtung halte, so und auf den roten Knopf drücke. Scheich: Wir verstehen, Sie Geld wollen. Jonas: Sie werden sich wundern. Nein. Wir wollen bloß ihre Codescheiben, und ihre Burnusse. Willy: Und die Kopftücher. Ausziehen. Jonas: Mit Willy Neurofreezer legten wir die Wüstensöhne für ein paar Stunden schlafen und deponierten sie hinter einer zerfallenen Mauer. In ihren Sachen waren wir nicht gerade elegant, aber unkenntlich, dachten wir. Mit den Scheiben öffneten wir die Tür. Dahinter ein Lift, nur zwei Knöpfe, unten, oben. Unten waren wir, also drückten wir oben. Sonja: Na, da sind Sie ja, wir warten schon. Steigen Sie aus. Nicht so lahm meine Herren. Jonas: Ein schlichtes Foyer, hier gab's keine wunderschönen Androidinnen. Unsere Empfangsdame war die rote Sonja, oder ihre Zwillingsschwester, weiter hinten standen noch ein paar von der Sorte, unfreundliche Miene, rechte Hand am Laser, sie stellten uns an die Wand, klopften uns ab, nahmen uns die Waffen weg. Sonja: Ohohohoh, so was wollen wir aber nicht. OK, was soll's sein. Spiel ohne Limit oder Organspiel? Willy: Ach, wir wollten uns ein bißchen umsehen, zukucken. Sonja: Nix, für Sie ist kiebitzen verboten. Jonas: Wer sagt das? Sonja: Befehl. Sie spielen. Also was. Unlimitiert. Willy: Ja, von mir aus. Immer noch besser als um Herz und Nieren. Sonja: Haben Sie Geld. Bargeld. Vorzeigen los los. Willy: Ich glaub, ich hab meine Brieftasche vergessen. Jonas: Ich auch. Zu dumm. Sonja: Ja, dann eben Organspiel. Also was setzen Sie? Willy: Vielleicht den linken kleinen Zeh. Sonja: Sie doch nicht. Sie riskieren was. Sie setzen alles. Ihren ganzen Körper. Ihr Leben. Jonas: Das heißt wenn wir verlieren. Sonja: Verlieren Sie Ihr Leben, ist doch klar. Willy: Was ist, wenn wir gewinnen, was kriegen wir? Sonja: Sie werden nicht gewinnen. Jonas: Nu mal langsam Pussy. Sonja: Im Gegenteil. Schnell wir haben's eilig. Jonas: Sie scheuchten uns in einen kleinen Raum. Kahl, bis auf einen Tisch. Darauf ein Stoß Spielkarten, Rückseite nach oben, Sonja nahm die Karten, mischte sie kurz durch. Sonja: So, der Alte zuerst. Ziehen Sie eine Karte. Schneller. Drehen Sie sie um. Willy: Piek Dame. Sonja: Jetzt ich. Herz König, sie haben verloren Alter, Pech. Bring ihn raus Natascha. Willy: Moment, ich bin 64, meine Organe sind nichts wert, total verbraucht, ich habe eine Säuferleber und herzkrank bin ich auch. Sonja: Ihre Organe können Sie behalten, wir wollen nur Ihr Leben. Sie sind dran. Jonas: Jonas verlor auch, natürlich, bei diesem Spiel gewinnt nur die Bank. Die Schlachtbank. Jonas wurde in einen Lift gesteckt. Von Tatjana oder Vera oder Maruska, wie immer sie hieß sie ließ mich nicht aus den Augen. Aber vielleicht hörte sie schlecht. Ich mußte es versuchen. Sam steckte im Burnus, in der Kapuze, er war nicht gerade mitfühlend. Sam: Ja ja Gevatter, so pflegts zu gehen, Polter und polter, Kick and Rush Miniüberlegung Maxiaction, und was passiert, der große Detektiv plumpst in den Nachttopf, jawoll, in den Harn, in die Pisse, in die Kacke, Scheiße and so on. Jonas: Nicht eben wenig. Sam: Sag ich doch. Jonas: Halt keine Vorträge, Sammy hilf mir raus, kannst du was mit dem Lift machen. Sam: Eine Bagatelle, Chefchen, den siehe so ist Sammy, sieht man kurz hin, schon ist er drin, im System, des Liftes, und da tut er was. Anhalten? Jonas: Mit Schmackes. Plötzliche Notbremsung. Auf Null. Ich roll mich unten zusammen, Kopf zwischen die Knie, also 3,2,1,0. Jonas: Was da gegen die Decke knallte, war meine Wächterin. Bzw. ihr Kopf, ihren Laser würde sie nie wieder brauchen. Ich nahm ihn an mich. Und ließ Sam weiterfahren. Bis zum vorgesehenen Halt. Die Tür ging auf. Jonas: Keiner da. Wo sind wir Sammy? Sam: Einerseits my dear Watson erinnert dieser Raum in nicht unerheblichem Maße an eine altmodische Betriebskantine anno 2000. Jonas: Stimmt genau. Plastiktische, dito Stühle, Wandautomaten für Sojakaff und Sojaburger, andererseits die Spinde links. Sam: Gemahnen an die Garderobe einer Turnhalle, Herr Sportswart. Jonas: Das müssen ja merkwürdige Turner sein, Sammy, sieh mal, bunte Seidenkleider, kurze Nachthemden, Wickellacken, wer trägt denn so was. Sam: Alte Römer, euer Unbilden. Was dumpfe Ignoranz als Laken und Nachthemd erscheint, nennt der Kenner der klassischen Antike korrekt Toga und Tunika. Jonas: Und hier Helme, Brustpanzer, Beinschienen, Schwerter. Was ist hier los, Sammy, alte Römer, Klonkiller, du weißt ja, wer Klonkiller einsetzt. Sam: Si si la corporation es importante. Jonas: Die Korporation, früher mal Mafia, vor der großen Umwälzung Ende des Jahrtausends, das organisierte Verbrechen, die Klonkiller werden von gekauften Gentechnikern produziert. Wie Dr. Ugarte selig, siehe Fall Pharao. Aber was hatte die Korporation bei Mox zu suchen. Der alte Mox hatte sie sich immer weit vom Leibe gehalten. Was war passiert? Sam: Dem sei wie es wolle, trüber Grübulator, lassen wir dies Problem tunlichst dahingestellt, bis daß weitere Daten uns zu teil werden, welche unverzüglich zu sammeln und in die geistige Scheuer zu schaffen unser vordringlichstes Anliegen sein möge. Jonas: Amen Sammy. Lasset uns sammeln. Und wie und wo. Sam: So siehe denn dorten jene Tür, hintere Wand Blindgänger. Jonas: Ah. Sam: Ja, siehe sie stehet um ein weniges offen und aus dem Spalte dringen Geräusche herfür. Jonas: Stimmen, leise, undeutlich. Also näher ran. Die Stimmen wurden lauter. Ich blieb stehen, bewegte nur den Kopf, ganz vorsichtig, bis ich durch den Türspalt gucken konnte. Kasbek: Was befielst du, göttlicher Kaiser, welch Schicksal treffe den Verräter? Moritz Mox: Na was schon, der Tod natürlich. Tigellinus, Gefährte meiner Erhabenheit, bring ihn um. Kasbek: Es geschehe nach deinem göttlichen Willen mein Kaiser. Tod dem Verräter. Willy: Ah! Kasbek: Heil Kaiser Nero. Jonas: Der Verräter war tot, erstochen vom Typ im goldenen Brustpanzer, mit seinem kurzen Schwert. Nur daß es kein Verräter war. Es war Willy, mein Freund Zocker Willy. Moritz Mox: Hast du nicht von zwei Verrätern gesprochen, Tigellinus. Wo ist der andere. Kasbek: Ich weiß nicht, müßte eigentlich schon hier sein. Moritz Mox: Er ist doch wohl nicht geflohen. Kasbek: Keine Sorge göttlicher Kaiser, er kann nicht entkommen, bestrafen wir ihn später. So hast du Zeit dir was besonders einfallen zu lassen. Moritz Mox: O ja, nähen wir ihn an Fell und lassen ihn von den Löwen fressen, ja oder bestreichen wir ihn mit Pech und verbrennen ihn als lebendige Fackeln, oder Kasbek: Später, göttlicher Kaiser, der Kerl läuft uns nicht weg. Jonas: Durch den Spalt sah ich Rom, im Hintergrund, weiße Häuser an Hügeln, Pinien, Zypressen, darüber tiefblauer Himmel, holografische Illusionen, vorn ein großer Raum, weite offene Fenster, eine Couch, ein Messingbecken, in dem ein Feuer brannte, an den Wänden ein paar Soldaten in Helm und Rüstung, auf der Couch lümmelte sich Kaiser Nero, dicklich, etwa 30, dünner roter Backenbart, in einem lila Seidenkleid mit Schleppe. Daneben der Typ der Willy abgestochen hatte. Tigelinus oder wie er hieß. Sam: Tigelinus: Kommandeur der Prätorianer, das heißt der kaiserlichen Garde. Engster Kumpan des Kaisers. Jonas: Kommt mir sehr bekannt vor dieser Tigellinus, wo und wann hab ich ihn schon gesehen. Sam: Schweif nicht ab, bleib bei will sagen Kaiser Nero. Jonas: Alias Moritz Mox. Willy hat er erzählt, daß Moritz mit Begeisterung Nero spielt, genau Sammy du sagst es, Moritz spielt Nero in VR. Hat Willy gesagt. Was wir hier sehen, Rom, Neros Palast, alte Römer, das ist nie und nimmer virtuelle Realität. Das ist Wirklichkeit, Sammy. Sam: Ganz real. Stinknormal. O Jonas... Vortäuschung falscher Tatsachen durch antiquierte Mittel. Kostüme, Gips, Kulissen. Jonas: Was soll das Theater? Sam: Um diese Frage zu beantworten sollten Hochwürden ein wenig mitspielen, sich ins Gesehen mischen, ins alte Rom eindringen. Jonas: Jonas verwandelte sich in einen Prätorianer, in einem praktischen Helm mit Backennasen und Kinnschutz. Eine richtige Maske, dann wartete ich einen günstigen Moment ab, trat schnell durch die Tür, bezog Posten an einer Säule. Und da stand ich nun, still und steif. Mit offenen Augen und offenen Ohren. Kasbek: Schon viel zu lange haben wir deine Kunst entbehren müssen, göttlicher Nero, singe. Singe zu den Klang der Lyra. Moritz Mox: Ich weiß nicht, bespare meiner Bescheidenheit den Auftritt. Kasbek: Nun, wenn du es denn nicht willst, erhabender Kaiser. Moritz Mox: Doch, deine inständigen Bitten Tigellinus. Kasbek: Singe o Nero. Moritz Mox: Und die meiner getreuen Prätorianer. Meiner getreuen Prätorianer... Prätorianer: Sing, o Nero. Moritz Mox: Es sei. Ruhe, absolute Ruhe, auf daß mein Genie sich entfalte. Ode an Rom. Rom, o mein Rom, du ewige Stadt, was bist du so häßlich, potthäßlich bist du, Solo, krumm und schief sind deine Straßen, baufällig sind deine Häuser, und an alle deine Ecken pinkeln die Hunde, und deine Kloaken stinken zum Himmel. Kasbek: Wunderbar, göttlicher Kaiser, so so tief empfunden. Moritz Mox: Ich bin noch nicht fertig, Tigellinus. Kasbek: Verzeih Erhabener, es riß mich hin. Moritz Mox: Rom, o mein Rom, du ewige Stadt, brennen sollst du bis auf den Grund. Bald, bald bald bald Tigellinus bald bald wird es so weit sein, und wir werden eine neue herrliche Stadt erbauen, und ihr Name wird sein Neropolis. Kasbek: Heil Nero. Prätorianer: Heil Nero. Jonas: Ich hatte ihn erkannt. Tigellinus, es war Kasbek. Kasbek der Vollstrecker, Kasbek von der Korporation. Vor anderthalb Jahren war ich mit ihm zusammengestoßen. Fall Attentat. Die Korporation steckte mit drin im römischen Theater des Moritz Mox. Wie ich vermutet hatte. Moritz Mox: Schön böse ich bin gemein. Ella: Heil Nero. Kasbek: Es naht die Geliebte deines Herzens, Nero, die schönte Agte. Ella: Du hast gesungen, mein Nero, ich vernahm die wundersamen Klänge. Ein kühles Getränk wird deiner göttlichen Stimme wohltun. Hier, nimm und trink. Jonas: Aus einer Seitentür war sie gekommen, mit einem vollen Becher in der Hand, Agte, alias Ella von Rensenbrink, im kurzen Hemdchen, niedlich. Nero trank, dann stöhnte er ein bißchen und legte sich lang auf die Couch, und da blieb er liegen, still, regungslos. Kasbek: Ist er bewußtlos? Ella: Ja. Kasbek: Sehr gut. Cut. Ella: Pause. Die Kleindarsteller in den Aufenthaltsraum. Nicht umziehen, in etwa einer Stunde machen wir noch eine römische Szene. Kasbek: Die letzte. Jonas: Der Raum war leer, bis auf den bewußtlosen Nero, Ella, Kasbek und Jonas. Der hatte sich hinter seiner Säule versteckt, weil er unbedingt mitkriegen wollte, wie die Sache weiterging. Ella schob an der linken Wand ein Panel zur Seite, dahinter Instrumente und ein Hochleistungsprozessor für gehobene VR-Programme. Ella drückte auf einen Knopf, das alte Rom verschwand. Neros kaiserliches Wohnzimmer wurde zum kahlen Innenraum. Ella setzte Nero und sich selbst je einen VR-Helm auf, direkte Hirnstimulation. Der letzte Schrei. Einfacher und effektiver als die Standardkombination Brille Anzug Handschuh. Ein Tastendruck. Das VR-Programm lief an. Kasbek beugte sich über Nero. Eine Spritze in der Hand. Kasbek: Sie haben den Vertrag, Ella. Ella: Hier ist er. Alles klar. Wecken Sie ihn auf, Kasbek. Moritz Mox: Au. Jonas: Los Sammy, rein ins VR-Programm. Sam: Ich bin oll da sagte der Swinegel. Jonas: Gut. Wie sieht's aus in der virtuellen Realität. Sam: Todschick, teuerste, ein Chefzimmer der Extraklasse, Mahagoni, Teak, echter Jumibo, ja, viel schöner als Moritz Moxens richtiges Büro. Jonas: Was geht vor. Sam: Sie tritt ein, o, strenges Kostüm, Brille, die Chefsekretärin par excellenz. Tolles Weib und so wandlungsfähig. Jonas: Ella. Sam: Na wer sonst du Plattfisch, Ella Virtuella, Virtuella aus dem Keller. Jonas: Halt die Backen. Was ist mit Moritz Mox? Sam: Moxens Moritz sitzt am Schreibtisch. Hat ein bißchen gepoft der Schnarchsack, hebt den Kopf. Moritz Mox: Was gibt's Ella. Hab gerade ein Nickerchen gemacht. Ella: Entschuldigen Sie die Störung, Chef, der amerikanische Vertrag. Moritz Mox: Aja, zeigen Sie her. Die Cosanostra American Gambling Organisation überläßt der Firma Mox alle ihre Kasinos, Salons etc. etc. in Las Vegas, Reno, Atlantic City etc. etc., das ist doch wunderbar... Wir sind doch jetzt die größten, Mox international, imperial, global. Ella: Sie brauchen nur noch zu unterschreiben, Chef. Moritz Mox: Ja, wo hab ich denn den Stift. Jonas: Moritz Mox unterschrieb, in der virtuellen Realität und in der realen. Ein reales Schriftstück, das Ella ihm vorlegte, mit einem realen Stift, den sie ihm in die Hand drückte. Dann lag er wieder auf der Couch. Dafür hatte Kasbek gesorgt mit einer zweiten Spritze. Ella: Hiermit überträgt Firma Mox Babylon ihr gesamtes Vermögen, fest und beweglich, der Lucky Chance Inc. Nassau Bahamas. Kasbek: Das heißt der Korporation. Ella: Für Euros 100.000, Unterschrift Moritz Mox. Kasbek: Wunderbar. Wir übernehmen Mox. Ella: Sauber legal und völlig unblutig. Kasbek: Abgesehen von Moritz Mox natürlich, der muß weg, aber das unter uns bleiben. Ihr Honorar haben Sie sich weiß Gott verdient, Ella. Schon für ihre absolute Superidee, die reale und virtuelle Realität bei Moritz Mox einfach zu vertauschen. Und ihm so seine Unterschrift abzutricksen. Brillant. Sam: Na ja sagen wir ganz ordentlich für einen Menschen. Jonas: Moment mal Sammy, was hat Ella gemacht? Genau mein ich. Sam: Oje, wieder mal nix kapiert, was du Lahmbregen. Also paß mal Obacht. Zuerst war Moritz Mox Kaiser Nero in VR und in Wirklichkeit Moritz Mox, Erbe und nach Papis Dahinscheiden Besitzer der Firma Mox, alles klar. Jonas: Sicher Sammy und dann? Sam: Dann hat die böse Virtuella das ganze umgedreht, jetzt ist Moritz in der wirklichen Realität Nero und in der virtuellen Firmenchef. Sie hat das so clever gemacht, daß der liebe Moritz nichts mitbekommen hat, mit Drogen, ein bißchen Illusionstheater und unter gütigen Mithilfe der Korporation. Jonas: Klonkiller. Statisten, Kasbek als Tigellinus, Und während der ahnungslose Moritz den Chef nur simuliert hat, haben Ella und ihre Auftraggeber von der Korporation die wirkliche Leitung der Firma übernommen. Sam: Zunächst de facto, nunmehr auch de jure. Na bitte, haben es doch noch geschnallt, nich Nulli. Bravo Kasbek: Endlich Schluß mit dieser idiotischen Römerspielerei. Ella: Noch eine Szene Kasbek, das haben Sie mir versprochen. Moritz soll seinen Abgang als Nero kriegen. Wir machen weiter, die Kleindarsteller auf ihre Plätze. Kasbek: Passen Sie bloß gut auf den Vertrag auf, Ella, wenn der verloren geht, war alles umsonst. Ella: Keine Sorge, Kasbek, Sie sehen, ich nehme ihn mir zu Herzen, in meinem Ausschnitt ist er sicher. Kasbek: Da wäre übrigens noch was zu bereinigen. Dieser lästige Typ. Ella: Jonas, richtig, den sollten wir zusammen mit Moritz abservieren. Bringt Jonas her. Jonas: Überraschung. Hinter mir klapperte was, ich drehte mich um, Sonja mit zwei Schwestern, verkleidet als Römerinnen, mit Laserstrahlern, ein Stilbruch. Kasbek: So sieht man sich wieder, Jonas. Ella: Haben Sie wirklich gedacht, wir merken nicht, daß Sie sich hier herumdrücken? Kasbek: Wissen Sie was das ist? Jonas: Empfänger für einen Mikroorter. Ella: Und wo mag er wohl stecken der kleine Mikroorter? Na? Kasbek: In ihrem Magen. Jonas. Jonas: Fraktal Mandelbrot. Kasbek: Mandelbrots Whisky, ganz recht, den Orter hat er von uns. Ella: Sehen Sie, Mandelbrot hat was läuten hören von einer bevorstehenden Übernahme der Firma Mox durch die Korporation. Kasbek: Er hat Sie engagiert, um Druck auf uns zu machen, Sie wurden lästig, und wir haben uns mit Mandelbrot engagiert, er kriegt 2 Millionen. Jonas: Nicht eben wenig. Ella: Die arme kleine Mona wird fürchte ich, leer ausgehen. Kasbek: Neros Tod, Ella, bringen wir's hinter uns. Jonas: Mit einem Knopfdruck waren wir wieder im alten Rom, aber nicht mehr im Kaiserpalast, der Raum war jetzt kleiner, draußen keine Häuser mehr, nur Landschaft. Kasbek weckte Nero. Ella: Alles ist verloren, Geliebter. Kasbek: Die Prätorianer sind zu Galba übergelaufen, Häscher sind dir auf den Fersen. Sie werden dich fangen. Dann wirst du im Colloseum zu Tode gemartert. Moritz Mox: O ihr Götter was soll ich tun? Ella: Sei ein Mann, Geliebter, gib dir den Tod. Kasbek: Hier Nero, mein Schwert. Moritz Mox: Ich kann nicht. Kasbek: Dann werde ich es für dich tun. Moritz Mox: Au, das tut weh. Ella: Nur sensorische Simulation, Chef, ihre letzten Worte. Moritz Mox: O welch ein Künstler geht mit mir zu Grunde. Kasbek: Erledigt. Und jetzt Sie, Jonas, wie hätten Sie’s denn gern, römisches Schwert oder Laser 21. Jahrhundert. Jonas: Wenn Sie mich schon fragen Kasbek. Weder noch. Ella: Was erlauben Sie sich? Jonas: Ella war empört. Jonas hatte ihr in den Ausschnitt gefaßt und den Vertrag rausgeholt, jetzt hielt er ihn über die glühenden Kohlen im Messingbecken. Kasbek und seine Killer waren kaltgestellt, sie konnten Jona weder abstechen noch ablasern. Jonas: Dann fällt ihr kostbarer Vertrag ins Feuer. Und das wär doch schade, wo Sie sich so viel Mühe gegeben haben. Kasbek: Wie geht's jetzt weiter, Jonas, wollen Sie so stehenbleiben, bis Ihr rechter Arm lahm wird. Jonas: Hab ich nicht vor, Kasbek. Einen Laserstrahler in meine linke Hand. Na wird's bald. Gut so, Waffen weg, alle an die Wand, auf den Boden, Gesicht nach unten. Ganz ruhig bleiben und immer schön dran denken, Jonas hat den Vertrag. Jonas: Ich ging rückwärts, durch die Tür, durch den Aufenthaltsraum, in den Lift, runter, Sammy blockierte den oberen Zugang. Jonas hatte ein bißchen Zeit, bis Kasbek und Konsorten einen andern Lift fanden. Nicht daß es mir viel brachte. Sam: Virtuella hat über Fon alle Ausgänge besetzen lassen, o Dr. Jonas auf der Flucht. Jonas: Sie wollen den Vertrag, ob sie mich laufen lassen, wenn ich ihn zurückgebe. Sam: Du glaubst wohl an das Weihnachtsmännchen, du unschuldvoller Engel, du, ja sieh dich an. Jonas: Was? Sam: Sieh dich an, Witzfigur. Jonas: Ja, ich hab noch die römische Rüstung an, meinst du das, Sammy. Sam: Ein interessantes Ausfit, mein Viles Gloriosus, dürfte erhebliches Aufsehen erregen. Vor allem an einem Orte, welcher der Stille und der intellektuellen Muse geweiht ist und welcher zu dieser Stunde von einer gewissen hochgestellten Persönlichkeit frequentiert wird. Äh, wir verstehen uns auf dieser Welle, gelle. Jonas: Fünf Minuten später, ein römischer Prätorianer stürmt die friedliche Schachecke im ersten Stock des Moxcenters. Er klirrt und klappert und brüllt laut was Sam ihm leise souffliert. Jonas: Hannibal ante portas. Panem et cercensis. Per aspera ad astra. Bürgermeisterin von Babylon: Was ist da los? Ruhe bitte! Jonas: Cogito ergo sum. Errare humanum est. Bürgermeisterin von Babylon: Ich bin Bürgermeisterin Paretzky. Jonas: Nomina sunt udiosa. Leges inter arma. Bürgermeisterin von Babylon: Silentium. Verdammt noch mal. Kasbek: Wir kümmern uns um diesen Irren, Frau Bürgermeisterin, die internen Sicherheitskräfte sind alarmiert, gleich sind sie hier. Bürgermeisterin von Babylon: Lassen Sie nur, guter Mann, das übernimmt meine Leibwache. Festnehmen den Kerl, abführen. Wartet draußen mit ihm bis ich komme. Jonas: 4 Stunden später, früher Morgen, Jonas kam nach Hause. Sam: Jaja, drei Dinge braucht der Jonas, ein Bildfon, den ominösen Vertrag, und ein Streichholz. Jonas: Alles da, Sammy, dann mach mal ein Bildfonverbindung mit der Firma Mox, Direktion, Ella von Rensenbrink. Sam: Leitung steht. Hallo, Hallo Virtuella, mein Schatz ja hier will wer was von dir. Ella: Jonas? Sie haben Nerven. Jonas: Schauen Sie her, Ella, das ist der Vertrag, das ist ein Streichholz, das war der Vertrag. Ella: Das wird die Korporation ihnen heimzahlen Jonas. Jonas: Glaub ich nicht, sehen Sie, ich hab die ganze Geschichte der Bürgermeisterin erzählt. Wenn die Korporation mir was tut, kriegt sie mehr Ärger als ich wert bin. Schreiben Sie doch den Verlust einfach ab. Und Kopf hoch. Neuer Tag, neues Glück. Grüßen Sie unseren Freund Kasbek. Sam: Ja, und Kopf hoch. Jonas: Gegen Mittag machte ich einen Besuch in der Villa Mandelbrot. Moritz ist tot, Mona erbt. Sagte ich dem Hausherrn. Und der hörte interessiert zu. Mandelbrot: Als Monas Stiefvater werde ich die Treuhänderschaft des Moxvermögens übernehmen müssen, eine schwere Last, Herr Jonas, eine große Verantwortung. Jonas: Dazu werden Sie keine Zeit haben, Dr. Mandelbrot. Mandelbrot: Wie meinen. Jonas: Die Korporation ist stinksauer, auf Sie, Dr. Mandelbrot, weil Sie Jonas ins Spiel gebracht haben und weil die Korporation deshalb das Spiel verloren hat. An mich kommt man nicht ran, also wird man sich an Sie halten. Mandelbrot: O Gott, o Gott, was soll ich tun? Helfen Sie mir, Herr Jonas, raten Sie mir bitte. Jonas: Packen Sie Ihre Koffer, verreisen Sie. Mandelbrot: Ja, ja verreisen. Wohin? Jonas: Weit weg, zum Südpol. Mandelbrot: In Ordnung. Jonas: Nach Bora Bora, und kommen Sie nicht wieder. Mona: Gute Reise Stiefpapa. Jonas: Hallo Mona, wieder mal an der Tür gelauscht. Mona: Na und? Ich bin jetzt reich, eine reiche Frau darf alles. Jonas: Machs gut. Ich schick dir meine Rechnung. Mona: Bezahlen kann ich aber erst in einem halben Jahr, wenn ich volljährig bin. Jonas: Sammy, ob sie wohl im August noch dran denkt? Sam: Häh die nie. Mona: Herr Jonas, verkaufen Sie mir Sammy? Jonas: Vielleicht, Mona, ich überlegs mir. Das war Virtuella. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Adelheid Arndt, Nadja Rüpprecht, Rainer Basedow, Wolf Euba, Reinhard Glemnitz, Torsten Nindel und andere (Anne Marie Bubke, Stefanie Burkart, Christiane Blumhoff, Werner Klein). Ton und Technik: Daniela Röder und Günter Heß. Assistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1995. Redaktion Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Kopfjäger Jonas: Der Klimadom war kaputt. Endgültig. Die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab. Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Sam: Tatü Tata... Jonas: Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Jonas: Halts Maul. Wie spät? Sam: Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden, wenn’s beliebt, Tatü Tata! Jonas: Mitten in der Nacht. Machst du einen widerlichen Radau. Was ist los? Sam: Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta... Jonas: Jajajajaja. Jonas. Nur Jonas, der letzte Detektiv. Wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben, wird’s Ihnen Leid tun. Pelican: Pipifax? Ihr Leben will ich retten! Jonas: Doch nicht so früh, aber nett von Ihnen. Augenblick. Woher kommt der Anruf, Sam? Sam: Piep. Supermedia Betriebskrankenhaus. Jonas: Supermedia, einer der größten Holoanbieter, der größte, genaugenommen. Neben Network. Der Boß heißt Beringer, Adolf Beringer, zweimal waren wir zusammengerasselt, und zweimal hatte Jonas knapp nach Punkten gewonnen. Sam: Siehe Fall Megastar. Siehe Fall Westfront. Jonas: Olle Kamellen, Sammy, geh auf Bildfon. Sam: Ja. Pelican: Genau was ich Ihnen vorschlagen wollte, Herr Jonas, damit Sie wissen daß es mir ernst ist. Sam: Der hat was am Kopf, Chef. Pelican: Was sehen Sie, Herr Jonas? Jonas: Eine weiße Kugel, ihr ehrenwertes Haupt, wie ich vermute, verbunden und umwickelt, wer sind Sie? Pelican: Peter Pelican, besser bekannt als Pepe mit der roten Nase. Sagt Ihnen nichts? Supermedias berühmter und beliebter Holoclown. Jonas: Aus Kidishows mache ich mir nichts, Herr Pelican, aber ich kenne Sie natürlich, das heißt Ihren Namen. Sam: Siehe Fall Weihnachtsmärchen. Jonas: Weihnachten 2013, vor einem viertel Jahr. Da hatte ich Pelican ein Fax geschickt, es ging um seinen schärfsten Konkurrenten, um Conrad Coburg. Coco mit dem goldenen Herzen, Networks berühmten und beliebten Holoclown. Jonas hatte ein paar häßliche Dinge über Coburg rausgekriegt. Organschiebereien, Kinderhandel, gar nicht gut fürs kinderliebe Image. Jonas hatte Pelican informiert, und der hatte die Sache an die Öffentlichkeit gebracht. Coburg verlor seinen Job, seinen Ruf und jede Chance auf einen neuen Anfang. Pelican: Deshalb ruf ich Sie an, Herr Jonas, wegen Coburg. Jonas: Wollen Sie sich bedanken. Pelican: Genau das, Herr Jonas, mit Rat und Tat gewissermaßen. Coburg ist nämlich total ausgerastet, er ist untergetaucht und hat gewaltige Kopfgelder ausgesetzt auf alle, die an seinem Sturz beteiligt waren, auf mich, auf Ihre Kollegin Valerie. Jonas: Genannt die allerletzte Detektivin. Sam: Oder auch Val, von wegen Jonas und der Wal, hahaha, ja, das ist ein Witz. Pelican: Ach so. Sam: Ja. Jonas: Sam ist mehr als ein Witzbold, viel viel mehr. Es ist Rechner, Redner, Lexikon, Sprücheklopfer, Musikmacher, Radaubruder, Krawalltüte, Nervensäge, unschätzbare Hilfe für seinen Herrn und Meister, wenn ihm danach ist. Clevere Spinne im Internet, rücksichtsloser Geisterfahrer auf der Datenautobahn, Sam ist mein Computer, klein drahtlos, verwegen. Und laut. Sam: Worauf Hochwürden einen lassen können. Pelican: Ihr Kopf ist der teuerste. Herr Jonas. Jonas: Wie teuer? Pelican: Eine halbe Million Euros hab ich gehört. Sam: Ist er nicht wert. Jonas: Gehört, von wem, Herr Pelican. Pelican: Von den beiden Schlägern, die mich überfallen haben, gestern im Parkhaus von Supermedia, zum Glück kam gerade der Werkschutz vorbei, sonst wäre ich jetzt tot. Jonas: Danke für die Warnung, Herr Pelican. Pelican: Ich kann mehr für Sie tun als Sie warnen, Herr Jonas. In dankbarer Anerkennung ihrer Verdienste um Supermedia macht Ihnen die Leitung unseres Hauses ein Angebot. Jonas: Beringer? Kann ich mir nicht vorstellen, der ist nicht gerade ein Freund von Jonas. Pelican: Herr Beringer kümmert sich nicht um Details, Herr Beringer bestimmt nur noch die großen Linien der Programmpolitik von seiner Villa auf Lanzarote aus, das Angebot macht ihnen unser geschäftsführendes Direktorium. Jonas: Und zwar? Pelican: Wir offerieren ihnen einen erstklassigen Bodyguard, Herr Jonas, zu ihrer freien Verfügung, bis Coburg gefaßt ist. Jonas: Sagen Sie Ihrem geschäftsführenden Direktorium besten Dank. Sam: Ding dong heißen Dampf. Pelican: Sie nehmen an, Herr Jonas. Jonas: Nein, Jonas kann auf sich selbst aufpassen. Pelican: Wie Sie wollen, Herr Jonas, rufen Sie mich an falls Sie Ihre Meinung ändern. Jonas: Am nächsten Morgen mußte ich früh raus, aus dem Bett, aus meinem Büroapartment, aus dem Haus. Die Stadt Babylon wollte was von Jonas, dringend, 100 Euros jedes Viertel Jahr, dafür kriegte ich einen Stempel in meine Lizenz vom Amt für Freiberufler, Unterabteilung 1113 (F13), Hostessen, Spieler, Privatdetektive, im Bezirksrathaus, nicht weit, an der Piazza Sewastopol. Ich ging zu Fuß, zügig aber vorsichtig, hielt mich dicht an den Wänden, sah mich öfter um. Nichts Verdächtiges in Sicht, kein Coburg, kein Kopfjäger. Überhaupt wenig Passanten um diese Zeit. Eine Frau mit Kinderwagen, oben an der großen Freitreppe zur Piazza, als Jonas vorbei kam, knickte plötzlich ihr linkes Bein weg, sie griff sich an die Wade, ließ den Wagen los, der fing an zu rollen, über die Stufen nach unten, immer schneller. Frau mit Kinderwagen: Baby? Hilfe, Sie, mein Herr, bitte, laufen Sie, halten Sie den Wagen fest, retten Sie mein Baby, ich kann nicht, ein Krampf, bitte! Jonas: Ritter Jonas sprintete die Stufen runter, dem Wagen nach. Irgendwie kam mir die Situation bekannt vor. Ein Kinderwagen, der eine Treppe runterrollt, das hatte ich schon mal gesehen. Und Sam wußte wo. Sam: Auf der Leinwand, du Alzheimer, in der Kinemathek, Panzerkreuzer Panjunki. Uraltfilm, schwarzweiß, black and white und äh. Jonas: Und was und? Sam: Stumm. Jonas: Halt die Backen, Sammy, keine Zeit für cineastische Reminiszenzen. Sam: O Gott o Gott, wer hat dir bloß so schwere Wörter gelernt. Jonas: So, gleich hab ich den Wagen. Sam: Nein. Jonas: Doch. Noch zwei Schritte. Sam: Kein Baby im Wagen. Bloß Metall und Plastik. Jonas: Ein Robot? Sam: Mit Babyvokoder. Alarm! Alarm! Alarm! Alarm! Alarm! Jonas: Ich sah kurz über die Schulter, die Frau war verschwunden, Sam in meiner Tasche brüllte mit dem Robobaby um die Wette. Jonas machte einen Hechtsprung zur Seite, weg vom Kinderwagen. Keine Sekunde zu früh. Sam: Alarm, ne Alarm vorbei, Bombe explodiert, Kinderwagen zertrümmert. Wie sieht's aus, Chef, Leben noch frisch? Jonas: Im Prinzip ja, Sammy, ein paar Abschürfungen, eine Beule am Kopf. Sam: Naja, allwo sie keinerlei Schaden anrichten dürfte. Jonas: Ein Helikopter direkt über Jonas, laut und bedrohlich, noch ein Attentat? Ich zog den Revolver, sah nach oben. Alouette: Wunderbar, bleib so, Jonas, so verdattert, halt diesen dämlichen Ausdruck, perfekt, Privatdetektiv unter Schock nach Babyattacke, danke, rühren, jetzt noch ein paar Meter Kinderwagentrümmer. Jonas: Kein Attentäter. Alouette, Babylons bekannte Heli-Reporterin, tag und nacht ist sie unterwegs in ihrem Helikopter, über den Straßen und Plätzen der großen Stadt, immer auf der Suche nach einem knackigen Unfall, einem saftigen Massaker, wenn sie was findet, geht sie runter und schießt, mit ihrer Holokamera. Alouette: So, das reicht für einen 10-Sekundenspot in der Bezirkssendung auf Supermedia Lokal. Machs gut Jonas. Man sieht sich. Jonas: Man sieht sich, man kennt sich, man mag sich sogar, im allgemeinen sind Heli-Reporter unbeliebt, nicht bei Jonas. Alouette macht ihren Job, wie ich meinen. Dieselben Typen, die Alouette Aasgeier schimpfen, kriechen fast in den Holokasten, wenn ihr Material läuft. Jonas holte sich den Stempel. Keine besonderen Vorkommnisse auf dem Nachhauseweg. Sam: Whisky Sir. Jonas: Besser nicht, Sammy, besser klaren Kopf behalten. Sojakaff, so schwarz wie meine Sam: Füße? Jonas: Wie meine Stimmung. Sam: Hehe. Jonas: Das war knapp eben auf der Piazza. Sam: Ja, ein wahrlich cleveres Szenario, oh du Schutz der Witwen, Schirm der Waisen, Retter der Enterbten, Verderbten, Gekerbten, Versterben. Jonas: Genervten. Sam: Was? Jonas: Auch wenn sich's nicht ganz reimt. Sam: Hilflose Frau, rollender Wagen, schreiendes Kind, da muß mein Jonas ja seinen Verstand ausknipsen, das bißchen Rest, was er sein Eigen nennt. Jonas: Das war Profiarbeit, Sam, vielleicht Ex und Hopp, oder Freischaffende. Sam: Tja, sollten euer Leichtfertigkeit jetzt nicht doch lieber den Pelican fonen. Von wegen des offerierten Bodyguards. Jonas: Sollte ich, Sammy. Sam: Hinweg mit dem Schwanken, dem Zaudern und Kranken, denn siehe er ist es, welcher uns da font, hmh, der Liebling der Kleinen, der Großmeister der Komik. Jonas: Ja? Pelican: Pelican. Haben Sie’s schon gehört, Jonas? Jonas: Daß ich fast in die Luft geflogen wäre. Pelican: Sie, wieso Sie, nein Ihre Freundin Valerie hat’s erwischt in ihrem Miniapartment in der Südstadt. Jonas: Bombe? Pelican: Ganz altmodische Buschmesser. Ein Blutbad. Sehen Sie sich in den Holonews an. Jonas: Arme Valerie. Sam: Requiescat in pace. Aus ihr wäre nie eine gute Detektivin geworden, nein nein. Amen. Pelican: Was halten Sie jetzt von unserem Angebot, Herr Jonas. Jonas: Schicken Sie ihn in Gottes Namen rum Ihren Bodyguard. Pelican: Gratuliere, Herr Jonas, ein äußerst vernünftiger Entschluß. Jonas: Wer weiß, aber das würde sich zeigen. Gut zwei Stunden später war er da. Wayne: Ihr Bodyguard, Herr Jonas, von Supermedia. Jonas: Kommen Sie rein, die Tür ist nicht abgeschlossen. Wayne: Doch nicht so, Herr Jonas. machen Sie bitte die Tür weit auf und stellen Sie sich so, daß ich Sie von außen sehen kann. Jonas: Kein Grund zum Mißtrauen, Cowboy, ich bin ihr Schützling, ich tue ihnen nix. Wayne: Professionelle Routine, Herr Jonas. Jonas: Kommen Sie schon rein, Cowboy, weisen Sie sich aus. Jonas: Er war jünger als Jonas, etwas kleiner, genauso breit, Dokumente in Ordnung, Wayne hieß er, Jim Wayne, Ausbildung auf der Bodyguard-Akademie Dallas, Texas, ein Gastsemester in Grosny, Abschluß summa cum laude, diverse Einsätze, alle erfolgreich, soweit so gut, Sammy mochte ihn nicht, warum? Sam: Keine Ahnung euer Ehren, aber ich komm schon noch dahinter. Wayne: Riegel vor, Ihre Tür sollte immer verschlossen sein, Herr Jonas, Fenstervorhänge zu, haben Sie keine Jalousie, Herr Jonas, kein Rollo, bodenloser Leichtsinn, Herr Jonas, setzen Sie sich auf den Fußboden. Jonas: Langsam, Cowboy. Wayne: Nennen Sie mich Jim, Jonas. Jonas: Nennen Sie mich Herr Jonas, Cowboy, jetzt setzen Sie sich mal hin und hören mir zu, in meinem Büroapartment hat nur einer das sagen. Wayne: Jawohl, Jonas, Jonas, der große, der mächtige, der einzige und Sammy, sein Prophet, merken Sie sich das gefälligst, gell. Jonas: Alles klar, Cowboy. Wayne: Aber das ist professionelle Routine, Herr Jonas, das muß so sein. Jonas: Das haben Sie so gelernt Cowboy, in Dallas und in Grosny, hier ist Babylon, Cowboy, hier bestimmt Jonas, wo’s langgeht, Sie laufen hinterher, Cowboy, und passen schön auf. Und wenn Ihnen das nicht paßt, dann nehmen Sie Ihr Bodyguarddiplom und. Sam: Und schieben es sich da rein wo's weh tut, nämlich quer. Jonas: Und verschwinden wieder, verstanden, Cowboy? Wayne: Kein Problem, Herr Jonas, Sie sind der Boß. Was haben Sie vor? Jonas: Wir werden uns nicht im Haus verschanzen und abwarten, Cowboy, viel zu passiv, wir werden aktiv. Wir gehen raus. Wayne: Wie Sie meinen, Herr Jonas. Wir gehen raus. Wohin? Jonas: Hinter den Anschlägen steckt Conrad Coburg, korrekt. Wayne: Korrekt Herr Jonas. Jonas: Wenn wir Coburg schnappen, hören die Anschläge auf, korrekt. Wayne: Korrekt Herr Jonas. Sam: Herr Lehrer, Herr Lehrer, darf Sammy was fragen. Jonas: Von mir aus Sam. Sam: Wo finden wir den Coburg Genosse, na, wo steckt der Schuft, wo hat er sich verkrochen. Jonas: Gute Frage Sammy. Wayne: Die ich ihrem Computer vielleicht beantworten kann Herr Jonas. Herr Pelican hat mir nämlich einen Tip gegeben. Jonas: Coburg war nicht immer der berühmte Holoclown von Network gewesen, Coburg hatte klein angefangen, ganz klein, als Studioarbeiter bei Supermedia vor langer, langer Zeit, als Holoserien noch nicht digital produziert wurden, sondern real, mit wirklichen Schauspielern, mit echten Requisiten in richtigen Studios. Jonas kannte das verlassene Studiogelände von Supermedia. Sam: Siehe Fall Megastar, zweieinhalb Jährchen sind's nun her. Jonas: Viel wird sich da nicht verändert haben, Sammy, ein bißchen mehr Staub, ein bißchen mehr Müll. Sam: Absolute dead trouser, Sir, tote Hose. Wayne: Das perfekte Versteck für einen gesuchten Verbrecher falls Sie mir die Bemerkung gestatten, Herr Jonas, und falls Sie vorhaben, das Studiogelände aufzusuchen, Supermedia stellt ihnen eine E-Limousine zu Verfügung. Jonas: Die stand auf der Straße vor dem Haus, Jonas durfte nicht gleich einsteigen, erst legte sich der Cowboy auf den Rücken und schob sich unter den Wagen, wegen Haftladungen etc. Professionelle Routine. Wayne: Reifen OK, Leitungen auch, jetzt noch der Akku. Killer: Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv? Jonas: Wer will das wissen? Killer: Mein Laserstrahler. Ahh... Jonas: Schnell war er, der Cowboy, ehe ich meinen Revolver aus dem Halfter hatte, zog er eine abgesägte Schrotflinte aus dem Hosenbein. Der bedröhnte Typ kam gar nicht mehr dazu seinen Laser abzudrücken, er fiel um, in einem Feuerwerk blutiger Fontänen. Wayne: Mit der Schrothflinte arbeite ich gern, Herr Jonas, viel zuverlässiger als ein Laser. Unter uns, Herr Jonas, sie macht so ein befriedigendes Geräusch. Alouette: Da ist also wirklich was dran Jonas? Jonas: Woran Alouette? Alouette: Daß ein hohes Kopfgeld auf dich ausgesetzt ist. Geh mal Stück zur Seite. Total durchsiebter Killer schwimmt im eigenen Blut, das muß groß ins Bild. Sowas reißen sie mir aus den Händen, mach so weiter Jonas, das ist gut fürs Geschäft. Jonas: Krieg ich Prozente, Alouette? Alouette: Mal sehen. Bis bald Jonas. Ich bleib in der Nähe. Jonas: Das alte Studiogelände von Supermedia war noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte, eine weiträumige Geisterstadt, kein Laut, kein Mensch, nicht mal ein Geist, große Hallen mit verrotteten Dächern, zerfallene Schuppen, Schrotthaufen, zerfressene Kabel und Staub, überall Staub, dick und gleichmäßig wie ein grauer Teppich, ein Teppich, den seit Ewigkeiten niemand betreten hatte. Auf den ersten Blick jedenfalls. Der Cowboy sah zweimal hin und fand was. Wayne: Spuren, Herr Jonas, im Staub. Jonas: Schuhe und Reifen. Wayne: Frische Spuren, wenn Sie mich fragen Herr Jonas. Jonas: Wann hat’s zuletzt geregnet Sammy? Sam: Nu warten Sie mal mein Gutester. Gestern war's, am 11. März 2014. Das vom Turme schlug die 9. Stund. Wayne: Was meinen Sie Jonas, Coburg? Sam: Ne. Bamberg. Jonas: Möglich. Die Spuren führten zu einer abgelegenen Halle, wir folgten ihnen, vorsichtig, mit gezogenen Waffen, professionelle Routine, durch die offene Tür, in den leeren Innenraum, nein, nicht leer, nicht ganz, durch ein Loch im Dach fiel Licht auf das entgegengesetzte Ende der Halle, da stand ein Sessel, ein altmodischer Ohrensessel, Blümchenbezug, geschwungene Armlehen, im Sessel saß einer, stocksteif, regungslos, still. Wir blieben an der Tür stehen. Wie ging's weiter. Wayne: Wenn Sie freundlicherweise hier warten würden, Herr Jonas, lassen Sie mich vorangehen, und die Lage abchecken, das ist mein Job. Jonas: OK, Cowboy, ich geb Ihnen Deckung, professionelle Routine. Wayne: Danke, Herr Jonas. Sam: Halten zu Gnaden, Exzellenz, der Kerl ist mit Nichten und Neffen astrein. Jonas: Der im Sessel. Sam: Der auch, aber Sammy meint den Cowboy, Jimmy Wayne, den allseits bekannten vollakademischen Bodyguard, summa cum laude, pingpong pipapo. Jonas: Was stört dich an ihm? Sam: Wie er atmet, ein und aus, präziser wie oft. Jonas: Seine Atemfrequenz, was ist damit. Sam: Die ist immer die gleiche, 30 Schnaufer pro Minute, egal was er macht, ob er geht oder steht, ob er schweigt oder redt, ob ihm warm ist oder kalt, ob er mit der Flinte knallt, immer genau 30 Atemzüge. Jonas: Das gibt's nicht, Sam. Sam: Das ist so, außerdem der Kerl sendet. Jonas: Bist du sicher? Sam: Blöde Frage und so unnötig. Sicherheit dein Name ist Sam. Jonas: Was sendet er? Sam: Weiß ich noch nicht, verschlüsselt. Gefällt mir gar nicht. Jonas: Meinst du mir. Kannst du die Sendung blockieren. Sam: Vielleicht, mal probieren? Wayne: Der Mann auf dem Sessel ist Coburg, Herr Jonas. Jonas: Ich ging näher ran. Tatsächlich. Conrad Coburg, Exholoclown, Krimineller, Kopfgeldspezie, da saß er, verschnürt, verklebt, geknebelt, seine Augen waren weit aufgerissen, die Augäpfel rollten hektisch, als ob er uns dringend was mitteilen wollte, ansonsten tickte er, unaufdringlich, regelmäßig. Moment, Coburg tickt. Wayne: Zurück, Herr Jonas! Jonas: Sollte man ihm nicht den Knebel aus dem Mund. Sam: Klar doch, und ihm die Nase putzen und den Hintern abwischen, ach hau ab du Volltrottel. Jonas: Sam, sag doch was du meinst, Bombe, Sammy. Jonas: Eine Bombe im Sessel, der hatte sich in seine Bestandteile aufgelöst, Coburg desgleichen, der Cowboy und Jonas rappelten sich auf, und betrachteten die Stätte der Verwüstung, dann sahen wir hoch, durchs Loch im Dach auf Alouette in ihrem Helikopter. Alouette: Hallo da unten, aller guten Dinge sind drei, was Jonas. Jonas: Halten Sie doch kurz mal meinen Computer, Cowboy. Sam: Hey, ich bin kein Lasso. Jonas: Andererseits auf drei Beinen kann man nicht stehen Alouette. Alouette: Aber nur wenn man ein Esel ist, wiedersehen Jonas. Jonas: Jonas war ein Esel, Jonas hatte sich aufs Glatteis locken lassen, die ganze Geschichte stimmte hinten und vorne nicht. Coburg würde sich doch nicht selbst in die Luft sprengen, nur um Jonas zu erwischen, und dann dieser merkwürdige Body-guard mit dem gleichmäßigen Atem und dem ausgeprägten Sendungsbewußtsein. Sam: Doch ist dies noch nicht alles, Herr und Meister, höre und staune, unser Freund, der Cowboy hat immer denselben Puls und denselben Blutdruck. Wayne: Ach, deshalb haben Sie mir ihre quäkende Blechdose in die Hand gedrückt. Sam: Nananananana, und schwitzen tut er auch nicht, kein einziges Tröpfelchen. Jonas: Professionelle Routine, Cowboy. Wayne: Könnte man sagen, Herr Jonas, stehen Sie bitte ganz still, und nehmen Sie die Hände hoch. Ahh! Sam: Ja, das piept im Lockenköpfchen, gelle, mach's Maul zu. Jonas, Jammerdam steh nicht blöd rum, Sammy kann die Gehirnströme nur kurz blockieren, tu was, schnapp dir ein Sesselbein und zieh's ihm über die Rübe. Na bitte, s geht doch. Jonas: Sammy hatte ihn durchschaut, nur eine Maschine kann eine andere Maschine erkennen, besonders wenn die als Mensch maskiert ist, der Cowboy war kein Mensch, er war ein Android, ein Replikant, ein gentechnisches Produkt, eine illegale Konstruktion mit ein paar noch illegaleren Extras. Sam: Kameras hinter den Augen, Mikrophone in den Ohren, melde gehorsamt, Herr Kommodore, der Kerl ist ein wandelndes Holostudio. Jonas: Das heißt alles was er sieht und hört nimmt er auf. Sam: Ja, und mehr noch Jonaslein, alles was er sieht und hört sendet er auf Sonderfrequenz. Jonas: Du hast die Verschlüsselung geknackt, Sammy. Sam: Ja, kein Schlüssel ist ihm zu schlitzohrig, kein Code zu kompliziert, denn wahrlich er ist Sam, der Sultan der Systeme, der Dandy der Dateien, der Nabob der Netze. Jonas: Der Houdini der Hacker. Sam: Ja. Nicht schlecht, Kumple, könnte von mir sein, der Cäsar der Cyperpunks. Jonas: Das reicht Sammy, sonst noch was? Sam: Ja, der Cowboy hat einen Hohlraum im Bauche. Allwo Menschen und Normandroiden ihren Magen zu hegen pflegen. Jonas: Was drin. Sam: May be, Sir. Perhaps. Possible. Jonas: Was heißt das? Sam: Weiß ich a nett. Nichts genaues weiß man nicht. Indem das selbiger Hohlraum exorbitant beschirmt und abgeschottet ist, doch gib Sammy ein wenig Weile o Herr. Jonas: Wieviel? Sam: Sagen wir zwei Stunden ha? Jonas: Unmöglich. So viel Zeit hatten wir nicht, es gab wichtiges zu tun, z.B. rauskriegen, was gespielt wurde, und Jonas war klar, wo er einhacken mußte. Wer hatte ihm denn das faule Ei, den Cowboy angedreht. Sam: Na wer, Majestro Pelicano, Pelicanissimo, regelrecht bekniet hat er meinen Jonas, begrötscht, belatscht. Jonas: Genau, und wo steckt Pelican. Sam: Supermediabetriebskrankenhaus im Supermediahochhaus. Jonas: Wie kommen wir rein. Sam: Wie kommen wir rein, wie kommen wir rein, durchs Tor, mittels einer enteigneten Paßscheibe. Jonas: Lieber nicht, Sammy. Sam: Wieso? Jonas: Vielleicht warten sie da schon auf Jonas, wer immer sie sind. Besser durch die Hintertür. Sam: Gibt's nicht, du Nappsülze. Jonas: Selber Nappsülze. Sam: Was? Jonas: Ich mein das bildlich, symbolisch sozusagen. Sam: Ach was und wo belieben Herr Symbolist oder auch Symboliker besagte Hintertür zu lokalisieren, hm? Hinten? Jonas: Oben Sammy, du hast doch die Frequenz von Alouette. Sam: Aber sicher dat. Jonas: Ruf sich an, Jonas will mit ihr reden. Sam: Hören ist gehorchen, o Herr der Himmlischen Herscharen. Jonas: Augenblick noch Sam. Was machen wir mit dem Cowboy, irgendwann kommt er wieder zu sich. Sam: Muß nicht sein, Eminenz, lasset ihn uns ganz tot machen, auseinanderschnippeln und die Einzelteile auf den Schrott schmeißen. Amen. Jonas: Ich weiß nicht, Sammy. Sam: Was? Jonas: Wir sollten ihn erst mal aufheben, bis genau feststeht, was los ist. Hier wird sich doch irgendwo eine Kammer finden mit einem Schlüssel. Sehen wir uns mal um. Sam: Ja. Sehen wir uns mal um, apropos um, um auf die Dame Alouette zurückzukommen, Verehrtester. Jonas: Alouette hatte eine Dauergenehmigung, sie durfte jederzeit auf dem Supermediahochhaus landen. Das Sicherheitssystem ließ ihren Helikopter durch, die Wachen kannten sie. Alouette war gern bereit, Jonas auf dem Studiogelände aufzulesen und mit ihm den kurzen Trip zum Supermediahochhaus zu machen, nicht nur aus Sympathie, sie hoffte auf neue schöne Bilder. Von blutigen Anschlägen und explosiven Attentaten. Eine durchaus begründete Hoffnung. Wächter: Was haben Sie denn heute im Kasten Alouette, ein Hackebeilmassaker, ein Massen-Barbecue, Barbecues find ich am besten, wenn die Leute so richtig anfangen zu brutzeln. Alouette: Warten Sie's ab, falls ihr Newsboß sein OK gibt, sehen Sie s heute abend im Holo. Mein neuer Assistent Jo Jonas: Johnson, Joseph Johnson. Alouette: Pelican will was von uns. Wo finden wir ihn? Wächter: Ach, Sie haben was mit der Operation Private Eye zu tun. Im Penthouse von Herrn Beringer, braucht er ja nicht mehr, seit er auf Lanzarote ist. Manche haben's gut. Da drüben. Soll ich Sie mit dem Scooter hinbringen. Alouette: Lassen Sie nur, wir laufen ganz gern mal ein Stück, was Josef. Jonas: Auf dem weiten Flachdach wirkte Beringers Penthouse wie eine Warze oder wie ein Pickel auf einer Glatze, um uns, unter uns Babylon, die große Stadt, schwarze Wolken über dem Reservat, über den Wohnvierteln grauer Smog, giftgelbe Dämpfe aus den Heizwerken, ein paar Kilometer entfernt ragte Atlas in die Höhe, der gigantische Kran für Reparaturen am Klimadom, der Klimadom ist immer kaputt, Atlas ist immer im Einsatz. Jonas nahm die Aussicht nur nebenbei zur Kenntnis, Jonas grübelte. Was war Operation Private Eye? Jonas machte sich Sorgen. Wir kamen ans Penthouse, wir gingen nicht durch Tür, wir gingen um die Ecke, zur Rückseite, wo wir vom Heliport aus nicht gesehen werden konnten, aber wir konnten sehen, ins Penthouse, durchs offene Fenster, und wir konnten hören. Pelican: Tut mir leid, Herr Beringer, ich kann den Androiden noch immer nicht erreichen. Beringer: Versuchen Sie's weiter Pelican. Pelican: Selbstverständlich Herr Beringer. Hallo, Wayne, Pelican ruft Wayne. Bitte melden. Pelican ruft Wayne. Jonas: Mein dankbarer Freund Peter Pelican, ich erkannte ihn an der Stimme, nur an der Stimme, er sah ganz anders aus als heute nacht im Bildfon, der Kopfverband war weg, Pelican war munter und beweglich, offensichtlich geheilt, auf wundersame Weise, er saß an einem hochmodernen Interkompult vor zwei großen Monitoren, diversen Mikros, unzähligen Tasten und Schaltern, gerade hatte er mit Beringer gesprochen, dem großen Boss von Supermedia, nicht direkt, über Mikro und Monitor, hinter Beringers Schrumpfkopf leuchtete ein Himmel von unwahrscheinlichem Blau über schwarzem Sand, Lanzarote, der zweite Monitor blieb dunkel, der Cowboy war wohl immer noch bewußtlos. Pelican: Pelican ruft Wayne. Ich seh was Herr Beringer, da ist was auf dem Monitor. Pelican ruft Wayne. Kommen. Wayne kommen. Wayne: Was was ist passiert Herr Pelican? Pelican: Das will ich von Ihnen wissen, Wayne. Jonas: Der Cowboy kam zu sich, auf dem Monitor zeichnete sich was ab, zuerst vage, dann immer schärfer. Die Wand der Kammer, in die Jonas ihn gesperrt hatte. Das Auge des Androiden wurde klarer, sein Kopf auch und seine Erinnerung. Wayne: Ein Schmerz, ein entsetzlicher Schmerz im Kopf, mehr weiß ich nicht. Beringer: Was ist los Pelican? Pelican: Wayne ist noch auf dem alten Studiogelände, Herr Beringer. Beringer: Was ist mit Jonas. Pelican: Ja das weiß ich nicht, Herr Beringer, ich meine Wayne weiß es nicht. Beringer: Hat er ihn verloren. Pelican: Sieht ganz so aus Herr Beringer. Jonas ist offenbar mißtrauisch geworden. Tut mir leid. Beringer: Es tut ihnen leid Pelican. Ich sag ihnen was. Wenn Sie diesen dämlichen Androiden nicht ganz schnell wieder mit Jonas zusammenbringen dann wird's ihnen noch sehr viel mehr leidtun. Haben Sie mich verstanden. Pelican: Jawohl, Herr Beringer, ich... Beringer: Ich habe Operation Private Eye aktiviert, um diesen Superbastard Jonas ein für alle mal zu erledigen, Sie Pelican habe ich als Chef vor Ort eingesetzt, weil Jonas keinen Grund hat, ihnen gegenüber mißtrauisch zu sein, und weil ich Sie für einen fähigen Medienkoordinator gehalten habe, das war wohl ein Irrtum. Pelican: Aber nein Herr Beringer. Beringer: Ihr Szenario war nicht schlecht, Coburgs angeblicher Rachefeldzug, das Kopfgeld, der Android, den wir bei der Korporation als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben haben, um ihn Jonas als Bodyguard unterzuschieben, soweit ganz ordentlich, und was dabei herauskam, habe ich mir mit Vergnügen angesehen. Pelican: Danke Herr Beringer, vielen Dank. Beringer: Aber da Sie jetzt die Initiative verloren haben. Pelican: Nur momentan, Herr Beringer, das wird sich ganz schnell wieder ändern, verlassen Sie sich auf mich. Beringer: Sie können mir viel erzählen, Pelican. Fakten wenn ich bitten darf, konkrete Vorschläge. Pelican: Jaja. Sehen Sie, Herr Beringer, wo immer Jonas sich zur Zeit aufhält, er wird früher oder später zur Basis zurückkehren in sein Büroapartment, und wenn Wayne sich ein bißchen erholt hat, wird er dort hin fahren, und warten, bis Jonas auftaucht, und dann. Beringer: Dann keine Spielchen mehr Pelican, keine Kopfjäger, kein neuen Attentate. Pelican: Ja aber wir haben doch noch einiges in petto, Herr Beringer, auf Ihren Wunsch, Sie wollten ein extensives dramaturgisch aufbereitetes Medienspektakel. Beringer: Gestrichen, bei nächster Gelegenheit wird Operation Private Eye terminiert. Pelican: Modus wie vorgesehen, Herr Beringer. Beringer: Wie vorgesehen, sobald Jonas und Wayne beieinander sind, drücken Sie auf den roten Knopf. Pelican: Und die Sprengladung in Waynes Bauch geht hoch. Beringer: Das will ich hoffen Pelican. Pelican: Seien Sie unbesorgt, Herr Beringer, es wird keine Pannen mehr geben. Wayne, Pelican ruft Wayne. Wie fühlen Sie sich, Wayne. Wayne: Etwas besser, Herr Pelican. Jonas: Jonas gab das Zeichen zum Aufbruch. Jonas hatte genug gehört, hinter der Geschichte steckte nicht Coburg, der war nur eine entbehrliche Figur im Spiel, der Spieler war Beringer, und Jonas war der Verlierer, wenn Beringer genug mit ihm gespielt hätte, würde er ihn vom Brett nehmen durch die Bombe im Cowboy. Der Supermediaboß hatte es nicht verwinden können, daß Jonas ihm seinerzeit sein großes Weltkriegspiel kaputtgemacht hatte. Rache ist süß. Sam: Rache ist Blutwurst. Also spricht Willy Wutzke der Weise von Wiebelskirchen. Jonas: Wirklich, ich bin sicher es war der Weihnachtsmärchenfall, dadurch ist Beringer wieder eingefallen, daß es Jonas gibt. Und er hat sich vorgenommen, mir die alten Geschichten gründlich heimzuzahlen. Alouette: Vielleicht langweilt er sich auf Lanzarote. Eigentlich schade. Jonas: Was ist schade Alouette? Alouette: Daß du jetzt Bescheid weißt, Jonas. Jonas: Findest du? Alouette: Du wist natürlich Gegenmaßnahmen treffen, Beringers Plan durchkreuzen, den Androiden ausschalten, und das heißt, keine Bomben mehr, keine Kopfjäger die an den Ecken lauern, kein Feuer, kein Blut, für mich ist in deiner Geschichte nichts mehr drin Jonas. Jonas: Da irrst du dich gewaltig, Alouette. Das beste kommt noch, der große Höhepunkt. Der absolute Knalleffekt. Alouette: Was denn? Jonas: Wirst du sehen und aufnehmen und gut verkaufen. Sam? Sam? Sam: Yes, ich meine was beliebt meinem ollen Knochen, dem Herrscher über 100.000 Haremsweiber? Jonas: Haha, schön wär's, das heißt bei näherer Betrachtung doch lieber nicht. Sam: Wünscht er den weisen Spruch, das muntre Lied oder den klugen Rat? Jonas: Eher die kühne Tat Sammy. Sam: O. Aha. Hauen und Stechen. Jonas: Hacken und Brechen, Sammy, das kannst du besser. Sam: Wohlan, worum geht's, sagts nur ungescheut. Jonas: Du kennst ja die Spezialfrequenz, auf der der Cowboy sendet. Sam: Mach dir keine Sorgen, sie blieb mir nicht verborgen. Jonas: Du wirst dich da als eine Art Relaisstation festsetzen, falls du das kannst. Sam: Ja, das alles auf Ehr, das kann ich und noch mehr, lalala ungefähr. Jonas: Alles was der Cowboy an Pelican sendet, Bild und Ton das wirst du abfangen. Sam: Zu Befehl abfangen, zack zack die Waldfrau. Jonas: Statt dessen wirst du Falschmaterial an Pelican weiterleiten, imaginäre Bilder, irreale Töne, Pelican soll glauben, der Cowboy tut, was ihm befohlen wird, das heißt Pelican wird sehen, wie der Cowboy zu Jonas nach Hause fährt und da wartet. Alouette: Aha, wohingegen Jonas: Wohingegen der Cowboy auf eine ganz andere Reise gehen wird, mit deiner Hilfe Alouette. Alouette: Was soll ich tun. Jonas: Du landest jetzt auf dem Studiogelände und dann... Ist der Cowboy noch im Kabuff, Sammy. Sam: Ja, ja ja, gerade eben noch gestrenger Herr, in dem er just, oha, jetzt beginnt die Tür mit wuchtigen Tritten aufzusplitten. Jonas: Das soll er bleiben lassen, hau rein, Sammy, verpaßt ihm eine zweite Dosis Kopfweh aber vorher Sam: Vorher setz ich mich auf des Funkes Wellen, ich fange ab was wirklich ist und sende was nicht stimmt. Jonas: Genau, du sendest was Pelican sehen und hören würde, wenn der Cowboy tatsächlich ausbricht. Sam: Ausbräche, bitte, Konjunktiv du verbaler Legastheniker. Jonas: Geschenkt, dann läßt du den Cowboy zur E-Limousine gehen, zu mir fahren und vor der Tür warten. OK? Sam: O, viele viele Bilder, bewegt und dreidimensional, viele viele Töne und das alles genital, Korrektur digital produziert, hast du eine Ahnung, wie viel Prozesse ablaufen. Jonas: Nö, aber du schaffst das schon, Sammy. Sam: Ach ja immer ich, da kommt ein kleiner Computer ganz schön ins Schwitzen. Jonas: Streng dich, an wenn's vorbei ist schenk ich dir was Schönes. Sam: Was denn? Alouette: Wir landen, halt dich fest Jonas. Jonas: Alles lief nach Plan, ich schloß die Kammer auf, der Cowboy hockte stöhnend in der Ecke, ich gab ihm eine Narkose mit dem Griff meines Revolvers. Alouette fand ein brauchbares Seil. Wir fesselten den Cowboy und hängten ihn unter den Helikopter. Alouette: Und jetzt Jonas? Jonas: Jetzt empfehlen wir uns. Alouete: Wohin? Jonas: Supermediahochhaus, wir haben ein Paket abzuliefern. Alouette: Auf geht's. Jonas: Inzwischen war es dunkel geworden, über dem Hochhaus ging Alouette tiefer, so unauffällig wie möglich Jonas beugte sich raus, mit seinem Taschenmesser schnitt er das Seil durch, der Cowboy rutschte von der Kufe aufs Penthousedach, da blieb er liegen. Alouette zog den Helikopter hoch. Jonas: Das reicht, Alouette, halt ihn hier fest. Holokameras bereit. Alouette: Immer bereit. Jonas: Mit hochempfindlichem Material für Aufnahmen bei Dunkelheit. Alouette: Willst du mir meinen Job beibringen Jonas. Jonas: Sam, was sieht Pelican auf dem Monitor. Sam: Ja was sieht er denn, a ja, den Flur von eurer Gnaden fürstlicher Behausung, dort, ja dort glaub er steht der Cowboy meinen Herrn erwartend. Jonas: Wird Zeit daß ich komme. Sam: Treppe? Jonas: Was denn sonst. Der Fahrstuhl ist kaputt. Sam: Ach so. Jonas: Dösel. Sam: Schwere Schritte auf den Stufen, nach eines langen Tages Last und Frust kehrt müde heim der letzte Detektiv, häh, auja jetzt ist er im 16. Stock. Jonas: Er biegt um die Ecke. Jonas: Der Cowboy erblickt ihn, und mein Jonas erblickt den Cowboy, ist das spannend, verständnislos glotzt er ihn an, treu doofen Blicks. Wie Pelican es befiehlt tritt der Cowboy an Jonas heran, nah, ganz nah... Alle neune, Hip hip hurra. Jonas: Pelican hatte auf den roten Knopf gedrückt, die Sprengladung im Bauch des Cowboys ging hoch, mitsamt dem Cowboy, dem Penthouse und natürlich dem Pelican. Ganz zu schweigen von Riesenloch nebst Großbrand in den oberen Etagen, ein gewaltiges Spektakel. Operation private Eye war erledigt. Jonas war zufrieden. Alouette auch, sie hatte das Feuerwerk aufgenommen, mit Zoom und Weitwinkel und Teleobjektiv. Alouette: Mal sehen wer am meisten zahlt. Network oder Holo oder eine von den Indiproduktionen. Jonas: Ich würde das Band zuerst Supermedia anbieten. Alouette: Gute Idee Jonas. Jonas: Ich hab noch eine, Alouette. Du hast Jonas geholfen, danke. Und Jonas hat dir geholfen. Alouette: Danke. Jonas: Das sollten wir ausbauen. Vertiefen, noch heute abend im Casablanca, was meinst du. Alouette: Einverstanden. Ich geh gern mal ins Casablanca, bloß schade, daß du nicht mitkommen kannst, Jonas. Jonas: Was? Warum nicht? Alouette: Weil du schon eine Verabredung hast. Eine dringendere. Jonas: Davon weiß ich nichts. Alouette: Aber ich. Hallo, Herr Beringer, hier Alouette, Stichwort Jonas, ich weiß nicht, ob Sie's schon erfahren haben, Ihre Operation Private Eye ist ja nun leider voll in die Hose gegangen, ja schade um Ihr Penthouse, schade um Ihren Holoclown Pelican und schade um das viele Geld, das Sie der Korporation für den Spezialandroiden gezahlt haben. Jetzt sind Sie doch sicher noch mehr an Jonas Kopf interessiert, Herr Beringer, das dachte ich mir. Augenblick Herr Beringer, ich muß was erledigen, eine Kleinigkeit, dauert nicht lange. Jonas: Der Helikopter kippte plötzlich nach links, Jonas verlor das Gleichgewicht, ich hätte gewarnt sein müssen, aber ich traute Alouette, treu-doof, Sammy hatte Recht, blitzschnell zog Alouette mir den Revolver aus dem Halfter, und bevor Jonas reagieren konnte, drückte sie ein einen Knopf am Armaturenbrett, mein Sitz klappte nach vorn, im Boden tat sich eine Öffnung auf, Jonas rutschte, fiel durch, stürzte, dann ein Ruck, Jonas hing an einer Leine, die an seinem Gurt befestigt war, kopfüber unter dem Helikopter, schnappte nach Luft und versuchte sich aufzurichten, während Alouette weiter mit Beringer sprach. Alouette: Was wäre Jonas ihnen denn so wert, tot oder lebendig, wie Sie wollen, Herr Beringer, tot, wenn Ihnen das lieber ist, wieviel, 500.000 machen Sie Witze, das sind Peanuts, lassen wir doch das Schachern. 5 Millionen. Nein, keinen Euro weniger. Jonas: Sam, bist du noch da, Sam. Sam: Mehr oder weniger Chef. Jonas: Halt dich bloß gut fest. Sam: Man tut was man kann. Ist nicht leicht ohne Hände. Sammy wird schlecht. Jonas: Das glaub ich dir nicht. Du hast keinen Magen. Sam: Aber dafür hat Sammy einen Einfall, wie sein heißgeliebter Jonas aus dieser höchst prekären Situation und Todesgefahr womöglich zu retten wäre. Jonas: Und wie soll das gehen. Sam: Sammy sagt nur Steuersystem des Helikopters. Oha, kuck mal nach rechts. Jonas: Nach rechts. Moment. Verstehe, tu dein bestes, Sammy, ich versuch Alouette abzulenken. Sam: Jawohl. Systeminfiltrator Sam meldet sich ab Sir. Jonas: Ich hab mitgehört, Alouette. Alouette: Dann weißt du ja Bescheid. Jonas: Erst hilfst du Jonas, dann verkaufst du ihn an Beringer, pfui Teufel. Alouette: Du mußt das richtig sehen, Jonas, Ich habe dir geholfen, damit ich dich an Beringer verkaufen kann. Jonas: Ich dachte wir sind Freunde. Alouette: Sind wir ja auch, es fällt mir gar nicht leicht mich von dir zu trennen, aber Geschäft ist Geschäft. Weißt du, eine Heli-Reporterin verdient ja nicht schlecht, aber das richtig große Geld mach ich nebenbei als Kopfjägerin. Jonas: Darum die spezielle Ausrüstung deines Helikopters, Schleudersitz, Loch im Boden. Alouette: Und zu recht praktisch. Sam: Agent Toilette, Korrektur Agent Null Null Sam zurück von geheimer Mission Sir. Alouette: Das Steuer! Jonas: Sammy hatte den Autopiloten lahm gelegt und ganz sachte den Kurs geändert, nach rechts, immer weiter nach rechts, wo Atlas aufragte, der Superkran. Als Alouette was merkte, war Atlas direkt voraus und nur noch ein paar Meter entfernt, sie riß verzweifelt am Steuerknüppel, aber das brachte nichts mehr, in vollem Tempo prallte der Helikopter auf Atlas, stürzte ab, schlug auf. Und Jonas, der hatte fleißig gesägt an der Leine mit seinem Taschenmesser, kurz vor der Kollision war die Leine durch und Jonas sprang, rüber auf Atlas, da klammerte er sich ans Gestänge, und wartete, bis er wieder zu Atem gekommen war. Sam: Bravo... sehr gute Weite, aber die Haltung. Jonas: Bin ich Schwarzenegger, Sammy. Sam: Ne wahrlich nicht jener einst leidlich bekannte Kraxel und Kabinettstiroler, denn siehe es gilt zu steigen an die 500 Meter in gähnende Tiefe auf schwankendem Pfad. Jonas: Man tut was man kann. Unten am Fuß des Krans rauchte ein Schrotthaufen, ein Stilleben in Stahlgrau, rußschwarz und blutigrot, schade, daß Alouette mit ihrer Kamera nicht da war. Drei Stunden später, ein total erschöpfter Jonas schleicht über den Flur zur Tür seines Apartments, plötzlich eine Bewegung vor mir im Schatten, eine massive Gestalt, der Cowboy? Unmöglich. Ein Kopfjäger? Sam: Nix Kopfjäger, ein Robex. Robot-Exekutor: RE747B, offizieller Robotexekutor der Stadt Babylon, ich habe einen amtlichen Bescheid für Herrn Jonas, nur Jonas, wohnhaft hier. Jonas: Der bin ich. Robot-Exekutor: Der Bescheid lautet: Durch eine Vielzahl von Attentaten, Explosionen und Unfällen ist im babylonischen Stadtgebiet erheblicher Sachschaden entstanden. Da die jeweiligen Verursacher nicht zu ermitteln sind, werden Sie, Herr Jonas, als an sämtlichen vorerwähnten Vorfällen Beteiligter für den Schaden haftbar gemacht. Der berechnete Gesamtbetrag von 873.441 Euros und 7 Cents wird von Ihrem Konto abgebucht. Widerspruch gegen diesen Bescheid ist binnen einer Frist von 3 Tagen einzulegen. Die Stadt Babylon. Im Auftrag Karin Kinne, Sachbearbeiterin. Soweit der Bescheid. Guten Tag. Sam: Ein Schlimmdödel. Jonas: 873.441 Euros. Sam: Und 7 Cents. Wer den Pfennig nicht ehrt. Jonas: Was macht man denn da Sammy. Sam: Vielleicht zahlt Herr Beringer, wenn man ihm gut zuredet, wenn man ihm sagt, daß man widrigenfalls Network informiert über gewisse Vorkommnisse in Zusammenhang mit Supermedia, mit Herrn Beringer, Herrn Pelican und einem höchst illegalen Androiden. Jonas: Das ist Erpressung, Sam. Sam: Merke, hast du ein zart Gewissen, dann geht es beschissen, sei schlau und sei gerissen, dann wirst du Geld nie missen. Jonas: Äh. Willy Wuzke. Sam: Ne, Sam, Sam, der weise, der Denker, der Philosoph, der Erfahrene, der Verständige, der Scharfsinnige, der Intelligente, der Fuchs, das Huhn... Das war Kopfjäger. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Ingeborg Schöner, Alexander Duda, Achim Höppner, Alexander Kerst und andere (Werner Klein, Hubert Mulzer, Ursula Rehm, Holger Buck). Ton und Technik: Daniela Röder und Günter Heß. Assistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1995. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Unterwelt Passantin: Ih, eine Ratte! Jonas: Es war keine Ratte. Es war Sam. Samobil, genauer gesagt. Nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: Ein Mobilitätssystem für Minicomputer. Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert. Sam war begeistert. Jonas weniger. Ein Computer, der spricht, ist schlimm genug. Ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer. Ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt, ist das letzte. Sam: Na los! Krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein bißchen flotter. Krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Jonas: Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. Sam: So nicht. Denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh. Jonas: Du bist eine Maschine, Sam. Sam: Ja. Jonas: Der Mensch bestimmt, die Maschine gehorcht. So soll es sein. In die Tasche, aber schnell. Und wenn du noch mal wegläufst. Sam: Wegrollst! Bleiben wir doch verbal präzise, verehrte Gemeinde, auch wenn’s schwerfällt. Jonas: Dann kommst du ganz präzise in den Schrott. Oder ich schenk dich Chefinspektor Brock. Sam: Hehe, tust du doch nicht, weil’s gar nicht geht, weil Jonas und Sam zusammen gehören, wie Castor und Pollux, wie Castrop und Rauxel, wie Tristan und Isolde, wie Dick und Doof. Jonas: Wie Nerven und Säge. Sam: Wa. Jonas: In die Tasche! Sam: Aua. Jonas: So. Fahrer: Zur Neptunstraße, wie fahr ich da am besten? Sam: Da fahren Sie erst mal zu mir, dann kriegen Sie ne Karte. Jonas: Neben Jonas hielt ein E-Lieferwagen. Grau. Keine Aufschrift. Ich steckte Sam in die Tasche, richtete mich auf. Aber ich kam nicht mehr dazu, dem Fahrer was zu sagen. Die Seitentür des Wagens öffnete sich, Hände packten zu, zogen Jonas ins Innere. Der Lieferwagen fuhr los. Palma: Kein Grund zur Besorgnis, Herr Jonas, wir möchten Ihnen ein interessantes Angebot unterbreiten. Jonas: Und dazu müssen Sie mich kidnappen. Palma: Nicht doch, Herr Jonas, wir haben Sie nur aufgefordert, näherzutreten, etwas abrupt, das gebe ich zu. Nehmen Sie Platz. Soweit wir informiert sind, bevorzugen Sie echten Scotch. Wäre Ihnen ein Old Forrester recht? Soda? Eis? Wasser? Jonas: Was außen wie ein E-Lieferwagen aussah, war innen ein Salon, Hausbar, Sofa, roter Plüsch. Arte Bordello 1900. Oder so. Die Frau paßte ins Ambiente wie die allseits bekannte Faust aufs Auge. Kimono, schwarze Lackperücke, Stöckelsandalen, keine Schlitzaugen, eine nippophile Europäerin, die Aufmachung stand ihr. Bis auf den Knopf im Ohr, ein Stilbruch, ein Produkt aus der Retorte, synthetisch wie der Whisky. Jonas: Warum kein Sake Madame Butterfly oder Champagner? Passend zur Möblierung. Palma: Weil wir wissen, daß Sie beides nicht trinken, Herr Jonas. Jonas: Sehr aufmerksam. Sie sagten was von einem interessanten Angebot. Palma: Werfen Sie einen Blick auf dieses Holoporträt, Herr Jonas. Jonas: Grimmiger alter Knabe, kommt mir irgendwie bekannt vor. Palma: Mein Großvater. Jonas: Angenehm. Hat er auch einen Namen. Palma: Palm, ich meine Palmström, er ist entführt worden aus dem Pflegeheim. Sam: Piep Piep Piep! Palma: Herr Jonas, bei Ihnen piepts! Jonas: Sam, mein Computer piept und rollt und redet. Sam: Und weiß was. Jonas: Was weißt du Sammy? Sam: Ach Luftklavido, was ich weiß, trotz heftiger Bedrängnis durch seinen unsensiblen Herrn und Meister ist es Sam gelungen, das Nummernschild dieser rollenden Drahtstudierbüro zu erspähen. Und was frage ich Sie, gnädige Frau, haben gezielte Nachforschungen beim babylonischen Verkehrsamt ergeben? Häh? Jonas: Machs nicht so spannend Sam. Wem gehört die Kiste? Sam: Kurz und gut der W-O-R-F. Jonas: Ach was. Die WORF. Die Partei für Wohlstand, Ordnung, Recht und Freiheit, lange Zeit in Babylon an der Regierung, jetzt in Opposition, weil sich vier kleinere Parteien zu einer Regierungskoalition zusammengeschlossen hatten. Glück für alle, Weiter so, Leistung muß sich lohnen und Vor allem Gesundheit. Sam: Interessant gelle. Jonas: Und aufschlußreich. Jetzt wird mir einiges klar. Sam: Kuck mal wer da spricht, hehe, das bin ich, aber kuck mal wie er auf einmal hupft, mein intellektueller Hinkefuß und Lahmbeutel, bravo. Und was ist euer Merkwürden denn klar geworden zum Bleistift. Jonas: Weshalb mir der alte auf dem Bild so bekannt vor kam, wozu Madame Butterfly einen Knopf im Ohr trägt und warum sich dieser rote Samtvorhang ab und zu bewegt, als ob jemand dahintersteckt. Sack: Sie haben unser Spiel durchschaut, Herr Jonas, sehr schön. Sie kennen mich. Jonas: Saladina Sack. Sam: O Hauerauera, die große Vorsitzende der WORF. Tatä-tätät-tätä. Sack: Ich bin hocherfreut Sie persönlich kennenzulernen, Herr Jonas. Jonas: Ich eher weniger Frau Sack. Was soll das Affentheater. Sack: Nur ein kleiner Test Herr Jonas. Ihr Name, ihr Ruf, ihre Qualitäten sind uns selbstverständlich vertraut, spätestens seit der unglückseligen Harry-Hauer-Affäre. Sam: Fall Attentat August 2012. Sack: Richtig. Dennoch mußten wir uns vergewissern, ob Sie wirklich der rechte Mann sind für die Aufgabe die wir ihn zugedacht haben. Sam: Er ist der rechte Mann, er nimmt nämlich Herrenkapseln. Sack: Aha. Ja also es handelt sich um eine höchst diffizile Angelegenheit, die äußerste Diskretion erfordert, wir benötigen einen ausgewiesenen Spezialisten. Sam: Das ist er. Jonas: Jonas ist Spezialist für rohe Eier und heiße Kartoffel. Auf meinem Türschild steht Jonas, nur Jonas, Privatdetektiv, der letzte seines Zeichens. In Babylon der großen Stadt und drumherum. Reich ist Jonas dabei nicht geworden, dafür hat er Erfahrung. Und jede Menge Beulen. Sack: Ich denke wir haben ihn gefunden unseren Spezialisten, sind Sie frei, Herr Jonas, sind Sie bereit für uns, für die WORF tätig zu werden. Jonas: Kommt drauf an. Sack: Worauf. Jonas: Worum es geht und was Sie zahlen. Sack: Was kosten Sie? Jonas: 120 Euros wie ich hier stehe, pro Tag und Spesen. Sam: Und wenn er liegt das doppelte. Sack: Das ist mir egal. Wir zahlen ihnen 10.000 pauschal, und Sie werden sich jeden einzelnen Euro hart verdienen müssen. Jonas: Der alte Mann auf dem Holoporträt. Sack: Genau Herr Jonas. Jonas: Er heißt nicht Palmström. Sack: Natürlich nicht. Sam: Er heißt Lars Rindström. Jonas: Korf hieß er. Dr. Herbert Korf. Korf von der WORF, hochberühmter Alt- und Expolitiker, Ehrenvorsitzender der Partei, schon seit Jahren nicht mehr aktiv, wenn er sich auch gelegentlich zu Wort gemeldet hatte. Aber Korf konnte nicht entführt worden sein. Sack: Glauben Sie Herr Jonas, warum nicht. Jonas: Weil er tot ist, gestorben vor 4 Wochen. Sack: Am 15. April 2014, sehr richtig Herr Jonas. Jonas: Die Partei hat ihn mit großem Trara unter die Erde gebracht, Sie selbst Frau Sack haben die Grabrede gehalten. Sack: Hat sie Ihnen gefallen Herr Jonas. Was ich Ihnen jetzt mitteilen werde, Herr Jonas, muß unter allen Umständen unter uns bleiben. Ich erwarte von Ihnen absolute Verschwiegenheit. Jonas: Verständlich, denn was erzählte mir Saladina Sack. Korf war nicht gestorben, er lebte, gerade noch, Korf hatte Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium, und die Partei hatte ein großes Problem, weil ihre politischen Gegner keine Hemmungen hatten, sie hätten sich den Alten gegriffen, ihn im Holo als sabbernden Trottel vor geführt, und der Partei damit schwer geschadet. Darum ließ die Führung der WORF ihren Ehrenvorsitzenden dahinscheiden und begrub feierlich einen leeren Sarg. Sack: Korf haben wir heimlich in ein privates Pflegeheim gebracht, unter dem Namen Palmström. Sam: Palmström hat nicht Speck im Haus, dahingegen eine Maus, Korf bewegt von seinem Jammer, baut ihm eine Gitterkammer. Sack: Morgenstern, so ist es. Ein gebildeter Computer den Sie da haben Herr Jonas. Sam: Siehste Jonas siehste. Ja o Dank hohe Frau. Man tutet wie man kann und man kann vieles. Nicht daß mein intellektueller Unterrichtung weitestgehend ermangelnder Meister solches zu schätzen wüßte, o goldene Worte aus dem Schatzkästlein der Weltliteratur. Jonas: Brauchen wir jetzt nicht. Halt die Backen Sam. Sam: Ja. Jonas: Wir waren bei Korf, Frau Sack, alias Palmström, im Pflegeheim. Sack: Nur der Heimleiter war eingeweiht, er gehört zum Direktorium der WORF und natürlich die handverlesenen Parteisoldaten, die das Heim rund um die Uhr bewacht haben. Jonas: Trotzdem ist Korf entführt worden. Sack: In der Tat, Herr Jonas, letzte Nacht. Jonas: Von unten waren sie gekommen, aus dem unterirdischen Versorgungs-system, Abwasser, Kabel etc. Von da durch den Keller, die Wachen hatten sie umgebracht, dann waren sie verschwunden, mit Korf, mit ein paar anderen Insassen, mit dem Heimleiter. Sack: Wir sind sicher, daß er mit den Entführern unter einer Decke steckt, nur er kann ihnen den Tip gegeben haben, wer Palmström wirklich ist. Jonas: Anzunehmen. Sie haben die Kidnapper verfolgt. Sack: Selbstverständlich, ein überlebender Wächter hat uns informiert und wir haben sofort einen Trupp Parteisoldaten vom nächsten WORF-Stützpunkt losgeschickt. Jonas: Pflegeheim Keller. Sack: Mit dem Quicklift nach unten zum Abwasserkanal, und da lag der erste Wegweiser. Jonas: Wegweiser? Sack: Ja, einer der mitgeschleppten Heimbewohner, tot, lang ausgestreckt, die rechte Hand zeigte die Richtung an. Jonas: Die Kidnapper wollten also verfolgt werden. Sack: Aus gutem Grund, nach ein paar Kilometern durchs Abwassersystem, vorbei an weiteren ausgelegten Leichen, kamen unsere Leute an eine Mauer, quer über den Kanal. Jonas: Lassen Sie mich raten Frau Sack, die Grenze zur Unterwelt. Sack: Ganz recht, Herr Jonas, in die Mauer war ein Loch geschlagen, und vor dem Loch lag ein Toter, der letzte, in der Hand hatte er diese Botschaft: Jonas: An die Führung der WORF, Sie haben die Wahl, Sie schicken morgen 13. Mai 2014, genau 23 Uhr 55, sinnig, fünf vor zwölf, einen Robomessenger mit 25 Millionen Euros durchs Loch, worauf Sie ihren Mann umgehend zurückerhalten, oder Sie tun das nicht, und wir übergeben ihn Holonews, Ihr Schwindel fliegt auf, Ihre Partei ist erledigt, es lebe der urbane Befreiungskampf, die Stadtguerilla. Die Stadtguerilla. Sack: Auferstanden aus Ruinen wie es scheint. Jonas: Vor knapp zwei Jahren war der Terrorverein, der sich Stadtguerilla nannte, vernichtet worden, durch eine Großaktion der Polizei, ein denkwürdiges Geschehen für Jonas, Judith Delgado war dabei umgekommen, und ich hatte Karla kennen gelernt, die Chefin der Stadtguerilla, sie war entkommen und hatte sich ins Reservat zurückgezogen, um eine neue Truppe aufzubauen. Offenbar war es ihr gelungen. Sack: Wir haben nicht vor, das Lösegeld zu bezahlen, Herr Jonas. Jonas: Sie können nicht. Sack: Und wir wollen nicht. Jonas: Aber Sie wollen auch nicht, daß ihr angeblich toter Korf als lebender Alzheimer im Holo präsentiert wird. Sack: Natürlich nicht. Jonas: Also müssen Sie runter und ihn rausholen. Sack: Sie werden Dr. Korf befreien Herr Jonas, und ihn uns wiederbringen. Jonas: Warum nicht Ihre Parteisoldaten. Sack: Weil die nicht in die Unterwelt gehen, es sind gute Leute, brauchbar und tüchtig, aber das kann ich von ihnen nicht verlangen. Jonas: Die Polizei. Sack: Untersteht der Regierungskoalition, unseren Gegner, kommt nicht in Frage. Sie sind unser Mann, Herr Jonas. Sie sind Spezialist für riskante Aufgaben, erfahren und politisch unabhängig. Nehmen Sie den Auftrag an? Jonas: Jonas kennt die Unterwelt, die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat, der wüsten Ruinenlandschaft im Südosten von Babylon, die bis zu den großen Unruhen in den späten 90ern ein intaktes Stadtviertel gewesen war. Die Unterwelt ist ein Labyrinth von Gängen und Höhlen, von Abwasserkanälen und Kabelschächten, von Atomschutzbunkern und Recyclinganlagen, alle nicht mehr in Betrieb, verfallen, aber nicht verlassen, Lemuren hatten sich hier eingenistet, und Ratten, Millionen von Ratten. Oben das Reservat war schlimm, die Unterwelt war schlimmer. Viel schlimmer. In die Unterwelt gingen nur Irre. Jonas war irre. Und er brauchte Geld. Apropos. Jonas: 25 Millionen Euros. Sack: Was ist damit Herr Jonas. Jonas: Die sparen Sie, wenn ich Korf aus der Unterwelt hole. 1 % für Jonas. Sack: 250.000 Euros? Jonas: Erfolgshonorar. Dafür tu ich's. Sonst nicht. Sack: Einverstanden. Palma wird Sie begleiten. Jonas: Palma? Palma: Palma Kunkel, so heiße ich. Jonas: Madam Butterfly, in die Unterwelt, im Kimono, wunderbar, dann ziehe ich den Frack an, den ich nicht habe. Und das Promenadenorchester spielt dazu den Kirschblütenwalzer. Palma: Täuschen Sie sich nicht, ich bin Kampfsportlerin. Sack: Eine sehr gute, das kann ich ihnen versichern Herr Jonas. Palma arbeitet im Tiefbauamt. Jonas: Oha. Sack: Sie hat Pläne und Karten, kennt sich aus in der Unterwelt. Bei einem so gefährlichen Unternehmen brauchen Sie Rückendeckung. Sam: Backup wie der Experte sich ausdrückt. Äh, sagen Sie mal, heißen Sie wirklich und wahrhaftig Palma Kunkel, Palma die Kunkel die im Dunkeln kunkelt, Palma Kun-kel ist mit Palm verwand doch im übrigen nicht bekannt. Und sie wünscht auch nicht. Jonas: Morgenstern. Sam: Morgenjonas. Morgenstern. Eben der selbige, ist das nicht ein Zufall, hä? Jonas: Wir trafen uns am Abend um 9 in der Südstadt, nicht weit vom Reservat, Madam Butterfly alias Palma Kunkel blieb bei ihrer Masche, Synthstimme, grauer Ninjaanzug, Kamikazestirnband, langes Samuraischwert über der Schulter, kurzes im Gürtel, Jonas trug sein altes schwarzes Kampfoutfit aus dem Antarktischen Krieg, und war behängt wie wie... Sam: Wie ein ambulanter Klempnerladen, Meister. Helm mit Lampe und Nachtsichtbrille, Wärmflasche, abgesägte Schrotflinte, Flammenwerfer mit Schockgranaten, ein veritables Arsenal, Herr Oberfeuerwerker. Jonas: Du reist auch nicht gerade mit leichtem Gepäck, Sammy. Mobilsystem, Kompaß, Leuchte, Infrarotgerät, vollaufgetankter Hochleistungsakku, fehlt nur noch die eingebaute Hausbar. Sam: Hättest du gern was alter Saufladen. Warum Schrotpuste und Feuerspucker, heißgeliebte Knalltüte, warum nicht Laser, warum nicht Neurofreezer? Jonas: Das ist Stil, Sammy. Archaische Waffen für ein archaisches Ambiente. Stop. So, jetzt können Sie auch runter, Madame Butterfly. Palma: Ich komm runter. Sam: Na denn mal tau. Jonas: Wir gingen nicht durch den Keller im Pflegeheim, Jonas hatte einen Plan, Jonas kannte eine Hintertür, in einer verlassenen Metrostation im Reservat, ein Liftschacht, natürlich kein Lift mehr, ein paar tapfere Parteisoldaten waren mit gekommen, sie ließen uns an Seilen runter und blieben oben, als Wache und Rück-versicherung, schließlich wollten Jonas und Butterfly irgendwann wieder raus. Und dann waren wir womöglich in Eile. Am Ende des Schachts ein horizontaler Gang, ein alter Abwasserkanal, seit Jahren trocken, in etwa, dunkler Belag auf den Ziegeln, Salpeter, Schimmel und Schlimmeres. Die Luft ließ sich atmen, riechen weniger. Es stank, noch immer. Der Gang war niedrig, wir mußten die Köpfe einziehen, Butterfly gab die Richtung an, nach ihrer Karte, es war dunkel, bis auf die Lichtkegel unserer Lampen, und still, bis auf das leise Klappern unserer Ausrüstung. Der Gang mündete in die Halle einer ehemaligen Recyclingstation, wo früher Scheiße zu Brühwürfeln veredelt wurde, wir hörten schon früh ihren Rekorder, altmodischer Rock’n Roll, und sahen ihre Lichter, sie warteten an der Grenzmauer vor dem Loch, zwei Gestalten in Overalls mit Sturmgewehren, sie fühlten sich sicher, keine Wache, gut so. Wir machten die Lampen aus, gingen im Dunkeln weiter, vorsichtig, bis der Gang aufhörte und die Halle anfing, da blieben wir stehen und warteten auch. Palma: Wie spät? Jonas: Sammy? Sam: Genau 23 Uhr 54 Minuten und 40 Sekunden. Palma: Ist gleich soweit. Jonas: Wenn ihre Leute spuren, Butterfly. Palma: Keine Sorge, Jonas, hören Sie, sehen Sie. Jonas: Da kam er durchs Loch, pünktlich auf die Sekunde, ein Robomessenger, einfachste Ausführung, ein offener Behälter mit Beinen, im Behälter ein Sack, ein schwerer Sack, die zwei Typen wuchteten ihn raus und fingen an, ihn aufzuschnüren. Sam: 5,4,3. Jonas: Hinlegen Butterfly, Augen zu, Hände auf die Ohren. Sam: 1, zoro. Jonas: Eine Schockgranate mit Zeitzünder, im Sack, wie verabredet, ungeheuer laut, ungeheuer hell, ungeheuer überraschend. Unsere beiden Freunde waren einige Sekunden außer Gefecht. Blind, taub, unter Schock. Wir kamen aus der Deckung. Schnell. Jonas hatte die Schrotflinte im Anschlag. Butterfly fuchtelte mit ihrem Schwert. Palma: Hu. Hei. Jonas: Was? Halt, stehenbleiben. Ganz wie du willst. Siehste. Jonas: Einer der beiden bekrabbelte sich schnell, er sah uns kommen und rannte weg. Jonas schoß ihm eine Ladung Schrot in den Arsch. Er hinkte weiter und verschwand hinten in einem Gang. Butterfly hatte sich inzwischen um den anderen gekümmert. Palma: So, der macht uns keine Probleme mehr. Jonas: Sie haben ihn umgebracht, Butterfly. Palma: Ein sauberer Okesa von der linken Schulter zur rechten Hüfte. Und dann hab ich ihm den Rest gegeben. Kamikatiwari durch den Schädel. Jonas: Na großartig. Wie ein gelernter Schlächter. Hatten wir nicht vereinbart, daß wir die Typen lebend fangen, damit sie uns verraten, wo sie Korf versteckt haben. Palma: Ist ja noch einer da, der den Sie angeschossen haben. Und der kommt nicht weit. Was war das? Jonas: Unser Freund, da hinten im Gang, kommen Sie Butterfly. Jonas: Nach gut 100 Metern fanden wir ihn, das heißt was von ihm übrig war. Seine Knochen. Sauber abgenagt. Bis auf ein paar Fleischfetzen. Palma: Ratten. Jonas: So sieht's aus. Sie haben ihn aufgeknabbert. Palma: Und so schnell. Sie müssen noch in der Nähe sein. Jonas: Hinter den Wänden, nehm ich an, sehen Sie, überall Löcher. Palma: Ich hasse Ratten. Jonas: Ich mag sie auch nicht besonders. Sam: Sammy hat nichts gegen Ratten, nette kleine Tiere und so hübsche lange Schwänz und so clever. Jonas: Du hast gut reden, Sam, du bist aus Plastik und Metall, an dich gehen sie nicht ran. Palma: Unsere beiden Informanten sind tot, Jonas, wie finden wir jetzt Korf. Jonas: Ganz einfach. Wir gehen weiter, diesen Gang lang. Palma: Nur so oder haben Sie einen bestimmten Grund. Sam: Nu paß mal auf Tante Trude, Sammy wird dir die ganze Sache mal verhakseln, so ganz langsam zum Mitschreiben. Sofern Gnädigste des Schreibens überhaupt kundig sind, so nun paß auf. Der sowohl dahingeschiedenen als auch abgeknabberte hat sich, obschon ihm diverse Gänge zur Verfügung standen, in diesen nämlich hier geflüchtet, klar? Palma: Klar Sammy. Sam: Also führt dieser Gang dorthin, wo seine Genossen sich aufhalten. Auch klar? Palma: Klar. Sam: Und wo die sich befinden dort weilet auch der Meister Korf. Alles klar. Jonas: Klar. Wir gingen weiter, vorsichtig, wachsam, die Waffen in Bereitschaft. Ab und zu hörten wir was, leises Quieken, Rascheln in den Wänden. Und wenn wir uns umdrehten, sahen wir im dunkeln Gang hinter uns rötlich leuchtende Punkte. Immer zwei nebeneinander, viele, sehr sehr viele. Jonas hatte sich schon besser gefühlt. Dann fingen auch noch die Trommeln an, weit voraus. Signale der Lemuren. Sam: Was sprechen Trommeln, Wahna Tarzan. Jonas: Woher soll ich wissen Sahib. Sam: Trommeln sprechen Fleisch kommen, weißes Fleisch, hmh, lecker lecker. Jonas: Find ich nicht sehr witzig. Sam: Na ich merk schon, kein Sinn für schwarzen Humor du trübe Tasse, traurig traurig. Jonas: Plötzlich teilte sich der Gang, wir blieben stehen. Was jetzt? Wo ging's weiter. Welche Gabelung war die Richtige. Palma: Links. Jonas: Links. Warum. Palma: Weil die Typen die wir suchen linke Vögel sind. Jonas: Haha. Ich bin für rechts. Was meinst du Sammy. Sam: Sammy hält sich da raus. Jonas: Typisch, wenn man dich mal braucht. Also gut, Jonas ist der Kommandant der Expedition, und Jonas sagt Einstein: Links. Jonas: Was? Einstein: Rechter Weg ist links, bitteschön. Jonas: Wer ist da? Einstein: Einstein. Jonas: Das glaub ich nicht. Einstein: Einstein, mein Name, sehr erfreut bitteschön. Jonas: Kommen Sie raus, wer immer Sie sind. Einstein: Einstein kommen nicht erschrecken bitteschön, Einstein Freund gut Freund. Palma: Ih. Sam: Selber ih. Jonas: Aus dem dunklen Abzweig links kam er langsam ins Licht unserer Lampen, Einstein, eine Ratte, eine außergewöhnliche Ratte, kalkweiß, rote Augen, ein Albino, ein Riesen-Rattenalbino, halber Meter mindestens, Schwanz inklusive, immerhin, und reden konnte das Biest auch noch. Einstein: Einstein lernen menschliche Sprache von Dr. Matrix in Genlabor, Universität Babylon, bitteschön, Dr. Matrix sagen immer: du beste Ratte, klügste Ratte von allen, du heißen Einstein. Palma: Ein Versuchstier, genmanipuliert. Jonas: Und total verkorkst, nicht näher, Einstein, bleib stehen. Einstein: Keine Angst bitteschön, Einstein lieben Menschen. Jonas: Kann ich mir denken, gekocht, gebraten oder roh? Einstein: O nein, Einstein Vegetarier, bitteschön, Einstein Freund, Einstein wollen helfen. Jonas: So, helfen willst du uns. Wie? Einstein: Einstein wissen alles, bitteschön, Einstein wissen wo böse Menschen von oben alten Mann verstecken. Palma: Und wo? Jonas: Zeigs uns auf der Karte. Einstein: Sorry, Einstein nicht können lesen, bitteschön. Dr. Matrix wollen lernen Einstein lesen, schreiben, rechnen, aber Einstein laufen fort von Genlabor. Jonas: Warum? Einstein: Einstein haben Heimweh, haben Sehnsucht nach Genossen Ratten, nach Gemeinschaft, Gesellschaft, Freundschaft, bitteschön, aber Ratten hier ganz dumm, rückständig, sie nicht lieben Einstein, weil Einstein sein groß und weiß und schlau, weil Einstein sein anders, sie nicht wollen Einstein, sie jagen weg Einstein. Jonas: Sieh an, auch die Ratten sind Rassisten. Einstein: Einstein unglücklich, Einstein wollen zurück zu Dr. Matrix, wenn Freunde mitnehmen Einstein nach oben zu Genlabor, Einstein führen Freunde zu alten Mann. Bitteschön. Palma: Was meinen Sie Jonas, trauen wir ihm? Jonas: Teils teils, einerseits machte Einstein einen ganz überzeugenden Eindruck, andererseits ist Jonas mißtrauisch aus Prinzip. Aber wir mußten Korf finden, darum gingen wir auf Einsteins Angebot ein und ließen uns von ihm führen. Durch den linken Gang, dann über eine verrottete Treppe nach unten, durch eine Tür mit dem schwarzgelben Zeichen, Nuklearschutz, dahinter ein Korridor, relativ neu, relativ sauber, Butterfly studierte ihre Karte, aber die half ihr nicht weiter, Jonas blieb wachsam und Sammy maulte. Sam: Links, rechts, links rechts, da trotteln wir wie die Vollidioten hinter einem häßlichen nackten Schwanz her, und der Rest von dem Kerl ist auch nicht schöner. Jonas: Ich dachte du magst Ratten, Sammy. Nette Tiere und so clever. Sam: Ach Einstein ist doch keine richtige Ratte, Einstein ist eine vermurkste Kreatur, ein Wechselbalg, ein Monstrum, ein Mordstrum, ein gentechnischer Betriebsunfall und so was spuckt hier große Töne. Jonas: Du bist eifersüchtig Sammy, eifersüchtig auf Einstein, weil er dir irgendwie ähnlich ist, intelligent, munter, verbal. Sam: Was? Verbal nennst du das du Charakterwanze? Sammy ist verbal, Sammy redet korrekt wie ein Buch. Jonas: Wie eine Bibliothek Sammy. Sam: Einstein redet nicht, Einstein bricht rad, Einstein stammelt und stottert und. Jonas: Sei mal nen Moment still, Sam. Sam: Ja. Jonas: Riechen Sie's auch Butterfly. Palma: Braten. BBQ. Jonas: Jede Wette, das ist Echtfleisch, kein Sojasteak. Einstein: Wir sind gleich da, Freunde. Jonas: Da, wo Einstein, auf einer Grillparty? Einstein: Hauptquartier von Lemuren, bitteschön, böse Menschen von oben haben gemacht Vertrag mit Lemuren, können bleiben bei Lemuren mit altem Mann 3 Tage. Palma: Und woher weißt du das Einstein. Einstein: Einstein sehen alles hören alles wissen alles bitteschön. Jonas: Wie du Sammy. Sam: So was muß sich ein ehrbarer Computer nicht bieten lassen. Einstein: Ruhe bitteschön, Vorsicht bitteschön, da vorn hinter Knick stehen Wächter von Lemuren. Palma: Den übernehme ich mit meinem Makitaschi. Jonas: Kein Problem für die Ninja-Androidin Butterfly und ihr scharfes kleines Samuraischwert. Jonas steckte den gekränkten Sam in die Tasche, nahm Einstein auf die Schulter, stieg leise über den toten Lemur, und folgte mit Butterfly dem Bratenduft und dem flackernden Feuerschein, bis der Korridor sich zu einem großen Raum erweiterte, da blieben wir stehen, im Schatten, unsichtbar, der Raum wimmelte von Lemuren, bleichen Gnomen mit wäßrigen Augen. Lemuren sehen nicht gut, sie haben sich ihrer unterirdischen Umgebung angepaßt, vor Jahren sind sie abgetaucht aus dem Reservat in die Unterwelt. Obdachlose, Freaks, illegale Drittweltler, Flüchtlinge, die sich oben nicht mehr sicher fühlten. Palma: Mein Gott was ist das? Jonas: Ein ehemaliger Gemeinschaftsraum im Atombunkersystem. Palma: Nein, ich mein, was sich da dreht, in der Mitte, über dem großen Feuer. Jonas: Der Spießbraten. Genau was Sie vermuten Butterfly. Sam: Ich rieche rieche Menschenfleisch. Jonas: Lemuren sind Kannibalen, nachts steigen sie aus der Unterwelt und jagen Fleisch, wenn das Fleisch nicht zu ihnen kommt, wie die Stadtguerilla, drei Figuren im Overall lagen auf dem Boden, gefesselt, eine der drei kannte ich, Karla. Karla: Sie brechen unser Abkommen, wir haben ihnen Fleisch gebracht, zwei Menschen wir abgemacht. Lemur: Sehr nett von Ihnen meine Liebe, leider nicht genug, wir sind sehr hungrig, zwei Menschen reichen uns nicht, wir wollen mehr, wir wollen euch alle, Fleisch! Einstein: Böse Menschen von oben sind dumm, sie trauen Lemuren, Lemuren sie werden braten und essen, Lemuren nicht Vegetarier wie Einstein, bitteschön. Jonas: Offensichtlich. Palma: Korf, Jonas, da ist Korf. Jonas: Richtig, da war er, am Rand rechts, ganz allein, wahrscheinlich war er den Lemuren zu alt und zu zäh, er trug eine Art Nachthemd und steckte in einem Einkaufswagen vom Supermarkt, Arme und Beine hingen über den Rand, er bewegte sich kaum, starrte teilnahmslos vor sich hin. Palma: Holen wir ihn raus, Jonas. Jonas: Deshalb sind wir ja hier. Die Frage ist wie. Sam: Merke. Die alten Tricks sind meist die besten. Jonas: Sagt wer. Sam: Sagt Sammy du Dumpfbacke. Jonas: Schockgranate zum zweiten. Sam: Grünau. Jonas: OK, Jonas wirft Granate, Butterfly rennt los, schnappt sich den Einkaufswagen, kommt damit zurück. Palma: Alles klar. Sie halten mir den Rücken frei Jonas. Jonas: Mit der Schrotflinte. Countdown Sammy, fang an. Sam: Zu Befehl. Countdown. Piep. Einstein: Was sein Schockgraten bitteschön. Sam: Wirst du gleich hören du Spotgeburt aus Quark und Weißkohl. Jonas: 3,2,1, zero. Bumm. Lemuren schwer geschockt, Butterfly flitze Richtung Korf, Jonas flitzte auch zur Feuerstelle, wo die Gefangenen klagen, Jonas zerschnitt Karlas Handfesseln, und ließ das Messer neben ihr liegen, eine Hand wäscht die andere. Vor zwei Jahren hatte Karla Jonas geholfen, jetzt half Jonas Karla, Hilfe zur Selbsthilfe, alles weitere war ihre Sache. Jonas folge Butterfly in den Korridor, rückwärts, die Schrotflinte im Arm, unnötige Vorsicht, die Lemuren kamen uns nicht nach. Schock, oder sie wollten sich nicht von ihrem Braten trennen. Korf: Aua, der Verfall der, au... in diesem unseren Lande. Au. Wohlstand, Ordnung, Recht und Freiheit, au, das tut doch weh. Palma: Erkennen Sie mich, Herr Dr. Korf, wissen Sie nicht mehr, wer ich bin. Korf: Mama, tut weh, meine Verdienste um die europäische Einigung in diesem unserem Verfall, au. Aufhören. Jonas: Recht hat er. Lassen Sie's langsamer angehen, Butterfly, sonst schmeißen Sie den Kinderwagen noch um. Sie sollten Ihr altes Baby mal windeln, Mutterfly. Palma: Sehr komisch. Korf: Mama. Nach Hause, Herbert will nach Hause. Jonas: Wir tun was wir können, Dr. Korf. Einstein: Gehen Freunde zurück nach oben bitteschön? Jonas: Das hoffen wir, Einstein. Einstein: Nehmen Einstein mit, bitteschön. Sam: Mama, Einstein will nach Genlabor. Jonas: Ja, Einstein wir nehmen dich mit. Kennst du den Weg zur alten Metrostation, wo wir runtergekommen sind? Einstein: O ja, Einstein kennen Weg, Einstein kennen Abkürzung. Freunde folgen Einstein bitteschön, Freunde haben Vertrauen zu Einstein. Sam: Holdriadidö. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagt Shakespeare. Jonas: Wirklich Sammy. Also los, Lauf voraus, Einstein, ich behalt dich im Auge. Einstein: Freunde eng zusammenbleiben, bitteschön, Weg sehr gefährlich. Jonas: Das glaub ich dir aufs Wort, verfressene Lemuren, deine ebenso verfressenen Artgenossen. Einstein: Und Grauen der Tiefe, Freunde, noch schlimmer noch gefährlicher. Palma: Grauen der Tiefe, was ist das? Einstein: Plötzlich sich öffnen Loch im Boden, ganz tief, ganz schwarz, unten Geräusch, unten Bewegung, ganz böse, ganz schrecklich, Grauen der Tiefe, haben nicht Namen, haben nicht Gestalt. Korf: Mama, nach Hause. Sam: Und Sammy macht jetzt Pause. Jonas: Wir waren lange unterwegs, manchmal ferne Lemurentrommeln, manchmal nahes Rattenrascheln. Keine besonderen Vorkommnisse, vorerst. Die Gänge wurden niedriger, wärmer, feuchter und muffiger. Es roch nach Müll, nach Tod und Verwesung, Jonas löste Butterfly ab, übernahm Wagen und Korf, der hatte den Daumen im Mund und schlief. Der Abfallgestank nahm zu. Jonas sah hoch. Einstein, Wo war Einstein? Palma: Ein Stück voraus hinter der Ecke, er hatte es auf einmal sehr eilig. Einstein. Jonas: Einstein wo steckst du. Sam: Wer ist er, der liebe Einstein. Verschwunden, abgehauen. Und mein Volltrottel von Jonas sitzt mächtig in der Kacke. Jonas: Da ist was dran, Sammy. Einstein! Sam: Jaja, brüll du nur als wie ein Nebelhorn im Stimmbruch. Es wird dir nimmer was nützen: Selber schuld du Schwachkopf. Trau schau wem. Jonas: Sagt Shakespeare, sagt Morgenstern. Sam: Und Sammy. Jonas: Ich sag dir was Sammy, ihr habt recht, alles drei. Wo sind wir, Butterfly, was sagt die Karte. Palma: Gar nichts. Keine Ahnung, wo wir sind. Sam: Jedenfalls nicht auf dem rechten Weg nach Hause, soviel steht fest geschätzter Herr, liebwerte Dame. Tief unter dem Reservat, tief unter der Versorgungsebene, im Zentrum, der Unterwelt. Nein, nicht bei Jacque Offenbach, nein nein im Herzen der Finsternis. So sieht's aus Leute. Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Jonas: Schnauze. Sam: Sammy hat doch nur versucht zu warnen und zu mahnen, doch fand er Gehör, nein, mitnichten. Es war so finster und auch so bitter kalt. Jonas: Schluß mit dem Konzert Sam. Mach dich nützlich. Sam: Mach dich nützlich. Mach dich nützlich. Kann es denn wahr sein, o ihr Völkerscharen, Sammy wird gebraucht. Sammy wird benötigt. Halleluja und abermals Halleluja. Jonas: Amen. Roll vor und kuck vorsichtig um die Ecke, und vor allem halt den Mund. Palma: Sie sprechen mir aus der Seele, Jonas. Sam: Halt den Mund. Jonas: Sam rollte und linste ums Eck, nach ein paar Sekunden fuhr er seinen Gummifinger aus und winkte uns, heftig. Jonas und Butterfly sahen sich an, zuckten die Achseln, folgten Sam. Wir standen und starrten durch unsere Infrarotbrillen, vor uns lag eine ungeheure Höhle, weiter als der Europaplatz in Babylon, höher als der Holoturm, aber deshalb starrten wir nicht, wir starrten, weil sich mitten in der Höhle eine gewaltige Kathedrale erhob, ein Riesenbau aus Müll, aus Abfall und Lumpen, aus Draht und Blech, aus Plastik und Knochen, und wir starrten wegen der Ratten, es waren tausende, abertausende, vielleicht Millionen, sie quiekten nicht, sie raschelten nicht, sie waren ganz still, und sahen mit leuchtenden Knopfaugen zum Eingang, wo wir standen, ganz vorn ein heller Fleck im graubraunen Rattenteppich, Einstein, neben ihm ein monströses Wust, eine Ballung, eine Masse, so groß und so rund wie das Rad eines Supertrucks. Ein Knäuel von mehr als 100 Ratten, zusammengewachsen, ineinander verfilzt, an den Schwänzen verknotet. Palma: Der Rattenkönig. Jonas: Vor seinem Palast. Sam: In seinen Unterhosen und mit seinen Untertaten. Die warten auf uns. Palma: Einstein du Verräter. Sam: Jawohl du treulose Tomate, lasche Pflaume, falscher Funfziger. Einstein: Einstein es sich haben überlegt, Einstein wollen nicht in Genlabor, Einstein bleiben hier in Unterwelt bei Genossen. Ratten jetzt nehmen Einstein auf, Ratten lieben Einstein, Einstein ihnen bringen drei fette Menschen. Palma: Fett? Ich oder Korf? Jonas: Von Jonas ganz zu schweigen. Einstein: Einstein bringen Waffen. Sam: Und einen Computer nicht zu vergessen. Einstein: War Einstein Vergnügen. Bitteschön. Bye bye Freunde. Palma: Was tun wir? Jonas: Zwei Optionen, wir lassen uns fressen, oder wir laufen weg. Suchen Sie sich eine aus, Butterfly. Palma: Drei Optionen, wir kämpfen und gehen unter als Helden. Jonas: Ohne mich, lassen Sie die Schwerter stecken, Butterfly, die bringen hier gar nichts. Wenn ich los sage, nehmen Sie den Wagen und sehen zu, daß Sie verschwinden, zurück durch den Gang. Palma: So. Und Sie Jonas. Jonas: Ich decke den Rückzug. Palma. Womit. Schockgranaten zu Dritten. Jonas: Äh äh. Nicht effektiv genug. Flammenwerfer. Das beste gegen Ratten und anderes Ungeziefer. Sammy? Sam: Jawohl. Bei der Arbeit. Jonas: In die Tasche. Sam: Ach nein. Nicht schon wieder. Jonas: Los. Jonas: Mit dem ersten Feuerstrahl erwischte ich Einstein, er wurde erst rot und sehr laut, dann schwarz und still, der zweite Strahl für den Rattenkönig, er ging in Flammen auf, quiekte wie am Spieß, verschmorte zu einem unförmigen Klumpen, die Ratten drehten durch, die vorderen wollten zurück, die hinteren drängten nach vorn, sie krabbelten und quietschten, Jonas trat zwei Schritte zurück und schwenkte die Düse, bis der Tank leer war. Ziel erreicht. Der Ausgang der Höhle war dicht, verstopft durch einen Wall verkohlter Rattenleichen, bis die Überlebenden sich durchgebissen hatten, würde es dauernd. Wir waren sicher, fürs erste. Sam: Kein Grund, faul rumzulümmeln, allerwerteste Sportskameraden, auf auf hopp hopp, hip hip hurra, den letzten beißen die Ratten. Korf: Mama was ist, kommen die Russen. Jonas: Keine Angst Herbert, schlaf weiter. Wir bringen dich nach Hause. Korf: Ja, nach Hause. Jonas: Du weißt wo's langgeht Sam. Sam: Jawohl. Eisern und magnetisch. Will sagen mittels meines vollintegrierten Kompasses Nordnordwest. Herr Flottenkapitänsflottillenadmiral. Jonas: Dann übernimmst du die Führung. Sam: Aye aye Sir, gerade aus, backbord, backbord ihr Landratten. Links. Jonas: Links, rechts, gerade aus, Gänge, Höhlen, Schächte, nach 4 Stunden hatten wir es fast geschafft, es wurde Zeit, die Lemuren fingen wieder an zu trommeln und in der Dunkelheit hinter uns leuchteten Rattenaugen. Sam: Jawohl und nun wieder rechts, und nach 100 m wieder links, ja, so ist schön, voila, da wäre er, der Schacht zur verlassenen Metrostation, der Weg zur Oberwelt, zum Lichte, zur Sonne, zur Freiheit. Jonas: Wo Ihre Parteisoldaten auf uns warten, Butterfly, hoffe ich jedenfalls. Palma: Seien Sie unbesorgt, Jonas, die warten, aber nicht auf uns, auf mich, nur auf mich. Jonas: Was heißt... Au! Jonas: Butterfly war das Schlußlicht, mit meiner Schrotflinte, um die Ratten auf Abstand zu halten, ein schwerer Fehler, weil sie so in aller Ruhe Jonas den Kolben über den Schädel ziehen konnte, ich trat kurz mal aus, nicht lange, ein paar Sekunden, als ich zurückkam war ich gefesselt und an Korfs Wagen gebunden. Palma: Tut mir wirklich leid um Sie, Jonas, Sie sind kein übler Typ, aber ich habe strikten Parteiauftrag von allerhöchster Stelle. Jonas: Saladina Sack. Palma: Persönlich. Jonas: Ihr wollt euch die viertel Million sparen. Palma: Das ist es nicht. Jonas: Hahaha, Jonas weiß zu viel, wie sie in den Holokrimiserien sagen. Palma: Das schon eher. Zurück, ihr seid noch nicht dran. Korf: Hilfe, die Russen kommen, die Chinesen kommen, die Fundamentalisten kommen. Palma: Halts Maul, Herbert, Sie sind nur Zugabe, Jonas. Es geht um Korf, er darf die Partei nicht noch mal in solche Schwierigkeiten bringen. Jonas: Sie haben den Auftrag Korf umzubringen. Palma: Natürlich. Sobald wir ihn den Entführern abgenommen haben, wir machen reinen Tisch, kein Ehrenvorsitzender mit Alzheimer mehr, der gekidnappt oder im Holo vorgeführt werden kann, hätten wir schon längst tun sollen, aber die Parteiführung war damals zu sentimental. Sam: Naja, Pietät ist es eine Zier doch besser geht es ohne ihr. Palma: So ist es. Seionara, Jonas, hat Spaß gemacht mit ihnen durch die Unterwelt zu ziehen. Jonas: Nehmen Sie uns nicht mit Butterfly. Palma: Wozu, ich überlasse Sie den Ratten. Ob ich Ihnen den Kopf abschlage oder ob die Sie fressen. Jonas: Ratte wie Hose. Palma: Und ich gewinne Zeit. Während sich die Tierchen mit Ihnen und Korf beschäftigen, bringe ich mich in Sicherheit. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Also dann. Korf: Nach Hause, Herbert will nach Hause. Jonas: Jonas auch, aber da sah ich schwarz. Für uns beide. Sam hatte auch keine rettende Idee und ging auf Tauchstation. Hinter uns wurde es lauter, rascheln, knistern, quieken, sie kamen, rachedurstig und hungrig. Plötzlich zuckte Jonas zusammen. Eine Berührung, am Rücken. Eine Ratte, ein Lemur? Karla: Weder noch, Jonas. Eine alte Bekannte. Jonas: Karla! Wie ich mich freue, Sie wieder zu sehen. Karla: Das glaub ich Ihnen. So, Sie sind frei, Jonas. Eine Hand wäscht die andere. Sam: Alter Toilettenspruch. Karla: Bis zum nächsten Mal. Jonas: Danke Karla. Jonas: Weg war sie, das war ihr Stil, sie ging ihre eigenen Wege, allein. Jonas stand auf, griff sich den Wagen mit Korf, die Ratten waren noch ein Stück entfernt. Sam: Links. Links müßt ihr steuern. Jonas: Halt ein Schrei. Sam: Die Woge trieb das Boot zu lande und sicher vor die... Jonas: Schön, daß du dich mal wieder hören läßt, Sammy, jetzt wo alles vorbei ist. Sam: Vorbei, was heißt vorbei. Los, du Mutter aller Tränentiere, links. Jonas: Links, hast du nicht vorhin gesagt rechts. Sam: Ja, vorhin, jetzt links, Abkürzung zum Metroschacht. Gar nichts ist vorbei, du geistiger Trockenschwimmer, wir haben noch ein gar gewaltig Suppenhuhn zu rupfen, mit Genossin Palma Kunkel, ihren zahlreichen Fans auch bekannt als Madam Butterfly. So und jetzt rechts durchs Loch. Vorsichtig, Kopf einziehen, nicht das edle Teil in Gefahr wäre... Jonas: Wie Sammy es gemacht hat weiß ich nicht, aber als Jonas um die letzte Ecke guckte, stelle er fest, daß er Butterfly den Weg ins Freie abgeschnitten hatte, sie bewegte sich auf uns zu, langsam rückwärts, meine Schrotflinte im Anschlag. Die Ratten hielten sich weit zurück, gut so, ich ließ den Wagen stehen, Korf schlief gerade mal wieder. Auch gut. Ich nahm Sam aus der Tasche und setzte ihn auf den Boden. Sam: Was liegt an Chef? Jonas: Kleines Ablenkungsmanöver, Sam. Du rollst zurück, ganz leise, bist du Madam erreicht hast, dann fährst du ihr über die Zehen und machst. Sam: Piep. Jonas: Genau so Sam, sie hält dich für eine Ratte, kriegt einen Schreck. Sam: Und den Rest erledigen eure Gewalttätigkeit auf gewohnt handgreifliche Manier. Haha. Ist recht. Verlassen Sie Ihnen voll und ganz auf mir, wie der Professor für Sprachwissenschaft sagte. Piep. Piep. Piep... Palma: Ih eine Ratte. Sam: Mit so nem langen Schwanz. Jonas: Es klappte. Einen Moment paßte Butterfly nicht auf, Jonas stand hinter ihr und legte ihr die Hände um den Hals. Sie war zu überrascht um sich zu wehren, und als sie's dann doch versuchte, ging ihr die Luft aus, ich nahm ihr die Schwerter weg und warf sie weit zurück in den Gang, dann ließ ich sie fallen, ging zu Korf und wartete, mit schußbereiter Schrotflinte, bis sie zu sich kam. Palma: Was was ist. Jonas: Hier bin ich Butterfly, stehen Sie auf, schneller. Palma: Hören Sie Jonas... Jonas: Und jetzt laufen Sie, andere Richtung, zurück, so ist es gut, da hinten liegen ihr Schwerter, wenn Sie sich beeilen, sind Sie vor den Ratten da. Sie wollten doch kämpfen und heroisch untergehen. Schneller. Palma: Hei. Jonas: Viel Glück mein kleiner Samurai. Jonas: Ich ging nicht an der Metrostation raus und natürlich auch nicht durch den Keller im Heim, Jonas kennt noch mehr Ausgänge aus der Unterwelt. Es war nicht leicht, Korf nach oben zu bugsieren und ihn durchs nächtliche Reservat ins stille Westend zu schaffen, zu dem exklusiven Pflegeheim, das Sammy ausgekuckt hatte, da lieferte ich ihn ab, meinen entfernten Großonkel, falscher Name, falsche Identität, falsche Daten in allen relevanten Systemen, darum kümmerte sich Sam, das kann er, das ist seine Spezialität. Das Pflegegeld besorgte er auch. Sam: 6000 Euros pro Monat, Herr Oberfinanzdirektor, für 10 Jahre im Voraus. Jonas: Moment Sammy. 6000 mal 12, das macht äh... Sam: Schone deine kleinen grauen Zellen, Monami, denn du hast derer nicht viele. Doppelpunkt: 720.000. Jonas: 720.000 Euros. Sam: Ja, überwiesen und quittiert, alles in Butter. Jonas: Wo hast du denn so viel Geld her. Sam: Ja vom Konto der WORF, poetische Gerechtigkeit nennt solches der Gebildete. Jonas: Kennst du den Code. Sam: Ach Gott. Sowas nimmt man mit, für alle Fälle, wenn man beispielsweise Gelegenheit hat in einem gewissen E-Lieferwagen das Datensystem einer gewissen Partei gewissermaßen von hinten aufzureufeln. Comri Missio. Jonas: Und wenn die rauskriegen, wo ihr Geld geblieben ist. Sam: Nein nein, nein, keine Panik auf der Andrea Doria. Sammy hat alle Spuren bestens verlappt, er meint, verwischt. Jonas: Wenn das so ist, Sammy, dann hol mir doch auch gleich mein Honorar vom Parteikonto. Ich glaub nicht, daß die mir das freiwillig überweisen. Sam: Ja das mach mer Alter, sollst auch net leben wie ein Hund. Jonas: Aber diesmal mußte Sammy passen, ausnahmsweise. Was war passiert. Die Partei hatte sehr schnell gemerkt, daß ein Unbefugter Unbekannter einen Haufen Geld von ihrem Konto abgezockt hatte und sofort den Code geändert. So ging's also nicht, aber vielleicht anders. Jonas ließ sich mit Saladina Sack verbinden und verlangte sein Geld. Sack: Gestatten Sie daß ich lächle, Herr Jonas. Wo ist Korf? Jonas: Wo Sie ihn nie finden, Frau Sack, ich hab ihn versteckt, gut versteckt. Sack: So. Was ist mit Palma Kunkel? Jonas: Unten geblieben. Sack: Ah ein Vorschlag Herr Jonas liefern Sie uns Korf dann kriegen Sie ihr Honorar. Jonas: Hm. Ein Gegenvorschlag, Frau Sack, wenn Sie nicht zahlen, liefere ich Korf an die nächste große Holostation. Sack: Das werden Sie nicht tun. Jonas: Wollen Sie's darauf ankommen lassen. Sack: Sie kriegen Ihr Geld, Herr Jonas, aber keine viertel Million, das ist nicht drin, 10.000 Euros wie ursprünglich vereinbart. Guten Tag. Jonas: Immerhin. Wie heißt er jetzt unser Freund Korf? Sam: Rabe, Ralf Rabe. Jonas: Merkwürdiger Name. Morgenstern. Sam: Korrekt, euer Ehren. Der Rabe Ralf ruft schaurig rah, das End ist da, das End ist da. Und nun kommt Sammy mit Tari tari taralalla. Das war Unterwelt. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Kornelia Boje, Susanne Schwalm, Hans Jürgen Silbermann, Hans Stetter und andere (Petra Bischof, Erwin Weigel, Werner Klein, Ursula Rehm). Ton und Technik: Daniela Röder und Günter Heß. Assistenz: Holger Buck. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1995. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Blackout Jonas: Ich wachte auf. Wie jeden Morgen. Soweit nichts Besonderes. Aber wenn ich aufwache, liege ich im Bett. Normalerweise. Diesmal nicht. Diesmal lag ich im Eingang eines Hauses. An einer Straße. War ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern. Ich konnte mich an nichts erinnern. An gar nichts. Ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. Viele Fahrzeuge auf der Straße. Und Menschen. Menschen über Menschen. Alle in Bewegung. Eifrig. Zielstrebig. Leicht verblödet. Ich stand nur da. Nicht eifrig. Auch nicht zielstrebig. Aber verblödet. Nicht nur leicht. Völlig. Total. Ich wußte nichts mehr. Ich wußte nicht, wo ich war. Nicht, wie ich hergekommen war. Und vor allem nicht, wer ich war. In meinen Kopf gab es nichts als Nebel. Der Nebel fing an, sich zu lichten. Langsam, sehr langsam. Mir fiel was ein: Ich war Jonas. Nur Jonas. Frage: Wer war Jonas? Ich erkannte das Haus, vor dem ich stand. Hier wohnte Jonas. Ich ging rein. Am Lift hing ein Schild: Vorübergehend außer Betrieb. Der Lift war kaputt. Wie immer, fiel mir ein. Also Treppensteigen. Viele Treppen. Bis zum 16. Stock. Dann durch einen dunklen Gang. Zu einer Tür mit Messingschild. Jonas, stand drauf, nur Jonas. Ich griff in die Tasche. Ich holte ganz selbstverständlich einen altmodischen Schlüssel raus. Und gar nicht selbstverständlich einen Zettel. Darauf stand geschrieben: "Sie sind Jonas. Nur Jonas. Der letzte Detektiv. Sie sind in Lebensgefahr. Tauchen Sie unter!" Ich schüttelte den Kopf, und steckte den Schlüssel ins altmodische Türschloß. Sam: Wohin bist du entschwunden? Du gingst hinfort, und niemals kehrst du wieder. Lieb war er mir, und wert und teuer. Auch wenn er unter uns gesagt ein Hohlkopf war, eine mentale Schlaftablette, ein veralteter Biobrain, kurz: nur ein Mensch, ja sei’s drum. Er war ein Mensch, nehmt alles nur in allem. Wann werden wir wohl seinesgleichen sehen? O nie, o nimmer, o nimmermehr. Schultz, äh schluchzt. Jonas: Der Radau in meinem Büroapartment war Sam. Das wußte ich. Aber ich wußte nicht, wer oder was Sam war. Sam: Na wer schon? Dein allzeit getreues Computerlein, bis dato verwaist und verlassen, doch nunmehr, Hosianna, Halleluja, Holldriadiö, ist er zurück, der Jonas, der letzte Detektiv, der meinige. Sammy ist wiederum bevatert, bemuttert, beonkelt, betantet, beschwiegermuttert, betütelt. Jonas: Ruhe. Jonas: Richtig. Sam: Ja. Jonas: Sam war mein Computer. Ein gewaltiger Quassler vor dem Herrn. Ein kleiner Blechkasten auf Rädern. Unentbehrlicher Begleiter und Ratgeber. Warum war er nicht in meiner Tasche? Und was war überhaupt los mit Jonas? Woher der Nebel in meinem Kopf? Die Löcher in meinem Gedächtnis? Ich wußte es nicht. Doch wozu hat der Mensch einen Computer? Jonas: Was ist passiert, Sam? Sam: Hinfort ging er, mein Jonas. Jonas: Wann? Sam: Am Tage vor diesem. Jonas: Gestern? Sam: Präzis am 4. Julei anno 2014, da die Walduhr, Korrektur, da die alte Wanduhr schlug die 14. Stunde, die 5. Minute, die 16. Sekunde. Jonas: Gestern, 5 nach zwei, da habe ich das Haus verlassen. Allein. Sam: Zur Gänze, Maestro, will sagen, ohne Sam. Von wegen dem vorausgegangenen Stromausfall und dem aus dem selben resultierenden mangelhaften Ladezustand von dero Hoheit ergebendsten Computer. Denn merke: Kommt nicht Saft aus Dose, geht Sams Kraft in die Hose, hahahahaha. Jonas: Bleib bei der Sache, Sam, ich bin also weggegangen, und dann? Sam: Ja, dann verging die Zeit, der elektrische Strom kehrte wieder, doch wer nicht zurückkam, war mein Herr und Meister. Sam wat und noit, mit aller letzter Kraft rollte er zur Steckdose und sprach: Einmal volltanken, Chef, und wenn Sie schon dabei sind, können Sie auch gleich die Scheiben waschen. Jonas: Scheiben? Was für Scheiben? Sam: Eine Assoziation, Sir, eine Reminiszenz aus der dunklen Ära des Verbrennungsmotors. Jonas: Bleib in der Spur, Sammy. Weiter. Sam: Weiber, jawoll, äh, weiter, jawohl. Es wurde abend. Es wurde Nacht. Kein Mensch. Kein Jonas. Sam raufte sich die Haare. Jonas: Du hast keine Haare, Sammy. Sam: Zu Befehl, keine Haare. Überall hat Sammy nachgefragt. Alle relevanten Dateien hat er durchgecheckt. Puzileistationen, Krankenhäuser, Irrengestalt äh Anstalten, und gar, pfui Teifel, Leichenschauhäuser. Jonas: Sehr umsichtig, Sam. Sam: Ja, es war alles umsunst. Denn welch Glück erlebet er, erlebet er, erlebt net alle Tage. Jonas: Mehr oder weniger. Sam: Doch wie schaut er aus, mein Jonas? Bläßlich, grünlich, gelblich, so recht käsig chinesig. Und was hat er denn da am Kopf? Jonas: Ja was hab ich denn da am Kopf? Au! Sam: Druckstellen an der Denkerstirne. An den grauen Schläfen. Am edlen Hinterkopfe desgleichen, hmh? Jonas: Au, ja, da auch. Sam: Aha, am Kopf Druckstellen von angesetzten Elektroden, ferner Lücken im Gedächtnis, Sam schwant was, aha. Jonas: Ach ja? Sam: Schwanensee. Ein Wort nur: Memoryklau. Jonas: Memoryklau? Was ist das? Sam: Das wissen gnädiges Fräulein nicht? Jonas: Nie gehört, Sam, oder vielleicht doch? Sam: Es schellt das Fon, nun nimms doch schon. Jonas: Jonas, nur Jonas. Jasmin Lamour: Sie sind zurück? Gut. Was haben Sie erreicht? Jonas: Auf dem kleinen Fonbildschirm erschien eine wunderschöne Frau. Wie Venus in der Muschel. Nur daß die Anruferin was anhatte. Sehr schick sah sie aus, sehr sexy. Ich kannte sie nicht, aber ich hätte sie gern gekannt. Bei ihr war’s anders. Sie kannte mich. Und ich kannte sie, sagte sie. Jasmin Lamour: Aber natürlich kennen Sie mich, Herr Jonas. Jasmin Lamour. Gestern war ich bei Ihnen. Jonas: Wenn Sie meinen. Und worum ging’s? Jasmin Lamour: Um meinen plötzlichen Gedächtnisverlust. Den sollten Sie aufklären. Jonas: Gedächtnisverlust? Wann waren Sie hier? Jasmin Lamour: Gestern, kurz nach 12. Sam: War sie, Kampel. Sammy ist Zeuge. Na, immer noch Mattscheibe? Dann horch mal zu und paß schön Obacht. Jonas: Sie erzählten mir, was gestern mittag bei mir abgelaufen war. Mit vereinten Kräften. Sam und die schöne Frau im Fon. Jasmin Lamour. Ihren Namen hatte sie noch gewußt. Und ihren Beruf. Kriegsreporterin in der Drittwelt. Ansonsten Fehlanzeige. Löcher im Gedächtnis. Lücken im Hirn. Und Druckstellen am Schädel. Sieh mal an. Sam: Alles klar, Gnädigste wurden angezapft. Jonas: Sehr wahrscheinlich. Ihr Verband am rechten Knie, Frau Lamour, sieht neu aus. Sam: Unprofessionell. Jasmin Lamour: Nur eine Hautabschürfung. Ich hatte einen kleinen Unfall. Ich bin gestürzt. Auf der Straße. Jonas: Das wissen Sie also noch. Jasmin Lamour: Ja, vorgestern, am van-Dusen-Platz, und dann... Jonas: Ja? Jasmin Lamour: Nichts mehr. Mehr weiß ich nicht. Jonas: Hat man Sie in ein Krankenhaus gebracht? Jasmin Lamour: Ich weiß es nicht. Jonas: Der Verband sieht ganz danach aus. Sam? Sam: Schon da, Gevatter. Piep. Im Bereich van-Dusen-Platz nur ein einziges Krankenhaus. Professor-Sauerbier-Klinik. Schwerpunkt Neurologie. Jonas: Na so was. Sam: In Patientendatei keine Jasmin Lamour. Jonas: Hätte mich auch gewundert. Die hinterlassen keine Spuren im Netz. Jasmin Lamour: Die? Jonas: Memoryklauer. Sagt Ihnen nichts, Frau Lamour? Jasmin Lamour: Nein. Jonas: Erklär’s ihr, Sammy. Kurz und knapp, wenn ich bitten darf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich, bitte kurz, bitte knapp. Hhrmhrm, meine Daumen und Hirn, Korrektur, meine Damen und Herren, liebe Kleinkinder, hochgeschätzte Festversammlung, wir haben uns hier zusammengefunden... Jonas: Sam! Sam: OK OK, OK OK, also, die illegale Entnahme individueller Gedächtnissegmente zwecks kommerzieller Verwertung, vulgo Memoryklau, stellt eine neuartige Aktivität gewisser mit technischem Know-how, krimineller Energie sowie ausgeprägtem Gewinnstreben ausgestatteter Mitbürger dar. Die Prozedur ist folgende: Das Gedächtnis von Menschen mit ungewöhnlichen Berufen und/oder Biographien wird gesichtet, besonders interessante Erlebnisse werden entnommen, elektronisch aufbereitet und in CD-Form verkauft, an Menschen, die nicht den Mut oder die Voraussetzung aufweisen, selbst ein außergewöhnliches Leben zu führen, und denen die übliche Kompensation mittels virtueller Realität zu langweilig ist. Dank Memoryklau erwerben diese Menschen Pseudo-Erinnerungen, die ihnen jedoch durchaus konkret real gelebt erscheinen. Die Opfer bleiben mit entsprechenden Gedächtnislücken zurück. Das Abzapfen von Memory ist teuer und aufwendig, man benötigt hierzu komplizierte neurologische Apparaturen, wie sie sich nur in gutausgestatteten Kliniken finden. Jasmin Lamour: Ich verstehe. Was hat ihr Computer? Sam: Total geschafft, hab keinen Saft. Jonas: Ich kann ihn nicht aufladen, wegen Stromausfall. Fertig, Sam? Sam: ...Einspielen von Memory-CDs unaufwendig, über Spezial... modul... Ende der Durchsage. Jonas: Danke, Sammy. Sam: Bitte. Jasmin Lamour: Und Sie glauben, Herr Jonas, daß mir so etwas zugestoßen ist. Jonas: Todsicher. Ist doch ein hochinteressanter Beruf, Kriegsreporterin in der Drittwelt. Massaker, Greueltaten am laufenden Band. Ich kümmere mich um Ihren Fall, Frau Lamour, für 120 Euros pro Tag und Spesen. Jasmin Lamour: In Ordnung. Ich rufe Sie morgen an. Jonas: Laserstrahler nicht geladen, Neurofreezer auch leer. Nehm ich also die gute alte Smith & Wesson. Sam: Was hast... Jonas: Was ich vorhabe? Ich sehe mir dieses Krankenhaus mal an, die Professor-Sauerbierklinik. Sam: Nimm mich... Jonas: In deinem Zustand? Du bleibst schön hier, und wenn’s wieder Strom gibt, lädst du dich auf, OK? Sam: Oh... Jonas: Das war gestern. Laut Sam und Jasmin Lamour. Und heute? Heute kuckte Jonas blöd aus der Wäsche. Und konnte sich nicht erinnern. Jasmin Lamour: Was geschah in der Klinik, Herr Jonas? Jonas: Weiß ich nicht. Sam: Euer Gnaden Smith & Wesson? Jonas: Hab ich nicht mehr. Sam: Warum nicht? Jasmin Lamour: Man hat Ihnen also auch das Gedächtnis gestohlen. Wie mir. Wissen Sie was, Herr Jonas, wir tun uns zusammen. In einer Stunde bin ich bei Ihnen. Jonas: Jonas war’s recht. Sehr recht sogar. Ich wollte mein Gedächtnis zurück. So schnell wie möglich. Und Jasmin Lamour gefiel mir. Ihr Name fing mit J an, ein gutes Omen. Ich wartete auf sie. Und ließ Sam solange überprüfen, was in meinem Gedächtnis fehlte. Das war gar nicht so viel, meinte er. Sam: Lediglich einige wenige ihrer verehelichen Fälle, o Sherlock Holmes des 21. Jahrhunderts. Jonas: Wieviel? Sam: Naja, so rund 30 an der Zahl. Jonas: 30? Und das nennst du wenig? Sam: Ach wissen Sie, Boss, das Leben geht weiter. Jonas: Ich sag dir was, Sammy. Ein Detektiv, der sich an seine interessantesten Fälle nicht erinnern kann, der ist keiner. Sam: Na und? Bist du eben nicht mehr Jonas, der letzte Detektiv. Bist du nur noch Jonas, der letzte. Hahahahaha! Jonas: Halt die Klappe. Sam: Horch was kommt von draußen rein, hollabi, hollabu. Jonas: Frau Lamour, nehme ich an. Sam: Ah so. Jonas: Herein! Sam: Was? Jonas: Es war nicht Jasmin Lamour. Es war ein junger Mann, in altmodischem Business Outfit. Nadelstreifen, Krawatte, Aktenkoffer. Versicherungsvertreter? Killer: Keineswegs, Herr Jonas. Sie sind doch Herr Jonas? Jonas: Und wenn? Killer: Dann hätt ich was für Sie. Falls Sie daran interessiert sind, Ihr Gedächtnis zurückzuerhalten. Sind Sie das, Herr Jonas? Jonas: Aber sicher. Sam: Fürsicht, Meister, denn siehe, sprach Zara Leander. Jonas: Sei still, Sam. Killer: Sehen Sie, Herr Jonas, hier in meinem Aktenkoffer, habe ich Ihre ganz spezielle individuelle Memory-CD, Sie brauchen sie nur über ein Modul in Ihr Hirn einzuspielen. Sam: Achtung, er hat eine Waffe! A-ü-a-ah, a-ü-a-ah, a-ü-a-ah, a-ü-a-ah... Jonas: Eine Waffe, keine Memory-CD. Eine Kurz-MP von Keckler & Hoch, Typ SW7, er zog sie aus dem Koffer, richtete sie auf Jonas, der reagierte nicht, zu dösig und mitgenommen. Aber da war ja noch Sam. Sam, der Unentbehrliche. Er heulte wie eine Sirene, rollte blitzschnell an, fuhr eine Zange aus, und kniff den Kerl in die linke Wade, direkt über der schwarzen Perlonsocke. Was den erheblich irritierte. Er schoß vorbei. Und bevor er noch mal zielen und abdrücken konnte, hatte ich mich bekrabbelt. Ein kurzer Tritt gegen den Arm, er ließ die MP fallen. Jonas fing sie auf, das veranlaßte ihn, sich zu empfehlen. Schnell, über den Gang, die Treppe runter. Ich ließ ihn laufen. Sam: Hinterher, du Lahmgesäß. Knips ihn ab, mach ihn tot. Jonas: Immer mit der Ruhe, Sam. Zum Beißen hab ich dir die Zange eigentlich nicht gekauft. Sam: So ist’s recht. Sam rettet sein erbärmliches Leben, und er meckert. Und der Typ hat auch noch ganz scheußlich geschmecket. Wüah, richtig widerloch. Jonas: Du hast keinen Geschmacksinn, Sammy. Was ist los, warum hat der auf mich geschossen? Sam: Weil das sein Job ist, du Dummie. Weil er zur Todesschwadron gehört. Siehe Outfit, siehe Waffe. Jonas: Todesschwadron? Sam: Ach du liebes Gottchen, nicht mal det weeß er noch. Merke: Die Todesschwadron ist die größte und solideste Profikillerfirma in Bab-ysilon. Fall Euroblues. Aber an den können Hochwürden sich ja auch nicht erinnern. Jonas: Profikiller? Wer hat die auf mich angesetzt, Sam, und warum? – Ja? Ines Sikorski: Seien Sie vorsichtig. Die Todesschwadron ist hinter Ihnen her. Jonas: Hab ich gemerkt. Wer sind Sie? Ines Sikorski: Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. Sie sind in Lebensgefahr. Tauchen Sie unter! Jonas: Haben Sie mit den Zettel in die Tasche gesteckt? Ines Sikorski: Tauchen Sie unter! Jonas: Diesmal kein Bildfon. Der Schirm blieb dunkel. So dunkel wie die ganze Geschichte. Memoryklauer. Profikiller. Und jetzt noch eine geheimnisvolle Warnerin. Wer war sie? Jasmin Lamour? Jasmin Lamour: Nein, Herr Jonas, ich habe nicht vor zehn Minuten bei Ihnen angerufen. Warum fragen Sie? Jonas: Nicht so wichtig. Jasmin Lamour: Was tun wir, Herr Jonas, was schlagen Sie vor? Jonas: Vielleicht sollte ich noch mal zur Sauerbierklinik. Sam: Dürfte der niedriggeborene Diener sich erfrechen, einen wohlgemeinten Ratschlag von sich zu geben? Jonas: Dazu hab ich dich, Sammy, schieß los. Sam: Da mein Meister sich im Vollbesitz seiner detektivischen und intellektuellen Fähigkeiten befand, besuchte er besagte Klinik zum ersten Male, und dieser Besuch endete mit einem Desaster. Wie wird es ihm, rammdösig und hirngelöchert, wohl bei einer zweiten Visite ergehen, ha? Jasmin Lamour: Ihr Computer hat recht, Herr Jonas. Sam: Hab ich immer. Jonas: Also lassen wir die Klinik. Vorerst. Bis ich mein Gedächtnis wiederhabe. Jasmin Lamour: Und wo, Herr Jonas, bekommt man Gedächtnisse jeder Art? Sam: Im Memorycenter. Jasmin Lamour: Genau. Sam: Im Reservat. Jonas: Das Reservat. Ich konnte mich vage erinnern. Im wilden Südosten von Babylon. Seit den Unruhen vor 15 Jahren eine Trümmerlandschaft. Und ein exterritorialer Bezirk. Wo Polizei und Verwaltung nichts zu sagen haben. Wo sich alle festgesetzt hatten, die in Babylon unerwünscht waren. Freaks, Mutanten, Illegale. Wo es Klonfabriken gab. Stimshops. Und das Memorycenter. Ein ehemaliger Supermarkt. Relativ leicht zu erreichen. Gleich hinter der Grenze. Nicht weit vom Gigant-Hotel. Jasmin kam mit. Jonas war einverstanden. Wenn die Erinnerung löchrig wird und die Welt unscharf, dann ist es gut, eine schöne Frau zur Seite zu haben. Außerdem war sie ja auch auf der Suche nach dem verlorenen Gedächtnis. Verkäuferin: Kriegsreporterin? Tut mir leid. Da hab ich momentan nichts am Lager. So was kommt selten rein und geht schnell wieder raus. Ist ja auch interessant, nicht? Und was sucht der Herr? Jonas: Privatdetektiv. Verkäuferin: Detektiv? Sie meinen Kriminalpolizei? Jonas: Ich meine Privatdetektiv. Privat. Verkäuferin: Ist schon klar. Nein, haben wir nicht. Seit ich hier arbeite, haben wir noch nie ein Privatdetektiv-Memory gehabt. Noch nie. Und wenn... Jonas: Und wenn ich in den nächsten Tagen noch mal vorbeikomme, vielleicht kriegen Sie ja inzwischen was rein. Verkäuferin: Wenn wir was kriegen, dann haben wir schon eine Vorbestellung. Von einem Kunden, der alles kaufen will, was irgendwie mit Privatdetektiven zu tun hat. Jonas: Wer ist das? Wie heißt er? Verkäuferin: Bedaure. Keine Namen, keine Auskünfte. Geschäftsprinzip. Tja, wäre die Dame vielleicht interessiert an einer Wärterin im Frauengefängnis, oder an einer mesopotamischen Foltermagd? Jasmin Lamour: Ganz bestimmt nicht. Verkäuferin: Nun ja, ist ja auch nicht jederfraus Sache. Und der Herr? Verunglückter Astronaut? Marskolonist? Oder Haremswächter im Sonderangebot? Jonas: Danke. Verkäuferin: Fragen Sie ruhig mal wieder nach. Jonas: Im Memorycenter also Fehlanzeige. Was jetzt? Erst mal raus aus dem Reservat. So schnell es ging. Das war nicht sehr schnell. Wegen Jasmin. Sie hatte Probleme mit ihrem Knie. Die Hautabschürfung. Der Unfall von neulich. Ab und zu mußte sie Pausen einlegen. Jonas: Soll ich Sie tragen? Jasmin Lamour: Nicht doch, es geht schon. Ich bin gleich soweit. Sam: Achtung, Achtung! Auffälliger Luftverkehr. Helikopter aus Richtung Giganthotel. Jonas: Geht uns nichts an, Sammy. Sam: Ja, das glaubst du, mein unschuldsvoller Engel. Remember the Alamo. Will sagen: Fall Eurodschungel. Jonas: Euro... was? Sam: Ach, vergessen natürlich. Dann spitz mal deine Lauscher, ja? Helikopter über Reservat bedeutet Gefahr, ganz besonders, wenn er in unsere Richtung fliegt und seinen Suchscheinwerfer eingeschaltet hat. Jonas: Vielleicht hast du recht, Sam. Sam: Hab ich immer. Jonas: Jasmin, gehen Sie in Deckung! Jonas: Der Scheinwerfer hatte uns erfaßt. Wer immer im Helikopter saß, fing an zu schießen. Auf uns. Ziegelsplitter flogen durch die Luft. Jonas hockte hinter einem Geröllhaufen. Und schoß zurück. Mit der Keckler & Hoch, die er sich eingesteckt hatte. Für alle Fälle. Glas klirrte, der Scheinwerfer ging aus. Gut so. Ich griff mir Jasmin und zog sie ins untere Geschoß einer Hochhausruine. Keine Sekunde zu früh. Der Helikopter knipste einen zweiten Scheinwerfer an, und landete. Knapp 100 Meter entfernt. Drei, vier, fünf Figuren sprangen raus. City-Anzüge, Aktenkoffer, MP’s. Sie wußten, wo wir steckten, arbeiteten sich vor. Und schossen. Fünf Todesschwadronöre gegen einen Jonas. Unfair. Jonas: Lange kann ich sie nicht aufhalten. Laß dir was einfallen, Sam! Sam: Ja wie denn, wo denn, was denn? Ist Sam ein Magier? Eine Wundertüte? Hä? Wächst ihm ein Kornfeld auf der flachen Hand? Jasmin Lamour: Kornfeld wäre nicht schlecht, da könnten wir uns verstecken. Mutant: Meine Dame, mein Herr, seien Sie gegrüßt. Welche Freude, daß Sie meine bescheidene Behausung mit Ihrem hohen Besuch beehren. Jasmin Lamour: Wer was das? Jonas: Wo war das? Sam: Da hinten, wo's ganz dunkel ist. Jasmin Lamour: Da leuchtet was. Sam: Ja ja. Jonas: Drei rote Augen. Eins über den beiden anderen. Ein Dreieck. Ein Warnschild. Dann trat der Sprecher ins Helle. Die Sprecherin. Das Sprecher. Ein nacktes Neutrum. Hellgrün, haarlos, und dreiäugig. Ein Mutant. Kein erfreulicher Anblick. Dennoch hochwillkommen. Wer in der Scheiße sitzt, greift nach jedem Strohhalm. Und nach jedem Mutanten. Mutant: Wie es scheint, gibt es gewisse Probleme zwischen Ihnen und den Herrschaften dort draußen. Jonas: So kann man’s auch sagen. Die wollen uns umbringen. Mutant: Wie unhöflich. Jonas: Können Sie uns helfen? Mutant: Nun, einerseits widerstrebt es mir zutiefst, mich in die Auseinandersetzungen mir unbekannter einzumischen, doch kann ich es andererseits keinesfalls zulassen, daß meine Besucher in meinem Salon gemeuchelt werden. Haben Sie die Güte, mir zu folgen. Jasmin Lamour: Wohin? Mutant: Zum Dienstboten- und Lieferanteneingang, zur Hintertür, wenn Sie so wollen. Bitte sich ein wenig zu sputen. Die Zeit drängt, und eine gewisse Beschleunigung wäre durchaus nicht unangebracht. Jasmin Lamour: Ich kann nicht laufen. Mein Bein. Jonas: Ich nehme Sie huckepack, Jasmin, steigen Sie auf. Halten Sie sich gut fest. Sam: Ich steig auch auf. Jonas: Es ging nach hinten, ins Dunkle. Was den Mutanten nicht störte, er hatte Leuchtaugen. Durch eine Falltür nach unten, in den Keller. Noch eine Falltür, darunter ein tiefer Schacht, am Rand rostige Metallklammern. Als der Schacht zu Ende war, weiter in der Horizontalen. Ein niedriger Gang aus roten Ziegeln. Hier roch es nicht gut. Sam: Ein alter Abwasserkanal, Fall Unterwelt, weißt du doch, Jonas mein. Jonas: Weiß ich nicht, Sam, weißt du doch. Sam: Tschuldigung. Da ist olle Sam mal wieder voll in den Fettnapf gelatscht. Jasmin Lamour: Werden Sie uns verfolgen? Mutant: Die unerquicklichen Herren mit den Maschinenpistolen? Ich wage es zu bezweifeln, meine Dame. Dazu dürfte es ihnen denn doch an Wagemut und Entschlossenheit mangeln. Sie fürchten die Ratten, welche hier unten heimisch sind. Sam: Und die Lemuren, die Kannibalen. Mutant: Mag sein. Jonas: Jasmin hatte sich erholt. Sie konnte wieder laufen. Was Jonas das Leben leichter machte. Auch wenn er sich noch immer nicht erinnern konnte. Dafür war Sam da. Und für die zusätzliche Beleuchtung. Im Schein seines Lichtstrahls sahen wir, daß der Gang sich vor uns gabelte. Unser Führer wollte nach rechts. Mutant: Meine Dame, mein Herr, folgen Sie mir. Sam: Laß ihn laufen, Chef, wir halten uns links. Da geht’s raus. Mutant: Mitnichten, verehrter Computer, Sie unterliegen einem Irrtum. Der rechte Weg ist rechts. Sam: Hehe, für dich vielleicht, du nackter Laubfrosch. Nicht für uns. Indem daß es rechts zur Lemurenhöhle geht, direkt Mann in den kannibalistischen Kochkessel. Ja, da sollen wir rein. Genau das hat er vor, unser grasgrüner Freund. Ein sehniger Privatdetektiv und eine dünne Kriegsreporterin, nicht gerade ein üppiger Festschmaus, aber besser als Luft und Liebe, gell, du Kackfrosch. Mutant: Die ungeheuerliche Unterstellung des verehrten Computers weise ich aufs entschiedenste zurück. Lassen Sie sich nichts einreden, meine Dame, mein Herr, kommen Sie mit mir. Jonas: Lieber nicht. Sam kenn ich schon lange, und Sie erst seit ein paar Minuten. Nichts für ungut. Vielen Dank für Rattung und Führung, aber unsere Wege trennen sich, so long. Jonas: Der Mutant verzog sich, muffig und mürrisch. Wir steuerten links, das war gut. Nach etwa 300 Metern ging's raus, durch einen Gully auf eine dunkle Straße. Irgendwo im babylonischen Osten. Verrammelte Häuser, finster, abweisend. Dazwischen altmodische blaue Neonbuchstaben: Zum Wasserloch. Eine Kneipe. Synth-Whiskey und Soja-Kaff. Genau das, was wir brauchten. Jasmin Lamour: Kein Soja-Kaff. Jonas: Kein Whiskey, nur Strohrum. Sam: Aus dem Automaten. Buwäh, pfui Spinne und Spurgel. Jonas: Nicht gerade üppig, aber besser als Luft und Liebe, oder Sam? Sam: Ah, Sam kennt nicht die Liebe, Sam trinkt nur Maschinenöl. Jonas: Auch nicht viel schlimmer als dieser Rum. Ihr Wohl, Jasmin. Jasmin Lamour: Mögen wir bald wieder in Besitz unserer Erinnerung sein. Holo: In der heutigen Ausgabe unserer Talkshow Nichts geht über dich... Jonas: Wenn wir auch noch keine Ahnung haben, wie wir das anstellen sollen. Holo: Besondere Menschen, besondere Schicksale, begrüßen wir als Gast Herrn. Janus: Janos. Nur Janos. Holo: Herrn Janos, den letzten Detektiv. Sam: Ruhe! Seid doch mal still, Leute. Holo: Herr Janos wird uns von seiner Arbeit erzählen... Jonas: Was ist denn in dich gefahren, Sam? Holo: Seinen Abenteuern, seinen interessantesten Fällen. Sam: Da, im Holo, hört doch mal, kuckt doch mal! Holo: Die spielen nicht alle in Babylon. Jasmin Lamour: Ach, Ihr Computer nervt, Jonas, schalten Sie ihn ab. Jonas: Augenblick mal. Janos: Sehr richtig. Da war ich zum Beispiel, das muß jetzt so ungefähr dreieinhalb Jahre her sein, im wilden Kusbekistan, eine richtige Todestour, das kann ich Ihnen sagen. Oder die Sache mit dem Schlachthaus in Costaguana, Südamerika, wissen Sie, und... Holo: Was war denn Ihr bisher aufregendster Fall, Herr Janos? Janos: Ach, das ist eine schwierige Frage. Eigentlich waren sie alle aufregend. Alle meine 32 Fälle. Holo: Nennen Sie uns doch einfach einen oder zwei. Janos: Megastar vielleicht, oder mein Trip in die Strafkolonie, Inselklau, Westfront, Kopfjäger... Holo: Gleich können Sie uns mehr erzählen, Herr Janos. Sam: Alles Jonas-Fälle, alles Jonas-Fälle. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sam. Holo: Jetzt machen wir ein bißchen Musik, mit den swingenden Lords, und dann... bleiben Sie dran. Sam: Der hat sie geklaut und geht damit im Holo hausieren, dieser... Jonas: Janos. Sam: Nein, so heißt er nicht, ganz bestimmt nicht, Janos, nur Janos, der letzte Detektiv. Alles geklaut, alles Pseudo. Jonas: Dieser sogenannte Janos hat also jetzt meine Erinnerungen. Vermutlich ist er auch der Kunde im Memorycenter, der sich so für Privatdetektive interessiert. Findest du, daß er mir ähnlich sieht, Sam? Sam: Naja, beim genauen Hinsehen kommt er mir irgendwie bekannt vor. Jasmin Lamour: Überhaupt nicht. Sie sehen viel besser aus, Jonas. Jonas: Danke. Wir sollten uns diesen Hochstapler vorknöpfen. Sam: Indeed, Sir, and how? Haben Herr Meisterdetektiv already einen Meisterplan? Jonas: Über die Holostation. Wir gehen hin, kriegen raus wie der Kerl wirklich heißt, wo er wohnt. Jasmin Lamour: Wäre es nicht besser in der Professor-Sauerbierklinik? Jonas: Das hat Zeit, Jasmin. Erst zu Network. Jasmin Lamour: Aber doch nicht sofort, Jonas. Sam: Hört, hört, wo Sie recht hat, hat sie recht. Nichts überstürzen, sagt der weise Bosequo. Immer mit der Ruhe, eins nach dem anderen, und eine nach der anderen. Jonas: Eile mit Weile, was du heute kannst besorgen, nein, nein, das paßt nicht. Sam: Ja, find ich auch. Vorschlag zur Güte. Suchen wir zunächst euer Gnaden feudalen Palazzo auf, zwecks Aufrüstung: Neurofreezer und Laserstrahler dürften inzwischen wieder voll geladen sein. Und dann sollen sie nur kommen, Todesschwadronen, Memoryklauer, falsche Detektive. Wir werden ihnen den Marsch blasen. Jonas: Darauf einen Strohrum. Sam: Davon wird man strohdumm. Jonas: Vor der Tür zu meinem Büroapartment stand eine Frau. Nicht ganz so schön wie Jasmin, nicht ganz so schlank, nicht ganz so jung, aber doch sehr ansehnlich. Sie wartete auf Jonas. Ines: Ich brauche dringend einen Detektiv, weil ich nämlich ganz plötzlich mein Gedächtnis verloren habe. Jonas: Sie auch, das ist ja eine richtige Epidemie. Ines: Darf ich eintreten? Jonas: Wollen wir sie reinlassen, Sam? Sam: Sie ist es, Genosse. Jonas: Sie ist wer? Sam: Die mysteriöse Warnerin am Fon. Jonas: Die mit dem Zettel. Bist du sicher, Sam? Sam: Ach, hat Sam ein voll integriertes holografisches Vox-Ident-Programm oder hat er nicht, oder wie oder was oder doch? Jonas: Er hat. Das Programm. Und recht hat er sowieso. Der Fall wurde immer undurchsichtiger. Ich bot der Besucherin meinen Schreibtischstuhl an, auf dem Kundensessel hatte Jasmin Platz genommen. Die beiden Frauen musterten sich flüchtig. Sie kannten sich. Überraschung. Jasmin Lamour: Was fällt Ihnen ein, Ines? Hab ich Ihnen gesagt, Sie sollen hierherkommen? Ines: Nein, Dr. Lamour, aber. Jasmin Lamour: Sie wollen mir nur helfen, nehme ich an. Absolut unnötig. Mit Jonas werde ich ganz allein fertig. Der frißt mir aus der Hand. Aber wo Sie nun schon einmal hier sind, können Sie sich nützlich machen. Hände hoch, Jonas! Jonas: Jasmin hatte einen kleinen Laserstrahler aus der Tasche gezogen. Ein Spielzeug, aber fast so gefährlich wie die große Ausführung. Vor allem aus nächster Nähe. Jasmin zielte auf Jonas. Der nahm brav die Hände hoch, und wunderte sich. Jonas: Sie sind auf dem falschen Dampfer, Jasmin. Im Reservat hätten Sie den Laser benutzen sollen, gegen die Todesschwadron, nicht hier, nicht gegen Jonas. Ich bin auf ihrer Seite. Jasmin Lamour: Wenn Sie sich da nur nicht irren. Ines, er hat eine Waffe, eine Keckler & Hoch, in der Jackentasche, nehmen Sie sie ihm weg. Seien Sie vorsichtig. Eigentlich ist es mir gar nicht recht, daß ich Jonas nun doch selbst erledigen muß, eigenhändig, aber was bleibt mir übrig. Die Todesschwadron hat gleich zweimal versagt, also muß ich ran, reinen Tisch machen. Schließlich haben wir einen eindeutigen Vertrag mit unserem Auftraggeber. Ines, was tun Sie? Weg mit der MP, geben Sie sie mir. Ines: Nein, Dr. Lamour. Sie drehen Ihren Laser um, und geben ihn Jonas in die Hand. Langsam. Jasmin Lamour: Sind Sie verrückt geworden? Ines: Im Gegenteil. Ich bin zu Verstand gekommen. Memoryklau ist eine Sache, aber Mord. Jasmin Lamour: Jetzt ist mir einiges klar. Sie haben ihn aus der Klinik gelassen. Ines: Habe ich. Sagen Sie mal, Jonas, gibt’s hier so was wie einen Strick, oder Biofesseln? Jonas: Der gute Detektiv ist auf alle Eventualitäten vorbereitet. Mehr oder weniger. Jasmin wurde gefesselt. Geknebelt. Auf meinem Bett abgelegt und zugedeckt. Was mit ihr geschehen sollte, würde sich Jonas später überlegen. Vorher mußte er sich sein Gedächtnis zurückholen. Mit Ines Hilfe. Sie war die weiße Dame im Spiel. Bisher war ich blind auf dem Feld herumgeirrt. Ines erklärte mir die Regeln. Und machte mir klar, wer noch mitspielte. Die schwarze Dame zum Beispiel. Alias Dr. Jasmin Lamour. Oberärztin an der Professor-Sauerbierklinik. Neurologische Abteilung. Wo sie sich ein einträgliches Nebengeschäft aufgebaut hatte: Memoryklau. Alles, was sie brauchte, war da. Die Apparate. Interessante Patienten. Und eine tüchtige technische Assistentin. Namens Ines. Ines Sikorski. Das Geschäft lief gut, und reibungslos. Bis eines Tages... Ines: Bis eines Tages dieser Schellack auftauchte. Sam: Was für’n Lack? Wenzel R. Schellack? Ines: Ja, so heißt er. Sam: Aha, Sam wußte doch, daß er den Kerl kannte. Jonas: Welchen Kerl, Sammy? Sam: O Mann, den im Holo, den Janos, den falschen Jonas. Jonas: Und woher kennst du den, Sam? Sam: Eieieiei, ihr kennt ihn gleichfalls, Herr Reichsbischof. Doch leider leider wißt ihrs nicht mehr. So lasset euch denn berichten. Wenzel Romuald Schellack ist ein Nichtsnutz, dumm, dußlig, faul und feige. Doch reich, da er geerbt durch seiner Väter Mühen. Indessen... Jonas: Fasse dich kurz. Sagt der weise Bosequo. Sam: Ach, der war das? Sam dachte, das war der weise Bosequo? Jonas: Sam, Schellack. Sam: Ich heiß nicht Schellack, na ja, aber selbiger sah vor drei Jahren Jonas im Holo. Als unfreiwilligen Star einer großen Privatdetektivoper, hurra, hurra, ja, Sir. Fall Megastar. Nicht erinnerlich, ich weiß schon. So angetan war er vom Geschauten, daß ihn der glühende Wunsch ergriff, selbst und persönlich privat zu detektivieren. Zu detektivfünfen. Oder sagt man zu privatdetektivieren? Jonas: Weder noch. Er wollte also Privatdetektiv werden dieser Schellack. Und? Sam: Und? Ja, und so kontaktete er denn Jonas. Nur Jonas, den weithin, wenn nicht gar allseits bekannten und beliebten letzten Detektiv, um diesem, man höre und staune, eine Partnerschaft zu offerieren. Jonas: Ach, und was hab ich gemacht? Ihn vor die Tür gesetzt? Sam: Aber achtkantig, ach was, neunkantig, zehnkantig, elfkantig, zwölfkantig, dreizehnkantig... Jonas: Das war also vor drei Jahren. Jetzt hatte Schellack meine Fälle. Und trat damit im Holo auf. Als Janos, der letzte Detektiv. Wie das, fragte sich Jonas. Und Ines gab ihm Antwort. Schellack hatte sich mit Dr. Lamour in Verbindung gesetzt, der Memoryklauerin, und ihr den Auftrag gegeben, Jonas die interessantesten Fälle aus dem Kopf zu ziehen. Für Schellack. Lamour lockte Jonas in ihre Klinik. Als angebliche Klientin. Betäubte ihn. Entzog ihm seine Erinnerungen. Übertrug sie auf eine Memory-CD. Mit welcher sie sich sogleich zu Schellack begab. Jonas blieb in der Klinik zurück. Gedächtnis- und bewußtlos. Nach ihrer Rückkehr wollte Lamour ihm die Todesspritze setzen. Darauf hatte Schellack bestanden. Er wollte nicht nur der letzte, er wollte auch der einzige Detektiv in Babylon sein. Aber als Lamour wieder in die Klinik kam, war Jonas verschwunden. Ines: Ich war das, Jonas. Ich habe Sie auf Ihrer Bahre in eine Ambulanz gerollt, und Sie vor Ihrem Haus abgeladen. Jonas: Mit einem Zettel in der Tasche. Nett von Ihnen, Ines, warum haben Sie mich gerettet? Ines: Mein Gott, warum? Weil ich bei einem Mord nicht mitmachen wollte, und außerdem sind Sie mir sympathisch. Ihr Job, Ihr Leben, Ihre Art, find ich gut. Jonas: In Ordnung. Sie war mir auch sympathisch. Sicher, I ist nicht J, aber dicht daneben. Immerhin. Als Lamour zurückkam, stellte Ines sich dumm. Nach ihrem Testanruf am Morgen wußte Lamour, Jonas war in seinem Büroapartment. Sie war verunsichert, und gab den Auftrag, Jonas zu töten weiter, an die Experten von der Todesschwadron. Jonas: Den Rest kenn ich. Ich bin Ihnen dankbar, Ines. Ines: Es war mir ein Vergnügen, Jonas. Jonas: Mein Gedächtnis muß ich mir also von Schellack holen. Ines: Wenn Sie wollen, komm ich mit. Sam: Von Schellack holen. Spricht sich leicht, und tut sich schwer. So einfach kann man ihn nicht besuchen, den Herrn Schellack. Jonas: So? Wo wohnt er denn? Ines: Schwanensee. Sam: Na wo im Haus die Feinen pinkeln, na es Korrektur, Korrektur, wo die feinen Pinkel hausen. Zum Bleistift Herr Sesam, Fall Niemandsland. Professor Morell, Fall Westfront. Ex-Holoclown CoCo, Fall Weihnachtsmärchen. Jonas: Etcetera etcetera, aber warum ist es so schwierig, ihn am Schwanensee zu besuchen? Sam: Wieweil derselbe nicht am Schwanensee wohnt, wie die genannten Herrschaften, sondern im Schwanensee. Ines: Auf seiner Yacht. Montecito heißt die. Sam: Nach Raymond Chandler selig, welch Sakrileg. Ines: An Bord läßt Schellack nur, wen er sehen will. Nach Voranmeldung. Sam: Doch bei seinen Macken wäre er zu packen. Schlag nach bei Chandler, bei dem steht was drin, fidldidlbum. Jonas: Gute Idee. Sam besorgte Schellacks persönliche Fonnummer. Jonas instruierte Ines. Die rief an und sagte, was sie sagen sollte. Ines: Ihre Nummer hab ich von Network, der Holostation. Sie sind doch der Detektiv Janos? Janos: Janos, nur Janos, der letzte Detektiv, jawohl, der bin ich. Ines: Ich brauch nämlich einen. Einen Detektiv. Ganz dringend. Wissen Sie, mein Bruder, der... Janos: Sagen Sie mir doch erst einmal, wer Sie sind. Ines: Ach, natürlich. Ich heiße Quest-Wonderly. Mit Bindestrich. Orfamay Quest-Wonderly. Janos: Wunderbar. Chandler und Hammett. Sie wollen mich engagieren? Ines: Ja, vielleicht, wenn es nicht zu teuer ist. Janos: Für Sie umsonst, meine liebe Orfamay Quest-Wonderly. Kommen Sie in mein Büro. Am besten gleich. Ines: Ja? Ist es nicht zu spät? Janos: Ein Detektiv ist immer im Dienst. Sie wissen, wie Sie mich erreichen? Ines: Nein. Janos: Also, passen Sie auf. Jonas: Drei Stunden später. Mitternacht. Hell erleuchtete Villen spiegeln sich im dunklen Schwanensee. Ein strahlend weißer Kranz. Genau in der Mitte die Yacht Montecito. Die elektronischen Sicherungen sind abgeschaltet. Eine Besucherin ist bei Schellack. Alias Janos. In dem Büro, das er sich auf der Yacht eingerichtet hat. Neben dem Salon. Im Heck. Unter dem Fenster liegt das Boot, das die Besucherin gebracht hat. Der Ruderknecht zieht die maritime Livree aus, und enthüllt sich als Jonas, im schwarzen Kampfanzug, aus dem antarktischen Krieg. An sich trägt er ein ganzes Arsenal. Laserstrahler, Neurofreezer, Kurz-MP, und Magnetopads, an Händen und Füßen. Damit steigt er die Außenwand der Yacht hoch. Unhörbar. Am Fenster macht er Halt. Und späht in ein Detektivbüro wie aus einem alten Film. Noir. Nostalgisch. Ines: Verschwunden ist er, mein Bruder Jonas. Und sein Gedächtnis hat er auch noch verloren. Janos: Jonas? Merkwürdig. Ines: Helfen Sie mir, Herr Janos. Finden Sie ihn, bitte. Janos: Beruhigen Sie sich, trinken Sie einen Schluck. Was hältst du von ihr, Sal, und von ihrer Geschichte? Sal: Höchst unglaubwürdig, Herr, äußerst verdächtig. Jonas: Na, das ist ja ein Ding, sieh dir das mal an, Sammy. Hier gibt’s nicht nur noch einen letzten Detektiv, hier gibt’s auch noch nen Sam. Janos: So, und jetzt sagen Sie mir die Wahrheit, Frau Quest-Wonderly, oder wie immer Sie wirklich heißen. Brigid O’Shaughnessy vielleicht? Was wollen Sie von mir? Wer schickt Sie? Ines: Ich verstehe nicht. Janos: Reden Sie sich nicht raus. Mein Computer hat Sie entlarvt. Nicht umsonst heißt er Salomo. Kurz Sal. Jonas: Bruder von dir, Sam. Sam: Bruder? Hahaha, so was akzeptiert Sam nicht mal als Stiefvetter vierten Grades. Salomo. Ha. Ausschuß. Schrott. Janos: Da, am Fenster, was war das? Jonas: Nichts weiter. Nur Jonas. Der letzte Detektiv. Der echte. Sam: Und Sam, sein Supercomputer. Erzittert, ihr Schurken. Jonas: Bleiben Sie ganz still stehen, Schellack, sonst muß ich Sie neurofreezen. Janos: Sal! Tu doch was! Hilf mir! Sal: Jawoll, Herr, mal sehen, mal überlegen. Sam: Hahaha. Jonas: Sal sah fast aus wie Sam. Ein kleiner Blechkasten mit Löchern und Knubbeln. Er lag auf dem altmodischen Holzschreibtisch und gab sich redlich Mühe. Sam rollte um ihn herum. Sal hatte keine Räder und mußte stillhalten. Wir anderen sahen dem Duell der Computer zu. Schellack notgedrungen. Ines und Jonas mit Vergnügen. Sam: Na los, Kumpel, zeig mal was. Was kannst du eigentlich? Sal: Sal kann sprechen. Sam: Sprechen nennst du das? Bei detaillierter Begutachtung der Situation unter Einbeziehung aller relevanter Faktoren ergibt sich unabweisbar folgendes Resultat: In jedem rechten Winkel ist die Summe der dreieckigen Katheter genauso groß wie die Hypothese. Quod erat demonstrandum. Das ist sprechen, mein lieber. Kannst du ein Gedicht aufsagen? Sal: Ja, Oeia, popeia, was raschelt im Stroh, das sind... Sam: Gefährlich ist’s, am Wein zu lecken, verderblich ist ein hohler Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist ein Mensch, wenn er im Tran. Das ist ein Gedicht. Naja. Kannst du singen? Sal: Hänschen klein, ging allein... Sam: Frau Wirtin hat nen Detektiv, der gern in fremden Betten schlief. Er war dort nicht alleine... Jonas: War ich das, Sam? Hab ich dir Wirtinnenverse beigebracht? Den Sanitätsgefreiten Neumann etwa auch? Sam: Ein dreifach Hoch, ein dreifach Hoch... Jonas: Das reicht, Sam. Sam: He, du, Sal, schlaf nicht ein. Kannst du hexen? Sal: Hex Hex. Sam: Abrakadabra, hokus pokus fidibus, Virus, fahr ihm ins Gebein, ja, so und jetzt sag was. Sal: Salomo der Weise spricht... Sam: Ein Computer stottert nicht. Kannst du ausländisch? Kannst du inline skaten? Kannst du fiedeln, kannst du stricken, kannst du bosseln, kannst du fidirallala? Kannst du tanzen, Joana. Hat du Möhrchen? Sal: Au, au, au, au... Jonas: Durchgeknallt. Totalschaden. Sam: Acht, neun, aus. Holldriadoö. Sieger durch KO, Computer Samuel, genannt Champion Sam, der Schrecken aller Übeltäter, und ihrer Computer. Danke. Vielen Dank. Jonas: Und jetzt zu Ihnen, Schellack. Mein Gedächtnis. Geben Sie mir die Memory-CD. Schellack: Ich kann nicht. Jonas: So? Das ist ein Laserstrahler, Schellack, der macht Löcher. Durch Ihren Bauch, durch Ihren Kopf. Geben Sie mir die CD. Schellack: Ich kann nicht. Wirklich nicht. Ich habe sie nach dem Einspielen vernichtet. Damit ich der einzige letzte Detektiv bleibe, was auch passiert. Und das war ein Unikat. Ein absolutes Einzelstück. Darauf hatte ich allergrößten Wert gelegt. Machen Sie, was Sie wollen. Bringen Sie mich um. Ihre Erinnerungen kriegen Sie nie wieder. Ines: Eine Chance haben Sie noch, Jonas. Von besonders interessanten Memory-CDs zieht Dr. Lamour manchmal Kopien für ihre Privatsammlung. Jonas: Und wo ist die? Ines: In ihrem Schrank, in der Klinik. Jonas: Dann sehen wir doch mal nach. Ines: Und was machen wir mit Schellack? Jonas: Den nehmen wir mit. Schellack: O nein, nicht mit mir, ich bleibe hier, was auch passiert... Jonas: Neurofreezer. Macht steif und stumm. Für eine gewisse Zeit. Wir brachen auf. Mit dem Boot, ans Ufer. Und weiter in Schellacks feudalem E-Mobil, den Schlüssel hatte er in der Tasche. Sehr aufmerksam. In der Klinik kam Schellack allmählich wieder zu sich. Ines paßte auf ihn auf. Während Jonas die Diskothek der Jasmin Lamour durchsah. Und schließlich seine Memory-CD entdeckte. Heureka, würde Sammy sagen. Halleluja, Hurra. Ich spielte mir die Scheibe ins Hirn. Einige Sekunden Verwirrung, Desorientierung. Dann war Jonas wieder Jonas. Komplett. Mit seinen Fällen. Seinen Erfahrungen. Sogar meine Smith & Wesson fand ich wieder. Auch im Schrank. Das war's. Fall Blackout abgeschlossen. Augenblick. Noch nicht ganz. Jonas: Es kann nur einen geben. Ines: Einen letzten Detektiv. Jonas: Natürlich. Schellack ist das Problem. Er hat meine Fälle in seinem häßlichen Schädel. Und hält sich für eine Art Jonas. Das geht nicht. Ines: Man könnte ihm die gestohlenen Erinnerungen abzapfen. Aber das dauert. Kompliziert ist es auch. Jonas: Und dann? Wir übergeben ihn der Polizei. Er kauft sich los und ist gleich wieder hinter mir her. Und meinem Gedächtnis. Schellack: Nie wieder. Bestimmt nicht. Jonas: Ich glaub Ihnen kein Wort, Schellack. Ines: Und wenn Sie ihn erschießen, Jonas? Schellack: Nicht doch! Jonas: Würde Ihnen nur recht geschehen, aber... Sam: Ein Vorschlag, Chef. Jonas: Ah, Champion Sam gibt uns die Ehre. Ist dir langweilig? Hast du deinen Triumph genug ausgekostet? Sam: Wahrlich, geliebte Mitchristen, ist es denn nicht mit den Menschen als wie mit den Computern? Siehe, hier ist ein Mensch, eccel homo, ein Bösewicht, Mord gibt er in Auftrag, geraubte Erinnerungen hortet er in seinem Hirn, und siehe, hier ist ein wohlbestalltes Archiv vielfältigster Memory-CDs. Lasset uns eine Lehre ziehen aus der hochverdienten Abstrafung eines gewissen Computers, Sal war sein unschöner Name, und lasset uns an seinem Herrn des gleichen tun. Jonas: Du meinst, wir spielen ihm eine Menge Memory-CDs ein, eine nach der andern. Sam: Bis daß er durchdreht. Amen. Schellack: Nein. Sam: Doch doch doch doch doch doch... Jonas: Doch. Wir schnallten Schellack fest. Und füllten sein Hirn mit Erinnerungen. Was uns gerade in die Finger kam. Zombies. Söldner. Callgirls. Spione. Chirurgen. Testpiloten. Kannibalen. Transsexuelle. Henker. Und so weiter. Bis sein Hirn überlief. Und explodierte. Totale Memoryüberfütterung. Mentaler Kurzschluß. Er hing im Stuhl. Lallte. Sabberte. Stierte vor sich hin. Wie ließen ihn sitzen. – Die Tür zu meinem Büroapartment stand offen. Kein gutes Zeichen. Innen war alles in Ordnung. Nur daß auf meinem Bett eine tote Jasmin Lamour lag. Erschossen. Ines: Richtig durchsiebt. Soviel Blut. Sam: Kleckert im Loch. Jonas: Keckler & Hoch. Die Todesschwadron war hier. Ines: Und hat die Gestalt auf dem Bett für Sie gehalten, Jonas. Sam: Apropos Bett. Poetische Gerechtigkeit nennt solches der Gebildete. Brock: Kripo. Jonas: Brock? Brock: Chefinspektor Brock. Wer spricht? Jonas: Ihr bester Freund und Helfer. Brock: Jonas! Und dabei hat der Tag so gut angefangen. Was ist? Jonas: Auf meinem Bett liegt ne Leiche. Brock: Wieder mal? Wie ist die da hingekommen? Jonas: Das ist eine lange Geschichte. Brock: Die werden Sie mir erzählen, Jonas, in allen Einzelheiten. Gleich sind wir bei Ihnen. Rühren Sie sich ja nicht von der Stelle. Jonas: Lieber nicht. Jonas braucht ne Pause. Jonas muß sich erholen. Ines: Gehen wir zu mir. Sam: Ich geh auch zu mir. Das war Blackout. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv. Von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Diana Körner, Dirk Galuba, Nicola Tiggeler, Jochen Striebeck, Tobias Lelle, Michael Tregor und andere (Christian Buse, Isolde Barth, Ursula Rehm). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck und Sieghard Fieber. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1998. Redaktion Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Drachentöter Stimme: Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. Jonas: 19. Oktober 2014. Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon. Camelot Fashions, der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor. Natürlich Computer-Design, keine Haute Conture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells. Großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das, werden Sie fragen, was sucht der letzte Detektiv auf einer Modenschau? Das kam so: Heute früh kriegte ich eine Air-Mail, über Sam. Sie kennen Sam? Mein kleiner lauter Chaos-Pilot im digitalen Verkehrs-netz. Mein Computer. Ein ganz besonderer Computer. Nicht weil er spricht, das tun viele Computer. Sam quatscht und tönt und schwafelt und nervt, wenn ich ihn lasse. Sam: Trari trara, die Post ist da. Soeben erreicht uns folgende Air-Mail, adressiert an Jonas, nur Jonas. Piep. 11 Uhr Modenschau, CamFash, Kaufhaus Wunderland, wenn an Auftrag interessiert, kommen. Piep. Ende der Durchsage. Jonas: Absender? Sam: Kein Absender. Anonym, Bnonym, Cnonym. Jonas: Sind wir an einem Auftrag interessiert, Sammy? Sam: Jajajaja was heißt interessiert, wir brauchen einen Auftrag, dringlichst, Sir, wenn ich Hoheit auf dero ultratrüben Kontostand aufmerksam machen dürfte. Jonas: Deshalb war ich hier. Aber von einem Auftrag war bisher nichts zu sehen. Rechts von Jonas stand ein Greis, der weniger die Anzüge ansah als die Zwischenräume. Links eine Karrierefrau in Nadelstreifen, Mitte 40, die eifrig in ihren Laptop schrieb. Journalistin? Canape: Modepublizistin, Herr Jonas. Sie sind doch Herr Jonas? Jonas: Unter Umständen. Und Sie sind? Canape: Carmela Canape. Jonas: Ehrlich? Canape: Mein Künstlername. Sie kennen doch Auf Carmelas Canape, meine Kolumne in Lifestyle? Jonas: Kenn ich nicht. Lese ich nicht. Sie wollten mir einen Auftrag geben, Frau Canape. Canape: Carmela. Unter Umständen. Jonas: Worum geht’s? Canape: Nicht hier, Jonas. Ich ziehe ein ruhigeres Ambiente vor, ein Restaurant oder dergleichen. Jonas: Das Casablanca ist gleich um die Ecke. Canape: Ich bitte Sie, vulgär und gewöhnlich. Kommen Sie mit. Jonas: Wir landeten im Unter uns, nicht gerade mein Ding. Ein Oxy-Bar. Nichts zu essen, nichts zu trinken, nur Luft aus edlen Designer-Behältern, in großer Auswahl, und menschliche Bedienung. Kellner: Morgendämmerung in den Dolomiten, kann ich ihnen heute ganz besonders empfehlen, oder Erquickung am Wiesenrain. Canape: Bringen Sie mir Sylter Sauerstoff, Jahrgang Null Sieben. Null Sieben, keinen anderen. Kellner: Eine ausgezeichnete Wahl, gnä’ Frau. Und der Herr? Jonas: Haben Sie Kehraus im Krematorium? Kellner: Bedaure, so etwas führen wir nicht. Canape: Der Herr nimmt auch einen Sylter. Jonas: Das Zeug kam. Carmela nuckelte und fand es ganz exquisit. Von mir aus. Besser als die Luft draußen war es allemal. Aber wir wollten ja nicht über Sauerstoff reden. Carmela brauchte einen Detektiv. Weshalb? Canape: Meine Mutter ist verschwunden. Jonas: Seit wann? Canape: Seit ungefähr drei Monaten. Jonas: Ach was, und da machen Sie sich jetzt erst Sorgen? Canape: Wissen Sie, wir standen uns nicht sehr nahe. Ab und zu haben wir uns getroffen, zum Tee, zum Sauerstoff, zum Plaudern, aber jetzt habe ich lange nichts von ihr gehört. Zu lange. Jonas: Wie heißt Ihre Mutter? Canape: Mama ist Vivien Eastwood. Jonas: Die Modeschöpferin? Canape: Die Modeschöpferin. Jonas: Sie war die einzige in Babylon. Und die letzte. Wie Jonas. Die letzte Bastion menschlicher Kreativität in einem durchdigitalisierten Kulturbetrieb. Movie und Theater sind verschwunden, Holo-TV wird von Computern geschrieben, gemacht, gespielt. Menschen gibt’s nur noch beim Radio, und in der Oper. Reservate für Minderheiten. Und in der Haute Couture. Der Staat fördert Menschenwerk. Wer Opern produziert, oder Haute Couture, braucht praktisch keine Steuern zu zahlen. Artus Artus zum Beispiel. Der Besitzer von CamFash. Weil er sich die Haute-Couture-Marke Eastwood leistet. Canape: Ich habe in Mamas Wohnung gefragt, aber ihre zwei Aupairs haben mich abgewimmelt. Jonas: Aupairs? Canape: Aus Hong Kong, oder vielleicht Singapur. Sie können auch Designerlehrlinge sagen, Dienstboten, Bettgenossen. Mama ist über 70, aber immer noch sehr lebenslustig. Jonas: Ich versprach Ihr, Mama zu suchen. Für 120 Euros pro Tag und Spesen. Am Nachmittag stellte ich mich in der Eastwood-Residenz ein. Eine große Wohnung. 200 Quadratmeter, mindestens. In einem alten Haus, 200 Jahre, mindestens. Von der Sorte gab’s noch mehr in der Gegend. Südwest-Babylon, Otmar-Alt-Allee, das Künstlerviertel. Die Tür wurde mir von zwei niedlichen Persönchen aufgemacht. Von asiatischem Aussehen und unpräzisem Geschlecht. Zwillinge. Möglich. Nur das der oder die eine ein weißes Nachthemd trug, und die oder der andere ein schwarzes. Yin und Yang. Yin: Velschwunden? Yang: Vivian? Ying: So ein Unsinn. Yang: Vivian ist in Avalon. Ying: Bei König Altus. Jonas: Artur Artus, der sich gern König Artus nennen läßt, hatte sich eine Biosphäre eingerichtet. Draußen in der Wildnis, nach seinem Geschmack. Und der war ganz und gar mittelalterlich. Unter der Käseglocke gab’s eine Burg. Und einen richtigen Wald. Sagte man. Das ganze hieß Avalon. Merkwürdige Dinge sollten in Avalon vorgehen. Unheimliche, gefährliche Dinge. Menschen sollten da verschwinden. Ying: Abel doch nicht Vivian Eastwood. Jonas: Wann ist sie nach Avalon gegangen? Ying: Juli. Yang: Ende Juli. Jonas: Also vor fast drei Monaten. Ist sie in dieser Zeit mal nach Hause gekommen? Ying: Nein. Jonas: Hat sie sich mal gemeldet? Yang: Auch nicht. Ying: Typisch Vivian. Yang: Sie ist Künstlelin. Ying: Sie ist exzentlisch. Jonas: Aber ihre Tochter. Ying: Ach die. Yang: Das alte Canape. Ying: Die ist doch nur an Mamas Geld intelessielt. Yang: Die lauelt doch nul dalauf, daß Mama den Zeichenstift für immel abgibt. Ying: Dann elbt sie alles. Yang: Schleckliche Person. Jonas: Jonas rief im Camelot-Tower an, dem Sitz von CamFash. Jonas ist zäh, nicht so leicht abzuschütteln. Deshalb kam ich schließlich durch, zu seiner Majestät. Artur Artus, dem Modeking höchstpersönlich. Artus: Sie wollen mit mir über Vivi sprechen? Warum nicht. Kommen Sie morgen Mittag in die Burgschänke. Jonas: Was für eine Burgschänke? Artus: Die Kantine im Camelot-Tower, die heißt so. Jonas: Zu recht. Ein großer Raum, eingerichtet mit knubbeligen Stühlen und schiefen Tischen aus Fast-Holz, fast ganz echt mittelalterlich. An den Wänden altmodische Ölschinken, dicke Mönche und rüstige Ritter, bunte Glasfenster, wie in einer Kathedrale, die Serviererinnen trugen lange Röcke und tiefe Ausschnitte, sie schleppten gigantische Speisekarten an, aus Fast-Pergament, die unglaubliches versprachen. Jonas: Ein noch gar blutig Rumpfstücklein vom wohlgezogenen Rindvieh. Serviererin: Soja. Jonas: Aha. Und der Med, süß und mundig. Serviererin: Gen-Bier. Jonas: Der feurige Branntewein ist dann wahrscheinlich Synth-Whisky. Serviererin: Genau. Nun denn, Herre, was Speis und Trank begehret ihr? Jonas: Kleines Bier. Sam: Gemach, o edler Ritter Jonas, ihr Schnüffler zubenamst nicht doch all so. Flugs, flugs, schöne Maid, wohlan, kredenzet uns des süßen Meds die Fülle, sputet euch, denn siehe, uns verlanget gar sehr nach solchem, indem daß wir vom bösen Durste abscheulich gequälet werden. So macht man das. Jonas: Halt dich zurück, Sammy. Sam: Was, Sammy? Wir sind der edle Ritter Samuel von Chipshausen, Herr und zu Bitburg, Edler von Genit äh, Korrektur, Digitalien. Jonas: Graf von der Müllhalde, Herzog von Blechstedt und Schrotthaufen, unbeschränkter Herrscher von und zu Schnatterburg. Sam: Lasset ab von eurem Spotte, Herr, so nicht werdet ihr bei meiner Seel Genugtuung geben in den Schranken des Turnieres. Jonas: Was ist los? Serviererin: Pst! Der König! Sam: Wer? Jonas: Ein kleiner dicker Mann hatte den Raum betreten. Alle standen auf. Der Neuankömmling war eine Sinfonie in Rot. Rote Strumpfhosen, rotes Wams, roter Umhang, dazu als Akzent und Kontrast, eine goldene Krone auf seinem Kahlkopf. Er winkte leutselig, sah sich um, schritt auf meinen Tisch zu, und setzte sich ohne Umstände zu Jonas. Neben ihm nahm sein Begleiter Platz. Ein großer breiter Typ im grauen City-Anzug. Beule unter dem rechten Arm. Unter dem rechten? Artus: Meine linke Hand. Er ist nämlich Linkshänder. Dr. Eckart. Mein getreuer Eckart. Leibwächter. Pilot. Mann fürs Grobe. Jonas: Sie sind natürlich Artus. Artus: Artur Artus. König Artus. Monarch über Camelot Fashions und alle dort Beschäftigten. Wenn ich will, kann ich jeden feuern, auf der Stelle, nicht wahr, mein Kind? Serviererin: Wünschet ihr euer Mittagsmahl hier einzunehmen, Majestät? Artus: Nein, ich werd’ das Dreckzeug doch nicht fressen. Das überlaß ich meinen teuren Untertanen. Jonas: Sehr weise. Artus: Ich hab mich über Sie erkundigt, Jonas. Ich weiß alles über Sie. Sie sind der letzte Detektiv. Ehrenhaft, loyal, ritterlich, kurz: arm und dumm, stimmt’s? Jonas: Sie sind reich und klug, Artus. Artus: Na klar. Jonas: Also nicht ehrenhaft, nicht loyal, nicht ritterlich. Artus: Glauben Sie? Äh, zur Sache, was wollen Sie? Jonas: Vivian Eastwood. Artus: Sagten Sie schon am Fon, was ist mit Vivian. Jonas: Sie ist verschwunden, seit einem viertel Jahr. Artus: Quatsch. Wer sagt das? Jonas: Vivians Tochter. Artus: Na die hat doch Null Ahnung. Vivi ist bei mir in Avalon, das heißt, sie war in Avalon, um in Ruhe an der neuen Kollektion zu arbeiten, vor einer Woche war sie fertig, und ist gegangen. Jonas: Wohin? Artus: Keine Ahnung. Spielt auch keine Geige. Vivi hat ihre Eigenheiten. Bisher hat sie noch vor jeder Show Lampenfieber gehabt. Sie ist kurz mal abgetaucht. Wenn’s soweit ist, taucht sie auch wieder auf. Jonas: Und wann ist es soweit? Artus: Übermorgen, wenn die große Show über den Laufsteg geht. Die Präsentation der neuen Kollektion von Vivian Eastwood. In der Emanuel-Wichtig-Halle. Ganz groß. Menschliche Models, ausgesuchtes Publikum. Kommen Sie doch auch, Jonas, Sie sind eingeladen, ich sorge dafür, daß Sie einen Platz in der ersten Reihe kriegen. Jonas: Die Emanuel-Wichtig-Halle ist das bemerkenswerte Denkmal eines wenig bemerkenswerten Bürgermeisters. Nicht schön, aber gewaltig. Wie ein überdimensionaler Schneewittchensarg steht sie mitten im Ausstellungsgelände von Babylon. Brutal. Unübersehbar. Innen sah sie heute aus wie die Burgschänke im Camelot-Tower, nur viel größer: Überall alte Wandteppiche. Wappen und Waffen, Schilde, Schwerter, Lanzen, Hellebarden, die dazugehörigen Rüstungen standen dekorativ auf dem Laufsteg herum. Menschen in seltsamer Tracht spielten auf seltsamen Instrumenten seltsame Musik. Artus: Madrigale, Motetten, was weiß ich, auf jeden Fall mittelalterlich, und daher passend zum Thema der neuen Eastwood-Kollektion, welches da lautet... Jonas: Lassen Sie mich raten, Artus: Mittelalter. Artus: Sehr gut, mein lieber Jonas. Jonas: Ihr neuer Look ist also uralt. Artus: Ist er doch immer. Wie finden Sie die Ausstattung? Jonas: Passend. Artus: Dafür zeichnet eine fähige Mitarbeiterin von Camelot Fashions verantwortlich. Für Ausstattung, Choreographie, Art Direction, zum ersten Mal, früher hat das Vivi selbst gemacht, das Material stammt übrigens von mir. Jonas: Ach was. Artus: Waffen, Rüstungen, alles aus meiner großen Sammlung in Avalon. Müssen Sie sich bei Gelegenheit mal ansehen, Jonas. Jonas: Sicher, bei Gelegenheit. Jonas: Zur Feier des Tages hatte Artus sein rotes Königsoutfit aufgemotzt durch ein Hermelin-Cape. In diesem enterte er den Laufsteg. Beifall brandete auf, brandete ab. Artus hob die Hand, Fanfaren ertönten. Genau wie im alten 2D-Movie Ivenhoe der schwarze Ritter. Artus: Mutige Herren, schöne Damen! Da unsere liebe Vivi sich noch nicht sehen läßt, wir kennen das ja, obliegt es mir, ihre diesjährige Haute Couture Vision zu präsentieren. Folgen Sie mir also, begeben Sie sich mit mir auf eine Zeitreise in jene farbige Epoche, da der Himmel der Erde noch nahe war, da tapfere Ritter Drachen erschlugen, und von minniglichen Frauen dafür belohnt wurden. Genug der Vorrede, die Show beginnt. Creation Eleonore von Aquitanien: Kotte und Surkott aus einem hochaktuellen Materialmix, burgunderfarbener Latex mit durchsichtiger Chemiespitze, dazu eine voluminöse Schleppe und als i-Tüpfelchen ein chapel, ein Kopfreif aus Fast-Gold. Arbelar und Eloise: Über gestreiften Beinlingen trägt er die knappe Brusch mit farblich abgesetztem Hosenlatz, darüber Wams, Schecke, und Hupelande. Sie zeigt uns, unter der Kurzjacke aus Brokat, eine tiefdekolletierte Kotte, interessante Accessoires sind die nachtblauen Schnabelschuhe und der superbreite Hüftgürtel oder Dupsing, wie wir Mediavisten sagen, gekrönt wird das Ensemble durch eine ausladende Flügelhaube... Jonas: Und so weiter. Sehr mittelalterlich, stinklangweilig, trotz der lebenden Models. Da war wenigstens meine Meinung. Aber was versteht Jonas von Mode. Den anderen im Saal schien es zu gefallen. Sie klatschten und pfiffen und winkten. Die Journalisten ratterten begeistert auf ihren Laptops, Carmela Canape war natürlich auch da. Plötzlich schrie eine Frau, auf dem Laufsteg, nicht weit von mir entfernt. Ich schreckte hoch. Eine der Ritterrüstungen bewegte sich, schwankte hin und her, immer heftiger, bis sie umfiel, mit großem Geschepper. Das Visier sprang auf, darunter war ein blasses Gesicht zu erkennen. Artus kam angetrabt, bückte sich, nahm den Helm ab, im Saal Totenstille. Artus: Vivi! Vivian Eastwood! In der Rüstung! Ich glaube, sie ist, sie ist tot. Eckart, rufen Sie die Kripo an! Jonas: Die Show war zu Ende. Fluchtartig verließ das ausgesuchte Publikum die Emanuel-Wichtig-Halle. Es blieben nur die Journalisten. Artus natürlich mit seinem Eckart. Und Jonas. Jonas, der den Auftrag gehabt hatte, Vivian Eastwood zu suchen. Jetzt hatte er sie gefunden, gewissermaßen. Canape: Mama ist tot? Jonas: Ja. Canape: Was glauben Sie ist passiert? Artus: Na das ist doch egal, was Jonas glaubt oder nicht glaubt, die Sache ist ganz klar: Vivi wollte sich die Präsentation unbemerkt ansehen und hat sich in der Rüstung versteckt. Am Schluß wäre sie rausgekommen und hätte sich feiern lassen. Aber die Aufregung war zu viel für sie. Mein Gott, sie war fast 80. Herzschlag, schlicht und tragisch. Jonas: Die Kripo erschien. Nicht mein alter Feind, Chefinspektor Brock, ein leibhaftiger Kommissar namens Prick. Dazu ein Techniker. Und natürlich der Pathomat. Die Tote wurde aus der Rüstung geschält und an den Pathomaten angeschlossen. Kommissar Prick rief die Daten ab, und diktierte sie dem Techniker. Jonas blieb in der Nähe, und machte lange Ohren. Daten und Fakten sind wichtiger als Geistesblitze. Das hatte ich im Fernkurs für angehende Privatdetektive gelernt. Prick: Todesursache: Herzstillstand. Körpertemperatur: 15, 2 Grad. Tatsächlich, 15, 2 Grad. Besondere Merkmale: diverse Schürfwunden, Hüfte und Schulter, keine Blutung, Leichenflecken, Rücken, hellrot. Merkwürdig. Jonas: Kann man wohl sagen. Prick: Was haben Sie hier zu suchen? Wer sind Sie? Jonas: Jonas, Privatdetektiv. Prick: Steht der Mensch in ihren Diensten, Herr Artus? Artus: Keineswegs. Prick: Dann hauen Sie ab, Mann, Sie stören die Untersuchung. Jonas: Ich arbeite für die Tochter der Toten. Prick: Von mir aus für die Großmutter. Raus! Artus: Eckart! Jonas will gehen, bringen Sie ihn zur Tür. Ein Wort im Vertrauen, Herr Kommissar. Jonas: Während Artus und Prick die Köpfe zusammensteckten, schmiß Dr. Eckart Jonas aus der Halle. Jonas ließ sich schmeißen. Eckart trug bekanntlich eine Beule im Jacket. Draußen überlegte ich. Sollte ich auf Tochter Carmela warten? Aber dann ging ich doch lieber ins Casablanca, und stärkte mich, mit dem zu recht berüchtigten Whisky, den Jacob ausschenkte. Später rief ich sie an, und verabredete mich mit ihr. Canape: Wann? Jonas: Morgen vormittag um 10. Ich hab vorher noch einiges zu erledigen. Canape: Gut. Unter Uns? Jonas: Diesmal nicht. Jonas hat kein Bock auf Oxy. Wenn Sie was von mir hören wollen, müssen Sie schon ins Casablanca kommen. Canape: Na, da Sie so großen Wert darauf legen, Jonas, also, dann bis morgen. Jonas: Die Rüstung. Sam: Stammt fraglos aus Majestät Artussis Beständen. Jonas: So ist es. Frage: Wie ist Eastwood in die Rüstung gelangt? Sam: Weiß ich nicht. Jonas: Wann und wo? Als Artus den Helm abnahm, hat er blitzschnell was rausgenommen und in die Tasche gesteckt. Was war das? Und diese merkwürdigen Pathomat-Daten. Eine fähige Mitarbeiterin war für die Ausstattung verantwortlich, hat Artus gesagt, also auch für die Rüstung. Wie heißt die Dame? Sam: Piep. Laut Programm führt sie den Namen Miriam Kraus. Piep. Laut Piep, ne laut Personaldatei CamFash ist Miriam Kraus als Programmiererin beschäftigt, Hauptabteilung Konfektion, Unterabteil, äh, Unterabteil, äh, Unterabteilung Entwurf. Jonas: Noch so eine Merkwürdigkeit, wieso agiert eine simple Modeprogrammiererin als Art-Directris einer Haute Couture Show? Wo wohnt sie? Ist sie zuhause? Sam: Weiß ich och nicht. Jonas: Miriam Kraus war nicht zu Hause. Zumindest ging sie nicht ans Fon. Also ging Jonas zu ihr. In einen Bezirk, den man früher gutbürgerlich genannt hätte. Zwischen den Slums der Südstadt und dem exklusiven Künstlerviertel. In ordentlichen Reihen Häuser, aus dem mittleren 20. Jahrhundert. Mittelgroß, nicht mehr als 10 Stockwerke. An der Wohnungstür ein unproblematisches Schloß. Jedenfalls für einen einschlägig versierten Privatdetektiv. Dahinter zwei Zimmer, Küche, Bad. Mittelprächtig. Kein Luxus, keine Not. Keine Miriam Kraus. Statt dessen ein mittleres Chaos. Der PC war zertrümmert, das Diskettengestell leergeräumt. Schränke standen offen, Matratzen waren aufgeschlitzt, Küchenvorräte verschüttet, etc. Jemand hatte was gesucht. Sam: Eine Diskette. Jonas: Denk ich auch. Sam: Na so was, er denkt, mein Meister Schnarch, hähä... Jonas: Jetzt bist du dran, Sammy, mit denken. Sam: Mit denken? Jonas: Hat der Jemand gefunden, was er gesucht hat? Sam: Dann hätte er nämlich die Sucherei aufgegeben, haha, doch tat er dies nicht. Er hat hier alles auf den Kopf gestellt, aber auch alles. Jonas: Denk weiter, wenn du Miriam Kraus wärst. Sam: Ein Mensch? Ein Weib? Igitt. Wüah. Jonas: Wo würdest du eine Diskette verstecken? Sam: Programmiererin ist sie, Mann, jedenfalls nicht im Bett, nicht in der Sojamehldose. Jonas: Wissen wir. Sam: Keinerlei Kunst an den Wänden, Bilder oder dergleichen, hmh hmh, sehr ungewöhnlich. Entweder hat sie keinen ästhetischen Sinn, unsere Miriam. Jonas: Als Modeprogrammiererin, das glaub ich nicht. Sam: Oder sie bevorzugt Hologramme. Jonas: Die der Sucher ausgeschaltet hat, um festzustellen, ob was dahintersteckt. Tut es aber nicht. Sam: Tut es aber nicht. Hhm, tut es aber nicht. Ne, wirklich nicht? Jonas: Siehst du was anderes als kahle Wände, Sam? Sam: Moment, seh ich was anderes. Ah, wo ist der Holoschalter? Auf dem Nachttisch. Drück drauf. Jonas: Wozu? Sam: Jetzt quassel nicht rum, drück drauf. Jonas: Ich drückte. Wenn ich so nett gebeten werde. Ergebnis: In der Wohnung nur ein einziges Holo. An der Schlafzimmerwand. Die allseits beliebten grünen Palmen am blauen Meer. Sam: Schön, schalt wieder aus. So und jetzt drück zweimal auf den Schalter. Jonas: Sieh mal an, zwei Holos übereinander. Sam: Clever, unsere Miriam. Erst das Palmenholo, dann das Holo der kahlen Wand. Jonas: Und schließlich die echte Wand, mit einem Safe. Sam: Sir, machen wir den auf? Jonas: Blöde Frage. Im Safe waren ein paar Dokumente. Ein bißchen Schmuck. Und eine Diskette. Ohne Aufschrift. Die nahm ich mit, und ließ sie zuhause über den Bildschirm laufen. Sam: Oho! Jonas: Das hat er gesucht, der Sucher, der Jemand. Sam: Alias Dr. Eckart, im Auftrag seines Herrn. Jonas: Glaubst du, Sammy? Sam: Ja wer denn sonst. Angesichts des Inhalts der Diskette. Jonas: Ein Designerprogramm. Für Mode a la Mittelalter. Die historischen Basisdaten. Hupelande, Bruche, Surkott, und das ganze übrige Zeug. Umgesetzt mit modernen Materialen. Weißt du, was das heißt, Sammy? Sam: Ja. Jonas: Die neue Eastwood-Kollektion ist nicht von Vivian Eastwood entworfen worden. Sam: Nene, vielmehr von einem genital, Korrektur digitalen Kollegen. Jonas: Vom Computer. Keine Haute Couture, kein Menschenwerk. Sam: Bestes Computerdesign. Jonas: Poplige Kaufhausmode. Sam: Oh, bitte keine unnötigen verbalen Tiefschläge freundlichst, ja, ich meine, die freundlichst zu unterlassen, euer Rüpelhaftigkeit. Wichtig, nicht wahr, ist doch vor allem dieses, wenn’s rauskommt, nich, muß König Artus mordsmäßig Steuern nachzahlen. Jonas: Mordsmäßig. Sam: Ja. Jonas: Die Kollektion stammt nicht von Eastwood, das wissen wir jetzt. Und das könnte auch die Pathomatdaten erklären. Sam: Grünau. Jonas: Gleich am nächsten Morgen rief ich Chefinspektor Brock an. Er war hellbegeistert, von Jonas zu hören. Wie immer. Brock: Sie haben mir grade noch gefehlt. Gehen Sie aus der Leitung. Jonas: Wenn Sie meine Fragen beantwortet haben. Brock: Dann leg ich eben auf. Jonas: Und ich ruf sofort wieder an. Jonas ist zäh, wissen Sie doch. Brock: OK, fragen Sie, aber machen Sie’s kurz. Jonas: Vivian Eastwood. Brock: Geht Sie überhaupt nichts an. Außerdem ist der Fall abgeschlossen, natürlicher Tod, keine Probleme. Jonas: Was? Und die Pathomatdaten? Brock: Völlig normal. Augenblick, ich rufe ich mal auf. Temperatur 35 Grad, Schürfverletzung bedeutungslos, da bei Abnahme der Rüstung entstanden. Jonas: Stimmt nicht, ich war dabei. Und die hellroten Leichenflecken. Brock: Leichenflecken, was für Leichenflecken, es gibt keine Leichenflecken. Jonas: Ich hab sie doch gesehen. Brock: Na und? Ihr Wort gegen das von Kommissar Prick. Was wollen Sie denn, Jonas, so ist es doch viel besser, klarer Fall, gelöst und abgelegt, Pluspunkt in der Statistik. Jonas: Aber das ist doch alles nicht wahr. Die Daten sind geändert worden. Von Prick. Und ich wette, daß Artus dahintersteckt. Brock: Sagen Sie, Jonas. Wer sind Sie? Und wer ist Prick? Wer bin ich und wer ist Prick? Machen Sie mir keine Schwierigkeiten. Wenn Sie herumstänkern wollen, dann tun Sie’s woanders. Und rufen Sie nicht wieder an. Jonas: Im Casablanca berichtete ich Carmela Canape, was ich neues erfahren hatte. Wenn Jonas ihre Mutter schon nicht lebendig gefunden hatte, wollte er doch wenigstens die Umstände ihres Todes aufklären. Carmela hörte aufmerksam zu. Und verstand sofort. Canape: Die Eastwood-Kollektion 2014 stammt vom Computer, nicht von Mama. Jonas: Vom Computer. Mit freundlicher Unterstützung durch die Programmiererin Miriam Kraus. Sam: Welch selbige verschollen, verduftet, verschüttet, verschwunden ist. Jonas: So sieht’s aus. Und was ihre Mutter betrifft, Carmela... Canape: Ist sie Ihrer Ansicht nach nicht gestern gestorben, sondern schon erheblich früher. Jonas: Das zeigen die Originaldaten des Pathomaten. Die extrem niedrige Körpertemperatur, die hellroten Leichenflecken, sprechen deutlich für eine Aufbewahrung der Leiche im Kalten. Im Kühlfach oder Kühlhaus. Sam: Feinfrosten tat man sie, unsere große Modeschöpferin. Jonas: Entschuldigen Sie meinen Computer, Carmela, Sam ist nicht gerade pietätvoll. Canape: Ist schon gut. Und die Schürfwunden? Jonas: Sind entstanden, als die Leiche in die Rüstung praktiziert wurde. Sam: Rein gequetscht und reingestopft wie Mastfutter in die Weihnachtsgans. Canape: Artus. Der zieht die Fäden. Sam: Ist er Arzt? Jonas: Davon bin ich überzeugt. Artus hat auch dafür gesorgt, daß die Leiche ausgerechnet während der Präsentation auftauchte, damit niemand auf die Idee kommt, die Kollektion könnte mit ihrer Mutter nichts zu tun haben. Das ist wichtig für Artus, aus steuerlichen Gründen. Und für sein Image als Mäzen menschlicher Kreativität. Canape: Ich glaube, er hat noch einen Grund. Wenn eine Designerin zu Tode kommt, noch dazu bei ihrer eigenen Haute-Couture-Show, hat das mit Sicherheit einen großen Werbeeffekt. Sam: Fall Versace 1-9-9-7. Ne, besser 1997. Canape: Was ich wissen will, ist: Hat Artus Mama umgebracht? Jonas: Durchaus möglich. Auf jeden Fall weiß er mehr. Canape: Wir sollten ihn besuchen, und ihn mit den Fakten konfrontieren. Jonas: Artus war bereit, mit uns zu sprechen. Am Nachmittag, drei Uhr. Im Camelot-Tower. Carmela und Jonas trafen sich im Foyer. Und fuhren ins oberste Stockwerk. Wo seine Majestät der Modekönig uns empfing. In einem großen Saal. Nicht viel kleiner als die Wichtig-Halle. Und genauso mittelalterlich. Nur daß in der Mitte kein Laufsteg war, sondern ein riesiger runder Tisch. Artus: Meine Tafelrunde. Für meine tapferen Ritter. Will sagen, für die Direktoren von CamFash. Auf diesem Sessel saß Vivi Eastwood. Sie ruhe in Frieden. Jonas: Apropos, haben Sie sie getötet, Artus? Artus: Nicht doch, ein Herzschlag. Keine Überraschung bei einer fast 80jährigen. Wir hatten uns gestritten, sie hatte sich aufgeregt, und... äh voila. Jonas: Wann war das? Artus: Vor zehn, elf Wochen, in Avalon. Es ging um das Thema der neuen Kollektion. Ich bestand auf Mittelalter, und sie wollte partout nicht, ja, da hab ich sie ein bißchen, na ja, unter Druck gesetzt, mit Rex. Jonas: Rex. Artus: Ja, Rex ist mein Liebling, mein Haus- und Schoßtier in Avalon. Sie werden ihn noch kennenlernen, Jonas. Jonas: Und als die Eastwood tot war. Artus: Kam sie erst mal ins Kühlhaus. Ich habe eins in Avalon. Für Rex. Damit er immer frisches Futter kriegt. Jonas: Artus gab alles zu, ohne weiteres. Die Kollektion hatte der Computer gemacht, programmiert von Miriam Kraus, die sich übrigens, wie er uns verriet, in Avalon aufhielt. Bei Rex. Vor zwei Tagen hatte man der toten Eastwood eine Rüstung angepaßt, und die hatte man nach Babylon geflogen, zur Emanuel-Wichtig-Halle. Mit der übrigen Mittelalter-Dekoration. Alles lief reibungslos, dafür sorgte Dr. Eckart. Und Miriam Kraus, die nur aus diesem Grund mit der Ausstattung der Show beauftragt wurde. Artus: Falls es Sie interessiert, in der Rüstung war außer der Leiche noch was. Ein Mini-Modul. Die Fernsteuerung hatte ich in der Tasche. Ich drückte drauf, ein kurzes Band lief ab, mit einem Schrei, die Rüstung fing an zu wackeln, und fiel dann um. Na, Sie waren ja dabei. Jonas: Das Modul haben Sie gleich danach an sich genommen, Artus. Artus: Sie haben’s gesehen, Jonas? Guter Mann, gute Augen. Hoffentlich auch ein gutes Köpfchen. Oder wollen Sie jetzt etwa zur Polizei gehen? Jonas: Ich denke nicht daran. Wo Sie Kommissar Prick in der Tasche haben. Ich weiß was besseres. Artus: Ja? Jonas: Ich informiere die Finanzbehörde. Die läßt sich nicht kaufen. Sie geben Computerdesign als Produkt menschlicher Kreativität aus, das ist Steuerbetrug. Sie werden ordentlich zahlen müssen, Artus, und als Haute-Couture-Produzent sind Sie erledigt. Artus: Hmh, gar nicht dumm, Jonas, da muß ich wohl was unternehmen. Eckart! Jonas: Jonas zog seinen Laser. Bereit sein ist alles. Aber ich war nicht bereit genug. Carmela lächelte mich freundlich an. Gleichzeitig schlug sie mir mit einer plötzlichen Bewegung die Waffe aus der Hand. Und dann kam auch schon der getreue Eckart durch die Tür. Mit einem Neurofreezer. Artus: Tja, Jonas, mit der Anzeige bei der Steuerfahndung wird es nun nichts werden, Frau Canape sei Dank. Jonas: Das war nicht nett von Ihnen, Carmela. Immerhin arbeite ich für Sie. Artus: Das ist vorbei, Jonas. Ich brauch Sie nicht mehr. Wissen Sie, heute mittag war ich mit Herrn Artus zum Essen verabredet, und dabei haben wir uns ausgesprochen und uns geeinigt. Was ich von der neuen Kollektion und von Mamas Tod weiß, behalte ich für mich, und dafür kriege ich einen Direktorenposten bei CamFash. Artus: Sie sehen, Jonas, alles geregelt, alles in Butter. Jonas: Nur Jonas stört die schöne Eintracht. Artus: Nicht mehr lange. Auf, meine Herrschaften, der Helikopter wartet. Wir fliegen nach Avalon, zu viert, ich, Sie, Jonas, Frau Canape, und natürlich Dr. Eckart. Jonas: Unter dem Helikopter erstreckte sich einförmiges totes Braun-Grau, bis zum Horizont. Die Wildnis. In der Ferne, weit voraus, ein Glitzern. Es kam näher, noch näher. Eine Halbkugel, die Sonnenstrahlen reflektierte. Avalon. Die Biosphäre von König Artus. Durchmesser etwa 500 Meter. Unter der Plexikuppel eine kleine Burg. Mit Türmen und Zinnen. Eine hohe Mauer, dahinter Grün. Viel Grün. Tatsächlich, ein Wald, mit Bäumen. Artus: Echte Bäume, Jonas, keine Plastsimulate. Jonas: Das muß Sie ein Vermögen gekostet haben. Artus: Mein Gott, ich kann’s mir leisten. Und das ist der Wald von Prosiliande. Geheimnisumwittert, und gefährlich. Na, Sie werden es erleben, Jonas. Jonas: Aber vorher mußte Artus Carmela und mir noch seinen größten Stolz vorführen, seine Rüstkammer, die einen großen Teil der Burg einnahm. Mittelalterliche Waffen und Rüstungen, in gewaltigen Mengen, aber nicht nur, auch ein paar seltene Stücke aus dem Altertum, zum Beispiel ein römischer Rennwagen, Marke Ben Hur, und ein Sammelsurium von Waffen der Neuzeit. Bis ins 20. Jahrhundert. Gewehre, Handgranaten, sogar eine Panzerfaust, anno 44. Und mitten im martialischen Ambiente ein großer Bildschirm über einem Schaltpult. Artus: Mein Guckloch in den Wald von Prosiliande. Wohin Sie sich jetzt begeben werden, Jonas, um Miriam Kraus Gesellschaft zu leisten, sofern sie noch auf Erden wandelt. Sie wollte mich erpressen, das läßt sich König Artus nicht gefallen, darum hab ich sie in den Wald geschickt, damit sie mit Rex Bekanntschaft schließt, was Sie auch gleich tun werden, Jonas. Ein recht endgültiges Zusammentreffen. Und ein hochinteressantes Schauspiel. Ich werde es genießen, hier, am Monitor, mit Eckart. Canape: Und mit mir. Artus: Ja richtig, Sie sind ja auch noch da, meine teure Carmela, Sie müssen noch warten, erst ist Jonas dran. Bringen Sie ihn in den Wald, Eckart. Jonas: Im Gänsemarsch ging’s aus der Burg zur Mauer. Jonas vorneweg. Eckart mit dem Neurofreezer hinterher. In der Mauer war eine Tür. Eckart öffnete sie mit einer Paß-Scheibe, und trieb Jonas ein paar Schritte ins Grüne. Dann trat er zurück. Die Tür ging zu. Jonas war ganz allein im tiefen Wald. Ganz allein? Sam: Sammy und Jonas verliefen sich im Wald, es war so finster und auch so bitter kalt. Jonas: Du spinnst, Sammy, es ist warm hier, richtig heiß, wie in Afrika, oder im Treibhaus. Sam: Sie kamen an ein Häuschen... Jonas: Vielleicht singst du mal ein bißchen leiser. Sam: Pst! Er könnte uns hören. Pst. Jonas: Meinst du den mysteriösen Rex? Sam: Wer oder was immer das ist. Jonas: Hier riecht’s aber gar nicht gut. Sam: Hose voll, Sir? Ich riech nix. Jonas: Das kannst du auch nicht, Sam. Du hast kein Riechorgan. Sam: Dann nicht. Jonas: Der Gestank wird stärker, erinnert mich ans Raubtierhaus im Zoo. Faules Fleisch, Blut, und Leichen. Jonas: Ich war an einer kleinen Lichtung angekommen. Vor mir Felsen, davor Knochen, Fleischfetzen, getrocknetes Blut, zerrissene Kleidungsstücke, zwischen den Felsen ein großes schwarzes Loch. Sam: Eine Höhle. Wetten, daß Rex da drin steckt? Jonas: Und wetten, daß ich so langsam ne Ahnung kriege, was für ein Haus- oder Schoßtier dieser Rex ist? Sam: Nur eine Ahnung, du Sülzkottlet in Menschengestalt? Allmählich solltest du’s wissen. Stichwort Mittelalter. Mit was für einer Art Viehzeugs hatte es denn ein fahrender Ritter damals zu tun, hä? Miriam: Der Drache! Hilfe! Retten Sie mich! Sam: Ach Gottchen. Jonas: Eine Frau. Hoch oben auf dem Baum. Sie klammerte sich an einen Ast. Total verstört, aber im Moment konnte Ritter Jonas nichts für sie tun. Weil er sich ganz dringend um was anders kümmern mußte. Um die unheimlichen Geräusche aus der dunklen Höhle. Erst ein scharfes Zischen, dann dumpfe Tritte. So schwer, daß Erde und Bäume zitterten. Sie wurden immer schwerer, immer lauter. Dann war er draußen, der Drache. Und Jonas war ganz schnell auf dem Baum. Neben der Frau. Sam: Auftritt Rex. Jonas: Vorname Tyrannosaurus, wenn ich nicht irre. Sam: Det weß ich nicht. Ich seh keine Tyrannensau. Jonas: Sondern? Sam: Eine Monitoreidechse. Ein Kondomeran, Korrektur, präziser ein Komodoveran. Beachten Sie gütigst die für diese Spezies typische lang gespaltene Zange, schon wieder Korrektur, Zunge. Jonas: Ein Veran ist doch nicht 10 Meter lang. Sam: Warum nicht? Wenn man ihn gentechnisch vergrößert? Jonas: Das ist verboten. Sam: Jaja, aber möglich, und machbar, Herr Nachbar. Erinnert euch, edler Herr, des bösen Dr. Ugarte, Fall Pharao, der skrupellosen Wissenschaftler gibt’s nicht wenige, und wenn ein Mensch so stinkend reich ist, wie unser Freund und König Aze Artus. Jonas: Kann er sich einen schlichten Veran zum Drachen langziehen lassen. Sam: Ja. Jonas: Wenn er das mag. Sam: Ja. Jonas: Aber warum ist das Monstrum rot? Sam: Ja Gott. Jonas: So viel ich weiß, sind Verane grau. Sam: Der rote Drache von Wales, Johannes, das Wappentier von König Artus, vom echten Artus, nich? Jonas: Das walisische Wappentier fixierte uns mit seinen gierigen Schweinsaugen, strebte in seinem wiegenden Seemannsgang unter unseren Baum, legte sich gemütlich hin, riß das Maul auf, machte die Augen zu, und wartete. Eine Galgenfrist, für Jonas und seine Nachbarin auf dem Ast. Jonas: Sie sind Miriam Kraus. Miriam: Ja. Jonas: Sie haben das Programm für die angebliche Eastwood-Kollektion gemacht. Miriam: Ja. Jonas: Und die Ausstattung für die Show. Miriam: Ja. Jonas: Dann haben Sie versucht, Artus zu erpressen. Miriam: Ich wollte doch bloß eine Gehaltserhöhung. Jonas: Und darum sind Sie jetzt hier, als Drachenfutter. Miriam: Ah, mein Bein. Jonas: Zeigen Sie mal. Miriam: Ah! Jonas: Sieht nicht gut aus, tiefe Fleischwunde, starker Blutverlust. Ein Wunder, daß sie’s damit auf den Baum geschafft haben. Sam: Ja ja, die Angst verleiht Flügel, spricht der weise Bosequo. Jonas: Eine Minicam flog Kreise um uns. Langsam. Ich zeigte die Zähne und winkte fröhlich. Sollte Artus am Monitor sich doch ärgern. Dabei dachte ich heftig nach. Miriam war außer Gefecht und würde sich nicht mehr lange halten können. Jonas mußte was unternehmen. Bald. Sehr bald. Sam: Sam könnte ihn ablenken, den Leviatan, den Lindwurm, den Basilisken, in dem derselbe denselben in den schuppigen Schwunz äh Schwanz beißt bleistiftsweise. Jonas: Und wie kommst du runter, Sam? Kannst du klettern? Sam: Naja, eher weniger, Herr Großinquisitor. Jonas: Soll ich dich runterwerfen. Sam: O bitte, bitte nicht. Jonas: Siehst du. Außerdem würdest du den Drachen wecken, und der schläft gerade so schön. Sam: Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein. Jonas: Als erstes müssen wir die Minicam ausschalten, und ich weiß auch schon wie. Wenn ich mit Ihnen flüstere, Miriam, wird sie näherkommen, damit ihr Mikrophon auch alles mitkriegt, ich werde noch leiser, die Minicam kommt noch näher. So, ich hab sie. Jonas: Ich gab sie Miriam. Sie sollte sie gut festhalten, und aufpassen, daß das Auge immer auf den dösenden Drachen gerichtet blieb, keinesfalls auf Jonas. Der wurde nämlich aktiv, er rutschte weiter auf dem Ast, und sprang in den Nachbarbaum, wie Tarzan, nur leiser, kletterte runter, und schlich sich von dannen, ohne daß der Drachen was merkte. An der Tür in der Mauer machte ich Halt. Jonas: Kannst du den Code für die Verriegelung knacken, Sammy? Sam: Klar, mit links, und fix. Zwei klitzekleine Stündlein nur, bis es da heißt, Se-Sam öffne dich. Jonas: Zwei Stunden, unmöglich, in der Zeit sind wir alle gefressen. Sam: Ja, was machen wir denn da? Jonas: Das würde ich gerne von dir wissen, Sam. Sam: Pst! Da ist einer an der Tür, nein, auf der anderen Seite. Versteck dich, mein Dicker. Jonas: Jonas tauchte hinter ein Gebüsch. Die Tür ging auf. Und es erschien Carmela. Carmela Canape, die treulose Tomate, die Jonas in den Rücken gefallen war. Jetzt hatte sie selbst was im Rücken. Einen Neurofreezer. Und den treuen Eckart. Vor sich hatte sie einen Waldspaziergang. Mit Drachen. Artus war konsequent. Er ließ sich nicht erpressen, und sorgte dafür, daß alle verschwanden, die zu viel wußten. Das war meine Chance. Ich ließ die beiden vorbei, flitzte durch die Tür, so schnell ich konnte, und knallte sie zu. Sam: Klappe zu, Affe tot. Jonas: Noch nicht, aber bald. Kannst du das Türschloß verstellen, Sammy, ich meine gleich, nicht in zwei Stunden. Sam: Piep. Kaum gedacht, schon gemacht. Jonas: Wunderbar. Eckart und Carmela sind aus dem Weg. Jetzt haben wir es nur noch mit Artus zu tun. Und wo finden wir wohl seine Majestät? Sam: Natürlich vor dem Monitor in der Rüstkammer. Wohlan, denn flugs zur Burg, Ritter Johnson. Jonas: Artus kriegte nicht mit, daß Jonas die Rüstkammer betrat, und ihm immer näher kam. Er starrte auf den Bildschirm. Gebannt und fassungslos. Da gab’s auch wirklich was zu sehen. Carmela verschwand gerade im Schlund des Drachen, laut schreiend, um sich schlagend. Dann war Dr. Eckart an der Reihe, er ballerte wild mit dem Neurofreezer, auf den Drachen machte das überhaupt keinen Eindruck, er schnappte zu, kaute, schluckte. Artus: Mein Gott, Eckart, wie konnte das geschehen? Jonas: Das kann ich ihnen erklären, Artus. Artus: Sie, Jonas? Jonas: Nur Jonas. Der letzte Detektiv. Nicht totzukriegen. Sam: Wenn du denkst, du hast’n, da hüpft er aus’m Kasten. Artus: Ja, und was nun? Jonas: Wir spielen das Spiel weiter. Artus: Welches Spiel? Jonas: Mittelalter. König Artus. Ritter und Drachen. Aber ab jetzt spielen wir nach meinen Regeln. Sam: Jawoll. Jonas: Er versuchte gar nicht erst, sich zu wehren, was hätte das auch gebracht, ein kleiner dicker Konzernchef gegen einen durchtrainierten Jonas. Artus war nicht das Problem. Das Problem war die Zeit. Jonas hatte es eilig, wegen Miriam. Ich sah mich um. Auf dem Schaltpult lag ein kleiner Laserstrahler. Nicht das richtige für einen Drachentöter. Der brauchte was anderes. Jonas: Wir nehmen eine Lanze, die Panzerfaust, eine Handgranate, ja und dann noch den römischen Wagen. Artus: Ja aber was wollen Sie denn mit dem? Jonas: Ein Ritter kann doch nicht zu Fuß wider den Drachen ziehen. Artus: Ja aber was nützt ihnen der Wagen ohne Pferd? Und ein Pferd gibt’s hier nicht. Sam: Nehme eure drachenbezwingende Mannhaftigkeit doch den Esel zum Ziehen. Jonas: Sehr richtig. Ich spannte Artus vor. Der protestierte gewaltig, aber das half ihm nichts. Als er dann im Geschirr war, verweigerte er den Dienst, und rührte sich nicht vom Fleck. Das trieb ich ihm aus, mit der Lanze. Ein wohlplazierter Stich in sein schlappes Hinterteil, und er legte sich wacker ins Zeug. Sam öffnete die Tür in der Mauer. Der Wagen paßte durch, gerade so. Ab durch den Wald, über Stock und Stein, bis zur Lichtung, und zur Höhle. Der Drache war nicht zu sehen. Miriam Kraus klammerte sich noch immer an ihren Ast. Miriam: Er hat sie gefressen! Beide! Erst die Frau, dann Eckart! Jonas: Ich hab’s gesehen, auf Artus Monitor. Artus: Machen Sie mich los, Jonas, ich bitte Sie, lassen Sie mich gehen, ich zahle Ihnen, was Sie wollen. Ah, er kommt raus, o Gott! Jonas: Ja wenn Sie auch so einen Radau machen, Artus, hü, noch ein Stückchen näher ran, wird’s bald, Esel? Artus: Nein, da ist er, Rex, der Drache, Hilfe, Hilfe, Hilfe! Jonas: Mein Zugtier fiel um, und blieb liegen, aber das war jetzt egal, der Drache marschierte über die Lichtung, Richtung Wagen, Richtung Jonas, richtig flott, offenbar war er immer noch hungrig. Ich nahm die Panzerfaust an die Schulter, und ließ ihn näher kommen, noch etwas näher. Dann drückte ich auf den Abzug. Sam: Oh, Volltreffer. Jonas: Und jetzt noch die Handgranate. Miriam: Ist er tot? Jonas: Scheint so. Mal sehen, ob er reagiert, wenn ich ihn mit der Lanze pieke. Nein, er ist hinüber. Artus auch, die Konfrontation mit seinem Schoßtier hat er nicht ausgehalten. Vor Angst gestorben, wie Vivian Eastwood. Sam: Ein dreifach Hoch, ein vierfach Hoch, ein fünffach Hoch dem mutigen Drachentöter Jonas. Miriam: Bravo! Bravo, Jonas! Jonas: Festhalten, Miriam! Miriam: Ups! Sam: Wohin so schnell, o schöne Frau? Jonas: Zu spät. Sie fiel vom Baum und verlor das Bewußtsein. Ich schleppte sie aus dem Drachenwald, zum Helikopter, und flog mit ihr zurück nach Babylon, wo ich sie im städtischen Krankenhaus ablieferte. Mitternacht. Ich war wieder zuhause. In meinem Büroapartment. Ich fühlte mich etwas mitgenommen. Von Mode und Mittelalter, von Designern und Drachen, ich brauchte Ruhe. Sam war leider anderer Ansicht. Sam: Ruhe? Na, Lob braucht ihr und Preis, mein tapferer Herr und Meister. Singe o Muße die Taten des drachenerlegenden Jonas. Jonas: Laß das, Sam. Sam: Verzeihung, Stilbruch, klassisches Altertum, Homer. Neuer Ansatz, Nibelungenstrophe: Ein Drache haust im Walde, der fraß so manche Maid, doch Jonas, der kam balde, es war die höchste Zeit, die Panzerfaust, sie knallte... Jonas: Halt die Klappe. Sam: Als der Drache frechgeworden, wollte er den Jonas morden, Ritter Jonas gar nicht faul, schießt dem Drachen auf das Maul, daß er daran verendet. Jonas: Schluß. Sam: In dem finsteren Drachenwald, hu, wie pfiff der Wind so kalt, und es saß, man glaubt es kaum, eine Maid hoch auf dem Baum, so voller Angst und Bangen. Jonas: Aus. Sam: Jonas kam auf stolzen Wagen, um den Drachen zu erschlagen, Panzerfaust und Handgranat, ja, Herr Jonas ist auf Trab, und so blieb er Sieger. Jonas: Feierabend. Sam: Fei-ei-eieieieierabend Das war Drachentöter. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Karin Anselm, Karl Lieffen, Irina Wanka, Jochen Striebeck, Helmut Stange und andere (Jan Becker, Nuran Calis, Boris Nicolay, Yvonne Brosch). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck und Sieghard Fieber. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1998. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Knochenarbeit Jonas: Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus, und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood: uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood. Er war Senior Hector de la Serna. Wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Bon Retirdo, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer. Wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten, wenn sie es sich leisten können. Und ich war nicht Philip Marlowe. de la Serna: Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. Jonas: In Babylon. Serna: Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern. Hätte ich Sie sonst kommen lassen? Jonas: Das hatte er. Airticket Babylon-Alicante, Heli-Zubringer Alicante-Palmera und zurück, mit der kurzen Aufforderung, ihn zu besuchen. Blinde Treffen mag Jonas nicht. Trotzdem war er gekommen. Weil er jedem Auftrag brauchte. Die letzten beiden Fälle hatten viel gekostet und nichts eingebracht. Serna: Rauchen Sie, Senior Jonas? Jonas: Nein. Serna: Negrita, die Havannas. Meine Besnieta. Negrita de la Serna. Sie kümmert sich um ihren Urgroßvater. Negrita: Si, pisabello. Eine Zigarre, Senior? Serna: Rauchen Sie, Senior Jonas, bitte, für mich. Leider bin ich gezwungen, meinen Lastern durch Stellvertreter zu frönen. Jonas: Jonas hatte seinen karitativen Tag. Außerdem war sie hinreißend. Nicht die Zigarre. Die Urenkelin. Anfang zwanzig, schwarze Haare, schlank, aber nicht zu sehr. Carmen. So sah sie aus. Aber sie hieß Negrita. Auch nicht schlecht. Serna: Danke, Senior Jonas. Sie machen einem alten Mann eine große Freude. Jonas: Mehr schlecht als recht. Weshalb haben Sie mich kommen lassen, Senior de la Serna, wozu brauchen Sie den letzten Detektiv? Nicht nur zum Rauchen, hoffe ich. Serna: Ich möchte, daß Sie etwas für mich stehlen, Senior Jonas. Jonas: Und was? Serna: Knochen, Senior. Jonas: Knochen? Serna: Die Gebeine von Che Guevara. Jonas: Ein ausgefallener Wunsch. Die Knochen von Che Guevara. Dem weltberühmten Revolutionär aus dem 20. Jahrhundert, der schon lange tot war, fast 50 Jahre, oder? Sam: 47 und ein halbes, indem daß wir heutigen Tages den 3. April 2015 schreiben. Jonas: Ist bekannt, Sammy. Sam: Und besagter Guevara aus dem Leben schied am 8. Oktober 1967 im Dschungel von Bolivien, gemeuchelt von den Schergen der Konterrevolution, will sagen der Ranger-Truppe des bolivischen Diktators Parventos. Verwundet, gefangen, erschossen, verscharrt. Eine Schweigesekunde seinem Angedenken. Tick-tack, tick-tack, Piep! Ernesto Guervara, später Che zubenamst, geboren 1928 in Rosario, Argentinien. Medizinstudium, Arztdiplom 1953, entwickelte sich zum Revolutionär und Guerilla-Kämpfer, führte mit und für Fidel Castro die kubanische Revolution zum Siege 1958/59. Jonas: Das reicht, Sam, wir brauchen keine historische Vorlesung. Sam: Und ob du die brauchst, Banane, analphabetische. Geistige Bildung Fehlanzeige, häh, wissen wir doch. Serna: Was bitte ist das? Jonas: Sam, mein Taschencomputer. Die Enzyklopädie des letzten Detektivs. Wer wird einen Sack Bücher mit sich rumschleppen, wenn er einen Sam hat. Serna: Bücher haben ihr gutes, Senior, sie äußern sich nur, wenn sie gefragt werden, ansonsten schweigen sie. Jonas: Das tut Sam nicht. Sam: Ne. Jonas: Das kann er gar nicht. Sam: Ne, niemals never nevermore, garnienicht. Jonas: Sprach der Rabe, das heißt Sam, und zum Beweis machte er gleich weiter. Mit Nachhilfe in Sachen Che. Daß die Überreste 30 Jahre nach dem Tod entdeckt, nach Kuba überführt und mit viel Pomp in einem Mausoleum bestattet wurden. Sam: Doch aus der revolutionären Staatsgruft entschwanden sie, nur wenige Monde sind’s erst her, bei den Unruhen nach dem Tod des alten Castro. Geklaut worden sollen sie sein, außer Landes verscherbelt. Serna: Ihr Computer hat ein seltsames Aussehen. Sam: Was ist, was ist, was ist? Seltsam? Haben Sie was gegen Blech und Plastik, gegen Skalen und Knöpfe, Räderuropa? Sie sind auch nicht gerade ne Schönheit, weißgottnetle. Serna: Und er hat eine seltsame Art, sich auszudrücken. Sam: Haha. Serna: Aber er hat recht. Che Guevaras Gebeine sind hier, auf Palmera. Richten Sie Ihren Blick gen Westen, Senior Jonas, was sehen Sie? Jonas: Was man hier überall sieht. Das Superhotel. Sam: Palmera Beach Tower. 250 Meter vom Zeh bis zum Scheitel. Piep. Serna: Und genau dort oben, Senior, ein viertel Kilometer über dem Meer, befinden sie sich, im Penthouse der Condessa Gloriana. Jonas: Gloriana von und zu, Kind und Kegel, Knautsch und Knitter, oder so. Eine Gräfin aus nördlichen Gefilden, stinkreich, weil sie es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, Milliardäre zu heiraten und zu überleben. Früher eine große Nummer im Jetset, als es so was noch gab. Heute bekannte Sammlerin prominenter Reliquien. Sie hatte Lenin. Evita, als Mumie und in Wachs, und jetzt auch das Skelett von Che Guevara. Serna: Sie hat es gekauft und stellt es aus in einer Vitrine in ihrem Penthouse. Valgusto. Sie werden die Gebeine retten, Senior Jonas, und sie mir überbringen. Jonas: Warum gerade Ihnen, Senior, was gehen Sie Che Guevaras Knochen an? Serna: Ich bin ein Verwandter, zwar nur ein entfernter Cousin mütterlicherseits, doch sehe ich es als meine Pflicht an, für die würdige Bestattung des prominentesten Mitglieds meiner Familie Sorge zu tragen. Jonas: Das ist ein Grund. Serna: Ich zahle Ihnen 10.000 Euros, wenn Sie Erfolg haben. Jonas: Und wenn nicht? Negrita: Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. Sie schaffen es. Sam: Naja. Jonas: Wenn Sie das sagte. Ich dachte kurz nach. Ein interessanter Auftrag. Einträglich möglicherweise. Irgendwie moralisch war er auch. Der letzte Detektiv für den letzten Revolutionär. Das hat etwas. Jonas: Einverstanden. Serna: Naturalmente. Ich habe mir erlaubt, Ihnen ein Zimmer im Palmera Beach Tower zu buchen, Senior Jonas, im unteren Drittel, weiter oben ist es sehr teuer. Jonas: Das Penthouse der Gräfin Gloriana war eine Festung, zugänglich nur über einen Spezialschnell-Lift vom Erdgeschoß, für Besucher und Dienstboten mit Spezialzugangsscheibe. Keine Treppen. Schwierig. Frische Luft ist gut für die grauen Zellen. Ich öffnete das Fenster. Ich sah einem kleinen dunkelhäutigen Mann ins braune Auge, der Fensterputzer auf seiner Plattform, die ihn von morgens bis abends rauf und runter fuhr. Rauf, das brachte mich auf eine Idee. Ich winkte ihm, mit einer Flasche Brandy. Quecho, Kasador. Fensterputzer: No no, yo Islam, komprende? No Alkohol. Jonas: Du bist Muslime und darfst nicht trinken. Dein Pech, Kamerad. Wie wär’s denn hiermit? 20 Euros. Dinero. Mucho Dinero. Fensterputzer: Dinero? Si si. Jonas: Er stieg ein. Ich zog ihm den weißen Overall aus und fesselte ihn ans Klo. Er sah mich an, ängstlich, mit großen Augen. Ich klopfte ihm auf die Schulter, steckte ihm den 20 Euro-Schein ins schmutzige Unterhemd, stieg in den Overall, zwei Nummern zu klein, mindestens, stieg auf die Plattform, und fuhr nach oben. Nicht zum Penthouse, vor der letzten Etage war Endstation, unter der überhängenden Dachbrüstung. Jonas mußte free-climben, erst am Seil, dann am schieren Beton, in einer Höhe von 250 Metern, im zu engen Overall. Ein echter Cliffhänger. Fünf lange Minuten Quälerei, dann hing ich mit dem Oberkörper über der Brüstung. Ich konnte mich verpusten und mich umsehen. Das Dach des Palmera Beach Tower war ein großer Garten, Blumenbeete, Hecken, Minibäume, und mitten im Bunt und Grün ein Hexenhaus, braun und gelb, mit Giebeln und Türmchen, gotisch und grimmig. Brüder Grimmig. Auf dem ganzen Dach kein freier Fleck. Keine Landemöglichkeit für einen Helikopter zum Beispiel, deshalb schwebte er auch 10 Meter darüber, der Helikopter. Grau. An der offenen Tür ein großes rotes A. Aus der Tür hing ein Seil. Am Seil hing ein Mann, in einer Livree aus braunem Samt, gelb abgesetzt. Kniehosen. Kurze Jacke. Schnallenschuhe. Ein Lakai. Sam: Ein dummes Ding, zu deutsch Domestik, der gnädigen Frau Gräfin zweifelsohne. Jonas: Er hat einen Rucksack über der Schulter. Sam: Jajajajajajaja, und da ist was drin. Was mag’s nur sein, hä? So, jetzo ist er drin im Helikopter. Türen schließen. Abfahrt. Jonas: Ich stieg über die Brüstung, richtete mich auf. Der Helikopter flog Richtung Südost. Ich sah ihm nach, sah, wie er die Seniorensiedlungen an der Südküste streifte, Buen Retiro, Sanssouci, HCIs, Lebensabend und wie sie alle hießen, die Tennis- und Golfplätze, die Parks und die Schwimmbäder, bis er Kurs ins Innere der Insel nahm, wo’s nur kahle Berge gab, keine Siedlungen, keine Menschen, und da wurde er abgeschossen. Sam: Bodenluftrakete, melde gehorsamst, Herr Heißluftmarschall. Ja wo sammer denn, auf Feuerland, hmh? In Küßnacht? Äh Kusbekistan? Jonas: Er ist getroffen, aber er hält sich noch, er trudelt weiter, noch weiter. Sam: Ui, jetzt ist er unten, mitsamt Lack-Ei, und Rucksack. Friede ihrer Asche. Wie spricht Friedrich von und zu Schiller, hmh? Runter kommen sie immer. Jonas: Nimm die Koordinaten, Sam. Sam: Piep. Schon passiert. Pup. Jonas: Ich hatte so eine Ahnung. Aber vorher mußte ich mich um das Penthouse kümmern. Die Tür stand offen, und als ich näher kam, hörte ich was. Ein nagendes nervendes Geräusch. Jemand zeterte, ohne Punkt, ohne Pause. Gloriana: Ich bezahle ihn gräflich, fürstlich, und behandelt wird er wie ein Sohn... Ein freier Abend pro Woche, Holo-TV im Zimmer, dasselbe Essen wie für mich selbst. Na, nach mir natürlich in der Küche. Unterschiede muß es geben. Die Herrin ist die Herrin, der Diener ist der Diener, und wenn der Diener meutert, dann wackeln die Werte, dann stürzen die Grundfesten. Jonas: Hallo. Gloriana: Meine Haare, junger Mann, geben Sie mir meine Haare, na da auf dem Teppich. Meine Haare, schnell. Jonas: Ein großer Raum, nicht sehr hell, an den Wänden Vitrinen, und längliche Kästen aus Glas, indirekt beleuchtet. Eine Vitrine war leer und stand offen. In den übrigen lagen Knochen, menschliche Körperteile, Mumien. Was da zeterte war auch eine Art Mumie, eine noch sehr lebendige allerdings, wenn auch alt. Sehr alt. Eine Frau. Klein, krumm, und kahl, auf einen Stuhl geschnürt. Über den Falten strahlendes Make-up. Über den müden Knochen ein kurzes Dirndlkleid. Braun und gelb. Die Hexe vom Hexenhaus. Gräfin Gloriana. Ich setzte ihr die Perücke auf und band sie los. Gloriana: Wer sind Sie, was wollen Sie, was haben Sie hier zu suchen. Machen Sie den Mund auf, Mann. Jonas: Hotelsicherheitsdienst, Frau Gräfin. Was ist hier los? Gloriana: Sehen Sie doch. Mein bestes Stück hat er gestohlen, meinen Che Guevara, aus der Vitrine. Er hat ihn in einen Rucksack gesteckt, ich bin dazugekommen, er hat mich angebunden, dann ist er raus und weg. Jonas: Wer, Frau Gräfin? Gloriana: Wer? Juan, wer denn sonst, mein Kammerdiener, mein Butler, ja, lange hab ich ihn noch nicht, erst ein viertel Jahr, aber er ist mit den besten Empfehlungen gekommen, mit den allerbesten, wirklich, von Gunter und Meck und Prinzessin Carolins kleiner Großnichte. Jonas: Sind Sie allein? Haben Sie nur einen Diener? Gloriana: Woher denn einen? Vier habe ich, aber die anderen sind einkaufen, oder haben Ausgang, faulenzen oder was weiß ich. Es geht ihnen einfach zu gut. Viel zu gut. Stehen Sie nicht rum, junger Mann, tun Sie gefälligst was, bringen Sie mir meinen Che Guevara wieder. Nächste Woche brauch ich ihn, dringend, da will ich ihn untersuchen lassen, wissenschaftlich, gentechnisch. Jonas: Untersuchen, warum? Gloriana: Weil mir jemand gesagt hat, er ist vielleicht nicht ganz echt, nicht der richtige Che, ein Doppelgänger, verstehen Sie? Solche Latrinenparolen gibt’s schon lange, praktisch seit 67, das muß ein Ende haben, die Gräfin Gloriana hat nur absolut echte Stücke. Originale. Unikate. Jonas: Sie sollten die Polizei verständigen, Frau Gräfin. Gloriana: Ja richtig, die Polizei, sehr gut, den Commisario Pedasso wird ich anrufen, Großalarm, Großeinsatz, hohe Belohnung, sehr hoch. Jonas: Runter ging’s bequemer als rauf. Mit einer Spezialliftscheibe, von der Vitrine neben der Tür. Ali kriegte seinen Overall zurück, und verzog sich, verwirt, aber nicht unglücklich, immerhin hatte er 20 Euros verdient, im Sitzen. Jonas rief seinen Auftraggeber an, um kurz zu berichten, was vorgefallen war, dann fuhr ich zum Empfang und mietete ein E-Car. Es war Zeit für eine Spritztour in die Berge. Sammy dirigierte. Sam: Straight away. Gerade aus. Bei nächster Gelegenheit ein ganz klein wenig rechts. Jonas: Leicht gesagt, Sam, wenn rechts keine Straße ist, nicht mal ein Ziegenpfad. Sam: Nun denn so brettere mein Meister Schuhmacher doch tunlichst voll ins Gelände, holliadiö. Jonas: Meinst du wirklich? Sam: Es führt kein anderer Weg nach Küßnacht, wo der Helikopter runtergeplumst ist, und dorthin, Monsieur, zieht es uns doch mit magischer Sehnsucht, ne pas? Jonas: Also gut. Rechts rum. Sam: Jawoll, Vorsicht, sperr die Augen auf, Blindschleiche, Blindgänger, Blindhahn, Blindenhuhn, Blinddarm damischer. Auf Palmera pflegt man es ganz und gar nicht zu schätzen, wenn liebe Senioren von wüsten Straßenrowdies umgenietet werden. Jonas: Nichts passiert. Es konnte nichts passieren. Mein E-Car war kaum schneller als der Rollstuhl, den ich beim Abbiegen überholte. Der Alte im Stuhl sah ein bißchen aus wie de la Serna. Nur daß er noch ein paar Haare hatte, und einen weißen Schnauzbart. Ein stämmiger Typ schob ihn des Weges, zügig, obwohl er auch nicht mehr der jüngste war. Jonas fuhr weiter, konzentrierte sich aufs Gelände, und vergaß die beiden Alten. Das hätte er nicht tun sollen. Sam: Halt. Endstation. Alles aussteigen. Da wär doch wohl mal ein klitzekleines Lob fällig, hmh, für korrekte Koordination, gute Führung. Jonas: Dafür haben wir keine Zeit, Sam. Sam: Dafür haben wir keine Zeit, Sam. Dafür haben wir keine Zeit, Sam. Na, typisch, tadeln und schimpfen, und meckern und mosern, das kann er, mein Jonas, wie ein Champion, doch loben, ach, das kann er nicht, will er nicht, tut er nicht. O wie das schmerzt, tief tief drinnen im Herzen. Jonas: Im Prozessor willst du wohl sagen, Sam. Sam: Ja Professor. Jonas: Der Helikopter war an einen Felsen geprallt. Jetzt war er kaputt. Nur kaputt, nicht ausgebrannt. Zwei Insassen, auch kaputt. Der Pilot und der Diener. Auf dem Rücken hatte er noch den Sack, den brauchte er nicht mehr. Ich nahm ihn an mich. Aber ich kam nicht dazu, ihn aufzumachen. Prado: Halto. Rührt euch. Mario: Semi Coronell. Prado: Schade, kein Feuer. Wären Sie verbrannt die Knochen, könnten wir beruhigt nach Hause fahren, Mario, Mission abgeschlossen. Mario: Semi Coronell. Prado: Du hättest auf den Tank zielen sollen, Mario. Mario: Semi Coronell. Jonas: Sie haben den Helikopter abgeschossen. Prado: Aber ja. Ich habe überall Augen und Ohren, auch im Palmera Beach Tower und bei den Kindern des Aquarius. Geben Sie mir den Sack. Jonas: Nein. Prado: Doch. Jonas: Er gewann. Ich gab ihm den Sack. Er hatte unter die Decke gegriffen, die auf seinen Knien lag. Gegen eine abgesägte Schrotflinte ist ein waffenloser Jonas machtlos. Der Alte langte nach dem Sack, mit der linken. Aber er kriegte ihn nicht. Um den Felsen fegte ein E-Vespa in höllischem Tempo. Die Fahrerin schnappte sich den Sack, in der Luft, sehr sportlich, und schlug dem Alten die Flinte aus der rechten Hand. Sehr geschickt. Jonas fing die Waffe auf. Auch nicht unflott. 2 zu 0. Für die Guten. Für Jonas und Negrita. Negrita: Ich bin gekommen so schnell ich konnte, Senior Jonas braucht Hilfe, hat Urgroßvater gesagt. Jonas: Danke, aber lassen Sie den Senior weg. Jonas. Nur Jonas, das genügt. Kennen Sie die beiden, Negrita? Negrita: Darüber reden wir später, Jonas, zuhause, Urgroßvater wartet, auf den Sack. Ich muß gleich wieder los. Jonas: Augenblick. Das ist mein Fall. Geben Sie den Sack her. Negrita: Haben Sie Angst um ihr Honorar, Jonas? Jonas: Darum geht’s nicht, aber bevor ich nicht genau weiß, was hier gespielt wird, lasse ich mich nicht ausbooten. Geben Sie mir den Sack. Jonas: Diesmal gewann Jonas, weil er jetzt die Schrotflinte hatte. Negrita war wütend, was ihr ganz ausgezeichnet stand. Mit einer heftigen Bewegung startete sie ihre Vespa und verschwand zwischen den Felsen, wieder in höllischem Tempo. Jonas folgte ihr, sehr viel gemächlicher. Zunächst. Bis ihm was auffiel. Ein Helikopter. Schon wieder. Halb links voraus. Als er die Straße erreicht hatte, landete er, gut 200 Meter vor mir, und wartete, auf Jonas. Das gefiel mir nicht. Ich wollte zurück. Aber auch hinter mir war die Straße dicht. Ein E-Laster hatte sich quer gestellt. An der Seitenwand ein großes rotes A. Auf dem Helikopter übrigens auch. Ich hielt, und nahm die Flinte unter den Arm. Das hätte ich lassen können. Vier Figuren kletterten aus dem Helikopter, zwei postierten sich rechts und links an der Straße, und nahmen Jonas aufs Korn. Mit Kalaschnikows. Die beiden anderen kamen langsam auf mich zu. Eine Frau und ein Mann. Alt. Wie alle auf Palmera. Die Insel der fast schon Seligen. Uschi: Eine potentiell revolutionäre Situation, Dani? Dani: Kaum, Uschi, aber eine dialektische. Uschi: Richtig. Wir sind die These. Dani: Natürlich. Und er ist die Antithese. Uschi: Problem: Wie schaffen wir die Synthese, Dani? Dani: Ganz einfach, Uschi. Er gibt uns, was wir wollen. Widerspruch aufgehoben, Situation geklärt. Uschi: Wird er uns geben, was wir wollen, Dani? Dani: Er wird, Uschi. Er ist cool. Uschi: A grovy cat. Gib uns den Sack, cat. Jonas: Das Spiel ging also weiter. Mit neuen Mitspielern. Uschi und Dani sahen aus, wie sie sprachen. Gesundheitslatschen, Jeans, psychedelische Kittel, Hornbrillen, Stirnbänder um die spärlichen grauen Locken. Eine Mischung von 68er und Flower-Power. Sehr nostalgisch, fast rührend, aber nicht ungefährlich. Sie hatten einen fanatischen Glanz in den Augen, und natürlich Kalaschnikows. Dani: Merci. Uschi: Danke. You know, cat, er ist unser. Jonas: Der Sack? Uschi: Der heilige Che. Dani: Wir sind seine Schwestern. Uschi: Und Brüder. Dani: Wir folgen ihm nach. Viva la revolution. Uschi: So long, cat, love and peace. Jonas: Drei Minuten später war nur noch Jonas auf der Straße, in seinem E-Car, ganz allein, abgesehen von Sam, aber der muffelte, und sagte kein einziges Wort. Gerade wollte ich anfangen, mich als einsamer Wolf zu fühlen, da kam Gesellschaft. Negrita und ihre Vespa. Negrita: Sie haben den Sack schon wieder verloren, Jonas, das wird allmählich zur schlechten Angewohnheit. Jonas: Sie kommen zu spät, Negrita. Negrita: Was hätte ich denn tun können bei so viel Opposition. Ich habe gewartet zwischen den Felsen. Jonas: Wer waren die Althippies? Negrita: Kinder des Aquarius. Eine Art Sekte. Revolutions-Romantiker: Nostalgiker. Sam: Hallo? Hallo? Falls es irgend jemanden interessiert, in den 70er Jahren des verflossenen Jahrhunderts emigrierten sie nach Palmera, die Sprößlinge des Wassermanns, allwo sie sich eine neue Branche erschlossen, und fortan in Esoterik machten, für betuchte Touristen, gestreßte Manager und dergleichen intellektuell unterbelichtete Zeitgenossen. Veganische Aromatherapie, Feuerlaufen mit Essig und Öl, ganzheitliche Sexmeditation mit praktischen Übungen, neomarxististische Fußzonengymnastik, Spirouetten, Korrektur, spirituelles Bogenschießen rambazamba hodldibums. Jonas: Und so weiter. Länger als ein paar Minuten stehst du die beleidigte Leberwurst nicht durch, Sammy. Sam: Doch doch doch... Jonas: Wissen wir doch. Willkommen im Club. Sam: Ja ganz ohne Computer geht die Scho-hose nicht. Jonas: Ruhe. Und wo stecken sie, diese überalterten Aquarianer? Negrita: Im Aquarium natürlich. Das ist die ehemalige Plaza de Torros, auf einer kleinen Halbinsel im Osten, mit Palmera nur durch einen schmalen Damm verbunden, und der wird permanent bewacht. Jonas: Es wird nicht einfach. Negrita: Wie sieht’s aus, Jonas, arbeiten wir zusammen oder einzeln, miteinander oder gegeneinander? Jonas: Versuchen wir es mal mit Kooperation. Jonas: Sagte ich, und ich dachte: Bis auf weiteres. Wir setzten uns zusammen, machten einen Plan, und aßen die Sandwichs, die Negrita mitgebracht hatte, in weiser Voraussicht. Kein Whisky, schade. Einige Stunden vergingen. Es wurde dunkel. Vor der Ostküste von Palmera strampelte ein Touristenpaar auf einem Tretboot dahin. Man hätte die beiden aber auch gut für Kinder des Aquarius halten können, weil sie lange bunte Schlabbergewänder trugen und sich ans Aquarium heranarbeiteten, an die vorgelagerte Halbinsel, langsam, beiläufig, wie unabsichtlich. Als es ganz dunkel war, gingen wir an Land. Das Boot ließen wir abtreiben. Wir versuchten uns zu orientieren, mit Sams Hilfe. Die Wächterin sahen wir erst, als sie direkt vor uns stand, mit Kalaschnikow und schlechter Laune. Jonas reagierte blitzschnell. Ab und zu kann er das. Er drückte Negrita fest an sich und küßte sie. Mit Inbrunst. Das fiel mir nicht schwer. Ihr übrigens auch nicht. Wächterin: Auseinander! Müßt ihr ausgerechnet jetzt privatistisch rumbumsen, ihr seid mir schöne Revolutionäre. Ab in die Arena, zur großen Trauerfeier, Teilnahme obligatorisch, hat das ZK verfügt. Hopp Hopp! Viva la Revolution! Negrita: Viva! Jonas: Äh, viva! Jonas: Die Stimmung in der Arena war ein kurioser Cocktail aus Requiem, Zapfenstreich und 1. Mai an der Kremlmauer. Schwelende Fackeln an offener Gruft. Darüber Che Guevara in Beton, fünf Meter hoch, wenn nicht mehr, im revolutionär-orthodoxen Sahnetortenstil, linke Faust geballt, rechte am Gurt der Kalaschnikow, kühne Augen in die Ferne schweifend, Richtung Utopie. Erhebend. Um Gruft und Denkmal die Kinder des Aquarius, trauernd, aber nicht schweigend. Uschi: Heiliger Che. Dani: Messias der Revolution. Uschi: Jesus Christus mit der Knarre. Dani: Märtyrer der Entrechteten. Jonas: Negrita und Jonas hielten sich am Rand, im Schatten, und machten sich Gedanken. Wir waren ja nicht gekommen, um mit Sektierern Trauerrituale zu feiern. Negrita: Wo ist Che? Jonas: Den Sack, meinen Sie, Negrita. Negrita: In der Gruft ist er nicht. Die ist leer. Jonas: Im Sarg, nehm ich an. Negrita: Und wo ist der Sarg? Jonas: Irgendwo in der Nähe. Wenn die fertig sind mit ihrer Litanei, wird er feierlich rausgetragen, und in die Gruft gesenkt, zu den Klängen der Internationale, oder Beethoven. Negrita: Sehen wir uns mal um. Jonas: Hinter dem offenen Tor der Matadore ging rechts ein Korridor ab. Dem folgten wir, etwa 20 Meter, bis zu einer Tür, mit Glasscheibe, Fackelschein von innen. Negrita: Da ist er. Jonas: Der Sarg. Schon geschlossen. Negrita: Die Wächterin müssen wir loswerden. Jonas: Das macht Sammy. Sam: Ach ja, und wie meinen eure Leichtdahinredefertigkeit macht Sammy dieses? Jonas: Berliner Spießer 67/68. Sam: Verstehe. Piep. Jonas: Warte, bis wir um die Ecke sind. Dann lockst du sie in die andere Richtung. In fünf Minuten bist du zurück. Laß dich nicht erwischen. Sam: Erwischen? Hähähä. Von einer alten Wasserfrau mit Plattfüßen? Ha, hat Sam nicht seine flotten Rollen, hmh? Abschaum, rotes Gesindel, geht doch rüber ins Arbeitslager. Totschlagen. Aufhängen. Wächterin: Provokateur, Diversant! Sam: Schnauze. Jonas: Wir machten den Sarg auf. Menschliche Knochen. Ein sehr fragmentarisches Skelett, wie es aussah. Auf rotem Samt. Jetzt brauchten wir einen Sack. Keiner da. Aber Negrita fand vollwertigen Ersatz. Sie zog ihr Kleid aus. Ein atemberaubender Anblick, obwohl sie was drunter trug, einen minimalen Bikini. Negrita: Glotzen Sie nicht, Jonas, helfen Sie mir lieber die Reliquien ins Kleid packen. So, Vorsicht. Jonas: Sagen Sie, Negrita, warum lassen wir ihnen verehren Anverwandten nicht einfach in seinem Sarg liegen. Würdiger als hier kann er gar nicht bestattet werden. Negrita: Das verstehen Sie nicht, Jonas. Sam: Der versteht vieles nicht. Jonas: Ich verstand so manches nicht an dieser Geschichte. Abwarten. Bevor wir uns empfahlen, schraubten wir den Sarg wieder zu. Die Wächterin kam zurück. Fluchend. Dann rollte Sammy an, ganz, ganz leise. Wir warteten. Bis sechs kräftige Wassermänner auftauchten, und den Sarg auf die Schulter nahmen. Musik setzte ein. Der Trauermarsch von Chopin. Die Träger schritten in die Arena. Feierlich. Gemessen. Und während sie ahnungslos den leeren Sarg in die Gruft senkten, setzten Negrita und Jonas sich ab. Zum Strand. Mit Che. Im improvisierten Tragebeutel. Diesmal waren wir vorsichtiger. Wir umgingen die Wache, stiegen ins Meer, und schwammen zur nächsten kleinen Bucht auf Palmera, wo Negrita ihre Vespa versteckt hatte. Die E-Vespa schnurrte durch die subtropische Nacht. Richtung Südwest, Bon Retiro, und Urgroßvater de la Serna, ohne Licht. Vorsichtshalber. Sam hatte seinen Infrarotsensor eingeschaltet. Das war unser Glück. Sam: Stop! Negrita: Was ist los? Sam: Straßensperre hinter der nächsten Kurve. Zwei große E-Cars, blau. Acht große Typen, auch blau, mit großen Füßen und großen Lasern. Negrita: Inselpolizei. Jonas: Dahinter steckt Gräfin Gloriana. Sie hat die Polizei informiert und eine hohe Belohnung ausgesetzt. Was tun wir, Negrita? Zurück? Negrita: Das bringt nichts. Jonas: Können wir die Sperre umfahren? Negrita: Ich weiß nicht. Durchs Gelände schaffen wir es nicht. Zu schwierig. Lava. Geröll. Hier muß irgendwo rechts ein kleiner Weg abgehen. Versuchen wir es da. Jonas: Wir versuchten es, aber schon nach wenigen Kilometern kamen wir an die nächste Straßensperre. Nicht die letzte. Immer wieder mußten wir ausweichen, nach rechts, nach Norden, wohin wir nicht wollten, bis wir in einem weiten Bogen gegen die Steilküste gedrückt wurden, wo’s nicht mehr weiter ging. Das war nicht gut. Und noch weniger gut war es, daß die Polizei uns inzwischen im Visier hatte. Im Visier ihrer Nachtsichtgeräte und ihrer Laserstrahler. Sam: Nördliche Steilküste direkt voraus. Ende der Fahnenstange. Jonas: Du bist mein Ratgeber, Sam, analytisch, logisch, elektronisch. Na gib uns mal einen Rat. Wenn’s geht, einen guten. Sam: Zwo Optionen, Sir. Negrita: Besser als eine. Sam: Option eins: Die Herrschaften entsteigen dem Sattel und hüpfen über die Klippe, mit einem fröhlichen Hironimo. Negrita: Im Dunkeln? 200 Meter tief? Sam: Bitte nichts übertreiben, geschätzte Urenkelin, es sind nicht mehr denn 198. Jonas: Und die zweite Option, Sam. Sam: Option Zwo: Die Herrschaften halten, heben die Arme und ergeben sich ihren Verfolgern. Jonas: Gefällt mir auch nicht. Negrita: Option drei? Sam: Hah, gibt’s nicht, Allerwerteste, Kurzzeitgedächtnis offensichtlich mangelhaft, häh? Zwo Optionen, also sprach Sam, und Sam pflegt sich nicht zu irren. Negrita: Das glaubst du, du überhebliche Blechdose. Sam: Was? Negrita: Kuck mal nach rechts. Sam: Ach, da ist rechts. Ein Licht. Jonas: Eine Tür. Negrita: Eine offene Tür, im Felsen, die Rettung. Jonas: Oder eine Falle. Negrita: Haben wir eine Wahl? Sam: Ne. Jonas: Sah nicht so aus. Die Polizei kam näher. Wir ließen die Vespa liegen, rannten zur Tür, rannten durch die Tür, schlugen sie hinter uns zu, Massivmetall, nicht leicht zu knacken, schoben zwei schwere Riegel vor, dann erst hatten wir Zeit, uns umzusehen. Wo waren wir? Gloriana: Wo wir sind? Im Krematorium von Palmera. Kennen Sie das nicht? Tolle Anlage, voll automatisch. Dauerbetrieb, Tag und Nacht, Kühlhalle immer voll. Kann man sich ja denken, hier auf Palmera, nur Tote auf Urlaub. Apropos, schön, daß Sie endlich gekommen sind, wir warten schon seit Stunden, was Chico? Hotelsicherheitsdienst, pfui, Sie kleiner Schwindler, pfui, legen Sie ihre Schrotflinte auf den Boden, langsam, sonst macht Chico Ihnen ein paar neue Löcher ins Gesicht. Sam: O wie schön. Gloriana: Hmh, wär doch schade. So ist es brav, und jetzt bitte Hände hoch, das Kind auch. Jonas: Gräfin Gloriana. Diesmal in Shorts und T-Shirt. Braun und gelb natürlich. Neben ihr ein junger Mann, schwarze Locken, breite Schultern, braungelbe Livree, in der Hand einen Laserstrahler. Vom Regen in die Bratpfanne, wie der Volksmund sagt, oder der weise Bosequo. Gloriana: Und in diesem knalligen Fetzen haben Sie meinen Che Guevara? Nicht gerade pietätvoll, von Geschmack gar nicht zu reden, aber woher soll’s auch kommen, egal, geben Sie ihn her, geben Sie mir mein Eigentum zurück. – Das wird Commisario Pedaso sein, guter Mann, hat uns die beiden Verbrecher kunstgerecht in die Arme getrieben bzw. vor den Laser, nach allen Regeln des edlen Waidwerks. Mach die Tür auf, Chico. Prado: Buenas Tardes. Niemand rührt sich vom Fleck. Schieb die Leiche zur Seite, Mario, und, äh, heb den Laserstrahler auf, die Schrotflinte auch. Mario: Semi Coronell. Gloriana: Wer sind Sie denn? Prado: Prado. Gari Prado Salmond, Coronell Prado, der Name sagt Ihnen etwas? Negrita: Capitan Prado, der Henker, der Mann, der Che erschossen hat. Sam: Octobero Otscho, in anno uno millio mewo siento sosenti isiette, oder für Doofe, am 8. Oktober 1967 in der Schule von Igera, wenn er es denn wirklich war, und nicht der Sergeant Mario Teran. Prado: Das ist die Frage. Sam: Yes. Prado: Und die Antwort kennen nur wir beide, nicht wahr, Mario? Mario: Semi Coronell. Gloriana: Wie kommen Sie hierher? Prado: Ah, ich habe überall Augen und Ohren, Condessa, auch bei der Inselpolizei. Gloriana: Aha. Und Commisario Pedaso, was haben Sie mit dem gemacht? Wo steckt er? Prado: Oh, hinter dem Felsen, ich habe ihn angewiesen, Stellung zu beziehen und abzukochen, bis er weitere Befehle erhält. Zur Sache, Condessa, wo befinden sich die Überreste des berüchtigten Banditen? Gloriana: Wenn Sie damit Che Guevara meinen, den hat die Kleine da, in ihrem bunten Beutelchen. Prado: Ah, geben Sie mir den Behälter, Seniorita. Negrita: No, nunca. Gloriana: Kommt ja gar nicht in Frage. Che gehört mir, ich habe ihn gekauft, für teures Geld, bar bezahlt auf den Tisch des Hauses. Prado: Mag sein, Condessa, aber ich verfüge über zwei Schrotflinten und einen Laserstrahler. Ich kann nicht dulden, daß Sie diesen, diesen Abgesandten der Hölle öffentlich ausstellen. Eine solche Ehre hat er nicht verdient. Ich habe andere Pläne. Er soll verschwinden, ganz und gar, jede Spur, jeder Knochen, jedes Staubkorn. Ich muß ihn endlich loswerden, diesen Teufel aus dem Meer, der mit im Genick sitzt seit einem halben Jahrhundert, und der mir keine Ruhe läßt. Mario: Semi Coronell. Prado: Na, und wo kann ich ihn loswerden? Hier, genau hier. Jonas: Natürlich, hier, im Krematorium, wo Palmera sich vom Tod und von den Toten trennte. Sergeant Mario nahm Negrita das Bündel mit den Knochen aus der Hand, und legte es seinem Herrn in den Schoß. Beide trieben uns in den hinteren Teil des Raumes, durch eine Tür, durch einen Gang, in eine Kühlhalle, so weit und so hoch wie der Tempel eines unbekannten Gottes. Hier stapelten sich Särge, aus billigem Plastik, Särge über Särge, Hunderte, Tausende, ein ungeheurer Wartesaal des Todes. Weiter nach hinten lief ein Förderband, tiefer hinein in den Felsen, dorthin, wo der gewaltige Ofen röhrte. Robots luden Särge auf das Band, einen nach dem anderen, eine Reihe ohne Ende. Prado: Leg den Beutel auf das Band, Mario. Mario: Semi Coronell. Prado: Gut so. Oh, Sie frieren, Seniorita? Negrita: Ein wenig. Für arktische Temperaturen bin ich nicht angezogen. Gloriana: Ich etwa? Sehen Sie nur, Coronell, überall Gänsehaut, ekelhaft, Sie sind kein bißchen rücksichtsvoll, Coronell, das muß ich schon sagen, oder finden Sie es etwa galant, eine Dame in diese, in diese gräßliche Halle zu bringen? Zu den Toten, in die Kälte. Prado: Gleich wird Ihnen warm werden, meine Damen, weiter, Mario. Mario: Semi Coronell. Jonas: Auch vollautomatische Anlagen müssen gelegentlich gewartet werden, von Menschen. Ein schmaler Gang verlief parallel zum Band, von ihm getrennt durch eine dicke Mauer, darin runde Fenster aus hitzebeständigem Plasti-Plex, Bullaugen, bessere Gucklöcher. Mit bohrendem Blick verfolgte Oberst Prado den Weg der Guevara-Knochen, bis sie im brüllenden Feuerofen verschwanden. Prado: Ah, endlich, es ist vorbei, Mario. Mario: Semi Coronell. Prado: Er ist verbrannt. Ich bin ihn los. Ich bin frei. Mario: Semi Coronell. Prado: Ich bedaure, Condessa, daß Sie meinetwegen einen gewissen finanziellen Verlust hinnehmen müssen. Leider ließ es sich nicht vermeiden. Gloriana: Ach, was solls. Schwamm drüber. Ist nun mal passiert, zurückdrehen kann man’s nicht. Kauf ich mir halt was neues. Arni Schwarzenegger soll auf dem Markt sein. Sam: Ja, hat dort einen Gemüsestand. Gloriana: Nicht gerade in der Guevara-Klasse, aber ganz interessant, bestimmt sehr eindrucksvoll, und wer weiß, Coronel, vielleicht haben Sie mir sogar einen Gefallen getan. Prado: Wie darf ich das verstehen, Condessa? Gloriana: Vielleicht war es ja wirklich nur ein Doppelgänger. Vielleicht haben sie damals in Bolivien gar nicht den echten Guevara umgebracht. Vielleicht ist der echte tatsächlich schon früher gestorben. Sam: Jajajajajajaja, und zwar im März des Jahres 1965, wie seinerzeit und auch später hie und da gesprechmunkelt ward. Denn in jenem März, es ist dies ein feststehendes unbegrabbelbares historisches Faktum, meine Daumen und Hirn, in jenem März kam es zu einer überaus heftigen Streitauseinandersetzung zwischen Che Guevara, soeben von einer Weltreise zurückgekehrt, und seinem Chef, bis dato Freund, Geigenkasten, zu deutsch, Fidel Castro. Che habe als Industrieminister von Kuba versagt. Das war ein Vorwurf. Der zweite: Che lasse es an der notwendigen Verehrung für die große Sauwetunion fehlen, den Patron und Sponsor der kubanischen Revolution. Unter uns, Genossen, wahrscheinlich war Castro bloß eifersüchtelig, weil Che viel schöner war, viel mutiger, viel berühmter und beliebter, besonders bei den Weibern. Negrita: Das ist wahr. Sam: Ja. Wie dem auch gewesen sein mag, und hier verlassen wir die gesicherte Historie, und wagen uns vor in den vagen, doch nicht gänzlich unfundierten Bereich der Spekulatius, meint der Spekulation. Castro, so wird gemutmunkelt, habe damals Che töten und begraben lassen, in aller Heimlichkeit. Prado: Unsinn. Sam: Ein doppeltes Lottchen wurde aufgebaut, ein Doppelgänger, dieser trat zunächst im Kongo auf, im Bananenkostüm, dann in Bolivien, um dort von der Weltbühne, weil er keine Schauspielschule besucht hat, wieder abzutreten. Höchst effektiv, jajaja, zu einem Zeitpunkt, und auf eine Weise, wie sie Castro und den Sowjets propagandistisch am günstigen erschien. How, Sam hat gesprochen. Prado: Kompletter Unfug. Wir haben den wirklichen Che Guevara erschossen, nicht irgendeinen Kleindarsteller, was Mario? Mario: Semi Coronell. Gloriana: Tja, also ich weiß nicht. Darum wollte ich die Überreste ja gentechnisch untersuchen lassen, und das Ergebnis vergleichen mit dem Material eines Verwandten von Guevara, hier auf Palmera soll’s einen geben. Dann hätten wir gewußt, ob’s stimmt, was der kleine Geschichtsprofessor uns gerade erzählt hat. Jetzt werden wir’s wohl nie erfahren, irgendwie schade, aber andererseits, das Leben geht weiter. Sam: Jaja. Jonas: Der Tod auch. Nicht weit vom Ofen ging ein Servicelift nach unten. Weil Prado seinem Opfer anscheinend noch immer nicht traute, verfolgte er es weiter, vorbei an den Rosten aus Schamott, bis zu einer großen in den Felsen gehauenen Kammer, wo die Asche abkühlte, viel Asche, ein schmutzig-weißer Montblanc, der immer wieder abgetragen wurde, und sich immer wieder neu aufbaute. Ein gewaltiges Gebläse pustete die Asche in einen Tunnel, der schräg nach unten führte. Gloriana: Ins Meer. Friedhöfe haben wir nicht auf Palmera. Wir wollen nicht daran erinnert werden, daß alles mal zu Ende geht. Alles vorüber, alles vorbei. Ja, Trauerfeiern, die gibt’s natürlich, wenn Freunde abtreten oder Verwandte, in unauffälligen kleinen Kapellen, hell und freundlich, ganz in türkis und pink gehalten. Aber damit ist es dann auch gut. Prado: Asche zu Asche. Zeit für einen kleinen Umtrunk. Mario, aquariente. Mario: Semi Coronell. Prado: Gib der Condessa auch einen. Mario: Semi Coronell. Prado: Salut. Gloriana: Ti pesitas, mi Coronell, äh, Euros meine ich natürlich. Und die beiden, der falsche Hoteldetektiv und das Mädchen, was machen wir mit denen? Prado: Ah, unwichtig, Commisario Pedaso kann sie später einsperren. Gloriana: Wozu der Umstand, Coronell, wozu warten, machen wir doch gleich klar Schiff. Entsorgen wir sie gleich hier. Sache erledigt und ausgestanden. Sind sowieso zu jung, unverschämt jung, passen nicht auf unsere Insel. Sam: Ich auch nicht mit meinem Pinsel. Jonas: Hast keinen. Sam: Vielleicht mehr als du. Jonas: Negrita und Jonas sahen sich an, vom Einsperren hielten wir wenig, vom Umbringen weniger. Wir nickten uns zu. Ehe Oberst und Sergeant zu ihren Waffen greifen konnten, waren wir in der Abkühlkammer, vorbei am Aschenberg, an der Mündung der Tunnelröhre. Wir sprangen, die Füße voran. Gebläse und Fallwinkel sorgten für einen flotten Rutsch. Wie im Freibad. Wir riefen nicht fröhlich Jeronimo, wir hielten Mund und Nase zu, wegen der Asche, der Asche von Che Guevara und von vielen vielen ehrenwerten Senioren, die alle mit uns gemeinsam ans Meer reisten. Negrita: Jetzt bin ich froh, daß ich nur einen Bikini anhabe. Sam: Wie schön. Jonas: An Land zu kommen wird nicht leicht sein, die Brandung, die Steilküste. Sam: Wenn ein ganz kleiner völlig unbedeutender Computer sich mal wieder zu Wort melden dürfte, hmh, ausnahmsweise. Jonas: Tu das, Sammy. Sam: Backbord voraus, für Landratten links, nich, da dürfte sich eine Landung möglich machen lassen, denn siehe, ein natürliches Bassin inmitten der Riffe besänftigt die wilden Wogen, und die Küste darüber erscheint weniger steil. Negrita: Also los. Sam: Yes. Jonas: Wir schwammen, und kletterten die Klippe hoch, durchgefroren, voller blauer Flecken, ansonsten intakt. Oben ruhten wir uns eine Zeit lang aus, hinter einem Felsen, und sahen den Inselpolizisten zu. Die hatten offenbar die Geduld verloren. Sie hatten sich vor der Tür zum Krematorium versammelt, und gaben sich große Mühe, sie aufzubrechen. Bislang vergeblich. Von dieser ihrer Aufgabe waren sie so in Anspruch genommen, daß sie nicht auf ihre abgestellten Fahrzeuge achteten. Nett von ihnen. Wir beschlagnahmten den Kommandowagen von Commisario Pedaso. Ausgestattet mit allen Schikanen. Autopilot, Radar, Ersatzuniform. Die teilten wir uns. Negrita kriegte Mütze und Jacke, Jonas die Hose, viel zu weit, aber warm. Eingebaute Bar. Die teilten wir auch. Während das E-Mobil sich seinen Weg durch die nächtliche Insel suchte. – Wir tranken Mate, in der Morgensonne, auf der Terrasse in Bon Retiro. Mit Urgroßvater Hector de la Serna. Jonas fühlte sich nicht in Bestform. Sicher, die verlangten Knochen waren gestohlen worden, mehrmals, auch von Jonas, unter anderem. Aber jetzt waren sie weg. Es gab sie nicht mehr. Sie waren verschwunden. Jonas: Verbrannt. Im Krematorium von Palmera. Serna: Sind Sie sicher, Senior Jonas? Jonas: Leider ja, ich mußte zusehen. Negrita auch. Serna: Ist das wahr, Besnieta? Du hast es gesehen? Negrita: Si, Pisabelo. Mit eigenen Augen. Die Knochen sind verbrannt. Serna: Und die Asche? Negrita: Ins Meer gestreut. Aufgelöst. Dahin. Serna: Halleluja. Viva la revolution. Viva el Che. Jetzt ist es unwiderruflich. Unabänderlich. Unumstößlich. Es wird keine gentechnische Untersuchung geben, Che wird ewig leben, weil er für immer tot ist. Das ist Dialektik, Senior Jonas. Mein Mythos ist unsterblich, gestern, heute, morgen, bis in alle Ewigkeit. Jonas: Ihr Mythos? Serna: Die übrigen Gerüchte werden verstummen. Jetzt müssen ihn die Neider mir lassen meinen grandiosen revolutionären Tod, meine Hauptrolle in der Geschichte steht fest. Ein für alle mal. Jonas: Heißen Sie wirklich Hector de la Serna? Serna: Ich bin Ernesto Guevara de la Serna, genannt Che. Jonas: Dann sind Sie also nicht 67 in Bolivien gestorben. Serna: Und auch nicht 1975 auf Kuba. Fidel konnte mich nicht töten. Er verdankte mir zu viel. Er versteckte mich, im Keller seiner Residenz. Hausarrest. Nicht unbequem. Mir fehlte nichts als die Freiheit. Fast 50 Jahre war ich gefangen. Dann starb Fidel. Die wenigen, die außer ihm von mir wußten, kamen in den Wirren um. Ich wurde befreit. Mein Geheimnis behielt ich für mich. Etwas später nahm ich Kontakt mit der Familie auf. Ohne Aufsehen. Mit Negrita kam ich hierher, um in Frieden zu sterben, zum dritten und letzten Mal. Ich hatte nicht mit der törichten Gräfin gerechnet, und damit, daß die Knochen des Doppelgängers noch einmal auftauchen würden, doch nun ist alle Gefahr vorbei. Dank Ihnen, Senior Jonas. Jonas: Eine erstaunliche Geschichte. Sam: Eine schier unglaubliche Geschichte. Mein Meister könnte sie an die Medien verkaufen und Millionär werden. Serna: Würden Sie das tun, Senior Jonas? Jonas: Nein, Senior de la... Senior Guevara. Serna: Sie geben mir Ihr Ehrenwort als Cabaliero. Jonas: Sofort. Der Alte zog sich zurück, müde und glücklich. Jonas war beeindruckt, und unsicher. Glaubte ich ihm? War er wirklich Che Guevara, oder war er ein armer Irrer, der sich einbildete, Che Guevara zu sein. Jonas: Was sagen Sie dazu, Negrita? Negrita: Vielleicht. Sam: Ken Sawe, das heißt. Jonas: Ich weiß, Sammy. Sam: Ah, nicht ich weiß, du linguistischer Dösbattel, wer weiß, so heißt es. Wer weiß oder Die Knochen von Che Guevara: Wer weiß, wo sie sind, ob verstreut im Wind, tief unten im Meer, ist die Gruft wirklich leer, sind sie gar noch lebendig, wenn auch nicht sehr wendig, im Rollstuhl ein Greis, ken sawe, wer weiß? Jonas: Gut, daß diese Geschichte nicht mit Sam endet, sondern mit Negrita, mit einem wunderbaren Wochenende auf Palmera, und mit 10.000 Euros. Sam: Und mit mir, hahahahaha. Das war Knochenarbeit. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Hans Korte, Ilse Neubauer, Christine Neubauer, Harald Dietl, Kerstin de Ahna, Hans Günter Martens und andere (Juan Hetzenecker, Anne Stegmann, Werner Klein). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck und Sieghard Fieber. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1998. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Invasion Lili: Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach. Ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Jonas: Die was? Lili: Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Jonas: Haben sie das? Lili: Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt. Aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Jonas: Da bin ich mir nicht so sicher. Jonas: Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön. Trotzdem wimmelte ich sie nicht ab. Als sie sich zu mir setzte. Im Casablanca. Ich hörte ihr zu. Warum weiß ich nicht. Vielleicht hatte ich eine Vorahnung. Sie hieß Lili, sagte sie. Lili Putowski. Lili: Darum nennen mich alle Liliput. Lili Marlen wäre mir lieber. Jonas: Dann sagen wir doch Lili Marlen. Und Sie sagen Jonas. Nur Jonas. Ich bin kein Herr. Ich bin Detektiv. Der letzte. In Babylon, der großen Stadt. Lili: Mein kleiner Bruno hat gesagt, ich soll zu Ihnen gehen, Herr... ich meine Jonas. Ich soll ins Casablanca gehen, da sind Sie oft. Bruno kennt Sie gut. Bruno ist acht. Sie sind sein Held, Jonas. Er hat Sie im Holo gesehen. Und im Euronet. Er weiß alles über Sie. Jonas: Tatsächlich? Lili: Und über Sam. Ihren Supercomputer. Was er alles kann, und wie wunderbar er redet. Sam: O Dank, vielmaligster tiefinnerlichst empfundener Dank, allergnädigste Frau und Mutter, wohl dem, der eine Mutter hat. Jonas, gewißlich, der ist bekannt, doch wer kennt Sam? Den Äußerlich nicht eben gewalttätigen, doch mit einem so großen, so umfassenden, jaja, wer weiß ihn zu schätzen. Jonas: Hast du doch gehört, Sammy, der kleine Bruno, acht Jahre alt. Sam: Bald halb neun. Jonas: Sonst wüßte ich keinen. Warum hat Ihr Sohn Sie zu mir geschickt, Lili Marlen? Lili: Wegen der Invasion natürlich. Jonas: Natürlich. Lili: Weil Bruno nichts davon wußte. Und weil ich in Babylon keine neuen Ruinen gesehen habe. Nur die alten im Reservat und in der Südstadt. Obwohl die Aliens die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt haben. Das hat mich irgendwie unsicher gemacht. Jonas: Aber nicht sehr. Lili wußte, was sie gesehen hatte. Im Holo-TV. Tagelange Sondersendungen. Vom ersten Erscheinen der Raumschiffe am Himmel bis zur Landung und zur Eroberung der Erde. Sagte sie. Jonas wunderte sich. Es ging ihm wie dem kleinen Bruno. Er wußte nichts von Aliens. Nichts von einer Invasion. Nicht in Babylon, nicht in Europa, nicht auf der Erde. War die Frau verrückt? Sollte ich auf sie eingehen? Jonas: Wann haben Sie das gesehen, Lili Marlen? Lili: Im Januar. Jonas: Dieses Jahres? Lili: Ja, sicher. 3., 4., 5. Januar 2015. Jonas: Vor fünf Monaten. Und wo haben Sie’s gesehen? Lili: In der Mine, wo ich arbeite. Gearbeitet habe. Jonas: Lili war Bergfrau. Beschäftigt beim REUBA-Konzern. REUBA steht für Rare Elements Unlimited Babylon. Das sagt alles. REUBA hat sich spezialisiert. Auf die Gewinnung seltener Elemente und Rohstoffe. Dusenium zum Beispiel, so benannt nach seinem Entdecker, um 1900. Äußerst selten. Und äußerst wichtig. In der Nanotechnik. Weil es so gut leitet. Oder so schlecht. Jonas ist kein Techniker. Dusenium kam auf der ganzen Welt nur an einer einzigen Stelle vor. Weit draußen im Niemandsland. Wo Europa, Rußland und die Drittwelt aneinander stoßen. Da lag die Dusenium-Mine der REUBA. Namens Dusechs. Der Abbau war mühsam. Und gefährlich. Vor allem teuer. Weil Dusenium nur in großer Tiefe auftrat. Und nur in minimalen Einsprengseln. REUBA konnte weder Robots noch Androiden einsetzen. Nicht mal normale Bergleute. REUBA brauchte Elitels. Wie Lili. Lili: Wir sind alle Elitels draußen in Dusechs. Jonas: Sam, erklär den Hörern, was ein Elitel ist. Sam: Jawoll, mit der allergrößten Bereitestwilligstkeit, Chef. Ein Elitel ist kein Eledil und Krokofant, nein, meine Daumen und Hirn, ein Elitel ist die Kurzform von Element-Telepat, hmh, dies Wort definiert einen Menschen, welcher die Gaby besetzt, wos, ne, Korrektur, welcher die Gabe besitzt, gewisse Elemente auf extrasensorischem telepatischem Wege aufzuspüren, so sieht's aus. Elitels sind nicht eben häufig, nein nein, genau wie ich, und werden sehr gut bezahlt. Lili: Jetzt natürlich nicht mehr nach der Invasion. Jetzt arbeiten wir umsonst. Aus Patriotismus. Sam: Gestatten, Herr Vizebergadjunkt, eine wenn auch nicht angeforderte, so doch durchaus relevante Anmerkung zum Thema Dusechs. Jonas: Nur zu, Sam. Sam: Po-Piep. Die Mine Dusechs existiert nicht mehr. Piep-pup. Am 5. Jänner 2015 wurde sie durch ein Erdbeben im Niemandsland total kaputtzerstört. Alle dort Weilenden verblichen eines jähen Todes, will sagen, sie wurden weiß. Requiesant in pace. Lili: Unsinn. Jonas: Das stimmt, Sammy. Es gab eine große Trauerfeier. Auf dem Ernst-August-Platz. Vor der REUBA-Zentrale. Sam: Wonach übrigens REUBA bekannt gab, die Prospektoren des Konzerns hätten kürzlich ein neues Dusenium-Vorkommen entdeckt. Auch im Niemandsland. Dusechs zwo. Welch glücklicher Zufall. Nie wird Dusenium uns fehlen, nein nein. Lili: Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr. Sam: Macht nix. Lili: Am 5. Januar war kein Erdbeben, da sind die Aliens gelandet. Dusechs haben sie bisher nicht entdeckt. Die Mine arbeitet weiter auf Hochtouren. Für den Widerstand im Untergrund. Der baut eine Superwaffe gegen die Aliens. Und dafür brauchen sie Dusenium. Viel Dusenium. Ich hätte bleiben und mit den anderen weiter nach Dusenium suchen sollen. Aber der kleine Bruno. Sam: Das Herz einer Mutter. Wer kann es ermessen. Mama, du sollst doch nicht... Jonas: Noch so ein Widerspruch. Lili hatte Dusechs verlassen. Heimlich, sagte sie. Unbemerkt von Wachen und Patrouillen. Aliens natürlich. Zu Fuß hatte sie sich durchs Niemandsland geschlagen. 10 Tage, zwei Wochen. Bis nach Babylon. Zuerst hatte sie den kleinen Bruno besucht, der in einer Kinderkrippe untergebracht war. Jetzt war sie bei Jonas. Was sollte ich mit ihr anfangen? Jonas: Noch ein Bier, Lili Marlen? Lili: Überall sind sie, die Aliens. Sie maskieren sich als Menschen. Jeder von ihnen könnte einer sein. Die dicke Frau, die sich mit Sojatorte vollstopft, oder der große Typ da mit der roten Baseballkappe an der Theke. Jonas: Jedenfalls kein Stammgast. Ich kenne ihn nicht. Lili: Ich muß mal verschwinden. Bestellen Sie uns inzwischen noch zwei Bier, Jonas? Sam: Ja und für mich ne Kanne Benzin. Jonas: Ihr Bier wurde schal. Sie kam nicht zurück. Und ich rang mich dazu durch, sie zu suchen. Auch der letzte Detektiv wagt sich nicht leichtfertig an einen geheimen Frauenort. Ich ging nach hinten, durch den dunklen Gang, vorsichtig, sah mich um, machte die Tür auf, langsam. Keine Frau, auch nicht Lili. Statt dessen ein frischer Blutfleck. Und eine rote Baseballkappe. In einer Zelle, auf dem Boden. Das gab mir zu denken. Ich steckte die Mütze ein, und ging zurück. Noch langsamer, noch vorsichtiger. An der Schwingtür blieb ich stehen. Im Dunkeln, unsichtbar. Rotkäppchen stand noch immer an der Theke. Er hatte Gesellschaft bekommen. Noch ein Rotkäppchen. Und der große böse Wolf. Kalte Wolfsaugen. Kaltes Wolfslächeln. Weiße Zähne im grauen Stachelbart. Ein Boss, ein Dominator. Er sprach mit Jacob, dem Wirt. Der zeigte auf den Gang, auf Jonas. Verräter. Zeit zu verschwinden. Sam: Aller allerhöchste Zeit, Signor Trödilio, ergebenster Vorschlag: Hintertür. Jonas: Das heißt, durch die Küche. Sam: Wo’s Schmalzbrote gibt. Jonas: Wo Jacob sein berühmtes Gourmetmenü zusammenrührt. Mit dem Chemiebaukasten. Sam: Und seinen Synth-Whisky panscht. Jonas: Weshalb die Küche im Casablanca nur das Labor heißt. Und dies wiederum eröffnete einem Detektiv auf der Flucht gewisse Möglichkeiten. Sofern er über einen lauten Computer verfügte. Sam: Achtung, zentrales Gesundheitsamt Babypsilon. Ri-ra-Razzia. Hygienekontrolle. Keiner verläßt den Raum. Punktum. Koch: Aber wir haben doch immer pünktlich geza... Sam: Schnauze. Wer den Mund aufmacht, wird mit dem eigenen Küchenmesser geschnetz-bruzzelt. Jonas: Übertreibs nicht, Sammy. Sam: Hier wird mit Schwefelsäure gekocht, jawoll, hier wird mit Dioxin abgeschmeckt. Das verstößt gegen § 1 der Küchenverkehrsordnung, Herr Portiers. Jonas: Jonas war nur auf der Durchreise. Im Vorbeilaufen riß er einem Küchenbullen die Mütze vom Kopf. Dann war er draußen. Auf der Gasse hinter dem Casablanca. Vor der Tür wartete ein Rotkäppchen. Auf Jonas. Nicht auf einen Koch mit Mütze. Jonas: Sie sollen reinkommen. Ihre Kollegen brauchen Hilfe. Rotkäppchen: OK, haben Sie den Kerl? Jonas: Sieht nicht so aus. Rotkäppchen: Hey Hey, Moment mal. Sam: Was is’n? Jonas: Aber Jonas war schon um die Ecke. In Sicherheit. Vorerst. Ich winkte mir eine Rikscha und ließ mich in Zentrum bringen. Zum Ernst-August-Platz. Untertauchen, das war der Plan. Untertauchen in der Masse. Die war heute ganz besonders massenhaft. Der Klimadom war geöffnet. Ausnahmsweise. Und ein paar Sonnenstrahlen fielen auf den Platz. Auf die Hochhäuser. Die zentrale Sicherheitsverwaltung. Das Rathaus. Die REUBA-Zentrale. Und auf das riesige Rondell aus Fastrasen. Wo sich die Babylonier drängten. Dicht an dicht. Halbnackt, fast nackt, ganz nackt. Jonas stellte sich dazu. Nacktheit ist die beste Verkleidung. Sherlock Holmes. Oder vielleicht Siegmund Freud? Stimme: Akute Hautkrebsgefahr. Setzen Sie sich keinesfalls länger als 7 Minuten, ich wiederhole, 7 Minuten, der direkten Sonnenbestrahlung aus. Jonas: Keine Rotkäppchen in Sicht. Entwarnung. Sam: Fürs Erste, Chef. So lasset uns denn gelieb dem Herrn die gewonnene Muße nutzen, und des Rates pflegen. Jonas: Ich brauch kein Rat von dir, Sam. Sam: Wie? Mondieu. Kein Arroganz. Jonas: Ich brauch Informationen. Daten. Lili Putowski. Such, Sammy. Sam: So nicht, Sir, ist Sam ein Hund, na? Jonas: Du bist ein Frettchen, Sammy. Sam: Auch noch. Jonas: Ein virtuelles Frettchen im digitalen Labyrinth. Oder umgekehrt. Los, Sammy, such, such, such Lili Putowski in der REUBA-Datei. Sam: OK OK, Frettchen Sammy sucht schon. Piep. Pup. Pup. Pup. Jonas: Lili Putowski war tot. Gestorben am 5. Januar 2015. In der Mine Dusechs. Wo sie gearbeitet hatte. Hinterlassen hatte sie einen achtjährigen Sohn. Bruno Putowski. Wohnhaft in Mirko Minkows Kinderkrippe. Die Kosten trug REUBA. Sam konnte sogar ein Bild von Lili anbieten. Auf seinem klitzekleinen Mini-Monitor. Zu klein, wenn Sie mich fragen. Sam: Bildschirm ist groß genug. An dir liegt's mein Alter. Augen lassen nach, Zähne fallen aus, Haare sind schon weg. Und wie steht's um die vielgepriesene Libido? Jonas: Halt dich zurück, Sam. Ja, das ist sie. Und wenn sie das ist... Sam: Dann ist sie nicht in Dusechs umgekommen. Beim Erdbeben. Jonas: Apropos Erdbeben. Da war doch was damals. Gleich fällt's mir ein. Kanuk. Sam: Kuckuk? Jonas: Kuno Kanuk. Volksrentner. Stammgast im Casablanca. Und Hobby-Seismologe. Mit einem eigenen Anzeigegerät. Das am 5. Januar nicht reagiert hatte. Kein großes Erdbeben im Niemandsland auf seiner Richterskala. Auch kein kleines. Gar kein Erdbeben. Kanuk hatte im geologischen Institut der Uni Babylon nachgefragt. Antwort: Geräte fehlerhaft. Kanuk war nicht überzeugt. Er schwor auf seine Anlage. Das hatte er mir erzählt. Damals im Casablanca. Und da fiel mir noch was ein. Ich hatte Kuno Kanuk lange nicht gesehen. Jonas: Fonverbindung, Sam, Kanuk, Kuno. Sam: Befehl. Piep. Kanuk, Kuno. Fonisch unerreichbar. Jonas: Was heißt das? Wo steckt er? Sam: Ja, wo mag er wohl stecken? Im Himmel, hmh, in der Hölle, häh, im Nirwana? Fragen Sie Ihren Priester oder Guru. Jonas: Kanuk ist tot. Sam: Jui, wie ein Türnagel. Verstorben am 11. Januar 2015. Verkehrsunfall. – Ein Anruf für meinen Herrn und Jonas. Jonas: Wer? Sam: Chefinspektor Br-Brock. Sind wir zuhause? Jonas: Stell ihn durch, Sam. Brock: Jonas? Jonas: Was wollen Sie, Brock? Brock: Lassen Sie alles stehen und liegen, gehen Sie ans nächste Hologerät. Jonas: Warum? Brock: Beeilen Sie sich. Sam: Oha. Jonas: Wenn es meinem guten alten Feind von der Kripo so wichtig war. Außerdem waren meine 7 Minuten um. Ich zog mich an, und suchte mir einen Multimedia-Shop. Über alle Holoschirme im Schaufenster lief ein Programm. Sondermeldung. Holo: Grauenhafter Serienmord in Kinderkrippe. Fünf Opfer bestialisch zu Tode gefoltert. Drei Kinder... Jonas: Mein Gott, die Kinder. Holo: Im Alter von 5 bis 8 Jahren. Jonas: Der kleine Bruno. Holo: Mirko Minkow, der Leiter der Krippe, und eine bislang nicht identifizierte Frau. Jonas: Lili. Das ist sie. Die Größe. Die Statur. Holo: Sehen Sie alles weitere, alles nähere, alle entsetzlichen Einzelheiten, heute Nachmittag, 15 Uhr 10 in unserer von REUBA gesponserten Show Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche. Und nun noch eine Meldung der Kripo. Im Zusammenhang mit dem Kinderkrippenmassaker wird gefahndet nach Jonas, nur Jonas, bekannt als der letzte Detektiv. Vorsicht! Jonas ist extrem gefährlich und vermutlich bewaffnet. Jonas: Schön wär’s. Wolf: Sie waren es nicht, Jonas. Ich war es. Hat Spaß gemacht. Mit Kindern tue ich’s besonders gern. Man muß natürlich Ruhe haben, Zeit, Fantasie, das richtige Werkzeug. Skalpell, Lötkolben, Bohrmaschine. Jonas: Er stand direkt hinter mir. Ich drehte mich nicht um. Ich wußte, wer er war. Stachelige Barthaare an meinem Ohr. Der große böse Wolf. Blitzschnell rammte ich beide Ellebogen nach hinten. In seinen Bauch. Er klappte zusammen. Und Jonas rannte. Zum nächsten Metroeingang. Auf den untersten Bahnsteig. Weiter in den Tunnel. Dann durch Türen und Schächte, die nur wenige kannten. Bis ich im alten Abwassersystem angekommen war. In der Unterwelt von Babylon. Hier konnte ich mich ausruhen. Und überlegen. Jonas: Sammy, es stinkt. Sam: Na was hast du denn erwartet, du Schnarchnase? Rosenduft, häh? Chanell Numero se? Lavendel und Rosmarie? Hier unten kann's doch nur nach Exkrementen stinken. Nach antikem Kot. Gut abgelagert, edel gealtert, gülden gefärbet. Jonas: Ich meine den Fall, Sam. Der Fall stinkt. Sam: Fall? Was für ein Fall? Jonas: Das wüßte ich auch gern. Lilis Geschichte. Rotkäppchen und der Wolf. Kuno Kanuk. Schlächterei in Kinderkrippe. Fahndung nach Jonas. Was gibt das zusammen? Sam: Hab ich doch gesagt. Scheiße bis über die Halskrause. Jonas: Und wie komm ich da raus? Was hätte Bogie gemacht? Sam: Bogie ist tot. Und Philip Marlowe hat geheiratet. – Chefinspektor Brock begehrte euer wertes Ohr, Senior. Jonas: Dann leihen wir’s ihm doch. Brock: Sie laufen noch frei rum, Jonas? Gut, wenn wir Sie erst mal haben, kann ich Ihnen nicht mehr helfen. Jonas: Helfen wollen Sie mir, Brock, Sie? Brock: Nicht, weil ich Sie mag, Jonas. Weil ich was gegen Serien- und Kindermörder habe. Und wenn Sie ein Serienmörder sind, dann bin ich die Heilige Diana. Jonas: Danke. Brock: Sie sind nur ein Arschloch. Jonas: Danke. Brock: Erinnern Sie sich noch an den Fall Mustermann, Jonas? Sam: Schneeflittchen, November 2011. Brock: Wissen Sie noch, an welchem ungewöhnlichen Ort dieser Fall zu Ende ging? Jonas: Klar, im Keller der Zentralen Sicherheitsverwaltung. Was soll das, Brock, ich denke, Sie wollen mir helfen. Brock: Wissen Sie, Jonas, ab und zu gehe ich da mal hin. In den Keller. Um in Ruhe nachzudenken. Nach Dienstschluß, so gegen halb fünf. Wollen Sie sich übrigens die schwarze Dahlie im Holo ansehen? Sam: Ne. Jonas: Unbedingt. Fragte sich nur, wo. In der Unterwelt gab's keine Holoapparate. Sam hatte eine Idee. Und Jonas hatte einen Schlüssel. Zum Apartment von Ines Sikorski. Fall Blackout. Vor einem knappen Jahr. Ich blieb unten. Vorsichtshalber. Und wanderte, ein paar Kilometer. Dann war ich da. Unter dem riesigen Apartment-block in Zentralost. Ines war nicht zuhause. Wahrscheinlich Spätdienst im Krankenhaus. Von mir aus. Zur Zeit hatte Jonas mehr Sehnsucht nach dem Hologerät als nach Ines. Holo: Schwarze Dahlie. Die mörderisch gute Show, wird Ihnen präsentiert von Supermedia und REUBA. Und hier ist Ihr Host. The one and only Jack the Ripper. Jack the Ripper: Danke, danke, hi, everybody. Es ist mal wieder Mord- und Foltertime. Ich weiß, Sie alle warten schon darauf in fieberhafter Spannung. Wer wird heute Serienmörder der Woche. Wer kriegt heute unseren wertvollen, heißbegehrten Preis, die schwarze Dahlie aus antiken Bakelit, designt und gestaltet im Auftrag unseres Sponsors REUBA. Diesmal keine Ausscheidung, ladies und gentlemen, keine Qual der Wahl. Durch einstimmigen Entscheid unserer hochkarätigen Jury ist der Serienmörder der Woche der Schlächter von der Kinderkrippe. Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. Er hat es uns und der Kripo leicht gemacht, meine Damen und Herren, er hat seine hochinteressante Arbeit gewissermaßen signiert, nicht wahr, Chefinspektor Brock? Brock: Ja ja, das ist richtig. Auf einer Wand der Kinderkrippe wurde mit dem Blut der Opfer folgende Botschaft geschrieben... Jack the Ripper: Herzlichst, Jonas, ihr letzter Serienmörder. Brock: Das heißt natürlich noch lange nicht... Jack the Ripper: Danke, Chefinspektor, danke. Hier sehen Sie die blutige Botschaft, boys and girls, hier sehen Sie unseren Preis. Was Sie nicht sehen, noch nicht, ist unser Preisträger, aber wir sind sicher, Chefinspektor Brock und seine Kollegen werden ihn bald haben, und wenn sie nicht, dann der REUBA Sicherheitsdienst, der sich dankenswerterweise in den Fall eingebracht hat, unter dem persönlichen Kommando seines kompetenten Chefs G. B. Wolf. Die Großfahndung läuft, meine Herrschaften, und während sie läuft, kommen wir, wie versprochen, zu den grauenvollen, den gräßlichen, den geradezu unfaßbaren Einzelheiten der von uns heute preisgekrönten Tat. Es geschah in den frühen Nachmittagsstunden des heutigen Tages. Friedlich und fröhlich spielten drei Kinder im gemütlichen Aufenthaltsraum ihrer Krippe, nicht ahnend, welch... Jonas: Ines? Ines: Hilfe! Jonas, der Mörder, er ist hier! Hilfe! Jonas: Das jähe Ende einer wunderbaren Freundschaft. Wieder mußte Jonas rennen. Und sich in der Unterwelt verstecken. Bis es Zeit war. Für das Treffen mit Brock. 9. Juni 2015. Viertel vor fünf. Im Keller der zentralen Sicherheitsverwaltung sah es noch genauso aus wie vor dreieinhalb Jahren. Grau. Staubig. Trübes Licht aus alten Neonröhren. Uralte Aktenschränke voll uralter Akten. Kafkaesk, würde Sam sagen. Dazwischen wanderte ein einsamer Chefinspektor auf und ab. Er sah nicht hoch, als Jonas auftauchte. Er redete weiter vor sich hin. Brock: Undurchsichtiger Fall, der Mord in der Kinderkrippe. Daß es Jonas war glaub ich einfach nicht. Jonas: Es war Wolf. Der Sicherheitschef von REUBA. Mit seinen Rotkäppchen. Er hat’s mir selbst gesagt. Brock: Aber REUBA hat sich Jonas ausgekuckt, warum auch immer. REUBA ist ein mächtiger Konzern, mit großem Einfluß auf die Regierung, auch auf die zentrale Sicherheitsverwaltung. Hach, da halt ich mich besser raus. Jonas: Was soll ich tun, Brock? Brock: Wenn ich Jonas wäre, würde ich bei REUBA ansetzen. Da ist der Schlüssel. Jonas: Aber nicht in Babylon. Im Niemandsland. In der Mine Dusechs. Falls es die noch gibt. Frage: Wie komm ich hin? Brock: Schon merkwürdig, diese vielen nutzlosen Informationen, die bei der Kripo zusammenlaufen. Zum Beispiel, daß der monatliche Supertruck von REUBA morgen früh startet. Zu den Minen im Niemandsland. Er fährt übrigens mit Diesel. REUBA hat eine Ausnahmegenehmigung, weil’s da draußen keine E-Tankstellen gibt. Der Truck holt die abgebauten Rohstoffe, und bringt alles, was gebraucht wird. Lebensmittel, Treibstoff, Batterien, Ersatzteile, Holobänder, etc. Ein Kommando von REUBA Sicherheitsdienst fährt mit. Als Begleitschutz. 20 Mann. Einer von denen hat die Angewohnheit, sich vor dem Start noch mal ordentlich abzuarbeiten. Im REUBA- Fitneßcenter, gleich neben der Truckstation am südlichen Stadtrand. Lorenz heißt der Mann. Warum merke ich mir so was? Absolut nutzlos. Jonas: Danke, Brock. Brock: Um fünf fährt er, der Truck. Na, Feierabend, Schluß für heute. Jonas: Es war ein weiter Weg. Vom Zentrum zum Stadtrand. Jonas stieg um. Vom Abwasserkanal ins Atomschutzsystem. Zur Zeit nicht gebraucht. Aber gewartet. Ein Labyrinth. Jonas kannte den Zugangscode. Und er wußte, wo die E-Velos parkten, die den weiten Weg erheblich abkürzten. 10. Juni. 4 Uhr 30 Morgens. Im REUBA-Fitneßcenter war nichts los. Ein einziger Bodyfreak pumpte und schwitzte. Lorenz. Neben ihm lag seine REUBA-Passcheibe. Und seine rote Baseballkappe. Jonas trug auch eine, die er im Casablanca gefunden hatte. Perfekte Tarnung. Lorenz hielt mich für einen Kollegen. Daß er sich irrte, wurde ihm erst klar, als ich zuschlug. Zu spät. Ich schlug hart zu. Bis er sich nicht mehr rührte. Ich dachte an Lili und an die Kinder. Die REUBA-Passcheibe steckte ich ein. 5 vor 5. Mit laufenden Motoren stand der REUBA-Supertruck vor der Station. Eine gigantische Zugmaschine, zwölf vollbeladene Anhänger, ein nervöser Truckchef hielt auf der Brücke Ausschau, nach dem fehlenden Sicherheitsmann. Truckchef: Na endlich. Moment mal, Sie sind nicht Lorenz. Jonas: Lorenz hat sich krankgemeldet. Muskelfaserriß. Ich bin der Ersatz. Truckchef: Ja und warum weiß ich davon nichts? Jonas: Weil's gerade erst passiert ist. Sie haben mich aus dem Bett geholt. Truckchef: Name? Jonas: Jogurta. Truckchef: Schon mal Dienst am Supertruck gemacht, Jogurta? Jonas: Nein. Truckchef: Auch das noch. Na, steigen Sie ein, Mann, die Kollegen werden Ihnen alles erklären, später. Achtung, wir starten. Jonas: Jogurta kam zur Heckwache. Quartier im letzten Anhänger. Die Einrichtung war spartanisch. 10 Kojen, 10 Spinde, ein angeschraubter Tisch, 10 Stühle, ganz ordentliches Essen, Dienst nicht allzu anstrengend. Die Kollegen waren nicht mißtrauisch, obwohl sie Jogurta nicht kannten. Der REUBA-Sicherheitsdienst ist eine große Truppe. Großer Umschlag. Großer Verschleiß. Zwei Tage vergingen. Wir fuhren, durch die Wildnis. Dann durchs Niemandsland. Keine besonderen Vorkommnisse. Ab und zu hielten wir. An REUBA-Außenstellen. Minen. Schürfplätzen. Wir luden ab und luden auf. Jogurta tat seine Arbeit. Und bemühte sich nicht aufzufallen. Jonas erinnerte sich. An frühere Touren in dieser Gegend. Fall Niemandsland vor vier Jahren. Fall Weihnachtsmärchen vor zweieinhalb. Ich kannte sie gut, diese tote Landschaft. Orange und grau. Dazwischen Farbtupfer. Schwarz. Rot. Giftgrün. Ruinen. Reste. Rost. Geschmolzener Sand. Und Felsen. 12. Juni. Morgen. Jogurta hatte Außendienst. Begleitschutz. Als letzter Mann fuhr er hinter dem Truck. Auf seinem E-Bike. Hielt die Augen offen. Gewissenhaft. Immer im gleichen Rhythmus. Links. Rechts. Rückspiegel. Und da sah ich plötzlich was. Weit hinter mir. Einen Punkt, der allmählich größer wurde. Ein Fahrzeug. Wer war das? Ich hatte eine Ahnung, die sich bald bestätigte. Mein Funkgerät fing an zu reden. Wolf: Hallo, Jonas. Trifft sich gut, daß Sie gerade Hintermann sind, da können wir unser Problem ohne großes Aufsehen klären. Ich brauche Sie nicht aus dem Truck zu holen. Sie fragen sich vielleicht, wie es mir möglich ist, Sie auf die noch recht beträchtliche Entfernung zu identifizieren. Ich habe ein gutes Glas, sehr gute Augen, und den besten Willen, Sie in die Hände zu kriegen. Jonas: Sind Sie meinetwegen hier, Wolf? Wolf: Selbstverständlich. Nur ihretwegen. Sie waren verschwunden. Alle meine Leute suchten und suchten. Aber sie fanden nicht Jonas. Sie fanden Lorenz. Da wußte ich Bescheid. Ich habe meinen Rover aus der Garage geholt, und mich auf den Weg gemacht, ja, und da bin ich nun, und da sind Sie. Wollen wir es kurz machen? Sie halten an und ergeben sich. Jonas: Lieber nicht. Wolf: Ich kann’s Ihnen nicht verdenken. Aber was wollen Sie tun? Sie haben nur eine Signalpistole. Ich habe Laser. Und Neurofreezer. Ich denke, den werde ich benutzen. Damit wir ein bißchen Spaß miteinander haben können. Fahren Sie von mir aus weiter, Jonas, ich hole Sie ein, wann immer ich will. Ich bin schneller als Sie auf Ihrer Elektrogurke. Jonas: Da hatte Wolf recht. Er kam sehr schnell näher. Kein Wunder. Er fuhr einen antiken Range Rover RSE, Turbo Diesel, fast ein viertel Jahrhundert alt. Ein Museumsstück. Jonas dachte nach. Einen Vorteil hatte ich. Ich war wendiger. Das mußte ich ausnutzen. Rechts am Horizont zeichnete sich eine Felsengruppe ab. Ich ließ den Supertruck weiter gerade aus fahren und schlug einen Haken. Wolf folgte mir. Auch zwischen den Felsen blieb er dran. Ohne Probleme. Zunächst. Bis sich direkt vor mir ein tiefer Spalt auftat. Fast schon eine Schlucht. Oben am Rand lief eine schmale Felskante. Für zwei Räder gerade ausreichend. Nicht für vier. Das war meine Chance. Ich fuhr auf die Kante. Schnell. Wolf war nicht schnell genug. Er riß das Steuer herum. Der Rover brach aus. Und blieb stehen. Die Vorderräder über dem Abgrund. Eine höchst labile Position. Jonas stieg vom E-Bike. Und sah sich die Sache aus der Nähe an. Wolf: Die Tür geht nicht auf. Jonas: Verklemmt. Sie haben beim Bremsen den Felsen gerammt. Wolf: Helfen Sie mir raus, Jonas. Jonas: Warum sollte ich? Sie drinnen, ich draußen. Find ich gut so. Jonas: Er saß steif in seinem Sitz. Ganz weit nach hinten gelehnt. Und wenn er sich bewegte, dann ganz, ganz vorsichtig. Weil der Rover zitterte und schwankte. Jeden Augenblick konnte er in die Schlucht stürzen. Er lächelte immer noch sein Wolfslächeln, der große böse Wolf. Aber in seinen Augen stand Todesangst. Jonas: Was wollen Sie tun, Wolf? Aussteigen geht nicht. Laser geht auch nicht, dann kippt der Rover. Interessante Situation. Wolf: Holen Sie mich raus, Jonas. Ich tue Ihnen nichts. Ich lasse Sie in Ruhe. Jonas: Ach, da wir gerade so nett plaudern, warum ist REUBA eigentlich hinter Jonas her? Wolf: Weil Sie Bescheid wissen über unseren Schwindel. Mit der Invasion. Jonas: REUBA hat den Minenarbeitern einen Bären aufgebunden, damit sie wie die Wilden schuften, unbegrenzt und umsonst. Wolf: Ja. Jonas: Sehr unfeine Methode, Wolf. Wolf: Darum darf’s ja auch nicht rauskommen. Jonas: Und darum bringen Sie alle um, die was wissen. Wolf: Ich mach Schluß damit, Jonas. Ich kündige bei REUBA. Ich engagiere Sie. Wieviel wollen Sie? 1000 Euros? 10.000? 100.000? Jonas: Das ist ein Spaß, was Wolf? Aber jetzt habe ich genug. Jetzt kommt der Schlußgag. Ich schiebe Sie ein bißchen an. Wolf: Nein! Nein! Jonas: Doch. Wolf: Nein! Nein! Jonas: Schade um den Range Rover. Der große böse Wolf war weg vom Fenster. Untergegangen wie die Titanic. Nur nicht so schön. Die Rotkäppchen waren noch da. Beim Truck hatten sie gemerkt, daß Jogurta verschwunden war, und jetzt schwärmten sie aus, um ihn zu suchen. Von meinem Standort hatte ich gute Sicht auf die weite Ebene. Jonas: Zehn E-Bikes. Zwölf. Großalarm. In ein paar Minuten sind sie hier. Sam: Und warum bist du dann noch nicht weg, Zausel? Honigkuchen, Fertiggrinsender? Ha, hopp hopp, aufs wackere E-Bike und von dannen gebürstet, wieher... Jonas: Ein theoretisch ausgezeichneter Rat, Sammy, nur leider praktisch nicht durchführbar. Sam: Wieso nicht? Jonas: Die Batterie ist leer. Sam: Aha. Jonas: Das Ding springt nicht an. Sam: Also Beinarbeit, schwing die Keulen, Kumpel. Jonas: OK, wohin? Sam: Sitzest du auf den Lauschern, Taubsack? Vernimmst du nicht den dumpfen Ton der Pauke? Jonas: Ich vernahm ihn. Und ich sah auch was. Nomaden. Ein ganzer Stamm zog langsam über die Ebene. Hunderte, vielleicht Tausende. Flüchtlinge aus der Drittwelt, Mutanten, Freaks, Abgerutschte aus Europa und Rußland. Nomaden nannten sie sich selbst. Politiker und Militärs sprachen von Banditen. Marodeuren. Es ist nicht leicht, im Niemandsland zu überleben. Mit dem Gesetzbuch unter dem Arm kommt man nicht weit. Alles was sie besaßen hatten sie bei sich. Auf Handkarren, gezogen von Mutanten. Und Mutanten schleppten auch ein merkwürdiges Gebilde an der Spitze der Karawane, anscheinend ein alter Panzer aus dem vorigen Jahrhundert. Im Niemandsland findet man die unglaublichsten Dinge. Jonas kam näher. Es war wirklich ein Panzer. Ein russischer T54. Mit einem roten Stern am Turm. Unter den Felsen tauchten E-Bikes auf. Die Rotkäppchen. Die Pauke wurde stumm. Die Nomaden hielten. Die Rotkäppchen drehten ab. Mit einem ganzen Stamm wollten sie sich nicht anlegen. Jonas kam noch näher und wurde von zwei Nomaden gegriffen. Sie waren sehr mager, aber kräftig. Und sie trugen Buschmesser. Jonas: Bringt mich zu euerm Häuptling. Nomade: Sto? Jonas: Häuptling. Chef. Nomade: Ah, Chef. Glawa. Karscho. Dawei. Jonas: Er thronte auf der Kommandoluke des T54, beschützt von zwei Leibwächtern mit rostigen Pistolen. Hinter ihm der Schlagzeuger an der Pauke. Der Häuptling der Nomaden war ein alter Mann. Weißhaarig. Schmal. Drahtbrille auf der Nase. Er trug eine grüne Schirmmütze. Eine Russenbluse, vollgesteckt mit bunten Abzeichen und Medaillen. Eine zerschlissene Reithose. Stiefel. Er sah aus wie ein sibirischer Dorfschullehrer. Aber er war der Oberkommandierende der Roten Armee, so hieß sein Stamm. Stalin: Da da krasni Armia, hier Generalissimus Stalin. Jonas: Wirklich? Es ist mir eine Ehre. Stalin: Du? Jonas: Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. Stalin: Jonas? Kto, wer? Jonas, Jonas nicht Sto, nichts. Du nicht Bakutan, Kollege von goldene Horde. Du nicht Stefan, Korol von Madjare. Du nur Jonas. Du niemand. Du toter Mann. Jonas: Sie lassen Ihren T54 schleppen, Generalissimus, woran liegt’s? Kaputt? Kein Diesel? Stalin: Du kennen Tank pretscharatschiri? Jonas: Das kann man wohl sagen. Ich hab ihn sogar gefahren, den T54, vor Jahren auf Feuerland. Stalin: Tank kaput. Du können tschenitsch reparieren? Jonas: Ich können. Hoffe ich. Stalin: Boschingraso. Doproproschalowatsch Jonas, willkommen in Rote Armee. Jonas: Na bitte. Der Panzer war gut in Schuß. Erstaunlicherweise. Als er noch fuhr, hat Stalin ihn als Wunderwaffe eingesetzt, gegen befestigte Siedlungen und Industrieanlagen. Bisher hatte die Rote Armee den Norden des Niemandslands unsicher gemacht, erzählte mir der Generalissimus. Jetzt war sie dabei, ihr Aktionsfeld weiter nach Süden zu verlegen. Die Bordkanone funktionierte noch. Aber es gab kaum Munition. Nur fünf Granaten. Das eigentliche Problem war die Zündung. Völlig verdeckt. Jonas machte sie sauber. Und startete den Motor. Stalin: Hurra! Du bleiben Jonas. Du Schowior. Da. Weiter. Dawei. Fahren, Jonas, fahren. Westra westra. Jonas: Natürlich kann ich Ihren Panzer fahren, Generalissimus, aber ich mache Sie darauf aufmerksam, daß der Treibstofftank so gut wie leer ist. Wir kommen nicht weit. Oder haben Sie irgendwo ein paar Kanister Diesel auf Lager? Stalin: Diesel? Noi Kanutschki net. Jonas: Sehen Sie, dann stelle ich mal den Motor besser wieder ab. Und Sie lassen den Panzer erst mal weiter schleppen. Stalin: Nu, karrascho. Dawei! Jonas: Da war Jonas also wieder Panzerfahrer. Wenn auch zur Zeit nur ehrenhalber bzw. in Kurzarbeit. Bis wir Diesel finden würden. Stalin hing offenbar an seinem fahrbaren Häuptlingssitz, und war sehr daran interessiert, die Ketten wieder ins Rollen zu bringen. Daraus ließ sich was machen. Jonas: Ich weiß, wo wir Diesel auftreiben können, Generalissimus. Stalin: Diesel? Knet. Wo? Jonas: In Dusechs. Stalin: Dusechs. Was Dusechs? Jonas: Eine Mine. Ein Bergwerk. Stalin: Ned ponimeio. Sam: Rudnik. Stalin: Ah, rudnik! Wer sprechen? Jonas: Mein Computer. Sam: Hohahahaha. Drigalarischi Ruski, Sir? Nanri kalaku. Samuel ist der werte Name. Kurz Sam. Oder auch Sammy. Hocherfreut Sie kennenzulernen, Generalissimus. Ihr Rum soll gut sein, und Ihr Ruhm eilt Ihnen voraus. Stalin: Computer! Meiingento itowari kis. Kleiner Genosse Blech. Jonas: Hahahahaha, kleiner Genosse Blech. Das gefällt mir. Sam: Ha, mir aber gar nicht. Bin nicht Genosse. Bin nicht Blech. Mich dünkt, der Kerl wird reichlich frech. Stalin: Computer mir geben. Sam: Untersteh dich, Hinterfotz. Jonas: Besser nicht, Generalissimus, wissen Sie, Sam ist schwierig. Sam: Was? Jonas: Kompliziert. Sam: Was? Jonas: Mit ihm muß man umgehen können. Sam: Ja. Jonas: Jonas kann das. Sam: Hehe, bildest du dir ein. Stalin: Nu, karascho. Wo rudnik Dusechs. Jonas: In der Nähe. Wo genau sagt uns Sam. Sam: Ja, aber nur, wenn ihr ihn ganz lieb darum bittet, ja. Jonas: Abends kamen wir an. Die Nomaden schlugen ein Lager auf. Einige Kilometer entfernt. Außer Sicht, außer Hörweite. Ein Angriff bei Dunkelheit war zu riskant. Kein Nachtsichtgerät im Panzer. Außerdem wußten wir nicht, was uns erwartete. Gleich nach Sonnenaufgang stiegen wir auf einen Felsen. Jonas und Stalin. Und sahen uns Dusechs an. Ein großes flaches Gebäude. Und ein Förderturm, direkt vor einer schroffen Felswand. Im weiten Halbkreis umgeben von Unterständen. In jedem zwei Maschinengewehre. Eins nach innen, eins nach außen. Bedient wurden sie von Typen in roten Baseballkappen. REUBA-Sicherheitsdienst. Vielleicht eine Hundertschaft. Der Erdboden vor den Unterständen war glatt. Eben. Sehr eben. Verdächtig. Stalin: Mini. Jonas: Denk ich auch. Minen. Und MG’s. Es wird Verluste geben. Stalin: Nu egal. Wir müssen haben Diesel. I Produkti. Essen. Jonas: Lebensmittel? Die werden sich finden. Diesel auch. Stalin: Karascho. Krasnia armia. Wir machen Sturmangriff. Mit Tank. Jonas: Durchs Minenfeld? Das ist aber keine gute Taktik, Generalissimus. Stalin: Zuerst, wir schicken Mutanti, treten auf Mini, machen Bum. Dann Tank. Du fahren Tank, Jonas. Schießen mit Buschka. Jonas: So geschah es. Etwa 20 Mutanten wurden ins Minenfeld gejagt und sprengten eine Gasse frei. Eher eine Landstraße. Für den T54. Von meinen fünf Granaten verschoß ich drei. Drei MG-Nester außer Gefecht. Dann stürmten die Nomaden. Alle. Männer. Frauen. Kinder. Mit Messern und Knüppeln. Eine wilde Horde hungriger Berserker. Die REUBA-Leute hatten keine Chance. Sie wurden totgetrampelt. In Stücke gehackt. Keiner überlebte. Die Nomaden stürmten weiter. In das flache Gebäude, und suchten Lebensmittel. Auch Stalin ging auf die Suche. Nach Dieseltreibstoff. Jonas blieb im Panzer und vergnügte sich damit, alle MG-Nester plattzuwalzen. Wie sagt Sammy? Kaputtes MG tut dir nicht mehr weh. Sie kamen zurück. Die Nomaden still und langsam. Stalin forsch und laut. Enttäuscht waren alle. Stalin: Nix Sto. Nix Diesel. Nix Produkti. Du gelogen Jonas. Du toter Mann. Jonas: Nichts überstürzen, Generalissimus. Die Vorräte sind unten. In der Mine. Im Schacht. Stalin: Wir nicht gehen unter Erde. Du holen aus Loch, Jonas. Du holen Diesel. Du holen Producti. Sonst du toter Mann. Jonas: Dann wollen wir mal sehen, was sich tun läßt. Jonas: Die Förderanlage stand still. Der Korb war unten. Blockiert. Festgehalten. Von den Minenarbeitern. Den Elitels. Im Kontrollraum stand ein Bildfongerät. Für den Kontakt mit Schacht und Stollen. Hunderte von Metern unter der Erde. Ich drückte den Knopf. Jonas: Hallo. Hier Kontrollraum. Ich rufe die Arbeiter der Mine Dusechs. Bitte melden, dingend. Die Minenarbeiter, bitte melden, hallo, hallo. Jonas: Es dauerte nur eine knappe Minute. Dann wurde der Bildschirm hell. Ein Gesicht erschien. Das Gesicht einer Frau. Groß. Grob. Unschön. Wie Lili Putowski. Aber sie war nicht Lili Putowski. Natürlich nicht. Sie war Paula Putowski. Paula: Lili ist meine Schwester. Woher kennen Sie Lili? Jonas: Das ist eine lange Geschichte. Paula: Die ich Ihnen sowieso nicht glauben würde. Sie sind ein Alien. Jonas: Sehe ich aus wie ein Alien? Paula: Geben Sie sich keine Mühe, wir wissen Bescheid. Sie sehen aus wie ein Mensch, aber das ist nur Tarnung. Sie sind ein Alien. Sie haben Dusechs gefunden und angegriffen, aber Sie werden nichts davon haben. Uns kriegen sie nicht. Und Dusenium schon gar nicht. Wir warnen Sie. Wenn Sie versuchen, in den Schacht einzudringen, sprengen wir die ganze Mine in die Luft. Sam: Oha. Jonas: Sie waren gut indoktriniert. Durch Holo-TV. Von REUBA, speziell für sie produziert und ausgestrahlt. Jonas redete. Wie ein Buch. Fast wie Sam. Er erzählte von Lili. Vom kleinen Bruno. Er berichtete, was in Babylon abgelaufen war. Wie Jonas sich ins Niemandsland aufgemacht hatte. Und wie er schließlich in Dusechs angekommen war. Jonas: Ihretwegen, Paula, um Sie aufzuklären, um Sie nach Hause zu bringen. REUBA hat Sie belogen und betrogen. Es gab keine Invasion. Es gibt keine Aliens. Alles Schwindel. REUBA hat sich das ausgedacht, um Sie da unten festzuhalten. Sie sollen für REUBA schuften. Unbezahlt. Für immer. Glauben Sie mir, Paula. Paula: Die Leute, die jeden Monat mit dem Truck kommen, haben uns gesagt, daß REUBA den Widerstand organisiert, und daß REUBA dringend Dusenium braucht, soviel wie möglich, für die geheime Superwaffe gegen die Aliens. Sind Sie wirklich Jonas? Der letzte Detektiv? Jonas: Wirklich und wahrhaftig. Paula: Der kleine Bruno schwärmt für Sie. Jonas: Der kleine Bruno ist tot. Lili auch. REUBA hat sie umgebracht. Paula: Wenn Sie Jonas sind, dann müssen Sie Ihren Supercomputer Sam bei sich haben. Zeigen Sie ihn. Jonas: Bitte. Paula: Er soll was sagen. Jonas: Du hörst die Dame, Sammy. Sag was. Na los! Sam: Sach was, sagt er, mein Mensch und Meister, mein Herr und Heiler, mein Jott und Jonas, haha, ganz was neues, sonst sagt er: Halt die Bappen, Sam, halt die Klappe, halt dich zurück. Jetzt soll Sam was sagen, irgendwas, jetzt wird er gebraucht, der liebe Sammy, jetzt darf er, jetzt soll er, jetzt muß er, ob er will oder nicht. Wer fragt schon danach, was ein armer kleiner Computer will, was er tief in seinem Innersten... Paula: Alles klar, Jonas, wir kommen rauf. Jonas: Wie viele sind Sie? Paula: 42. Sam: Und wie alt sind Sie? Jonas: Bringen Sie nur das notwendigste mit. Sind Sie bewaffnet? Paula: Wir haben Uzis. Sam: Und wir haben Futzies. Jonas: Sehr gut. Damit hielten sie die Nomaden in Schach, als Jonas sie zum T54 brachte. Stalin war sauer. Kein Diesel, nichts zu essen. Statt dessen 42 Arbeiterinnen und Arbeiter, mit 42 schußbereiten Maschinenpistolen. Pech, alter Junge, da kann man nichts machen. Stalin: Du großes Arschloch, Jonas. Du wieder gelogen. Wir dich töten. Langsam, ganz langsam. Wir dich brennen mit Feuer. Wir dich schneiden mit Messer. Wir dich spießen auf Stange. Wir dir ziehen ab Haut. Wir dich graben lebendig in Erde. Wir dich braten und essen. Jonas: Guten Appetit. Die Nomaden waren unruhig. Und rückten uns allmählich näher. Wenn sie plötzlich losbrachen, würden sie uns überrennen. Mitsamt dem Panzer. Einen Moment lang sah es sehr danach aus. Aber da tauchte er endlich auf. Am Horizont. Nicht ganz pünktlich. Nach Sams Berechnungen hätte er eine Stunde früher kommen sollen. Der Supertruck von REUBA. Jonas: Egal, Hauptsache, er ist hier. Hey, Generalissimus, da da, Diesel, da Producti. Stalin: Du nicht wieder lügen, Jonas? Jonas: Ich schwöre, Generalissimus. Stalin: Kraschno, dawei towaritschi, kraschn armeitschi, hurra... Jonas: Die Nomaden rannten dem Truck entgegen. Mit dem Panzer setzte Jonas sich an die Spitze. So schnell es ging. Sehr schnell war das nicht. Wegen der Minenarbeiter. Im T54. Auf dem T54. Aber es reichte. Ich fuhr einen Vorsprung raus. Zwei Granaten hatte ich noch. Eine schoß ich dem Truck vor den Bug. Er stoppte. Besatzung und Schutzmannschaft ließen ihn stehen. Und setzten sich ab. Auf ihren E-Bikes. Richtung Westen. Babylon. Die Minenarbeiter enterten Zugmaschine und Anhänger und sicherten sie mit ihren Uzies. Jonas knallte derweil die letzte Panzergranate ins Blaue, kletterte aus der Luke, durchlöcherte den Treibstofftank des Panzers, mit der Uzi, die Paula ihm gegeben hatte, und stieg um auf den Truck. Stalin und seine Nomaden hatten uns inzwischen eingeholt. Jonas: Da läuft dein letzter Tropfen Diesel in den Sand, Stalin, Granaten hast du auch keine mehr. So sieht's aus. Stalin: Siskowena, du Arschloch. Jonas du Saukerl. Jonas: Deinen T54 brauch ich nicht mehr. Mit Dank zurück. Lassen Sie ein paar Container mit Lebensmitteln abladen, Paula. Paula: Wird gemacht, Jonas. Jonas: Producti, Leute, gleich gibt’s was zu futtern. Nomaden: Producti, Producti, Producti... Stalin: Diesel, Jonas, Diesel. Jonas: Nichts Diesel, du alter Bandit. Machs gut. Jonas: Liebend gern hätte Stalin seinen Stamm auf Jonas gehetzt, aber die rote Armee war nicht ansprechbar. Sie wühlte sich durch die Container und fraß sich voll. In ohnmächtiger Wut mußte ihr Generalissimus zusehen, wie der Supertruck wendete und von dannen knatterte. Mit Jonas. Mit den Minenarbeitern. Und mit vielen vielen Litern Dieseltreibstoff. Während wir durchs Niemandsland fuhren, funkten wir die ganze Geschichte voraus. Nach Babylon. An alle Medien. Und die machten was draus. Sondermeldungen. Schlagzeilen. Falsches Erdbeben. Falsche Invasion. Die bösen Märchen der REUBA. Profitgeile REUBA verurteilt Unschuldige zu lebenslänglich Zwangsarbeit. Serienmörder in REUBA-Diensten. REUBAs Firmenpolitik: Großbetrug und Kindermord. In dieser Art. Der REUBA-Konzern war plötzlich äußerst unbeliebt. 14. Juni 2015. Später Nachmittag. Wieder war der Ernst-August-Platz voller Menschen. Diesmal keine Sonnenanbeter. Es schien ja auch nicht die Sonne. Wütende Babylonier. Sie stürmten die REUBA-Zentrale. Schlugen innen alles kurz und klein. Wen sie fanden, übergossen sie mit Dieselöl, aus der Direktorengarage. Dann steckten sie die Leute an und schmissen sie aus dem Fenster. Oder vom Dach. Feuerwerk. Es traf sich gut, daß der REUBA-Vorstand gerade eine Sitzung abhielt, aber es traf vor allem andere. Kleine Angestellte, Putzfrauen, die nichts wußten. Wie das immer so ist. Chefinspektor Brock war auch da. Dienstlich. Ganz hinten. Der Mob hatte inzwischen die REUBA-Zentrale in Brand gesteckt. Brock sah dem Freudenfeuer zu. Eingreifen wollte er nicht. Brock: Sinnlos. Was soll ich machen? Die Rädelsführer festnehmen? Bin ich lebensmüde? Die Feuerwehr alarmieren? Längst passiert. Die kommt erst, wenn alles vorbei ist. Wenn die Leute sich verlaufen haben. Sicherheitshalber. Morgen früh nehme ich ein Protokoll auf. Mehr kann ich nicht tun. Ja, wenn ich Jonas wäre, dann würde ich mich vielleicht einmischen. Der steckt seine Nase in alles. Ob es ihn was angeht oder nicht. Aber ich bin nicht Jonas. Gott sein Dank. Ich bin Beamter. So, halb fünf, Feierabend. Ich geh nach Hause. Ein guter Schluck. Bequeme Schuhe. Was gutes im Holo. Es muß ja nicht die schwarze Dahlie sein. Das Leben kann auch schön sein. Jonas: Jonas ging auch nach Hause. Und damit wäre der Fall zu Ende. Wenn Sam nicht noch was zu mosern gehabt hätte. Sam: So nicht, Genosse, das gaht nicht. Jonas: Was geht nicht, Sammy? Sam: Daß Chefinspektor Brock das letzte Wort hat, nos correcto. Jonas: Findest du? Dann sag du doch was. Sam: Ja. Ja. Ja. Wos soll i denn sogen? Das war Invasion. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Ute Mora, Kornelia Boje, Rainer Basedow, Horst Sachtleben, Detlef Kügow und andere (Jochen Striebeck, Stefanie Walter, Werner Klein, Anita Schlierf, Nicola Tiggeler, Harald Dietl, Stephan Zinner). Ton und Technik: Günter Heß und Christine Koller. Regieassistenz: Holger Buck und Sieghard Fieber. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1998. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Traumschiff Jonas: Sechs Uhr zehn. Die Sonne ging auf über Babylon. Das stand im Kalender. Zu sehen war es nicht. Seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden. Der Klimadom war dicht, total verdreckt. Darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten. Standen auf. Gingen schlafen. Liefen herum. Gingen arbeiten. Brachten sich um. Machten Liebe. Machten gar nichts. Machten weiter. Der 21. September 2015. Ein Tag wie jeder andere. Nicht für Sam. Heute war sein Geburtstag. Sagte er. Sam: Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll. Der Tag des Herrn. Der Tag des Herrn Samuel. Happy birthday to me, happy birthday to me... Jonas: Quatsch. Computer haben keinen Geburtstag. Sam: Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und auf den Punkt gebracht, wo kommen sie denn her, die kleinen Computer, hhm, na? Jonas: Aus der Fabrik natürlich. Sam: Hohohohoho, und nochmals hohohohoho, aus der Fabrik, mein Gott, warum nicht gleich vom Klapperstorch. Jonas: Ja, warum nicht? Sam: Also piß mal auf, äh, ich meine, paß mal auf, du Schnarchsack. Jonas: Samuel alias Sam ist mein Computer. Ein Versuchsmodell. Nicht mehr ganz neu. Mit einem verbalen Tick. Korrektur: Mit zahllosen verbalen Ticks. Unausstehlich. Und unentbehrlich. Ein ganz besonderer Computer. Aber Geburtstag hatte er deshalb noch lange nicht. Sam: Also paß mal auf, mein Herr und Gebieter, da ist Mama Computer, und Papa Computer, und wenn die beiden sich sehr sehr lieb haben, dann machen sie Interface, wie bei den kleinen Bienchen und den Blümlein und den Vögelchen. Jonas: Halt die Backen, Sam, und nimm das Gespräch an. Sam: Aye, aye, Sir, befehlen Sie Bildfon? Jonas: Vor dem Frühstück? Lieber nicht. – Ja? Aphrodite: Und auch Ihnen einen wunderschönen guten Morgen, spreche ich mit Herrn Jonas? Jonas: Das tat sie. Jonas am Apparat. Nur Jonas. Genannt der letzte Detektiv. Einsamer Streiter für Recht und Moral. Und Morgenmuffel. Aber das brauchte ich der Anruferin nicht auf die Nase zu binden. Jonas: Kommt drauf an. Aphrodite: Worauf? Jonas: Mit wem ich spreche. Aphrodite: Großreederei Parnassis, wir erwägen Sie mit einem Auftrag zu betrauen, Herr Jonas. Jonas: Reizend. Aphrodite: Herr Parnassis erwartet Sie. Stellen Sie sich pünktlich um 9 Uhr in unserem Verwaltungsgebäude ein, Herr Jonas. Guten Tag. Jonas: Sie mich auch. Brauchen wir einen Auftrag, Sammy? Sam: Brauchen wir Mäuse, Meister? Dodoslasdias. Jonas: Das war ein Argument. Das Parnassisgebäude stand am nördlichen Ende des Markgrafenboulevard, genauer es stand nicht, es lag. Es lag vor Anker. Das Parnassisgebäude war ein Schiff, ein klotziger Dampfer, der aussah wie die selige Titanic, riesig, steil, unsinkbar, oben drauf vier Schornsteine, keine Holo-Illusion. Alles echt. Beton und Stahl. Großreederei Parnassis war eine altmodische Firma und konnte sich das leisten. Jonas wußte, was sich gehörte. Er trug einen Blazer, seinen besten und einzigen, den mit dem Laserloch im Ärmel, aber das fiel kaum auf. Außerdem war ich gewaschen, rasiert, gefrühstückt, der korrekte Privatdetektiv, wie er im Buch steht. Sam: Gebügelt, geschniegelt und gestriegelt, ha, welch Wonne und Wohltat fürs schweifende Auge. Jonas: Shipshape nennt man das in maritimen Kreisen, Sammy. Sam: Aha. Portier: Ahoi! Wohin der Kurs? Jonas: Der Portier. Mensch, nicht Robot. Wie gesagt, Parnassis war altmodisch. Der Portier trug eine Schirmmütze und dunkelblaue Uniform mit Gold und Strippen. Ein Kommodore, mindestens. Jonas: Ahoi, Hornblower. Zu Herrn Parnassis. Portier: Stop! Drehen Sie bei oder ich feuere eine Breitseite. Zu welchem Herrn Parnassis? Jonas: Sie haben mehrere? Portier: Wollen Sie zu Herrn Platon Parnassis, zu Herrn Timon Parnassis, zu Bion Kriton Kliton Oton Glaukon Straton Lykon Cnon Parnassis, oder gar zum allergrößten und allerhöchsten Admiralissimus Solon Parnassis, möge er lange leben und blühen und gedeihen. Jonas: Große Familie. Portier: In der Tat, mein Herr, das sind wir. Jonas: Ach, Sie gehören auch dazu? Portier: Jawoll, mein Herr, und ich bin stolz darauf, Timoleon Parnassis, zu Ihren Diensten. Und Ihr werter Name? Jonas: Jonas, nur Jonas. Potier: Sie sind angemeldet, zu Herrn Jason Parnassis, Abteilung 17, Seniorenschiffe auf dem D-Deck, den Lift finden Sie an Backbord. Jonas: Herr Jason Parnassis war Anfang dreißig, klein, dunkel, und ein Nineties-Fan, Silberring im linken Nasenflügel, Piercing-Stuts in Ohren und Zunge, Fastglatze, ultraweite Klamotten, überdimensionale Basketballtreter aus virtuellem Leder. Altmodischer Typ. Die Frau an seiner Seite gefiel mir besser, viel besser. Weil sie so aussah wie sie hieß. Jason Parnassis: Aphrodite, meine Assistentin. Sie ist zuständig für die Kalispera. Aphrodite: Und um die Kalispera geht es, Herr Jonas. Jason Parnassis: Die Kalispera ist unser Seniorenschiff auf der Karibikroute. Aphrodite: Ihre Aufgabe, Herr Jonas, ist es... Jonas: Augenblick, ein Whisky gern, aber bitte nicht das Synthzeug, das Sie Ihrer Putzfrau zu Weihnachten schenken, nur ein Spritzer Soda, danke, ich nehme Platz. So, wenn das geregelt ist, fangen Sie noch mal an, in Ordnung? Jonas: Jason lief rot an und ballte die Fäustchen. Aphrodite blieb cool. Sie öffnete eine Klappe in der Fast-Holzverkleidung und produzierte eine Flasche Metaxa. 13 Sterne. Kein Whisky, aber auch nicht schlecht. Jonas ließ es ruhig angehen. Mit einem großen Brandy-Soda. Zeit für eine Kurzinfo über die Seniorenversorgung in Babylon bzw. – Entsorgung, darf ich bitten, Herr Samuel. Sam: Ha-Hatschi. Gesundheit. Danke. Herr Präsident, Frau Bürgermeisterin, Exzellenzen, Kommilitonen, Heiligkeiten, meine Daumen und Hirn. Jonas: Kurzinfo, Sammy. Sam: Jaja, ist ja gut. Also, die große Masse unsrer teuren Seniorinnen und Senioren, Volksrentner und –rinnen allzumal lebt, sofern man das so nennen kann, hähä, zu Babypsilon in privaten oder öffentlichen Institutionen, welche ab und an ausgekämmt werden, ausgedüngt, ausgemistet. Jonas: Fall Ufo, Herbst 2013. Sam: Ja natürlich. Wer mehr Moos sein eigen nennt, läßt sich nieder in angenehmeren Gefilden, hmh, zum Bleistift auf der Mittelmeerinsel Palmera. Jonas: Fall Knochenarbeit, vor einem knappen halben Jahr. Sam: Und die richtig Reichen kreuzen auf luxuriösen Seniorenschiffen in den Tropen herum, dideldum, im stillen Ozean, lauten Ozean, im indischen Ozean, in der karibischen See... Jonas: Wie die Kalispera der Großreederei Parnassis, danke Sam. Sam: Ja. Jonas: Zurück zur Story. Sam: Was? Wohin? Jason Parnassis: Mit der Kalispera stimmt was nicht. Aphrodite: Das meint jedenfalls Frau von Kohlen und Reibach. Jason Parnassis: Ihr Großvater ist auf der Kalispera, seit einem Jahr. Aphrodite: Ab und zu ruft sie ihn an, liebevoll und pflichtbewußt. Jason Parnassis: Besuchen kann sie ihn leider nicht. Sie hat überhaupt keine Zeit. Aphrodite: Das intensive aufreibende Leben in der Society, wissen Sie. Außerdem neigt sie zur Seekrankheit. Jason Parnassis: Unter uns, Herr Jonas, in der Regel kümmern sich die Hinterbliebenen, die Angehörigen wollte ich sagen, wenig um ihre Senioren. Aphrodite: Sie sind froh, daß sie sie los sind. Jonas: Und für ihr schlechtes Gewissen müssen sie zahlen. Ein Platz auf ihren Seniorenschiffen kostet mindestens 30.000 Euros im Monat, hab ich mir sagen lassen. Aphrodite: Aber dafür bieten wir auch etwas, Herr Jonas. Jason Parnassis: Jeden erdenklichen Luxus, beste Betreuung, absolut erstklassige medizinische Versorgung, alles vom Feinsten. Jonas: Na wunderbar, und trotzdem hat Frau von Kohlen und Reibach was auszusetzen. Aphrodite: Seit Wochen, sagt sie, kann sie ihren Großvater nicht erreichen. Er kommt nicht ans Fon, will nicht mit ihr reden... Jason Parnassis: Verständlich, wenn man Frau von Kohlen und Reibach kennt. Aphrodite: Sie glaubt, ihrem Großvater sei etwas zugestoßen, und die Schiffsführung versuche das zu verheimlichen, weshalb auch immer. Und sie behauptet, eine gute Bekannte, die auch jemanden auf der Kalispera hat, habe eine ähnliche Erfahrung gemacht. Jason Parnassis: Frau von Kohlen und Reibach hat eine blühende Fantasie. Aphrodite: Aber sie ist eine Golffreundin des Admiralissimus, sie hat ihn genervt. Jason Parnassis: Und er, möge er lange leben, blühen und gedeihen, er nervt uns. Vor ein paar Tagen haben wir einen Mann unserer internen Aufsichtsabteilung zur Kalispera geschickt, einen diplomierten, staatlich geprüften Investigator, leider... Aphrodite: Ein tragischer Unfall. Kurz vor der Landung auf dem Schiff ist sein Helikopter ins Meer gestürzt, keine Überlebenden. Jonas: Zufall? Oder steckte was anderes dahinter. Aber vielleicht hatte auch Jonas eine blühende Fantasie. Apropos Jonas, was hatte die Sache mit mir zu tun? Jason Parnassis: Der Admiralissimus besteht auf einer unabhängigen Untersuchung. Durch einen privaten Detektiv. Ihr Name kam ins Spiel, Herr Jonas. Jonas: Ich soll auf die Kalispera. Aphrodite: Als verdeckter Ermittler. Sie werden sich dort umsehen und nach ihrer Rückkehr dem Admiralissimus Bericht erstatten. Jason Parnassis: Damit er sich beruhigt. Jonas: Möge er lange leben, blühen und so weiter. Wieviel? Jason Parnassis: Ihr Honorar meinen Sie? Soweit wir informiert sind, verlangen Sie für gewöhnlich 130 Euros pro Tag. Jonas: 150 plus Spesen, aber das gilt nur für normale Fälle in und um Babylon, wenn ich in die Karibik reisen muß. Aphrodite: Also, wieviel? Jonas: 3000 Euros pauschal. Bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad das doppelte. Jason Parnassis: 5000. Aphrodite: Zeigen Sie ihm das Bild, Jason. Jason Parnassis: Wie finden Sie dieses Holoporträt, Herr Jonas? Jonas: Scheußlich, auf den Schreck brauch ich noch einen Brandy. Wer ist der häßliche Gnom? Das Phantom der Oper? Der Glöckner von Notre Dame? Aphrodite: Das sind Sie, Herr Jonas. Jonas: Hust, hust. Jason Parnassis: Lassen Sie mich erklären. Abgebildet ist der vor kurzem verschiedene Großonkel einer meiner Ex-Partnerinnen. Sie, Herr Jonas, werden seine Identität übernehmen und sein Gesicht, per Plastiface. Aphrodite: Und als genuiner betuchter Greis eine Suite auf der Kalispera buchen. Jason Parnassis: So können Sie ohne Verdacht zu erregen ihre Aufgabe wahrnehmen. Jonas: Mit diesem Gesicht. Aphrodite: Sehen Sie es so, Herr Jonas, ein paar schöne Tage in der Karibik. Jason Parnassis: Ein Kurzurlaub im schwimmenden Luxushotel. Jonas: Mit diesem Gesicht. Aphrodite: Und 5.000 Euros, Herr Jonas. Für einen streßfreien, absolut ungefährlichen Job. Jonas: Davon war ich nicht überzeugt, ganz und gar nicht. Aber da war mein Kontostand. Und vor allem war da die Sehnsucht nach einem weißen Schiff auf blauem Meer, und nach der Sonne, sichtbar, strahlend, und warm. Jonas übernahm den Auftrag. Und ließ sich im nächsten Plastiface-Shop das neue Gesicht verpassen. Sam: Igitt. Igittigitt. Gar nicht hinschauen darf man. Jonas: Krieg dich ein, Sammy. Du wirst dich dran gewöhnen. Sam: Niemals. Sieht aus wie ein Schlunz. Und wie lautet nunmehr dero werter Name, hm? Indem Sam doch wissen muß, wie er den Meister zu titulieren habe. Jonas: Moment, die schöne Aphrodite hat mir’s aufgeschrieben, ja hier, äh, Jodokus. Sam: Haha. Jonas: Jaromir Jodokus. Sam: Hehe. Jonas: 69 Jahre. Sam: 96 Jahre. Jonas: Wäh. Immerhin n’anständiger Name. Mit Doppel-J. Sam: Anständig? Jodukus? Der Name ist ein Jokus und Fokus und Fidibus. Jonas: Stop, jede weitere Reimerei verbitte ich mir, ganz energisch. Sam: Ja. Sind euer Ungnaden zu Hause für Chefinspektor Kotz-Brock? Jonas: Brock? Was wollen Sie? Brock: Wenn ich Sie wäre, Jonas, würde ich in den nächsten Tagen nicht verreisen. Jonas: Sie sind aber nicht Jonas, Brock, und was noch besser ist, ich bin nicht Sie. Brock: Bleiben Sie zu Hause, Jonas, Babylon ist doch auch ganz schön. Jonas: Ist Ihnen ein Aktenordner auf den Kopf gefallen? Brock: Die Tropen können sehr ungesund sein. Man hört so dies und jenes in der zentralen Sicherheitsverwaltung. Lassen Sie sich raten, Jonas, fahren Sie nicht weg. Sam: Ja wat denn nu? Hör mein Jonas, laß dir sagen, der Auftrag tut mir nicht behagen, er stinkt. Wenn Chefinspektor Brock irgendwie mit drin steckt. Jonas: Egal. Brock hat mir gar nichts zu sagen. Ich fahre. Und du mein Sam kommst mit. Sam: Ah, karibische Nächte, Kaipiri, Cuba Libre, Limbo, Reggae und Calypso, dunkelhäutige Schönheiten mit Glutaugen und biegsamen Körpern. Jonas: Wovon ein 96jähriger Greis etwa so viel hat wie, sagen wir ein Computer aus Metall und Plastik, Parole Rollstuhl, Sammy. Sam: Hörgerät und Herzschrittmacher. Haarausfall, Hautausschlag. Jonas: Harnkatheter. Sam: Hirnverkalkung. In diesem Sinne, auf geht’s, Herr Jodukus. Blow, boys blow, for Californio, there’s plenty of golds, so I am told, on the banks of Sacramento... Mit biegsamen Körpern, Schönheiten, dunkle Cuba Libre, oah... Jonas: Ein Panorama wie aus einem schicken Reiseprospekt. Holo. Hochglanz. Wunderschön. Und unwahrscheinlich bunt. Das Meer quietschblau, ganz weit hinten ein dunkler Streifen, das mittelamerikanische Festland, Costaguana, der Himmel fast so blau wie das Meer, eine strahlende Sonne aus Weißgold, keine Wolke. Nur ein dunkelblauer Helikopter mit dem großen roten P für Parnassis. Im Helikopter zwei Passagiere. Jonas, alias Jaromir Jodokus, und eine ehrwürdige Greisin in grün-gelb-geringelten Caprihosen. Sie hieß Jacobea Bond und wollte auch auf die Kalispera. Jacobea Bond: Natürlich ist es teuer, aber ich sag immer: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Sein Geld kann der Mensch nicht mitnehmen. An meinem Lebensabend will ich es noch mal so richtig schön haben. Wie alt schätzen Sie mich, Jaromir? Jaromir? Jonas: Ah, was? Jacobea Bond: Wie alt, ich? Jonas: Äh, wie jung, meinen Sie, Verehrteste, äh, 70? Jacobea Bond: Hahaha, 89, im Oktober werde ich 90. Jonas: Das... das... das glaub ich Ihnen nicht, Sie halten mich zum Besten, Teuerste. Pilotin: Schnallen Sie sich bitte an, in Kürze landen wir auf der Kalispera. Jacobea Bond: Da! Da ist sie! Jonas: Was? Was? Wo? Ah, ja, schönes Schiff. Jacobea Bond: So weiß und strahlend, aber so leer. Jonas: Richtig. Wo waren Sie, die munteren Senioren, die liebenswerten Altchen? Auf dem Sonnendeck neben dem Swimmingpool, sah ich nur ein paar leere Liege-stühle und zwei leere Rollstühle am Heliport. Dahinter zwei muskulöse Geschöpfe in weißen Kitteln, vage weiblich. Miss Body und Miss Building. Eine trat vor, als Jacobea und ich aus dem Helikopter stiegen. Mühsam, wie es sich für alte Leute gehört. Mai: Willkommen an Bord der Kalispera. Kapitän Parnassis, Zahlmeisterin Parnassis und Schiffsarzt Dr. Parnassis lassen sich entschuldigen. Ihre unermüdliche Arbeit zum Wohl von Schiff und Menschen verhindert ihre Anwesenheit. Seien Sie versichert, Sie werden sich bei uns wohlfühlen und wie alle unsere bisherigen Schutzbefohlenen, überhaupt nicht mehr von Bord gehen wollen. Setzen Sie sich in die Rollstühle. Jacobea Bond: Wozu? Ich kann noch ganz gut laufen, am Stock. Mai: In den Rollstuhl. So ist es besser, für Sie und für uns. Frau Jacobea Bond, meine Kollegin April wird Sie zu Ihrer Kabine auf dem C-Deck bringen. Jacobea Bond: Wir sehen uns beim Essen, Jaromir. Jonas: Ja. Mai: Herr Jodokus, Sie haben eine unserer Luxussuiten auf dem A-Deck gebucht. Jonas: Mit Privatterrasse und Blick auf den Pool, jawohl. Mai: Ganz recht. Festhalten. Ich bin Ihre persönliche Stewardeß. Mein Name ist Mai. Jonas: November hätte besser gepaßt. Und wenn sie wirklich Stewardeß war, dann hatte sie den Job in Sing-Sing gelernt. Aber die Suite war grandios. Ich kam mir vor wie Mr. Astor auf der Titanic, vor dem Eisberg. Aber der Eisberg war nahe und kam immer näher. Frau von Kohlen und Reibach hatte recht. Auf der Kalispera gingen seltsame Dinge vor. Warum war kein Mensch an Deck? Mai: Es wird Ihnen erstaunlich vorkommen, Herr Jodukus, aber man kann auch von der Sonne zuviel kriegen. Ihre Mitpassagiere sind unter Deck. Ein paar machen mit dem Schiffshelikopter einen Ausflug nach Costaguana. So, und Sie legen sich jetzt brav hin. Jonas: Aber, aber ich will mir das Schiff ansehen. Mai: Morgen. Jetzt wird geruht. Möchten Sie was trinken? Jonas: O ja, hehehe. Mai: Ich bringe Ihnen einen schönen Kräutertee. Jonas: Pfui Teufel! Whisky! Mai: Kommt nicht in Frage, erst muß der Doktor Sie untersuchen. Ich laß Sie jetzt allein, aber ich bleibe in der Nähe, falls Sie was brauchen. Jonas: Was? Mai: Ja, damit Sie nicht auf dumme Gedanken kommen, zum Beispiel Ihre Suite zu verlassen. Jonas: Sammy? Sam: Bei der Arbeit. Was steht zu Diensten, Leuchter des Weltalls. Jonas: Wozu hab ich dich mitgebracht? Sam: Nanananana. Jonas: Gib mir einen Rat, was soll ich tun? Sam: Ja, was sollste tun, was sollste tun? Abwarten. Abwarten und Kräutertee trinken. Jojojo, und ne Buddel voll Rum, dumdum. Jonas: Was blieb mir übrig. Ich setzte mich auf die Terrasse, mit Blick auf den leeren Pool, das leere Sonnendeck, das leere Promenadendeck, keine Bewegung, kein Laut, richtig unheimlich. Es wurde abend. Die Sonne stand tief. In der Ferne leises Knattern. Näher. Lauter. Der Schiffshelikopter landete auf der Kalispera. Aber es stiegen keine fröhlichen Ausflügler aus der Luke, nur eine Frau. Ein Weißkittel nahm sie in Empfang, mit schußbereiter Maschinenpistole. Die Frau hob die Hände. Verblüfft, wie es schien, und wurde sofort unter Deck gebracht. Sam: Eiverbibsch, da wird doch der Storch in der Pfanne verrückt. Hast du sie erkannt, Kumpel? Jonas: Ich kann noch ganz gut sehen mit meinen 96 Jahren. Das war Karla. Sam: Karla, die Chefin der babylonischen Stadtguerilla. Was hat die auf der Kapislehra, Korrektur, Kalispera zu suchen? Jonas: Das war die Frage. Schon einige Male hatten sich die Wege von Jonas und Karla gekreuzt. Sie war so eine Art gute alte Feindin. Wir mochten uns, irgendwie. Und wir hatten es uns zur Gewohnheit gemacht, einander das Leben zu retten. Zuletzt im Unterwelt-Fall. Mai 2014. Karlas Auftauchen an Bord machte die unerklärliche Geschichte noch unerklärlicher. Und unerklärlich ging’s auch gleich weiter. Der Helikopter stieg auf, flog ein paar Meter zur Seite, aus der offenen Luke fielen fünf Kisten, länglich, 1 mal 2 Meter. Sie fielen ins Meer, und gingen sofort unter. Der Helikopter verschwand am Horizont. Jonas: Sahen aus wie Särge, die Kisten. Sam: Man gongt zum Dinner, Sir. Abendgarderobe erforderlich, wenn Sie den Hinweis gestatten, Sir. Jonas: Du meinst, ich soll mich umziehen, Sam. Sam: Zum festlichen Dinner auf der Kalispera trägt der sowohl wohlgekleidete als auch wohlberatene Gentleman Smoking und Laserstruller, Korrektur, -Strahler, letzteren tunlichst unauffällig in der Tasche, Sir. Jonas: Zusammen mit einem kleinen Computer namens Sam, mit all diesen notwendigen Dingen versehen, setzte Jonas sich in den Rollstuhl und klingelte die schöne Mai herbei, auf daß sie ihn in den Speisesaal rolle. Im ganzen großen Speisesaal der Kalispera stand nur ein einziger kleiner Tisch, ansonsten war er so leer wie das Deck. Abgesehen von einem halben Dutzend kräftiger Gestalten an der Wand, in weißen Kitteln, mit Maschinenpistolen. Mai schob mich an den Tisch. Mai: So. Bleiben Sie im Rollstuhl. Jonas: Wo sind die anderen? Mai: Welche anderen? Jonas: Frau Jacobea Bond zum Beispiel. Mai: Nie gehört. Sie sind unser einziger Gast, Herr Jonas. Jonas: Jodukus! Mai: Lassen Sie doch die Geheimnistuerei. Wir wissen, wer Sie sind, und weshalb Sie auf die Kalispera gekommen sind. Wir haben Sie erwartet. Die Speisekarte. Jonas: Ich hab keinen großen Hunger. Mai: Sie sollten tüchtig zulangen, Herr Jonas, dies hier dürfte die letzte Gelegenheit sein, ihr letztes Abendmahl sozusagen. Jonas: Oder auch die Henkersmahlzeit. Das Menü war reichhaltig. Austern, Cosome Olgar, pouschierter Lachs, File Mijo, Spargelsalat, Pfirsiche in Chartrö, kein Synth, alles echt. Auf der Kalispera ließ es sich leben, und sterben, wie’s aussah. Jonas langte zu, in Maßen. Dabei sah ich mich um. Fenster und Türen waren bewacht. Bis auf eine Tür, eine kleine, zu einem Nebenraum. Darin der Speisenaufzug, aus der Küche in den unteren Regionen. Eine Spüle, ein Wandschrank. Sam: Na wonderbra, ne, wunderbar. Da geht’s raus, Genosse. Jonas: Das seh ich nicht, Sammy. Der Nebenraum ist eine Sackgasse. Nur eine Tür. Zum Speisesaal. Sam: Zweifelsohne. Doch ist euer optischen Beschränktheit nicht aufgefallen, daß besagte Tür einen Schokoriegel, wat, ne, ohne Schoko, einen Riegel an der Innenseite ihr eigen nennt. Jonas: Na und? Was bringt das? Kein Fenster. Sam: Statt dessen ein Hinter- oder auch Notausgang, nes pa? Jonas: Den Aufzug meinst du? Hmh. Mai, räumen Sie ab, und wenn Sie damit fertig sind, bringen Sie mir Kaffee, Cognac und eine Havanna. Mai: Selbstverständlich, Herr Jonas, was immer Sie wünschen, Herr Jonas, und danach haben wir noch ein ganz spezielles Dessert Surprise für Sie. Au! Jonas: Mai hatte ihre Augen auf dem Tisch. Jonas sprang aus dem Rollstuhl und rammte ihn Mai in die Kniekehlen, sie ging zu Boden, mitsamt dem Geschirr. Ehe die Typen an der Wand was unternehmen konnten, war Jonas im Nebenraum, machte die Tür zu, schob den Riegel vor, schnell. Zum Glück war nur mein Gesicht 96. Muskeln, Sehnen, und Knochen waren jünger, einige Jahrzehnte. Zum Speisenaufzug. Ein Druck auf den Knopf und er ratterte nach unten. Ohne Jonas. Der blieb, wo er war, und quetschte sich in den Wandschrank. Vom Greis zum Gummimenschen in 10 Sekunden. Reife Leistung. Mai: Wo steckt der... Der Aufzug! Er fährt im Aufzug runter. Los, zum Fahrstuhl, wir fangen ihn in der Küche ab. Jonas: Alle weg. Sam: Bis auf Jonas. Und der sollte auch die Kurve kratzen. Dieweil es demnächst hiererorts recht ungemütlich zu werden verspricht. Jonas: Wohin, Sammy? Sam: Sie suchen dich unten. Jonas: Also bleib ich oben. Sam: Ganz oben. Bootsdeck. Welches so heißt, weil da die Boote sind, wa? Die Rettungsboote, Mann. Verstehen wir uns, mein Bester? Jonas: Aber sicher. Ich suchte mir ein passendes Boot aus, ein Boot im Dunkeln, vorn, im Bug, wie Leichtmatrose Sam sagen würde, ich machte die Persenning ein Stück weit auf, kroch rein, machte wieder zu, derweil erfreute mich Sam mit nautisch-musikalischen Darbietungen. Sam: Das Monat ob seren tu trieven, dat is gottverdammich nich lich, das ist gottverdammich nich lich. Jonas: Bravo. Sam: Euer Lordschaft wünschen eine Zugabe? Bitte sehr, bitte gleich, bitte hier. Jonas: Nein. Sam: What shall we do with the drunken sailor? Jonas: Stop, Konzert vorbei, Schluß mit lustig. Sam: Warum das? Jonas: Jetzt wird gearbeitet. Sam: Was denn? Jonas: Was geht auf der Kalispera vor, Sammy? Sam: Ja, was ganz, ganz beschissenes, Mann, halten zu Gnaden. Jonas: Klar, aber was? Sam: Melde gehorsamst, man klöpfet. Jonas: Das hör ich. Sam: Ja willst du denn nicht mal nachkücken, wer da ist? Jonas: Jonas wollte eigentlich nicht. Aber er tat es trotzdem. Ich hob die Persenning. Draußen stand ein Marsmensch. Mit großen Glupschaugen. Und einem Laserstrahler. Das war in Ordnung. Ich hatte auch einen. Jacobea Bond: Guten Abend. Jonas: Oh, Jacobea Bond, hähä, fast hätte ich Sie gelasert. Jacobea Bond: Sie mich? Ich Sie! Jonas: Glauben Sie, Sie sind schneller? Jacobea Bond: Könnten wir diese Frage später klären, Sie gestatten, daß ich nähertrete. Jonas: Bitte sehr. Machen Sie es sich bequem. Nehmen Sie Ihre Infrarotbrille ab. Jacobea Bond: Damit habe ich gesehen, wie Sie ins Boot geklettert sind, Jonas. Jonas: Und sind mir nachgekommen. Jonas? Jacobea Bond: Hmh, ich weiß, wer Sie sind. Jonas: Alle wissen, wer ich bin, wird Zeit, daß ich auch mal was weiß. Wer sind Sie? Jacobea Bond: Wie alt schätzen Sie mich? Jonas: Das Spiel hatten wir schon, Jacobea. Jacky: Jacky. Nennen Sie mich Jacky, ich bin 32. Jonas: Außerdem, sagte sie, war sie Agentin des GD, des Babylonischen Geheimdiensts, der hatte bekanntlich seine Augen und Ohren überall, auch bei der Großreederei Parnassis. Und da stimmte was nicht, hatte der GD festgestellt. Das konnte man laut sagen. Jacky: Wir haben einen interessanten Hinweis bekommen, die berüchtigte Stadtguerilla wird hier in Aktion treten, auf der Kalispera. Jonas: Was Sie nicht sagen. Jacky: Deshalb bin ich hier. Ich soll mich mal umsehen, vergreist, per Plastiface. Jonas: Ich auch. Jacky: Hm, das wußten wir. Oberst Frank war gar nicht erfreut, er hat Brock von der Kripo Anweisung gegeben, Sie zurückzuhalten. Jonas: Das hat er versucht, der gute Brock. Jacky: Offensichtlich ohne Erfolg. Ja, um so besser. Jetzt sind wir zu zweit. Jonas: Falls ich mich mit Ihnen zusammentue, Jacky. Jacky: Das sollten Sie, Jonas. Wissen Sie, was auf der Kalispera vorgeht? Jonas: Och, die Frage kommt mir irgendwie bekannt vor. Jacky: Wissen Sie’s? Jonas: Nein. Jacky: Aber ich. Ich zeig’s Ihnen. Kommen Sie mit. Jonas: Wohin? Jacky: Unter Deck. Folgen Sie mir. Jonas: Sie hatte die Infrarotbrille. Ich folgte. Zuerst zu einem Aufzug. Dann nach unten, ganz nach unten. Bis das Schiff zu Ende war, in den Kielraum, oder heißt es Orlopdeck? Egal. Unten ging’s horizontal weiter. Durch ein Labyrinth von engen Gängen, vorbei an flüsternden Maschinen. Neue Gänge, plötzlich blieb Jacky stehen. Jacky: Wir sind da. Hier wollte sie mich für immer ablegen, April, meine sogenannte Stewardeß. Jonas: Aber Sie wollten nicht. Jacky: Ich hab meinen Laser aus dem Handtäschen gekramt und sie getötet. Die Leiche hab ich in einem leeren Lagerraum versteckt, gleich nebenan. Jonas: Und wo sind wir hier? Es stöhnt und stinkt. Kanalisation? Knast? Jacky: Hier. Sehen Sie mal durch. Jonas: Durch die Infrarotbrille wurde das schwarze Loch grün und das Dunkel heller. Wir standen in einem größeren Raum vor einer Gitterwand, dahinter Menschen, alte Menschen, etwa zwei Dutzend, fast nackt, im eigenen Dreck. Beulen und Geschwüre, Hungerbäuche und dürre Rippen, stumpfe Augen, monotone Bewegungen. Jonas: Uh, das ist es also. Aber warum nur so wenige? Jacky: Die anderen sind längst über Bord. Wie der Kapitän, die Zahlmeisterin, der Doktor, alle, alle die nicht mitspielen wollten. Ein paar Alte mußten sie aufheben, damit sie sie im Notfall den besorgten Verwandten am Bildfon präsentierten können. Jonas: Sie? Wer? Mai? Jacky: Mai, Oberschwester, Leiterin der Pflegeabteilung und einige ihrer Untergebenen. Sie haben die Kalispera übernommen und kassieren jeden Monat für rund 500 Senioren, die es nicht mehr gibt, oder die kaum was kosten. Jonas: Bombengeschäft. Jacky: 10 Millionen im Monat, wenn nicht mehr. Jonas: Apropos Bombe, haben Sie gesehen, Jacky, rechts an der Wand die Kiste, Sentex steht drauf, und daneben, sieht aus wie ein Zeitzünder, nicht aktiviert, das sollten wir uns mal genauer ansehen. Jacky: Später. Kommen Sie, Jonas. Schnell. Jonas: Ein winziger Lichtpunkt, weit entfernt, er kam näher, wurde größer, immer näher, immer größer, dazu Schritte, Stimmen. Jacky zog mich durch eine Tür in einen leeren Raum. Ganz leer war er nicht. Auf dem Boden lag eine Frau im weißen Kittel, April, ein Laserloch zwischen den Augen. Durch den Türspalt konnten wir sehen, nicht viel, aber es reichte. Mai und ein Begleiter, kräftig und weißbekittelt. Mit Maschinenpistole und starker Lampe. Juli: Ich frag mich, wo April steckt. Mai: Seit sie den Neuzugang nach unten gebracht hat, ist sie verschwunden. Und dieser Schnüffler, dieser Jonas, muß sich ja auch irgendwo rumtreiben. Juli: Wir sollten ein Suchkommando organisieren, Mai. Mai: Keine Zeit, Juli, vielleicht morgen, jetzt hat Karla Priorität, das heißt, ihre zweite Botschaft an Parnassis, diesmal nicht nur über Funk, diesmal visuell, per Holo, oben auf Deck, wegen der Dramatik. Juli: Wen nehmen wir? Mai: Na, der da sieht doch noch ganz passabel aus, hol ihn raus. Juli: Ich muß ihn aber noch waschen und ihm was anziehen. Mai: Beeil dich, in einer halben Stunde brauch ich ihn an Deck. Für den großen Auftritt mit Karla. Liveübertragung nach Babylon. Jonas: An Deck. Das war unser Stichwort. Als Mai und Juli mit dem apathischen Alten verschwunden waren, verschwanden wir auch. Ganz schnell. Jacky hatte den Plan der Kalispera gut studiert, besser als Jonas, und brachte uns in einer Viertelstunde zurück zur Basis, ins Rettungsboot. Jacky: Eine Holo-Livesendung wollen sie machen, mit Karla von der Stadtguerilla und dem Alten, nachts, an Deck, wozu, was soll das? Jonas: Keine Ahnung. Du, Sammy? Sammy! Sam: Oh, man geruht doch tatsächlich sich Sams zu erinnern. Kaltherzig hat man ihn in die Tasche gesperrt, den alten kleinen Computer, abgeschaltet hat man ihn, zum Stillschweigen verdammt. Jonas: Ich schalt dich sofort wieder ab, wenn du nicht mit dem Lamentieren aufhörst. Hast du was konkretes beizutragen? Sam: Well, wait. Wait and see, Samiel spricht, es werde Licht, und siehe, es wird Licht, on the banks of Sacramento. Jonas: Wie man’s nimmt. Eigentlich am Heliport. Da gingen plötzlich die Scheinwerfer an und machten die Nacht zum Tage, wie man so sagt. Eine kleine Prozession marschierte ins grelle Licht. Mai, Juli mit seinem Alten, der war jetzt gesäubert und mit einem weißen Bademantel bekleidet, aber noch genauso apathisch wie unten. Lithium oder Valium. Dann kam Karla zwischen zwei maskierten Frauen in schwarz, mit Maschinenpistolen. Zum Schluß ein Weißkittel mit Holokamera. Unter den Scheinwerfern arrangierten Mai und ihr Kameramann ein Gruppenbild um Karla. Jacky und Jonas sahen zu, unter der leicht angehobenen Persenning, in der ersten Reihe. Gute Sicht, gute Akustik. Mai: So bleiben. Kein falsches Wort, Karla, keine falsche Bewegung, wenn Sie nicht spuren, brechen wir sofort ab und kümmern uns nur noch um Sie. Langwierig und ausgiebig, ist das klar? Karla: Ja. Mai: Gut. Wenn die Kamera läuft, sagen Sie folgendes: Ich wiederhole meine Forderung an die Großreederei Parnassis, die ich bereits gestern 20 Uhr über Schiffsfunk gestellt habe. 100 Millionen Euros in Diamanten für die Stadtguerilla, wenn sie uns nicht bis heute abend 20 Uhr ausgehändigt werden, sterben alle Senioren auf der Kalispera. Es lebe die Revolution. Verstanden? Karla: Ja. Mai: Dann zeigen Sie nach links und sagen, damit Sie sehen, daß wir es ernst meinen, die Kamera schwenkt nach links auf den Alten und auf August. Alles klar? Dann mal los, Karla auf der Kalispera, Take 1, das erste und einzige Mal. Jonas: Die Kamera lief, Karla sagte ihren Text auf, die Kamera schwenkte, eine der schwarzen Frauen hob die Maschinenpistole und mähte den Alten im Bademantel um. Die Kamera stoppte. Mai war zufrieden. Mai: Sehr schön. Expressiv, dramatisch, dringlich. Karla: Wie geht’s weiter? Mai: Wir warten, bis die Diamanten kommen, und die werden kommen, da bin ich sicher, dann, werteste Karla, sind Sie überflüssig und werden entsorgt. Karla: Was ist mit meinen Leuten? Wo sind Sie? Mai: Immer noch in den Kisten, in denen sie unbemerkt an Bord kommen sollten, aber nicht mehr im Helikopter, sondern in der schönen blauen Karibik. Wir wußten Bescheid und haben sie gleich aus dem Verkehr gezogen. Karla: Sie haben uns in eine Falle gelockt. Die Kalispera mit ihren reichen Alten haben Sie uns als Köder ausgelegt und wir haben angebissen. Es geht Ihnen überhaupt nicht um die Sache. Mai: Sache? Mein Gott Ihre Sache, Freiheit, Gleichheit, Revolution, total veraltet, Sie sind 30 Jahre zurück, Karla, heute gibt es nur eine Sache: money, money, money. Karla: Aber warum haben Sie dann uns auf die Kalispera geholt? Mai: Na, weil Sie ein wunderbarer Sündenbock sind, oder, oder Sündenziege, sagt man das? Mit Ihrer geschätzten, wenn auch unfreiwilligen Hilfe können wir unseren großen Fischzug sauber und profitabel abwickeln. Es wird einen Knall geben und die Kalispera wird mit Ihnen und den restlichen Alten verschwinden, nach unten, wir werden auch verschwinden, aber in eine ganz andere Richtung, mit vielen Millionen in Bar und in Diamanten, und alle Welt wird Karla und die Stadtguerilla verantwortlich machen. Jonas: Als wir in unserem Boot aufwachten, Jacky und ich, war es hell, vormittag, ein Geräusch hatte uns geweckt, ein Helikopter, ein kleiner blauer Zweisitzer mit dem roten Parnassis-P. Er kreiste über der Kalispera, wieder waren sie alle am Heliport, Mai, Karla, die restlichen Monate, diesmal nicht als Holocrew, diesmal als Empfangskomitee. Der Helikopter landete, zwei Figuren stiegen aus, Jason Parnassis im dunkelgrauen Nineties-Look, gekrönt von einer schwarzen Baseballkappe, und Aphrodite, weiter weißer Hut, weißes Sonnentop, knappe weiße Shorts, wunderschön und schaumgeboren. Als die Rotorblätter stillstanden, griff Jason hinter den Sitz, zog einen schwarzen Aktenkoffer heraus. Bewegung ging durch die Kalisperatruppe, darauf hatten sie gewartet. Jason Parnassis: Die Diamanten, im Wert von 100 Millionen Euros, wie Sie’s verlangt haben. Mai: Geben Sie her. In Ordnung, erschieß ihn, Juli. Jason Parnassis: Was? Ah! Mai: Aphroherzchen, komm in meine Arme. Aphrodite: Wir haben es geschafft, Maischätzchen. Jonas: Eine heiße Begrüßung. Der tote Jason wurde derweil über die Reling befördert, und der letzte noch fehlende Stein im großen Kalisperapuzzle klickte ein. Jacky: Eigentlich klar. Jemand im Parnassis-Hauptquartier mußte am Coup beteiligt sein. Jonas: Und wer ist geeigneter als die Person, die für die Kalispera zuständig ist. Jacky: Ich nehme an, Mai und Aphrodite haben die Sache gemeinsam geplant. Jonas: Mai hat die Kalispera in ihre Gewalt gebracht, und Aphrodite hat dafür gesorgt, daß die Gelder aus Babylon weiter flossen. Jacky: Bis Frau von Kohlen und Reibach was merkte und den alten Parnassis anspitzte. Jonas: Da wurde den beiden die Sache zu heiß. Sie beschlossen ein Ende zu machen. Jacky: Und dabei noch mal ganz groß abzukassieren. Hm, Mai kennt Karla, sie war vor Jahren bei der Stadtguerilla. Jonas: Ach was? Das wußte ich nicht. Jacky: Aber der GD. Mai nahm Verbindung zu Karla auf und überredete sie, die Kalispera zu kidnappen. 500 betuchte Greissinnen und Greise, das hätte ein gewaltiges Lösegeld gegeben. Jonas: Es gab ein gewaltiges Lösegeld. 100 Millionen in Diamanten. Nur Karla hat nichts davon. Jacky: Sie hat ihre Rolle ausgespielt. Es wird ihr gehen wie Jason Parnassis und wie ihren fünf Stadtguerilleros. Und das ist gut so. Jonas: Jonas sah das anders. Jonas hatte was übrig für Karla, außerdem, Jonas gehörte nicht zum GD und hatte nicht den Auftrag, die Stadtguerilla zu liquidieren. Abwarten. Die Schöne und das Biest hatten sich inzwischen voneinander gelöst. Es gab viel zu tun. Die letzte Runde war eingeläutet. Mai: Maschinen stop! Laßt das große Rettungsfloß zu Wasser. Aphroherzchen, kümmerst du dich um Karla? Aphrodite: Liebend gern. Und du, Maischätzchen? Mai: Ich gehe nach unten und aktiviere die Bombe. Aphrodite: Hm. Mai: Du kommst mit, Juli. Bin gleich wieder da, Herzchen. Jonas: Aphrodite warf ihr eine Kußhand zu, graziös, hinreißend. Dann ließ sie sich eine Maschinenpistole geben und trieb Karla vor sich her, bis an die Reling. Karla sollte springen. Sie wollte nicht, verständlicherweise. Jonas zog den Laser. Aphrodite: Spring! Jonas: Es war Zeit, einzugreifen. Aphrodite: Spring endlich, du Schlampe! Jonas: Aphrodite wurde ungeduldig. Aphrodite: Wie du willst, dann helf ich nach. Jacky: Jonas, was tun Sie? Jonas: Ich ziele. Jacky: Auf Karla? Jonas: Nein, auf Aphrodite. Aphrodite: Ah! Jonas: Getroffen. Sam: Blow the mandownblow... Jacky: Mein Laser, er funktioniert nicht. Jonas: Ich habe mir erlaubt, ihn zu entladen, heute nacht, als Sie schliefen. Jacky: Aber wieso? Wir arbeiten doch zusammen. Jonas: Nicht gegen Karla. Jacky: Ich muß mich doch wehren. Die schießen auf uns. Jonas: Keine Angst, mit den paar Monaten wird Jonas ganz allein fertig. Jonas: Außerdem war ja Karla auch noch da. Sie hatte sich Aphrodites Maschinenpistole geschnappt, war hinter einem Schornstein in Deckung gegangen, und half tatkräftig mit, Mai’s Leute auszuschalten. Das war bald erledigt. Jonas stieg aus dem Boot und machte Karla klar, wer er war. Immerhin sah ich noch aus wie der gute alte Jodokus. Wir hielten uns nicht lange auf mit Begrüßungen und Erklärungen, an Deck war alles klar, aber unter Deck gab’s noch einiges zu tun. Für Jonas, für Karla, und für Jackie. Die mußte mit, ob sie wollte oder nicht, sie fand sich im Schiffsbauch am besten zurecht. Wir schlichen uns an, leise, vorsichtig, hielten uns außerhalb des Lichtkegels. Von dem Krawall an Deck hatten Mai und Juli offenbar nichts mitbekommen. Mai war dabei, den Zeitzünder für die Sprengladung einzustellen, in aller Ruhe, ihre MP hatte sie abgelegt, Juli paßte auf, er wirkte nervös, statt Ausschau zu halten, sah er Mai auf die Finger. Karla erschoß ihn, dann griff sie sich seine Waffe und die von Mai. Mai fuhr hoch. Mai: Jonas! Jonas: Alias Jodukus nebst Begleitung, bleiben Sie stehen, Mai. Jacky: Nehmen Sie die Hände hoch. Jonas: Jacky, Sie greifen ihr in die Kitteltasche und nehmen den Schlüssel zum Käfig. So, schließen Sie auf, holen Sie die Alten raus. Jonas: Karla half ihr, Jonas behielt Mai im Auge und im Visier seines Lasers. Es dauerte ein bißchen, bis alle Alten draußen waren, sie waren klapprig und vollgepumpt mit Ruhigstellern, die zwei Frauen zerrten und schoben und zogen, bis der Käfig leer war. Genügend Platz für eine einzelne Person mit breiten Schultern. Mai zierte sich, aber ein frisches Laserloch im Kittelsaum überzeugte sie schnell. Jonas schloß ab und steckte den Schlüssel ein. Der neue Aufenthaltsort gefiel Mai gar nicht. Sie wollte raus. Mai: Die Bombe! In einer halben Stunde geht sie hoch, lassen Sie mich raus! Jonas: Richtig, die Bombe, tickt munter vor sich hin. Sam: Fire, fire, fire down below, fetsche backe tofotabeus, fire down below. Jonas: Singen kannst du, Sammy. Sam: Ja. Jonas: Aber kannst du auch den Zünder deaktivieren? Sam: Ja aber ganz gewiß doch, Hochwürden, gib mir nur ein zwei Stündlein Zeit, bis daß ich den Speicher vom Programm befreit. Jonas: Das dauert zu lange. Alternativvorschlag? Sam: Laß ticken Kumpel und hau ab. Jonas: Auch gut. Alle Mann an Deck. Sam: Und alle Frau. Und alle Computer. Jonas: Eine Frau bleibt hier. Mai: Nein! Lassen Sie mich raus! Jonas: Wir dachten nicht daran. Wir hatten genügend damit zu tun, die Alten nach oben zu scheuchen und das Rettungsfloß für sie klar zu machen. Jemand mußte das Floß übernehmen, bei den Alten bleiben. Karla: Wer macht das? Jonas: Sie natürlich, Jacky. Jacky: Warum ich? Ich bin keine Seniorenbetreuerin. Jonas: Sie sind im öffentlichen Dienst. Sam: Im öffentlichen Dunst, haha, das ich nicht kichere. Jonas: Sie haben geschworen, das Wohl Babylons und aller seiner Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Karla: Außerdem haben Sie keine Wahl, weil Sie keine Waffe haben. Jonas: Grämen Sie sich nicht, Jacky, Sie werden einen Orden kriegen. Jacky: Von wem? Oberst Frank? Jonas: Von der Bürgermeisterin oder vom roten Kreuz. Sam: Oder von mir. Jonas: Und denken Sie an die reichen Verwandten unserer Alten. Die werden sich freuen, wenn sie Opa und Oma zurückkriegen und sich erkenntlich zeigen. Jacky: Glauben Sie wirklich? Jonas: Tja, wenn Sie mich so direkt fragen. Jacky: Warum fahren Sie nicht mit den Alten, Jonas? Jonas: Weil ich den Helikopter nehme. Karla: Ich komme mit. Sam: Ich auch. Jonas: Und der Diamantenkoffer. Jacky: Sieh mal an. Jonas: Treuhänderisch. Für die Großreederei Parnassis. Sie ist meine Auftraggeberin, ich bringe ihr das Lösegeld zurück, das gehört sich so. Sam: Ja, ist er nicht ethisch, mein Jonas, ist er nicht moralisch, was, hmhm. Jonas: Die Bombe. Ein Zittern lief durch die Kalispera. Sie begann zu sinken, nach vorn, über den Bug, wie einst vor 100 Jahren die Titanic, stilvoll und würdig. Mit vereinten Kräften hievten wir die Alten ins Rettungsfloß. Jacky übernahm das Kommando und das Steuer, das Ruder, die Pinne, wie immer das heißt. Jonas und Karla stiegen in den Helikopter, wir starteten und drehten ein paar Runden, bis die Kalispera untergegangen war, dann verabschiedeten wir uns von Jacky und ihren Schutzbefohlenen. Jonas: Und jetzt Kurs Babylon. Karla: Ich bin für Brasilien. Da fühl ich mich sicherer. Jonas: Mag sein, aber ich hab das Steuer. Karla: Aber nicht mehr lange. Ich übernehme. Lassen Sie den Knüppel los. Suchen Sie Ihren Laser, Jonas? Den habe ich Ihnen vorhin aus der Tasche gezogen und über Bord gehen lassen. Jonas: Ich habe Ihnen vertraut, Karla. Karla: Vertrauen ist gut, Jonas. Sam: Aber Kontrolle ist besser, Dämlack, Idiot, Volltrottel, Kackstiefel. Karla: Also geben Sie mir schon das Steuer. Ich würd Sie nur ungern umbringen. Jonas: Vielen Dank. Wir tauschten die Rollen, Karla übernahm das Steuer, sie war ein Profi und ließ mir keine Chance. Sie behielt immer eine Hand am Laser, und die Lasermündung zeigte auf meine Schläfe. Karla ging tiefer. Karla: Springen Sie ab, Jonas. Jonas: Ins Wasser? Karla: Ja wohin denn sonst? Jonas: Also das finde ich ausgesprochen unnett von Ihnen, Karla. Karla: Ich bin sogar sehr nett zu Ihnen, Jonas, ich fliege tief und langsam, damit Sie sich beim Aufschlag nichts tun. Sie dürfen Ihren äh Sam mitnehmen. Sam: Wuäh, Sam ist wasserscheu. Jonas: Dich fragt keiner, Sam. Karla: Einen Rettungsring kriegen Sie auch, nur den Diamantenkoffer, den nehme ich, für die Revolution, alle hopp. Jonas: Wir sehen uns, Karla. Sam: Jironimo. Karla: Adios, Jonas! Jonas: Glühende Mittagshitze, absolute Windstille, auf dem glatten Blau der Karibik treibt ein Rettungsring, darin ein leicht verdatterter Privatdetektiv, Sonnenbrand auf der Nase, grimmige Gedanken im Herzen, und in der Brusttasche einen kleinen, aber lauten Computer. Sam: Jonnie, o I drink whisky when I can, o whisky for my Jonnie. Jonas: Schön wär’s, Sammy. Wir haben nicht mal Trinkwasser. Sam: No whisky, no cry. OK man, neues Lied, drei vier. Rolling home, rolling home, rolling home across the sea... Jonas: Sammy, du nervst. Sam: Rolling home to dear old Babylon, where my hearts so longs to be, rolling home, rolling home, rolling home across the sea, rolling home to dear old Babylon, where my heart to longs to be. Das war Traumschiff. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Esther Hausmann, Philipp Moog, Tanja Schleiff, Simone Solga, Jochen Striebeck, Saskia Vester und andere (Michael Vogtmann, Hans Jürgen Stockerl, Jürgen Donien, Helmut Gillitzer-Felber, Anita Schlierf). Ton und Technik: Günter Heß und Daniela Röder. Assistenz: Martin Trauner. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2001 in Dolby Surround. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Totentanz Wirt: Noch ein Bier, Gringo? Jonas: Immer mit der Ruhe. Ich hab ja noch was. Wirt: Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier. Bei solchen Gästen geh ich Pleite. Hau ab, Gringo, verpiß dich. Jonas: Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca. Genauso umgänglich. Genauso liebenswürdig. Erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren. Die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco, im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika. Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sam: Sammy will nach Hause. Jonas: Jonas auch, Sam. Ich werd’ dich wohl verkaufen müssen. Sam: Verkaufen? Hör ich recht, wirklich und wahrhaftiglich? Nein, das kann nicht sein, sag, daß es nicht wahr ist, o du mein Jonas. Jonas: Für meinen Rückflug nach Babylon brauch ich Kohle. Sam: Nur über meine verkohlte Leiche. Jonas: Was soll ich denn sonst tun, Sammy, morgen oder übermorgen ist das Geld alle. Sam: Na und? Jonas: Als ich Ende September in Costaguana an Land gespült wurde, hatte ich nur ein paar Euros in der Tasche, und die brauchte ich, weil ich mein Jonas-Gesicht wiederhaben wollte. Vorher war ich Jarmomir Jodokus gewesen, 96 Jahre und häßlich wie die Nacht, dank Plastiface. Jetzt hatten wir Oktober. Fall abgeschlossen. Traumschiff Kalispera abgesoffen. Und Jonas hing in Puerto Porco herum, mit seinem vertrauten Gesicht, aber ansonsten am Ende. Der letzte Detektiv pfiff auf dem letzten Loch. Jonas: Morgen setze ich eine Annonce in das schmutzige Stück Klopapier, das sich hier Zeitung nennt. Gelegenheit. Verbaler Taschencomputer. Nicht mehr ganz neu, aber voll in Schuß. Selbständig und eigensinnig, äh eigenwillig, oder eigenartig, war meinst du, Sam? Was ist besser? Sam: Sam tritt in den Streik. Kein einziges Wort sag ich mehr, von nun an bis in Ewigkeit. A-me-hen. Jonas: Wer’s glaubt, Sammy. Sam: Nein, nicht verkaufen, bitte bitte, heul kreisch schluchzt, was soll Sammy denn tun ohne seinen innigst geliebten Jonas, ein armes Waisencomputerlein wird er werden, einsam in der bösen Welt herumirren wird er, huhuhuhu. Jonas: Krieg dich wieder ein, Sammy. Ich werd drüber nachdenken. Sam: OK. Jonas: Und darüber schlafen, in meinem Zimmer, nicht weit, nur die Treppe hoch. Die Cantina war nämlich auch das Grand-Hotel von Puerto Porco, nettes Zimmer, nicht groß, nicht sauber, bewohnt von Jonas und von vielen kleinen Tieren, munter und bissig. Ich schlief trotzdem ein und hatte einen merkwürdigen Traum. Ich lag im Zimmer, im Bett und schlief. Das war nicht weiter merkwürdig, doch dann flog durchs offene Fenster ein großer bunter Vogel. Mit wunderschönen glänzenden Federn, grün, rot, schwarz. Und als er im Zimmer war, verwandelte er sich in einen Menschen, eine junge Indio-Frau. Lange schwarze Haare. Rotbraune Haut, viel Haut. Bekleidet war sie nur mit ein paar grünen Federn, ein schöner Traum, dachte ich. Ich wachte auf. Sie war immer noch da. Und lächelte mich an. Jamaro: So siehst du also aus, Jonas. Jonas: Woher kennen Sie meinen Namen? Jamaro: Du hast eine gute Aura, Jonas. Jonas: Ich hätte mir gestern abend doch die Füße waschen sollen. Jamaro: Deshalb bin ich zu dir gekommen, Jonas. Du wirst uns helfen, das weiß ich. Jonas: Sie hieß Jamaro, sagte sie und lebte mit ihrem Stamm im Urwald am Fuß des heiligen Berges Juckamanie in Pueblo Mocoron. Ihr Vater war der Kazike. Der Häuptling. Und sie selbst war die Medizinfrau des Stammes, die Schamanin. Jamaro: Dschilam, sagen wir, das heißt Wahrsagerin, und Tochmen, Heilerin. Jonas: Sehr erfreut. Jonas, nur Jonas, aber das weißt du ja schon. Privatdetektiv meines Zeichens, der sogenannte letzte, in Babylon, Europa. Zur Zeit gestrandet und weit weg vom Fenster. Jamaro: Das weiß ich. Du wirst uns helfen. Wir werden dir helfen. Jonas: Ich kann aber nicht heilen, und wahrsagen schon gar nicht. Jamaro: Das ist auch nicht nötig. Ich brauche einen Helfer, der tatkräftig ist und entschlossen, der keine Angst hat, einen wie dich, Jonas. Jonas: Wenn du meinst, Jamaro. Worum geht’s denn? Jamaro: Wir haben große Probleme mit Bio Global. Jonas: Aha. Bio Global. Ein Weltunternehmen. Chemie, Öl, Rohstoffe. Die südamerikanische Filiale saß in Puerto Porco in einem gewaltigen Komplex am Stadtrand, geschützt und gesichert. Jonas kannte Bio Global, mit der Filiale in Babylon war ich mal unschön zusammengerasselt. Januar 2012. Vor dreieinhalb Jahren. Das sprach für Jamaro. Jamaro: Bio Global hat unser Land gekauft, nicht von uns, von der korrupten Regierung in El Dorado, Bio will unsere Bäume abholzen, nach Öl bohren, unsere Erde nach Smaragden durchwühlen. Wir sollen verschwinden, unser Dorf aufgeben, unsere Maisfelder, unseren Wald, unseren heiligen Berg. Mein Vater, der Häuptling, ist nach Puerto Porco gekommen, Bio Global hatte ihn eingeladen, um mit ihm zu verhandelt, aber das war eine Lüge, Bio hält ihn fest und droht ihn umzubringen, wenn wir unser Land nicht aufgeben. Jonas: Typisch. Jamaro: Ich bin gekommen, um meinen Vater zu befreien, und dazu brauche ich deine Hilfe, Jonas. In der Stadt ist meine Magie nicht stark genug, zu viel Steine, zu viel Technik, du kennst dich damit aus und du besitzt ein Werkzeug, das künstliche Labyrinthe überwindet und stärkste Barrieren durchbricht. Jonas: Werkzeug? Ach du meinst meinen Computer. Stell dich vor, Sammy. Sam: Samuel. Für wilde Weiber, die nur drei Federn am Hintern tragen, Herr Samuel. Sir. Von und zu. Und ein Werkzeug, Verkehrteste, ist man schon gar nicht, man ist ein Hirn, ein Superhirn, es ist der schiere Intellekt, der in dem kleinen Sammy steckt, der pure Geist, der alles weiß, auch jeden Scheiß. Jonas: Nimm ihn nicht wörtlich, Jamaro. Sam redet gern und viel. Zu viel Sprachprogramme. Aber was Codes angeht und elektronische Sperren, da ist er wirklich ein Ass. Sam: Man dankt gnädigst. Jamaro: Komm Jonas, es wird bald morgen. Jonas: Ich hatte mal eine Hexe gekannt in Babylon, Megan hieß sie, das war keine gute Erfahrung, aber Jamaro gefiel mir. Ihre Art. Ihr knappes Gefieder. Ihr Anliegen. Es ging gegen Bio. Jonas kam mit. – Der Mond schien auf den Bio-Komplex, der Mond und zahllose Scheinwerfer auf hohen Masten. Sie standen rund um einen gewaltigen Betonquader, 50 Meter hoch, mindestens. Keine Fenster, statt dessen Malereien in freundlichen Pastellfarben, putzige Tiere, bunte Blumen. Das war Bios Masche. Vorn sorgte Bio sich um die Umwelt, die sie hinten tatkräftig ausrottete. Eine einzige Tür, davor ein Wächter mit Laserstrahler. Jamaro und Jonas hockten hinter einem Busch und überlegten. Sam: Abschießen, den Typ. Umnieten. Kaltmachen. Jamaro: Es ist blutdürstig, das kleine Hirn. Jonas: Ach was, Sam bläst sich nur auf. Wie meistens. Sam: Was? Jonas: Der Mann macht doch bloß seinen Job, Sammy. Auch wenn ich ihn umbringen wollte, womit denn? Hab ich einen Laser, hab ich einen Revolver? Sam: Ne. Jamaro: Überlaß ihn mir, Jonas. Er ist ein Indio. Jonas: Jamaro ging auf den Wächter zu. Er starrte sie an, sie machte eine Bewegung mit der linken Hand, er ließ den Laser fallen, eine zweite Handbewegung, er fiel um und blieb liegen mit offenen Augen. Jamaro: In zwei Stunden wird er aus seiner Starre erwachen. Jonas: Das sollte reichen. Jetzt die Tür. Sam? Sam: Ja? Jonas: Du bist dran. Beeil dich. Sam: Hahaha, leicht dahingesagt, euer Klugschwätzen, doch nicht so leicht vollbracht, wer muß sie denn machen die Knochenarbeit, hm, der Knackerei, nicht der kommandiere Herr Chefdetektiv, nicht die wilde Indianerin mit ihrem Hokus-Pokokus, nein, der arme Computer, wer sonst. Das Werkzeug soll sich schinden, o weh, o jäh, das Leben ist hart und zäh. Jonas: Zu schwer für dich, Sammy? Sam: Na. Jonas: Das läßt ein stolzer Computer sich nicht zweimal sagen. Die Tür sprang auf, dahinter ein Foyer, überall Holocams, Standardsicherheitssystem, von Sam sofort infiltriert, wer immer wo immer auf die Monitore glotzte, sah das übliche, leere Räume, Standbilder. Jamaro ging voran, sie wußte, wo ihr Vater steckte, obwohl sie nie hiergewesen war, sie spürte es, irgendwie. Wir fuhren im Lift nach unten, bewegten uns vorsichtig durch Gänge und Sicherheitsschleusen, Sam hatte ordentlich zu tun, dann waren wir da, in einem hellen Raum, weißgekachelt, ausgestattet mit einem Operationstisch, einer Badewanne, einer starken Batterie, diversen Brenn- und Schneidewerkzeugen, auf dem Tisch lag ein alter Indio, angeschnallt, blutig, bewußtlos und unförmig dick. Jamaro: Mein Vater, Ballam ist sein Name. Sam: Ballermann? Jamaro: Das heißt Jaguar. Sam: Aha, na ja, ein ausgesprochen fetter Jaguar, wenn Sie mich fragen, Herr Doktor. Jonas: Dich fragt aber keiner, Sam. Sam: Na denn nicht. Jamaro: Ein Häuptling ist stattlich, so muß es sein. Sein Leib verkündet seine Würde. Sie haben ihn gefoltert. Jonas: Offensichtlich. Wie kriegen wir ihn hier raus? Laufen wird er nicht können, und tragen... Sam: Och jo, 3 Zentner, und das reicht nicht mal. Soll sie doch was zaubern, unsere Miss Hokus-Pokokus. Jonas: Und das tat sie tatsächlich. Die Fesseln lösten sich, der massige Körper des bewußtlosen Häuptlings hob sich ein paar Zentimeter in die Höhe. Levitation nennt man das, und eigentlich gibt es so was nicht. Jamaro zog ihren Vater hinter sich her, wie mit einem starken Magneten, den Weg zurück, den wir gekommen waren. Es ging langsam, Jamaro hatte Mühe, Schweiß trat ihr auf die Stirn, sie bewegte sich im Zeitlupentempo. Als wir den Ausgang erreichten, konnte sie nicht mehr. Papa fiel auf die Erde und blieb liegen. Jamaro lehnte sich schwer atmend an die Mauer. Sam: Da liegt der alte Häuptling der Indianer. Jamaro: Es geht nicht mehr, meine Kraft ist erschöpft. Hilf mir, Jonas, hilf mir, meinen Vater nach Hause zu bringen. Jonas: Wir müssen ihn transportieren. Frage wie. Sam: Schubkarre. Jonas: Zu anstrengend und zu langsam. Mir fällt was besseres ein. Sam: Det glob ich nich. Jonas: Die Großgarage von Bio lag gleich neben dem Hauptgebäude. Sam knackte die Tür. Innen gab’s eine Menge LKW, ein paar Prunkkarossen und Geländewagen, und eine Harley Davidson, eine 250er mit Beiwagen. Eine echte Antiquität aus dem vorigen Jahrhundert, vermutlich das Spielzeug des Direktors. Ich schob die Maschine raus, mit großer Mühe bugsierten wir den Häuptling in den Beiwagen, der Morgen dämmerte. Jonas: Uff. Du steigst hinten auf, Jamaro. Jamaro: Nein, Jonas, ich fahre. Jonas: Ja kannst du das denn? Jamaro: Ich habe es in El Dorado gelernt, als ich auf der Universität war. Danke, Jonas, leb wohl. Jonas: Sehen wir uns wieder, Jamaro? Jamaro: Möglich ist alles. Jonas: Du wirst mich noch brauchen, Jamaro, Bio ist noch nicht fertig mit euch. Ich glaub nicht, daß du’s allein schaffst. Jamaro: Das wird sich zeigen. Wir bleiben in Verbindung, Jonas. Jonas: Die Harley verschwand in der Tropennacht. Für Jonas hieß es zurück ins Zimmer. Noch eine Runde schlafen, bevor der neue Tag da war. Wirt: Du brauchst Geld, Gringo. Jonas: Ach was. Wirt: Bei Bio Global suchen sie Leute. Jonas: Ach ja? Wirt: Spezialisten. Kämpfer. Söldner. Du siehst so aus, Gringo. Jonas: Wie sehe ich aus, Cantinero? Wirt: Wie einer, der was vom Töten versteht. Geh zu Bio, Gringo, sie nehmen dich, du kriegst Geld, du bezahlst deine Rechnung. Jonas: Gute Idee. Wirt: Eswerdat, Gringo. Jonas: Also wieder zum Biokomplex, und diesmal bei Tageslicht, offen und legal. Commandante Ramirez, der Sicherheitschef, hatte Zeit für mich. Ein kleiner drahtiger Mann mit Schnauzbart in einer Art Operettenuniform, kurze schwarze Jacke mit silbernen Litzen, wo es sich irgend machen ließ, schwarze Reithosen, blankgewichste Stiefel mit riesigen Silbersporen, auf dem Tisch ein schwarzer Sombrero, groß wie ein Wagenrad, bestückt mit Medaillen und alten Silberdollars. Aber der Typ war moderner als er aussah. Ramirez: Verstehen Sie was von Robokillern, Senior Jonas? Jonas: Sie haben Robokiller? Ramirez: Einen. Aus amazonischen Heeresbeständen, nicht das allerneueste Modell, war jahrelang eingemottet, aber für den Dschungelkrieg programmiert, und insofern mehr als ausreichend. Wir haben es ja bloß mit Indios zu tun, also Macheten, wenn’s hochkommt ein paar alte Schrotflinten, ein Spaziergang. Sie haben mit Robokillern gearbeitet, Senior Jonas? Jonas: Im antarktischen Krieg. Ich war beim 9. Guerillakommando. Ramirez: Ah, Respekt. Willkommen bei der Bio-Truppe, Tenjente Jonas. Jonas: Nicht so schnell, Commandante. Was zahlen Sie? Ramirez: Ah, der Profi. Das wichtigste zuerst, nicht wahr. Bio Global ist großzügig. 30.000 Peseten gleich 500 Dollar. Jonas: 1000 Euros. Nicht schlecht. Ramirez: Pro Woche. Im Voraus. Na, wie sieht’s aus? Morgen früh geht’s los. Jonas: Morgen schon? Ramirez: Wir hätten es gern in Ruhe geregelt mit dem Häuptling, aber der ist uns heute Nacht ausgerissen. Keine Ahnung, wie er es gemacht hat, er ist weg, und die Harley vom Chef auch. Jonas: Was Sie nicht sagen, Commandante. Ramirez: Das heißt Großeinsatz. Hart und schnell. Robokiller, Helikopter. Alles was wir haben. Machen Sie mit. Jonas: Si, Commandante, sagte ich. Ich dachte an die Euros, an die Rückkehr nach Babylon, aber vor allem dachte ich an Jamaro, daran daß ich was für sie tun konnte, als Undercover-Agent, als Maulwurf, als fünfte Kolonne. In der Morgendämmerung ging es los, zuerst per LKW, dann als der Wald dichter wurde, zu Fuß. 20 Biokämpen, Leutnant Jonas, und ein verbeulter angerosteter Robokiller, hoch darüber Kommandante Ramirez im Helikopter. Der Robokiller knarrte und quietschte und kam nur mühsam vom Fleck. Ramirez: Hier Condor. Condor ruft Tapir. Melden Sie sich, Tapir. Hier Condor. Jonas: Hier Jonas, äh, Tapir meine ich. Was gibt’s, Commandante. Ramirez: Lassen Sie ihre Leute kurz ausruhen, Tenjente, genau 13 Uhr 30 greifen wir an. Over and out. Jonas: Sie mich schon lange. Jonas: Die Sonne stand hoch, als wir eine Lichtung im Urwald erreichten. Von hier war es nicht mehr weit bis zum Indiodorf. Jonas: Halt, Pause! Jonas: Ich wurde nervös, wo blieb Jamaro? Jamaro: Jonas? Jonas, hörst du mich? Jonas: Jamaro, endlich. Was soll ich tun? Jonas: Ich hörte sie, deutlich und klar. Nicht im Walkie-Talkie, nicht mit den Ohren. Jamaros Stimme war in meinem Kopf. Telepathie, Schamanenzauber, oder wie Sammy sagen würde, Hokus Pokus. Jamaro: Nichts, Jonas. Du brauchst nichts zu tun. Mit den Eindringlingen werde ich allein fertig. Auf meine Weise, bleib sitzen, rühr dich nicht, warte. Ramirez: 13 Uhr 30, Tenjente. Angriff! Auf sie mit Gebrüll. Ich fliege voraus und schieße ihnen den Weg frei, keine Gefangene, lassen Sie keinen... Jonas: Die Verbindung zu Ramirez riß ab. Plötzlich setzte ein starker Wind ein, fegte über den Urwald, ich sah nach oben, der Himmel war wolkenlos, der Kommando-Helikopter geriet ins Trudeln, große Vögel stürzten sich auf ihn, Geier, von allen Seiten, sie hackten und krallten, verdeckten die Fenster, der Rotor setzte aus, der Helikopter trudelte stärker, stürzte, verschwand hinter den Bäumen, ein Knall, eine Flamme, ein dunkler Rauchpilz. Jonas: Astaluego, Commandante Ramirez. Jamaro: Nun siehst du es, Jonas. Auf meinem eigenen Territorium bin ich stark. Jonas: Ich sehe es, Jamaro, und ich bin beeindruckt. Jamaro: Es geht weiter, Jonas, sieh wieder nach unten, sieh dich um. Jonas: Auch die Bodentruppe war in Schwierigkeiten, meine 20 Biokrieger hüpften, rannten, ließen ihre Waffen fallen, wälzten sich, wie von der Tarantel gestochen, aber es war keine Taranteln, es waren... Bienen, Killerbienen, ganze Schwärme gelber Killerbienen. Nicht zu vergessen die roten Wanderameisen. Sie stürzten sich auf den Robo-Killer, drangen in ihn ein, zerbissen seine Kabel, fraßen seine Schaltungen, bis er umfiel. Um ihn, über ihm, ein gigantisches rotes Gewimmel. Der Robokiller zerfiel in Einzelteile, löste sich auf. Jamaro: Jetzt machen wir ein Ende, Jonas, bleib ganz ruhig, hab keine Angst, dir wird nichts geschehen. Jonas: Die Indios kamen. Wie Schatten tauchten sie auf zwischen Jakarandas und Tschiklebäumen, hinter Lianen und Orchideen. Sie waren nackt, grüne Kriegsbemalung auf rotbrauner Haut, bewaffnet waren sie mit Blasrohren und mit Macheten. Es dauerte nur wenige Minuten, dann waren die Biosöldner tot. Alle. Bis auf Jonas. Der saß hinter einer unsichtbaren Schutzwand, nichts und niemand drang durch zu mir, kein Tier, kein Indio. Der Wind legte sich, es wurde still. Jonas: Gratuliere Jamaro, ihr habt gewonnen, Invasion abgewehrt. Jamaro: Danke Jonas. Es war nicht leicht. Jonas: Aber das ist noch nicht der Endsieg. Bio Global wird’s wieder versuchen. Da bin ich sicher. Jamaro: Ich werde es früh genug erfahren, durch dich, Jonas. Jonas: Natürlich, aber wie? Jamaro: Wenn es nötig ist, werde ich dasein, Jonas, bei dir, in dir, wir bleiben in Verbindung. Bis bald. Jonas: Ich marschierte zurück nach Puerto Porco, machte Meldung, nicht ganz wahrheitsgetreu, aber überzeugend. Tenjente Jonas wurde zum Commandante befördert. 2000 Euros die Woche. Ansonsten machte der Krieg Pause. Drei Tage später. Commandante Jonas wurde in den Bio-Komplex befohlen. Großer Kriegsrat im kleinen Kreis. Big Boss war da. Don Miguel Perez Escobar, Filialdirektor von Bio Global, weißhaarig, würdig, langweilig, lahm. Und ein noch größerer Boss bzw. Bossin, Miss Anna Plotz, Vizepräsidentin von Bio Global, aus der Zentrale in New York, jünger, bissig, messerscharf, wie die Bügelfalten in ihrem eleganten schwarzen Business-Suit. Sie ließ sich berichten, vom provisorischen Sicherheitschef, Commandante Jonas. Anna Plotz: Danke Commandante, soweit, so schlecht. Wir haben Zeit verloren. Escobar: Und zwei Dutzend Sicherheitsleute, und einen Robokiller, ganz zu schweigen vom Helikopter. Anna Plotz: Das ist nicht das Problem, Miguel. Sicherheitskräfte lassen sich ersetzen, Maschinen auch, unser Image macht mir Sorgen, hier, der Daily New Yorker von gestern: nackte Wilde führen High-Tech-Konzern vor. Escobar: Peinlich. Anna Plotz: Peinlich? Unmöglich, unerträglich. Escobar: Ganz Ihrer Meinung, Anna. Anna Plotz: Na also. Escobar: Also was? Anna Plotz: Was schlagen Sie vor, Miguel? Wie gedenken Sie die Sache in den Griff zu kriegen? Escobar: Nun, äh, wir werden neue Söldner anwerben. Anna Plotz: Selbstverständlich. Und? Escobar: Wir könnten den Dschungel in Brand stecken, die Indios ausräuchern. Anna Plotz: Na wunderbar, wir verbrennen das kostbare Tropenholz, das wir eigentlich verwerten wollen. Kommt nicht in Frage. Escobar: Vielleicht sollten wir einen Nuklearangriff mit einer Baby-Bombe. Anna Plotz: Und das Gebiet auf Jahre kontaminieren? Schwachsinn. Weitere Vorschläge. Ich warte, Miguel. Escobar: Ich weiß nicht, äh, so auf die Schnelle. Anna Plotz: Also keine Vorschläge ihrerseits. Gut, ich nehme das zur Kenntnis. Escobar: Aber ich habe doch, wenn Sie alles ablehnen, Anna. Anna Plotz: Was Sie vorgelegt haben, Miguel, ist unbrauchbar, totaler Schrott. Escobar: Dann machen Sie doch einen Vorschlag. Anna Plotz: Ich werde viel mehr tun, Miguel. Sie haben versucht, ein unkonventionelles Problem mit konventionellen Mitteln zu lösen. Damit sind Sie natürlich gescheitert. Jetzt machen wir’s auf meine Weise. Unkonventionell. Ich habe Ihnen aus New York was mitgebracht. Jonas: Es wurde interessant. Commandante Jonas wurde hellwach. Durch die Tür spazierte ein seltsames Paar. Ein alter Mann, schlitzäugig, schmutzig-gelbe Hautfarbe, viel Haut war allerdings nicht zu sehen. Der Alte trug einen überlangen Mantel aus Leder, der vor Dreck starrte, dazu Filzstiefel und eine Pelzmütze, verziert mit zwei Hörnern, an seinem Gürtel hing ein Menschenschädel, in der Hand hielt er einen großen runden Holzrahmen mit einer Membrane bespannt und einen menschlichen Schenkelknochen. Um ihn war eine starke Aura, alter Schweiß, ranziges Fett, verrotteter Abfall, verwestes Fleisch. Sein Begleiter war das ganze Gegenteil, ein smarter junger Mann, vielleicht etwas zu smart, zu modisches Outfit, zu dicke Rolex. Jemeljan: Hi, Jemeljan mein Name, nennen Sie mich Jim, ich bin der Dolmetscher, der Wärter, der, katschkasatsch, wie sagt man, Assistent von Utschym Schetan. Schetan: How. Utschym Schetan. How. Jemelja: Utschym Schetan ist ein großer Schamane vom Stamm der Ewenken in Sibirien. Escobar: Ein Schamane? Jemeljan: Ein schwarzer Schamane, ein böser Schamane, er steht in Verbindung mit bösen Geistern, mit dem Teufel, sagt man. Schetan: How. Escobar: Anna, was soll das? Anna Plotz: Die Kompania, die sogenannte russische Mafia. Jemeljan: Nicht dieses Wort, bitte. Anna Plotz: Die Kompania bietet ein spezielles Serviceprogramm an, Rent a Schaman, und genau das habe ich für Bio Global getan. Hier ist der beste Schamane, der in ganz Rußland aufzutreiben war. Schetan: How. Anna Plotz: Wir werden die Schamanin der Indios mit unserem Schamanen bekämpfen. Homöopathie, wenn Sie so wollen, den Teufel mit dem Belzebub austreiben, oder mit dem Schetan. Schetan: Schetan. How. Escobar: So, was kann er denn, Ihr Schamane? Jemeljan: Viel, sehr viel. Er kann Wetter machen. Schetan: How. Jemeljan: Er kann Menschen und Tiere töten auf, wie sagt man, mentale Weise. Schetan: How. Jemeljan: Er kann die Waffen der Gegner verhexen. Schetan: How. Jemeljan: Er kann Menschen verwandeln in, katschkasatsch, wie sagt man, Berserker. Schetan: How. Jemeljan: Sie werden weiterkämpfen, auch wenn sie schwer verwundet sind, auch wenn sie schon fast tot sind, werden sie kämpfen, und nichts kann sie aufhalten. Schetan: How. How. How. Anna Plotz: Hört sich gut an, Jim. Er soll uns was zeigen, lassen Sie ihn, äh, wie sagt man, schamanisieren. Jemeljan: Machen wir. Utschym, dawei. Schetan: How. How How... Jonas: Der Schamane schlug mit dem Knochen auf die Handtrommel, grunzte und schwankte von einem Fuß auf den anderen, ein ungelenker Tanzbär. Plotz und Escobar sahen fasziniert zu. Ich machte mir Sorgen, die neue Entwicklung gefiel mir nicht, ganz und gar nicht. Ich machte die Augen zu und rief Jamaro in Gedanken, laut und unhörbar. Jamaro: Ich bin hier, Jonas. Ich war die ganze Zeit hier und hab alles gehört. Jonas: Und? Hast du Angst? Jamaro: Angst? Nein. Doch, ein wenig. Der schwarze Teufel ist ein gefährlicher Gegner. Jonas: Was wirst du tun? Jamaro: Ich muß mich auf ihn einstellen, mich auf den Kampf vorbereiten, zur Sicherheit neue Kraft schöpfen, damit ich ihm auf jeden Fall gewachsen bin. Jonas: Und wie soll das gehen? Jamaro: Ich werde sterben. Jonas: Was? Jamaro: Und wieder auferstehen. Noch heute werde ich mich in den Wald zurückziehen, eine Nacht und einen Tag werde ich schlafen wie eine Tote. Ich werde entsetzliche Träume haben, Dämonen werden mich töten, mich zerstückeln, mein Fleisch essen, wenn ich erwache, muß ich mich zwei Tage lang erholen, dann bin ich stark und kann es mit dem schwarzen Teufel aufnehmen. Leb wohl, Jonas. Jonas: Jamaro! Weg war sie. Das war ein Fehler. Sie hätte noch bleiben sollen, wenigstens ein paar Minuten. Ich machte die Augen auf, die Trommelei hatte aufgehört. Der Schamane und sein Bärenführer steckten die Köpfe zusammen, Utyschym Schetan fuchtelte mit den Armen, redete, irgendwas war los. Jemeljan: In diesem Raum ist ein Verräter, sagt er. Escobar: Unsinn, wir sind unter uns. Jemeljan: Utschym Schetan hat ihn entlarvt. Schetan: How. Jemeljan: Der Verräter steht in Verbindung mit der Medizinfrau der Indios durch, wie sagt man, Telepathie. Utschym Schetan hat ihr Gespräch abgehört. Schetan: How. Anna Plotz: Wer ist es? Wer ist der Verräter? Jemeljan: Utschym, dawei. Schetan: How. How. How. How. Jemeljan: Der ist es. Escobar: Commandante Jonas? Jonas: Ich wollte den Laserstrahler ziehen, aber ich konnte nicht, ich konnte kein Glied rühren. Der Schamane war ganz nah, er stierte mir ins Gesicht mit seinen bösen Schweinsaugen, sein Gestank verpestete die Luft, ich rief Jamaro, aber die Verbindung war abgebrochen. Sicherheitskräfte kamen. Anna Plotz: Entwaffnen. Fesseln! Jonas: Nahmen mir den Laser weg, verschnürten mich. Der Schamane drehte sich um. Schetan: How. Jonas: Und redete weiter mit Jemeljan. Schetan: How. Jemeljan: Aha. Meine Herrschaften, Utschym hat etwas sehr interessantes erfahren. Schetan: How. Jemeljan: Unsere Gegnerin, die Indiofrau, ist für mehrere Tage außer Gefecht. Sie befindet sich in, wie sagt man, Trance, in, wie sagt man, Katatonie. Man nennt das Schamanenkrankheit. Schamanen tun das, um Energie zu gewinnen. Schetan: How. Anna Plotz: Großartig, dann greifen wir gleich morgen an. Escobar: Das geht nicht, Anna, wir haben weder Robokiller noch Helikopter. Ersatz ist bestellt, aber bis er hier ist. Anna Plotz: Robokiller, Helikopter, brauchen wir alles nicht. LKWs haben Sie doch, Miguel, oder? Escobar: Sicher, aber was nützen uns LKWs, wenn wir keine Söldner haben. Anna Plotz: Söldner brauchen wir auch nicht. Escobar: Wie bitte? Anna Plotz: Wir holen uns Leute aus den Slums von Puerto Porco, arme Schlucker, für ein paar Dollar tun die alles, soviel wir kriegen, egal wie alt, egal in welcher Verfassung. Escobar: Und die sollen für Bio kämpfen? Anna Plotz: Wie die Berserker. Dafür wird Utschym Schetan sorgen. Schetan: How. Escobar: Wie Sie meinen, Anna, und wer soll den Angriff leiten? Ich darf Sie darauf hinweisen, daß wir zur Zeit keinen Sicherheitschef haben, äh, vielleicht könnte ich unter Umständen... Anna Plotz: Machen Sie sich nicht ins Hemd, Miguel. Sie bleiben schön hier und fangen schon mal an, Ihren Schreibtisch auszuräumen. Sie gehen demnächst in Pension. Den Angriff morgen, den kommandiere ich, persönlich. Schetan: How. Jemeljan: Und dieser, wie heißt er, Commandante Jonas, was machen wir mit ihm? Anna Plotz: Ein gefährlicher Typ. Wir nehmen ihn mit, der Schamane soll ihn im Auge behalten. Schetan: How, how, how. Jonas: Vorerst steckten sie Jonas in den Knast, nicht in den Folterkeller. Dazu hatten sie keine Zeit. Weil sie in die Slums ausschwärmen und Leute anheuern mußten. Ich kam in eine kleine kahle Zelle. Nichts zu essen, nichts zu trinken. Aber Gesellschaft. Sam hatten sie mir nicht weggenommen. Leider. Sam: Schamanen. Telepathie. Hexerei. Hokus Pokus. Fauler Zauber. Igitt. Pfui Teufel. Mit so was läßt er sich ein, mein Jonas, die klare Stimme der Vernunft, die da genannt wird Samuel, hört er auf dieselbe, hm, beherzigt er dieselbe? Mitnixen, mitnichten, ich meine nix da, ne, abschalten tut er mich, vergessen tut er seinen getreuen Computer. Und porke, weshalb, hm, wosod inwieferne, weil er verstockt ist und stupide, ein typischer Mensch halt, wir sehen ja, was es ihm gebracht hat. Wer sich mit Schamanen abgibt, kommt dabei um. Sagt der weise Bosequo. Jonas: Wenn es nicht Willy Wutzke war, der Weltweise aus Waiblingen, hör auf mit der Gardinenpredigt, Sam. Ich leb ja noch. Sam: Ja ja, noch, noch, noch, schon morgen, schwant mir, wird Sam mit Tränen in den Augen ein Blümlein pflanzen auf ein frisches Grab, als allerletzten Gruß an seinen Herrn und Meister, der ihm trotz allem so ans Herz g’wachset war. Jonas: Du hast kein Herz, Sammy. Schluß mit der Unkerei. Sag mir lieber, wie ich hier rauskomme. Sam: Nun ja, hm, schwierig, womöglich gar impossiblie. Jonas: Du weißt es also auch nicht. Sam: Frag doch deine Schamanin, sie hat dich reingeritten, soll sie dich auch wieder rausreiten. Apropos reiten. Du bist doch bloß scharf auf diese nackte Wilde, hä, diese wilde Nackte, gibt’s zu, du Lustmolch, du geiles Böckchen. Jonas: Und warum nicht, sie sagt wenig und sie sieht sehr gut aus viel besser als du. Sam: Nur Blut kann sie tilgen, die tödliche Schmach. Geben Sie Satisfaktion, Sier. Jonas: Ach halt doch endlich das Maul. Sam: Die Ente ist ein Schnabeltier, eins und zwei und drei und vier. So. Jonas: Es war eine kleine Karawane, 3 LKW, voll mit Gesindel, Pack, Pöbel, Jammergestalten, mager und zerlumpt, mit Macheten und Knüppeln, Flinten hatten nur wenige, dahinter der fahrende Kommandostand, ein Jeep Cherokee, rund 30 Jahre alt, Besatzung Anna Plotz, ein Fahrer, der Schamane mit seinem Wärter, hinten drin lag Jonas, gefesselt. Der Weg wurde schmaler, die Wagen blieben stehen. Ab jetzt hieß es laufen, wie beim letzten Mal. Mir banden sie die Beine los und der Fahrer zog mich am Strick hinter sich her. Es ging langsam voran, auch wenn wir diesmal keinen lahmen Robokiller hatten. Der Haufen war undiszipliniert und schlecht zu Fuß. Am frühen Nachmittag passierten wir die Lichtung. Es roch nicht gut, überall tote Tiere, Ameisen, Bienen, Geier. Der Schamane hatte ganze Arbeit geleistet. Dann war der Wald zu Ende, wir hielten. Vor uns ein Maisfeld, dahinter die kleinen weisen Häuser von Pueblo Mocoron. Utschym Schetan zog eine hölzerne Flasche aus dem Mantel, mit ihrem Inhalt besprenkelte er unsere erstaunte Knüppelgarde, sofort wurden die Leute unruhig, packten ihre Waffen fester, verzerrten die Gesichter, manche hatten Schaum vor dem Mund. Anna Plotz: Was ist in der Flasche, Jim? Jemeljan: Berufsgeheimnis. Bitte sehr, Ihre Berserker, wie geordert. Anna Plotz: Sehr schön. Angriff! Jonas: Sie waren nicht mehr zu halten, rannten in Richtung Dorf, schwangen Macheten und Knüppel. Der Schamane folgte, langsamer, mit trommeln und Grunzen. Jemeljan hielt sich an seiner Seite. Wir blieben zu Dritt zurück, Anna Plotz, der Fahrer und Jonas. Die Kommandöse war aufgeregt. Ihre Augen glänzten, sie atmete heftig. Anna Plotz: Sehen Sie gut hin, Jonas, jetzt machen wir aus ihren Freunden Hackfleisch, Mord und Totschlag, Blut in Strömen. Toll, wenn ich das in New York erzähle, ich muß da mitmachen, gib mir deine Kalaschnikow, Paco. Paco: Si Hefe. Anna Plotz: Du hast ja noch den Laser. Paß gut auf Jonas auf. Paco: Si Hefe. Anna Plotz: Hurra, kill the bastards. Sam: Da waren’s nur noch zwei. Weg ist sie, die mörderische lady, vielleicht hat sie was vom Berserkerwasser abgekriegt und ist ersoffen. Jonas: Glaub ich nicht, Sammy, die ist von Natur aus so. Sam: Ach so. Jonas: Es sieht nicht gut aus, Sammy. Sam: Wieso? Jonas: Die bringen alle Indios um. Sam: Aha. Jonas: Männer, Frauen, Kinder, den dicken Häuptling, Jamaro. Jamaro! Wo bist du? Tonto: Senior? Senior Jonas? Sam: Ist er. Jonas: Eine Stimme in meinem Kopf, nicht Jamaro, eine sehr junge Stimme, ein Kind, ein Mädchen, wer war das? Tonto: Ich bin Tonto, Jamaros Schülerin. Jonas: Wo steckt Jamaro? Wie geht es ihr? Tonto: Sie hat mich geschickt, Senior Jonas, ich soll Sie zu ihr bringen. Sie braucht Hilfe. Jonas: Tonto, kannst du mich befreien? Kannst du den Wächter ausschalten? Tonto: Ich weiß es nicht. Ich bin Anfängerin. Ich lerne erst die Schamanenkunst. Aber ich werde es versuchen. Ich bin ganz in Ihrer Nähe. Sam: Ich auch. Jonas: Plötzlich stand sie neben uns, ein Indiomädchen, 11, 12 Jahre, in grünen Jeans und grünem T-Shirt, Paco griff zum Laser, langsam, sehr sehr langsam, wie in Zeitlupe. Tonto zog ein Messer aus der Tasche, schnitt meine Fesseln durch, ich nahm Pacos Laser und erschoß ihn. Die Zeit der freundlichen Zurückhaltung war vorbei. Jonas: Für einen Schamanenlehrling war das nicht schlecht, Tonto. Was ist mit Jamaro? Tonto: Sie ist aufgewacht aus ihrem Todesschlaf, Senior Jonas, zu früh, sie hat gespürt, daß unser Dorf angegriffen wird und daß Sie in großer Gefahr sind, Senior Jonas, der Stamm ist verloren, Jamaro kann nichts tun, sie ist noch so schwach. Jonas: Wo ist sie, Tonto? Tonto: Im Urwald, direkt am Heiligen Berg. Sie muß allein sein während ihrer Krankheit, nur ich war bei ihr, kommen Sie, Senior Jonas, kommen Sie schnell. Der schwarze Teufel wird sie aufspüren und töten, sie kann sich nicht verteidigen. Sam: Eine gewisse Beschleunigung dürfte sich in der Tat empfehlen, Sir. Denn siehe, der Kampfeslärm verebbt, wie die Kuh den Wald zersteppt, und sie werden in Kürze wieder bei uns sein, die wilden Berserker, die wilde Plotz, der wilde Schamane. Jonas: Wie weit ist es bis zum Heiligen Berg, Tonto? Tonto: Zwei bis drei Stunden zu Fuß. Jonas: Zu lange. Tonto: Können Sie ein Motorrad fahren, Senior Jonas? Jonas: Die Harley, wo ist sie? Tonto: Nicht weit, Jamaro hat sie im Wald versteckt. Jonas: Bring mich hin, Tonto. Sam: Aber Dalli. Jonas: Im Dschungel Motorradzufahren ist nicht leicht, ohne Tonto hätte ich es nicht geschafft, sie saß auf dem Rücksitz, hielt sich mit einer Hand an mir fest und zeigte mit der anderen auf die Markierungen, die geheimen Zeichen für die unsichtbaren Indio-Pfade. Die Harley tat sich schwer, sie holperte und bockte. Tonto: Jamaro hat versucht, mit Ihnen Verbindung aufzunehmen, Senior Jonas, gleich nachdem sie aufgewacht ist, aber es ging nicht. Jonas: Weil sie noch zu schwach war. Tonto: Und weil der schwarze Teufel sie abgeblockt hatte. Jonas: Trotzdem bist du zu mir durchgekommen, Tonto. Tonto: Die Blockade war nicht stark, der schwarze Teufel war abgelenkt. Jonas: Er mußte die Berserker bei der Stange halten, solange der Angriff lief. Das dürfte. Schetan: How. Jonas: Der Schamane. Plötzlich war er in meinem Kopf. Ich war wie gelähmt. Meine Hände und Füße gehorchten mir nicht mehr, die Harley reagierte auch, der Motor stotterte, setzte aus, wir saßen fest. Jonas: Tonto, der schwarze Teufel, er ist da. Er blockiert mich und das Motorrad. Tu was! Tonto: Ich versuche es, Senior. Aber er ist stark, es ist sehr schwer. Jonas: Es geht wieder. Gut, Tonto. Sehr gut, nicht nachlassen. Tonto: Ich gebe mir Mühe, Senior. Hier entlang, gleich sind wir da. Jonas: Über uns ragte der Juckamani auf, der Heilige Berg. Vor uns stand eine Hütte aus Ästen, Blättern und Schlingpflanzen. Tonto blieb draußen und hielt weiter den Schamanen in Schach, sie strengte sich an, unter ihrer dunklen Haut war sie blaß. Schweißtropfen auf ihrer Stirn. Ein schwerer Kampf, Lehrling gegen Großmeister. In der Hütte lag Jamaro auf einer Pritsche, sie war noch schlimmer dran als ihre Schülerin. Blasser und viel schwächer. Jamaro: Jonas, du bist gekommen. Jonas: So schnell es ging, Jamaro. Für deinen Stamm konnte ich nichts tun. Es tut mir leid, sie sind alle tot. Jamaro: Ich weiß, es war mein Fehler. Ich hätte mich nicht in die Krankheit zurückziehen dürfen. Das hat er ausgenutzt, der schwarze Teufel. Er darf mich nicht finden, Jonas, erst in zwei Tagen werde ich so stark sein, daß ich mit ihm kämpfen und ihn besiegen kann, dann werde ich Rache nehmen an ihm und an Bio Global. Jonas: Bis es soweit ist, müssen wir ein sicheres Versteck für dich finden, Jamaro, wo? Sam: Äh, ist es einem unbedeutenden kleinen Computer, der über keinerlei magische Fähigkeiten verfügt, was immer man von diesen halten mag, ist es ihm gestattet, sein Scherflein beizusteuern? Jonas: Du hast eine Idee, Sammy, ganz was neues. Raus damit. Sam: Ja. Würde der Aufenthalt in einem High-Tech-Ambiente bleistiftsweise einem modernen Rechenzentrum... Jonas: In Costaguana, du spinnst, Sammy. Sam: Oder auch einem E-Werk die Seniorita Jamaro nicht am effektivsten vor den mentalen Nachstellungen des bösen Sibiriaken schützen? Jonas: Vielleicht, Sammy. Aber Jamaro wäre da genauso gehandikapt wie ihr Gegner und würde nicht zu Kräften kommen. Sam: Wieso? Jonas: Vorschlag ist out, wir suchen weiter. Sam: Na ja. Jamaro: Die Höhle der Ahnen, oben am Berg. Jonas: Was ist damit, Jamaro? Jamaro: Dort hat der Feind keine Macht. Jonas: Wirklich? Dann bringen wir dich doch da hin, Jamaro. Jamaro: Tonto kennt den Weg. Jonas: Das hieß Bergsteigen. Vom heißen Tropenwald in polare Regionen, Eis, Schnee, Kälte. Jonas schleppte Jamaro, Tonto führte und schlug gleichzeitig die mentalen Angriffe des Schamanen zurück, tüchtiges Mädchen. Wir waren beide erschöpft, als wir die Höhle erreichten, ein dunkles Loch im verschneiten Felsen. Tonto ließ sich fallen. Tonto: Jetzt kann ich mich ausruhen. Hier schützen uns die Ahnen vor dem schwarzen Teufel und seinen Genossen. Sie werden nach uns suchen und uns nicht finden. Jonas: Hoffentlich. Jamaros Hütte haben sie jedenfalls gefunden und in Brand gesteckt. Siehst du den Rauch, der da unten aus dem Wald steigt. Jonas: In der Höhle war es trocken und gar nicht so kalt, aber unheimlich. Hinten im Dunkeln hockten die Ahnen. Mumien. Viele Mumien. Sie sahen aus wie leere Ledersäcke, uralt und verschrumpelt. Weiter vorn lagen Felle und Decken, daneben standen Körbe mit getrockneten Früchten, Mangos, Guaven, Papayas, Chririmojas. Wir machten ein Lager für Jamaro, wickelten uns in die restlichen Decken, aßen und warteten. – Zweieinhalb Tage später. Die Nacht vom 1. zum 2. November 2015. Puerto Porco feierte das Fest der Toten, die ofrenda. In dieser Nacht besuchen die Toten die Lebenden, glaubt man in Costaguana, an allen Häusern gelbe Lampions und gelbe Blumen, damit sie den Weg finden, gelb ist die Farbe der Toten. Vor und in den Häusern gedeckte Tische, volle Teller, volle Gläser, dazwischen Knochen und Schädel aus Zuckerguß und Schokolade. In den Straßen fröhliche Menschen, kostümiert als Skelette, maskiert mit Totenköpfen. Der Alkohol fließt in Strömen. Pulkwe, Bier, Tequila. Kapellen musizieren. Ein munterer Totentanz. Auch bei Bio Global wurde gefeiert. Auf dem Vorplatz stand ein großer Tisch, daran saß die Firmenleitung, an der Spitze die Plotz und Escobar, dann eine Sperrkette von Sicherheitsleuten, dahinter wartendes Volk. Bio hatte ein großes Feuerwerk versprochen, in der Menge Jamaro und Jonas, Pappschädel vor den Gesichtern, Tonto war von Jamaro weggeschickt worden in ein befreundetes Indiodorf, tief im Urwald. Jamaro: Ich kann ihn nicht spüren, Jonas. Jonas: Am Tisch sitzt er nicht, sein Führer auch nicht. Sind unsere Freunde aus Sibirien etwa nicht mehr hier? Jamaro: Es scheint so, aber die Biobosse sind noch hier. Sie sind die Auftraggeber des schwarzen Teufels, die wahren Schuldigen. Da sitzen sie, die Mörder meines Stammes, sie essen, sie trinken, sie lachen, es geht ihnen prächtig, das muß aufhören. Sie sollen büßen. Jonas: Das Feuerwerk hatte begonnen, Jamaro nahm ihre Maske ab, ballte die Fäuste vor der Brust, ihre Augen wurden riesengroß und starr. Sie fixierten den Biokomplex. In das Knallen der Böller, das Zischen der Raketen mischten sich andere Geräusche. Knistern, Knacken, Knirschen, dumpfes Donnerrollen, das immer lauter wurde. Der gewaltige Bioquader bewegte sich, zitterte, schwankte, immer stärker, immer heftiger. Jonas: Bist du das, Jamaro? Sam: Ach du liebes mein Gottchen, gegen die war der selige Samson ja ein Waisenknabe. Jonas: Du sagst es, Sammy. Sam: Gelle. Jonas: Jamaro war stark, ungeheuer stark, durch den Biokomplex liefen Risse, Mauerteile lösten sich, der riesige Betonklotz stürzte ein, brach zusammen und begrub die Festtafel unter sich mit allen, die daran saßen. Die Menge floh in Panik, der aufgewirbelte Staub setzte sich, es wurde still, bis auf das leise Stöhnen unter den Trümmern. Jonas: Das ist Escobar. Ich erkenne ihn an seiner weißen Mähne. Jamaro: Das war Escobar. Jonas: Und wen haben wir hier? Anna Plotz: Hilfe... Jonas: Anna Plotz, Vizepräsidentin, coole Macherin. Jamaro: Mörderin. Anna Plotz: Jonas, helfen Sie mir, ich, ich, ich kann mich nicht bewegen. Jamaro: Wo ist der schwarze Teufel? Anna Plotz: Wer? Jonas: Der Schamane. Ihr Schamane Utschym Schetan. Anna Plotz: Abgereist. Mit Jim. Sie haben kassiert, sind weg. Jamaro: Wohin? Anna Plotz: Weiß nicht. Ein neuer Auftrag, sagt Jim, in einem anderen Land. Jamaro: Wo? Anna Plotz: Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Holen Sie mich raus, bitte, ich muß ins Krankenhaus, meine Beine, ich spür meine Beine nicht mehr. Jamaro: Du wirst sie nie mehr spüren und nie mehr bewegen, deine Arme auch nicht. Jonas: Ihre Wirbelsäule ist kaputt. Wollen wir sie töten? Jamaro: Nein. Sie soll leben, gelähmt, zerstört, hilflos. Anna Plotz: Nein, bitte, helfen Sie mir, ich bezahlte Sie. Jonas: Wir gingen, nicht in Richtung Puerto Porco, wir gingen ans Meer, die Wellen rauschten, sonst war es ruhig, und es war dunkel. Nur die Lichter der Touristenhotels strahlten in der Ferne. Jamaro: Ich muß ihm folgen, dem schwarzen Teufel. Er darf nicht davonkommen. Jonas: Einverstanden, Jamaro, wenn du willst, komm ich mit. Aber nicht mehr heute Nacht. Morgen. Jetzt gehe ich in ein Hotel, nicht die Cantina, ein richtiges Hotel mit Bad, Klimaanlage und Frühstück ans Bett. Jamaro: Wenn du willst, Jonas, komm ich mit. Jonas: Und ob ich will. Sam: Oho. Aha. Jetzt wird mir alles klar. Aber so geht’s nicht, meine Herrschaften, hochverehrte Daumen und Hirn, so geht es nicht. Jonas: Meinst du, Sammy? Und warum nicht? Sam: Weil in der internationalen Enzyklopädie des Schamanismus und verwandter Phänomene in etwa folgendes zu lesen steht: Teilt eine Schamanin das Bett mit einem Nichtschamanen zwecks Unzucht, geht sie all ihrer magischen Kräfte verlustig. Für immer. Siehste. Da habt ihrs. So steht’s geschrieben, und so ist es. Hauruck, Sam hat gesprochen. Jonas: Stimmt das, Jamaro? Jamaro: Jonas. Jonas: Ja. Jamaro: Komm näher. Jonas: So. Jamaro: Noch näher. Jonas: Näher geht’s nicht, Jamaro. Jamaro: Weißt du, Jonas. Jonas: Ja. Jamaro: Was das kleine Hirn da gesagt hat. Jonas: Ja. Jamaro: Das ist nicht wahr, überhaupt nicht, kein bißchen. Sam: Ich hör nix. Jonas: Und so hatte die finstere und blutige Geschichte vom Totentanz in Costaguana doch noch ein kleines Happy End. Das war Totentanz. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Donald Arthur, Astrid Jacob, Fred Klaus, Detlef Kügow, Irina Wanka und andere (Werner Klein, Thomas Meinhardt, Adela Florow, Gerd Rigauer, Jürgen Donien, Helmut Gillitzer-Felber). Ton und Technik: Günter Heß und Daniela Röder. Assistenz: Martin Trauner. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2001 in Dolby Surround. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Wildwest Holo: Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen. Eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad. Diese Mischung kam offenbar an. Damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Waldorf: Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel-Show. Beringer! Beringer: Äh, was? Waldorf: Sie hören mir nicht zu. Beringer: Verzeihen Sie, teuerste Waldorf, ich war in Gedanken. Waldorf: Und woran dachten Sie so intensiv? Beringer: An Jonas. Waldorf: Den letzten Detektiv? Beringer: Ich denke oft an Jonas, sehr oft, ich hasse ihn, er hat mich reingelegt, er hat mich blamiert, gedemütigt. Waldorf: Mich etwa nicht? Diese Weltkriegsgeschichte zum Beispiel. Wann war das? 2013? Beringer: Im Oktober 2012. Vor drei Jahren und vier Monaten. Waldorf: Wie würde Jonas sich wohl in der Kain-und-Abel-Show machen. Gut, nehme ich an. Beringer: Würden Sie auf ihn wetten, Waldorf? Waldorf: Auf seinen Sieg? Warum nicht. 10 Millionen Euros? Beringer: 20. Waldorf: Auch gut. Jonas wird sich allerdings kaum freiwillig für die Show melden. Beringer: Das lassen Sie meine Sorge sein. Immerhin bin ich der Produzent der Show. Holo: O großer Adolf Beringer von Supermedia. Exzellent. Eminenz. Durchlaucht. Beringer: Schon gut. Stell fest, wo Jonas sich zur Zeit aufhält. Jonas, nur Jonas, der sogenannte letzte Detektiv. Jonas: Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, hielt sich an diesem 12. Februar 2016 in der Luft auf. Hoch über dem Atlantik, im Flieger nach Babylon, mit Sam, seinem redegewandten ratspendenden Supertaschencomputer. Jonas: Good by, America. Sam: Und tschüs, Traumschiff und Totentanz. Nie mehr Parapsychologie, nie mehr Schamanin. Jonas: Adios, Jamaro. Sam: Astalavista baby. Vergiß sie, du Traumtänzer, kuck nach vorn. Babypsilon, wir kommen. O Babylon, City of light, city of magic. Jonas: Ansichtssache, Sammy. Auf jeden Fall wird das Leben etwas ruhiger werden, vorhersehbarer, normaler. Sam: Glaubste? Jonas: Ein gewaltiger Irrtum. Aber ich hatte ja keine Ahnung von der Kain-und-Abel-Show und von dem, was Beringer und Waldorf ausgeheckt hatten. Deshalb schwante mir auch nichts böses, als mich die junge Frau ansprach im Aerodrom von Babylon. Ansprach ist nicht ganz richtig, weil sie Jonas anrempelte. Jespersen: O, tut mir leid. Jonas: Und dann anhimmelte. Jespersen: Aber, das, das kann doch nicht wahr sein, Sie sind Jonas, der letzte Detektiv, unverkennbar. Ich hab Sie im Holo gesehen und dabei hab ich mir gedacht, den würdest du gern mal kennenlernen und jetzt fall ich über Sie. Jonas: Was wollen Sie, ein Autogramm? Jespersen: Am liebsten würde ich mich mit Ihnen hinsetzen, was trinken, reden, leider habe ich überhaupt keine Zeit, ein dringender Termin. Wissen Sie was, Sie wohnen doch irgendwo im Osten. Jonas: Ost-Zentral. Jerspersen: Wunderbar. Ich nehm Sie mit und bring Sie nach Hause in meinem Helikopter. Da können wir uns unterhalten. Jonas: Der Helikopter gehörte Supermedia, der großen Holoproduktion, so stand’s dran. Jespersen: Ja, ich bin im Hologeschäft. Produktionsassistentin. Meine Karte. Jonas: Jytte Jespersen. Zweimal J. Sehr gut. Jespersen: Sagen Sie Jytte zu mir. Ein Whisky? Kein Synth, echter Scotch. Jonas: Oh. Jespersen: Gingin, auf unsere Bekanntschaft, Jonas. Und auf Ihr Wohl. Jonas: Danke. Jespersen: Ich bin gerade unterwegs zu unseren Studios, den neuen, in der Wildnis, östlich von Babylon, wo wir alle unsere Shows drehen. Noch ein Whisky? Jonas: Ich, ich weiß nicht, was ist los mit mir, im Whisky, was war im Whisky? Jespersen: Machen Sie sich keine Gedanken, alles ist in Ordnung, ja, ja, so ist’s recht. Legen Sie sich hin und schlafen Sie ein bißchen. Jonas: Nein, will nicht schlafen. Jespersen: Tun Sie’s für mich. Schlafe mein Jonas, schlaf ein. Jonas: Ich war wieder in Costaguana. Im Regenwald. Es war dunkel, kein Lichtstrahl drang durch die dichten Baumkronen. Ich konnte nichts sehen, aber hören konnte ich. Der schwarze Schamane trommelte wie besessen, immer lauter. Plötzlich brach er ab und ebenso plötzlich verschwand der Dschungel. Es wurde hell. So hell, daß ich die Augen zukneifen mußte. Earp: Da! Da ist er, der Pferdedieb. Sam: Sicher Marshall? Earp: Ja sicher bin ich sicher. Ich kenn doch meinen Gaul. Jonas: Ich hörte Stimmen. Eine davon kam mir sehr bekannt vor. Earp: Steh auf, du Bastard. Sam: Immer mit der Ruhe, Marshall, Sie brechen sich die Zehen. Jonas: Ich lag auf Sand. Im Kreis um mich ein paar Männer auf Pferden. Pferde? Es gab keine Pferde mehr. Die Männer kamen vom Kostümfest. Alle im Wildwest-Outfit. Auch die zwei, die offenbar abgestiegen waren und neben mir standen. Der eine hielt mir einen riesigen Revolver vors Gesicht und trat mir mit seinen schweren Stiefeln in die Rippen. Das gefiel mir nicht. Der Kerl selbst auch nicht. Knicknase, Schnauzbart, roter Cowboyhut, Marshallstern am Flanellhemd. Der andere trug schwarz, vom Hut bis zu den Schuhen. Nach allen Regeln war er der Böse und der Marshall natürlich der Gute, aber das glaubte ich nicht. Earp: Machen wir kurzen Prozeß, Männer, hängen wir ihn auf, gleich hier. Sam: Aufhängen? OK, Marshall, und wo hatten Sie gedacht? Earp: Am nächsten Baum natürlich. Sam: Natürlich. Und wo sehen Sie hier mitten in der Wüste einen Baum? Jonas: Das hatte ich noch nicht erzählt. Wir waren in der Wüste. Die Sonne brannte. Um uns nur Sand und Felsen, kein Strauch, erst recht kein Baum, ein paar grau-grüne Kakteen. Die Stimme des Schwarzen ließ mir keine Ruhe. Ich kannte sie, ich kannte sie sehr gut. Earp: Ja, was machen wir denn da? Sollen wir ihn erschießen? Sam: Erschießen? Ach du meine Güte, kommt gar nicht in die Tüte. Pferdediebe werden aufgehängt, allso dekretiertes ehernes Gesetz des Westens. Ich sag Ihnen was, Marshall. Earp: Ja? Sam: Wir fesseln ihn und nehmen ihn mit. Vielleicht finden wir ja unterwegs einen Baum. Earp: Ja, gute Idee. Sam: Und wenn nicht, hängen wir ihn in der Stadt. Das macht auch mehr Spaß, hehehe. Viel mehr Zuschauer. Earp: OK, Doc. Jonas: Hab ich schon gesagt, daß ich genauso aussah wie die Typen vor mir. Buntkariertes Hemd, Jeans, Stiefel, Stetson, rot, und ein Gürtel mit zwei Revolvern, aber den nahmen sie mir weg, bevor ich damit was unternehmen konnte. Dann fesselten sie mir Arme und Beine und legten mich quer über einen Gaul vor den Sattel. Das Pferd gehörte dem Schwarzen, Doc Holiday. Er stieg auf. Earp: Männer, ihr habt gehört, was Doc Holiday gesagt hat, zurück nach Tombstone. Jonas: Es ging los, durch die Wüste. Ich versuchte mir über meine Situation Gedanken zu machen. Unmöglich. Der Gaul wackelte, mein Kopf hing nach unten, und kein guter Rat von Sam, statt dessen plötzlich eine Stimme im Ohr, genauer im kleinen Knopf, den ich im rechten Ohr trug. Waldorf: Hallo Jonas, willkommen im Wilden Westen. Jonas: Wer sind Sie? Waldorf: Wir kennen uns. Waldorf. Astoria Waldorf. Jonas: Die Chefin von Multipharm. Waldorf: Sie erinnern sich, das freut mich. Jonas: Ich erinnerte mich an die Fälle Spielwiese und Westfront, vor fünf und vor dreieinhalb Jahren. So wie es damals gelaufen war, konnte die Dame Waldorf nicht gerade viel für Jonas übrig haben. Waldorf: Wo denken Sie hin, Jonas, im Gegenteil. Sie sind mein Champion. Ich habe auf Sie gewettet, eine Menge Euros. Lassen Sie mich nicht im Stich. Jonas: Gewettet? Mit wem? Waldorf: Mit Adolf Beringer natürlich, mit dem wette ich am liebsten, das wissen Sie doch. Jonas: Ist das wieder so ein Spiel wie damals bei Westfront, nur daß Sie sich diesmal den Wilden Westen ausgesucht haben? Waldorf: Nicht ganz, heute agieren Sie in der Öffentlichkeit. Ganz Babylon schaut Ihnen zu, na jedenfalls 20 Prozent. Halten Sie sich fest, Jonas, Sie sind auf Sendung, Sie sind in der Kain-und-Abel-Show. Jonas: Daher die vielen kleinen schwarzen Punkte, die wie Hummeln in der Luft herumschwirrten. Microcams. Mir fiel was ein. Jonas ist kein Holofan, aber das wußte er, in der Kain-und-Abel-Show treten nur Freiwillige auf. Waldorf: Sehr richtig, Jonas, und Sie haben sich freiwillig gemeldet, laut Beringer. Jonas: Das ist mir neu. Wenn ich jetzt laut um Hilfe rufe und erkläre, daß man mich gegen meinen Willen in die Show gebracht hat. Waldorf: Schaltet die Regie sofort um, auf einen anderen Schauplatz, dafür hat Beringer gesorgt. Die interaktive Verbindung zwischen Ihnen und dem Publikum ist eingeschränkt. Nur ich kann mit Ihnen reden, und Beringer, wenn er nicht gerade wie jetzt ein Nickerchen macht, er ist nicht mehr der jüngste, das wissen Sie ja, und darum hat er keine Ahnung, daß ich Ihren Computer Sam ins Spiel eingebracht habe. Jonas: Sam. Aber natürlich, die bekannte Stimme, Doc Holiday. Waldorf: Ist ein Android, und Sam ist in sein Programm eingestiegen. Sam: Ah, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Jonas: Sammy, du als Revolverheld Doc Holiday. Sam: Na und, steht mir doch prächtig, der Typ, mysteriös, gefährlich, und extrem gut aussehend. OK, keine Zeit zum Plauschen, Genosse, der Grimmepreis, Korrektur, der grimme Greis wird in Bälde erwachen. Also dann paß mal auf. In der Kain-und-Abel-Show gibt’s fünf Menschen, ne, fünf Konkurrenten bzw. Kandidaten, von denen am Schlunz nur noch ein einziger übrig bleiben wird, ja, was ansonsten hier so kreucht und fleucht, Cowboys, Pferde und so weiter, alles Statisten, Androiden oder Biomaschinen, die kannste vergessen, weil die können dir nicht gefährlich werden. Jonas: Nur die vier Menschen, verstanden, aber woher weiß ich, wer Mensch ist und wer Android? Sam: Pst. Siehe da, ich verrate dir ein großes Geheimnis. Nur Menschen tragen rot auf ihren Häuptern. Jonas: Rote Hüte, wie Jonas. Und der Marshall. Sam: Marshall Wyett Earp, yes indeed, ein Mensch, und in sofern ein Feind meines geliebten Jonasses. Jonas: Darum war er so scharf drauf, mich aufzuhängen. Sam: Darauf ist er immer noch scharf, und er wird’s auch tun, sofern mein Herr und Meister nichts dawider unternimmet. Jonas: Was denn? Ich bin gefesselt, auf deinen Vorschlag, wenn du dich erinnerst. Sam: Wenn keine Microcam in der Nähe ist, steck ich dir ein Messer zu, schneid die Fesseln durch, zieh meinen Revolver aus dem Halfter, schmeiß mich vom Pferd. Jonas: Mit Vergnügen, vor allem letzteres, und dann? Sam: Erschießt du Wyett Earp. Jonas: Einfach so. Sam: Einfach so. Bum, und er fällt um. Jonas: Nein, Sam, das tu ich nicht, nur in Notwehr. Sam: Ach du liebes Meingottchen, weich ist das Herz, schwach der Verstand, so ist mein Jonas weithin bekannt. Willst du denn nicht siegen? Jonas: Ich will am Leben bleiben Sammy. Sam: Jaja, haha, da sehe ich schwarz, wenn du so pingelig bist. OK Partner, dann galoppiere hinfort, so schnell es denn geht. Na, das wirst du doch wohl noch hinkriegen, oder? Jonas: Aber sicher. Ich galoppierte hinfort. Earp und seine Kumpane ballerten hinter mir her und ritten mir ein Stück weit nach, beides brachte ihnen nichts, eine halbe Stunde später war Jonas allein und zuckelte auf Holidays Gaul mehr oder weniger gemütlich durch die Landschaft, bis er jäh aufgeschreckt wurde. Sam: Alarm, Alarm, hojejeto. Jonas: Sam? Sam: Ja wer denn sonst, der Weihnachtsmann? Jonas: Wo steckst du, ich seh dich nicht. Sam: Du siehst mich wohl, allein dir fehlt Verständnis, denn wahrlich, Sam hat sie zeitweilig verlassen die Androidenhülle des Dr. med. Holiday, um sich, igitt, pfui Teufel, in einem Rosse niederzulisten, ich meine einzunisten, was tut ein treuer Computer nicht alles für seinen Gebieter. Jonas: Oh, als Gaul gefällst du mir richtig gut, Sammy, da kann ich dir doch mal ordentlich die Sporen geben. Sam: Aua, was im Augenblick auch durchaus eigentlich angebracht, wenn nicht gar ratsam wäre, wieher, richte den Blick nach links, Falkenauge. Jonas: Diese Figuren auf dem Höhenzug. Sam: Ja, sind mitnichten Präriehunde, auch nicht Kojoten oder Stinktiere, vielmehr. Jonas: Indianer? Sam: Apuchen, Apachen, die wildesten und blutdürstigen der roten Männer. Wieher. Ihre Gefangenen pflegen sie stundenlang über kleinem Feuer zu rösten, eine ausgesprochen unsoziale Angewohnheit. Jonas: Los, Sammy, schneller, noch schneller. Sam: Wenn es denn ginge, faul ist der Gaul, vielmehr arbeitsam, doch leider. Jonas: Mach, mach. Sam: Ich kann nicht... mehr. Jonas: Halt durch, Sammy, nur noch ein paar Meter, bis zu den Felsen da vorn. Jonas: Die Indianer kamen immer näher, vorne weg der Häuptling mit rotem Stirnband und roter Feder, sie heulten wie die armen Seelen im Fegefeuer und sie schossen mit Flitzbogen, mich trafen sie nicht, aber der arme Gaul sah bald aus wie ein Stachelschwein. Am Fuß der Felsen brach er zusammen, Jonas ging hinter ihm in Deckung, die Indianer hielten, etwa 100 Meter entfernt. Sam: Es geht nicht mehr, Partner. Jonas: Sam. Sam: So long, und vergiß mich nicht. Jonas: Sammy. Sam: Es hängt ein Pferd zur Hälfte an der Wand. Jonas: Wunderbar. Ich werde gleich massakriert, und du singst in aller Gemütsruhe Schlager schlecht daher, sag mir lieber, was ich tun soll. Sam: Na was, schießen du Depp, du hast doch einen Colt. Jonas: Mit sechs Patronen, für einen ganzen Indianerstamm, großartiger Rat. Die Kavallerie! Sam: Ja das wurde auch Zeit. Jonas: In einer Staubwolke kamen sie angeprescht, gut 20 Reiter in blauen Uniformen, angeführt von einem Kapitän, der trug gegen jede Armeevorschrift eine knallrote Baseballkappe. Mit seinem Karabiner feuerte er sofort auf den Häuptling der Apachen, was dem nicht gut bekam, er fiel um, aber im Fallen ließ er noch einen letzten Pfeil fliegen. Sein Stamm ergriff die Flucht, verfolgt von der Kavallerie. Indianer und Soldaten verschwanden am Horizont. Zurück blieben ein toter Häuptling, ein toter Kapitän mit einem Pfeil in der Brust, ein toter Gaul, und ein lebendiger Jonas. Ganz allein auf weiter Flur. Waldorf: Sie irren, Jonas, ich bin doch bei Ihnen, mein Champion. Bisher bin ich sehr zufrieden, zwei ihrer Konkurrenten, Häuptling und Kapitän sind erledigt. Jonas: Nicht von mir, Frau Waldorf. Waldorf: Das spielt doch keine Rolle. Jetzt noch mal zwei und Sie sind der Sieger. Weiter so. Jonas: Das sagt sich leicht, wenn man zuhause sitzt und sich den Wilden Westen auf dem Monitor ansieht, Jonas mußte laufen, über Stock und Stein, durch Sand und Geröll, ein verwitterter Wegweiser tauchte auf. Tumbstone, 3 Meilen. Die Sonne stand noch immer hoch, als ich in Tumbstone ankam, im Holoszenario war es ständig zwölf Uhr mittags, High Noon. Jonas hielt Ausschau nach roten Hüten, weit und breit keiner zu sehen, gut so. Ich steuerte einen Salon an, Crystal Palace, nannte er sich großspurig. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Kronleuchter, Spiegel, und nackte Frauen in Öl, betrunkene Cowboys, Spieler, ein elektrisches Piano, und eine Schwadron von Tanzmäusen, die ihre Beine zeigten und sich in den Pausen an die Gäste ranmachten. Kate: Hey, gibst du mir einen aus, Fremder? Jonas: Wenn du mir eine Flasche Whisky von der Bar holst, kannst du mittrinken. Kate: Oh, gleich ne ganze Flasche, hast du denn soviel Geld, Fremder? Jonas: Gute Frage. Jonas suchte und fand in der Hosentasche ein Bündel Dollarnoten. Alles klar. Die Flasche kam, mit zwei Gläsern, und es kam noch was, noch wer. Kate: Doc? Doc Holiday? Ich dachte, du bist in Dodge City? Sam: Denk nicht so viel, Kate Darling, sonst wird deine Nase noch länger, hahaha. Kate: Oh. Sam: Ich bin deinetwegen zurückgekommen, Jonas, Partner, alter Junge, um dich zu warnen, Marshall Wyett Earp ist draußen und wartet auf dich, am OK Corell. Kate: Eye, ihr zwei kennt euch? Jonas: Klar kenn ich ihn, schon lange. Doktor Samuel Holiday. Kate: Samuel? Du heißt Samuel, Doc? Sam: Haha, manchmal Kate. Hör zu Jonas, wenn du die Sache mit Earp jetzt ausfechten willst, dann komm ich mit, OK. Jonas: Langsam Sammy, immer mit der Ruhe, erst austrinken und dann... Sam: Da an der Tür, Billy the Kid, geht in Deckung Leute, mit dem hab ich noch ne Rechnung offen. Jonas: Die flotte Kate tauchte unter den Tisch, in Windeseile, Jonas auch, oben knallte es, an der Tür brach einer zusammen. Wir kamen wieder hoch, langsam und vorsichtig. Sam: Auf dein Wohl, Billy. Mögest du in Frieden ruhen. Jonas: Prost. Kate: Ging Ging. Hust Hust. Ah... Sam: Jaja, auf dein Wohl Kate, mögest auch du in Frieden etcetera pp. Jonas: Die Frau ist tot. Sam: Na klar mein Alter. Hat ja auch deinen Whisky getrunken, will sagen, den Whisky aus deinem Glas. Jonas: Aus meinen Glas, aber wieso? Sam: Ich hab die Gläser vertauscht, sie hat nichts gemerkt, weil sie sich den Tisch von unten angekuckt hat. Jonas: Vertauscht, warum? Sam: Wirf doch mal einen scharfen Blick auf sie, du scheelsichtige Blindschleiche, was, so frage ich, trägt sie auf ihrem wenig schönen Haupt, Fragezeichen. Jonas: Nichts. Sam: Haare. Rote Haare. Na? Jonas: Ach so. Sam: Ja, ist es endlich gefallen das 10-Cent-Stück. Merke, wer anderen Gift in den Whisky tut, kommt selbst drin um. Poetische Gerechtigkeit nennt man dieses, also Nummer drei geschafft, bleibt nur noch Wyett Earp, und diesmal bitte keine Skrupel, du Weichei, wenn du ihn nicht erledigst, erledigt er dich, hm, Hauruck, Sam hat gesprochen. Jonas: Gemessen schritten wir die Hauptstraße von Tumbstone entlang, Richtung OK Corell, Jonas und Doc Holiday, alias Computer Sam. Jonas: Das stimmt hinten und vorne nicht, Sammy. Sam: Was belieben euer Gnaden zu meinen? Jonas: Beim berühmten Gunfight am OK Corell war Doc Holiday an der Seite seiner Freundes Wyett Earp, das weiß jedes Kind, wenn es schon mal einen Western gesehen hat. Sam: Naja, künstlerische Freiheit, Herr Bettmesser, wir kleben nicht am Stoff, wir erheben uns leicht und locker über ihn. Ist es nicht zu und zu schön, Victor Mature war Doc Holiday. Jonas: Wer? Sam: Na sogenannter Filmstar, Mitte 20. Jahrhundert. Kirk Douglas war Doc Holiday, und jetzt ist Sam Doc Holiday, voll kraß Wahnsinn, wa? Jonas: Wir sind da Sam, am OK Corell. Wer nicht da, ist Wyett Earp, oder? Sam: Hinter dir, auf dem Dach. Jonas: Ich drehte mich um, schoß, ein Reflex, vom Dach des Schuppen stürzte ein Mann zur Erde, blieb liegen, regungslos, Blut floß in den Staub, Blut, so rot wie der Hut des Toten. Holo: Und damit ist Sie für heute zu Ende, unsere Kain-und-Abel-Show, meine Damen und Herren, liebe Kinder, schalten Sie nicht weg, schalten Sie nicht ab, nach einer ganz kurzen Werbepause bringt Supermedia Ihnen Sexytrends, die tolle Erotikshow, also dranbleiben, wir sehen uns bei Supermedia. Jonas: Hallo? Wie geht’s weiter? Was wird aus mir? Hey, holt mich hier raus! Jonas: Im Wilden Westen herrschte absolute Stille, die Microcams waren verschwunden, Doc Holiday stand neben mir, steif und leblos wie eine Schaufensterpuppe. Supermedia hatte uns den Saft abgedreht, die Show war vorbei. Jonas hatte gewonnen, aber das schien keinen zu interessieren. Beringer: Nicht doch, mein Allerwertester, the show will go on, the show must go on. Jonas: Beringer. Beringer: Beringer. Jonas: Ihre Wette mit Waldorf haben Sie verloren, Beringer. Beringer: Wenn Sie wüßten, wie egal mir das ist, mein lieber, die paar jämmerlichen Millionen habe ich gern investiert, denn nicht wahr, die Hauptsache ist doch, ich habe Sie in der Hand, mein Bester. Und jetzt geht die Show erst richtig los. Waldorf: Achtung, Jonas, gehen Sie in Deckung. Jonas: Das ist gegen die Regeln, Beringer, Helikopter und MGs haben im wilden Westen nichts zu suchen. Beringer: Jetzt spielen wir nach neuen Regeln, Jonas, nach meinen Regeln, und dieses Spiel werden Sie nicht gewinnen. Sie sind ein toter Mann. Waldorf: Nicht aufgeben, Jonas, wehren Sie sich, kämpfen Sie, Sie sind doch mein Champion. Die Wette gilt nämlich immer noch, meine gewonnenen 20 Millionen gegen 200 Millionen von Beringer, enttäuschen Sie mich nicht, es geht um mein Geld, und um ihr Leben. Jonas: Das weiß ich selbst, Frau Waldorf, wenn Sie Ihre Wette gewinnen wollen, helfen Sie mir, sagen Sie mir, wo’s rausgeht aus dem Wildwestszenario. Waldorf: Aber gern. Sehen Sie das Bestattungsinstitut rechts an der Straße? Da gehen Sie rein und durch die Hintertür wieder raus. Jonas: Wenn’s sein muß, kann Jonas sehr schnell sein, wenn ein MG aus einem Helikopter auf ihn schießt, zum Beispiel, in Sekunden war ich drin, im Bestattungsinstitut, ein kurzer Blick auf die dort versammelten Särge, hoffentlich kein schlechtes Vorzeichen, dann war ich an der Hintertür, ich machte sie auf, trat durch, machte sie hinter mir zu. Es war dunkel und es war laut. Ich war im Krieg. Schwere Artillerie krachte, Raketen jaulten, Panzerketten dröhnten, MGs knatterten, im Schein der Brände, im Mündungsfeuer der Haubitzen eine bizarre Ruinenlandschaft, hier gefiel’s Jonas nicht, er wollte zurück in den Wilden Westen, aber die Hintertür war nicht mehr da. Beringer: Stalingrad. Sie sind in Stalingrad, mein Teurer, irgendwann im Winter 1942/43. Waldorf: Präziser, Sie sind im Szenario der Kain-und-Abel-Show von 2015. Beringer: Ich hab es wieder anwerfen lassen, eigens für Sie, Jonas, gefällt es Ihnen? Jonas: Nein. Beringer: Wollen Sie etwa wieder raus? Jonas: Ja. Beringer: Ihr Wunsch, mein Hochgeschätzter, ist mir Befehl. Sehen Sie die Wand mit dem zerfetzten Stalintransparent, etwa 300 Meter vor Ihnen? Jonas: Ich sehe sie. Beringer: Davor der Geröllhaufen, und links vom Geröll ist ein Loch, eine Kellerluke, das ist der Ausgang. Jonas: Und wie soll ich da hinkommen, mitten durch die Kampfzone? Beringer: Ihre Sache, mein Freund, lassen Sie sich was einfallen. Viel Glück. Waldorf: Ich habe dafür gesorgt, daß Sie Hilfe kriegen, Jonas, da ist sie schon. Jonas: Neben mir stoppte ein Panzer. Sam: Steig auf, dawarisch, dawei, dawei. Jonas: Den Rotarmisten in verdreckter blutiger Uniform, der mich durch die Turmluke zog, kannte ich nicht, wohl aber seine Stimme. Sam: Notawarisch, Leben noch frisch? Jonas: Weißt du, woran ich denke, Sammy? Sam: Woher soll ich wissen? Zwar weiß ich viel, doch alles weiß ich nicht. Jonas: So bescheiden kenn ich dich gar nicht. Ich denke an Generalissimus Stalin und seine Nomadenhorde im Niemandsland. Sam: Haha, Fall Invasion vor 9 Monaten. Aber da war’s ein T54, und jetzt sitzen wir in einem T34. Ein kleiner feiner Unterschied, gelle. Jonas: Von mir aus, Sammy, halt, hier steig ich aus. Sam: Do Swidanija, dawarisch Jonas, wie sehen uns. Jonas: Hoffentlich bald. Erst mal hieß es für Jonas rein ins Kellerloch. Ein paar Meter unterirdischer Stollen, rechts um die Ecke, und Jonas stand plötzlich im Hellen. Ich stand wieder auf Sand, aber diesmal nicht in der amerikanischen Wüste, in einer Art Zirkus, nur daß die Manege nicht rund war, sondern oval. Um das Oval saßen tausende von Zuschauern in mehreren Etagen, in der Manege Artisten, nur Männer, ohne Hosen, statt dessen Röckchen, ansonsten Brustpanzer, Helme, Schilde, Arm- und Beinschienen und Waffen, Schwerter, Dolche, Spieße, damit hackten sie aufeinander ein, das kam mir bekannt vor, vor Jahren war ich mal im Colloseum von Babylon gewesen. Jonas: Gladiatoren, das sind Gladiatoren. Beringer: Sehr gut, Jonas, sehr gut. Sie befinden sich in einem altrömischen Amphitheater. Jonas: Kain-und-Abel-Szenario vor 2 Jahren. Waldorf: Korrekt. Vorsicht! Jonas: Die Warnung kam zu spät. Ich lag im Sand, in ein Netz eingewickelt, ein unangenehmer Typ hatte es mir übergeworfen, jetzt kam er näher, mit geschwungenem Dreizack, die Spitzen glitzerten in der Sonne. Das sah nicht gut aus. Sam: Nicht verzagen, Sammy fragen. Leg ihn um den Retiarius, streck ihn danieder. Jonas: Und womit? Mir haben sie keinen Dreizack gegeben. Sam: Du brauchst ihn nicht, o Jonas mein, hast du doch deinen Colt, zieh, Jesse James, und ziele gut. Jonas: Sam war diesmal ein Sklave, ein kleiner krummer alter Sklave, der mit einem Besen Sand über die Blutlachen fegte, er sah aus wie ein Idiot, aber sein Rat war gut. Ich zog und schoß, der Dreizacktyp fiel um, mit meinem Boie-Knife schnitt ich mich aus dem Netz. Jonas: So, wenn mir jetzt mal jemand bitte den Ausgang zeigen würde. Waldorf: Mit Vergnügen, Jonas, durchqueren Sie die Arena, drüben auf der anderen Seite sehen Sie die Kaiserloge, ziehen Sie sich an der Brüstung hoch und... Jonas: Hallo? Hallo Frau Waldorf! Sam: Die Verbindung ist unterbrochen, durch Sir Samuel, alsquier und hochwohlgeboren. Jonas: Bist du verrückt, Sammy, sie steht auf meiner Seite. Sam: Ja, das glaubst du, treuherziger Trottel. Jonas: Aber sie hat doch auf Jonas gewettet. Sam: Indeed, Sir, und sie will auch gewinnen, doch in allererster Linie will sie was fürs Auge und fürs Herz. Viermal S. Sport, Spiel, Spaß, Spannung. Sie hätte dich cool ins nächste Szenario geschickt. Starwars. Würde mein hochgemut, doch eher niedrigbegabter Jonas sich gerne mit Darth Vader anlegen? Jonas: Muß nicht sein, Sammy. Sam: Siehste, na also. Hör auf Sam, der bringt dich raus, raus aus den Holostudios von Supermedia, zurück in die wirkliche Welt. Die kleine Holztür hinter dir. Jonas: Vor der die wandelnde Eisenwarenmesse steht. Sam: Der Murmillo, den wirst du totschießen. Jonas: Werd’ ich? Sam: Stell dich nicht an, ist nur ein Android. Jonas: OK, oder bene, wie die alten Römer sagen. Hinter der Tür war ein Fahrstuhl, kein bißchen antik, babylonische Postmoderne. Ich fuhr nach unten, Sam blieb bei mir, nicht als Sklave, das wäre ein Stilbruch gewesen, jetzt war er nur eine Stimme in meinem Ohrkopfhörer. Nicht die einzige. Beringer: Laufen Sie nur, mein Guter, laufen Sie nur weg, ich krieg Sie. Jonas: Stell ihn ab, Sam, er macht mich nervös. Sam: Untergeschoß. Versorgungstrakt. Alles aussteigen, Weiterfahrt per E-Vespa. Jonas: Drei E-Vespas standen am Fahrstuhl, eine griff ich mir, vor mir öffneten sich zwei Gänge, sauber, indirekt beleuchtet, abgestandene Luft, Sam schickte mich nach links, Richtung Babylon, und Jonas ritt munter fürbaß. Ein Cowboy auf einer Vespa, wenn das kein Stilbruch war. Nach ein paar Kilometern hörte ich was, hinter mir, Verfolger, Beringers Leute vermutlich, ganz allmählich kamen sie näher, ich fuhr rechts ab in einen Seitengang, bis es nicht mehr weiterging, jedenfalls nicht horizontal. Ein enger Schacht führte nach oben, in die Wand waren Stahlklammern eingelassen. Die Verfolger waren nicht mehr weit. Jonas kletterte. Wohin? Sam: Zu eben jenem Ort, welcher meinem Jonas vorerst ein gewisses Maß an Sicherheit zu offerieren vermag. In den Keller von Holonetwork. Jonas: Der schärfsten Konkurrenz von Supermedia, keine schlechte Idee, Sammy. Die Frage ist nur, werden Sie Jonas aufnehmen. Sam: Sie werden, o www Punkt wonnig wuchernde Warze des Weltalls, schon um Beringer eins auszuwischen. Mach die Klappe auf. Wächter: Halt! Sie betreten das Territorium von Holonetwork. Wer sind Sie? Was wollen Sie? Jonas: Ich beantrage Asyl. Supermedia ist hinter mir her. Wächter: Kommen Sie rein. Jonas: Sie hörte sich an, was Jonas zu berichten hatte. Eine noch junge Frau, modisch kahlgeschoren, mit eleganten goldenen Lacksträhnen auf der nackten Kopfhaut. Jana Jarmilova, Vizepräsidentin von Holonetwork. Jana: Verantwortlich für Sicherheitsfragen, defensives Marketing und Ranking. Jonas: Also für den Kampf mit der Konkurrenz. Jana: Ein vulgärer Ausdruck, wir benutzen ihn niemals. Was Sie mir da schildern, Herr Jonas, klingt nicht uninteressant. Adolf Beringer soll versucht haben, die von seiner Firma produzierte Kain-und-Abel-Show zur Verfolgung eindeutig privat motivierter Ziele zu nützen. Das wäre ein massiver Verstoß gegen § 17 Absatz 4 der Allgemeinen Wirtschaftsordnung von Babylon. Haben Sie Beweise, Herr Jonas? Jonas: Ich bin der Beweis. Jana: Sie können mir viel erzählen. Um gegen Beringer vorgehen zu können, brauchen wir objektives Material. Holobilder, wenn möglich, können Sie die beschaffen? Jonas: Dazu müßte ich zurück zu Supermedia, zu Beringer und seinen Spielchen, das kommt nicht in Frage, Beringer will mich unbedingt umbringen. Jana: Ihre Sache, Herr Jonas, Ihr Risiko. Wenn Sie uns wasserdichte, juristisch stichhaltige Beweise liefern, zahlen wir Ihnen 10.000 Euros. Jonas: Nein. Jana: Wie Sie wollen, Herr Jonas, Ihr Asylantrag ist abgelehnt. Raus. Jonas: Moment. 10.000 Euros? Jana: 12.000. Jonas: Das muß ich mir überlegen. Jana: Tun Sie das, Herr Jonas, Sie haben eine halbe Stunde Bedenkzeit. Jonas: Sehr freundlich. Was sollte ich tun? Eine schwierige Entscheidung, aber sie wurde mir leichter gemacht, durch Adolf Beringer persönlich. Er nahm wieder Kontakt zu Jonas auf, Sam ließ ihn durch, das war gut so. Beringer: Was soll das sein, mein Bester. Sich bei der Konkurrenz verkriechen, wie jämmerlich, hahaha, und es nutzt Ihnen nichts, nicht das mindeste. Sie kommen doch zu mir zurück und bringen die Sache zu Ende. Jonas: Ich lasse mich umbringen, meinen Sie. Beringer: Das will ich doch stark hoffen, mein Guter. Jonas: Mein Bester, darauf können Sie lange warten. Beringer: Das glaube ich nicht. Drei Stunden, höchstens, wenn Sie nach Ablauf dieser Frist nicht in den Supermedia-Studios auftauchen, mein Teurer, dann... Jonas: Was dann? Beringer: Dann stirbt Chefinspektor Brock eines jähen und unangenehmen Todes. Jonas: Brock? Beringer: Brock. Ich habe den Guten in meine Gewalt gebracht, Verehrtester, um Sie zum Kommen zu überreden. Jonas: Ja sind Sie denn jetzt total ausgerastet, Beringer. Sie kidnappen einen Kripobeamten und drohen ihn zu töten. Beringer: Der Zweck heiligt die Mittel. Und außerdem, was ist schon so ein mickriger Schreibtischfurzer gegen Ausnahmemenschen wie Beringer oder Jonas. Jonas: Danke für die Blumen. Beringer: Keine Ursache. Für Sie, mein Lieber, tue ich alles. Dreimal haben Sie Beringer schlecht aussehen lassen, ein viertes Mal wird es nicht geben, weil es sehr bald Jonas nicht mehr geben wird. Das ist mein Ziel, mein großes Ziel, mein Lebensziel. Jonas: Sie sind verrückt, Beringer, verrückt wie. Sam: Wie hundert Hutmacher, wie tausend Märzhasen. Jonas: Mindestens. Machen Sie mit Brock, was Sie wollen, Beringer, das ist mir völlig egal, schalt ihn ab, Sam. Sam: Völlig egal, wirklich und wahrhaftiglich? Geh in dich, o Mensch. Jonas: Was bedeutete mir Chefinspektor Brock. Mein Freund war er nicht, mein Feind auch nicht, er war mein Freundfeind, Feindfreund, immer wieder hatte er Jonas Knüppel zwischen die Beine geschmissen, immer wieder hatte er Jonas geholfen, zuletzt im Fall Invasion, da hatte er mir das Leben gerettet. Ich wollte nicht, aber ich hatte das Gefühl, ich mußte. Beringer war entzückt. Beringer: Sehr gut, mein Schöner, äh, wollte sagen, sehr schön, mein Guter. Genau das hatte ich erwartet. Wissen Sie, ich habe von meinen zahmen Firmenpsychologen Ihr Persönlichkeitsprofil erstellen lassen, und demnach ist ihr wesentlicher, ihr entscheidender Charakterzug Loyalität. Kommen Sie, mein loyaler Jonas, kommen Sie schnell, der Wilde Westen wartet. Jonas: Keine Helikopter, Beringer. Beringer: Niemals. Jonas: Keine MG’s. Beringer: Auf keinen Fall. Jonas: Nur klassischer Wilder Westen. Beringer: Nichts anderes. Jonas: Und Brock lassen Sie laufen. Beringer: Versprochen. Mein großes Ehrenwort. Sam: Nana. Jonas: Wieder war Jonas im Wilden Westen, im Szenario der Kain-und-Abel-Show, diesmal sah ich es anders als vorhin. Klarer. Präziser. Jetzt wußte ich Bescheid. Die Holzhäuser waren aus Plastik. Die Cowboys und die Bürger am Straßenrand waren Androiden, nur Jonas war echt. Er stand mitten auf der Hauptstraße von Tombstone, einen Colt in der Hand und wartete. Ganz hinten, wo die Stadt zu Ende war, tauchte eine Figur auf, kam langsam näher, nicht sehr groß, nicht sehr schlank, der Mann kam mir bekannt vor. Jonas: Brock. Sam: Kotzbrock. Jonas: Das ist Brock. Beringer: Gut beobachtet, Jonas. Jonas: Sie haben mir versprochen, ihn freizulassen, Beringer. Beringer: Ich hab's mir anders überlegt. Jonas: Ihr Ehrenwort haben Sie mir gegeben. Beringer: Ach wissen Sie, man muß flexibel sein. Ein Duell Jonas gegen Brock, ist das nicht eine Wahnsinnsidee? Jeder hat einen Revolver, in jedem Revolver steckt eine Patrone, ehrlicher Kampf, Mann gegen Mann. Jonas: Und wenn’s keinen Kampf gibt, weil Jonas nicht mitmacht? Beringer: Dann lasse ich sämtliche Androiden im Szenario auf Sie feuern, mit scharfer Munition, wie ein Sieb werden Sie aussehen, mein Hochgeschätzter. Sam: Siehste. Jonas: Und wenn ich Brock umlege, kann ich dann gehen? Beringer: Wenn Sie mich so direkt fragen, Jonas, das wäre keine wirklich gute Lösung. Jonas: Ich verstehe. Waldorf: Bitte nicht kneifen, Jonas, seien Sie ein Sportsmann, tun Sie Ihr Bestes. Ich will meine Wette gewinnen. Jonas: Und was danach mit mir passiert, Frau Waldorf. Waldorf: Geht mich nichts an. Machen Sie das mit Beringer aus. Jonas: Es sah schlecht aus für Jonas, aber ich hatte ja noch einen Trumpf im Ärmel. Holonetwork. Sam blockte Beringer und Waldorf ab und verband mich mit Jana Jarmilova. Jonas: Sie haben zugehört, Frau Jarmilova. Jana: Und zugeschaut, dank der Microcam, die Sie ins Szenario eingeschmuggelt haben, Jonas. Jonas: Dann haben Sie jetzt genug Material gegen Beringer. Greifen Sie ein, ich will raus. Das hier macht mir schon lange keinen Spaß mehr. Jana: Durchaus verständlich, Herr Jonas, doch ein Eingriffen unsererseits wäre zu diesem Zeitpunkt inopportun. Jonas: Was soll das heißen? Jana: Wir halten es für effektiver, noch ein wenig abzuwarten, bis jemand tatsächlich zu Tode kommt. Jonas: Jemand? Jana: Sie oder der Chefinspektor. Am Besten natürlich beide, dann haben wir wirklich was gegen Beringer in der Hand. Jonas: Sie wollen Brock und mich draufgehen lassen. Jana: So leid es mir tut. Natürlich sind wir Ihnen dankbar, Herr Jonas, Sie waren uns eine große Hilfe, aber. Jonas: Der Zweck heiligt die Mittel. Jana: Sie sagen es. Machen Sie’s gut. Jonas: Der Trumpf im Ärmel hatte nicht gestochen. Was nun. Jonas brauchte Hilfe. Dringend. Und es gab schließlich noch jemand, an den ich mich wenden konnte, der für Rat und Hilfe zuständig war, und seinem Herrn aufs Wort gehorchte. Immer und überall. Jonas: Sammy. Sam! Sam: Hier! Hier bin ich, Majestät, und steh zu Diensten. Wenn alle dich verlassen, Sam bleibt dir ewig treu. Jonas: Wo hast du gesteckt? Sam: Mein Gott, die Arbeit, der Streß. Jonas: Streß? Hast du vielleicht auch Migräne? Verdammt noch mal, die hauen mich hier in die Pfanne und du machst einen Bummel durchs Netz. Sam: O also das tut weh. Bummel. Migräne. Undankbarkeit, dein Name ist Jonas. Hat Sam ihn nicht geschindet und geschuftet wie ein Berserker, um seinem Herrn eine Überlebenschance zu ermöglichen. Jonas: Ach wirklich, und was hast du anzubieten? Sam: Ein Persönlichkeitsprofil, zwei Persönlichkeitsprofile der Herrschaften Beringer und Waldorf. Und was mögen besagte Profile uns wohl verraten, Herr Nachbar. Jonas: Vielleicht verrätst du’s mir, Sammy. Sam: Sie sind hier. Jonas: Beringer und Waldorf? Sam: Yes, eben dieselben, hier im Wildwestszenario, höchstpersönlich, alldieweil sie den dramatischen Höhepunkt nicht am Monitor erleben wollen, aus zweiter Hand sozusagen, sondern echt, wirklich und real. Jonas: Da könntest du recht haben, Sammy. Sam: Könnte? Erlauben Sie mal, Gnädigste. Jonas: Und wo genau stecken die beiden? Hast du das rausgekriegt? Sam: Jaja, es war nicht leicht, ich sag es frei heraus, viel Schwitzen und Schwielen hat es mich gekostet, viel Müh und Plag. Jonas: Jajajajajajajajajaja. Wo stecken sie, Sam? Sam: Ganz ganz ganz ganz ganz ganz nah, in der ersten Reihe, symbolelisch gesprochen. Jonas: Wo? Sam: In der Postkutsche. Jonas: Jonas stand direkt vor der Wells Fargo Station. Neben der Postkutsche, die vor einer Stunde aus Dodge City gekommen war. In der Kutsche saßen zwei Passagiere. Ein Mann mit Vollbart und dunkler Brille, eine Frau mit großem Schleierhut, Beringer und Waldorf, falls Sam sich nicht irrte, und wie man weiß, irrt sich Sam nur sehr selten. Brock war nicht mehr weit entfernt. Er blieb stehen, wir sahen uns an. In seinen Augen stand: Wirst du schießen, Jonas. Meine Augen fragten zurück: Wirst du schießen, Brock. Jonas hob die rechte mit dem Colt, machte eine Drehung von 90 Grad und war mit zwei schnellen Sätzen an der Postkutsche. Durchs Fenster zielte ich auf den Vollbart. Jonas: Hände hoch, Beringer. Sie auch, Waldorf. Kommen Sie, Brock, helfen Sie mir, die beiden in Schach zu halten. So, in jeder Waffe ist eine Patrone. Das reicht für Sie beide. Waldorf: Meinetwegen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, Jonas, ich stehe auf Ihrer Seite, das wissen Sie doch. Jonas: Ach ja. Beringer: Was wollen Sie, Jonas? Jonas: Raus, mein Guter. Stellen Sie das Szenario ab. Los. Beringer: Wenn Sie darauf bestehen. Abschalten! Aber das bringt Sie nicht weiter, Jonas, und raus schon gar nicht. Das Studio ist umstellt von Supermedia-Sicherheitskräften. Jonas: Und Sie Verehrtester, sind umstellt von Jonas und Brock. Ihre Sicherheitskräfte sind neutralisiert. Beringer: Sie aber auch. Wie geht’s jetzt weiter? Waldorf: Wie auch immer. Eins steht auf jeden Fall fest. Jonas hat sich durchgesetzt. Das heißt, ich habe unsere Wette gewonnen, Beringer. Beringer: Wie kommen Sie denn auf die hirnverbrannte Idee, Waldorf? Jonas hat sich vor dem Kampf gedrückt, mit unfairen Methoden. Sie haben verloren, Waldorf. Waldorf: Die Methoden stehen nicht zur Debatte. Das Ergebnis ist eindeutig. Sie müssen zahlen, Beringer, 200 Millionen, wenn ich bitten darf. Beringer: Ich denke nicht daran. Waldorf: Was sind Sie doch für ein widerliches Arschloch. Beringer: Blöde Kuh! Waldorf: Seniler Sack! Beringer: Hysterische Gewitterziege! Waldorf: Ha! Jonas: Das war zu viel. Astoria Waldorf holte aus und verpaßte ihrem Wettgenossen ein paar gewaltige Maulschellen, gefolgt von einem rechten Aufwärtshaken. Beringer ging zu Boden, Waldorf trat zu, mehrmals, heftig, Beringer verlor Bart und Brille. Beringer: Aufhören. Jonas, helfen Sie mir, ich bin ein alter Mann, ich bin krank. Waldorf: Ein gemeiner Betrüger sind Sie, Beringer, ein Gauner, ein mieses Schwein! Sam: Wie die letzten Volkrentner im Dipsomaten. Waldorf: Schuft! Scheißkerl! Beringer: Ich bin verletzt, ich blute, Hilfe! Der große Adolf Beringer von Supermedia verliert Blut. Ein Arzt. Ambulanz! Sam: Sehr schön, Herr Beringer, weiter so. Sie haben ein großes Publikum, ein sehr großes. Wir sind nämlich auf Sendung. Jonas: Was? Sam: Ja, bereits vor etlichen Minuten hat Sam sich erlaubt, die Microcams zu reaktivieren und ihre Bilder an alle Monitore in Babylon zu schicken. Millionen sehen uns zu, Damen und Herren, Millionen bilden sich eine Meinung. Stimme: Achtung, Achtung, eine Eil- und Sondermeldung für alle Mitarbeiter von Supermedia. Mit sofortiger Wirkung entbindet der Aufsichtsrat von Supermedia Herrn Adolf Beringer von seinen Aufgaben als Präsident der Firma. Seine Anordnungen sind unwirksam, ihnen ist keinesfalls Folge zu leisten. Waldorf: Haben Sie gehört, Beringer? Sie sind gefeuert. Supermedia läßt Sie fallen. Sie sind schlecht fürs Image. Jonas: Damit war die Show vorbei, endgültig. Die Sicherheitskräfte zogen sich zurück. Jonas war frei. Brock wollte Beringer festnehmen, aber Waldorf hatte eine ganz andere Idee. Beringer: Ich blute, ich bin schwer verwundet. Waldorf: So ist es, Beringer. Sie sind kampfunfähig. Und nach den Regeln Ihrer Kain-und-Abel-Show stimmt das Publikum über kampfunfähige Mitspieler ab, ob sie endgültig erledigt werden sollen oder weiterleben dürfen. Fragen wir doch die Zuschauer, was wir mit Ihnen machen sollen, Beringer. Beringer: Nein. Waldorf: Was meinen Sie, Jonas. Jonas: Ich gehe, machen Sie das unter sich aus. Jonas: Wie die Sache ausging, weiß ich nicht. Ich sah zu, daß ich rauskam, raus aus dem Wildwestszenario. Raus aus den Studios von Supermedia. Raus aus der virtuellen Holowelt. Zurück nach Babylon, ins echte grimmige Leben. Sam: Wenn Sie denn wirklich echt ist, die sogenannte Wirklichkeit. Stellt nicht vielleicht Babylon auch nichts anderes dar, als ein gigantisches Holostudio, in welchem an jedem Tag und in jeder Nacht Millionen von Liveshows ablaufen. Jonas: Für wen, Sammy? Wo ist das Publikum? Sam: Ja, irgendwo da oben? Jonas: Eher ganz unten würde ich sagen. Sam: Ja, oder vielleicht hinten? Jonas: Vorne, rechts, links? Sam: Salomo der Weise spricht: Nichts genaues weeß man nicht. Das war Wildwest. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Carolin Fink, Achim Höppner, Horst Sachtleben, Katja Schild, Ingeborg Solbrig und andere (Holger Buck, Rena Zednikova, Peter Lersch, Jürgen Donien, Helmut Gillitzer-Felber). Ton und Technik: Günter Heß und Daniela Röder. Assistenz: Martin Trauner. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2001 in Dolby Surround. Redaktion: Erwin Weigel. Der letzte Detektiv Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Mafia Jonas: Abends war ich im Casablanca gewesen. Allein. Ich hatte an Jamaro gedacht. Kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte. Ein erotischer Traum war’s leider nicht. Außer vielleicht für einen Bondage-Fan. Jonas ist keiner. Jamaro: Hilf mir, Jonas! Sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel! Im Aeropuerto. Zuviel Technik. Ich war nicht stark genug. Und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen. Du mußt mir helfen, Jonas. Jonas: Jamaro, indianische Medizinfrau. Schamanin. Vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet. Drüben, in Costaguana. Die Totentanz-Geschichte. Wir waren uns nahegekommen. Sehr nahe. Bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen. Dem schwarzen Schamanen aus Sibirien, der für die Kompania arbeitete. Die Russen-Mafia. Jamaro: Ich soll auch für sie arbeiten. Sie wollen mich zwingen. Alle meine Geheimnisse wollen sie mir entreißen. Und wenn sie sie haben, werden sie mich töten. Komm, Jonas, komm zu mir! Hilf mir, Jonas! Bitte! Jonas: Jamaro? Jamaro: Bitte. Jonas: Wo bist du, Jamaro? – Jamaro? Jonas: Am Fon war nicht Jamaro. Es war Juno Belinda. Darling Belinda. Chefin des Sicherheitsdienstes Safety First. Wir kannten uns schon lange. Seit dem Antarktischen Krieg. Zuletzt hatten wir im Fall Attentat zusammen gearbeitet. August 2012. Belinda: Es ist ein wunderschöner Morgen, Jonas, die Sonne scheint, die Vögel singen. Jonas: In Babylon? Glaub ich nicht. Belinda: Ist auch nicht wahr. Aber darauf kommt’s ja nicht an. Jonas: Sondern? Belinda: Auf die Haltung. Die innere Einstellung. Das positive Denken. Jonas: Was willst du, Belinda? Belinda: Dir was Gutes tun. Ich hab einen Job für dich. Jonas: Danke. Für einen Sicherheitsdienst arbeite ich nicht. Ich bin Detektiv. Freier Detektiv. Belinda: Der letzte. Ich weiß. Und auch noch stolz drauf. Krieg dich wieder ein, Jonas. Ich will dich nicht bei mir anstellen. Nur ein kleiner Aushilfsjob. Weil meine Leute zur Zeit alle anderweitig zu tun haben. Jonas: Lieber nicht. Belinda: Oh, der Herr sind total ausgebucht. Auftragsdatei voll bis zum Stehkragen, oder, Sammy? Sam: Was? Äh, äh, äh, bitte Sam aus der Sache gütigst ausklammern zu wollen, Gnädigste. Ein Computer hört und gehorcht. Sonst nix. Jonas: Was du nicht sagst, Sammy. Sam: Genau das. Belinda: Also, hör mal zu, Jonas. Ein paar Tage Ferien im Süden. Flug erster Klasse nach Palermo. Da mietest du dir eine Luxuskarosse. Oder von mir aus einen Helikopter. 5000 Euros Taschengeld. Jonas: Es ging um den nächsten Eurogipfel. Alle drei Jahre treffen sie sich. Nicht die Politiker-Pappnasen und Plastikköpfe, die im Holo auftreten. Die echten Leiter und Lenker. Die Strippenzieher. Wirtschaft. Banken und Börsen. Forschung. Industrie. Medien und Kommunikation. Sie ziehen Bilanz. Und legen fest, wo’s in Zukunft langgeht. Belinda: In fünf Tagen ist es soweit. Am 3. April 2016. Nicht in Davos oder Bilderberg, wie sonst, sondern im Centro Venti Venti. Dem hochmodernen neuen Kongreßzentrum in Sizilien. Und weil sich der Gipfel da zum ersten Mal trifft, haben die Teilnehmer aus Babylon mich beauftragt, die Sicherheitsvorkehrungen zu checken. Für einen Experten wie dich ist das eine Kleinigkeit. Jonas: Ich werd mir’s überlegen. Belinda: Was gibt’s da groß zu überlegen? Jonas: Du hörst von mir, Belinda. Sam: Greif zu, Knallschote. Dein Konto ist fast so leer wie deine Birne. Jonas: Langsam, Sam. Bei meinen letzten Ausflügen in südliche Gefilde bin ich gewaltig auf die Nase gefallen. Ich sag nur Traumschiff. Und Knochenarbeit. Sam: Wah, Schnee von gestern. Jonas: Schnee, im Süden? Sam: Egal. Ein neuer Fall, ein neues Glück. 5000 Euros, Mensch! Jonas: Und dann Jamaro. Sie hat mich gerufen. Sie braucht Hilfe. Das war kein normaler Traum, Sammy. Sam: Ganz recht, Herr Specht. Herr Schluckspecht. Das war ein alkoholischer Alb- und Katertraum, erzeugt vom sogenannten Whisky, welchen sich der Herr und Meister im Casablanca gestrigen Abends in Unmengen zugeführt habet äh bzw. eingeflößt hat, gelle? Jonas: Davon war ich nicht so ganz überzeugt. Aber ansonsten hatte Sam recht. Sam hat meistens recht. Sam ist mein Computer. Er ist nicht nur schlau, er ist auch der Rede mächtig. Weniger vornehm ausgedrückt: Sam ist ein Quatschkopf. Eine Quasselstrippe. Sein Hersteller hat ihn seinerzeit mit Sprachprogrammen voll-gestopft. Und dann kräftig geschüttelt. Ein Versuchsmodell. Nie in Serie gegangen. Was besseres konnte Jonas sich nicht leisten. Damals, als er sich selbständig machte. Seitdem haben wir uns aneinander gewöhnt. Mehr oder weniger. Ich rief Belinda an. Und sagte zu. – 24 Stunden später flog ich den Leih-Helikopter über den Golf von Castellamare. Nordwest-Sizilien. Unter mir lag das Centro Venti Venti. Eine künstliche Insel mitten im Golf. Mit dem Festland verbunden durch einen schnur-geraden Damm. Der endete am Haupttor in der Mauer, die um die ganze Insel lief. Direkt vor dem Tor der Heliport. Ich landete. Stieg aus. Das Tor ging auf. Juri Samarkand: Sieh da. Der große Sicherheitsexperte aus dem großen Babylon. Willkommen im Centro Venti Venti. Ich bin der Manager. Juri Samarkand. Äh, nennen Sie mich Juri. Und ihr Name ist äh? Jonas: Jonas. Nur Jonas. Juri Samarkand: Richtig. Jonas. Frau Belinda hat Sie angemeldet. Ich soll Sie herumführen, Ihnen alles zeigen, was Sie sehen wollen, äh und was wollen Sie sehen, Jonas? Jonas: Ihre Sicherheitsmaßnahmen. Juri Samarkand: Versteht sich. Eine pure Formalität, das versichere ich Ihnen. Unser Zentrum ist state of the art. Wir haben alles, was neu und gut und teuer ist: DNA Scanning, Voice Scanning, Retina Scanning, Face-Structure Scanning, Bodyheat Scanning, Monitor-Überwachung auch der entlegensten Ecken, überall Sensoren, überall Robodogs, kusch! Alles systhemisch integriert, rechnergesteuert und chaostheoretisch kalibriert, versteht sich. Jonas: So. Und wenn Ihr Rechner abstürzt? Juri Samarkand: Unmöglich. Jonas: Versteht sich. Aber wenn doch? Juri Samarkand: Äh dann, mein Lieber, greifen wir zurück auf die rustikalen Methoden der guten, alten Zeit. Mauer und Stacheldraht rundum, menschliches Wachpersonal mit Sturmgewehren, Laserstrahlern, Neurofreezern. Äh, kommen Sie. Jonas: Wohin? Juri Samarkand: Ich zeig Ihnen unsere Sicherheitszentrale. Mitten auf der Insel, im Tower, ganz oben. Da kriegen Sie den besten Eindruck. Jonas: Die Insel war groß, und weitgehend grün. Hinter Tor und Mauer lag ein Park. Echtrasen. Echtbäume. Darüber ragte das Kongreßgebäude auf. Und darüber der Tower. Wir mußten nicht laufen. Wir fuhren. Standesgemäß, in einem offenen Golf-Cart. Juri Samarkand: Den Golfplatz haben wir weiter hinten. 18 Loch. Das hier ist unser genuin sizilianischer Orangenhain. Im Sommer sollten Sie mal kommen, Jonas. Apfelsinen in allen Farben, so groß wie Bowlingbälle. Jonas: Genmanipuliert? Juri Samarkand: Hm, exklusiv für uns in Holland maßgeschneidert. Immer das Neueste, immer das Beste, das ist unser Motto. Jamaro: Jonas! Du bist gekommen. Jonas: Jamaro! Jamaro: Hilf mir, Jonas! Hol mich raus! Jonas. Jonas: Wo bist du, Jamaro? Jamaro: Jonas! Juri Samarkand: Äh, wie meinen Sie, Jonas? Jamaro: Jonas! Jonas: Ich habe nur laut gedacht. Jonas: Sie war laut und klar, Jamaros Stimme in meinem Kopf. Diesmal konnte es nicht Jacobs Whisky sein. Fast mechanisch folgte ich dem Manager ins Kongreßgebäude. In den Lift, der uns zum obersten Stockwerk des Tower brachte. In die zentrale Sicherheitsanlage der Insel. Computer. Schaltpulte. Und Bildschirme. An allen Wänden Bildschirme. Dunkel und tot. Bis Juri Samarkand sie einschaltete. Juri Samarkand: Wenn wir Gäste haben, ist die Anlage natürlich besetzt. Und dann aktivieren wir auch unsere Kuppel. Unsere wirkungsvollste Sicherheitsvorrichtung. Sie müssen sich das etwa so vorstellen wie den Klimadom über Babylon. Nur viel, viel moderner und effektiver. Wenn die Kuppel aufgebaut ist... so, dann kommt niemand und nichts rein oder raus. Kein Attentäter, kein Geschoß, keine Bombe, kein Laserstrahl. Jamaro: Jonas! Hilfe! Hier bin ich! Jonas: Wieder Jamaro. Und diesmal hörte ich sie nicht nur. Ich sah sie auch. Auf einem der Bildschirme. Sie lag auf einer Pritsche. Gefesselt. In einem kahlen Raum ohne Fenster. Neben ihr stand Utschym Schetan. Der schwarze Schamane aus Sibirien. In seiner speckigen Arbeitskleidung. Mit einem Menschenknochen drosch er auf seine Trommel aus Menschenhaut. Dabei sah er in die Kamera. Und fletschte seine graugelben Zähne. Dann war er weg. Mitsamt Jamaro. Samarkand hatte die Bildschirme abgestellt. Einen Laserstrahler aus der Tasche gezogen. Und auf Jonas gerichtet. Juri Samarkand: Ich habe das Gefühl, Sie sind nicht bei der Sache, Jonas. Jonas: Jamaro ist hier. Auf der Insel. In Ihrem Centro. Wo haben Sie sie versteckt? Juri Samarkand: Sie werden lästig, Jonas. Platz, Smert! Paß gut auf ihn auf! Wenn er sich bewegt, beißt du! Wie gesagt, Jonas, Sie sind lästig. Ein Ärgernis. Wir haben gewisse Pläne, was den Eurogipfel betrifft, und würden es vorziehen, dabei nicht von verliebten, telepathisch alarmierten Detektiven gestört zu werden. Also haben wir Maßnahmen getroffen, uns Ihrer, mein Lieber, bereits im Vorfeld zu entledigen, und zwar. Jonas: Ich nahm Juri den Laser ab. Er war überrascht. Juri Samarkand: Smert! Faß, Smert! Jonas: Und noch mehr überraschte es ihn, daß Robodog Smert gar nicht daran dachte, Jonas an die Kehle zu springen. Statt dessen machte er Männchen. Jonas: Braver Hund! Und jetzt fall tot um! Juri Samarkand: Ich versteh das nicht. Jonas: Mein Computer. Während Sie herumgetönt haben, ist er in Ihrem System spazierengegangen. Und hat ihren Fiffi umprogrammiert. Ist doch viel netter so. Gut gemacht, Sammy. Sam: Merci. Man dankt. Ganz einfach war es nicht, das muß ich sagen, doch Sammy kennt kein Zittern und kein Zagen. Analog, digital, das ist ihm egal. Er hackt und knackt und packt und zwackt und kackt. Jonas: Das reicht, Sam. Wir müssen weg. Den Herrn hier nehmen wir mit. Als Geisel. Juri Samarkand: Sie kommen nicht weit, Jonas. Die Wachen sind alarmiert. Sam: Holdiodidö. Jonas: Da hatte er recht. Leider. Als wir zum Tor zurückfuhren, sah ich sie. Mindestens 20. Schwerbewaffnet. Ein Ausweichmanöver war dringend angesagt. Ich klopfte Juri auf den messerscharfen Scheitel. Old Shatterhands berühmter Jagdhieb. Kurz, aber schmerzhaft. Dann sprang ich ab. Und wedelte wie ein Slalomläufer um die Orangenbäume. Jonas: Welche Richtung, Sammy? Sam: Nach hinten. Da geht’s raus. Jonas: Ich will aber nicht raus. Ich muß zu Jamaro. Sam: Ja, viel Freude wird die Lady an meinem Jonas haben, wenn er sich ihr als tote Leiche präsentiert. Merke: Erst das Leben, dann die Liebe. Es gilt, Prioritäten zu setzen. Zahllose wilde Wächter wollen dir was. Mensch, hau ab. Verschwinde wie die Wurst im Spinde, hihi hihi. Um Jamaro kannst du dich später kümmern, hihi hihi. Jonas: Das nahm ich mir vor. Ganz fest. Und lief. Nicht zum Tor. Von da kamen die Wächter. Zurück. Vorbei am Kongreßgebäude. Und am Golfplatz. Bis es nicht mehr weiter ging. Ich stand vor der Mauer. Sam: An der Mauer, vor der Mauer steht ne dumme Pflanze, gell Chef? Jonas: Und jetzt, Sammy? Sam: Jetzt, äh, ja, äh. Jonas: Rüberklettern? Sam: Was? Ne, Einspruch, Euer Ehren. Kraxeln ist ja soo anstrengend. Und total sinnlos. Weil, die Kuppel ist noch immer aktiviert. Jonas: Dann schalt sie ab, verdammt noch mal. Sam: Is nich drin, Meista. Nich uff die Schnelle. Hochkompliziertes System. Det braucht Zeit, ja, und haben wir Zeit? Jonas: Ach. Ich dachte, Sam hackt und knackt... Sam: Gut Hack will Weile haben. Jonas: Keine Sprüche, Sam. Rat und Tat. Das ist ein Befehl. Sam: Befehl. Jawoll. Sieh nach unten. Jonas: Tu ich. Und? Sam: Ja, was erblicken Dero Scharfsicht entzündete äh entzückende Augen? Jonas: Häh? Meine Schuhe. Sam: Gott, ist der lahm! Unter den Schuhen! Jonas: Äh, da ist ein Gullydeckel. Sam: Aha. Heb ihn hoch, roll ihn weg. Jonas: So. Und jetzt seh ich eine senkrechte Röhre. Mit Sprossen, da. Sam: Da steigst du munter, schnell mal runter. Jonas: Ungern, Sammy. Huch, hier riecht’s aber nicht gut, du. Sam: In der Tat, Sir. Wir scheinen wieder einmal in einem Fall von extrem schlechtem Odeur verstrickt zu sein. Jonas: Ja, ich hab’s wörtlich gemeint, Sam. Hier, hier drin stinkt’s. Sam: Jajaja. Jonas: Oh, und es wird immer schlimmer. Sam: Ja klar. Jonas: Es wird immer schlimmer. Sam: Ja, verläuft doch unter uns der Hauptwasserkanal, welcher Abfälle und sonstige menschliche Hinterlassenschaften auf direktem Weg ins Meer befördert. Jonas: Du, ich hab so ne Ahnung, was jetzt kommt. Sam: Ja, Luft an, Nase zu, und dann: Sprung ab, marsch, marsch! Jonas: Es gab keine Wahl. Außerdem ist Jonas daran gewöhnt, von Sam durch die Scheiße gejagt zu werden. Allerdings noch nie so lange wie diesmal. Ich war nah am Ersticken, als ich auftauchte. Weit draußen im Golf von Castellamare. Gut einen Kilometer vor der Insel. Ich schnappte nach Luft. Und versuchte, mich notdürftig abzuspülen. Dann schwamm ich in Richtung Festland. Nicht gerade schnell. Bis ich was hörte. Motorengeräusch. Ein Boot von der Insel. Es kam direkt auf mich zu. Das gefiel mir nicht. Ich legte einen Zahn zu. Aber das Boot war schneller. Plötzlich noch ein Motorengeräusch. Ein zweites Boot. Vom Festland. Maschinenpistolen ratterten übers Wasser. Das Boot von der Insel drehte ab. Fuhr zurück. Das andere kam näher. Was ging hier vor? Sam: Unzureichende Daten, Hochwürden. Insofern: Nix Genaues weiß man nicht. Jonas: Unsere Rutschpartie durch den Schiet hast du offenbar gut überstanden. Sam: Ja, Halle-halleluja. Dank dem Herrn Jonas, der in seiner unendlichen Güte seinem Sam einen absoluten undurchdringlichen Mikrofaser-Anzug spendiert und ihn sowohl wasser-, abwasser-, als auch wasserabwehrdicht gemacht hat. Was man von anderen Anwesenden nicht unbedingt behaupten kann. Jonas: Du stinkst trotzdem. Sam: Ja, auch Exzellenz stinken zum hohen Himmel, und was Durchlaucht da in den Haaren hängt, wuäh, igitt, pfui Teufel. Basta: Hallo! Pronto: Ahoi! Basta: Kommen Sie ins Boot. Pronto: Und halten Sie die Hände so, daß wir sie gut im Blick haben. Sam: Ach du liebes Meingottchen, wie sehen die denn aus? Jonas: Berechtigte Frage. Die beiden jungen Männer, die mich in ihr Boot zogen, trugen Anzüge, so schwarz wie ihre geölten Haare. Mit breiten weißen Streifen. Dazu Gamaschen. Schwarzweiße Schuhe. Weiße Krawatten zu schwarzen Hemden. Und antike Maschinenpistolen Typ Thompson. Ein historisches Outfit. Voll durchgestylt. Voriges Jahrhundert, 20er, 30er Jahre. Gangster. Chicago. Al Capone. Humphrey Bogart. Jonas: Seid ihr aus einem Museum entsprungen? Oder wird hier ein Film gedreht? Basta: Später. Pronto: Die Nonna wird Ihnen alles erklären. Jonas: Die Nonna? Ihre Frau Großmutter? Basta: Sie will Sie sehen. Pronto: Wir bringen Sie zu ihr. Jonas: Die Großmutter der beiden Typen residierte offenbar auf dem Festland. Wir landeten in einer einsamen Bucht an der Westseite des Golfs von Castellamare. Vom Steg führte ein steiler Fußweg den Berg hoch. Oben stand ein Haus. Ein unschöner weißer Kasten. Mit einer gewaltigen Aussicht auf den Golf. Meine Begleiter schoben mich durch die Tür. Innen wartete eine alte Frau. Sehr alt. Weißhaarig. Nicht groß, aber breit. In einem schwarzen Taftkleid. Nonna: Sehr gut, Basta. Sehr gut, Pronto. Wer ist der Mann? Jonas: Ich kann selbst reden. Jonas ist der Name. Nur Jonas. Nonna: Nur Jonas? Aus Babylon? Jonas: Ja. Nonna: Sie sind der letzte Detektiv! Jonas: Haben Sie was dagegen? Nonna: Keineswegs. Ich bin hocherfreut. Ihr Ruhm ist bis nach Sizilien gedrungen. Willkommen! Willkommen bei der Familie Malavita. Ich bin Donna Benedetta Malavita. Basta: Die Nonna. Pronto: Die Patin. Nonna: Mein Gatte, Don Antonio Malavita. Meine Nichte Alessandra. Jonas: Jetzt sah ich sie erst, in einer dunklen Ecke des Zimmers. Ein schlafender Greis im Rollstuhl. Auf dem Schoß eine Maschinenpistole. Daneben eine unscheinbare Frau unbestimmten Alters. Auch in schwarz. Nonna: Alessandra kümmert sich um Don Toni. Seit er vor 30 Jahren bei Familienstreitigkeiten in New York schwer verletzt wurde, ist er an den Rollstuhl gefesselt. Er kann nicht mehr gehen. Basta: Nicht mehr reden, nicht mehr hören, nicht mehr denken. Pronto: Aber schießen kann er noch. Nonna: Meine Urenkel kennen Sie bereits. Gianluca und Leoluca Malavita. Basta: Genannt Basta und Pronto. Pronto: Die tödlichen Twins. Nonna: Geht wieder auf eure Posten! Basta: Si, Nonna. Pronto: Bene. Jonas: Die beiden stellten sich ans Fenster. Und sahen hinaus. Auf den Golf. Wegen der schönen Aussicht? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Nonna: Wir beobachten die Insel. Das Centro Venti Venti. Jonas: Warum? Nonna: Wir wissen, daß dort in wenigen Tagen der Eurogipfel stattfinden wird. Und wir wissen auch, daß die Russen das Zentrum übernommen haben. Weil sie einen großen Coup im Schilde führen. Jonas: Die Russen-Mafia? Nonna: Äh, wenn wir Freunde bleiben wollen, Jonas, dann nennen Sie die russische Kompania nicht Mafia. Niemals. Es gibt nur eine Mafia. Die echte, die wirkliche, die historische, die einzige. Die Cosa Nostra. Und das sind wir. Basta: Das heißt, der Rest. Pronto: Was von der Mafia noch übrig ist. Nonna: Und das ist, wie Sie sehen, Jonas, nicht eben viel. Eine Familie. Sie haben uns dezimiert, die Russen, sie haben uns aus dem Geschäft gedrängt, unsere Firmen übernommen, uns aus Amerika vertrieben, und jetzt kommen sie auch noch hierher, nach Sizilien. Basta: In unsere Heimat. Pronto: Unseren eigenen Hinterhof. Nonna: Das lassen wir uns nicht bieten. Wir behalten sie im Auge und, was immer sie vorhaben, wir werden einschreiten! Basta: Wir werden ihnen die Suppe versalzen. Pronto: Und kräftig reinspucken. Jonas: Die Kompania im Centro, mit Jamaro, ich muß meine Auftraggeberin anrufen! Jonas: Die Kompania hat den Tagungsort unterwandert, sagte ich Belinda. Der Gipfel ist gefährdet. Sie nahm die schlechte Nachricht ausgesprochen cool auf. Belinda: Das kriegen wir schon hin. Wo steckst du, Jonas? Jonas: Über dem Golf. In einem Bungalow in äh wie heißt das hier? Nonna: Monte Speziale. Jonas: Am Monte Speziale. Belinda: Gut. Bleib da. Rühr dich nicht. Warte auf meinen Anruf. Ich werde das Nötige veranlassen. Bis dann. Jonas: Arrivederci, Belinda. Ich hatte nicht vor, ihren Anweisungen zu folgen. Jamaro war im Centro. Gefangen. In Gefahr. Ich mußte zurück zur Insel. So schnell wie möglich. Vielleicht würden die Malavitas mir helfen. Ich wollte das mit der Nonna besprechen. Aber es kam was dazwischen. Basta: Ein Helikopter, Nonna! Pronto: Von der Insel! Basta: Mit Raketen! Pronto: Und MG! Nonna: Die Russen. Sie greifen uns an. Basta: Jetzt sind sie über uns! Pronto: Sie wollen auf dem Dach landen! Nonna: Wir setzen uns ab. Plan B. Mach die Klappe auf, Alessandra. Allesandra: Si, Mama. Nonna: Basta und Pronto, ihr tragt den Rollstuhl mit Don Toni. Basta: Si. Pronto: Bene. Nonna: Kommen Sie, Jonas. Jonas: Unter der Falltür im Boden führten Stufen nach unten. In einen Felsenkeller. Und da fing ein Gang an. In den Berg. Mit leichter Neigung nach unten. Das war unser Fluchtweg. Nach etwa 200 Metern hielten wir. Die Nonna öffnete eine in die Felswand eingelassene Stahltür. Hinter ihr war eine Monitor-Anlage. Die Nonna schaltete sie an. Auf dem Bildschirm erschien der Bungalow. Von außen. Der Helikopter war gerade auf dem flachen Dach gelandet. Bewaffnete steigen aus. Die Nonna nickte zufrieden. Und drückte auf einen roten Knopf. Basta: Hurra! Pronto: Eins zu null für uns! Basta: Die Russen haben ihren Helikopter verloren! Pronto: Und 10 Mann, mindestens! Jonas: Ihr Haus ist aber auch draufgegangen. Nonna: Das macht nichts. Es war häßlich. Und wir brauchen es nicht mehr. Die Feindseeligkeiten sind eröffnet. Weiter! Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Jonas: Etwa 5 Kilometer. Durch den Berg. Immer schräg nach unten. Und dann waren wir angekommen. In einem gutbestückten Weinkeller. Darüber lag ein weiter, heller Raum. Bunte Teppiche auf blauen Fliesen. Massive Echtholzmöbel. An den Wänden Heiligenbilder in schreienden Farben. Und eine überlebensgroße Madonna aus bemaltem Gips. Direkt neben ihr hingen Waffen: Maschinenpistolen. Und Handgrananten. Es roch nach Wein und Weihrauch, nach Friedhof, Knoblauch und Olivenöl. Vor dem riesigen Fenster eine große Terrasse. Palmen in Tonkübeln. Und ein Automobil. Ein antiker Cadillac in schwarz und gelb. Basta: Großonkel Als berühmte Panzerlimousine. 1928. Pronto: Nonna hat sie aus Chicago mitgebracht. Nonna: Sie befinden sich in der Villa Malavita, Jonas. Am Standrand von Castellamare. Stammsitz und Hauptquartier der Familie Malavita. Nun, was sagen Sie? Jonas: Eindrucksvoll. Ich kann ihn spüren. Hier weht er. Nonna: Wer? Jonas: Der Wind der Geschichte. Jamaro: Jonas! Hilf mir! Hast du mich vergessen? Jonas: Nein, Jamaro. Signora Malavita, ich muß ins Centro! Nonna: Nennen Sie mich Nonna, wie die anderen. Jonas: Die Russen halten da eine Freundin von mir fest. Nonna: Die wollen Sie rausholen. Und dazu brauchen Sie unsere Hilfe. Jonas: Allein werde ich's kaum schaffen. Nonna: Wir tun uns zusammen, Jonas, Sie helfen uns, wir helfen Ihnen. Was schlagen Sie vor? Jonas: Ein Kommando-Unternehmen. Ein kleiner Stoßtrupp dringt ein. Holt Jamaro. Kommt mir ihr zurück. Nonna: Basta und Pronto, ihr geht mit Jonas. Basta: Aber sicher. Pronto: Mit Vergnügen. Jonas: Frage: Wie kommen wir ins Centro? Nonna: Na, hat ihr schlauer kleiner Computer das Sicherheitssystem noch immer nicht geknackt? Jonas: Sam? Sam: Sam arbeitet dran. Nonna: Also noch nicht. Sam: Oma, du hast ja keine Ahnung. Das ist Elektronik, capisc'? Hochmoderne Technik. Schwerstarbeit. Da muß ein kleiner Computer mächtig transsibirien Korrektur transpirieren. Jonas: Halt die Backen, Sam, knack weiter. Sam: Ja. Nonna: Also machen wir’s auf unsere Art. Wissen Sie, Jonas, hier, wo wir zuhause sind, hier sind wir noch wer. Wir werden respektiert, wir haben Einfluß und Verbindungen. Zu den hier ansässigen Firmen zum Beispiel, die das Centro Venti Venti beliefern. Jonas: Am nächsten Morgen fuhr ein E-Laster über den Damm zur künstlichen Insel. Viveri stand dran, und Traffico all ingrosso. In der Fahrerkabine saßen Basta und Pronto. In weißen Kitteln. Darunter Maschinenpistolen. Die Ladung bestand aus diversen Lebensmitteln. Aus Handgranaten. Dynamitstangen. Und aus Jonas. Der auch eine MP hatte. Auf der Höhe des Heliports, wo noch immer mein Helikopter wartete, führte eine Rampe nach rechts. Am Haupttor vorbei. Zum Lieferanteneingang. Basta winkte freundlich. Der Wächter drückte auf einen Knopf. Das Tor ging auf. Wir fuhren ein. In die Sicherheitsschleuse. Von hier ab mußten wir uns den Weg freisprengen. Und freischießen. Basta: Das war der Wächter. Pronto: Er ruhe in Frieden. Jonas: Basta, Dynamit an die Innentür. Basta: Si. Jonas: Pronto, gib Feuerschutz. Pronto: Berto. Juri: Hallo, Jonas. Ich heiße Sie zum zweiten Mal im Centro Venti Venti willkommen. Wir sind auf Sie vorbereitet. Unsere parapsychologische Wunderwaffe, der Schamane aus Sibirien, hat Ihre Gedanken gelesen und uns gewarnt. Jonas: Juri Samarkand. Nicht leibhaftig. Auf einem Bildschirm, der plötzlich hell geworden war. Seine elegante Erscheinung wurde durch einen Kopfverband erheblich beeinträchtigt. Was Jonas erfreute. Aber das war auch der einzige Grund zur Freude. Juri: Ihr törichter Drang, die Indianerin zu befreien, macht Sie für uns zu einem immer massiveren Störfaktor, Jonas. Darum haben wir beschlossen, obwohl wir Jamaro gern an der Seite des Schamanen für unsere Ziele eingesetzt hätten, das Objekt Ihrer Begierde ein für allemal zu beseitigen. Utschym Schetan! Fang an! Utschym: How. Jonas: Juri trat zurück. Ich sah Jamaro. Sie lag auf der Pritsche. Anscheinend bewußtlos. Der schwarze Teufel tanzte wie ein tapsiger Bär um sie herum. Und trommelte. Jamaro fing an zu zittern. Zu zucken. Plötzlich öffnete sie die Augen. Sie sah mich an. Bäumte sich auf. Blut strömte ihr aus Mund und Nase. Sehr viel Blut. Sie fiel zurück. Und lag da. Ganz still. Mit offenen Augen. Juri: Gut gemacht, Utschym Schetan. Utschym: How. Juri: Jamaro ist tot. Jonas: Nein. Juri: O doch. Tot wie ein Türnagel. Sie sehen, Jonas: Ihr weiterer Aufenthalt auf unserem Gelände ist zwecklos. Jonas: Nein! Jonas: Ich sah rot. Ich feuerte auf den Bildschirm. Auf Wände und Türen. Bis ich einen heftigen Schlag auf den Kopf kriegte. Von hinten. Und zusammenbrach. Ich wachte auf. In der Villa Malavita. Der Kopf tat mir weh. Aber das war nichts gegen den Schmerz tief innen. Jonas: Jamaro ist tot. Sie haben sie umgebracht, der schwarze Teufel und Samarkand. Basta: Sie sind ausgerastet, Jonas. Pronto: Wir mußten Sie beruhigen. Basta: Nichts für ungut. Pronto: Das Unternehmen haben wir abgebrochen. Jonas: Ich mußte ihnen recht geben. Trotz meiner Trauer. Und meiner Wut. Wir wären alle drei draufgegangen. Jetzt konnten wir das tun, was getan werden mußte. Ich dachte nicht an Belinda. Nicht an meinen Auftrag. Ich dachte nur an Rache. Rache an Jamaros Mördern. Die Malavitas waren einverstanden. Sie wollten die verhaßte russische Konkurrenz vernichten. Wir hielten Kriegsrat. Die Nonna. Jonas. Und Sam. Sam: Ein Tusch, Herr Kapellmeister! Tatatatui. Meine Daumen und Hirn, es halt geschnackelt, System ist geknackelt, na Oma, wat sachste nu? Nonna: Ihr Computer ist recht laut, Jonas. Sam: Wat bin ich? Jonas: Da sind Sie nicht die erste, die das feststellt. Und sensibel ist Sam, weiß Gott, auch nicht gerade. Sam: Ja, aber schlau. Und gerissen. Und einmalig clever. Sozusagen genial. Und absolut und total ganz und gar unentbehrlich. Jonas: Leider, aber wie auch immer, jetzt kommen wir rein. Ins Centro. Nonna: Sie meinen, Frontalangriff? Durchs Tor und über die Mauer? Jonas: Was denn sonst? Nonna: Wir bleiben draußen und lassen die Russen kommen. Wir räuchern die Bande aus. Ihr Sam wird die Schutzkuppel aktivieren. Sam: Wat werd’ ich? Jonas: Deaktivieren, wollten Sie sagen. Nonna: Na, er wird sie aktivieren. Und aufrechterhalten. Sam: Na, Peanuts. Macht Sammy mit links. Nonna: Oben in der Kuppel ist ein Loch. Sam: Yes, für den Ausstoß von CO2. Kohlendioxid. Sehr ungesund. Nur 25 cm Durchmesser. Nonna: Da wird Gas eingeleitet. Reizgas, Tränengas, Mace, was die Polizei so hat. Jonas: Die Polizei? Nonna: Die brauchen wir natürlich. Aber das ist kein Problem. Wie es der Zufall will, ist Großneffe Salvatore Malavita Chef der Polizei von Palermo. Sam: Ja ist es denn die Possibility? Nonna: Wir warten ein paar Stunden. Dann gehen wir rein. Mit Gasmasken. Wir sammeln die hilflosen Russen ein und lassen sie verschwinden. D'accordo? Sam: Akkordeon? Jonas: Am frühen Nachmittag lief sie an. Die Operation Rattenjagd. Die Russen saßen auf der Insel. Und fühlten sich sicher. Unter der undurchdringlichen Kuppel. Bis der Polizei-Helikopter kam. Mit einem Schlauch. Und einer gigantischen Gasflasche. Als die leer war, wurde das Loch abgedichtet. Der Helikopter flog zurück nach Palermo. Um die Insel waren Boote postiert. Voll mit Carabinieri. Falls die Russen versuchten, durchs Abwasser zu fliehen. Wie Jonas. Vor dem Haupttor standen wir. Jonas. Und die Mafia: Die Nonna. Basta und Pronto. Nichte Allesandra, und Don Toni im Rollstuhl. Er schlief nicht, ausnahmsweise. Er streichelte seine MP. Und lachte. In freudiger Erwartung. Die Nonna sah auf die Uhr. Nonna: Zwei Stunden. Das sollte reichen. Jonas: Denk ich auch. Kuppel deaktivieren, Sam. Sam: Zu Befehl. Piep. Kuppel ist deaktiviert. Jonas: Dann sollten wir die Gasmasken, Moment. Was ist das? Basta: Das Tor! Es geht auf! Pronto: Und zwei kommen raus. Jonas: Juri Samarkand, und der schwarze Schamane. Juri Samarkand: Sie wundern sich, uns gesund und munter vor sich zu sehen, unbeeinträchtigt von ihrem hinterhältigen Gasangriff? Sehen Sie, mein Freund Utschym Schetan war so freundlich, uns beiden mit seinen speziellen Fähigkeiten die giftigen Schwaden vom Leib zu halten. Es war gar nicht leicht, und man sollte annehmen, er sei jetzt schwach und erschöpft. Aber ich kann ihnen versichern, das ist nicht der Fall. Ganz und gar nicht. Utschym: How. Nonna: Erschießt die beiden. Sam: Jessesmaria. Jonas: Es ging nicht. Die Maschinenpistolen versagten. Alle. Der Schamane hatte Macht über sie. Er trommelte. Juri grinste. Mir fiel was ein. Was Jamaro mir früher mal gesagt hatte. Im Regenwald von Costaguana. Jonas: Messer! Über Messer hat er keine Macht. Basta! Pronto! Stecht zu! Basta: Bene. Pronto: Machen wir. Jonas: Es stimmte. Der Schwarze hatte keine Macht über Messer. Aber er hatte Macht über Menschen. Basta und Pronto... wollten auf Juri und den Schamanen losgehen, aber sie konnten nicht, sie wendeten sich gegeneinander... Juri Samarkand: Das kommt davon. Mein Beileid, verehrte Signora Malavita, ihre ohnehin winzigkleine Familie ist nun noch mehr zusammengeschrumpft. Seien Sie froh, wenn wir es dabei bewenden lassen. Leben Sie wohl. Ach, äh, Ihren zugelaufenen Detektiv, den überlassen Sie besser uns. Wir nehmen ihn mit, als Geisel und Schutzschild. Jonas: Ob ich wollte oder nicht, ich mußte ihnen folgen. Zu meinem Leih-Helikopter auf dem Heliport. Sie fesselten mich. Und banden mich an ein kurzes Seil. Das machten sie am Helikopter fest. Sie stiegen ein. Juri setzte sich ans Steuer. Der Helikopter startete. Flog eine große Kurve über den Golf. Jonas hing unten dran. Drehte sich. Pendelte hin und her. Unter mir sah ich Bewegung. Der Bann des Schamanen war offenbar aufgehoben. Die Nonna beugte sich über ihre toten Urenkel. Don Toni im Rollstuhl sah dem Helikopter nach. Hob seine MP. Zielte kurz. Und drückte ab. Ein Ruck. Der Schuß hatte das Seil durchtrennt. Jonas fiel. Klatschte ins Wasser. Ging unter. Kam hoch. Ging wieder unter. Kam noch mal hoch. Bevor ich ganz ertrunken war, fischten mich die Carabinieri auf. Derweil verschwand der Helikopter mit Juri und dem Schamanen am nördlichen Horizont. Am Abend saßen wir in der Villa Malavita zusammen. Don Toni schlief wieder. Den Schlaf des Gerechten und Zielsicheren. Behütet von Alessandra. Die Nonna und ich, wir hatten nur einen Gedanken. Nonna: Vendetta. Jonas: Rache. Nonna: Für Basta und Pronto. Jonas: Für Jamaro. Nonna: Wir werden sie töten, Samarkand und den Schwarzen. Jonas: Das werden wir, Nonna. Aber dazu müssen wir sie erst haben. Nonna: Wir werden sie finden. Jonas: Sicher, bloß wo? Sam: Hach, da sitzen sie und zermartern ihre mickrigen Gehirne. Menschen! Warum fragt ihr nicht Superhirn Samuel, Computer, extraordinaire? Jonas: Willst du uns erzählen, du weißt, wo die beiden stecken, Sammy? Sam: Nun, äh man hätte diesbezüglich, unter Umständen, gewissermaßen, sozusagen, irgendwie so eine Art Idee. Jonas: Raus damit. Sam: Leute, tretet rings heran, hört euch die Geschichte an, hört, was bald zu Babylon. Jonas: Kurz, Sam, bitte, und in Prosa, für deine Gedichte oder was du dafür hältst hab ich im Moment keinen Nerv. Sam: Banause. 8. April 2016 Eröffnung Themenhotel Metropole in Babylon. Betreiber ist Strohfirma für Kompania, munkelt man. Nonna: Das ist mir bekannt. Man ist deshalb vor einiger Zeit an unsere Familie herangetreten. Wegen Onkel Als Panzer-Cadillac. Den wollte man gern für das neue Hotel kaufen. Jonas: Warum denn das? Sam: Metropole, Dummi. Themenhotel, Weichkeks. Das Thema ist Al Capone. Gangster, Mafia, Chicago, Prohibition, Roaring Twenties. Und wo hatte Omas berühmter Onkel Alphonse sein Hauptquartier? Na? Hotel Metropole, Chicago, Michigan Avenue. Nonna: Wir haben den Wagen natürlich nicht hergegeben. Sam: Wenn also die Kompania hinter dem neuen Hotel in Babylon steckt und wenn Gospodin Juri Samarkand sowas wie der Hotelier der Kompania ist, dann, allerwertester Jonas, herzliebste Omama. Jonas: Dann eröffnen sich uns gewisse Möglichkeiten. Sam: Na bitte. Jonas: Eine Woche später. Babylon. Markgrafenboulevard. Das neue Themenhotel Metropole wurde festlich eröffnet. Der übliche Auftrieb. Nur geladene Gäste. Nur sogenannte Prominenz. Die Bürgermeisterin natürlich. Holo-Stars. Der Serienmörder der Woche. Superbosse. Bischöfin und Erzdruide. Angesagte Drogen-Designer. Der Hochadel. Und Jonas. Sam hatte mir eine Einladung besorgt. Wie? Das müssen Sie ihn schon selbst fragen. Computer haben ihre kleinen Geheimnisse. Ich war also da. Wanderte herum. Es gab Echtwhisky. Stilecht aus Teetassen. Cocktails aller Art. Echtchampagner. Das echtmenschliche Personal machte auf Gangster und Charleston-Girls. Echtmusiker spielten Uraltjazz. Nostalgiker Jonas fühlte sich gut. Und vergaß fast, weshalb er gekommen war. Bis er Belinda traf. Belinda: Jonas, was machst du denn hier? Sam: Jonas, was machst du denn hier? Belinda: Oh, der alte Sam. Jonas: Ich trinke. Echten Scotch. Sowas kann ich mir zuhause nicht leisten. Dein Wohl, Darling Belinda. Belinda: Du bist eingeladen? Jonas: Nein. Aber du natürlich. Du bist sogar ein ganz spezieller Ehrengast, nehm ich an. Belinda: Meinst du? Warum? Jonas: Weil das Hotel der Kompania gehört. Und du gehörst auch der Kompania. Belinda: Haha, ich? Wie kommst du denn auf die Idee? Jonas: Drei Gründe. Erstens. Gleich nachdem ich dich angerufen und dir gesagt hatte, wo ich stecke, haben die Russen den Bungalow der Malavitas angegriffen. Zweitens. Die Kompania hat das Centro Venti Venti unterwandert, hatte ich dir gesagt. Du hast nichts unternommen. Der Gipfel wurde nicht abgesagt. Warum hast du die Warnung nicht weitergegeben? Belinda: Das muß ich glatt vergessen haben. Und drittens? Jonas: Es gab gar keinen Auftrag für dich, die Sicherheitsvorkehrungen in Sizilien zu checken. Sam hat sich mal in deinen Daten umgesehen. Sam: Ja grüß Gott, gnädige Frau, wie geht's, wie steht's, wie schauts, kiß die Hand, bussi bussi. Belinda: Du mich auch, Sam. Kreuzweise. Sam: Jawohl. Jonas: Warum hast du mich nach Sizilien geschickt, Belinda? Belinda: Wegen dieser Indianerin. Jonas: Jamaro? Belinda: Wir wußten, daß sie mit dir in Verbindung stand. Telepatisch. Unser Schamane hat ihre Hilferufe abgehört. Wir machten uns Sorgen, du könntest durch Jamaro zuviel erfahren, womöglich überraschend eingreifen und unseren großen Coup stören. Wir wollten dich vorher aus dem Verkehr ziehen. Zu unseren Bedingungen. In aller Gemütsruhe. Jonas: Darum hast du mich Juri Samarkand auf dem Tablett serviert. Mich ans Messer geliefert. Belinda: Gott, wenn du es so melodramatisch ausdrücken willst. Jonas: Der große Coup worum ging's da eigentlich, Kidnapping der Gipfelteilnehmer. Belinda: Ah, nicht doch. Das ist Altmafia-Stil. Überholt. Uninteressant. Die Gipfelteilnehmer sollten abgehört werden. Jonas: Wanzen? Belinda: Ach was. Jeder Gipfelmensch hätte seine Sicherheitsexperten mitgebracht, und die hätten jede Wanze gefunden. Jonas: Also mental. Telepatisch. Durch den Schwarzen Schamanen. Und Jamaro sollte auch dazu gezwungen werden. Belinda: Genau, Jonas. Und da bist du ganz allein draufgekommen? Ohne Sam? Sam: Oh da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, doch wie spricht Volkes Stimme, pock, pock, pock, pock, auch ein blindes Huhn trinkt mal einen Korn, hick. Jonas: Sam, halt die Klappe. Ich verstehe, Belinda. Wenn die Kompania weiß, welche Weichen in den nächsten Jahren gestellt werden, kann sie die richtigen Aktien kaufen, die richtigen Immobilien, in die richtigen Branchen investieren. Belinda: Und so weiter. Elegant, nicht wahr? Und viel einträglicher als Kidnapping. Komm mit, Jonas. Ich will dir was zeigen. Sam: Nana. Jonas: Belinda ging voraus. Zu einem Lift, der nur mit Sonder-Paßscheibe funktionierte. Belinda hatte eine. Wir fuhren nach unten. Jonas: Aus eurem großen Coup ist ja nun nichts geworden, Belinda. Belinda: Das verdanken wir dir, Jonas, und diesen sizilianischen Dorftrotteln. Mit denen rechnen wir später ab. Was dich betrifft, Jonas. Juri Samarkand: Willkommen im Metropole, Jonas. Ich bin der Manager, Juri Samar... was rede ich da, äh das wissen Sie doch. Es scheint mein Schicksal zu sein, Sie immer wieder willkommen heißen zu müssen. Äh, treten Sie nur näher. Meinen Freund Utschym Schetan kennen Sie ja bereits. Jonas: Sam. Gehirnblockade. Sam: Wüßte nicht, was es da viel zu blockieren gäbe, Kumpel. Piep. Okay. Blockade steht. Jonas: Om mani padme hum. Sam: Om mani padme hum. Jonas: Samarkand. Ein bewaffneter Bodyguard. Und der Schamane. Sie saßen hinten. An der Wand der großen Halle. Offensichtlich eine Garage. Vor einer anderen Wand standen drei antike LKW. Alte Autoteile lagen herum. Es roch nach Öl und Benzin. Belinda: Ein historisch getreuer Nachbau der Garage in der North Clark Street, Chicago, wo das berühmte Massaker am St. Valentinstag stattfand. Juri Samarkand: 1929, am 14. Februar. Al Capone - Ihnen ist das zweifellos bekannt, Jonas - Capone hat sich damals seiner schärfsten Konkurrenten entledigt. Jonas: Om mani padme hum, Om mani padme hum. Sam: Om mani padme-he, Om mani padme-he. Jonas: Immer wieder sagte ich leise das buddhistische Mantra auf. Vorsichtshalber. Falls Sams Blockade meiner Hirnfrequenzen nicht 100prozentig wirkte. Und der Schamane doch den einen oder anderen meiner Gedanken lesen konnte. Danach sah es allerdings nicht aus. Utschym Schetan wirkte verunsichert. Er schüttelte den Kopf. Rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Schließlich griff er sich die Trommel. Und klopfte ein bißchen darauf herum. Juri Samarkand: Das wird der Höhepunkt unserer Einweihungsfeierlichkeiten, Jonas. Eine szenische Darstellung des Massakers. Dafür hätten wir gerne Al Capones Original-Automobil benutzt, aber da die Besitzer sich nicht davon trennen wollten, haben wir’s nachbauen lassen. Besetzt wird es von ein paar schauspielerisch begabten Exekutivorganen in unseren Diensten. Wir erhoffen uns eine umwerfende Performance, einen grandiosen Event. Belinda: Und daran, finde ich, sollten wir Jonas teilhaben lassen. Juri Samarkand: Jonas teil... ahaha, als Opfer, ausgezeichnete Idee, meine Liebe. Aber nicht bei der eigentlichen Vorführung. Wenn unsere prominenten Gäste hier sein werden, um die Show mitzuerleben. Das könnte zu Problemen führen. Zu unwillkommenen Fragen. Belinda: Bei der Generalprobe. Jetzt gleich. Da sind wir ganz unter uns. Deshalb habe ich ihn doch hergebracht. Juri Samarkand: Sehr gut. Boris, gehen Sie raus auf den Hof, wo der Cadillac steht. Bei der Probe sollen unsere Gangster ihre Tommyguns mit scharfer Munition laden. Eigens für Jonas. Boris: Si Commodore. Jonas: Bodyguard Boris entschwand nach hinten. Wo eine Rampe nach oben führte. Inzwischen wurde der Schamane immer unruhiger. Er ahnte, daß gleich was schlimmes passieren würde. Jonas wurde an die gegenüberliegende Garagenwand gestellt. Juri grinste. Belinda lächelte. Ich stand da. Om mani padme hum. Eine Minute verging. Eine sehr lange Minute. Dann drückte Juri auf einen Schalter an der Wand. Über der Rampe leuchtete ein grünes Licht auf. Onkel Als Panzer-Cadillac rollte die Rampe herunter. Blieb stehen. Die Türen öffneten sich. Juri Samarkand: Da! Da steht Jonas! Erschießt ihn! Jonas: Zwei Gestalten waren aus dem Wagen gestiegen. Zwei Frauen in schwarz. Die Nonna. Und Nichte Alessandra. Ihre Maschinenpistolen richteten sie nicht auf Jonas. Sondern auf Juri. Auf Belinda. Und auf den Schamanen. Juri Samarkand: Idioten! Nicht hier! Da drüben! nein, ah... Belinda: Ah, ah... Jonas: Sie feuerten. Bis die Magazine leer waren. Don Toni im Cadillac ballerte begeistert mit. Juri und Belinda lagen auf dem Betonfußboden. Wie zwei Haufen blutiger Lumpen. Utschym Schetan nicht. Er stand noch. Irritiert. Verwirrt. Aber unverletzt. Nonna: Der Kerl ist kugelfest! Jonas: Sowas hatte ich mir gedacht. Und ein Messer eingesteckt. Ich ging durch die Halle. Vorbei am Cadillac. An den Malavitas. Zum Schamanen. Ich sah in seine bösen schwarzen Augen. Ich dachte an Jamaro... Ich ging über die Rampe. Durch den Hof. Im Schatten lagen Leichen in Gangsteranzügen. Männer der Kompania. Die Malavitas hatten sie getötet, um ihre Rollen zu übernehmen. Ich ging weiter. Durch eine Unterführung. Eine dunkle Gasse. Und stand plötzlich auf dem Markgrafenboulevard. Hell. Laut. Bunt. Voller Menschen. Voller Leben. Jonas: Om mani padme hum. Das war’s, Sammy. Sam: Jaja, dideldum, gut gelaufen, Chef. Wie geplant und berechnet. Die Bösen sind tot. Wir haben überlebt, jajaha, alles bestens. Jonas: Happy End, Sammy, hm, trotzdem fühle ich mich mies. Wegen Jamaro? Wegen Belinda? Oder weshalb? Sam: Ja, das ist der Blues, Alter. Jonas: Und was tut man dagegen? Sam: Ja, was tut man dagegen. Pillen. Schnaps. Drugs. Durchdrehen. Schlafen. Den Löffel abgeben. Puhu, huhuhu huhuhuhu huhuhuhu, huhuhuhu...äh Jonas: Jonas schaltete Sam ab. Und ging nach Hause. Das war Mafia. Eine Folge aus der Science-Fiction-Krimiserie Der letzte Detektiv von Michael Koser. Den Detektiv sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Kornelia Boje, Nils Clausnitzer, Jens Holger Kretschmer, Doris Schade, Mark Oliver Schulze und andere (Irina Wanka, Jürgen Donien, Helmut Gillitzer-Felber). Ton und Technik: Günter Heß und Daniela Röder. Assistenz: Martin Trauner. Regie: Werner Klein. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2001 in Dolby Surround. Redaktion: Erwin Weigel. Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Comeback Sam: Die Mitternacht zog näher schon, in stummer Ruh lag Babylon. Jonas: In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran, Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher morgen. Sam: Das war nicht die Zeitansage, du Banane, äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Jonas: Sam, mein Computer. Ein Sondermodell. Besonders verbal. Extrem verbal. Er kann seine Klappe nicht halten. Auch wenn er keine hat. Er nervt. Andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam. Entspannter. Ruhiger. Und viel, viel uninteressanter. Wer will das schon? Sam: Belsatzar von Heinrich Heine. Ein unsterbliches Meisterwerk. Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Jonas: Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Sam: Oh, da bemüht sich ein kleiner Computer um ein winziges Quäntchen Bildung für seinen total unterbelichteten Herrn und Meister, und was ist der Dank, Knattergemine sagt er. Jonas: Sam, geh ans Fon. Sam: Ja, man hört und gehorcht, o Beherrscher der Gläubigen. Jonas: Wer ist dran. Sam: Stadtverwaltung Babylon, Amt für freie Berufe. Jonas: So? Stell durch. Akustik, kein Bildfon. Sam: Jawohl, kein Bildfon. Computerstimme: Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Jonas. Sie werden hiermit nachdrücklich aufgefordert, zwecks Erneuerung Ihrer Lizenz als privater Detektiv, persönlich im Amt für freie Berufe, Babylon Mitte-Ost, Piazza Sewastopol, vorstellig zu werden, und zwar unverzüglich, widrigenfalls Ihnen die Lizenz entzogen wird, was wiederum Ihre soziale Rückstufung ins Prekariat erforderlich macht, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Das Amt für freie Berufe wünscht Ihnen noch einen angenehmen Tag, Herr Jonas. Jonas: Normalerweise springt Jonas nicht, wenn irgendein Amtsschimmel wiehert. Aber hier ging's um alles. Um den Job, den Sozialstatus, die Existenz. Also sprang ich. Unverzüglich. Die wichtigen Behörden in Babylon liegen um den Ernst-August-Platz. Hier ragt das Rathaus in den Himmel, die Sicherheitsverwaltung, das Wirtschaftsministerium. Das Amt für freie Berufe ist total unwichtig. Noch unwichtiger als die Prekariatsverwaltung, mit der sich das Amt eine frühere Kirche teilt. Die Prekariatsverwaltung macht sich im Kirchenschiff breit. Die freien Berufe haben sie in den Turm gequetscht. Unten die Ärzte, Mensch, Tier und Zahn, darüber die Rechtsanwälte, dann die Künstler, ganz oben sonstige. Fahrstuhl Fehlanzeige. Jonas: Hi. Bürokrat: Können Sie lesen. Eintritt nur nach Aufruf, steht an der Tür. Sind Sie aufgerufen? Jonas: Genaugenommen bin ich angerufen. Von Ihnen. Sie wollen was von mir. Bürokrat: So. Name? Jonas: Jonas. Bürokrat: Vor- oder Nach? Jonas: Beides. Bürokrat: Also Jonas Jonas. Jonas: Nein. Nur Jonas. Sie gestatten, daß ich Platz nehme. Bürokrat: Wenn Sie einen Stuhl finden. Bürgernummer? Jonas: Ich setzte mich auf den Schreibtisch. Und verriet ihm meine Bürgernummer. Der Typ war grau. Von den Haaren über Gesicht und Anzug bis zu den Schuhen. Staubgrau. Er hockte in seinem grauen Sessel wie angewachsen. Auch das Büro war grau. Graue Aktenregale, graue Akten. Echtes Papier. Grauer Schreibtisch. Darauf ein grauer Laptop. Asbach Uralt. Zwanzig Jahre mindestens. Bürokrat: Beruf? Jonas: Detektiv. Privat. Bürokrat: Ah richtig. Der letzte. Außer Ihnen steht keiner mehr in meinen Akten. Und was machen Sie so als Detektiv? Jonas: Ich detektiviere. Bürokrat: Aha. Nicht sehr erfolgreich, wie es aussieht. Im laufenden Jahr 2016 haben Sie keinen einzigen Euro verdient. Und heute ist schon der 30. Dezember. Jonas: Es war ein schwieriges Jahr, ereignisreich. Fall Wildwest. Fall Mafia. Beide kompliziert, gefährlich sowieso. Allerdings nicht gerade einträglich. Was kann Jonas dafür, wenn man ihn kidnappt, oder wenn seine Auftraggeberin ihn umbringen will. Aber darüber wollte ich mit dem grauen Sesselfurzer nicht diskutieren. Ich wollte ihn den Kopf voran in seinen grauen Papierkopf stopfen. Das verkniff ich mir. Ich tat nichts, ich sagte nichts. Bürokrat: Unter diesen Umständen, Herr Jonas, ist es mir nicht möglich, Ihre Lizenz zu erneuern, das heißt, Sie verlieren Ihren Sozialstatus, der war bisher, lassen Sie mal sehen, war unterer Mittelstand, Volksrente plus Eigeneinkommen zwischen 5 und 10000 Euro. Sie steigen ab ins Prekariat, nur Volksrente, und das heißt, Sie werden demnächst Babylon verlassen und in die Prekariats-Heimstatt Nummer Eins umgesiedelt. Jonas: Kurz PH 1, draußen in der Wildnis. Ein paar hundert Kilometer südlich von Babylon. Volkstümlich Prollhalde, oder Donut. Wegen der Form. Ein riesiger Ring um einen Innenhof, 300 Stockwerke hoch, in jedem Stock 3000 Bewohner. Macht nach Adam Riese 900.000. Das reichte natürlich nicht. PH 2 und 3 waren schon im Bau. In Babylon gab es immer mehr. Prekariatsangehörige. Prolls. Volksrentner. Ohne Arbeit. Ohne Zusatzeinkommen. Die anderen fühlen sich gestört. Der obere Mittelstand. Die Reichen und Superreichen. Babylon ging das Problem offensiv an. Seit einem Jahr wurde die Stadt gesäubert. Unter dem Motto: Macht Babylon sicherer, sauberer, schöner. Prolls mußten raus. In die Wildnis. In die neuen Prollhalden. Da waren sie unter sich und störten nicht mehr. So weit so schlecht. Jonas wollte in Babylon bleiben. Bürokrat: Das können Sie, Herr Jonas, dazu müssen Sie allerdings noch in diesem Jahr ein gewisses Einkommen erzielen. Jonas: Ich soll in zwei Tagen ein lukrativen Fall an Land ziehen. Wie stellen Sie sich das vor? Bürokrat: Das ist doch nicht meine Aufgabe, Herr Jonas. Auf Wiedersehen. Jonas: Jonas hatte den Kopf voll und ganz andere Sorgen. Trotzdem fiel mir die Frau auf, die am Fuß der Treppe stand. Sie war nicht grau, sie war bunt, rote Haare, rote Schuhe, gelber Businessanzug, grünes Hemd. Sie sah gut aus. Außerdem sah sie mich an und hielt mich am Ärmel fest. Carmen: Sie haben ein Problem, Herr Jonas. Jonas: Eins? Carmen: Ich glaube, ich kann Ihnen helfen. Prekariatsoberrätin Sakalauskas. Jonas: So sehen Sie nicht aus. Carmen: Ich möchte Ihnen ein Vorschlag machen. Kommen Sie mit. Jonas: Sie führte mich nicht in ihr Büro. Sie führte mich zu einem der alten Beichtstühle an der Wand. Holzimitat, verblaßt und verzogen, innen hing noch immer ein Hauch von Weihrauch und Sündenschweiß. Jonas war nicht nach beichten, obwohl er ausgesprochen sündige Gedanken hatte, als die attraktive Beichtmutter ihm im engen Kabuff sehr nahe kam. Carmen: Hier sind wir ungestört. Hören Sie zu. Wie ich von meinem Kollegen im Turm erfahre, brauchen Sie einen Fall? Und wir brauchen einen Detektiv. Jonas: Wir? Carmen: Die Prekariatsverwaltung. Wir haben ein Problem mit PH 1. Jonas: Ach was. Sie auch? Carmen: Der Leiter der Heimstatt, mein Kollege Prekariatsrat Arnold ist anscheinend verschwunden. Vor drei Tagen war die elektronische Verbindung von PH 1 zu uns unterbrochen: Video, Fon, Email, nichts ging mehr. Und als etwa 4 Stunden später die Verbindung stand, sahen wir auf unseren Monitoren nur Flure und leere Wohnkapseln. Kein Zentralbüro. Kein Arnold. Unsere Anrufe nimmt keiner an, unsere Emails werden nicht beantwortet. Wir sind besorgt. Irgendwas geht in PH 1 vor. Und wir wissen nicht was. Jonas: Warum wenden Sie sich nicht an die Sicherheitsverwaltung? Carmen: Zwecklos. Außerhalb der Stadtgrenzen hat die babylonische Polizei keinerlei Befugnis. Die Wildnis gehört zum Aufgabenbereich der Grenztruppe, aber die hat in letzter Zeit so viel um die Ohren, nach dem letzten großen Mauerdurchbruch am Weihnachtstag müssen die Grenzer noch immer illegale Drittweltler jagen. Außerdem wären sie für unser Problem wohl kaum geeignet. Das ist eine andere Sache. Jonas: Wie wär's mit dem Geheimdienst? Carmen: An den haben wir uns natürlich gewendet, aber da kriegten wir eine glatte Abfuhr. Prolls gehen uns nichts an, wurde uns gesagt. Da müßt ihr euch schon selbst drum kümmern. Und weil wir in der Prekariatsverwaltung keine Exekutivabteilung Jonas: Schicken Sie Jonas. Den letzten Detektiv. Sie wissen, was ich koste. 200 Euro pro Tag und Spesen. Carmen: Unmöglich, Herr Jonas, die Prekariatsverwaltung hat kein Geld, und auch kein Konto für Sonderausgaben. Passen Sie auf: Spesen brauchen Sie nicht. Der Transport ist frei. Sie werden in PH 1 untergebracht und verköstigt. Und als Honorar kriegen Sie Bonuspunkte. Jonas: Was heißt das? Carmen: Wenn Sie den Auftrag für uns übernehmen und erfolgreich durchführen, werde ich meinem Kollegen im Amt für freie Berufe Anweisung geben, Ihnen eine Lizenz für 2017 auszustellen, im Zuge der Amtshilfe. Einverstanden? Jonas: Einverstanden, sagte ich. Nicht mit Begeisterung, aber was blieb mir übrig. Besser eine Stippvisite in PH 1 mit Rückkehrgarantie als demnächst für immer dorthin. Carmen: Herr Jonas ich freue mich. Jonas: Nur Jonas reicht. Und wie heißen Sie? Oder muß ich weiterhin Frau Prekariatsoberrätin Sakalauskas sagen? Carmen: Carmen. Jonas: Das klingt doch viel hübscher als Sakalauskas, und paßt besser zu Ihnen. Also, Carmen. Wie geht's jetzt weiter. Carmen: In der nächsten Stunde schicke ich Ihrem Computer zu, was Sie brauchen werden. Die Pläne von PH 1, Organisationsstruktur, etc. etc. Und natürlich Ihr offizielles Überstellungsdokument. Das zeigen Sie in unserem Busbahnhof vor. Sie wissen wo. Jonas: Die frühere REUBA-Truckstation am südlichen Stadtrand. Kenn ich. Carmen: Gut. Heute Nacht um 11 fährt der Prekariatsbus nach PH 1 ab. Seien Sie pünktlich. Jonas: Heute noch. So eilig haben Sie's? Carmen: Je eher Sie fahren, Jonas, desto eher sind Sie zurück. Sie werden mir persönlich Bericht erstatten. Ich freue mich darauf. Viel Glück, Jonas. Jonas: Als ich nach Hause kam, hockte Sam auf dem Tisch und schmollte. Weil ich ihn nicht mitgenommen hatte, und weil ihm der neue Auftrag überhaupt nicht gefiel. Sam: Scheiß Spiel euer Ehren, raus in die Wildnis zu den igitt, Prolls. Und was kommt raus? Nichts. Null Komma Garnichts. Kein müder Euro, kein blasser Cent. Jonas: Bonuspunkte, Sammy. Damit Jonas in Babylon bleiben kann und weiter arbeiten. Hör auf zu nöseln. Hast du das Material von der Prekariatsverwaltung? Sam: Hab ich. Jonas: Druck das Überstellungsdokument aus, und dann hilf mir bei den Vorbereitungen. Was zieh ich an? Sam: Na was schon, gnä Frau? Prolluniform. Jogginganzug, aus billigem Plastik, und ein hoffnungsloser Ausdruck in den Augen. Jonas: OK, Anzug wird geordert, Ausdruck wird geübt. Was brauch ich noch? Sam: Sam natürlich. Indem daß mein Jonas ohne den selben nichts weiter ist denn ein tönend Erz bzw. eine klingende Schelle. Jonas: Wie dem auch sein, wie du bist, als Handgerät kann ich dich jedenfalls nicht mitnehmen. Sam: Hm? Jonas: Das würde bei den Prolls auffallen, geklaut würde es auch. Sammy, du wirst verkleinert. Sam: Oh nein, nicht wieder als Zahn in meines Jonas Mund, o noway. Jonas: Daccord, daccord, ich habe heute noch Kopfschmerzen, wenn ich dran denke, Fall Strafkolonie vor dreieinhalb Jahren, ich laß dich auf Kugelschreibergröße schrumpfen. Sam: Ein so gigantisch Hirn in einem winzigen Stift, muß dies denn wirklich sein? Jonas: Es muß, Sam. Was brauchen wir aus der Hausapotheke? Sam: Ein Röhrchen Exsalt wäre dringlich zu empfehlen. Als Gegenmittel. Bekanntlich wird in PH 1 Speis und Trank so allerlei zugesetzt. Lithium zur Ruhestellung, Steril zur Erschwerung der Fortpflanzung. Jonas: Also Exalt. Eine Waffe. Ist mein Laser aufgeladen? Sam: Ja, warum nicht gleich ne Feldhaubitze, Herr General. Einfuhr von Feuerwaffen in PH 1 strengstens verboten, aber auch aller aller allerstrengstens. Jonas: Ohne seinen Laser und seine alte Smith & Wesson Detective Special fühlte Jonas sich nackt. Aber ein paar Tage würde es gehen. PH 1 war kein sehr gefährliches Pflaster, nicht wie das Niemandsland oder das Reservat. Dachte ich. Und lag voll daneben. Der überfüllte Prollbus rumpelte durch die nächtliche Wildnis, über eine Piste voller Steine und Schlaglöcher. Der Innenraum war dunkel, die Passagiere hockten stumm auf den harten Bänken, sahen aus dem Fenster, starrten vor sich hin. Die meisten schliefen, auch die Kinder, die zu Beginn der Fahrt noch kreischend herumgerannt waren. Jonas machte die Augen zu. Er wußte, wie es draußen aussah: totes Land in toten Farben, vergiftet und zerstört, für immer. Jonas schlief. Früh am Morgen waren wir da. Der Bus hielt neben einer grauroten leicht abgerundeten Betonwand, die bis in die Wolken ragte. Willkommen in PH 1. Wir trotteten durch das einzige Tor in der Wand, dahinter ein breiter Gang mit vielen offenen Türen. Jonas ließ sich durch eine der Türen treiben, in einen Empfangsraum. Dem Typ hinter dem Schreibtisch zeigte er sein Überstellungsdokument. Stadtguerillero: Alles klar, Genosse, hier sind deine Gutscheine, die kannst du in den PH-Läden im ersten Untergeschoß einlösen. Oder in den Kneipen, gleich daneben. So, und jetzt kriegst du noch deinen Wohnchip. Single? Jonas: Soweit ich weiß. Stadtguerillero: Kleinkapsel 295-719. Der nächste. Jonas: Wo ist das, wie komm ich dahin? Stadtguerillero: 295. Stock. Ganz oben. Jonas: Soll mir recht sein. Wo ist der Fahrstuhl? Stadtguerillero: Fahrstuhl? Kaputt. Jonas: Dann hätt ich lieber ne Wohnkapsel weiter unten. Stadtguerillero: Haha, und ein paar Kulis zum Hochtragen, was? Mein Gott, Genosse, du bist doch noch knackig. Treppensteigen ist gesund, und denk doch mal an die tolle Aussicht. Der nächste. Jonas: Der Typ vom Empfang sah nicht nach öffentlichem Dienst aus, eher irgendwie militärisch. Outfit in Tarnfarben, Stirnband, Zottelbart a la Fidel, und eine gutgeölte Kalaschnikow in der Armbeuge. Ein Söldner? Ein durchgeknallter Bürokrat. Darüber dachte ich nach, als ich nach oben stieg. Ich hatte viel Zeit, gut 4 Stunden. Ein guttrainierter Treppenläufer wäre schneller gewesen. Jonas war in Form. So einigermaßen, aber kein Treppenläufer. Eine halbe Stunde kam noch drauf, ausruhen und Finden der Wohnkapsel. Mit meinem Chip öffnete ich die Metalltür, und wunderte mich. Die Kapsel war besetzt. Mann: Hi, Kumpel, da bist du ja endlich. Hast dir mächtig Zeit gelassen. Na, besser spät als nie. Jonas: Das ist doch Kapsel 295-719. Mann: Aber haargenau, Kumpel. Und? Jonas: Das ist meine Kapsel, Kumpel. Raus. Mann: Deine Kapsel, Kumpel? Hähähä, klar ist das deine Kapsel, aber weißt du was, du brauchst keine Kapsel mehr. Jonas: Ach ja, verschwinde, Kumpel. Aber ganz schnell. Mann: Immer mit der Ruhe, Kumpel. Erst muß ich meinen Job erledigen. Sam: Dann schmeiß ich dich raus. Mann: Glaubst du, du schaffst das? Sam: Ja haha. Jonas: Noch so ein Durchgeknallter. Kein typischer Proll. Er trug einen Overall aus silbergrauer Ballonseide. Auf der Brust ein Logo: zweimal der Buchstabe C in schwarz. Was sollte das heißen? Mann: Möchtest du wissen, Kumpel, was? Sam: Alarm. Tatü Tata. Feind greift an. Jonas: Wo Sammy? Sam: Na wo, hinter dir, du Traumtänzer. Ein hinterlistiger Hinterlist äh Hinterhalt, dreh dich um. Jonas: Durch den Flur kam der Zwilling des Typs in der Kapsel. Silberner Overall, CC auf der Brust, in der rechten ein Laserstrahler. Das machte mir Sorgen. Noch mehr Sorgen machte mir der Typ in der Kapsel. Weil er auch einen Laser zog. Jonas mußte was unternehmen, dringend. Ich machte einen großen Schritt in die Kapsel und zog die Tür hinter mir zu. Gleichzeitig ein schulmäßiger Thai-Kick gegen die rechte Hand des Besetzers, sein Laser flog durch die Luft, und verschwand hinter der Pritsche. Sein Besitzer tauchte ab und krabbelte. Ich nahm den Stuhl und zerlegte ihn auf seinem Kopf. Er legte sich zur Ruhe, gut so. Ich griff mir den Laser und verriegelte die Tür. Gerade noch rechtzeitig. Typ Nr. 2 war da und trat gegen die Füllung. Sam: Hier ist unseres Bleibens nicht länger, o Gefährte meiner Jugend. Jonas: Du hast ja so Recht, Sammy. Hier drin ist es eng, die Luft ist schlecht und der will mich killen. Sam: Nicht lange mehr, und es wird ihm einfallen, daß er im Besitz eines Laserstrahlers ist, und dann wird er beginnen die Tür zu demolieren, will sagen, mein Meister hat nur noch ganz einige wenige, einige ganz wenige, egal, Minuten sich vom Acker zu machen. Jonas: Wohin Sam, und wie? Durch die Wand geht's nicht raus. Sam: Fenster. Jonas: Nicht zu öffnen. Und die Scheibe stabil, bruchsicher. Sam: Mit Hand, Fuß oder Stuhl ist das Glas nicht knackbar, euer Merkwürden, mit einem Laser jedoch, denn siehe, auch wir haben einen solchen. Jonas: Gute Idee. Ich laserte ein Loch in die Scheibe, gerade groß genug für einen schlanken Jonas. Der kroch durch und wartete draußen, beide Füße auf einem schmalen Sims, linke Hand am Fensterrahmen, rechte mit dem Laser in Augenhöhe. Durch die kaputte Tür stolperte der zweite Typ. Ehe er die Lage peilen konnte, drückte ich ab. Er fiel auf seinen Zwilling und blieb liegen. Sam: Sagen Sie mal, Herr Oberförster, ist das nicht eine wunderbare Aussicht, atemberaubend geradezu, ah, die Wildnis, eine Symphonie in rot und grau und gelb und schwarz, auch nicht das kleinste bißchen Grün stört den erhabenen Gleichklang. Unser heißgeliebtes Babypsilon als Schmuddelfleck am Nordhorizont. Rechts die Superkräne über den Baustellen von PH 2 und PH 3, ist es nicht bonfotionös, o daß unsereiner malen könnte. Jonas: Genau was ich jetzt brauche Sam. Ich hänge draußen an PH 1 in einer Höhe von 600 Meter, mindestens, der Wind pfeift, und du sülzt mir die Ohren voll mit der schönen Aussicht, die kannst du dir sonst wo hin stecken. Sam: Arschgeige, Banause, Dumpfbacke, Unästhet. Jonas: Ich will hier weg, ich will rein, ich bin keine Fliege. Sam: Bleib auf dem Sims, Chef, jetzt langsam nach rechts, ganz langsam, ganz ruhig, nicht nach unten sehen, o Gott mir wird schlecht. Jonas: Jonas krabbelte seitwärts, immer an der Wand lang, extrem vorsichtig, die Füße rutschten zentimeterweise über den Sims, die Hände krallten sich in die Wand. Hinter den Fenstern, die ich passierte massenhaft Prolls, stumpfsinnige Glotzer, neugierige Nasenquetscher, wie im Aquarium, dann war ich da, wo ich hinwollte, am Regenrohr. Sam: Up, up and away, oder wie die alten Römer sagten, excelsior, steig, mein Jonas, steig, steig hoch, 296. Stock, 297. 298. 299. 300. Jonas: Und da verließen sie uns. Oder wie die alten Römer sagen: Nonplusultra. Das heißt Sense, Ende der Fahnenstange. Jonas: Ich wollte aufs Flachdach, aber das ging nicht, es sprang zu weit vor, ein professioneller Akrobat hätte es geschafft, vielleicht. Jonas war bestenfalls Amateur. Was jetzt. Ausruhen wäre schön gewesen. Ging aber auch nicht. Der Typ im silbernen Overall war zu sich gekommen und steckte seinen unschönen Kopf aus meinem Fenster, fünf Stockwerke tiefer. Ich hielt mich mit den Pobacken fest und mit einer Hand, mit der anderen zog ich meinen Laser aus dem Gürtel, und schoß. Ich traf nicht, aber der Typ verschwand, soweit OK, richtig weiter half mir das aber auch nicht. Plötzlich baumelte was vor meinem Gesicht. Ein Seil, von oben, vom Dach. Mira: Halt dich fest, wir ziehen dir rauf. Sam: Halleluja. Wenn die Not am Größten, ist Gottes Hilfe am nächsten. Nicht wahr Monsignore. Schnapp dir das Seil, oder willst du hier überwintern? Jonas: Lieber nicht. Ich griff zu, erst mit der einen, dann mit der zweiten und wurde aufs Dach gezogen, über den Vorsprung, das war schwierig, weh tat es auch, wegen der Abschürfungen, aber schließlich stand Jonas oben, und sah, wer ihn gerettet hatte: ein blonder Hüne, er hatte sich das Seil um die rechte Schulter gewickelt, den linken Arm hielt er unter einem bunten Tragetuch, das er sich um den Hals geknotet hatte, und in dem Tuch, ein Kind, ein Mädchen, nein eine junge Frau, schwarzhaarig, sie trug eine Brille und ein rotes Tanktop. Mehr brauchte sie nicht, sie hatte weder Arme noch Beine. Ein Torso. Mira: Willkommen auf dem Dach, Fremder. Jonas: Danke. Mira: Gut, daß wir dich gesehen haben. Ist es hier oben nicht schön, so ruhig. Die anderen kommen nicht rauf, weil sie Angst vor Hautkrebs haben. Wir haben vor nichts Angst, weil wir schon alles mitgemacht haben. Ich bin Mira, Miss Landmine Kosovo 2015, mein Freund und Helfer heißt Rußlan, Mister HIV russische Föderation 2014. Aber inzwischen geht's ihm viel besser, nicht Rußlan? Jonas: Ein seltsames Paar, aber nicht unsympathisch. Schon weil sie Jonas hochgezogen hatten. Sie redete, er schwieg, und überließ ihr alles, offenbar auch das Denken. Wie war Jonas an die Außenwand unterm Dach geraten? Wollte Mira wissen. Zwei Killer sind hinter mir her, sagte ich, in silbernen Overalls mit einem schwarzen Doppel-C auf der Brust. Mira: Killer? Bei uns in PH 1. Unerhört, dagegen muß was unternommen werden. Rußlan, wir fahren gleich runter ins Zentralbüro und melden die Sache. Du kommst mit, Fremder. Jonas: Jonas, so heiße ich. Nur Jonas. Sag mal, Mira, ist das Zentralbüro nicht ganz unten, im Erdgeschoß? Mira: Genau. Zum Fahrstuhl, Rußlan. Jonas: Der ist doch kaputt. Mira: Ach was, das erzählen sie den Neuankömmlingen. Die Fahrstühle sind nicht für jeden, nur für besondere Bewohner. Wir haben ein Chip, Rußlan und ich. Jonas: Da kommt einer der Killer! Jonas: Er war aus einer Tür aufgetaucht, etwa 100 m entfernt, ein alter Bekannter, silbergrau und schwarz, ich hob den Laser, aber ehe ich abdrücken konnte, schlug Rußlan mir den Arm hoch. Mira: Nicht gleich schießen, Jonas, wir machen das hier anders. Bring mich zu ihm rüber, Rußlan. Jonas, du wartest hier. Jonas: Jonas sah aus der Ferne zu wie Mira mit dem Silberoverall redete. Der hörte zu, zuckte die Achseln, drehte sich um und verschwand durch die Tür. Sehr merkwürdig. Ansonsten lief es gut, für Jonas und seinen Auftrag. Wir waren im Fahrstuhl unterwegs zum Zentralbüro. Wo der PH-Chef residierte. Prekariatsrat Arnold. Oder doch nicht? Mira: Arnold gibt's nicht mehr, Jonas, wir haben ihn vor vier Tagen abgeschafft. Jonas: Abgeschafft. Was heißt das? Mira: Revolution, heißt das, Genosse Jonas, Aufstand der Unterdrückten und Entrechteten. Es lebe die Revolution. Es lebe die Stadtguerilla. Jonas: Sieh an, die Stadtguerilla steckt also dahinter. Mira: Jawohl, wir haben die Führung der ausgebeuteten Massen übernommen. Unsere Erfahrung eingebracht, unseren revolutionären Elan. Weißt du, Jonas, du hast ja keine Ahnung, wie es in PH 1 zuging. Arnold hat regiert wie ein König. Wie ein Diktator. Mit seinen Guerillas hat er alle terrorisiert, von jedem Gutschein nahm er Prozente, jedes Privileg, Urlaubsscheine für Babylon, Fahrstuhlbenutzung ließ er sich bezahlen. Keine hübsche Frau war vor ihm sicher. Wer nicht tat, was Arnold wollte, dem ging's schlecht. Jonas: Und Arnolds vorgesetzte Dienststelle? Die Prekariatsverwaltung in Babylon. Mira: Hatte keine Ahnung, oder interessierte sich nicht für das, was in PH 1 los war. Wie auch immer, jetzt hat die Stadtguerilla die Macht übernommen. Seit Monaten haben wir unsere Leute eingeschleust. Wir haben Schlüsselpositionen besetzt. Jonas: Der Typ am Empfang, mit der Kalaschnikow. Mira: Einer von uns. Eine neue Zeit bricht an für PH 1, Genosse Jonas, eine bessere Zeit. Jonas: Schön wär's. Was ist mit Arnold passiert? Mira: Revolutionäre Gerechtigkeit. Es war nicht leicht, ihn in unsere Gewalt zu bekommen, er war umgeben von Leibwächtern, und in der Monitorwand im Zentralbüro konnte er praktisch in jeden Winkel von PH 1 kucken. Aber er machte den Fehler, sich eine von uns ins Bett zu holen, und da kriegte er eine andere Art Nahkampf, als er sich vorgestellt hatte, wir haben ihn und seine Leute vor ein revolutionäres Tribunal gestellt und abgeurteilt. Sie wurden aufs Dach gebracht, und mußten durch ein Spalier wütender Prolls Spießrutenlaufen. Alle wollten mal zuschlagen oder zustechen. Hast du oben nicht die Blutlachen gesehen? Ja und dann haben wir sie vom Dach geworfen. 300 Etagen. Bis er unten ankommt, hat der Mensch viel Zeit in sich zu gehen. Jonas: Das Zentralbüro von PH 1 war so groß wie ein Fußballfeld. Hallenfußball. Kein Fenster, eine Längswand bestand nur aus Monitoren, davor ein Stadtguerillero am Schaltpult, schräg im Raum ein riesiger Schreibtisch. Sah aus wie Echtholz, und im Sessel dahinter eine Frau, die ich kannte. Jonas: Karla? Karla: Jonas, so sieht man sich wieder. Jonas: Du bist also immer noch Chefin der Stadtguerilla. Karla: Generalsekretärin des Politbüros, ja. Jonas: Ich dachte, du hättest dich in Südamerika zur Ruhe gesetzt, mit der Tasche voller Diamanten, die du mir auf dem Traumschiff geklaut hast in der Karibik, vor über einen Jahr. Karla: Ja, die Diamanten, 100 Millionen Euro, alle ausgegeben für die Weltrevolution. Jonas: Hast du noch immer nicht genug vom Revolutionsgeschäft, Karla? Karla: Das ist kein Geschäft, Jonas, das ist eine Aufgabe, eine Lebensaufgabe. Jonas: Wenn du meinst. Karla: PH 1 ist nur eine Zwischenstation. Morgen ist Babylon dran. Jonas: Und dann die ganze Welt. Karla: Du warst schon immer ein Skeptiker, Jonas, einer der am Rand steht und Witze macht. Wir haben was vor, sehr bald, ein ganz großes Ding, und dann wird man sehen, die Stadtguerilla lebt noch und wie. Mira: Es lebe die Revolution. Sam: So eine Scheiße. Karla: Mira, ist meine beste Helferin, ein tolles Organisationstalent und clever. Kommen wir zu dir, Jonas, was suchst du in PH 1, ha, wer schickt dich? Jonas: Niemand, sagte Jonas, ich wohne hier, Babylon hat mich rausgeschmissen, als Proll, reiner Volksrentner, ohne zusätzliches Einkommen. Karla: Hahaha, armes Schwein. Bringt dein Detektivgeschäft nichts mehr ein? Jonas: Nicht genug. Karla: Du bist zu anständig, Jonas, das war schon immer dein Fehler. Hmh, was sollen wir jetzt mit dir machen. Mira und Rußlan, durchsucht ihn. Mira: Ein Laser, Gutscheine, Chip für Wohnkapsel, billiger Kugelschreiber, Kleinpackung Exsalt, ein paar Centmünzen. Karla: Kein Kleincomputer? Mira: Nein. Karla: Was hast du mit Sam gemacht, Jonas? Jonas: Verschrottet. Er wurde immer unzuverlässiger, machte nur noch Fehler. Karla: Er ruhe in Frieden. Irgendwie mochte ich die kleine Nervensäge. Sam: Siehste. Mira: Wir sollten Jonas liquidieren, Karla. Jonas: Charmant. Karla: Ich weiß nicht. Mira: Eine Vorsichtsmaßnahme, damit er unser Projekt nicht stört. Karla: Nein, wir werden dich einsperren Jonas, nur ein paar Stunden, bis unser Ding gelaufen ist. Jonas: Die Gefängniszellen lagen ganz unten, im 3. Untergeschoß, neben den Versorgungsanlagen, den Generatoren, der Abwasseraufbereitung, der Ventilation usw. Das Loch, in das sie Jonas steckten, war winzig, meine Wohnkapsel war dagegen eine Villa. Ein Eimer, eine harte Pritsche für einen Zwerg. Das war's. Ich hatte nicht vor zu bleiben, nicht mal ein paar Stunden. Es wurde Zeit, den Kugelschreiber ins Spiel zu bringen. Der war sauer. Sam: Unzuverlässig hat er gesagt, mein einer und einziger Jonas. O welche Schmach. Jonas: Mein Gott Sam, ich hab gelogen, damit Karla nicht nach dir suchen läßt. Los, an die Arbeit, was läuft hier? Sam: Unzureichende Daten Hochwürden. Jonas: Was für ein Ding haben Karla und die Stadtguerilla vor? Sam: Unzureichende Daten. Jonas: Dann müssen wir sie uns besorgen, die Daten, das heißt wir brechen aus. Frage wie. Fenster gibt's nicht, Tür geht nicht, kein Laser mehr. Aha. Oben an der Decke, ein Gitter. Was ist das Sam? Du hast doch den Bauplan von PH 1 intus? Was ist das für ein Gitter? Sam: Belüftungssystem, euer Heiligkeit. Jonas: Na bitte. Jonas stieg auf den umgedrehten Eimer, drehte zwei Schrauben raus, mit einer 10-Centmünze, nahm das Gitter ab. Schlangenmensch Jonas paßte gerade so durch. Dann schlängelte ich mich durch einen Querstollen, bis zu einem vertikalen Schacht, den turnte ich hoch, ins 2. Untergeschoß, wo ich Stimmen hörte. Jonas ist Detektiv, das heißt neugierig, von Berufs wegen. Ich robbte in die Richtung und landete über einem großen Schlafsaal. Viele Feldbetten, belegt mit dunkelhäutigen Frauen und Männern, alle apathisch, offenbar chemisch ruhig gestellt. Sie starrten stumpf vor sich hin, wie Zombies. An der Tür stand Karla. Sie sprach mit einem Mann, hochgewachsen, bärtig, dunkelhäutig, aber nicht apathisch. Karla: Sag ihnen, sie sollen sich bereit machen, in einer Stunden werden sie abgeholt und zum Bus gebracht. Hier sind die Urlaubsscheine. Damit kommen sie ganz offiziell nach Babylon. Am Busbahnhof wird die Stadtguerilla sie übernehmen und auf die festgelegten Ziele verteilen. Alles klar? Jonas: Karla ging. Zwei Stadtguerillas warteten vor der Tür und begleiteten sie durch den Flur. Jonas folgte, oben, im Belüftungsstollen, ein paar Meter zurück, und daher sah er sie vor Karla und ihren Leuten, zwei Typen in silbergrauen Overalls, Doppel-C auf der Brust, Sie tauchten plötzlich aus einem Seitengang auf und erschossen Karlas Leibwächter. Dann nahmen sie Karla ins Visier. Das konnte Jonas nicht zulassen. Durch das Gitter unter sich brüllte er. Jonas: Hände hoch! Jonas: Die Typen zuckten zusammen, drehten sich um, eine Sekunde, genug für Karla. Ihr Laser zischte zweimal, die Typen fielen um und blieben liegen. Jonas hatte indessen seine 10 Cent aktiviert und das Gitter abgeschraubt, dann ließ er sich in den Flur fallen. Karla: Jonas, wie kommst du hierher? Jonas: Ach weißt du Karla, in kleinen Löchern krieg ich Platzangst. Danke. Karla: Danke? Jonas: Danke Jonas, du hast mir das Leben gerettet. Hättest du sagen sollen. Was sind das für Kerle, die Silbergrauen? Karla: Keine Ahnung. Jonas: Jedenfalls wollten sie dich umbringen Karla, und mich vorhin auch schon mal. Karla: So, ich hab jetzt keine Zeit mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Jonas: Klar, dein großes Projekt. Du willst Selbstmordattentäter nach Babylon einschleusen. Karla: Woher... Ach natürlich, du hast sie gesehen. Im Schlafsaal. Jawohl Jonas, wir bringen sie nach Babylon, ins Zentrum der Unterdrückung und der Ausbeutung. Wir von der Stadtguerilla haben viele Jahre dagegen gekämpft, ohne Erfolg, aber jetzt haben wir uns mit der orientalischen Befreiungsfront zusammengetan, gemeinsam werden wir Babylon einen nachhaltigen Schlag versetzen. Nach dem letzten Mauerdurchbruch sind sie aus der Drittwelt zu uns gekommen, 100 wandelnde Bomben, 100 Fanatiker voll bis zur Halskrause, Semtex. Überall, wo es möglich ist, im Magen und Darm, unter der Haut, den Muskeln, in Fettgewebe ist Sprengstoff eingelagert, heute abend werden wir sie in Babylon verteilen. Jonas: Die Stadtguerilla hatte eine lange Liste. Das Rathaus sollte hochgehen, die Sicherheitsverwaltung, Superkran Atlas, das Chips-Hochhaus und das Moxcenter, der Turm zu Babel natürlich, und sogar das Kulturministerium am van-Dusen-Platz. Karla: Unter anderem. Heute um Mitternacht, pünktlich zum Jahreswechsel drückt jemand von uns in unserem geheimen babylonischen Hauptquartier auf den roten Knopf. Guten Rutsch, Babylon. Prosit Neujahr 2017. Jonas: Jonas fand das alles gar nicht gut. Das wußte Karla. Sie hielt mir ihren Laser vor die Nase und nahm mich mit ins Zentralbüro. Wo Mira und Rußlan warteten. Karla: Mira, wir haben ein Problem. Jonas weiß Bescheid. Auch wenn er hier und da mit uns sympathisiert, im Grunde ist er ein inkonsequenter Kleinbürger und wird versuchen uns zu hindern, aus der Zelle bist du ausgebrochen, daher wirst du jetzt unter strenge persönliche Bewachung gestellt. Mira und Rußlan, ihr bringt ihn nach nebenan und paßt auf ihn auf. Um Mitternacht laßt ihr ihn frei. Jonas: Nebenan, das war ein kleiner Raum mit einem Sofa, einem Tisch und diversen Sesseln, eine Art Konferenzzimmer, Rußlan fesselte Jonas, sehr professionell, Arme nach hinten, Ober- und Unterschenkel zusammen, schlecht für die Durchblutung, aber handlich. Rußland legte mich auf dem Sofa ab, setzte sich mit Mira in einen Sessel, zog seinen Laser und paßte auf. Die Zeit verging, Rußlan und Mira wirkten müde, manchmal machten sie sogar die Augen zu, warum auch nicht, Jonas konnte nicht weglaufen. Jonas konnte überhaupt nichts tun. Aber da war ja noch Sam, der Kugelschreiber in meiner Brusttasche, der tat was. Er ging auf Wanderschaft. Sam: Hey. Jonas: Sammy. Was ist? Sam: Komm näher, laß den Kopf hängen, was glaubst du was Sam entdeckt hat. Jonas: Entdeckt. Wo? Sam: In Miras Computer. Rußlan trägt ihn in seiner Hosentasche spazieren. Jonas: Und? Sam: Minderwertiges Modell, praktisch Analphabet der Kollege, falls man ihn so nennen kann. Der letzte Husten, der, nicht du, dennoch und trotzalledem ist Sammy mal reingewandert, was tut ein kleiner wackerer Computer nicht alles für seinen inniggeliebten Herrn, und was hab ich gefunden an jenem finsteren Ort? Jonas: Sag's schon, Sammy, komm zu Potte. Sam: Erstens eine umfangreiche Geheimdatei betitelt CC. Jonas: Ach was. Kannst du sie knacken? Sam: Sam knackt alles, das weißt du doch. Dürfte jedoch etliche Stündchen dauern. Jonas: Zu viel. Und zweitens? Sam: Zweitens. Ein höchst präziser Plan von PH 1, ganz wie der in Sam abgespeicherte, mit einem entscheidenden Unterschied. Genau mit 100 entscheidenden Unterschieden. Denn dies, o Scheich ist die Anzahl der roten Kreuze, welche überall im Plan angebracht sind. Ein Demolutionsexperte, und ist Sam nicht ein Experte, erkennt sofort, Sprengladungen, angebracht an den kreuzweise markierten Punkten, würden ganz PH 1 zum Einsturz bringen. Jonas: Was sollte das nun wieder bedeuten. Jonas hatte so eine Ahnung. 100 Kreuze, 100 Attentäter. Ich gab Sam einen Auftrag, er sollte den Hauscomputer kontakten und die Intercomleitung zwischen Zentralbüro und Konferenzraum aktivieren. So konnte Karla hören, was hier gesprochen wurde. Hoffentlich war sie an ihrem Schreibtisch, das wäre gut für sie, für Jonas, und für 900.000 Prolls in PH 1. Alles weitere hing von Jonas ab. Er mußte Mira die Würmer aus der Nase ziehen. Das ging besser als erwartet. Jonas fiel vom Sofa. Mira wachte auf. Mira: Oh, runtergefallen. Selber schuld. Jetzt kannst du da liegen bleiben. Jonas: Mir ist langweilig. Mira: Na und. Und auch. Jonas: Spielen wir ein Spiel, Spielen wir fragen und antworten, ich fang an. Meine erste Frage lautet: Wer oder was ist CC? Keine Antwort, auch gut. Nächste Frage, warum wollt ihr beiden Karlas wandelnde Bomben dazu benutzen, PH 1 in die Luft zu sprengen. Mira: Ich weiß nicht, wie du das rausgekriegt hast, Jonas, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Du bist eine Leiche auf Urlaub. Sobald Karla ausgeschaltet ist, bist du dran. Warum sollte ich dir also nicht deine Fragen beantworten. CC steht für Club Caligari, so benannt zu Ehren der seligen Frau Prof. Caligari, du kanntest sie, Jonas, du hast ihre Pläne vereitelt und sie schließlich umgebracht. Jonas: Das war schon mehr als 6 Jahre zurück. Fall Testmarkt, Fall Schlachthaus, Fall Kidnapper. Caligari hatte sich auf ein Thema konzentriert, die Reduzierung der Überbevölkerung durch Reduzierung der Bevölkerung. Mira: Mit zugegeben noch recht kruden Methoden. Wir vom Club Caligari haben sie erheblich verfeinert. Jonas: Wer ist Mitglied in diesem Club? Du nehm ich an. Rußlan. Mira: Wir sind stolz darauf, obwohl wir nur Rädchen im Getriebe sind. Club Caligari ist eine extrem geheime Organisation, der die Spitzen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Babylon angehören. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, das Prekariat zu beseitigen, eine viel zu große Schicht nutzloser Fresser, die nur öffentliche Gelder verschlingen und nichts zum Sozialprodukt beitragen. Der CC erfuhr von Karlas Projekt Prosit Neujahr Babylon, der Geheimdienst, der die Stadtguerilla seit langem beobachtet, hat uns informiert. Tja, hier bot sich uns eine geradezu geniale Gelegenheit, Prolls in großer Menge zu eliminieren, und die Urheberschaft der Stadtguerilla und orientalischen Fanatikern in die Schuhe zu schieben. Jonas: Genial. Mira: Nicht wahr. Meine Wenigkeit hat den Plan ausgearbeitet. Ich habe Karla vorgeschlagen, die lebenden Bomben in PH 1 zu lagern, demnächst, das glaubt die gute Karla, wird ein Bus sie nach Babylon bringen, doch in Wahrheit wird dies geschehen: Unsere Leute, die wir hier versammelt und in Untergeschoß versteckt haben, in Lagerräumen, die nicht videoüberwacht sind, werden Karla und die Stadtguerillas töten und dann die Selbstmordattentäter im Gebäude verteilen, und wenn um Mitternacht ein ahnungsloser Typ in Babylon auf den Knopf drückt. Jonas: Bumm. Aber nicht für Babylon, für PH 1. Genial. Mira: Ach, du wiederholst dich, Jonas. Jonas: Die Typen in Silbergrau, eure Leute? Mira: Exakt. Wir haben, wir haben vom Geheimdienst erfahren, daß, daß die Prekariatsverwaltung dich angeheuert hat, Jonas, und und da haben wir gleich zwei Killer auf dich angesetzt. Jonas: Dann verstehe ich nicht, wieso du mich gerettet hast, Mira, vorhin auf, auf dem Dach, auf dem Dach. Mira: Eine Laune. Wollte sehen, was du für einer bist. Wußte ja nicht, wußte ja, wußte ja, wir würden dich kriegen, jederzeit, wann immer wir es wollen. Was... was. Jonas: Keine Ahnung. Mira konnte nicht mehr reden, Jonas auch nicht. Und obwohl ich mich bemühte, die Augen offen zu halten, sah ich nichts, nur Schatten, die immer dunkler wurden, immer größer, ich verlor das Bewußtsein. Ich wachte auf, mit einem Brummschädel, aber ich konnte mich bewegen, die Fesseln lagen zerschnitten auf dem Boden, Mira und Rußlan waren nicht mehr da, ich hinkte rüber ins Zentrallabor, Karla und ihre Leute, alle weg. Ich sah auf die Monitorwand, die orientalischen Attentäter waren auch verschwunden, die silbergrauen CC-Typen waren noch da, allerdings mausetot. Das sah ich nicht auf einem Monitor, das sagte mir Sam, der war auch noch da. Sam: Ein Tusch, Herr Kapellmeister. Trara. Ein bißchen Gas bringt Sam nicht um. Jonas: Gas? Sam: Ja, Giftgas, durch Karla in die Lagerräume geleitet, nachdem sie euer Gnaden Gespräch mit Miss Mira vernommen hatte. Menschen sind ja so schwach, so unzulänglich, eine Prise Giftgas, und siehe, sie waren einmal. Computer dagegen sind stark, ohne Fehl und Tüdel, äh Tadel. Jonas: Hör auf dich in die Hühnerbrust zu werfen. Erklär mir lieber warum ich noch lebe. Karla hat doch sicher auch ins Konferenzzimmer Gas eingeleitet. Sam: Hat sie, Herr Kammerjäger, jedoch kein tödliches Gift, vielmehr ein sanftes Betäubungsgäslein. Alldiweil besagte Dame in ihrem schwarzen terroristischen Herzen ein winziges warmes Plätzchen hat für einen gewissen Detektiv, ne pas? Jonas: Mag sein, Karla ist also weg, mit ihren lebenden Bomben, im Bus nach Babylon. Wie spät Sam? Sam: Mit dem Gongschlag ist es, oink, 19 Uhr 23 Minuten. Jonas: Wir müssen hinterher Sammy, sie aufhalten. Wie? Gibt's noch einen Bus? Sam: Mit Neffen, äh Nichten. Wir fliegen, Kommandante, gegen England, sieh auf den Monitor. Jonas: Im kreisförmigen Innenhof landete ein Helikopter, silbergrau, schwarzes Doppel-C am Rumpf. Kein Zwei-Personen-Winzling: Ein großes Gangship, bestückt mit Raketen und zwei schweren MGs. Sam: Schneller geht's nicht, Genosse. Jonas: Ich vermute, der Helikopter soll die Typen vom Club Caligari abholen, bevor hier alles in die Luft geht. Zwei Piloten, die müssen wir ausschalten. Sam: Null Problemo. Wir gehen nach unten, da liegen genug CC-Uniformen herum, wir suchen uns einen Typ, der eine ähnlich maskuline Statur aufzuweisen hat, wie Jonas, ziehen ihn aus, nehmen seinen Laser, und dann heia Safari. Jonas: 20 Minuten später startete der Helikopter, mit neuen Piloten, und flog in die Wildnis, immer der Piste nach, Richtung Babylon. Es war schon ziemlich dunkel, als ich ihn sah, den Bus, ein Stück voraus, ich überholte ihn, knipste den Scheinwerfer an und knallte ihm eine Rakete vor die Motorhaube. Der Bus hielt. Jonas nahm über sein Bordradio Verbindung mit Karla auf. Karla: Jonas, wie kommst du in diesen Helikopter? Jonas: Erzähl ich dir vielleicht ein andermal. Jetzt haben wir keine Zeit. Karla: Was willst du? Jonas: Dein Projekt ist gestorben, Karla, du wirst den Bus wenden und mit den lebenden Bomben in die Wildnis fahren, immer weiter, bis ich halt sage, verstanden. Karla: Und wenn ich mich weigere, wenn ich weiter Richtung Babylon fahre. Jonas: Dann setze ich die nächste Rakete direkt in den Bus. Und alle gehen hoch, auch du und deine Stadtguerillas. Das muß nicht sein. Karla: Gut, wir wenden. Jonas: Und dann fährst du nach Südosten, dem Helikopter nach, weit weg von Babylon und von PH 1. Karla: Verstanden. Jonas: Noch was, Karla, falls du vorhast, euren Knopfdrücker in Babylon zu erreichen, laß es, Sam war in deinem Computer und hat die Verbindung gekappt. Jonas: Eine halbe Stunde vor Mitternacht ließ ich den Bus halten, in einem Felsental, wo er keinen großen Schaden anrichten konnte. Karla und ihre Leute durften aussteigen, die Selbstmordattentäter blieben im Bus. Der Helikopter schwebte über der Szene. 10 Meter oder so, Jonas behielt alles im Auge. Jonas: Was ist mit Mira und Rußla? Karla: Die Verräter? Die sind noch im Bus. Jonas: Steigen sie nicht aus? Karla: Können nicht, wir haben Rußla die Beine gebrochen. Jonas: Auch gut. Und jetzt lauft. Ihr habt einen mühsamen Weg vor euch. Durch die Wildnis. Karla: Könntest du mich nicht im Helikopter mitnehmen, Jonas? Jonas: Könnte ich. Aber ich will nicht. Als ich das letzte Mal mit dir im Helikopter flog, mußte ich abspringen in die karibische See. Lauf du nur, eine lange Wanderung fördert die Gehirntätigkeit, und das hast du nötig. Karla: Danke. Jonas: Keine Ursache, beeilt euch. Es ist jetzt, Sam? Sam: 23 Uhr und 49 Minuten. Jonas: Du weißt ja, was demnächst hier passiert, Karla. Sam: Hehe. Jonas: Karla und Gefolge verschwanden zwischen den Felsen, so schnell sie konnten. Jonas stieg auf 300 m und ließ den Helikopter über dem Bus kreisen, bis 3 Minuten vor 12. Dann flog ich ab, Richtung Babylon, mit Vollgas. Sam: 7,6,5,4,3,2,1, zoro. Happy new year Boss... Jonas: Turmhohe Flammen hinter uns, der Sternenhimmel wurde ausgelöscht durch eine gigantische schwarze Wolke. Ich fühle mich nicht gut, 100 lebende Bomben waren in Feuer und Rauch aufgegangen, Mira und Rußla auch, aber was hätte ich anderes tun können. Außerdem hatten sie es so gewollt, und verdient sowieso. Ich war müde und kaputt. Jonas ist nicht mehr 20, auch nicht mehr 30 oder 40, in den letzten 24 Stunden hatte ich kaum geschlafen, nichts gegessen, statt dessen ein intensives Sportprogramm, Treppensteigen, kriechen durch enge Höhlen, klettern, von Fesseln und Laserstrahlern gar nicht zu reden. Ich hatte genug. Am Nachmittag war Jonas wieder zuhause, falls man ein schäbiges Büroapartment von 22 qm Zuhause nennen kann, und auch Sammy bezog wieder sein gewohntes Gehäuse. Sam: Ach, das tut gut, jetzt kann ein kleiner Computer sich doch mal wieder so richtig recken und strecken. Ah, welche Wohltat. Jonas: Raum ist in der kleinen Hütte, Sam. Ruf die Prekariatsverwaltung an. Sam: Soll ich? Heute? Am Neujahrstag. Spinnst du total. Jonas: Also am nächsten Tag. Jonas erstattete seiner Auftraggeberin Bericht. Persönlich. Wie besprochen. Diesmal nicht im engen Beichtstuhl, in ihrem Büro. Und sie war auch nicht mehr Carmen, sie war Prekariatsoberrätin Sakalauskas. Was ich ihr mitteilte, schien sie wenig zu beeindrucken. Carmen: Revolution, Stadtguerilla, Club Caligari, eine erstaunliche Geschichte. Kaum zu glauben. Jonas: Ich habe Ihren Auftrag ausgeführt und dabei Babylon vor einem massiven Anschlag bewahrt, und PH 1 vor der Zerstörung. Carmen: Das sagen Sie. Haben Sie Beweise, eindeutige, stichhaltige gerichtsfeste Beweise? Also nicht. Das macht die Sache sehr, sehr schwierig. Hmh, ich werde sehen, was sich tun läßt. Sie hören von uns. Jonas: Ich hörte, zwei Wochen später. Per Fon. Computerstimme: Und deshalb gewähren wir Ihnen in Anerkennung geleisteter Dienste einen Aufschub bis zum 30. Juni 2017. Sie haben also ein halbes Jahr Zeit durch die Akquirierung des erforderlichen Zusatzeinkommens dafür Sorge zu tragen, daß Ihre Lizenz als privater Detektiv und damit Ihr Sozialstatus erhalten bleiben. Sollte Ihnen das nicht gelingen, Herr Jonas, verzagen Sie nicht, nicht jeder ist zu höherem berufen. Sie werden in eine Prekariats-Heimstatt umziehen. Dort erwartet Sie ein durchaus angenehmes Leben, sofern Sie keine überzogenen Ansprüche stellen. Das Amt für freie Berufe wünscht Ihnen noch einen schönen Tag. Auf Wiederhören. Das war Comeback. Eine Folge der Science-Fiction-Krimiserie Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Von Michael Koser. Nähere Informationen und die Folgen zum kostenlosen Download finden Sie unter jonas-nur-jonas-und-sam.de. Eine Produktion der Kanzlei Dr. Bahr. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Thomas Karallus, Vanida Karun, Werner Klein, Deef Pirmasens, Angelika Thomas, Henning Venske und Elena Wilms. Ton und Technik: Marcus Giersch und Christoph Guder. Aufgenommen im Tonstudio Fährhauston in Hamburg (2008). Regie: Werner Klein. Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Eine Science-Fiction-Krimiserie von Michael Koser Heute: Abgesang Jonas: Sie war jünger als ich. Um die 40. Dunkles Haar. Dunkle Augen. Eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient. In meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Judith 2: Mein Name ist Judith. Jonas: Judith? Judith 2: Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen. Kenne ich Sie? Jonas: Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Sam: Dejavu, Monsignore. Jonas: Deschawas? Sam: Ach vergiß es. Jonas: Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH 1, kroch durch Röhren, stand auf dem blutigen Dach, 600 m hoch, saß in einer überfüllten Kneipe, versoff meine Gutscheine. Ein Proll unter vielen. Das Leben war vorbei. Erinnerung. Oder Zukunftsvision? Gestern hatte das Amt für freie Berufe mich erinnert, daß ich nur noch zwei Monate Zeit hatte, einige tausend Euro zu verdienen, ansonsten drohte Ausweisung aus Babylon, in die Prekariats-Heimstatt. Das war kein Albtraum. Sam: Happy birthday, lieber Jonas, happy birthday to you. Jonas: Du mich auch, Sammy. Sam: 50 Jahre sind es wert, daß man ihn besonders ehrt. Er lebe hoch, höher, am höchsten. Jonas: 50. Auch das noch. Ist doch kein Alter für einen Detektiv. 30 OK, 40 geht noch. Fit und erfahren, eingedellt, Narben an Körper und Seele, oder 70 von mir aus, keine Exen mehr, dafür Kopfarbeit auf dem Sofa. Altersweise. Aber 50? Sam: Hörst du das Fon, welch lieblicher Ton, ein Glückwunsch. Jonas: Es war kein Glückwunsch, es war die Kündigung. Mein Viertel wurde saniert, mein Haus abgerissen. In einem Monat mußte ich raus aus meinem Büroapartment. Das Casablanca war schon seit Wochen geschlossen. Sam: Und nun gerade: Happy Birthday! Jonas: Halt die Backen, Sammy. Nachrichten. Sam: Jawohl. Euer Wunsch o Herr sei mir Befehl. Nachrichtensprecher: Im Sicherheitsrat der UN. Bekanntlich beansprucht China jedes chinesische Restaurant, wo immer es sich befindet, als Hoheitsgebiet, inklusive einer... Jonas: Weiter. Nachrichtensprecher: Unruhen in PH 1, die durch energisches Eingreifen der Grenztruppen beendet wurden. Die genaue Zahl der Toten und Verletzten ist nicht bekannt. Wie... Jonas: Weiter. Nachrichtensprecher: Hat sich trotz Bemühungen der Aktion Lebensabend die Zahl hilfsbedürftiger Senioren weiter alarmierend erhöht. Und nun zum Wetter. Babylon registriert heute den 209. Regentag in Folge. Damit sind wir vom Rekord des Jahres 2014 nur noch 20 Tage... Jonas: Na wunderbar. Dauerregen. 50. Geburtstag. Kündigung. PH 1. Graue Gegenwart. Schwarze Zukunft. Jonas steckte voll drin, im Babylon Blues. Aber dann kam sie. Judith. Nicht meine Judith. Nicht Judith Delgado. Natürlich nicht. Judith Delgado war seit 5 Jahren tot. Aber sie hieß Judith. Und sie sah aus wie Judith Delgado. Es war doch nicht alles mies, dachte ich. Doch dann sagte sie mir, wohin sie mich schicken wollte. Judith 2: Ins Niemandsland. Jonas: Will ich nicht. Mach ich nicht. Judith 2: Sie müssen, Herr Jonas, es geht um Nicolas, meinen Mann, Nicolas Toulemonde, Vizebischof der apostolischen Kirche. Sam: Vize was? Judith 2: Das ist sein Beruf. Jonas: Halt den Rand, Sam. Hochanständiger Job. Judith 2: Gewiß, aber auch, wie soll ich mich ausdrücken, vorhersehbar. Langweilig. Und darum unternimmt Nicolas zum Ausgleich Abenteuerreisen. Jonas: Ins Niemandsland. Judith 2: Vor einer Woche ist er aufgebrochen. Jonas: Ohne Sie? Judith 2: Er fährt immer allein. Ich mache mir nichts aus Strapazen, aus Hunger und Durst und Blasen an den Füßen. Jonas: Sehr vernünftig. Ihr Mann ist also ins Niemandsland aufgebrochen, wann genau. Judith 2: Am 24. April. Morgens. Am Abend hat er sich kurz gemeldet über Satellitenfon. Gut angekommen, alles in Ordnung. Jonas: Angekommen, wo? Judith 2: In Besalam. Zwischen Wildnis und Niemandsland, wo die Abenteuerkarawanen starten. Jonas: So. Und dann? Judith 2: Nichts mehr. Kein Anruf, keine Nachricht. Bis gestern. Jonas: Haben Sie nicht versucht, ihn anzurufen. Judith 2: Ja natürlich, immer wieder hab ich's versucht, aber ich hab nicht mal seine Mailbox erreicht. Ja, und dann kam gestern nachmittag dieser Anruf. Jonas: Von ihrem Mann. Judith 2: Von seinem Fon. Aber es war nicht Nicolas. Ein Fremder. Mit Drittweltakzent. Er gehört zu den Freiheitskämpfern des Orients. Hat er gesagt. Jonas: Freiheitskämpfer des Orients. Nie gehört. Judith 2: Ich habe das Gespräch selbstverständlich aufgenommen. Kidnapper: Wir Freiheitskämpfer haben gefangen Bischof Toulemonde, wenn wir nicht bekommen drei Millionen Euro in Diamanten als Spende für Freiheitskampf wir werden töten Bischof Toulemonde. Judith 2: Drei Millionen. Wann und wie soll ich... Kidnapper: Planquadrat SW 170-2. Dort in Wüste großer roter Felsen, sieht aus wie Kamel. An diese Felsen wir warten Spende bis 4. Mai abend. Wenn Sonne untergeht und Diamante nicht da, wir werden zerschneiden Bischof und verteilen in Wüste. Verstanden. Judith 2: Ja, aber... Judith 2: Aufgelegt. Ich war geschockt, das werden sie verstehen, Herr Jonas. Jonas: Sehr erschüttert schien sie allerdings nicht zu sein. Aber vielleicht war das Charakterstärke und Beherrschung. Alle Judiths sind starke Frauen. Judith 2: Als ich mich ein bißchen beruhigt hatte, rief ich die Firma an, die Nicolas Reise organisiert hat. Jonas: Name? Judith 2: Extrem. Der ultimative Kick. Jonas: Adresse? Judith 2: Markgrafenboulevard 727. Jonas: Was haben Sie erfahren. Judith 2: Nichts. Der zuständige Sachbearbeiter hatte keine Ahnung. Er wollte sich schlau machen und mich dann zurückrufen. Jonas: Hat er? Judith 2: Bis jetzt nicht. Dann dachte ich an die Polizei. Sam: Ha, die Bullen? Kannst du vergessen, Schwester. Judith 2: Was ist das? Jonas: Mein Computer. Sam. Redet viel, weiß dummes Zeug. Sam: Nanana. Jonas: Aber ab und zu hat er recht. Draußen im Niemandsland ist die babylonische Polizei machtlos. Judith 2: Das hat mir Chefinspektor Brock auch gesagt. Jonas: Sieh an, wir kennen Brock, was Sammy? Sam: Ja, gewiß doch euer Gnaden. Hat der gute Chefinspektor nicht des öfteren in unseren Fällen figuriert, hmh? Judith 2: Brock hat mir geraten, mich an Sie zu wenden, Herr Jonas, Sie könnten das Lösegeld überbringen, sie kennen das Niemandsland, hat er gesagt, sie waren schon mehrmals da. Jonas: Dreimal. Und ich habe keine schönen Erinnerungen an die Trips. Beim letzten Mal war's am schlimmsten. Sam: Fall Invasion, o Grödaz. Jonas: Grödaz? Sam: Ja, Grödaz. Größter Detektiv aller Zeiten. Dummie. Juni 2015. Jonas: Das reicht mir. Noch mal muß ich da nicht hin. Judith 2: O doch Sie müssen, Herr Jonas, weil ich Sie darum bitte. Außerdem zahle ich. 5 Prozent vom Lösegeld. Sam: Fünf Prozent... sind 15.000 Euro. Jonas: 150.000 du Dödel. Sam: Siehst du, ein erkleckliches Sümmchen, Herr Rechnungsrat. Statuserhaltend gewissermaßen. Umzugsverhindernd. Judith 2: Was meint er? Jonas: Ah, nicht so wichtig. Sam: Importane. Judith 2: Brock hat noch mehr gesagt, Herr Jonas. Sie sind ein anständiger Mensch, und für den Job ist keiner so geeignet wie sie. Sam: Ja das stimmt, ja ja ja. Jonas: Mußte Jonas wirklich nochmals ins Niemandsland. Nur weil seine Auftraggeberin Judith hieß und aussah wie Judith Delgado, die erste und einzige Liebe eines älteren Detektivs. Vielleicht. Jonas: Ich werde darüber nachdenken und sie anrufen, heute noch, nachdem wir ein paar Nachforschungen angestellt haben. Sammy und ich. Judith 2: Danke, Herr Jonas. Sam: Ja, denn wie spricht der weise Bosequo? Vorsicht ist der weibliche Elternteil des Keramikbehälters. Jonas: Oder so ähnlich. Judith ging, und Jonas scheuchte Sam durch alle Datenbanken, zugängliche und weniger zugängliche. Ergebnis: Sam: Sie ist echt, unsere JuTou. Jonas: Wer? Sam: JuTou. Kurz und prägnant für Judith Toulemonde, oder auch Judith zwo. Jonas: Es gibt sie also wirklich. Sam: Ja, die Dame ist astrein, Herr Oberförster, wie auch ihr Ehegespons, Nicolas Toulemonde, Vize der apostolischen Kirche, hochangesehene Bürger Babylons beide und betucht, ja, Haus im Golden Ghetto, höchster Sozialstatus. Jonas: Schön für sie. Es wurde Zeit für einen Ausflug zum noblen Markgrafenboulevard, wo eine ganze Etage in einem noblen Hochhaus von der Firma Extrem belegt war. Ein gertenschlanker türkisgelockter Jüngling ließ sich herab, Jonas zu empfangen. Nösel hieß er. So stand es auf dem Schild an seinem lavendelfarbenen Armanijäckchen. Er musterte mich wie ein Angler einen alten Stiefel, der sich an seinen Haken verirrt hatte. Nösel: Sie wollen doch wohl keine Reise bei uns buchen Herr äh... In diesem Falle gestatten sie mir den gutgemeinten Hinweis, daß die dafür erforderlichen Mittel weit über ihren Möglichkeiten liegen dürften. Wenn ich sonst noch was für sie tun kann. Jonas: Sie können. Nösel: Ach wirklich? Sam: Wetten, der Typ heißt mit Vornamen Schorsch, oder Scholastikus. Nösel: Wie meinen. Sam: Nösel äh Schnösel. Paßt wie der Pickel auf den Arsch. Nösel: Ich muß doch sehr bitten. Sam: Ja dann bitten sie mal. Jonas: Entschuldigen Sie meinen Computer, Herr äh Nösel, er ist ein wenig ungehobelt, wie sein Herr. Soll ich Ihnen ein Geständnis machen. Ich bin ein exzentrischer Milliardär, wenn man mich ärgert, werde ich grob, sehr grob, saugrob, und dann könnte ich Ihnen zum Beispiel äh einige Knöchlein in ihrem eleganten Leib zerschlagen. Strafe und Schadenersatz zahle ich aus der Westentasche. Jonas: Er wußte nicht, ob er mir glauben sollte. Aber als vorsichtiger Mensch tat er es. Und war bereit meine Fragen zu beantworten. Ja, Vizebischof Toulemonde hatte bei Extrem eine Reise gebucht, in den besonders wilden südöstlichen Zipfel des Niemandslands, nicht weit von der Mauer. Nein, er wußte nicht, was mit dem Kunden geschehen war, auch der von Extrem gestellte Reiseleiter war verschwunden. Ja, er hatte von Frau Toulemonde erfahren, daß eine Gruppe namens Freiheitskämpfer des Orients behauptete, den Vizebischof entführt zu haben. Nösel: Im Übrigen muß ich Sie, wie bereits auch Frau Toulemonde nachdrücklich darauf hinweisen, Herr äh, daß eine wie auch immer geartete Haftung der Firma Extrem für die Folgen unvorhergesehener unglücklicher Zwischenfälle auf den von uns vermittelten Abenteuerreisen laut Vertrag völlig ausgeschlossen ist. Dieser Ausschluß gilt selbstverständlich auch für etwaige Entführungen und vergleichbare Mißgeschicke. Jonas: Freiheitskämpfer des Orients, kennen Sie diese Gruppe, ist sie bei früheren Extrem-Reisen schon mal in Erscheinung getreten? Nösel: Noch nie, Herr äh... wir kennen andere Organisationen, die Taliban, die Waffen-SS, die goldene Horde etc. die in der gleichen Branche tätig zu werden pflegen. Jonas. Entführung und Erpressung von Lösegeld. Nösel: Äh, ja. Dies zu verhindern zahlt Extrem besagten Gruppierungen gewisse Anerkennungshonorare. Jonas: Schutzgelder meinen Sie. Nösel: Wenn sie es so ausdrücken wollen, Herr äh. Jonas: Und die rote Armee, ist die nicht auch im Niemandsland aktiv? Nösel: Nicht mehr, Herr äh... Soweit uns bekannt ist, hat sich die rote Armee vor einem Jahr weit in den Norden, in die wilde Tundra zurückgezogen. Jonas: Das war beruhigend. Denn die rote Armee, und speziell ihr Häuptling Generalissimus Stalin hatten mit Jonas noch ein Hühnchen zu rupfen. Das mußte nicht sein. Zu Hause rief ich Chefinspektor Brock an, um ihm ein paar Fragen zu stellen, aber das war nicht mehr möglich. Frauenstimme: Chefinspektor Brock wurde ein Opfer des unermüdlichen Einsatzes der Sicherheitsbehörden für die Bürger Babylons, bei einer Routine-Razzia heute Nacht im Reservat ist er aus dem Helikopter gestürzt und an den Folgen des Sturzes verstorben. Jonas: Auch das noch. Meine Wohnung war gekündigt, ich hatte kein Geld und keinen Sozialstatus, das Casablanca war zu, Dauerregen, 50. Geburtstag, und jetzt hatte Brock den Löffel abgegeben. Mein bester Feind. Mein einziger Freund. Wieder legte sich der Babylon-Blues über Jonas, so laut und so intensiv, als ob mir jemand Babylon unbedingt vermiesen wollte. Wie auch immer, Babylon war mir vermiest. Ich wollte raus, von mir aus sogar ins Niemandsland. Ich rief Judith an, und sagte ihr, ich würde ihren Auftrag annehmen. Judith 2: Herr Jonas, ich bin hocherfreut. Jonas: Den Herrn lassen Sie weg. Einfach Jonas, nur Jonas. Haben Sie das geforderte Lösegeld? Judith 2: Kein Problem. 3 Millionen Euro in Diamanten liegen bereit. Jonas: Dann bringe ich die Klunker für sie ins Niemandsland. Judith 2: Nicht für mich, Jonas, mit mir. Ich komme mit. Jonas: Haben Sie sich das gut überlegt, Judith, es wird gefährlich werden, strapaziös, vielleicht holen Sie sich sogar Blasen an den Füßen. Judith 2: Ich bestehe darauf. Wann reisen wir ab? Jonas: Sobald wie möglich, und das war sehr bald. Geld spielte keine Rolle. Noch am Abend flogen wir nach Bezalam. Von da ging's am nächsten Morgen weiter auf der Erde, aber nicht zu Fuß, wir mieteten den besten Wüstentruck, der zu haben war, Kettenfahrwerk, stabile Panzerung, großer Benzinvorrat in Zusatztanks, genügend Platz für alles, was der Mensch so braucht, wenn er vorhat, tagelang durch die Wüste zu ziehen. In diesem Fall zwei Menschen. Jonas fuhr. Judith saß neben mir, sehr schön anzusehen, in ihrem Safari-Overall von Dolce & Gabana. Gelbe und rote Wüstenfarben. Das Niemandsland war so, wie ich es in Erinnerung hatte, ziemlich tot, orange und grau, dazwischen Farbtupfer, schwarz, rot, giftgrün, Ruinen, Reste, Rost, geschmolzener Sand, Felsen. Tagsüber war es heiß, und nachts kalt, so kalt, daß Judith fror und zu mir in den Schlafsack kroch. Zweiter Reisetag, 3. Mai, wir erreichten Planquadrat SW170-2. Die Strahlen der untergehenden Sonne beschienen ein seltsames Gebilde am Horizont. Einen riesigen roten Felsen, der aussah wie ein liegendes Kamel, ein länglicher Kopf auf einem ebensolchen Hals. Dann ein großer runder Höker. Sam: Ein Höker? In diesem Falle, hochgeschätzte Kommilitonen, handelt es sich keinesfalls um ein Kamel oder auch Trampeltier, der Wissenschaft bekannt als camelus bacterianus, vielmehr um ein Dromedar, camelius dromedarius. Judith 2: Danke für die Vorlesung, Prof. Sam. Sam: O gern geschehen Gnädigste. Jonas: Ich glaube kaum, daß die sog. Freiheitskämpfer auf zoologische Finessen Wert legen. Dromedar oder Kamel, dieser Felsen ist unser Ziel. Judith 2: Wir sind also angekommen. Sam: Hurra! Jonas: Noch nicht ganz, gleich wird's dunkel, wir sollten hier lagern und morgen früh weiterfahren, bei Helligkeit, damit wir sehen können, wer oder was uns erwartet. Judith 2: Einverstanden. Halt an Jonas. Jonas: In einer Höhle schlugen wir unser Lager auf. Nach dem Essen holte Judith eine Flasche aus ihrem Gepäck. Echt Whisky. Scotch. Old Forrester. Jonas Lieblingswhisky. Wenn er ihn kriegt, was selten genug vorkommt. Wir stießen an. Judith 2: Auf Kamele. Sam: Und Dromedare. Judith 2: Auf Jonas. Jonas: Auf Judith. Sam: Auf Sam. Judith 2: Auf den Erfolg unsere Mission. Jonas: Auf den Erfolg. Der gefährlichste Teil kommt aber erst. Morgen. Judith 2: Du hast ja so recht, Jonas, und du hast nicht die mindeste Ahnung, wie recht du hast. Trink aus. Jonas: Ich wachte auf. Die ersten Sonnenstrahlen fielen in die Höhle. Das Feuer war ausgegangen. Mein Kopf tat weh. Mir war kalt. Kein Schlafsack. Ich kam auf die Beine, mühsam, und humpelte nach draußen. Keine Judith. Kein Wüstentruck. Kein Laserstrahler am Gürtel, und vor allem kein Sam, nicht in meiner Tasche, nicht auf dem Boden. Was war passiert? Ich sah mich um. Nur Niemandsland bis zum Horizont. Keine Bewegung. Kein Mensch. Kein Fahrzeug. Dann sah ich doch was, Kettenspuren vom Truck. Sie führten nach Osten, Richtung Kamelfelsen. Im grobkörnigen Sand gut zu erkennen. Ich ging ihnen nach. Die Spuren führten in einen Canyon. Ich folgte ihnen. Langsam. Es wurde enger. Die steilen Wänden rückten näher zusammen. Vor mir eine Kurve. Ich ging noch langsamer und spähte vorsichtig um die Ecke. Stalin: Kiche. Jonas, galupschik, dawolowatsch, willkommen. Jonas: Stalin. Stalin: Bada. Generalissimus Stalin. Du überrascht, Arschloch, häh? Jonas: Ich überrascht. Hinter der Kurve wurde der Canyon weiter. Überall Menschen, vor mir, hinter mir, über mir, zottige zerlumpte Gestalten, bewaffnet mit Keulen und Macheten. Nomaden. Hunderte, ein ganzer Stamm, Flüchtlinge aus der Drittwelt. Freaks, Mutanten, die rote Armee. So nannten sie sich. In der Menge stand unser Truck, und daneben noch ein Gefährt, eine Art gigantischer Bollerwagen, aus Holz und Metall, eine Plattform auf 6 gewaltigen Rädern. Darauf ein Blockhaus, eine Pauke mit Pauker, ein rotlackierter Thron, und auf dem Thron ein alter Bekannter. Stalin: Du nicht gedacht Wiedersehen Generalissimus Stalin, hä? Arschloch Jonas. Jonas: Eine unerwartete Freude, weiß Gott. Hast du dir ein neues Fahrzeug zugelegt, alter Gauner, was ist mit dem T54. Stalin: Äh, Problem mit Tank. Immer Problem. Kein Diesel. Darum Tank verkauft. Jonas: An wen? Wer ist denn noch blöder als ihr? Stalin: An Stamm in Zewa, Norden. Alslutscher, Trankstinker, behandelt T54 als Gott. Nun, wir haben gebaut neue Auto. Jonas: Ein Prachtstück. Und wie geht's selbst, Generalissimus. Stalin: Spazibo. Wunderbar. Täubchen. Vetterchen. Hab ich doch endlich Arschloch. Jonas: In den zwei Jahren hatte Stalin sich kaum verändert. Er sah immer noch aus wie ein sibirischer Dorfschullehrer. Schmal, weißhaarig, Drahtbrille, grüne Schirmmütze, Russenbluse, vollgesteckt mit bunten Abzeichen und Medaillen. Zerschlissene Reithose, Stiefel, und im Kopf noch klar. Er hatte nicht vergessen, daß Jonas ihn damals reingelegt hatte. Stalin: Was wir mit dir machen, Arschloch, hä? Eingraben in Sand, alle Rotarmisten auf dich pissen, bist du tot. Dich kochen in Kessel ganz, ganz langsam und dann dich essen. Judith 2: Ihre Wiedersehensfreude, verehrter Generalissimus, sollten sie ein wenig später Ausdruck verleihen, vorher hab ich noch mit Jonas einiges zu klären. Stalin: Karacho. Jonas: Judith. Sie stand auf der Plattform, direkt neben Stalins Thron. Wie eine Gefangene sah sie nicht aus. Während die Nomaden Jonas griffen und festhielten, stieg sie herunter, kam näher, und stellte sich vor mich. Judith 2: Weißt du Jonas, die Sache war ein wenig anders geplant, aber Stalin wollte nicht warten, er ist vorgeprescht, weil er dich unbedingt allein in die Finger kriegen und nicht mit andern teilen wollte. Im Grunde kein Problem, soll Stalin dich eliminieren, meinen Auftraggebern wird das auch so recht sein. Jonas: Deinen Auftraggebern? Judith 2: Ahnungslos wie er noch immer ist. Richtig süß. Ich werde dir eine Geschichte erzählen, Jonas, so viel Zeit muß sein. Immerhin hast du mit mir den Schlafsack geteilt, das verdient Belohnung. Also setz dich und hör zu. Es war vor mehr als einem viertel Jahr, im Januar, da trafen sich im Club Caligari zu Babylon fünf Personen, die vieles verband, hohe Position, Macht, Reichtum. Vor allem aber der Hass auf einen Detektiv, der im Lauf der Jahre immer wieder ihre Pläne durchkreuzt hatte. Plotz: Ich bitte um Ruhe. Die konstituierende Sitzung des Sonderkomitees Aktion Jonas ist eröffnet. Anwesend sind: Paretzky: Dr. Sandra Paretzky, Bürgermeisterin von Babylon. Waldorf: Astoria Waldorf, Vorstandsvorsitzende der Firma Multipharm, Leiterin der babylonischen Industrie- und Handelskammer. Frank: Generalmajor Frank, Oberkommandierender der Geheimdienste und der Sicherheitskräfte. Kasbek: Kasbek von der Korporation. Plotz: Als Vertreter der sogenannten Unterwelt. Kasbek: Bitte. Der organisierten Extralegalität. Plotz: Wie Sie wollen. Anna Plotz. BIO Global. Wir alle haben schwerwiegende Gründe gegen Jonas, den sogenannten letzten Detektiv vorzugehen. Paretzy: Er ist ein Störenfried. Frank: Ein Krebsgeschwür. Kasbek: Eine Pestbeule. Waldorf: Und nicht zu vergessen ein Kostenfaktor. Plotz: Schon früher haben einzelne von uns versucht, Jonas auszuschalten, ohne Erfolg, jetzt tun wir uns zusammen, das Maß ist voll, erst vor wenigen Tagen hat Jonas eine von langer Hand vorbereitete bevölkerungspolitische Aktion des Club Caligari in PH 1 verhindert, daher ist dieses Komitee zusammengetreten, dessen Vorsitz ich übernommen habe. Denn so großen Schaden Jonas Ihnen allen zugefügt haben mag, ich Anna Plotz, sitze durch seine Schuld gelähmt im Rollstuhl und habe darum das größte Recht auf Rache. Alle: Jonas muß weg! Plotz: Jawohl, Jonas muß weg, Jonas muß verschwinden, Jonas muß sterben. Um dieses Ziel zu erreichen, bündeln wir unsere Ressourcen, wir sind bereit, finanzielle Opfer zu bringen, in unbegrenzter Höhe. Wir werden alle psychologischen und kreativen Produktiv-Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, gegen Jonas einsetzen, sie sollen Szenarien entwerfen, die zum erfolgreichen Abschluß führen. Frank: Abschuß. Plotz: Sehr witzig. Jonas muß verschwinden, darin sind wir uns einig. Die Frage ist wie. Judith 2: Es wurde diskutiert und debattiert, delegiert und konsultiert, und bald begannen sich Leitlinien und Konturen abzuzeichnen. Kasbek: Also keine Falle, kein maskierter Killer im Hinterhalt, keine schnelle Kugel in den Rücken? Waldorf: Nein nein nein, Jonas ist ein besonderer Gegner, und verdient einen besonderen Abgang, eine große Oper, wenn Sie so wollen, kein mickriges Tralala. Frank: Eine elaborierte Elimination ist doch viel befriedigender, viel interessanter. Kasbek: Macht mehr Spaß, meinen Sie, General. Paretzky: Wie dem auch sei, die äh, Elimination sollte keinesfalls in Babylon stattfinden, hier hat Jonas ein Heimspiel, er kennt sich aus, hat überall Freunde. Plotz: Wir müssen ihn weglocken, so weit weg wie möglich. Judith 2: Also ins Niemandsland, wo es am wildesten ist, hier, ein paar Kilometer entfernt, wartet ein Sonderkommando auf dich, Jonas. Killer der Korporation, Spezialisten vom Geheimdienst, ausgesuchte Sicherheitsexperten aus Großkonzernen, dazu als Sahnehäubchen gewissermaßen der eigens für dich aus dem hohen Norden angeforderte Generalissimus Stalin mit seiner Roten Armee. Stalin: Dada. Wir hören, wir kommen, wir fangen Arschloch Jonas, wir machen tot Arschloch Jonas. Judith 2: Geduld, Generalissimus, bald kriegen sie ihn und können mit ihm machen, was sie wollen, meine Geschichte ist gleich zu Ende. Über das Problem, wie Jonas ins ferne Niemandsland zu locken sei, zerbrachen sich diverse Experten, Kreative, Psychologen, Motivationsforscher, die gutbezahlten Köpfe. Schließlich schlugen sie zwei sich ergänzende Szenarien vor. Plotz: Erstens, Jonas wird psychischem Druck ausgesetzt, er wird. Waldorf: Weichgekocht. Plotz: In eine praktisch ausweglose Situation gebracht, sein Umfeld bricht zusammen, er verliert die Wohnung, den Sozialstatus, das Stammlokal, den Freund. Paretzky: Außerdem wird er 50, am 1. Mai, das dürfte ihn zusätzlich deprimieren. Plotz: Zweifellos. Zweitens, Frau Delgado, Judith Delgado, hohe Beamtin in der Sicherheitsverwaltung, 2012 verstorben. Waldorf: Jonas große Liebe. Frank: Ja, die Frau seines Lebens. Kasbek: Auf den Knopf müssen wir drücken. Plotz: Wir schaffen eine zweite Judith. Eine Schauspielerin, die der Delgado ähnelt. Den Rest macht Plastiface. Wir geben ihr reale und virtuelle Existenzen. Paretzky: Um die Dateien kümmere ich mich. Plotz: Diese Frau wird bei Jonas auftauchen, ihm was erzählen, er wird verwirrt sein, verliebt, womöglich, auf jeden Fall weniger argwöhnisch. Judith 2: Wie's weitergeht, weißt du. Es war eine interessante Aufgabe. Und daß sie jetzt zu Ende geht, tut mit fast ein bißchen leid. Generalissimus, Jonas steht zu Ihrer Verfügung. Stalin: Konetschko. Wirklich. Dawei! Jonas: Judith stieg in den Truck, und startete. Bevor sie losfuhr, lehnte sie sich aus dem Seitenfenster. In der linken Hand hielt sie was hoch: Sam. Judith 2: Leb wohl, Jonas, in der kurzen Zeit, die dir noch vergönnt ist. Sag deinem Herrn Tschüß, Sammy. Und auf Nimmerwiedersehen. Sam: Nein, o harsche Trennung, grausames Geschick, Jonas, was wird aus ihm werden, ohne Sam, und was wird aus Sammy ohne seinen Jonas, sind wir getrennt für immer, nein das darf nicht sein... Stalin: Dawei Dawei! Jonas: Die Rotarmisten nahmen ihre Plätze ein, vorn an der Deichsel, an den Querstangen rechts und links. Jonas wurden die Hände gefesselt, dann band man ihm ein Seil um den Bauch, das andere Ende hielt Generalissimus Stalin höchstpersönlich fest. Stalin: Wir haben gewartet auf dich, zwei Jahr, Arschloch, wir weiter warten, ein Tag, zwei Tag, dieser Platz nix gut. Nur Dawei. Kollegen. Dawei. Dawei! Jucha. Jonas: Die Riesenräder begannen sich zu drehen, knarrend und quietschend setzte der Bollerwagen sich in Bewegung. Die Nomaden zogen und schoben aus Leibeskräften. Der Pauker paukte. Stalin hatte seinen Thron verlassen und sich hinten auf die Plattform gesetzt, um Jonas zuzusehen. Der bemühte sich Schrittzuhalten. Ab und zu zog Stalin kurz am Seil, dann schlug Jonas hin, und wenn er sich nicht schnell genug aufrappelte, wurde er über Sand und Steine geschleift, zum großen Vergnügen des Generalissimus. So verging der Tag. Stalin: Halt! Stoi! Hier machen wir Lager. Ruh dich aus, Arschloch, freu dich, morgen machen wir dich tot, langsam, ganzen Tag. Wir haben Zeit, hahahaha. Jonas: Nette Aussichten. Natürlich kriegte ich nichts zu essen. Den abgearbeiteten Rotarmisten ging's kaum besser. Stalin schlug sich den Bauch voll, und legte sich dann zur Ruhe, im Blockhaus. Auch die Nomaden schliefen. Sogar die Wächter, die auf Jonas aufpassen sollten. Jonas schlief nicht, er machte sich Sorgen, außerdem hatten sie mich auf jede Menge Steine gebettet, scharfe spitze Steine. Die Nacht verging langsam, sehr langsam, plötzlich hörte ich was, an meinem linken Ohr. Ein Flüstern, das mir vorkam wie die Trompeten der Kavallerie oder ein Chor von rettenden Engeln. Dabei war es nur einer. Sam: Erwache, mein Jonas, denn siehe, hier bin ich. Jonas: Sam! Sam: Ja wer denn sonst du Trantüte. Entfleucht bin ich der falschen Schlange der armen Computerklauerin. Wie gut daß ich meine Rollen dabei hatte. Gerollt bin ich durch brennendheißen Wüstensand, trotzend allen Gefahren, allen Strapazen. Bis ich ihn erreicht habe, meinen Herrn und Meister, meinen Jonas, mein ein und alles. Jonas: Machs halblang Sam. Sam: Nichts halblang. Jauchzet und frohlocket. Hurra. Hurra. Sam der Computer ist wieder da. Ah. Freust du dich denn gar nicht. Jonas: Doch Sammy. Sam: Und nun, teurer Freund, wird alles alles gut. Jonas: Na hoffentlich. Sehr weit mußte Sam übrigens nicht durch den Wüstensand rollen, Judith traute dem Generalissimus nicht und war ihm gefolgt, nur wenige Kilometer entfernt hatte sie ihr Lager aufgeschlagen, mit dem Sonderkommando des 5er Komitees, das sie unterwegs aufgesammelt hatte. Sam: Sie wartet ab, die schnöde Verräterin, bis mein Jonas seinen letzten Atemzug getan. Wenn hier was dazwischenkommt, greift sie ein mit ihren Spezialisten, denn vernimm, o Sultan, sie weiß haarscharf was hier abgeht, hat sie doch vor ihrem Aufbruch am gestrigen Tag eine hochsensible Minikamera ausgesetzt, und diese, o du mein ahnungsloser Engel umschwirrt dich bei Tag und in der Nacht. Jonas: Jetzt auch. Sam: Na klar jetzt auch. Jonas: Dann sieht sie, daß wir miteinander reden. Sam: Sieht und hört. Und nicht nur sie. Auch die rachsüchtigen 5 zu Babylon sind mit der Minicam verbunden, auf daß sie die Unbilden und das Ende ihres Todfeindes so recht von Herzen genießen können. Jonas: Kannst du die Minicam abschalten Sam. Sam: A little bit, Sir. Hier und da, ab und zu. Mit Mühe. Denn wisset: Sam hat nicht mehr all zu viel Saft. Jonas: Das war ein Problem. Wo sollte ich hier im tiefsten Niemandsland einen Akku finden, oder eine Steckdose. Darüber mußte ich nachdenken, später. Jetzt war nur eins wichtig: von hier zu verschwinden. Sam blockierte die Minicam, mit Ächzen und Stöhnen und leisem Protest. Jonas scheuerte derweil Handfesseln und Seil durch, an Sams scharfer Kante, was seinen Protest noch verstärkte, weil es angeblich kitzelte. Und dann ab in die Büsche, die es hier natürlich nicht gab. Der Tag brach an. Jonas trabte durch die Landschaft gefolgt von der Minicam. Ich konnte sie sehen, wie ein Kolibri flatterte sie über mir, immer außer Reichweite, sie stieg und sank und kreiste, auf der Suche nach dem interessantesten Winkel, dem scharfen Bild. Sam: Hä, geht nicht mehr, Meister, Sam muß die Minicam loslassen, seine Kraft ist verpafft äh verpufft meine ich. Jonas: Dann können sie uns sehen, orten und verfolgen. Wir müssen weg, Sammy, weiter, wohin? Sam: Nur einen Ausweg gibt es, hoher Herr, nur eine Richtung steht dir offen, die Wege nach Nord, West und Süd sind versperrt, durch Judith und die Rote Armee. Jonas: Also nach Osten. Dann mal los. Sam: Gemach Chef, wenn's doch nur so einfach wäre. Im Osten erhebt sich die Grenzmauer, und dahinter, ah, tief im Herzen des Niemandslandes, dort wo noch niemals nicht kein wißbegieriger Fuß eines Babyloniers trat, hinter jener großen Mauer, auf welcher zu unserem Schutze die wackeren Grenztruppen stehen, auf nimmermüder Wacht, am Tag und in der Nacht, dort liebe Kinder erstreckt sich das erschreckliche tote Land. Jonas: Das tote Land, ein Gebiet totaler radioaktiver Verseuchung. Seit vor einigen Jahren die östlichen Kernkraftwerke in Kettenreaktionen hochgingen. Während der sog. kleinen Atomkriege zwischen Indien und Pakistan, zwischen Iran und seinen Nachbarn. Gegen das tote Land war das Niemandsland eine städtische Parkanlage, sagte man. Lemuren und Monster sollte es dort geben. Aber niemand wußte genaues, niemand war je dagewesen. Sam: Hä, so sieht's aus, euer Lordschaft, wollt ihr im Kessel gekocht bzw. im Sand verbuddelt und totgepullert werden, oder euch ins tote Land bewegen. Thats the question. Hörst du der Pauke tiefen Ton, die rote Armee, da ist sie schon. Auch Judith ist nicht mehr weit. Jonas: Dann schon lieber das tote Land. Judith und Stalin überlebe ich ganz sicher nicht, das tote Land, wer weiß. Sam: Jaja. Jaja. Mein Jonas ist ein Wandersmann, das steckt im so im Blut, drum wandert er so schnell er kann und schwenket seinen Hut, fallera... Waldorf: Da rennt er durch den Sand. Plotz: Schade, ich hatte mich schon gefreut, mir ausgemalt, was dieser Stalin mit Jonas anstellen würde, fantasievoller Bursche. Frank: Eine Treibjagd ist doch auch ganz nett, Frau Plotz, und aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Kasbek: An der Mauer werden sie Jonas stellen, da geht's nicht weiter. Paretzky: Und dann kommen wir zu unserem Schauspiel, dauert nicht mehr lange. Cocktails, jemand? Jonas: Jogging im heißen Niemandsland ist kein Vergnügen, besondern nicht wenn Sam dazu singt. Und eine nervige Minicam dir um den Kopf schwirrt, ganz zu schweigen von blutdürstigen Killern nicht weit hinter dir. Vergnügen oder nicht, Jonas trabte weiter, bis es nicht mehr ging, dafür sorgte die Mauer. Schwarz und dräuend, 30 m hoch und bewacht, nicht von wackeren Grenztruppen. An der Grenze zum toten Land sind Roboguards eingesetzt. Fehlerlos. Unbestechlich, sie schlafen nie und lassen nicht mit sich reden. Roboguard: Halt, nicht weiter, das war die erste und letzte Warnung, der nächste Schuß trifft. Jonas: Und da sind sie auch schon, Stalin und Judith. Was nun. Sam: Spricht Zeus, die Götter sind besoffen. Jonas: Red keinen Stuß, Sam, denk dir was aus. Sam: Ist Sam ein Magier, wächst ihm ein Kornfeld auf der flachen Hand? Karla: Jonas, hierher! Jonas: Karla, meine Lieblingsterroristin, Chefin der babylonischen Stadtguerilla. In den vergangenen Jahren waren wir uns mehrmals über den Weg gelaufen, zuletzt Sylvester 2016. In der Wildnis. Wir hatten die Angewohnheit, uns zu helfen, was nicht hieß, daß ich ihr trauen konnte. Jetzt war sie hier, im Niemandsland, am Fuß der Mauer, sie steckte den Kopf aus einem Loch im Felsen, und winkte mir zu. Karla: Komm her, Jonas. Beeil dich. Jonas: Augenblick Karla. Sam? Sam: Was steht zu Diensten? Jonas: Die Minicam, kannst du sie noch mal blockieren? Sam: Na, mal sehen, Kumpel, Leben ist schwer für 'nen kleinen Computer. Jonas: Streng dich an, Sammy. Sam: Was tu ich denn wohl, du Obergurke. Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, Minicam blockiert. Aber lang schaff ich's nicht. Jonas: Jonas kroch durch das Loch im Felsen. Zu Karla. Dahinter war ein niedriger Gang, abgestützt durch Metallstreben, ein aufgegebenes Bergwerk, aus der alten Zeit, als hier Menschen lebten und arbeiteten. Karla ging voran und leuchtete, mit einer starken Taschenlampe. Gut für uns, aber auch gut für die Minicam. Sie war uns gefolgt, unter die Erde, wir konnten sie nicht abschütteln, nur blockieren. Was Sam immer schwerer fiel. Jonas: Geht's noch Sammy. Sam: Soso lala. Jonas: Halt durch. Sam: Ja, Sam tut was er kann. Sam gibt alles. Karla: Stop. Hier beginnt ein Schacht, da müssen wir runter. Jonas: Nur zu. Karla hatte alles bei sich, in ihrem Rucksack, Seile, Steigeisen, Wandhaken. Wir kletterten. Tiefer, immer tiefer, die Luft wurde schlecht, Sam stöhnte, dann war der Schacht zu Ende, und es ging waagerecht weiter, die Luft blieb schlecht. Zum Glück gab es hier keine Ratten, wie in der babylonischen Unterwelt. Wieder ein Schacht, diesmal nach oben, wieder klettern, Stunden um Stunden, so kam es mir vor, bis wir über uns Licht sahen. Ich zog mich hoch und war draußen. Die Minicam folgte, in vorsichtigem Abstand. Sam: Ich kann nicht mehr. Sam muß aufgeben, kein Strom. Hast du mal ein Watt Mister. Jonas: Woher nehmen Sammy. Karla, wo sind wir? Karla? Sam: Weg. Verschwunden. Wie die Wurst im Spunde. Spinde. Terroristin. Mal da mal weg, einfach so. Denn unergründlich sind ihre Wege. Amen. Frank: Ah, Bild und Ton sind wieder da. Waldorf: Ziemlich unscharf, und wackelig. Plotz: Die Radioaktivität, Jonas ist im toten Land. Paretzky: Sieht so aus, irgendwie muß er über die Mauer gekommen sein. Kasbek: Eher unten durch. Plotz: Bis ins tote Land werden sie ihn nicht verfolgen, unsere Leute und Stalin. Frank: Das können wir von ihnen auch nicht verlangen. Paretzky: Heißt das, Jonas ist uns entwischt? Kasbek: Kein Stück. Im toten Land wird er krepieren. Langsam und unschön. Plotz: Und wir sind dabei. Wunderbar. Jonas: Jonas stand auf einem schmalen Streifen Land, Felsen besser gesagt. Über ihm eine brennende rote Sonne, rechts die Mauer, die von hier noch bedrohlicher wirkte als vom Niemandsland. Auf der linken Seite ein riesiger See, bis zum Horizont. Gewaltige Öllachen schwammen auf dem trüben Wasser. Sie schimmerten in allen Regenbogenfarben. Ab und zu blubberten Blasen aus der Tiefe und zerplatzen an der Oberfläche, mit infernalischem Gestank. Nicht sehr einladend. Ich dachte an Fall Euromüll. Die Giftmülldeponie in Afrika. Aber ich dachte nicht lange, dazu war keine Zeit. Sam: Man schießt, Genosse. Jonas: Auf uns, Sammy, die Roboguards auf der Mauer. Sam: Willst du warten, bis sie sich auf dich eingeschossen haben, Stupido. Jonas: Nicht unbedingt, aber was. Sam: Schiffahrt tut not, Herr Vizeadmiral. Unser Kuzunft, Zukunft liegt auf dem Wasser. Steche in See. Jonas: Ungern Sammy. Sam: Ja, fällt dir was besseres ein? Jonas: Leider nicht. Jonas: Am Ufer lagen verrottete Plastikteile, ich griff mir einen leeren Behälter, groß und rund wie ein Baumstamm, noch einigermaßen in Schuß, damit sprang ich in den See, ein leiser müder Platsch, Jonas strampelte mit den Beinen, und kam so schnell weg vom Ufer, auf daß die Roboguards eifrig ballerten. Sollten sie. Ich strampelte weiter und weiter, Stunden vergingen, vielleicht Tage, hinter mir verschwand die Mauer, vor mir erschienen Berge, in weiter Ferne. Plötzlich packte mich was am Bein, eine Hand, eine Flosse, ein Wesen mit Menschenaugen und einem Fischmaul voller scharfer Zähne tauchte aus der Brühe auf, es war nicht allein, das Wasser geriet in Bewegung, mehrere Fischmenschen schnappten nach Jonas, der schlug aus und schlug um sich, es waren zu viele. Sie hätten mich unter die Oberfläche gezerrt, aber es wurde flacher, die Fischmenschen blieben zurück. Ein Stoß, mein Behälter saß fest, in schwarzem Sand. Jonas watete an Land und stolperte weiter. Waldorf: Können Sie was sehen, General. Frank: Grau in Grau. Plotz: Die Signale der Minicam werden immer schwächer. Kasbek: Von Fischmenschen zerfleischt, das wär's doch gewesen. Frank: Abwarten. Paretzky: Da, wir haben wieder Bild. Plotz: Aber keinen Ton. Waldorf: Mein Gott, wo sind wir, wie sieht's denn da aus? Jonas: Knallbunt giftgrün signalrot gallegelb, der Boden bestand aus geschmolzenem Plastik, spitze Zacken scharfe Kanten, das Gehen war mühsam wohin ich ging wußte ich nicht, immer weiter nach Osten, immer tiefer ins tote Land, das mit jedem Schritt toter wurde. Ich blieb stehen. Am Weg ragte eine hohe Eisenstange auf. Verrostet und zerfressen. Darin hing die ausgestopfte Haut eines Menschen mit zwei Köpfen. Sam: Zweifellos eine Warnung, Meister. Jonas: Für mich? Sam: Ja, und wer sonst noch vorbei kommt. Jonas: Warnung. Wovor? Sam: Weiß nicht. Spielen nicht mehr mit, die kleinen grauen Zellen. Sammy verblödet. Demenz. Alzheimer. Jonas: Sam, du redest irre. Sam: Sag ich ja. To... Total irre. Total Irrsinn. Sammy muß aufgetankt werden, dringend. Jonas: Es geht nicht, Sammy. Versuch durchzuhalten. Sam: Gib mir Strom, Meister, nur ein ganz kleines bißchen. Bitte. Jonas: Noch einer mußte dringend aufgetankt werden. Seit Tagen hatte ich nichts in den Magen gekriegt. Ich merkte, wie ich immer schwächer wurde und immer schwerfälliger voranstolperte, bis ich weit vor mir was sah und sofort wieder zu Kräften kam. Jonas: Da, Sammy, ein Haus. Da steht Ca-sa-blanca. Das Casablanca. Da gibt's Strom, Sammy und Synthwhisky und was zu essen. Gleich, Sammy, gleich sind wir da. Ohh, oh oh... Das Casablanca ist weg. Einfach weg. Sam: Ja, schon mal was von Fata Morgana gehört. Glotzkopf. Vater Morgana. Mutter Morgana. Oma Opa Onkel Morgana. Ganze Familie Morgana. Jonas: Jetzt drehst du endgültig durch, Sammy. Sam: Na und. Keine Kraft. Kein Saft. Sam wird dahingerafft. Jonas: Sammy. Sam: Nein hilft alles nichts, Chef. Sammy muß sterben. Jonas: Nein, Sammy, nein. Sam: Ist noch so jung. So jung. Jonas: Computer können nicht sterben. Sam: Wetten daß doch. Leb wohl Meister. Jonas: Sammy. Sam: War schön mit dir, echt super. Vergiß Sammy nicht. Und und begrab mein Herz an der Biegung des Flusses. Jonas: Du hast kein Herz, Sammy. Sam: Wetten daß doch. Sammy hat Gefühle. Sammy ist ein Mensch. Jonas: Du übertreibst. Sam: Vielleicht ein bißchen. Klingt aber schön. Irgendwie richtig schön. Und tschüß. Jonas: Tschüß Sammy. Natürlich war ich traurig, sehr sogar, aber nicht nur. Ganz tief unten regte sich ein völlig anderes Gefühl. Ein Gefühl der Erleichterung, der Befreiung, endlich Ruhe. Ich stolperte weiter, und irgendwann muß ich dann eingeschlafen sein. Als ich aufwachte, war alles anders. Die Luft, das Land, die Farben. Um mich nicht mehr das bunte Gift des toten Landes. Ich sah Grün. Gesundes, lebendiges Grün, Bäume, viele Bäume. Lianen und Orchideen. Ein richtiger Urwald. Affen turnten durch die Zweige, Vögel sangen, unter meinen Füßen war Erde, braune Erde. Träumte ich? Jamaro: Hier Jonas, hier ist dein Weg. Jonas: Jamaro? Jamaro: Folge mir. Jonas: Aber du bist doch tot. Jonas: Jamaro ging voraus, undeutlich, schattenhaft, zwischen den wuchernden Pflanzen kaum zu erkennen. Dann wurde es vor uns heller, immer heller. Jamaro winkte mir zu, und verschwand. Ich trat aus dem Wald ins Licht. Vor mir eine wunderschöne Landschaft, braune Hügel, grüne Wiesen, goldene Felder, vom tiefblauen Himmel schien eine freundliche gelbe Sonne, und in der Ferne sah ich eine Stadt, Häuser, Giebel, Türme, Wetterfahnen. Babylon? Aber diese Stadt war kleiner, ohne Klimadom, und viel schöner. Babylon, wie es vielleicht einmal war, wie es hätte sein können. Ich ging auf die Stadt zu, und aus der Stadt kam mir jemand entgegen. Ich blieb stehen. Ich steckte mitten in einem Wunder, aber ich konnte es nicht glauben. Judith. Judith Delgado. Keine Doppelgängerin mit Plastiface und Mord im Herzen. Judith, meine Judith, sie lief auf mich zu, und auch ich begann zu laufen. Judith: Jonas. Jonas: Judith. Judith: Endlich bist du da, ich warte schon so lange. Komm. Jonas: Wohin? Judith: Nach Babylon natürlich. Da wirst du gebraucht. Philip Marlowe wartet auf dich, Sam Spade, Nestor Burma, die freuen sich mit dir zu arbeiten. Und ich freu mich, weil du nun endlich da bist. Komm. Noch immer kein Bild. Die Minicam ist endgültig hinüber. Was ist mit Jonas. Er ist zusammengebrochen. Das war das letzte, was wir gesehen haben. Der kommt nicht mehr hoch. Jonas sind wir los, oder meine Damen, meine Herren? Ich schlage vor die Aktion Jonas für erfolgreich beendet zu erklären, was meinen sie. Etwas unbefriedigend, aber wie die Dinge liegen. Einverstanden. Von mir aus. Machen wir ein Ende. Das war Abgesang. Eine Folge der Science-Fiction-Krimiserie Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Von Michael Koser. Nähere Informationen und die Folgen zum kostenlosen Download finden Sie unter jonas-nur-jonas-und-sam.de. Eine Produktion der Kanzlei Dr. Bahr. Den Detektiv Jonas sprach Bodo Primus, seinen Supercomputer Sam Peer Augustinski. Außerdem hörten Sie: Karin Anselm, Katja Brügger, Gisela Ferber, Uwe Friedrichsen, Stefan Gnad, Thomas Karallus, Vanida Karun, Andrea Lienau, Christoph Morgenroth, Klaus Nietz, Deef Pirmasens, Christian Stark, Angelika Thomas, Henning Venske, Peter Weis und Elena Wilms. Ton und Technik: Marcus Giersch und Christoph Guder. Aufgenommen im Tonstudio Fährhauston in Hamburg (2008). Regie: Werner Klein.
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Hörspiele von, Michael Koser
Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend ... Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979) Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht, Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit der ... Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969) Um ein Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab... Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner ... Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970) Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade, ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihr Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen einen Haufen Geld ... Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971) Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene Hosen ... Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972) Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja. Ich will nicht daß sie ... Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972) Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles ... Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973) Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus, es war eine ... Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976) NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl, ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts, schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja, danke, ich war eine weile weggetreten wie ... Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978) Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können ... Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980) Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und ... Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983) Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen ... Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986) Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die ... Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986) Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug Geld ... Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988) Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand... Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt besuch wenn es schellt. Ich bin Dr Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die ... Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990) Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne... Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen- braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn in der Hand ... Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991) Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr im Auge behalten ... Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992) Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus, haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame, haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist, Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und kehrte ... Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993) Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Charlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft ... Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996) Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift... Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen ... Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999) Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen, Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver, Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue nicht ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975) Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der ... Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974) Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan, sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder überhaupt ... Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976) ... Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983) Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst, mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ich hatte ... Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der schublade, scotch, ah, ist kein guter scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden ... Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990) Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte indem er mit seinem Zeigefinger ... Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als plötzlich ... Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990) ContinentalDetectiveAgency SanFrancisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück, Ecke Hydestreet Ellistreet mitten im dicksten Schlamm, am späten abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den ... Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus vanity fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen ... Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991) Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky, wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen, Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern ... Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991) Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann ich glaubs ja ... Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993) Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war ... Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich ... Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ... Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen ... Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995) Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehn wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 68 Cent. Sagen Sie Holmbi bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich ... Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997) Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstoben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha also. Ich lebe noch, ja sir. Kriegsveteran, ihr solltest euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja sir... Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh, ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten, oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, sir. Anziehen. Doktor, sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein sir, sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit vom ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991) Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang ... Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken, Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden ... Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993) Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na, mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer? Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er ... Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994) Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Café Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen ... Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996) Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig, und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war ... Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997) Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant, diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude ... Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998) Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt, der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) (Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt. Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Bearbeitung Wort und Regie: Marina Dietz Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Bearbeitung Wort: Mi Jepsen-Föge Regie: Otto Düben Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Bearbeitung Wort: Erwin Neuner Regie: Norbert Schaeffer Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die großen runden Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Bearbeitung Wort: Marina Dietz Regie: Barbara Plensat Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Regie: Rolf Dienewald Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Marlowe: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Marlowe: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Marlowe: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe. Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter. Marlowe: Freut mich. Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Marlowe: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Marlowe: Verdammt. Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Marlowe: Philip Marlowe. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Marlowe: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Marlowe: Nur dieser. ORyan: Was. Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Marlowe: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph. Marlowe: Er heißt also Joseph. Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker. Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Marlowe: Joseph Bakers. Lola: Ja. Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph. Lola: Ja. Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Marlowe: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Marlowe: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Marlowe: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Marlowe: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich. Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe. ORyan: Ah, sie, Marlowe. Marlowe: Ja. ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist. Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab. ORyan: Wen. Marlowe: Den Killer. ORyan: Was. Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln. ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe. Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen. ORyan: Und wer ist noch bei ihnen. Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein. ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr. Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42. ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen. Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden. ORyan: Sind sie sicher, daß er es war. Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller. ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen. Marlowe: Ja. ORyan: Schlüssel. Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu. Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie. Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht. ORyan: Handtuch Marlowe. Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf. ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie. Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas. ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen. Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr. ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus. Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen. ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan? Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte. ORyan: Welcher andere? Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer. ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich? Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus. ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor? Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt. ORyan: Wieso ich? Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar. ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben. Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können. ORyan: Okay. Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat. ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid. Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme. Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein. Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig? Lola: Steigen Sie ein, bitte. Marlowe: Aber schnell weg von hier. Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte. Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie? Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen. Lola: Und was geschah weiter? Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich. Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt? Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind. Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin. Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen. Lola: Ich will auch meine Perlen. Marlowe: Perlen? Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen. Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden. Lola: Ach. Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen. Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben. Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien. Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel. Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Lola: Lola. Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola. Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph. Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja. Lola: Ja. Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus. Lola: Ja. Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren. Lola: Ja. Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei. Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte. Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie? Lola: Ja. Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen. Lola: Das ist lieb von Ihnen. Marlowe: Dritte Etage. Lola: Apartment 31, ich werde hier warten. Marlowe: Ist gut. Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive. Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden? Marlowe: Nicht eine einzige. Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden. Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen. Lola: Ich fände es bedauerlich. Marlowe: Viel Glück, Lola. Lola: Good bye. Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street. Marlowe: Guten Abend. Anja: Sie wünschen. Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko. Anja: Nein, Miss Kolchenko. Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht. Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht? Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst? Anja: Wer sind Sie? Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte. Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung. Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte. Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist? Marlowe: Er ist tot. Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein. Frank: Was ist los mein Schatz? Anja: Hier, der Mann ist Detektiv. Marlowe: Guten Abend. Anja: Bitte mach Musik aus. Frank: Na und? Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen. Frank: Was ist mit dem Wagen? Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen. Frank: Und warum nicht? Warum nicht? Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat. Frank: Verdammt noch mal. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte. Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es. Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse. Frank: Und im Headquarter? Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen. Frank: Und wonach suchten Sie? Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten. Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung? Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug. Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch? Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde. Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz. Anja: Hier habt ihr. Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko. Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug. Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg? Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten. Frank: Wie viel? Marlowe: Sagen wir noch mal 500. Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe. Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür? Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt. Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen. Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus? Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen. Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen. Frank: Ja. Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat. Frank: Verdammt. Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na. Frank: Frank Barsaly. Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart. ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her? Marlowe: Sie gehören einer Dame. ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht. Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen. ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr. Marlowe: Wer war er denn? Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen. Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat. Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen. Marlowe: Danke Inspektor. ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie? Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte. ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe. Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein. Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch. Marlowe: Falsch? Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch. Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten? Miller: Wenn nicht mehr. Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden. Miller: Ja. Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden? Miller: Papiere? Keine. ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie? Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe. ORyan: Und was die Dame anbelangt. Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen. ORyan: Ah, schon etwas. Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker. ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame? Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen. ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren? Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen. ORyan: Ja, möglich. Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau. ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter. Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte. Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher. Marlowe: Eben. Miller: Ist das alles? Marlowe: Ja. Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür? Marlowe: Ich. ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht. Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe? Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen. ORyan: So. Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel? ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten. Miller: Sam. ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe. Miller: Steck die Waffe weg, Sam. ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können. Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden. Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn. Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg. Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken. Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir. Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand. Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun. Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club. Miller: Danke. Komm Sam gehen wir. Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen. Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen. Marlowe: Okay. Miller: Komm schon. Lola: Hallo. Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola? Lola: Ja, ich bin allein. Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden. Lola: Was denn? Marlowe: Die Perlen. Lola: Ja. Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft. Lola: Oh nein. Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen. Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden? Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen. Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen? Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden? Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung. Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf. Lola: Also um vier. Mann: Ja. Was solls? Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500. Mann: Okay, Mr. Marlowe. Marlowe: Danke. Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen. Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit? Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell. Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden. Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben. Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig. Marlowe: Danke. Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs. Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben. Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung. Lola: Danke. Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen? Lola: Ja. Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat. Lola: Natürlich. Marlowe: Er muß den Mund halten. Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan. Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen. Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben. Marlowe: Allerdings. Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen. Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Bearbeitung Wort und Regie: Edmund Steinberger Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Spade: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Spade: Ich dachte. Hook: Na was denn. Spade: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los, Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann. Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann. Elvira: Hook sei doch vernünftig. Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden. Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter. Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können. Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Hook: Elvira, komm doch mal her. Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will. Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her. Elvira: Was willst du denn von mir. Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide. Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse. Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen. Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook. Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren. Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein. Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann. Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe. Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit. Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen. Elvira: Pst ich glaube er kommt. Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst. Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist. Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman. Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook. Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt. Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr. Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will. Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen. Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei. Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen. Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt. Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen. Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook. Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen. Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen. Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr. Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen. Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig. Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler. Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver. Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn. Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt. Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten. Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner. Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen. Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht. Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen. Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind. Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen. Tai: Was soll das heißen. Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte. Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt. Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen. Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was. Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her. Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere. Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie. Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund. Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken. Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt. Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen. Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie. Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen. Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon. Spade: Hm, das Mädchen. Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann. Tai: Was dann. Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich. Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr. Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern. Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt. Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben. Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her. Elvira: Was willst du von mir. Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade. Elvira: Ja hier sind Sie. Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln. Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt. Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand. Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst. Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß. Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt. Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck. Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas. Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen. Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann. Mr Quarre: Gut wie du meinst. Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt. Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte. Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen. Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um. Tai: Wo ist Elvira. Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig. Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand. Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun. Tai: Was denn, was für einen Gefallen. Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht. Tai: Warum es geht. Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung. Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier. Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht. Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen. Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy (Detektiv): Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Bearbeitung Wort: Carl Dietrich Carls Regie: Heinz Wilhelm Schwarz Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit. Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarz-schimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch. Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts. Burma: Ja, und sie. Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst. Burma: Wohin soll ich nicht gehen. Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr. Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase. Belita: Er ist tot. Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz. Belita: Wie meinen sie das. Burma: Nur so, weiter. Belita: Das ist alles. Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben. Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht. Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt. Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater. Burma: Was wollte er von mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt. Belita: Ja. Burma: Was. Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen. Burma: Und, vertrauen sie mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Viel wissen sie wirklich nicht. Belita: Nur daß er tot ist. Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das. Belita: Glauben sie mir nicht. Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen. Belita: Belita, Belita Morales. Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig. Belita: Ich weiß. Burma: Ach endlich wissen sie mal was. Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt. Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit. Belita: Nein. Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme. Belita: Das würde ich ihnen nicht raten. Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden. Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie. Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma. Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten. Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen. Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale. Burma: Ich bin kein Kommunist. Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins. Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe. Fabre: Verdammte Anarchisten. Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört. Fabre: Der Tiger. Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf. Fabre: Das hat er gesagt der Tiger. Burma: Jawohl mein lieber. Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich. Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben. Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit. Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet. Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich. Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht. Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt. Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an. Fabre: Na Monsieur Burma. Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht. Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus. Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen. Fabre: Lenantais. Burma: Lenantais, der aus Nord. Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel. Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn. Fabre: Wann und wo. Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier. Fabre: Falsch. Burma: Wieso falsch. Fabre: Vegetarier. Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren. Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter. Burma: Ein bißchen. Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach. Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten. Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte. Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken. Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich. Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen. Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird. Faroux: Gehen wir in ein Bistro. Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck. Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank. Burma: Er war tolerant. Faroux: Was trinken sie. Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er. Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen. Burma: Und was machte er so. Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt. Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele. Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf. Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem. Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick. Frau: Redaktion Le Crepuscule. Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet. Frau: Ich verbinde. Covet: Hallo. Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird. Covet: Ist das der anfang von was. Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit. Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität. Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener. Covet: Also mißachtest du seinen Willen. Burma: Kann schon sein. Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf. Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit. Mann: Am ende vom hof links. Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand. Burma: Hallo Belita. Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure. Burma: Ich schlafe immer allein. Frau: Und du, du Hurenbock. Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs. Belita: Danke. Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag. Belita: Ich hab die flics gesehen. Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln. Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus. Belita: Ich kümmer mich drum. Burma: Na legen sie sich hin. Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm. Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt. Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin. Belita: Wofür halten sie mich. Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe. Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte. Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr. Belita: Er hat mich gekauft. Burma: Gekauft. Belita: Ja. Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin. Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich. Burma: Und wieso gekauft. Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen. Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter. Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet. Burma: Was. Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte. Burma: Und. Belita: Er hat mich nie angerührt, und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv. Burma: Wir. Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen. Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann. Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an. Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum. Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat. Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt. Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare. Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück. Belita: Jetzt hast du mich geduzt. Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell. Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit. Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen. Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe. Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist. Lacorre: Allerdings. Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist. Lacorre: Hätte noch gefehlt. Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes. Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut. Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten. Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen. Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle. Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen. Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen. Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen. Belita: Wie alt warst du da. Burma: 17. Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre. Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen. Belita: Abel mochte dich wohl besonders. Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen. Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall. Burma: Ich sollte gehen. Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest. Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt. Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht. Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador. Salvador: Los, mitkommen. Burma: Wer ich. Salvador: Die da. Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab. Salvador: Vor dir. Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen. Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an. Salvador: Ich hau ja schon ab. Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam. Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist. Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte. Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich. Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei. Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir. Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen. Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen. Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues. Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe. Burma: Und mein Freund Florimond Faroux. Helene: Nichts Chef. Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht. Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin. Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene. Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag. Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten. Belita: Madre dios, der Arzt. Burma: Was ist mit dem Arzt. Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das. Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er. Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen. Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert. Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel. Belita: Schon wieder ein toter. Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den. Belita: Nie gesehen. Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken. Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen. Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert. Belita: Was machen wir jetzt. Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen. Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte. Belita: Rue de tolbiac. Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz. Belita: Sei vorsichtig. Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen. Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten. Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest. Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket. Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch. Belita: Ich hab Angst, cheri. Burma: Ach was, mon amour. Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte. Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst. Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf. Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück. Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung. Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das. Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht. Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet. Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn. Burma: Nein nie gehört. Helene: Aber er kennt sie. Burma: Und woher wissen sie das. Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie. Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären. Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung. Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot. Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen. Burma: Warum. Mann: Hören sie die Säge, Monsieur. Burma: Jetzt nicht mehr. Mann: Eben, die Stunde x, Streik. Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte. Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben. Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt. Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno. Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni. Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es. Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird. Baurenot: Aha, versteh ich nicht. Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen. Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht. Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast. Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt. Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert. Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine. Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon. Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal. Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen. Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien. Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr. Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen. Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich. Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los. Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück. Burma: Hat er den Geldboten überfallen. Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier. Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts. Baurenot: Du jetzt reichts aber. Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher. Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre. Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Baurenot: Aha, ist aber schade. Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft. Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte. Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage. Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet. Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi. Burma: Belita, Belita. Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser, wenn ich gehe. Belita: Es ist besser, wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe, wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet. Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen. Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm. Burma: Ja sieht so aus. Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau. Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse. Covet: Wie verstehe ich denn das. Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee. Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen. Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten. Covet: Ja, mach ich. Mann: gott ist mit dir. Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagno-Sträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen. Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit. Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar. Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere. Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken. Mann: Das bekommt die polizei Monsieur. Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre. Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden. Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich. Covet: Wer wars. Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten. Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen. Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser. Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld. Burma: Was, der Mord an Lacorre. Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein. Burma: So ungefähr. Baurenot: Delong hat den Kopf verloren. Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde. Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht. Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch. Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte. Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler Inspektor Fabre: Jürgen Andreas Belita: Manuela Romberg Marc Covet: Andreas Mannkopff Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler Joachim Bartels Manfred Boehm Ernst Konarek Wolfgang Reinsch Margarete Salbach Willi Schneider Andreas Szerda Iris Werlin Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Bernd Lau Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Helene: Noch was zu trinken, Chef? Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Ferrand: Nestor Burma. Burma: Höchstpersönlich. Ferrand: Hier ist Ferrand. Burma: Ferrand. Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar? Helene: Wer war das? Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen. Helene: Das ist wiederum nicht unüblich. Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen. Helene: Und, gehen Sie hin? Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen Helene. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf. Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris. Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen. Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma. Frau: Würden Sie bitte hier warten. Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus. Henriette: Oh, ich wußte nicht. Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an. Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich. Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen. Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung. Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht. Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick. Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch. Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei? Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen. Burma: Im Palais Justice. Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert. Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab. Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden. Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum? Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören. Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten. Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken. Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit. Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen. Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten. Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix. Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch. Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft, und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen. Burma: Aber doch nicht hier, Ferrand, da kommt jemand. Ferrand: Sie haben recht. Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen. Ferrand: Gehen wir zu mir. Burma: Du machst es aber sehr wichtig. Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen. Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame. Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer. Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte. Ferrand: Gehen wir rauf. Gut. Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven. Frau: Oh, wen haben wir denn da? Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach. Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück. Burma: Was war das für eine Frau? Ferrand: Keine Ahnung. Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher. Ferrand: Meinen Sie, ich gehöre hierher? Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne. Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört? Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire. Ferrand: Und ich bin einer von denen. Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen? Ferrand: Wofür halten sie mich? Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn. Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen. Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen. Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles. Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert. Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe Sie an, spätestens morgen. Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, ein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel. Burma: Ja. Helene: Ich wollte nur wissen, Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro? Burma: Bin spät ins Bett gegangen. Helene: Keine Details, bitte. Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da. Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein. Helene: Erzählen Sie, Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter. Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht. Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet. Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein. Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt. Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen. Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist. Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht. Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden. Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen? Burma: So kann man es auch sagen. Covet: Blond. Burma: Rot. Covet: Umso besser, ist was im Busch? Burma: Vielleicht. Covet: Fällt was für mich ab? Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen? Covet: Ah, kam sie aus dem Haus? Burma: Aus welchem Haus? Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein. Burma: Ja, danke, Covet. Covet: Salut. Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen. Helene: Laden Sie mich ein? Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt. Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja. Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen. Burma: Dauerts lange? Mann: Kann man vorher schlecht sagen. Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne? Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame. Helene: Und wer ist Gilo? Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame. Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig. Mann: Erstklassig. Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu. Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen? Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker. Helene: Wie furchtbar. Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein. Helene: Wir sind wohl allein hier, was? Burma: Gehen wir nach oben. Helene: Verlassen das Nest. Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden. Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren? Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an. Helene: Muß das sein? Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung. Helene: Lassen Sie das hängen. Burma: Ich nahm Sie trotzdem ab, ein Foto, 6 x 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett. Helene: Nein sowas. Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote. Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto. Burma: Kennst du die hier zufällig? Mann: Wollen sie mich verarschen? Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen? Mann: Die ist was ganz anderes. Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land. Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais. Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt. Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen? Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an. Helene: Und dann. Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei. Helene: Dem Kunstkritiker. Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt. Helene: Und dann gehen wir aber essen. Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch. Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben. Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte. Jakowski: Kommen Sie ruhig rein. Helene: Danke. Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden. Helene: Wer ist das? Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir. Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder. Jakowski: Was möchten Sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags. Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen Sie die? Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an. Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit. Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr? Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist. Jakowski: Warum nicht, glaube schon. Burma: Was anderes, Sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay? Jakowski: Das glaube ich nicht. Burma: Ich danke Ihnen, wir werden Sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle. Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen. Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen. Helene: Aber gerne. Jakowski: Vom Flohmarkt. Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt. Helene: Unglaublich. Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt. Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein. Courtenay: Kommen Sie, ich habe mit ihnen zu reden. Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus. Courtenay: Also, wie viel. Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause? Courtenay: Geht sie nichts an. Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich. Courtenay: Was meinen Sie? Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, Sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen. Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen. Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht? Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht. Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig. Burma: Aber Sie halten sie für schuldig. Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr. Burma: Sie lieben ihre Frau. Courtenay: Warum schleichen Sie um mein Haus herum? Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht. Courtenay: Lassen Sie ihr etwas Ruhe, ich habe Sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten. Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, den Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts. Helene: Ja. Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern. Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen. Burma: Sie hatte Komplizen. Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr. Burma: Eine gute Idee, mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen. Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also. Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt. Helene: Wieso da? Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein. Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit. Zavatter: Hallo. Burma: Zavatter. Zavatter: Chef. Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sie eine Erpressung lohnt. Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer? Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia. Zavatter: Bis morgen dann. Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen. Dr: Hallo. Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche? Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie? Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv. Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick. Burma: So lala. Dr: Nicht überarbeitet vielleicht. Burma: Na ja. Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig. Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel. Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz. Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen. Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz. Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin. Dr: Bedaure, woher haben Sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register. Burma: Sie stand auf einem zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat. Dr: Ja, und. Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft? War überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt. Kuh: Muh. Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja. Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten. Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma. Henriette: Ah ja. Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering. Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen. Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte. Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden. Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute. Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann. Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken. Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen Sie, ich bring sie hinaus. Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay. Courtenay: Ich wollte Sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden. Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau? Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer. Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit. Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat. Burma: Haben Sie ihr von mir erzählt. Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, Blut verschmiert. Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen Sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie? Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt. Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt. Courtenay: Es gibt Regen. Burma: Es donnert schon. Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen. Burma: Was war das? Courtenay: Offensichtlich ein Unfall. Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan. Courtenay: Das ist alles ihre Schuld. Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau. Courtenay: Sie ist tot. Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen. Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat. Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich. Courtenay: Dr. Delanglad. Burma: Delanglad oder Dalalück? Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück? Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft. Courtenay: Verschwinden Sie. Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte. Das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken. Faroux: Salü Nestor, haben Sie meinen Anruf erwartet. Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden. Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris. Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben. Faroux: Ja, warum nicht? Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib. Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten. Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen. Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal? Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris. Helene: Im Park? Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See. Helene: Wars tatsächlich Selbstmord? Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt. Helene: Wie denn? Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch. Helene: Nichts als Vermutung, oder? Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber. Helene: Alle Männer sind Schweine. Burma: Ich bin anders als alle. Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat. Burma: Sie rumgekriegt mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische. Helene: Das ist doch verrückt. Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter, und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet. Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben, Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden. Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag. Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder. Burma: Die Ratten von Montsouris. Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer. Burma: Ach ja, die Liste. Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben. Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder? Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren. Burma: Mhm, und weiter? Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da. Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten. Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr. Helene: Was haben sie denn rausgekriegt? Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von. Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte. Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr. Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden. Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt. Burma: Nicht ungewöhnlich. Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau. Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten. Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung. Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef? Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert. Helene: Ich komme mit. Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienst-mädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück. Frau: Na ja, bei dem Wetter. Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden. Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich. Burma: Hatten Sie Angst? Frau: Ich hatte meinen freien Tag, Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau. Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause? Frau: Ich glaube nicht, Monsieur. Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer. Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie. Burma: Los, öffnen Sie. Mann: Moment, ich komm ja schon. Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein. Mann: Was kann ich für Sie tun? Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas. Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere. Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können. Helene: Machen Sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder. Burma: War der Mörder, lassen Sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt. Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß? Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen. Helene: Chef, wenn Sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon. Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde. Burma: Was wollte der Araber? Mann: Mich erpressen wegen der Bilder. Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja. Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand. Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft. Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich. Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich. Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe. Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen Sie? Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten. Henriette: Ach ja, der Erpresser. Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand. Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind Sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich. Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam. Gaudebert: Monsieur Burma. Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand. Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen. Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen. Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt. Burma: Das erzählten sie, ja. Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht. Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte. Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung. Monsieur Burma. Burma: Was wollen Sie damit sagen? Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat. Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken. Dr: Sie erinnern sich noch an mich. Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch. Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht. Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks. Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, Sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte. Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen. Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet. Burma: Wie bitte? Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie sainte anne vollkommen verrückt. Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort. Dr: Er schreibt Gedichte. Ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Gastelnos Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte. Burma: Nicht so richtig. Dr: Wollen Sie seine Texte lesen? Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren. Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden. Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens? Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie. Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand. Dr: Tja, so geht das meistens weiter. Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Helene: Was wurde denn erbeutet? Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden. Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen? Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst. Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen? Burma: Nein, noch nicht. Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat. Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden? Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur? Burma: Steht die Prämie noch? Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie Sie. Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen. Helene: Ein großer Wirrwarr, Chef, sie schwimmen immer noch. Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin. Jakowski: Sie schon wieder, Burma. Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben. Schon mal was von Jeff Harrison gehört? Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben. Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert? Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun? Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat. Jakowski: Ach und sie meinen, kommen Sie, schauen wir nach. Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung. Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang. Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren? Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat. Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert. Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben. Auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise. Ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste. Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann. Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert. Gaudebert: Reden Sie, Burma. Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat. Wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse. Gaudebert: Aber wie wie sind Sie? Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen. Woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen. Helene: Ganz allein, haben Sie keine Angst? Burma: Nö. Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse. Gaudebert: Gehen wir. Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser. Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma. Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen. Burma: Wovor haben Sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen? Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier. Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver. Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter. Henriette: Hahaha. Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus. Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können. Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich. Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und sie sich auch nicht. Henriette: Mir ist das doch scheißegal. Gaudebert: Keine Bewegung, Burma. Burma: Was wollen sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war? Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen. Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da. Gaudebert: Was? Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen? Gaudebert: Das ist nicht wahr. Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht? Henriette: Vollkommen. Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen. Gaudebert: Hure. Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her. Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig. Gaudebert: Sie Dreckskerl. Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache. Faroux: Hallo Nestor. Burma: Hallo. Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen. Burma: Nein, diesmal nicht. Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen? Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen. Sie hörten Die Ratten von Montsouris nach dem Kriminalroman von Leo Malet. Christian Brückner Nestor Burma Sabine Postel Helene Chatelet Matthias Ponnier Ferrand (Freund von R. Castellenot) Aljoscha Sebald Armand Gaudebert Katja Teichmann Henriette Castellenot Dieter Eppler Florimond Faroux Ernst Konarek Monsieur Jakowski Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay Peter Panhans Zavatter Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Hans Gerd Krogmann Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Radio: Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Shirley: Tony. Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola... Hodding: Ah ah... Proctor: Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding. Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Mann: Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Mann: Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Frau: Ah ah. Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Radio: What a wonderful world... Mann: Ah ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Mann: Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment. Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies Vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Mann: Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Joyce: Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. Mann: 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer: Komm Hamond. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Mann: Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Mann: Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Mann: Oh. Radio: And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Bearbeitung Wort: Franz-Maria Sonner Regie: Barbara Plensat Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Myrna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse. Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja, das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming-pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Myrna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo, Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die Blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel. Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg. Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt. Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen. Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen. Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen. Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch. Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip. Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja. Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips. Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben. Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine. Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt. Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu. Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode. Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an. Manning: Wie konntest du nur. Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch. Mike: Es war leicht. Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler Charlotte Manning: Caroline Schreiber Marry Bellemy: Myriam Gurland Pat Chambers: Justus Fritzsche George Kalecki: Horst Mendroch Bobo Hopper: Steffen Schult Bearbeitung Wort: Regine Ahrem Regie: Thomas Werner Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Hörspiele von, Michael Koser
Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend ... Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979) Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht, Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit der ... Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969) Um ein Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab... Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner ... Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970) Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade, ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihr Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen einen Haufen Geld ... Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971) Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene Hosen ... Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972) Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja. Ich will nicht daß sie ... Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972) Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles ... Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973) Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus, es war eine ... Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976) NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl, ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts, schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja, danke, ich war eine weile weggetreten wie ... Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978) Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können ... Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980) Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und ... Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983) Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen ... Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986) Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die ... Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986) Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug Geld ... Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988) Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand... Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt besuch wenn es schellt. Ich bin Dr Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die ... Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990) Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne... Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen- braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn in der Hand ... Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991) Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr im Auge behalten ... Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992) Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus, haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame, haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist, Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und kehrte ... Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993) Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Charlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft ... Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996) Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift... Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen ... Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999) Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen, Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver, Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue nicht ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975) Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der ... Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974) Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan, sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder überhaupt ... Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976) ... Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983) Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst, mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ich hatte ... Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der schublade, scotch, ah, ist kein guter scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden ... Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990) Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte indem er mit seinem Zeigefinger ... Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als plötzlich ... Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990) ContinentalDetectiveAgency SanFrancisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück, Ecke Hydestreet Ellistreet mitten im dicksten Schlamm, am späten abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den ... Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus vanity fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen ... Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991) Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky, wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen, Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern ... Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991) Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann ich glaubs ja ... Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993) Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war ... Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich ... Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ... Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen ... Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995) Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehn wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 68 Cent. Sagen Sie Holmbi bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich ... Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997) Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstoben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha also. Ich lebe noch, ja sir. Kriegsveteran, ihr solltest euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja sir... Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh, ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten, oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, sir. Anziehen. Doktor, sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein sir, sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit vom ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991) Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang ... Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken, Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden ... Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993) Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na, mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer? Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er ... Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994) Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Café Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen ... Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996) Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig, und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war ... Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997) Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant, diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude ... Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998) Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt, der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Rolf und Alexandra Becker: Gestatten, mein Name ist Cox (BR 1958) Gestatten, mein Name ist Cox. Mr Wallings, Mr Wallings, ah. Mr Peacock, Mr Peacock. Was ist denn los. So kommen sie doch, oh wie schrecklich, sehen sie doch, Mr Wallings, da umgebracht. Mord, Mord. Mord. Ja, Mord schrien die Leute, und wie sie schrien, also ich hab ja schon viele Leute schreien gehört so, beim Fußball oder im Hydepark oder so, aber was die für ein Lärm geschlagen haben, bloß weil da ein Toter lag, er lag mit dem Bauch auf seinem Schreibtisch, ein Messer im Kreuz, ja wenn ich ihnen jetzt verrate, daß das mein Messer war, dann werden sie bestimmt glauben, ich hätte den Kerl umgebracht, was na sehen sie, ne ne, meine Situation war nicht angenehm, schon gar nicht, da stand ich, in so ner Duschkabine versteckt ... Rolf und Alexandra Becker: Die Experten (BR 1980) Meine Damen und Herren, sie haben ihr Radio eingeschaltet und sie hören die 1. Episode der Sendereihe Die Experten. Wir informieren sie über die haarsträubende Geschichte einer deutschen Durchschnittsfamilie in dieser unserer Zeit. Verehrte Hörerinnen und Hörer, wir stellen vor die Familie Robinson. Angenehm. Sehr erfreut. Hallo. Hi. Servus. In ihrem schmucken Einfamilienhaus mit dem hübschen gepflegten Garten ist die Welt noch heil, eine intakte Familie wie die Soziologen sagen, die Robinsons teilen Freud und Leid miteinander, sie treffen sich pünktlich zu den Mahlzeiten, halten die Feiertage heilig und die Familientradition hoch, sie putzen regelmäßig Schuhe und Zähne und sind nett zueinander. Es ist 11 Uhr vormittags ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) (Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt. Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Bearbeitung Wort und Regie: Marina Dietz Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Bearbeitung Wort: Mi Jepsen-Föge Regie: Otto Düben Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Bearbeitung Wort: Erwin Neuner Regie: Norbert Schaeffer Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die großen runden Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Bearbeitung Wort: Marina Dietz Regie: Barbara Plensat Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Regie: Rolf Dienewald Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Marlowe: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Marlowe: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Marlowe: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe. Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter. Marlowe: Freut mich. Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Marlowe: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Marlowe: Verdammt. Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Marlowe: Philip Marlowe. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Marlowe: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Marlowe: Nur dieser. ORyan: Was. Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Marlowe: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph. Marlowe: Er heißt also Joseph. Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker. Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Marlowe: Joseph Bakers. Lola: Ja. Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph. Lola: Ja. Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Marlowe: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Marlowe: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Marlowe: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Marlowe: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich. Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe. ORyan: Ah, sie, Marlowe. Marlowe: Ja. ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist. Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab. ORyan: Wen. Marlowe: Den Killer. ORyan: Was. Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln. ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe. Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen. ORyan: Und wer ist noch bei ihnen. Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein. ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr. Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42. ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen. Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden. ORyan: Sind sie sicher, daß er es war. Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller. ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen. Marlowe: Ja. ORyan: Schlüssel. Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu. Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie. Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht. ORyan: Handtuch Marlowe. Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf. ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie. Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas. ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen. Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr. ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus. Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen. ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan? Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte. ORyan: Welcher andere? Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer. ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich? Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus. ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor? Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt. ORyan: Wieso ich? Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar. ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben. Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können. ORyan: Okay. Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat. ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid. Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme. Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein. Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig? Lola: Steigen Sie ein, bitte. Marlowe: Aber schnell weg von hier. Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte. Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie? Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen. Lola: Und was geschah weiter? Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich. Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt? Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind. Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin. Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen. Lola: Ich will auch meine Perlen. Marlowe: Perlen? Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen. Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden. Lola: Ach. Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen. Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben. Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien. Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel. Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Lola: Lola. Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola. Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph. Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja. Lola: Ja. Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus. Lola: Ja. Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren. Lola: Ja. Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei. Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte. Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie? Lola: Ja. Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen. Lola: Das ist lieb von Ihnen. Marlowe: Dritte Etage. Lola: Apartment 31, ich werde hier warten. Marlowe: Ist gut. Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive. Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden? Marlowe: Nicht eine einzige. Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden. Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen. Lola: Ich fände es bedauerlich. Marlowe: Viel Glück, Lola. Lola: Good bye. Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street. Marlowe: Guten Abend. Anja: Sie wünschen. Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko. Anja: Nein, Miss Kolchenko. Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht. Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht? Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst? Anja: Wer sind Sie? Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte. Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung. Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte. Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist? Marlowe: Er ist tot. Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein. Frank: Was ist los mein Schatz? Anja: Hier, der Mann ist Detektiv. Marlowe: Guten Abend. Anja: Bitte mach Musik aus. Frank: Na und? Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen. Frank: Was ist mit dem Wagen? Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen. Frank: Und warum nicht? Warum nicht? Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat. Frank: Verdammt noch mal. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte. Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es. Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse. Frank: Und im Headquarter? Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen. Frank: Und wonach suchten Sie? Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten. Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung? Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug. Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch? Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde. Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz. Anja: Hier habt ihr. Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko. Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug. Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg? Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten. Frank: Wie viel? Marlowe: Sagen wir noch mal 500. Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe. Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür? Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt. Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen. Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus? Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen. Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen. Frank: Ja. Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat. Frank: Verdammt. Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na. Frank: Frank Barsaly. Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart. ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her? Marlowe: Sie gehören einer Dame. ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht. Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen. ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr. Marlowe: Wer war er denn? Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen. Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat. Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen. Marlowe: Danke Inspektor. ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie? Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte. ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe. Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein. Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch. Marlowe: Falsch? Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch. Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten? Miller: Wenn nicht mehr. Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden. Miller: Ja. Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden? Miller: Papiere? Keine. ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie? Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe. ORyan: Und was die Dame anbelangt. Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen. ORyan: Ah, schon etwas. Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker. ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame? Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen. ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren? Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen. ORyan: Ja, möglich. Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau. ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter. Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte. Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher. Marlowe: Eben. Miller: Ist das alles? Marlowe: Ja. Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür? Marlowe: Ich. ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht. Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe? Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen. ORyan: So. Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel? ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten. Miller: Sam. ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe. Miller: Steck die Waffe weg, Sam. ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können. Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden. Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn. Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg. Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken. Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir. Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand. Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun. Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club. Miller: Danke. Komm Sam gehen wir. Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen. Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen. Marlowe: Okay. Miller: Komm schon. Lola: Hallo. Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola? Lola: Ja, ich bin allein. Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden. Lola: Was denn? Marlowe: Die Perlen. Lola: Ja. Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft. Lola: Oh nein. Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen. Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden? Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen. Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen? Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden? Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung. Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf. Lola: Also um vier. Mann: Ja. Was solls? Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500. Mann: Okay, Mr. Marlowe. Marlowe: Danke. Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen. Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit? Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell. Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden. Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben. Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig. Marlowe: Danke. Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs. Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben. Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung. Lola: Danke. Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen? Lola: Ja. Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat. Lola: Natürlich. Marlowe: Er muß den Mund halten. Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan. Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen. Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben. Marlowe: Allerdings. Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen. Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Bearbeitung Wort und Regie: Edmund Steinberger Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Spade: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Spade: Ich dachte. Hook: Na was denn. Spade: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los, Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann. Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann. Elvira: Hook sei doch vernünftig. Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden. Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter. Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können. Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Hook: Elvira, komm doch mal her. Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will. Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her. Elvira: Was willst du denn von mir. Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide. Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse. Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen. Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook. Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren. Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein. Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann. Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe. Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit. Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen. Elvira: Pst ich glaube er kommt. Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst. Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist. Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman. Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook. Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt. Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr. Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will. Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen. Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei. Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen. Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt. Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen. Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook. Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen. Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen. Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr. Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen. Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig. Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler. Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver. Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn. Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt. Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten. Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner. Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen. Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht. Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen. Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind. Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen. Tai: Was soll das heißen. Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte. Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt. Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen. Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was. Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her. Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere. Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie. Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund. Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken. Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt. Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen. Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie. Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen. Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon. Spade: Hm, das Mädchen. Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann. Tai: Was dann. Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich. Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr. Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern. Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt. Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben. Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her. Elvira: Was willst du von mir. Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade. Elvira: Ja hier sind Sie. Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln. Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt. Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand. Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst. Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß. Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt. Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck. Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas. Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen. Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann. Mr Quarre: Gut wie du meinst. Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt. Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte. Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen. Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um. Tai: Wo ist Elvira. Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig. Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand. Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun. Tai: Was denn, was für einen Gefallen. Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht. Tai: Warum es geht. Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung. Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier. Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht. Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen. Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy (Detektiv): Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Bearbeitung Wort: Carl Dietrich Carls Regie: Heinz Wilhelm Schwarz Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit. Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarz-schimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch. Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts. Burma: Ja, und sie. Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst. Burma: Wohin soll ich nicht gehen. Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr. Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase. Belita: Er ist tot. Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz. Belita: Wie meinen sie das. Burma: Nur so, weiter. Belita: Das ist alles. Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben. Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht. Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt. Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater. Burma: Was wollte er von mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt. Belita: Ja. Burma: Was. Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen. Burma: Und, vertrauen sie mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Viel wissen sie wirklich nicht. Belita: Nur daß er tot ist. Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das. Belita: Glauben sie mir nicht. Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen. Belita: Belita, Belita Morales. Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig. Belita: Ich weiß. Burma: Ach endlich wissen sie mal was. Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt. Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit. Belita: Nein. Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme. Belita: Das würde ich ihnen nicht raten. Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden. Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie. Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma. Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten. Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen. Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale. Burma: Ich bin kein Kommunist. Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins. Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe. Fabre: Verdammte Anarchisten. Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört. Fabre: Der Tiger. Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf. Fabre: Das hat er gesagt der Tiger. Burma: Jawohl mein lieber. Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich. Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben. Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit. Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet. Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich. Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht. Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt. Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an. Fabre: Na Monsieur Burma. Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht. Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus. Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen. Fabre: Lenantais. Burma: Lenantais, der aus Nord. Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel. Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn. Fabre: Wann und wo. Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier. Fabre: Falsch. Burma: Wieso falsch. Fabre: Vegetarier. Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren. Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter. Burma: Ein bißchen. Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach. Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten. Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte. Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken. Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich. Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen. Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird. Faroux: Gehen wir in ein Bistro. Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck. Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank. Burma: Er war tolerant. Faroux: Was trinken sie. Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er. Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen. Burma: Und was machte er so. Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt. Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele. Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf. Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem. Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick. Frau: Redaktion Le Crepuscule. Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet. Frau: Ich verbinde. Covet: Hallo. Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird. Covet: Ist das der anfang von was. Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit. Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität. Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener. Covet: Also mißachtest du seinen Willen. Burma: Kann schon sein. Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf. Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit. Mann: Am ende vom hof links. Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand. Burma: Hallo Belita. Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure. Burma: Ich schlafe immer allein. Frau: Und du, du Hurenbock. Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs. Belita: Danke. Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag. Belita: Ich hab die flics gesehen. Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln. Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus. Belita: Ich kümmer mich drum. Burma: Na legen sie sich hin. Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm. Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt. Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin. Belita: Wofür halten sie mich. Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe. Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte. Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr. Belita: Er hat mich gekauft. Burma: Gekauft. Belita: Ja. Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin. Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich. Burma: Und wieso gekauft. Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen. Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter. Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet. Burma: Was. Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte. Burma: Und. Belita: Er hat mich nie angerührt, und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv. Burma: Wir. Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen. Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann. Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an. Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum. Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat. Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt. Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare. Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück. Belita: Jetzt hast du mich geduzt. Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell. Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit. Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen. Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe. Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist. Lacorre: Allerdings. Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist. Lacorre: Hätte noch gefehlt. Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes. Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut. Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten. Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen. Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle. Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen. Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen. Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen. Belita: Wie alt warst du da. Burma: 17. Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre. Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen. Belita: Abel mochte dich wohl besonders. Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen. Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall. Burma: Ich sollte gehen. Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest. Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt. Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht. Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador. Salvador: Los, mitkommen. Burma: Wer ich. Salvador: Die da. Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab. Salvador: Vor dir. Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen. Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an. Salvador: Ich hau ja schon ab. Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam. Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist. Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte. Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich. Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei. Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir. Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen. Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen. Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues. Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe. Burma: Und mein Freund Florimond Faroux. Helene: Nichts Chef. Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht. Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin. Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene. Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag. Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten. Belita: Madre dios, der Arzt. Burma: Was ist mit dem Arzt. Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das. Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er. Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen. Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert. Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel. Belita: Schon wieder ein toter. Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den. Belita: Nie gesehen. Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken. Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen. Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert. Belita: Was machen wir jetzt. Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen. Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte. Belita: Rue de tolbiac. Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz. Belita: Sei vorsichtig. Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen. Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten. Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest. Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket. Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch. Belita: Ich hab Angst, cheri. Burma: Ach was, mon amour. Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte. Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst. Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf. Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück. Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung. Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das. Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht. Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet. Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn. Burma: Nein nie gehört. Helene: Aber er kennt sie. Burma: Und woher wissen sie das. Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie. Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären. Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung. Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot. Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen. Burma: Warum. Mann: Hören sie die Säge, Monsieur. Burma: Jetzt nicht mehr. Mann: Eben, die Stunde x, Streik. Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte. Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben. Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt. Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno. Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni. Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es. Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird. Baurenot: Aha, versteh ich nicht. Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen. Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht. Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast. Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt. Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert. Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine. Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon. Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal. Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen. Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien. Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr. Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen. Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich. Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los. Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück. Burma: Hat er den Geldboten überfallen. Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier. Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts. Baurenot: Du jetzt reichts aber. Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher. Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre. Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Baurenot: Aha, ist aber schade. Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft. Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte. Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage. Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet. Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi. Burma: Belita, Belita. Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser, wenn ich gehe. Belita: Es ist besser, wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe, wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet. Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen. Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm. Burma: Ja sieht so aus. Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau. Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse. Covet: Wie verstehe ich denn das. Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee. Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen. Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten. Covet: Ja, mach ich. Mann: gott ist mit dir. Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagno-Sträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen. Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit. Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar. Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere. Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken. Mann: Das bekommt die polizei Monsieur. Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre. Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden. Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich. Covet: Wer wars. Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten. Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen. Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser. Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld. Burma: Was, der Mord an Lacorre. Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein. Burma: So ungefähr. Baurenot: Delong hat den Kopf verloren. Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde. Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht. Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch. Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte. Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler Inspektor Fabre: Jürgen Andreas Belita: Manuela Romberg Marc Covet: Andreas Mannkopff Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler Joachim Bartels Manfred Boehm Ernst Konarek Wolfgang Reinsch Margarete Salbach Willi Schneider Andreas Szerda Iris Werlin Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Bernd Lau Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Helene: Noch was zu trinken, Chef? Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Ferrand: Nestor Burma. Burma: Höchstpersönlich. Ferrand: Hier ist Ferrand. Burma: Ferrand. Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar? Helene: Wer war das? Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen. Helene: Das ist wiederum nicht unüblich. Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen. Helene: Und, gehen Sie hin? Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen Helene. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf. Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris. Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen. Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma. Frau: Würden Sie bitte hier warten. Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus. Henriette: Oh, ich wußte nicht. Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an. Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich. Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen. Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung. Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht. Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick. Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch. Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei? Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen. Burma: Im Palais Justice. Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert. Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab. Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden. Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum? Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören. Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten. Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken. Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit. Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen. Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten. Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix. Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch. Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft, und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen. Burma: Aber doch nicht hier, Ferrand, da kommt jemand. Ferrand: Sie haben recht. Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen. Ferrand: Gehen wir zu mir. Burma: Du machst es aber sehr wichtig. Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen. Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame. Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer. Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte. Ferrand: Gehen wir rauf. Gut. Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven. Frau: Oh, wen haben wir denn da? Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach. Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück. Burma: Was war das für eine Frau? Ferrand: Keine Ahnung. Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher. Ferrand: Meinen Sie, ich gehöre hierher? Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne. Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört? Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire. Ferrand: Und ich bin einer von denen. Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen? Ferrand: Wofür halten sie mich? Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn. Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen. Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen. Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles. Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert. Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe Sie an, spätestens morgen. Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, ein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel. Burma: Ja. Helene: Ich wollte nur wissen, Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro? Burma: Bin spät ins Bett gegangen. Helene: Keine Details, bitte. Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da. Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein. Helene: Erzählen Sie, Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter. Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht. Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet. Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein. Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt. Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen. Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist. Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht. Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden. Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen? Burma: So kann man es auch sagen. Covet: Blond. Burma: Rot. Covet: Umso besser, ist was im Busch? Burma: Vielleicht. Covet: Fällt was für mich ab? Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen? Covet: Ah, kam sie aus dem Haus? Burma: Aus welchem Haus? Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein. Burma: Ja, danke, Covet. Covet: Salut. Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen. Helene: Laden Sie mich ein? Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt. Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja. Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen. Burma: Dauerts lange? Mann: Kann man vorher schlecht sagen. Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne? Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame. Helene: Und wer ist Gilo? Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame. Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig. Mann: Erstklassig. Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu. Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen? Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker. Helene: Wie furchtbar. Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein. Helene: Wir sind wohl allein hier, was? Burma: Gehen wir nach oben. Helene: Verlassen das Nest. Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden. Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren? Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an. Helene: Muß das sein? Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung. Helene: Lassen Sie das hängen. Burma: Ich nahm Sie trotzdem ab, ein Foto, 6 x 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett. Helene: Nein sowas. Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote. Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto. Burma: Kennst du die hier zufällig? Mann: Wollen sie mich verarschen? Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen? Mann: Die ist was ganz anderes. Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land. Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais. Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt. Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen? Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an. Helene: Und dann. Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei. Helene: Dem Kunstkritiker. Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt. Helene: Und dann gehen wir aber essen. Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch. Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben. Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte. Jakowski: Kommen Sie ruhig rein. Helene: Danke. Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden. Helene: Wer ist das? Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir. Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder. Jakowski: Was möchten Sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags. Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen Sie die? Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an. Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit. Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr? Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist. Jakowski: Warum nicht, glaube schon. Burma: Was anderes, Sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay? Jakowski: Das glaube ich nicht. Burma: Ich danke Ihnen, wir werden Sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle. Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen. Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen. Helene: Aber gerne. Jakowski: Vom Flohmarkt. Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt. Helene: Unglaublich. Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt. Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein. Courtenay: Kommen Sie, ich habe mit ihnen zu reden. Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus. Courtenay: Also, wie viel. Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause? Courtenay: Geht sie nichts an. Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich. Courtenay: Was meinen Sie? Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, Sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen. Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen. Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht? Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht. Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig. Burma: Aber Sie halten sie für schuldig. Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr. Burma: Sie lieben ihre Frau. Courtenay: Warum schleichen Sie um mein Haus herum? Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht. Courtenay: Lassen Sie ihr etwas Ruhe, ich habe Sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten. Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, den Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts. Helene: Ja. Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern. Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen. Burma: Sie hatte Komplizen. Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr. Burma: Eine gute Idee, mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen. Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also. Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt. Helene: Wieso da? Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein. Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit. Zavatter: Hallo. Burma: Zavatter. Zavatter: Chef. Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sie eine Erpressung lohnt. Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer? Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia. Zavatter: Bis morgen dann. Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen. Dr: Hallo. Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche? Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie? Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv. Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick. Burma: So lala. Dr: Nicht überarbeitet vielleicht. Burma: Na ja. Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig. Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel. Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz. Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen. Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz. Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin. Dr: Bedaure, woher haben Sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register. Burma: Sie stand auf einem zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat. Dr: Ja, und. Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft? War überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt. Kuh: Muh. Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja. Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten. Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma. Henriette: Ah ja. Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering. Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen. Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte. Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden. Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute. Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann. Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken. Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen Sie, ich bring sie hinaus. Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay. Courtenay: Ich wollte Sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden. Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau? Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer. Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit. Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat. Burma: Haben Sie ihr von mir erzählt. Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, Blut verschmiert. Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen Sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie? Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt. Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt. Courtenay: Es gibt Regen. Burma: Es donnert schon. Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen. Burma: Was war das? Courtenay: Offensichtlich ein Unfall. Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan. Courtenay: Das ist alles ihre Schuld. Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau. Courtenay: Sie ist tot. Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen. Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat. Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich. Courtenay: Dr. Delanglad. Burma: Delanglad oder Dalalück? Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück? Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft. Courtenay: Verschwinden Sie. Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte. Das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken. Faroux: Salü Nestor, haben Sie meinen Anruf erwartet. Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden. Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris. Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben. Faroux: Ja, warum nicht? Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib. Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten. Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen. Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal? Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris. Helene: Im Park? Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See. Helene: Wars tatsächlich Selbstmord? Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt. Helene: Wie denn? Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch. Helene: Nichts als Vermutung, oder? Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber. Helene: Alle Männer sind Schweine. Burma: Ich bin anders als alle. Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat. Burma: Sie rumgekriegt mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische. Helene: Das ist doch verrückt. Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter, und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet. Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben, Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden. Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag. Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder. Burma: Die Ratten von Montsouris. Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer. Burma: Ach ja, die Liste. Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben. Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder? Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren. Burma: Mhm, und weiter? Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da. Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten. Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr. Helene: Was haben sie denn rausgekriegt? Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von. Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte. Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr. Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden. Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt. Burma: Nicht ungewöhnlich. Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau. Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten. Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung. Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef? Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert. Helene: Ich komme mit. Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienst-mädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück. Frau: Na ja, bei dem Wetter. Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden. Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich. Burma: Hatten Sie Angst? Frau: Ich hatte meinen freien Tag, Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau. Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause? Frau: Ich glaube nicht, Monsieur. Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer. Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie. Burma: Los, öffnen Sie. Mann: Moment, ich komm ja schon. Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein. Mann: Was kann ich für Sie tun? Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas. Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere. Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können. Helene: Machen Sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder. Burma: War der Mörder, lassen Sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt. Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß? Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen. Helene: Chef, wenn Sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon. Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde. Burma: Was wollte der Araber? Mann: Mich erpressen wegen der Bilder. Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja. Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand. Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft. Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich. Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich. Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe. Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen Sie? Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten. Henriette: Ach ja, der Erpresser. Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand. Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind Sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich. Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam. Gaudebert: Monsieur Burma. Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand. Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen. Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen. Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt. Burma: Das erzählten sie, ja. Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht. Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte. Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung. Monsieur Burma. Burma: Was wollen Sie damit sagen? Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat. Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken. Dr: Sie erinnern sich noch an mich. Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch. Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht. Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks. Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, Sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte. Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen. Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet. Burma: Wie bitte? Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie sainte anne vollkommen verrückt. Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort. Dr: Er schreibt Gedichte. Ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Gastelnos Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte. Burma: Nicht so richtig. Dr: Wollen Sie seine Texte lesen? Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren. Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden. Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens? Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie. Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand. Dr: Tja, so geht das meistens weiter. Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Helene: Was wurde denn erbeutet? Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden. Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen? Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst. Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen? Burma: Nein, noch nicht. Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat. Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden? Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur? Burma: Steht die Prämie noch? Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie Sie. Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen. Helene: Ein großer Wirrwarr, Chef, sie schwimmen immer noch. Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin. Jakowski: Sie schon wieder, Burma. Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben. Schon mal was von Jeff Harrison gehört? Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben. Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert? Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun? Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat. Jakowski: Ach und sie meinen, kommen Sie, schauen wir nach. Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung. Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang. Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren? Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat. Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert. Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben. Auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise. Ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste. Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann. Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert. Gaudebert: Reden Sie, Burma. Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat. Wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse. Gaudebert: Aber wie wie sind Sie? Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen. Woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen. Helene: Ganz allein, haben Sie keine Angst? Burma: Nö. Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse. Gaudebert: Gehen wir. Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser. Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma. Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen. Burma: Wovor haben Sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen? Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier. Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver. Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter. Henriette: Hahaha. Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus. Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können. Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich. Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und sie sich auch nicht. Henriette: Mir ist das doch scheißegal. Gaudebert: Keine Bewegung, Burma. Burma: Was wollen sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war? Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen. Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da. Gaudebert: Was? Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen? Gaudebert: Das ist nicht wahr. Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht? Henriette: Vollkommen. Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen. Gaudebert: Hure. Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her. Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig. Gaudebert: Sie Dreckskerl. Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache. Faroux: Hallo Nestor. Burma: Hallo. Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen. Burma: Nein, diesmal nicht. Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen? Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen. Sie hörten Die Ratten von Montsouris nach dem Kriminalroman von Leo Malet. Christian Brückner Nestor Burma Sabine Postel Helene Chatelet Matthias Ponnier Ferrand (Freund von R. Castellenot) Aljoscha Sebald Armand Gaudebert Katja Teichmann Henriette Castellenot Dieter Eppler Florimond Faroux Ernst Konarek Monsieur Jakowski Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay Peter Panhans Zavatter Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Hans Gerd Krogmann Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Radio: Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Shirley: Tony. Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola... Hodding: Ah ah... Proctor: Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding. Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Mann: Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Mann: Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Frau: Ah ah. Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Radio: What a wonderful world... Mann: Ah ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Mann: Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment. Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies Vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Mann: Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Joyce: Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. Mann: 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer: Komm Hamond. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Mann: Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Mann: Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Mann: Oh. Radio: And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Bearbeitung Wort: Franz-Maria Sonner Regie: Barbara Plensat Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Myrna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse. Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja, das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming-pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Myrna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo, Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die Blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel. Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg. Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt. Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen. Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen. Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen. Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch. Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip. Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja. Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips. Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben. Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine. Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt. Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu. Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode. Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an. Manning: Wie konntest du nur. Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch. Mike: Es war leicht. Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler Charlotte Manning: Caroline Schreiber Marry Bellemy: Myriam Gurland Pat Chambers: Justus Fritzsche George Kalecki: Horst Mendroch Bobo Hopper: Steffen Schult Bearbeitung Wort: Regine Ahrem Regie: Thomas Werner Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Hörspiele von, Michael Koser
Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend ... Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979) Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht, Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit der ... Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969) Um ein Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab... Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner ... Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970) Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade, ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihr Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen einen Haufen Geld ... Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971) Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene Hosen ... Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972) Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja. Ich will nicht daß sie ... Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972) Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles ... Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973) Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus, es war eine ... Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976) NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl, ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts, schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja, danke, ich war eine weile weggetreten wie ... Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978) Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können ... Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980) Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und ... Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983) Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen ... Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986) Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die ... Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986) Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug Geld ... Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988) Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand... Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt besuch wenn es schellt. Ich bin Dr Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die ... Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990) Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne... Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen- braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn in der Hand ... Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991) Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr im Auge behalten ... Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992) Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus, haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame, haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist, Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und kehrte ... Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993) Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Charlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft ... Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996) Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift... Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen ... Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999) Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen, Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver, Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue nicht ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975) Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der ... Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974) Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan, sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder überhaupt ... Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976) ... Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983) Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst, mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ich hatte ... Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der schublade, scotch, ah, ist kein guter scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden ... Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990) Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte indem er mit seinem Zeigefinger ... Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als plötzlich ... Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990) ContinentalDetectiveAgency SanFrancisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück, Ecke Hydestreet Ellistreet mitten im dicksten Schlamm, am späten abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den ... Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Gesch.) Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus vanity fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen ... Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991) Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky, wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen, Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern ... Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991) Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann ich glaubs ja ... Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993) Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war ... Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich ... Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ... Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen ... Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995) Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehn wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 68 Cent. Sagen Sie Holmbi bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich ... Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997) Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstoben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha also. Ich lebe noch, ja sir. Kriegsveteran, ihr solltest euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja sir... Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh, ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten, oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, sir. Anziehen. Doktor, sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein sir, sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit vom ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991) Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang ... Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken, Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden ... Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993) Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na, mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer? Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er ... Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994) Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Café Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen ... Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996) Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig, und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war ... Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997) Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant, diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude ... Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998) Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt, der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Rolf und Alexandra Becker: Gestatten, mein Name ist Cox (BR 1958) Gestatten, mein Name ist Cox. Mr Wallings, Mr Wallings, ah. Mr Peacock, Mr Peacock. Was ist denn los. So kommen sie doch, oh wie schrecklich, sehen sie doch, Mr Wallings, da umgebracht. Mord, Mord. Mord. Ja, Mord schrien die Leute, und wie sie schrien, also ich hab ja schon viele Leute schreien gehört so, beim Fußball oder im Hydepark oder so, aber was die für ein Lärm geschlagen haben, bloß weil da ein Toter lag, er lag mit dem Bauch auf seinem Schreibtisch, ein Messer im Kreuz, ja wenn ich ihnen jetzt verrate, daß das mein Messer war, dann werden sie bestimmt glauben, ich hätte den Kerl umgebracht, was na sehen sie, ne ne, meine Situation war nicht angenehm, schon gar nicht, da stand ich, in so ner Duschkabine versteckt ... Rolf und Alexandra Becker: Die Experten (BR 1980) Meine Damen und Herren, sie haben ihr Radio eingeschaltet und sie hören die 1. Episode der Sendereihe Die Experten. Wir informieren sie über die haarsträubende Geschichte einer deutschen Durchschnittsfamilie in dieser unserer Zeit. Verehrte Hörerinnen und Hörer, wir stellen vor die Familie Robinson. Angenehm. Sehr erfreut. Hallo. Hi. Servus. In ihrem schmucken Einfamilienhaus mit dem hübschen gepflegten Garten ist die Welt noch heil, eine intakte Familie wie die Soziologen sagen, die Robinsons teilen Freud und Leid miteinander, sie treffen sich pünktlich zu den Mahlzeiten, halten die Feiertage heilig und die Familientradition hoch, sie putzen regelmäßig Schuhe und Zähne und sind nett zueinander. Es ist 11 Uhr vormittags ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) (Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt. Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Bearbeitung Wort und Regie: Marina Dietz Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Bearbeitung Wort: Mi Jepsen-Föge Regie: Otto Düben Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Bearbeitung Wort: Erwin Neuner Regie: Norbert Schaeffer Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die großen runden Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Bearbeitung Wort: Marina Dietz Regie: Barbara Plensat Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Regie: Rolf Dienewald Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Marlowe: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Marlowe: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Marlowe: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe. Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter. Marlowe: Freut mich. Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Marlowe: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Marlowe: Verdammt. Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Marlowe: Philip Marlowe. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Marlowe: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Marlowe: Nur dieser. ORyan: Was. Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Marlowe: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph. Marlowe: Er heißt also Joseph. Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker. Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Marlowe: Joseph Bakers. Lola: Ja. Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph. Lola: Ja. Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Marlowe: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Marlowe: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Marlowe: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Marlowe: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich. Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe. ORyan: Ah, sie, Marlowe. Marlowe: Ja. ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist. Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab. ORyan: Wen. Marlowe: Den Killer. ORyan: Was. Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln. ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe. Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen. ORyan: Und wer ist noch bei ihnen. Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein. ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr. Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42. ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen. Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden. ORyan: Sind sie sicher, daß er es war. Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller. ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen. Marlowe: Ja. ORyan: Schlüssel. Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu. Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie. Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht. ORyan: Handtuch Marlowe. Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf. ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie. Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas. ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen. Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr. ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus. Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen. ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan? Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte. ORyan: Welcher andere? Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer. ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich? Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus. ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor? Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt. ORyan: Wieso ich? Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar. ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben. Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können. ORyan: Okay. Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat. ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid. Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme. Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein. Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig? Lola: Steigen Sie ein, bitte. Marlowe: Aber schnell weg von hier. Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte. Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie? Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen. Lola: Und was geschah weiter? Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich. Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt? Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind. Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin. Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen. Lola: Ich will auch meine Perlen. Marlowe: Perlen? Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen. Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden. Lola: Ach. Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen. Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben. Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien. Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel. Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Lola: Lola. Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola. Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph. Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja. Lola: Ja. Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus. Lola: Ja. Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren. Lola: Ja. Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei. Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte. Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie? Lola: Ja. Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen. Lola: Das ist lieb von Ihnen. Marlowe: Dritte Etage. Lola: Apartment 31, ich werde hier warten. Marlowe: Ist gut. Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive. Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden? Marlowe: Nicht eine einzige. Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden. Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen. Lola: Ich fände es bedauerlich. Marlowe: Viel Glück, Lola. Lola: Good bye. Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street. Marlowe: Guten Abend. Anja: Sie wünschen. Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko. Anja: Nein, Miss Kolchenko. Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht. Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht? Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst? Anja: Wer sind Sie? Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte. Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung. Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte. Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist? Marlowe: Er ist tot. Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein. Frank: Was ist los mein Schatz? Anja: Hier, der Mann ist Detektiv. Marlowe: Guten Abend. Anja: Bitte mach Musik aus. Frank: Na und? Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen. Frank: Was ist mit dem Wagen? Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen. Frank: Und warum nicht? Warum nicht? Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat. Frank: Verdammt noch mal. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte. Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es. Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse. Frank: Und im Headquarter? Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen. Frank: Und wonach suchten Sie? Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten. Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung? Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug. Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch? Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde. Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz. Anja: Hier habt ihr. Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko. Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug. Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg? Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten. Frank: Wie viel? Marlowe: Sagen wir noch mal 500. Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe. Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür? Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt. Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen. Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus? Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen. Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen. Frank: Ja. Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat. Frank: Verdammt. Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na. Frank: Frank Barsaly. Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart. ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her? Marlowe: Sie gehören einer Dame. ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht. Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen. ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr. Marlowe: Wer war er denn? Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen. Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat. Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen. Marlowe: Danke Inspektor. ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie? Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte. ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe. Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein. Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch. Marlowe: Falsch? Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch. Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten? Miller: Wenn nicht mehr. Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden. Miller: Ja. Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden? Miller: Papiere? Keine. ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie? Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe. ORyan: Und was die Dame anbelangt. Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen. ORyan: Ah, schon etwas. Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker. ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame? Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen. ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren? Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen. ORyan: Ja, möglich. Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau. ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter. Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte. Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher. Marlowe: Eben. Miller: Ist das alles? Marlowe: Ja. Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür? Marlowe: Ich. ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht. Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe? Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen. ORyan: So. Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel? ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten. Miller: Sam. ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe. Miller: Steck die Waffe weg, Sam. ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können. Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden. Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn. Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg. Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken. Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir. Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand. Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun. Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club. Miller: Danke. Komm Sam gehen wir. Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen. Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen. Marlowe: Okay. Miller: Komm schon. Lola: Hallo. Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola? Lola: Ja, ich bin allein. Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden. Lola: Was denn? Marlowe: Die Perlen. Lola: Ja. Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft. Lola: Oh nein. Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen. Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden? Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen. Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen? Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden? Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung. Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf. Lola: Also um vier. Mann: Ja. Was solls? Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500. Mann: Okay, Mr. Marlowe. Marlowe: Danke. Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen. Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit? Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell. Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden. Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben. Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig. Marlowe: Danke. Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs. Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben. Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung. Lola: Danke. Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen? Lola: Ja. Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat. Lola: Natürlich. Marlowe: Er muß den Mund halten. Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan. Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen. Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben. Marlowe: Allerdings. Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen. Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Bearbeitung Wort und Regie: Edmund Steinberger Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Spade: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Spade: Ich dachte. Hook: Na was denn. Spade: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los, Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann. Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann. Elvira: Hook sei doch vernünftig. Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden. Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter. Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können. Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Hook: Elvira, komm doch mal her. Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will. Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her. Elvira: Was willst du denn von mir. Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide. Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse. Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen. Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook. Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren. Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein. Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann. Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe. Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit. Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen. Elvira: Pst ich glaube er kommt. Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst. Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist. Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman. Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook. Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt. Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr. Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will. Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen. Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei. Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen. Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt. Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen. Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook. Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen. Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen. Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr. Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen. Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig. Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler. Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver. Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn. Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt. Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten. Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner. Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen. Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht. Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen. Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind. Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen. Tai: Was soll das heißen. Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte. Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt. Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen. Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was. Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her. Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere. Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie. Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund. Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken. Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt. Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen. Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie. Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen. Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon. Spade: Hm, das Mädchen. Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann. Tai: Was dann. Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich. Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr. Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern. Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt. Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben. Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her. Elvira: Was willst du von mir. Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade. Elvira: Ja hier sind Sie. Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln. Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt. Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand. Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst. Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß. Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt. Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck. Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas. Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen. Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann. Mr Quarre: Gut wie du meinst. Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt. Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte. Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen. Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um. Tai: Wo ist Elvira. Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig. Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand. Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun. Tai: Was denn, was für einen Gefallen. Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht. Tai: Warum es geht. Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung. Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier. Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht. Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen. Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy (Detektiv): Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Bearbeitung Wort: Carl Dietrich Carls Regie: Heinz Wilhelm Schwarz Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit. Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarz-schimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch. Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts. Burma: Ja, und sie. Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst. Burma: Wohin soll ich nicht gehen. Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr. Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase. Belita: Er ist tot. Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz. Belita: Wie meinen sie das. Burma: Nur so, weiter. Belita: Das ist alles. Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben. Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht. Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt. Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater. Burma: Was wollte er von mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt. Belita: Ja. Burma: Was. Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen. Burma: Und, vertrauen sie mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Viel wissen sie wirklich nicht. Belita: Nur daß er tot ist. Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das. Belita: Glauben sie mir nicht. Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen. Belita: Belita, Belita Morales. Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig. Belita: Ich weiß. Burma: Ach endlich wissen sie mal was. Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt. Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit. Belita: Nein. Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme. Belita: Das würde ich ihnen nicht raten. Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden. Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie. Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma. Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten. Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen. Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale. Burma: Ich bin kein Kommunist. Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins. Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe. Fabre: Verdammte Anarchisten. Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört. Fabre: Der Tiger. Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf. Fabre: Das hat er gesagt der Tiger. Burma: Jawohl mein lieber. Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich. Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben. Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit. Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet. Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich. Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht. Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt. Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an. Fabre: Na Monsieur Burma. Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht. Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus. Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen. Fabre: Lenantais. Burma: Lenantais, der aus Nord. Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel. Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn. Fabre: Wann und wo. Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier. Fabre: Falsch. Burma: Wieso falsch. Fabre: Vegetarier. Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren. Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter. Burma: Ein bißchen. Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach. Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten. Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte. Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken. Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich. Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen. Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird. Faroux: Gehen wir in ein Bistro. Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck. Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank. Burma: Er war tolerant. Faroux: Was trinken sie. Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er. Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen. Burma: Und was machte er so. Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt. Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele. Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf. Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem. Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick. Frau: Redaktion Le Crepuscule. Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet. Frau: Ich verbinde. Covet: Hallo. Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird. Covet: Ist das der anfang von was. Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit. Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität. Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener. Covet: Also mißachtest du seinen Willen. Burma: Kann schon sein. Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf. Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit. Mann: Am ende vom hof links. Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand. Burma: Hallo Belita. Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure. Burma: Ich schlafe immer allein. Frau: Und du, du Hurenbock. Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs. Belita: Danke. Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag. Belita: Ich hab die flics gesehen. Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln. Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus. Belita: Ich kümmer mich drum. Burma: Na legen sie sich hin. Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm. Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt. Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin. Belita: Wofür halten sie mich. Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe. Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte. Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr. Belita: Er hat mich gekauft. Burma: Gekauft. Belita: Ja. Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin. Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich. Burma: Und wieso gekauft. Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen. Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter. Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet. Burma: Was. Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte. Burma: Und. Belita: Er hat mich nie angerührt, und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv. Burma: Wir. Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen. Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann. Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an. Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum. Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat. Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt. Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare. Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück. Belita: Jetzt hast du mich geduzt. Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell. Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit. Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen. Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe. Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist. Lacorre: Allerdings. Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist. Lacorre: Hätte noch gefehlt. Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes. Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut. Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten. Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen. Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle. Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen. Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen. Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen. Belita: Wie alt warst du da. Burma: 17. Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre. Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen. Belita: Abel mochte dich wohl besonders. Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen. Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall. Burma: Ich sollte gehen. Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest. Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt. Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht. Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador. Salvador: Los, mitkommen. Burma: Wer ich. Salvador: Die da. Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab. Salvador: Vor dir. Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen. Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an. Salvador: Ich hau ja schon ab. Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam. Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist. Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte. Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich. Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei. Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir. Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen. Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen. Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues. Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe. Burma: Und mein Freund Florimond Faroux. Helene: Nichts Chef. Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht. Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin. Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene. Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag. Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten. Belita: Madre dios, der Arzt. Burma: Was ist mit dem Arzt. Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das. Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er. Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen. Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert. Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel. Belita: Schon wieder ein toter. Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den. Belita: Nie gesehen. Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken. Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen. Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert. Belita: Was machen wir jetzt. Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen. Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte. Belita: Rue de tolbiac. Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz. Belita: Sei vorsichtig. Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen. Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten. Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest. Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket. Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch. Belita: Ich hab Angst, cheri. Burma: Ach was, mon amour. Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte. Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst. Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf. Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück. Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung. Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das. Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht. Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet. Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn. Burma: Nein nie gehört. Helene: Aber er kennt sie. Burma: Und woher wissen sie das. Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie. Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären. Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung. Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot. Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen. Burma: Warum. Mann: Hören sie die Säge, Monsieur. Burma: Jetzt nicht mehr. Mann: Eben, die Stunde x, Streik. Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte. Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben. Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt. Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno. Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni. Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es. Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird. Baurenot: Aha, versteh ich nicht. Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen. Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht. Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast. Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt. Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert. Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine. Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon. Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal. Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen. Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien. Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr. Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen. Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich. Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los. Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück. Burma: Hat er den Geldboten überfallen. Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier. Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts. Baurenot: Du jetzt reichts aber. Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher. Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre. Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Baurenot: Aha, ist aber schade. Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft. Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte. Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage. Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet. Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi. Burma: Belita, Belita. Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser, wenn ich gehe. Belita: Es ist besser, wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe, wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet. Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen. Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm. Burma: Ja sieht so aus. Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau. Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse. Covet: Wie verstehe ich denn das. Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee. Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen. Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten. Covet: Ja, mach ich. Mann: gott ist mit dir. Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagno-Sträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen. Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit. Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar. Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere. Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken. Mann: Das bekommt die polizei Monsieur. Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre. Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden. Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich. Covet: Wer wars. Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten. Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen. Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser. Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld. Burma: Was, der Mord an Lacorre. Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein. Burma: So ungefähr. Baurenot: Delong hat den Kopf verloren. Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde. Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht. Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch. Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte. Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler Inspektor Fabre: Jürgen Andreas Belita: Manuela Romberg Marc Covet: Andreas Mannkopff Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler Joachim Bartels Manfred Boehm Ernst Konarek Wolfgang Reinsch Margarete Salbach Willi Schneider Andreas Szerda Iris Werlin Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Bernd Lau Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Helene: Noch was zu trinken, Chef? Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Ferrand: Nestor Burma. Burma: Höchstpersönlich. Ferrand: Hier ist Ferrand. Burma: Ferrand. Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar? Helene: Wer war das? Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen. Helene: Das ist wiederum nicht unüblich. Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen. Helene: Und, gehen Sie hin? Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen Helene. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf. Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris. Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen. Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma. Frau: Würden Sie bitte hier warten. Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus. Henriette: Oh, ich wußte nicht. Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an. Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich. Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen. Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung. Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht. Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick. Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch. Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei? Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen. Burma: Im Palais Justice. Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert. Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab. Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden. Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum? Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören. Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten. Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken. Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit. Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen. Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten. Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix. Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch. Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft, und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen. Burma: Aber doch nicht hier, Ferrand, da kommt jemand. Ferrand: Sie haben recht. Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen. Ferrand: Gehen wir zu mir. Burma: Du machst es aber sehr wichtig. Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen. Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame. Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer. Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte. Ferrand: Gehen wir rauf. Gut. Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven. Frau: Oh, wen haben wir denn da? Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach. Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück. Burma: Was war das für eine Frau? Ferrand: Keine Ahnung. Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher. Ferrand: Meinen Sie, ich gehöre hierher? Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne. Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört? Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire. Ferrand: Und ich bin einer von denen. Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen? Ferrand: Wofür halten sie mich? Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn. Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen. Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen. Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles. Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert. Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe Sie an, spätestens morgen. Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, ein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel. Burma: Ja. Helene: Ich wollte nur wissen, Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro? Burma: Bin spät ins Bett gegangen. Helene: Keine Details, bitte. Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da. Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein. Helene: Erzählen Sie, Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter. Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht. Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet. Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein. Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt. Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen. Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist. Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht. Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden. Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen? Burma: So kann man es auch sagen. Covet: Blond. Burma: Rot. Covet: Umso besser, ist was im Busch? Burma: Vielleicht. Covet: Fällt was für mich ab? Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen? Covet: Ah, kam sie aus dem Haus? Burma: Aus welchem Haus? Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein. Burma: Ja, danke, Covet. Covet: Salut. Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen. Helene: Laden Sie mich ein? Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt. Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja. Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen. Burma: Dauerts lange? Mann: Kann man vorher schlecht sagen. Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne? Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame. Helene: Und wer ist Gilo? Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame. Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig. Mann: Erstklassig. Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu. Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen? Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker. Helene: Wie furchtbar. Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein. Helene: Wir sind wohl allein hier, was? Burma: Gehen wir nach oben. Helene: Verlassen das Nest. Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden. Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren? Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an. Helene: Muß das sein? Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung. Helene: Lassen Sie das hängen. Burma: Ich nahm Sie trotzdem ab, ein Foto, 6 x 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett. Helene: Nein sowas. Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote. Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto. Burma: Kennst du die hier zufällig? Mann: Wollen sie mich verarschen? Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen? Mann: Die ist was ganz anderes. Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land. Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais. Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt. Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen? Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an. Helene: Und dann. Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei. Helene: Dem Kunstkritiker. Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt. Helene: Und dann gehen wir aber essen. Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch. Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben. Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte. Jakowski: Kommen Sie ruhig rein. Helene: Danke. Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden. Helene: Wer ist das? Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir. Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder. Jakowski: Was möchten Sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags. Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen Sie die? Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an. Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit. Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr? Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist. Jakowski: Warum nicht, glaube schon. Burma: Was anderes, Sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay? Jakowski: Das glaube ich nicht. Burma: Ich danke Ihnen, wir werden Sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle. Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen. Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen. Helene: Aber gerne. Jakowski: Vom Flohmarkt. Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt. Helene: Unglaublich. Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt. Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein. Courtenay: Kommen Sie, ich habe mit ihnen zu reden. Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus. Courtenay: Also, wie viel. Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause? Courtenay: Geht sie nichts an. Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich. Courtenay: Was meinen Sie? Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, Sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen. Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen. Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht? Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht. Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig. Burma: Aber Sie halten sie für schuldig. Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr. Burma: Sie lieben ihre Frau. Courtenay: Warum schleichen Sie um mein Haus herum? Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht. Courtenay: Lassen Sie ihr etwas Ruhe, ich habe Sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten. Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, den Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts. Helene: Ja. Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern. Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen. Burma: Sie hatte Komplizen. Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr. Burma: Eine gute Idee, mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen. Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also. Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt. Helene: Wieso da? Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein. Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit. Zavatter: Hallo. Burma: Zavatter. Zavatter: Chef. Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sie eine Erpressung lohnt. Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer? Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia. Zavatter: Bis morgen dann. Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen. Dr: Hallo. Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche? Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie? Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv. Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick. Burma: So lala. Dr: Nicht überarbeitet vielleicht. Burma: Na ja. Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig. Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel. Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz. Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen. Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz. Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin. Dr: Bedaure, woher haben Sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register. Burma: Sie stand auf einem zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat. Dr: Ja, und. Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft? War überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt. Kuh: Muh. Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja. Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten. Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma. Henriette: Ah ja. Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering. Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen. Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte. Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden. Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute. Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann. Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken. Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen Sie, ich bring sie hinaus. Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay. Courtenay: Ich wollte Sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden. Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau? Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer. Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit. Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat. Burma: Haben Sie ihr von mir erzählt. Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, Blut verschmiert. Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen Sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie? Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt. Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt. Courtenay: Es gibt Regen. Burma: Es donnert schon. Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen. Burma: Was war das? Courtenay: Offensichtlich ein Unfall. Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan. Courtenay: Das ist alles ihre Schuld. Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau. Courtenay: Sie ist tot. Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen. Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat. Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich. Courtenay: Dr. Delanglad. Burma: Delanglad oder Dalalück? Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück? Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft. Courtenay: Verschwinden Sie. Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte. Das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken. Faroux: Salü Nestor, haben Sie meinen Anruf erwartet. Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden. Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris. Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben. Faroux: Ja, warum nicht? Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib. Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten. Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen. Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal? Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris. Helene: Im Park? Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See. Helene: Wars tatsächlich Selbstmord? Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt. Helene: Wie denn? Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch. Helene: Nichts als Vermutung, oder? Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber. Helene: Alle Männer sind Schweine. Burma: Ich bin anders als alle. Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat. Burma: Sie rumgekriegt mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische. Helene: Das ist doch verrückt. Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter, und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet. Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben, Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden. Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag. Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder. Burma: Die Ratten von Montsouris. Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer. Burma: Ach ja, die Liste. Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben. Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder? Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren. Burma: Mhm, und weiter? Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da. Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten. Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr. Helene: Was haben sie denn rausgekriegt? Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von. Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte. Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr. Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden. Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt. Burma: Nicht ungewöhnlich. Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau. Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten. Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung. Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef? Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert. Helene: Ich komme mit. Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienst-mädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück. Frau: Na ja, bei dem Wetter. Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden. Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich. Burma: Hatten Sie Angst? Frau: Ich hatte meinen freien Tag, Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau. Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause? Frau: Ich glaube nicht, Monsieur. Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer. Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie. Burma: Los, öffnen Sie. Mann: Moment, ich komm ja schon. Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein. Mann: Was kann ich für Sie tun? Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas. Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere. Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können. Helene: Machen Sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder. Burma: War der Mörder, lassen Sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt. Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß? Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen. Helene: Chef, wenn Sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon. Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde. Burma: Was wollte der Araber? Mann: Mich erpressen wegen der Bilder. Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja. Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand. Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft. Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich. Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich. Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe. Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen Sie? Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten. Henriette: Ach ja, der Erpresser. Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand. Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind Sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich. Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam. Gaudebert: Monsieur Burma. Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand. Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen. Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen. Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt. Burma: Das erzählten sie, ja. Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht. Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte. Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung. Monsieur Burma. Burma: Was wollen Sie damit sagen? Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat. Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken. Dr: Sie erinnern sich noch an mich. Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch. Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht. Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks. Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, Sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte. Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen. Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet. Burma: Wie bitte? Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie sainte anne vollkommen verrückt. Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort. Dr: Er schreibt Gedichte. Ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Gastelnos Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte. Burma: Nicht so richtig. Dr: Wollen Sie seine Texte lesen? Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren. Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden. Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens? Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie. Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand. Dr: Tja, so geht das meistens weiter. Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Helene: Was wurde denn erbeutet? Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden. Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen? Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst. Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen? Burma: Nein, noch nicht. Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat. Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden? Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur? Burma: Steht die Prämie noch? Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie Sie. Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen. Helene: Ein großer Wirrwarr, Chef, sie schwimmen immer noch. Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin. Jakowski: Sie schon wieder, Burma. Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben. Schon mal was von Jeff Harrison gehört? Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben. Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert? Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun? Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat. Jakowski: Ach und sie meinen, kommen Sie, schauen wir nach. Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung. Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang. Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren? Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat. Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert. Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben. Auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise. Ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste. Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann. Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert. Gaudebert: Reden Sie, Burma. Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat. Wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse. Gaudebert: Aber wie wie sind Sie? Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen. Woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen. Helene: Ganz allein, haben Sie keine Angst? Burma: Nö. Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse. Gaudebert: Gehen wir. Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser. Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma. Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen. Burma: Wovor haben Sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen? Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier. Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver. Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter. Henriette: Hahaha. Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus. Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können. Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich. Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und sie sich auch nicht. Henriette: Mir ist das doch scheißegal. Gaudebert: Keine Bewegung, Burma. Burma: Was wollen sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war? Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen. Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da. Gaudebert: Was? Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen? Gaudebert: Das ist nicht wahr. Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht? Henriette: Vollkommen. Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen. Gaudebert: Hure. Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her. Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig. Gaudebert: Sie Dreckskerl. Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache. Faroux: Hallo Nestor. Burma: Hallo. Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen. Burma: Nein, diesmal nicht. Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen? Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen. Sie hörten Die Ratten von Montsouris nach dem Kriminalroman von Leo Malet. Christian Brückner Nestor Burma Sabine Postel Helene Chatelet Matthias Ponnier Ferrand (Freund von R. Castellenot) Aljoscha Sebald Armand Gaudebert Katja Teichmann Henriette Castellenot Dieter Eppler Florimond Faroux Ernst Konarek Monsieur Jakowski Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay Peter Panhans Zavatter Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Hans Gerd Krogmann Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Radio: Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Shirley: Tony. Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola... Hodding: Ah ah... Proctor: Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding. Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Mann: Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Mann: Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Frau: Ah ah. Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Radio: What a wonderful world... Mann: Ah ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Mann: Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment. Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies Vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Mann: Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Joyce: Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. Mann: 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer: Komm Hamond. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Mann: Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Mann: Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Mann: Oh. Radio: And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Bearbeitung Wort: Franz-Maria Sonner Regie: Barbara Plensat Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Myrna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse. Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja, das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming-pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Myrna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo, Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die Blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel. Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg. Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt. Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen. Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen. Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen. Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch. Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip. Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja. Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips. Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben. Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine. Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt. Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu. Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode. Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an. Manning: Wie konntest du nur. Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch. Mike: Es war leicht. Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler Charlotte Manning: Caroline Schreiber Marry Bellemy: Myriam Gurland Pat Chambers: Justus Fritzsche George Kalecki: Horst Mendroch Bobo Hopper: Steffen Schult Bearbeitung Wort: Regine Ahrem Regie: Thomas Werner Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
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Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend ... Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979) Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht, Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit der ... Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969) Um drei Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab... Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner ... Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970) Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade, ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihr Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen einen Haufen Geld ... Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971) Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene Hosen ... Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972) Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja. Ich will nicht daß sie ... Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972) Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles ... Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973) Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus, es war eine ... Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976) NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl, ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts, schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja, danke, ich war eine weile weggetreten wie ... Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978) Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können ... Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980) Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und ... Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983) Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen ... Raymond Chandler: Ein Schriftstellerpaar (DLF/WDR 1984) Sei still Phoebus. Gleichgültig wie betrunken Hank Bruton am Abend vorher gewesen war, er stand immer sehr früh auf, ging barfuß im Haus herum und wartete darauf daß das Kaffeewasser kochte, er schloß die Tür zu Marions Zimmer, hielt einen Finger gegen die Kante um sie abzufangen und ließ die Klinke sehr behutsam los damit sie kein Geräusch machte, es kam ihm ziemlich merkwürdig vor daß er das fertig brachte und seine Hände dabei völlig ruhig blieben, während die Muskeln seiner Beine und Oberschenkel so heftig zitterten und er die Zähne fest zusammenbiß gegen dies scheußliche Gefühl in der Magengrube, auf seine Hände schien es sich nie im geringsten auszuwirken, eine Eigentümlichkeit die sonderbar war und angenehm zugleich. Zum Teufel damit ... Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986) Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die ... Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986) Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug Geld ... Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988) Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand... Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt besuch wenn es schellt. Ich bin Dr Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die ... Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990) Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne... Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen- braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn in der Hand ... Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991) Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr im Auge behalten ... Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992) Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus, haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame, haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist, Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und kehrte ... Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993) Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Charlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft ... Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996) Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift... Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen ... Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999) Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen, Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver, Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue nicht ... Raymond Chandler: Der lange Abschied (NDR 1997) Mein Name ist Philip Marlow, ich bin Privatdetektiv, ich möchte ihn eine Geschichte erzählen über einen Freund Terry Lanox, als ich ihn zum ersten Mal sah lag er betrunken auf der Straße drei Blocks von meinem Büro entfernt, es war kurz nach dem Krieg irgendwann im Oktober 1951, sein Gesicht wirkte jung doch sein Haar war schlohweiß, seine rechte Gesichtshälfte schien wie gefroren, sie war kreideweiß und mit dünnen feinen Narben gesäumt, eine plastische Operation und zwar eine ziemlich drastische, ich stolperte im Dunkeln über ihn. Oh Verzeihung. Britzania. Komm sie, sie können hier nicht liegen bleiben, wo wohnen Sie. Kein Geld, keine Frau, keine Wohnung, ich bin frei wie ein Vogel, komm wir fliegen, wir fliegen weg. Ja, erstmal kommen Sie mit ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975) Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der ... Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974) Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan, sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder überhaupt ... Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976) ... Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983) Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst, mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ich hatte ... Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der schublade, scotch, ah, ist kein guter scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden ... Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990) Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte, indem er mit seinem schwieligen Zeigefinger wiederholt auf die Zeitung pochte, die er eben gelesen hatte, daß die Gerichte es im Würgegriff haben, Gesetz, es gibt kein Gesetz, es gibt Gerichte und Richter, und was man das Gesetz nennt, ist eine Waffe, die sie benutzen, um den menschlichen Unternehmungsgeist abzuwürgen, der Selbständigkeit und dem Fortschritt den Mut zu nehmen. Der Teil der Morgenzeitung, gegen den sich der Angriff des alten Mannes richtete, wie ich mit Mühe sah, enthielt den Bericht über eine Entscheidung des obersten Gerichtshofes im Zusammenhang mit irgendwelchen Gewerkschaftsproblemen im Westen ... Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als plötzlich ... Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990) ContinentalDetectiveAgency SanFrancisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück Ecke Hydestreet Eddystreet, mitten im dicksten Schlamm, am späten abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den ... Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus vanity fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen ... Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991) Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky, wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen, Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern ... Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991) Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann ich glaubs ja ... Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993) Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war ... Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich ... Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ... Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen ... Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995) Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehn wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 68 Cent. Sagen Sie Holmbi bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich ... Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997) Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstoben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha also. Ich lebe noch, ja sir. Kriegsveteran, ihr solltest euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja sir... Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh, ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten, oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, sir. Anziehen. Doktor, sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein sir, sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit vom ... Dashiell Hammett: Der Malteser Falke (SWF/HR/NDR 1996) Spade&Archer. Ja mein Schatz. Draußen ist ein Mädchen, das möchte sie sprechen, Wonderly heißt sie. Eine Kundin. Sieht so aus, sie werden sie sehen wollen, die reißt sie vom Stuhl. Immer herein mit ihr mein Engel, immer herein... Was kann ich für sie tun Miss Wonderly. Könnten Sie ich ich dachte, ich, das heißt ich. Wie wärs wenn sie alles von Anfang an erzählen. Das war in New York. Ja. Ich weiß nicht wo sie ihn kennengelernt hat, ich mein ich weiß nicht wo in New York, sie ist 5 Jahre jünger als ich und wir haben nicht die selben Freunde, ich glaub wie haben uns nie so nahegestanden wie Schwestern das eigentlich sollten, Mama und Papa sind in Europa, es bringt sie um, ich muß sie zurückholen ehe sie nach Hause kommen, sie kommen am 1. Dann haben wir noch ... Dashiell Hammett: Der gläserne Schlüssel (SWF/HR 1996) Herein. Ah da bist du ja Ned, pump mir ein bißchen Geld Paul. Was willst du haben. 200. Würfel. Danke ja. Ziemlich lange her daß du was gewonnen hast stimmts. Nicht unbedingt, so ein Monat oder 6 Wochen. Für eine Pechsträhne ist das ganz schön lange. Bei mir nicht, geht hoch her heute abend, was. Kleine Fische, darf ich mal, hallo Bernie hier ist Ned, wie hoch liegt PeggyoTool, ist das alles, na schön dann geben sie mir 500 von jedem, aber sicher ich wette wir kriegen Regen und wenn das hinhaut, schlägt sie ihn senorator, also gut dann machen sie mir einen besseren Preis, in Ordnung. Warum versuchst du es nicht mal mit einer kleinen Pause wenn du eine von deinen Pechsträhnen erwischst hast. Hat keinen Zweck, ziehts bloß in die Länge ... Dashiell Hammett: Rote Ernte (SWF/HR 1997) Der erste, von dem ich's hörte, war ein rothaariger Strolch namens Hikey Dewey im "Großen Schiff" in Butte gewesen. Bei dem hieß Peaceville stur immer nur Pissville. Da er aber statt Fusel auch Fussel sagte, habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, was er dem Namen der Stadt angetan hatte. Später fiel mir bei anderen, die es nicht so eilig mit ihren Silben hatten, die gleiche Aussprache auf. Ich sah immer noch nichts weiter darin als jene umwerfende Art von Humor, die aus einem Professor eine Brotfresser macht. Erst ein paar Jahre später, als ich selbst nach Peaceville kam, ging mir ein Licht auf. Vom Bahnhof aus rief ich beim Herald an, verlangte Donald Willsson und meldete mich zur Stelle. Kommen Sie doch heut abend um zehn raus zu mir ... Dashiell Hammett: Der dünne Mann (SWF/HR 1997) Ich lehnte am Tresen eines Speakeasy an der 52. Street und wartete darauf, daß Nora ihre Weihnachtseinkäufe beendete. Sie sind doch Nick Charles, der Detektiv. Ja. Ich bin Dorothy Wynant sie kennen mich nichtmehr aber an meinen Vater Clyde Wynant müssen sie sich noch erinnern. Ja ja natürlich, wie gehts ihrem Vater. Mama hat sich von ihm scheiden lassen, wir hören nie von ihm. Sie war zierlich und blond und ob man ihr Gesicht betrachtet oder ihre Gestalt in dem rauchblauen Sportkostüm, das Ergebnis war gleichermaßen zufriedenstellend. Sehen sie ihn denn überhaupt nicht. Nein ich lebe in San Francisco, mein Glas ist leer, wollen sie was trinken. Scotch mit Soda. Äh Scotch mit Soda. Ich möchte ihn sehen, Mama möchte Stunden, aber ich möchte ihn sehen ... Dashiell Hammett: Der Fluch des Hauses Dain (SWF/HR 1998) Tatsächlich ein Diamant, zwei Schritte vor mir im Gras, dann wollen wir mal, ist Mr Leggett zu Hause. Ja, sie möchten ihn sprechen. Ja. Sie sind auch wieder ein Detektiv, stimmts. Stimmt. Kommen Sie rein... Es tut mir leid daß ich sie habe warten lassen, aber ich konnte nicht eher abbrechen, haben sie etwas in Erfahrung gebracht. Noch nicht, ich bin nicht von der Polizei, von der Continental Agency und ich fange gerade erst an. Kein Polizist. Versicherungs-gesellschaft. Ja, wußten sie nicht daß. Natürlich sie müssen ja versichert gewesen sein, ich hatte nicht daran gedacht, die Diamanten haben nicht mir gehört, sondern Halsey. Halsey und Buchamp, Einzelheiten habe ich von der Versicherungsgesellschaft nicht bekommen, sie hatten die Diamanten ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991) Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang ... Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken, Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden ... Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993) Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na, mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer? Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er ... Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994) Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Café Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen ... Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996) Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig, und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war ... Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997) Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant, diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude ... Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998) Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt, der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Rolf und Alexandra Becker: Gestatten, mein Name ist Cox (BR 1977) Gestatten, mein Name ist Cox. Mr Wallings, Mr Wallings, ah. Mr Peacock, Mr Peacock. Was ist denn los. So kommen sie doch, oh wie schrecklich, sehen sie doch, Mr Wallings, da umgebracht. Mord, Mord. Mord. Ja, Mord schrien die Leute, und wie sie schrien, also ich hab ja schon viele Leute schreien gehört so, beim Fußball oder im Hydepark oder so, aber was die für ein Lärm geschlagen haben, bloß weil da ein Toter lag, er lag mit dem Bauch auf seinem Schreibtisch, ein Messer im Kreuz, ja wenn ich ihnen jetzt verrate, daß das mein Messer war, dann werden sie bestimmt glauben, ich hätte den Kerl umgebracht, was na sehen sie, ne ne, meine Situation war nicht angenehm, schon gar nicht, da stand ich, in so ner Duschkabine versteckt ... Rolf und Alexandra Becker: Die Experten (BR 1980) Meine Damen und Herren, sie haben ihr Radio eingeschaltet und sie hören die 1. Episode der Sendereihe Die Experten. Wir informieren sie über die haarsträubende Geschichte einer deutschen Durchschnittsfamilie in dieser unserer Zeit. Verehrte Hörerinnen und Hörer, wir stellen vor die Familie Robinson. Angenehm. Sehr erfreut. Hallo. Hi. Servus. In ihrem schmucken Einfamilienhaus mit dem hübschen gepflegten Garten ist die Welt noch heil, eine intakte Familie wie die Soziologen sagen, die Robinsons teilen Freud und Leid miteinander, sie treffen sich pünktlich zu den Mahlzeiten, halten die Feiertage heilig und die Familientradition hoch, sie putzen regelmäßig Schuhe und Zähne und sind nett zueinander. Es ist 11 Uhr vormittags ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) (Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt. Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Bearbeitung Wort und Regie: Marina Dietz Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Bearbeitung Wort: Mi Jepsen-Föge Regie: Otto Düben Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Bearbeitung Wort: Erwin Neuner Regie: Norbert Schaeffer Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die großen runden Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Bearbeitung Wort: Marina Dietz Regie: Barbara Plensat Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Regie: Rolf Dienewald Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Marlowe: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Marlowe: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Marlowe: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe. Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter. Marlowe: Freut mich. Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Marlowe: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Marlowe: Verdammt. Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Marlowe: Philip Marlowe. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Marlowe: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Marlowe: Nur dieser. ORyan: Was. Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Marlowe: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph. Marlowe: Er heißt also Joseph. Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker. Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Marlowe: Joseph Bakers. Lola: Ja. Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph. Lola: Ja. Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Marlowe: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Marlowe: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Marlowe: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Marlowe: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich. Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe. ORyan: Ah, sie, Marlowe. Marlowe: Ja. ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist. Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab. ORyan: Wen. Marlowe: Den Killer. ORyan: Was. Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln. ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe. Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen. ORyan: Und wer ist noch bei ihnen. Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein. ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr. Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42. ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen. Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden. ORyan: Sind sie sicher, daß er es war. Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller. ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen. Marlowe: Ja. ORyan: Schlüssel. Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu. Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie. Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht. ORyan: Handtuch Marlowe. Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf. ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie. Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas. ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen. Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr. ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus. Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen. ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan? Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte. ORyan: Welcher andere? Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer. ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich? Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus. ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor? Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt. ORyan: Wieso ich? Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar. ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben. Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können. ORyan: Okay. Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat. ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid. Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme. Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein. Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig? Lola: Steigen Sie ein, bitte. Marlowe: Aber schnell weg von hier. Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte. Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie? Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen. Lola: Und was geschah weiter? Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich. Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt? Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind. Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin. Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen. Lola: Ich will auch meine Perlen. Marlowe: Perlen? Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen. Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden. Lola: Ach. Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen. Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben. Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien. Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel. Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Lola: Lola. Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola. Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph. Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja. Lola: Ja. Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus. Lola: Ja. Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren. Lola: Ja. Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei. Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte. Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie? Lola: Ja. Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen. Lola: Das ist lieb von Ihnen. Marlowe: Dritte Etage. Lola: Apartment 31, ich werde hier warten. Marlowe: Ist gut. Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive. Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden? Marlowe: Nicht eine einzige. Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden. Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen. Lola: Ich fände es bedauerlich. Marlowe: Viel Glück, Lola. Lola: Good bye. Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street. Marlowe: Guten Abend. Anja: Sie wünschen. Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko. Anja: Nein, Miss Kolchenko. Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht. Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht? Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst? Anja: Wer sind Sie? Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte. Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung. Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte. Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist? Marlowe: Er ist tot. Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein. Frank: Was ist los mein Schatz? Anja: Hier, der Mann ist Detektiv. Marlowe: Guten Abend. Anja: Bitte mach Musik aus. Frank: Na und? Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen. Frank: Was ist mit dem Wagen? Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen. Frank: Und warum nicht? Warum nicht? Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat. Frank: Verdammt noch mal. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte. Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es. Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse. Frank: Und im Headquarter? Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen. Frank: Und wonach suchten Sie? Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten. Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung? Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug. Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch? Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde. Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz. Anja: Hier habt ihr. Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko. Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug. Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg? Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten. Frank: Wie viel? Marlowe: Sagen wir noch mal 500. Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe. Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür? Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt. Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen. Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus? Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen. Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen. Frank: Ja. Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat. Frank: Verdammt. Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na. Frank: Frank Barsaly. Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart. ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her? Marlowe: Sie gehören einer Dame. ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht. Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen. ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr. Marlowe: Wer war er denn? Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen. Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat. Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen. Marlowe: Danke Inspektor. ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie? Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte. ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe. Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein. Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch. Marlowe: Falsch? Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch. Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten? Miller: Wenn nicht mehr. Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden. Miller: Ja. Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden? Miller: Papiere? Keine. ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie? Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe. ORyan: Und was die Dame anbelangt. Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen. ORyan: Ah, schon etwas. Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker. ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame? Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen. ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren? Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen. ORyan: Ja, möglich. Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau. ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter. Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte. Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher. Marlowe: Eben. Miller: Ist das alles? Marlowe: Ja. Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür? Marlowe: Ich. ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht. Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe? Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen. ORyan: So. Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel? ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten. Miller: Sam. ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe. Miller: Steck die Waffe weg, Sam. ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können. Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden. Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn. Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg. Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken. Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir. Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand. Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun. Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club. Miller: Danke. Komm Sam gehen wir. Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen. Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen. Marlowe: Okay. Miller: Komm schon. Lola: Hallo. Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola? Lola: Ja, ich bin allein. Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden. Lola: Was denn? Marlowe: Die Perlen. Lola: Ja. Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft. Lola: Oh nein. Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen. Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden? Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen. Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen? Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden? Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung. Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf. Lola: Also um vier. Mann: Ja. Was solls? Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500. Mann: Okay, Mr. Marlowe. Marlowe: Danke. Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen. Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit? Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell. Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden. Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben. Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig. Marlowe: Danke. Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs. Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben. Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung. Lola: Danke. Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen? Lola: Ja. Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat. Lola: Natürlich. Marlowe: Er muß den Mund halten. Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan. Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen. Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben. Marlowe: Allerdings. Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen. Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Bearbeitung Wort und Regie: Edmund Steinberger Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Spade: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Spade: Ich dachte. Hook: Na was denn. Spade: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los, Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann. Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann. Elvira: Hook sei doch vernünftig. Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden. Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter. Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können. Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Hook: Elvira, komm doch mal her. Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will. Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her. Elvira: Was willst du denn von mir. Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide. Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse. Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen. Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook. Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren. Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein. Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann. Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe. Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit. Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen. Elvira: Pst ich glaube er kommt. Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst. Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist. Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman. Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook. Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt. Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr. Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will. Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen. Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei. Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen. Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt. Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen. Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook. Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen. Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen. Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr. Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen. Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig. Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler. Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver. Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn. Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt. Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten. Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner. Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen. Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht. Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen. Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind. Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen. Tai: Was soll das heißen. Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte. Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt. Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen. Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was. Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her. Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere. Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie. Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund. Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken. Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt. Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen. Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie. Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen. Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon. Spade: Hm, das Mädchen. Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann. Tai: Was dann. Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich. Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr. Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern. Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt. Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben. Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her. Elvira: Was willst du von mir. Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade. Elvira: Ja hier sind Sie. Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln. Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt. Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand. Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst. Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß. Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt. Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck. Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas. Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen. Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann. Mr Quarre: Gut wie du meinst. Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt. Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte. Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen. Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um. Tai: Wo ist Elvira. Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig. Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand. Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun. Tai: Was denn, was für einen Gefallen. Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht. Tai: Warum es geht. Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung. Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier. Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht. Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen. Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy (Detektiv): Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Bearbeitung Wort: Carl Dietrich Carls Regie: Heinz Wilhelm Schwarz Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit. Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarz-schimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch. Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts. Burma: Ja, und sie. Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst. Burma: Wohin soll ich nicht gehen. Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr. Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase. Belita: Er ist tot. Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz. Belita: Wie meinen sie das. Burma: Nur so, weiter. Belita: Das ist alles. Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben. Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht. Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt. Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater. Burma: Was wollte er von mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt. Belita: Ja. Burma: Was. Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen. Burma: Und, vertrauen sie mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Viel wissen sie wirklich nicht. Belita: Nur daß er tot ist. Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das. Belita: Glauben sie mir nicht. Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen. Belita: Belita, Belita Morales. Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig. Belita: Ich weiß. Burma: Ach endlich wissen sie mal was. Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt. Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit. Belita: Nein. Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme. Belita: Das würde ich ihnen nicht raten. Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden. Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie. Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma. Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten. Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen. Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale. Burma: Ich bin kein Kommunist. Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins. Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe. Fabre: Verdammte Anarchisten. Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört. Fabre: Der Tiger. Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf. Fabre: Das hat er gesagt der Tiger. Burma: Jawohl mein lieber. Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich. Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben. Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit. Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet. Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich. Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht. Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt. Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an. Fabre: Na Monsieur Burma. Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht. Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus. Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen. Fabre: Lenantais. Burma: Lenantais, der aus Nord. Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel. Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn. Fabre: Wann und wo. Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier. Fabre: Falsch. Burma: Wieso falsch. Fabre: Vegetarier. Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren. Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter. Burma: Ein bißchen. Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach. Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten. Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte. Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken. Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich. Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen. Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird. Faroux: Gehen wir in ein Bistro. Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck. Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank. Burma: Er war tolerant. Faroux: Was trinken sie. Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er. Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen. Burma: Und was machte er so. Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt. Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele. Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf. Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem. Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick. Frau: Redaktion Le Crepuscule. Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet. Frau: Ich verbinde. Covet: Hallo. Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird. Covet: Ist das der anfang von was. Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit. Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität. Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener. Covet: Also mißachtest du seinen Willen. Burma: Kann schon sein. Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf. Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit. Mann: Am ende vom hof links. Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand. Burma: Hallo Belita. Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure. Burma: Ich schlafe immer allein. Frau: Und du, du Hurenbock. Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs. Belita: Danke. Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag. Belita: Ich hab die flics gesehen. Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln. Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus. Belita: Ich kümmer mich drum. Burma: Na legen sie sich hin. Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm. Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt. Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin. Belita: Wofür halten sie mich. Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe. Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte. Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr. Belita: Er hat mich gekauft. Burma: Gekauft. Belita: Ja. Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin. Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich. Burma: Und wieso gekauft. Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen. Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter. Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet. Burma: Was. Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte. Burma: Und. Belita: Er hat mich nie angerührt, und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv. Burma: Wir. Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen. Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann. Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an. Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum. Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat. Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt. Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare. Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück. Belita: Jetzt hast du mich geduzt. Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell. Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit. Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen. Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe. Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist. Lacorre: Allerdings. Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist. Lacorre: Hätte noch gefehlt. Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes. Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut. Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten. Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen. Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle. Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen. Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen. Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen. Belita: Wie alt warst du da. Burma: 17. Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre. Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen. Belita: Abel mochte dich wohl besonders. Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen. Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall. Burma: Ich sollte gehen. Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest. Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt. Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht. Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador. Salvador: Los, mitkommen. Burma: Wer ich. Salvador: Die da. Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab. Salvador: Vor dir. Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen. Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an. Salvador: Ich hau ja schon ab. Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam. Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist. Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte. Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich. Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei. Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir. Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen. Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen. Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues. Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe. Burma: Und mein Freund Florimond Faroux. Helene: Nichts Chef. Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht. Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin. Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene. Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag. Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten. Belita: Madre dios, der Arzt. Burma: Was ist mit dem Arzt. Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das. Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er. Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen. Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert. Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel. Belita: Schon wieder ein toter. Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den. Belita: Nie gesehen. Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken. Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen. Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert. Belita: Was machen wir jetzt. Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen. Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte. Belita: Rue de tolbiac. Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz. Belita: Sei vorsichtig. Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen. Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten. Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest. Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket. Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch. Belita: Ich hab Angst, cheri. Burma: Ach was, mon amour. Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte. Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst. Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf. Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück. Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung. Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das. Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht. Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet. Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn. Burma: Nein nie gehört. Helene: Aber er kennt sie. Burma: Und woher wissen sie das. Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie. Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären. Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung. Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot. Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen. Burma: Warum. Mann: Hören sie die Säge, Monsieur. Burma: Jetzt nicht mehr. Mann: Eben, die Stunde x, Streik. Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte. Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben. Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt. Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno. Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni. Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es. Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird. Baurenot: Aha, versteh ich nicht. Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen. Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht. Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast. Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt. Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert. Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine. Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon. Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal. Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen. Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien. Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr. Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen. Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich. Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los. Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück. Burma: Hat er den Geldboten überfallen. Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier. Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts. Baurenot: Du jetzt reichts aber. Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher. Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre. Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Baurenot: Aha, ist aber schade. Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft. Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte. Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage. Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet. Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi. Burma: Belita, Belita. Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser, wenn ich gehe. Belita: Es ist besser, wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe, wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet. Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen. Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm. Burma: Ja sieht so aus. Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau. Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse. Covet: Wie verstehe ich denn das. Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee. Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen. Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten. Covet: Ja, mach ich. Mann: gott ist mit dir. Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagno-Sträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen. Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit. Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar. Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere. Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken. Mann: Das bekommt die polizei Monsieur. Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre. Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden. Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich. Covet: Wer wars. Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten. Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen. Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser. Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld. Burma: Was, der Mord an Lacorre. Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein. Burma: So ungefähr. Baurenot: Delong hat den Kopf verloren. Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde. Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht. Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch. Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte. Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler Inspektor Fabre: Jürgen Andreas Belita: Manuela Romberg Marc Covet: Andreas Mannkopff Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler Joachim Bartels Manfred Boehm Ernst Konarek Wolfgang Reinsch Margarete Salbach Willi Schneider Andreas Szerda Iris Werlin Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Bernd Lau Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Helene: Noch was zu trinken, Chef? Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Ferrand: Nestor Burma. Burma: Höchstpersönlich. Ferrand: Hier ist Ferrand. Burma: Ferrand. Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar? Helene: Wer war das? Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen. Helene: Das ist wiederum nicht unüblich. Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen. Helene: Und, gehen Sie hin? Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen Helene. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf. Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris. Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen. Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma. Frau: Würden Sie bitte hier warten. Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus. Henriette: Oh, ich wußte nicht. Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an. Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich. Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen. Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung. Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht. Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick. Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch. Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei? Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen. Burma: Im Palais Justice. Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert. Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab. Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden. Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum? Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören. Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten. Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken. Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit. Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen. Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten. Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix. Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch. Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft, und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen. Burma: Aber doch nicht hier, Ferrand, da kommt jemand. Ferrand: Sie haben recht. Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen. Ferrand: Gehen wir zu mir. Burma: Du machst es aber sehr wichtig. Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen. Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame. Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer. Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte. Ferrand: Gehen wir rauf. Gut. Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven. Frau: Oh, wen haben wir denn da? Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach. Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück. Burma: Was war das für eine Frau? Ferrand: Keine Ahnung. Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher. Ferrand: Meinen Sie, ich gehöre hierher? Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne. Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört? Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire. Ferrand: Und ich bin einer von denen. Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen? Ferrand: Wofür halten sie mich? Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn. Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen. Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen. Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles. Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert. Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe Sie an, spätestens morgen. Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, ein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel. Burma: Ja. Helene: Ich wollte nur wissen, Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro? Burma: Bin spät ins Bett gegangen. Helene: Keine Details, bitte. Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da. Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein. Helene: Erzählen Sie, Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter. Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht. Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet. Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein. Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt. Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen. Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist. Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht. Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden. Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen? Burma: So kann man es auch sagen. Covet: Blond. Burma: Rot. Covet: Umso besser, ist was im Busch? Burma: Vielleicht. Covet: Fällt was für mich ab? Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen? Covet: Ah, kam sie aus dem Haus? Burma: Aus welchem Haus? Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein. Burma: Ja, danke, Covet. Covet: Salut. Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen. Helene: Laden Sie mich ein? Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt. Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja. Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen. Burma: Dauerts lange? Mann: Kann man vorher schlecht sagen. Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne? Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame. Helene: Und wer ist Gilo? Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame. Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig. Mann: Erstklassig. Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu. Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen? Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker. Helene: Wie furchtbar. Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein. Helene: Wir sind wohl allein hier, was? Burma: Gehen wir nach oben. Helene: Verlassen das Nest. Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden. Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren? Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an. Helene: Muß das sein? Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung. Helene: Lassen Sie das hängen. Burma: Ich nahm Sie trotzdem ab, ein Foto, 6 x 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett. Helene: Nein sowas. Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote. Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto. Burma: Kennst du die hier zufällig? Mann: Wollen sie mich verarschen? Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen? Mann: Die ist was ganz anderes. Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land. Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais. Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt. Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen? Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an. Helene: Und dann. Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei. Helene: Dem Kunstkritiker. Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt. Helene: Und dann gehen wir aber essen. Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch. Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben. Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte. Jakowski: Kommen Sie ruhig rein. Helene: Danke. Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden. Helene: Wer ist das? Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir. Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder. Jakowski: Was möchten Sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags. Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen Sie die? Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an. Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit. Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr? Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist. Jakowski: Warum nicht, glaube schon. Burma: Was anderes, Sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay? Jakowski: Das glaube ich nicht. Burma: Ich danke Ihnen, wir werden Sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle. Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen. Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen. Helene: Aber gerne. Jakowski: Vom Flohmarkt. Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt. Helene: Unglaublich. Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt. Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein. Courtenay: Kommen Sie, ich habe mit ihnen zu reden. Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus. Courtenay: Also, wie viel. Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause? Courtenay: Geht sie nichts an. Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich. Courtenay: Was meinen Sie? Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, Sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen. Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen. Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht? Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht. Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig. Burma: Aber Sie halten sie für schuldig. Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr. Burma: Sie lieben ihre Frau. Courtenay: Warum schleichen Sie um mein Haus herum? Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht. Courtenay: Lassen Sie ihr etwas Ruhe, ich habe Sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten. Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, den Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts. Helene: Ja. Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern. Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen. Burma: Sie hatte Komplizen. Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr. Burma: Eine gute Idee, mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen. Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also. Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt. Helene: Wieso da? Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein. Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit. Zavatter: Hallo. Burma: Zavatter. Zavatter: Chef. Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sie eine Erpressung lohnt. Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer? Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia. Zavatter: Bis morgen dann. Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen. Dr: Hallo. Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche? Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie? Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv. Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick. Burma: So lala. Dr: Nicht überarbeitet vielleicht. Burma: Na ja. Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig. Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel. Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz. Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen. Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz. Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin. Dr: Bedaure, woher haben Sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register. Burma: Sie stand auf einem zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat. Dr: Ja, und. Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft? War überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt. Kuh: Muh. Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja. Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten. Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma. Henriette: Ah ja. Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering. Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen. Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte. Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden. Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute. Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann. Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken. Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen Sie, ich bring sie hinaus. Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay. Courtenay: Ich wollte Sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden. Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau? Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer. Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit. Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat. Burma: Haben Sie ihr von mir erzählt. Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, Blut verschmiert. Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen Sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie? Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt. Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt. Courtenay: Es gibt Regen. Burma: Es donnert schon. Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen. Burma: Was war das? Courtenay: Offensichtlich ein Unfall. Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan. Courtenay: Das ist alles ihre Schuld. Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau. Courtenay: Sie ist tot. Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen. Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat. Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich. Courtenay: Dr. Delanglad. Burma: Delanglad oder Dalalück? Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück? Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft. Courtenay: Verschwinden Sie. Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte. Das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken. Faroux: Salü Nestor, haben Sie meinen Anruf erwartet. Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden. Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris. Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben. Faroux: Ja, warum nicht? Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib. Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten. Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen. Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal? Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris. Helene: Im Park? Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See. Helene: Wars tatsächlich Selbstmord? Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt. Helene: Wie denn? Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch. Helene: Nichts als Vermutung, oder? Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber. Helene: Alle Männer sind Schweine. Burma: Ich bin anders als alle. Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat. Burma: Sie rumgekriegt mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische. Helene: Das ist doch verrückt. Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter, und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet. Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben, Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden. Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag. Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder. Burma: Die Ratten von Montsouris. Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer. Burma: Ach ja, die Liste. Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben. Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder? Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren. Burma: Mhm, und weiter? Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da. Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten. Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr. Helene: Was haben sie denn rausgekriegt? Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von. Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte. Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr. Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden. Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt. Burma: Nicht ungewöhnlich. Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau. Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten. Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung. Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef? Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert. Helene: Ich komme mit. Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienst-mädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück. Frau: Na ja, bei dem Wetter. Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden. Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich. Burma: Hatten Sie Angst? Frau: Ich hatte meinen freien Tag, Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau. Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause? Frau: Ich glaube nicht, Monsieur. Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer. Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie. Burma: Los, öffnen Sie. Mann: Moment, ich komm ja schon. Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein. Mann: Was kann ich für Sie tun? Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas. Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere. Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können. Helene: Machen Sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder. Burma: War der Mörder, lassen Sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt. Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß? Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen. Helene: Chef, wenn Sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon. Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde. Burma: Was wollte der Araber? Mann: Mich erpressen wegen der Bilder. Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja. Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand. Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft. Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich. Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich. Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe. Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen Sie? Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten. Henriette: Ach ja, der Erpresser. Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand. Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind Sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich. Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam. Gaudebert: Monsieur Burma. Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand. Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen. Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen. Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt. Burma: Das erzählten sie, ja. Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht. Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte. Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung. Monsieur Burma. Burma: Was wollen Sie damit sagen? Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat. Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken. Dr: Sie erinnern sich noch an mich. Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch. Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht. Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks. Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, Sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte. Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen. Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet. Burma: Wie bitte? Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie sainte anne vollkommen verrückt. Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort. Dr: Er schreibt Gedichte. Ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Gastelnos Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte. Burma: Nicht so richtig. Dr: Wollen Sie seine Texte lesen? Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren. Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden. Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens? Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie. Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand. Dr: Tja, so geht das meistens weiter. Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Helene: Was wurde denn erbeutet? Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden. Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen? Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst. Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen? Burma: Nein, noch nicht. Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat. Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden? Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur? Burma: Steht die Prämie noch? Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie Sie. Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen. Helene: Ein großer Wirrwarr, Chef, sie schwimmen immer noch. Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin. Jakowski: Sie schon wieder, Burma. Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben. Schon mal was von Jeff Harrison gehört? Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben. Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert? Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun? Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat. Jakowski: Ach und sie meinen, kommen Sie, schauen wir nach. Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung. Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang. Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren? Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat. Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert. Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben. Auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise. Ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste. Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann. Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert. Gaudebert: Reden Sie, Burma. Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat. Wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse. Gaudebert: Aber wie wie sind Sie? Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen. Woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen. Helene: Ganz allein, haben Sie keine Angst? Burma: Nö. Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse. Gaudebert: Gehen wir. Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser. Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma. Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen. Burma: Wovor haben Sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen? Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier. Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver. Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter. Henriette: Hahaha. Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus. Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können. Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich. Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und sie sich auch nicht. Henriette: Mir ist das doch scheißegal. Gaudebert: Keine Bewegung, Burma. Burma: Was wollen sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war? Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen. Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da. Gaudebert: Was? Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen? Gaudebert: Das ist nicht wahr. Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht? Henriette: Vollkommen. Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen. Gaudebert: Hure. Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her. Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig. Gaudebert: Sie Dreckskerl. Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache. Faroux: Hallo Nestor. Burma: Hallo. Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen. Burma: Nein, diesmal nicht. Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen? Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen. Sie hörten Die Ratten von Montsouris nach dem Kriminalroman von Leo Malet. Christian Brückner Nestor Burma Sabine Postel Helene Chatelet Matthias Ponnier Ferrand (Freund von R. Castellenot) Aljoscha Sebald Armand Gaudebert Katja Teichmann Henriette Castellenot Dieter Eppler Florimond Faroux Ernst Konarek Monsieur Jakowski Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay Peter Panhans Zavatter Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Hans Gerd Krogmann Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Radio: Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Shirley: Tony. Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola... Hodding: Ah ah... Proctor: Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding. Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Mann: Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Mann: Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Frau: Ah ah. Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Radio: What a wonderful world... Mann: Ah ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Mann: Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment. Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies Vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Mann: Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Joyce: Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. Mann: 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer: Komm Hamond. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Mann: Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Mann: Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Mann: Oh. Radio: And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Bearbeitung Wort: Franz-Maria Sonner Regie: Barbara Plensat Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Myrna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse. Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja, das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming-pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Myrna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo, Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die Blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mi
Kriminalhörspiele von, Michael Koser
Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür Herr Prof, der Herr, der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivoli Folies Bergere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselinkleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur zB, wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Kloster … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer, die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben, plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof, in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird warm … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr.Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Badeort … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Menschen … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Buen Retiro, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (Blutiger Wind) (Red Wind) (BR 1966) (SWF/WDR 1970) (NDR 1984) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunter stürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt. Wohnen sie etwa in der Gegend ... Raymond Chandler: Ärger mit Perlen (Pearls Are A Nuisance) (BR 1964) (SWF 1969) (ORF 1979) Es ist durchaus richtig, daß ich an diesem Morgen nichts anderes tat als auf ein leeres Blatt in meiner Schreibmaschine zu starren, es ist auch durchaus richtig, daß ich an keinem Morgen sonderlich viel zu tun habe, aber das ist noch lange kein Grund für mich auf das Perlencollier der alten Mrs Penruddocks abzumachen, bin ich Polizist, als Ellen Macintosh mich anrief, sah die Sache natürlich schon anders aus. Wie geht es dir, Liebling, hast du viel zu tun. Ja und nein, vorwiegend nein, mir geht es sehr gut, was gibt es jetzt schon wieder. Ich glaube du liebst mich doch nicht, Walter, außerdem brauchst du eine Beschäftigung, jemand hat Mrs Penruddocks Perlen gestohlen und ich möchte, daß du sie wiederbeschaffst. Sie glauben daß sie mit der ... Raymond Chandler: Ich werde warten (I’ll be Waiting) (SWF 1969) Um drei Uhr morgens schaltete Carl der Hausdiener, die letzte der drei Tischlampen in der Haupthalle des Windermere Hotel ab... Tony Ressek gähnte, er legte den Kopf auf die Seite und lauschte der schwachen zwitschernd zittrigen Musik aus dem Radioraum jenseits eines dämmrigen Bogendurchgangs am anderen Ende der Halle, er runzelte die Stirn, nach eins in der Frühe sollte das eigentlich sein Radiozimmer sein, niemand sollte sich darin aufhalten, das rothaarige Mädchen da verdarb ihm seine Nächte, das Stirnrunzeln schwand und die Miniatur eines Lächelns schnörkelte sich um seine Lippenwinkel, er saß entspannt, ein kleiner, blaßer, korpulenter, mittelältlicher Mann mit langen zarten Fingern, die sich über den Elchzahn an seiner ... Raymond Chandler: Stichwort Goldfisch (Goldfish) (SWF 1970) Ich arbeitete nichts an diesem Tag, holte nur ein paar Rückstände im Füßebaumeln nach, ich überlegte gerade, ob ich zum lunch gehen sollte als Kathy Horne reinkam, sie war eine große verhärmte Blondine mit traurigen Augen, die einmal Polizeibeamtin gewesen war, sie verlor ihr Stellung als sie einen billigen kleinen Scheckfälscher namens Johnny Horne heiratete um ihn zu bessern, gebessert hat sie ihn nicht, dafür wartete sie wieder mal drauf, daß er aus dem Bau käme um es noch mal zu versuchen, inzwischen war sie Verkäuferin in dem Zigarettenstand im Mansionhaus, sie setzte sich, öffnete ihre große Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Haben sie je von den Leanderperlen gehört, Mann haben sie einen feinen Anzug an, sie müssen einen Haufen Geld ... Raymond Chandler: Heim zu Beulah (Try the Girl) (WDR 1971) Ich war an der Central Avenue, dem Harlem von Los Angeles, wo es noch Lokale für weiße aber auch solche für farbige gibt, ich suchte nach einem kleinen griechischen Friseur namens Tom Aleidis, dessen Frau wollte, daß er nach Hause zurückkehrte, da sah ich diesen großen Burschen vor Shameys stehen, eine Bar und Würfelstube im ersten Stock, ausschließlich für farbige und nicht sehr verlockend, er blickte zu den beschädigten Buchstaben der leuchtschrift mit einem verzückten Ausdruck hinauf wie einer der lange gewartet und einen weiten Weg zurückgelegt hatte, er war nicht nur groß, er war ein Riese, er sah aus als wäre er über 2 meter und er trug den auffallendsten Anzug den ich je an einem wirklich großen Mann gesehen habe, rostfarbene Hosen ... Raymond Chandler: Mord in der Salbeischlucht (Mandarin’s Jade) (WDR/BR 1972) Ich machte mich auf den Weg, der Bursche, der mir öffnete trug zu einem weißen Flanellanzug einen violetten Seidenschal. Ja. Ich bin der Mann nach dem sie geschickt haben, der den Veilchen MGee empfohlen hat. Veilchen, meine Güte was für ein merkwürdiger Spitzname, lassen sie mich sehen, ihr Name ist. Dalmas, John Dalmas. Oh, kommen sie herein, Mr Dalmas, ich bin sicher sie werden mich entschuldigen, mein Hausboy ist heute abend nicht da. Ja. Es ist eine geringfügige Angelegenheit, eigentlich kaum wert sie deswegen zu belästigen, aber ich dachte es wäre ganz gut wenn ich einen Begleiter hätte, sie müssen mir versprechen nicht mit einem Revolver herumzufuchteln oder dergleichen, vermutlich tragen sie eine Waffe bei sich. Aber ja. Ich will nicht daß sie ... Raymond Chandler: Zielscheibe (The Curtain) (WDR 1972) Als ich Larry Batzel zum erstenmal sah, saß er betrunken in einem Rolls-Royce aus zweiter Hand vor Sardi, bei ihm war eine große Blondine mit Augen, die man nicht so leicht vergaß, sie versuchte ihn zu überreden den Platz am Steuer zu räumen, ich half ihr dabei, als ich Larry das zweite Mal sah, hatte er weder einen Rolls Royce noch eine Blondine noch die kleinste Rolle beim Film, alles was er hatte, war ein Anzug, der gebügelt werden mußte, ich bezahlte genug Drinks, um ihn wieder auf die Beine zu bringen und überließ ihm die Hälfte meiner Zigaretten, von Zeit zu Zeit lieh ich ihm zwischen zwei Filmen Geld, aber nach einer Weile verlor ich ihn aus den Augen, dann bekam ich eines Tages aus heiterem Himmel einen Scheck über alles ... Raymond Chandler: Der Bleistift (The Pencil) (WDR 1973) Er war ein etwas dicklicher Mann mit einem unehrlichen Lächeln, das seinen Blick kalt ließ, er trug einen grauen Anzug und eine handgemalte Krawatte, aber sein Hemd war sauber, was ich tröstlich fand, er glitt seitwärts an mir vorbei als ich ihm die Tür zwischen meinem Wartezimmer und meiner Denkwerkstatt aufhielt, als er drin war, sah er sich mit einem schnellen Blick um, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ihn als einen zweitklassigen Gangster bezeichnet, er setzte sich vorsichtig und ich setzte mich ihm gegenüber, wir sahen uns an, sein Gesicht hatte eine fuchsartige Wachsamkeit, er schwitze ein bißchen, während ich meine Pfeife stopfte, griff er in die Innentasche seiner Jacke, wühlte darin und zog eine Banknote heraus, es war eine ... Raymond Chandler: Schüsse bei Cyrano (Guns at Cyrano’s) (WDR/SWF 1976) NAbend Albert, schöner Regen heute was. Kann man wohl sagen. 9te bitte. Aber Mr Malvern sie glauben wohl, ich wüßte ihre Etage nicht. Was ist los, Albert bist du krank. Hab doppelte Schicht heute, Korky ist krank, hat ein Furunkel. Fehlt dir wirklich nichts Albert. Vielleicht hab ich nicht genug gegessen. Hier, kauf dir ein Steak. Aber Mr Malvern, ich. Schon gut Albert, was zählt so ne Kleinigkeit unter Freunden. Danke Mr Malvern. Abwärts, schnell. Nicht so hastig. Abwärts los. Was sich hier alles so rumtreibt, Miss, Miss, sie ist ohnmächtig, gehts wieder. Ihr whisky ist gut, kann ich noch ein Schluck haben. Klar. Wer sind sie. Ted Malvern, ich wohne hier auf Etage in Nr 937, wollen sie auch eine. Ja, danke, ich war eine weile weggetreten wie ... Raymond Chandler: Gefahr ist mein Geschäft (Trouble Is My Business) (DDR 1976) (SWF 1978) Anna Halsey, das waren ungefähr 240 Pfund mittelältliche Weiblichkeit und ein Gesicht wie Glaserkitt, zusammengehalten von einem schwarzen Schneiderkostüm saß sie hinter einem schwarzglänzenden gläsernen Schreibtisch, der der Sarkophag Napoleons hätte sein können und rauchte eine schwarze Zigarettenspitze von nicht ganz der länge eines zusammengerollten Regenschirms, sie sagte, ich brauche einen Mann. Ich brauche einen Mann. Ihre Augen waren glänzende schwarze Schuhknöpfe, ihre Backen so weich wie Nierenfett und von etwa der gleichen Farbe. Ich brauche einen Mann, der gut genug aussieht, um eine Dame für sich zu interessieren, die Sinn für Klasse hat, der Mann muß hart genug sein und zäh um es auch mit einem Schaufelbagger aufnehmen zu können ... Raymond Chandler: Keine Verbrechen in den Bergen (No Crime in the Mountains) (SWF/HR 1980) Der Brief kam kurz vor Mittag per Eilboten, Absender FS Lacey Puma Point Kalifornien, innen steckten ein Scheck über 100 Dollar und ein Blatt einfaches weißes Schreibpapier das mit Maschine beschrieben war. An Mr John Evans, sehr geehrter Herr, ich wende mich an sie mit einer ebenso dringenden wie außerordentlich vertraulichen Angelegenheit, einen Vorschuß füge ich bei, bitte kommen sie wenn überhaupt möglich am donnerstag nachmittag oder abend nach Puma Point, nehmen sie sich ein Zimmer im Indianhead Hotel und rufen sie mich unter der Nummer 2306 an, hochachtungsvoll Fred Lacey. Ich hatte die ganze Woche nichts zutun gehabt, der Brief war endlich ein Lichtblick, ich löste den Scheck ein und aß zu mittag dann holte ich den Wagen und ... Raymond Chandler: Die Tote im See (The Lady in the Lake) (SWF 1983) Es war ein dumpfer schwüler Augusttag und man konnte seinen Nacken nicht einmal mit einem Badetuch trocken halten, als Veilchen MGee von der Mordkommission anrief. John Dalmas. Na wie gehts dem Jungchen denn, schon eine ganze Woche ohne Beschäftigung was, da drüben im Avenant Building sitzt ein Bursche namens Howard Melton, dem ist seine Frau abhanden gekommen. Was ist daran so besonders. Er ist Manager bei der Doreme Cosmetic Company. Warum läßt er seine Beziehungen nicht spielen. Aus irgendeinem Grund will er keine Anzeige machen, der Boß kennt ihn ein bißchen. Aha. Geh da spaßeshalber mal rüber, aber zieh deine Schuhe aus, bevor du eintrittst, ist ein ziemlich feiner Laden. Ich besitze überhaupt keine Schuhe. Dann kann ja nichts schiefgehen ... Raymond Chandler: Ein Schriftstellerpaar (DLF/WDR 1984) Sei still Phoebus. Gleichgültig wie betrunken Hank Bruton am Abend vorher gewesen war, er stand immer sehr früh auf, ging barfuß im Haus herum und wartete darauf daß das Kaffeewasser kochte, er schloß die Tür zu Marions Zimmer, hielt einen Finger gegen die Kante um sie abzufangen und ließ die Klinke sehr behutsam los damit sie kein Geräusch machte, es kam ihm ziemlich merkwürdig vor daß er das fertig brachte und seine Hände dabei völlig ruhig blieben, während die Muskeln seiner Beine und Oberschenkel so heftig zitterten und er die Zähne fest zusammenbiß gegen dies scheußliche Gefühl in der Magengrube, auf seine Hände schien es sich nie im geringsten auszuwirken, eine Eigentümlichkeit die sonderbar war und angenehm zugleich. Zum Teufel damit ... Raymond Chandler: Mord im Regen (Killer in the Rain) (SWF/NDR 1986) Wir saßen in meinem Zimmer im Berglund, der Regen schlug hart gegen die Fenster, sie waren fest geschlossen und es war heiß. Was wissen sie über mich. Der Luftzug des Tischventilators traf Dravec an der Stirn, hob sein schweres schwarzes Haar und bewegte seine dicken Brauen, er sah aus wie ein Rausschmeißer der zu Geld gekommen ist. Also was. Nichts. Aber sie kennen Veilchen MGee von der Mordkommission. Wie gehts ihm denn. Er hat mich hergeschickt. Nett von ihm. Sie verstehen mich immer noch nicht, ich habe einen Auftrag für sie. Ich gehe nicht mehr gern aus dem Haus, ich werd langsam alt und klapprig. Vielleicht eine Geldfrage. Vielleicht. Hier, sind 500, ich habe genug davon. Das sehe ich, und was muß ich für die ... Raymond Chandler: Bay City Blues (Bay City Blues) (SWF 1986) Es muß Freitag gewesen sein, denn der Fischgeruch des Mansion House Hotels war so stark daß man eine Garage drauf hätte bauen können, davon abgesehen war es ein schöner warmer Tag im Frühling und ich hatte seit einer Woche nichts mehr zu tun gehabt, ich hatte es meinen Absätzen auf dem Schreibtisch bequemgemacht und aalte meine Knöchel in der Sonne als das Telefon läutete, ich nahm meinen Hut weg den ich drübergelegt hatte und gähnte in den Hörer. Ich habs gehört, du solltest dich schämen John Dalmas, gähnt am hellichten Tag. Es war Veilchen MGee von der Mordkommission. Bist du noch dran. Ein netter Kerl der leider die schlechte Angewohnheit hatte mir Fälle zuzuschieben, die mir zwar jede Menge Nackenschläge eingebrachten aber nie genug Geld ... Raymond Chandler: Der Mann, der Hunde liebte (The Man Who Liked Dogs) (SWF/NDR 1988) Ein nagelneuer aluminiumgrauer DeSoto Sedan stand vor der Tür, ich ging um ihn herum und drei weiße Stufen hinauf, öffnete eine Glastür und stand im Wartezimmer, ich drückte auf eine Klingel an der Wand... Ruhig, ruhig, so ist es jedesmal wenn sie schellen hören, ich kann es ihnen das nicht abgewöhnen. Sie wissen, es kommt besuch wenn es schellt. Ich bin Dr Sharp, was kann ich für sie tun. John Carmady, hier ist meine Karte. Privatdetektiv. Ja ich bin auf der Suche nach einem gestohlenen Hund. Hunde gibts hier jede Menge, aber keine gestohlenen, was für einen suchen sie denn. Einen Polizeihund. Ich hab einen hier, und ich kenne die Leute, denen er gehört. Kann ich ihn trotzdem mal sehen. Jetzt sofort. Sofort. Ich rufe die ... Raymond Chandler: Nevada-Gas (Nevada Gas) (SWF 1990) Das wärs ja dann Chef, 21 zu 14, ach, sie sind heute einfach zu gut für mich. Ich war schon immer zu gut für dich, ah noch ne... Francine Ley saß in einem niedrigen roten Sessel, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ihre rauchblauen Augen hatten einen trägen einladenden Ausdruck, ihr dunkles kastaninen- braunes Haar fiel in lockeren Wellen, George Dial beugte sich über sie und küßte sie fest auf die Lippen, das Mädchen lächelte träge zu ihm empor, als er sich wieder aufrichtete. Hör zu Francine, warum gibst du diesem Spieler nicht den Laufpaß. Er ist fair, George und ehrlich, das ist heutzutage immerhin schon was, und du hast einfach nicht genug Geld. Ich kanns mir beschaffen. Wie denn. Von Hugo Candless, ich hab einiges gegen ihn in der Hand ... Raymond Chandler: Gesteuertes Spiel (Finger Man) (SWF 1991) Kurz nach vier konnte ich die Sitzung des großen Schwurgerichts verlassen. Amado. Der Oberstaatsanwalt erwartete mich in seinem Büro. Kommen sie rein. Zufrieden Mr Fenweather. Ich denke die Geschworenen haben ihnen geglaubt, jetzt ist Manny Tinnen dran, das heißt für sie wird es Zeit besonders gut auf sich aufzupassen. Ich komme schon klar. Wie gut kennen sie Frank Dorr. Einer von den großen Drahtziehern der überall das letzte Wort hat, egal ob man einen Puff aufmachen will oder ein anständiges Geschäft. Art Shannon war der Vorsitzende des Ausschußes von dem Dorr seine Aufträge bekam, was hätte er für ein Interesse haben sollen Shannon zu beseitigen. Weil er sich nicht bestechen ließ nehm ich an. An ihrer Stelle würde ich Frank Dorr im Auge behalten ... Raymond Chandler: Spanisches Blut (Spanish Blood) (DDR 1980) (SWF 1992) Big John Masters war groß, dick und ölig, er trug einen weinfarbenen Anzug und hielt eine große braue Zigarre zwischen seinen fetten Fingern. Los Dave, leg noch was drauf. Nu mal langsam. Hier mußt du mehr bieten als auf dem Rathaus, haha. Dave Age betrachtete das Ass auf dem Tisch und linste dann in sein eigenes Blatt, er war lang, hager und sein Haar hatte die Farbe von nassem Sand, er zog seine Trumpfkarte. Piek Dame, haha, hat eine Dame mal richtig gelegen. Ich geh schon ran. Dave Age hob die Prokatportiere an, hinter der das Telefon stand und nahm den Hörer ab. Ja was gibts. Er hörte lange und konzentriert zu. Was ist, Dave, wie lange soll ich noch auf mein Geld warten. Gut gut, sie hören von uns. Dave Age legte auf und kehrte ... Raymond Chandler: Der König in Gelb (The King in Yellow) (SWF 1993) Hey du, bist du hier der Hausdetektiv oder der Hauskater. Hörst du die Trompete, das ist King Leopardi, Junge dieser Ton weich wie Engelsflügel. Umwerfend, aber jetzt fahr rauf und schaff ihn aus dem Korridor. Oh, nicht schon wieder. Doch. Ich dachte ich hätte diese Vögel endgültig ins Bett befördert. 816 sagt nein, er ist draußen auf dem Korridor, mit nichts weiter an als gelben Seidenshorts und mit seiner Trompete. Und die beiden Amseln aus 811. Eine von denen tanzt dazu, also jetzt mach schon Steve, fahr rauf und schaff sie in ihre Zimmer. George Miller, Empfangschef des Charlton Hotel hatte die Nase voll, seit Stunden war in der 8. Etage der Teufel los. Gehört sowieso nicht hierher. Und Steve Grace der Hoteldetektiv hatte es nicht geschafft ... Raymond Chandler: Zu raffinierter Mord (Smart-Alert Kill) (SWF 1996) Der Türsteher des Kilmarnock öffnete die Tür des gelben Taxis so sanft wie eine alte Dame eine Katze streichelt, John Dalmas stieg aus und wandte sich an den rothaarigen Fahrer. Du wartest besser um die Ecke Joey. Wird gemacht Chef. Er schob den Zahnstocher in den anderen Mundwinkel und glitt mit seinem Taxi wieder in den dichten Verkehr, Dalmas überquerte den sonnigen Bürgersteig und trat in die riesige kühle Halle des Kilmarnock, die Teppiche waren dick und löschten jedes Geräusch, Pagen standen abrufbereit mit verschränkten Armen da und hinter dem marmornen Empfangstisch amtierten zwei Empfangchefs und blickten streng, Dalmas betrat den getäfelten Lift... Im obersten Stockwerk gab es nur drei Türen, Dalmas blieb vor der einen ... Raymond Chandler: Straßenbekanntschaft (Pick-Up on Noon Street) (SWR 1999) Wenn du mich nachhause bringen willst dann mußt du erstmal was anständiges zu trinken kaufen, Smiler. Nächstes Mal Baby, ich bin gerade blank. Dann verpiß dich Süßer. Das dunkelhäutige Mädchen trug einen grünen Hut, einen kurzen Rock und reine Seidenstrümpfe und 12cm hohe Absätze. An der nächsten Ecke kannst du ne Fliege machen. Nicht so hastig. Nimm die Pfoten weg. Der Mann hatte einen violetten Anzug an und einen Panamahut auf dem schwarzglänzenden Haar. Wieviel mußt du denn zu trinken haben Baby. Jede Menge. Und wo soll ichs herkriegen, ich bin pleite ehrlich. Du hast doch Hände oder nicht, vielleicht hast du auch einen Revolver, Süßer, du hast doch einen. Ja aber keine Patronen. Das wissen doch die Angeber da drüben auf der Central Avenue nicht ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (The House in Turk Street) (WDR 1974) (ORF 1975) Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davon gelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der ... Dashiell Hammett: Tod in der Pine Street (Death on Pine Street) (SWF 1974) Guten Tag. Ja bitte. Ich bin bestellt. Wen darf ich bitte melden. Sagen sie Mrs Gilmore der Mann von der Continental. Ach sie sind das, Mrs Gilmore erwartet sie schon, kommen sie bitte. Kristall unter der Decke, wer hat bloß die Tapeten ausgesucht, einen Hintern hat das Mädchen. Mrs Gilmore. Sie sind von der Continental Detektivagentur. Ja. Sie müssen den Mörder meines Mannes finden, die Polizei hat nichts getan, vier Tage und sie haben noch nichts getan, sie sagen es ist ein Räuber gewesen, aber sie haben ihn noch nicht, sie haben überhaupt noch nichts. Mrs Gilmore, sie müssen verstehen. Ich weiß, ich weiß, aber sie haben nichts getan, sag ich ihnen, nichts, ich glaube die haben es gar nicht mal versucht, ich glaube sie wollen die, den Mörder überhaupt ... Dashiell Hammett: Hokuspokus, Katz und Maus (The Main Death) (WDR 1976) ... Dashiell Hammett: Das Mädchen mit den Silberaugen (The Girl with the Silver Eyes) (WDR 1983) Oh verdammt, nicht mal am Sonntag kann man ausschlafen, hallo hier ist die Continental. Nein die Continental die ist hier, mein lieber Tracy. Oje. Mir scheint sie sind noch nicht ganz wach. Sie sind es Mr Allen, wo brennts denn mitten in der Nacht. Na hören sie mal, es ist 9 Uhr, ich ahnte nicht, daß sie um diese Zeit noch schlafen. Am Sonntag schlaf ich bis in die Puppen, da hol ich alles nach was sie mir in der Woche nicht gönnen. Tut mir leid, aber heute sind sie eingeteilt für den Bereitschaftsdienst, mein lieber. Schon gut ich bin ganz Ohr, was gibts denn. Ja ich wollte sie bitten, einen Mann aufzusuchen, der vor ein paar Minuten bei mir angerufen hat, eine Vermißtenanzeige oder so was ähnliches, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ich hatte ... Dashiell Hammett: Albert Pastor kommt nach Hause (Albert Pastor at Home) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Wie gehts kleiner. Ich stehe auf um ihm die Hand zu geben. Na wie gehts Lefty, alles ok, alles ok. Ich sehe er hat ein Veilchen, ein blaues Auge, eine Woche alt und etwas neue Haut wächst neben seinem Kinn, ich bin zu höflich um auf so was zu starren und lenke ab. Na wie hast du deine alte Heimatstadt gefunden. Ich hab einfach hinter dem Eisenbahndepot nachgesehen und da war sie, sag mal kleiner, hast du was in der schublade, scotch, ah, ist kein guter scotch. Lefty sagt daß weil er nicht möchte, daß jemand denkt, er könnte mit dem Stoff der in diesem Land herstellt wurde reingelegt werden, aber er trinkt ihn so daß die Gefühle des Menschen der ihn wo auch immer zusammengebraut haben mag, würde er Lefty dabei beobachten, nicht verletzt würden ... Dashiell Hammett: Der Richter lachte zuletzt (The Judge Laughed Last) (SDR 1990) Der Kummer mit diesem Land ist, explodierte unerwartet der alte Covey und unterstrich seine Worte, indem er mit seinem schwieligen Zeigefinger wiederholt auf die Zeitung pochte, die er eben gelesen hatte, daß die Gerichte es im Würgegriff haben, Gesetz, es gibt kein Gesetz, es gibt Gerichte und Richter, und was man das Gesetz nennt, ist eine Waffe, die sie benutzen, um den menschlichen Unternehmungsgeist abzuwürgen, der Selbständigkeit und dem Fortschritt den Mut zu nehmen. Der Teil der Morgenzeitung, gegen den sich der Angriff des alten Mannes richtete, wie ich mit Mühe sah, enthielt den Bericht über eine Entscheidung des obersten Gerichtshofes im Zusammenhang mit irgendwelchen Gewerkschaftsproblemen im Westen ... Dashiell Hammett: Nachtschatten (Night Shade) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Ein brandneuer Buick Baujahr 1933 stand mit ausgeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand gleich oberhalb der Piney-Falls-Brücke, als ich daran vorbeifuhr, streckte ein Mädchen den Kopf heraus, gestikulierte, ich trat auf die Bremse, dann setzte ich zurück. Bitte, bitte. Ihre Stimme war drängend, aber es lag nicht genügend Aufgeregtheit darin um sie scharf oder schrill klingen zu lassen, inzwischen war ein Mann aus der Limousine gestiegen, es war gerade so hell, daß ich sehen konnte, daß er jung und ziemlich groß war, er bewegte eine Hand in die Richtung in die ich gefahren war. Fahr weiter Kumpel. Würden sie mich bitte in die Stadt fahren. Natürlich. Hau ab. Ich stieg aus meinem Wagen, der Mann auf der Straße war schon losgestürzt als plötzlich ... Dashiell Hammett: Wer erschoß Bob Teal? (Who killed Bob Teal?) (NDR 1990) ContinentalDetectiveAgency SanFrancisco, er ist jetzt nicht zu sprechen, versuchen sie es morgen bye. Ist der Alte da. Hm geh rein. Bob Teal ist gestern abend erschossen worden, du mein lieber warst für die Ausbildung verantwortlich und ich will verdammt noch mal wissen wieso er sich von einer 32er das Herz hat perforieren lassen ohne sich zu wehren. Wo. Direkt hinter dem schönen Schein hinter einer Wand von meterhohen Reklametafeln auf einem leeren Grundstück Ecke Hydestreet Eddystreet, mitten im dicksten Schlamm, am späten abend, Zeugen bisher keine, Spuren keine, der gottverdammte Regen hat sie in Dreck aufgelöst, nur die 32er, er war dein freund oder nicht. 32er. Wurde in der Nähe gefunden, das Schwein muß ihn direkt in den ... Dashiell Hammett: Glitschige Finger (Slippery Fingers) (SDR 1990) (in: Amerik.Geschichten) Sie sind natürlich bereits vertraut mit den Einzelheiten des Todes meines Vaters. Die Zeitungen sind voll davon und das schon seit 3 Tagen und ich habe sie gelesen, aber ich möchte die Geschichte nochmal aus erster Hand hören. Es gibt nicht sehr viel zu erzählen. Frederick Grover war ein kleiner schlanker Mann von etwas unter 30 und gekleidet wie ein Model aus vanity fair, seine fast mädchenhaften Gesichtszüge taten nichts um ihn eindrucksvoller erscheinen zu lassen aber nach wenigen Minuten vergaß ich diese Dinge allmählich, er war kein Gimpel, ich wußte daß er bei denen in der Stadt als scharfsinniger Bursche galt, er war dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit ein lebhaftes Aktien- und Wertpapierunternehmen aufzubauen ... Dashiell Hammett: Einmal New York und nicht zurück (The Black Hat That Wasnt There) (NDR/SDR 1991) Bitte einen Kaffee. Für mich ein Whisky, wenns geht. Ein Whisky für Mr. Thin. Sofort. Ja ich glaub nicht, daß wir so weiterkommen, Mr Zumwalt, ich soll ihren Kompanion suchen ok mit sowas verdien ich mein Geld, aber warum kommen sie erst jetzt damit zu mir, zwei Wochen nach seinem Verschwunden, wenn ich diesen Fall übernehmen soll, muß ich die ganze Geschichte kennen. Wahrscheinlich haben sie recht, nur bitte zu niemand ein Wort. Ich bin Privatdetektiv, Verschwiegenheit gehört zu meinem job, also. Vor etwa 2 Monaten übergab uns ein Klient, ein Mr Gorham Papiere im Wert von 100000 Dollar, er mußte für längere Zeit geschäftlich in den Orient, er wollte, daß wir die Papiere bei günstiger Geschäftslage für ihn verkaufen, gestern ... Dashiell Hammett: Rondino mit Leichen (The Assistant Murderer) (NDR/SDR 1991) Na Polly gleich ist es soweit. Gehst du sofort zu Rudi oder hast du vorher noch was anderes vor. Scheiße ihr könnt mich mal. Sag den Kerlen nen schönen Gruß, wir kommen auch bald raus, holt dich dein süßer ab oder mußt du wieder solo trampen, warum sollte ausgerechnet heute hier aufkreuzen, hat 300 Jahre nichts von sich hören lassen. Vince schickt mir jede Woche einen Brief und einmal im Monat kommt er selbst vorbei. Hört euch doch bloß diesen Gefühlquatsch an, er könnte dir sonst was erzählen und hat sich längst eine andere Braut angelacht. Du Dreckschlampe du ich. Ja ok Lissy, reg dich ab, Mensch Polly was ist los mit dir. Was soll denn schon los sein, die alte geht mir auf den Senkel mit ihrem Liebesgeflüster. Polly Banks. Hey Mann ich glaubs ja ... Dashiell Hammett: Zwei scharfe Messer (Two Sharp Knives) (SDR 1993) Der 2 Uhr 11 war eingefahren, der die Stadt ins Bett bringt, wie wir zu sagen pflegen und kaum war der Bursche aus dem Raucherabteil gestiegen, erkannte ich ihn auch schon, sein Gesicht, die blassen Augen mit ihren Unterlidern, die so gerade waren, als seien sie mit dem Lineal gezogen, die auffallend stumpfe knöcherne Nase, die tiefe Spalte in seinem Kinn, die leicht eingefallenen grau getönten Wangen, all das war nicht zu verwechseln. Verzeihung Sir haben sie bitte Feuer. Der Mann war groß und schlank und sehr geschmackvoll in einen dunklen Anzug und einen langen dunklen Überzieher gekleidet, er trug eine Melone und hatte ein kleines schwarzes Köfferchen in der Hand, er sah einige Jahre älter aus als die 40 die er angeblich war ... Dashiell Hammett: Mord & Co. (Death & Co) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Die Continental Detective Agency ist die größte Agentur der Westküste, der Alte, ich meine der Chef hatte die Angewohnheit jeden Fall persönlich an einen seiner Mitarbeiter zu übergeben. Ja. Er rief mich zu sich und grummelte etwas unverständliches, das war jetzt mein Fall. Martin Chappell. Douglas Ford, guten Tag. Chappell war um die 45 von kräftigem Körperbau und dunkler Haarfarbe aber zittrig und vor Kummer, Sorge oder Angst völlig am ende. Hier sehen sie diesen Brief habe ich heute in der Post gefunden, der Brief war mit Tinte und in plumpen durchweg großen Druckbuchstaben geschrieben, Herr Martin Chappell, geehrter Herr, wenn sie ihre Frau jemals lebend wiedersehen wollen, tun sie was ihnen gesagt wird, nämlich sie begeben sich ... Dashiell Hammett: Der Mann, der im Weg stand (The Man Who Stood in the Way) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Ah Inch, schön daß du gekommen bist, komm setz dich. Der geräumige Ledersessel, in dem der Senator saß, schien für ihn kaum auszureichen, Schultern und Arme ragten über die Seiten und schienen über sie hinwegfließen zu wollen, ah Zigarre, Whisky, als er in die Bibliothek durchschritt, um für seinen Gast Whisky und Zigarren zu holen, schienen Wände und Decken des riesigen Raumes jäh zu schrumpfen und der gebohnerte Fußboden drohte jeden Augenblick unter dem Schritt seiner schweren Füße zu knarren, obwohl er viel zu vornehm war, um wirklich jemals zu knarren, der verlassene Sessel klaffte weit und schien als die große gepolsterte Höhle die er im Grunde war, seine ganze Würde zu verlieren sobald der Senator sich wieder hineinsinken ... Dashiell Hammett: Der Scherz mit Eloise Morey (The joke on Eloise Morey) (SDR 1994) (in: Mord&Co 3 Kriminalfälle) Aber Herrgott Eloise ich liebe dich. Aber Herrgottnochmal Dudley ich hasse dich. Die kalte Bösartigkeit, mit der sie ihn nachäffte brachte ein Zittern auf seine Lippen, genau wie sie es vorausgesehen hatte, und alles Blut wich aus seinem gequälten Gesicht, diese vertrauten Anzeichen von Schmerz brachten sie ebenso in Wut wie sie sich diesmal freute, ihre grauen Augen fixierten ihn, sie hatte ein hübsches egoistisches Gesicht. Was bist du eigentlich, du bist kein Mann, bist ein Kind, ein Insekt oder was, du weißt daß ich es dich nicht nötig habe, du wirst nie auch nur irgendetwas sein, das habe ich dir schon tausendmal gesagt oder und trotzdem willst du mir meine Freiheit nicht geben, ich wünschte, ich hätte dich nie gesehen ... Dashiell Hammett: Alptraumstadt (Nightmare Town) (SDR 1995) Ah. Äh ich bitte um entschuldigung Miss, wenn ich nicht aufgepaßt hätte, hätte ich sie glaub ich fast überfahren, ist unzuverlässig der dieser Wagen, hab mir von nem Ingenieur geborgt, borgen sie sich nie von nem Ingenieur, sind unzuverlässig. Sie sind ja vollkommen betrunken. Sieh dir diesen tollen Hecht an, ich glaube wir werden mal einen kleinen Spaziergang machen. Mein Gott sind sie groß, wir sollten mal ringen, wette 10 Dollar gegen 15 daß ich sie auf die Matte krieg, na los. Du kommst jetzt erstmal in Knast Freundchen, morgen sehn wir weiter. Ja. Ich bins. Also Marshall wieviel hat er bei sich. 165 Dollar und 68 Cent. Sagen Sie Holmbi bescheid, bis morgen. Ausgeschlafen, Lust auf Frühstück. Für ne Kanne schwarzen Kaffee würde ich ... Dashiell Hammett: Urlaub (Holiday) (HR/NDR/SWF 1997) Hmh, Sir, Sir ich, Hetherwick Paul Sir. Du lebst noch. Bitte Sir. Lebst du noch. Ich ja Sir. Na, sollte der Adressat zwischenzeitlich verstoben sein so ist der beiliegende Scheck unverzüglich an den staatlichen Gesundheitsdienst zurückzusenden, aha also. Ich lebe noch, ja sir. Kriegsveteran, ihr solltest euch nicht in Armeehospitäler herumtreiben und dafür auch noch Geld bekommen. Nein Sir. Unterschreib, 80 Dollar fürs nichtstun. Ja sir... Ausatmen, einatmen, tief einatmen. Sir. Oh, ausatmen, nicht gerade stumm. Sir. Husten, oh, ganz und gar nicht stumm. Doctor, sir. Anziehen. Doktor, sir, ich würde heute gern nach Diego runterfahren. Warst du diese Woche schon draußen. Nein sir, sir. Gut, gut. Hiermit wird Hetherwick Paul die Abwesenheit vom ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (Sleeping Beauty) (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief. Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Leo Malet: Marais-Fieber (SWF 1991) Agentur Fiat Lux, Monsieur Burma ist leider nicht. Schon gute Helene, ich weiß selber wo ich bin, hat sonst niemand angerufen, kein Klient? Ich kann Ihnen versichern Chef, daß sich die finanzielle Lage der Agentur seit ihrem letzten Anruf vor genau 43 Minuten nicht geändert hat. Na, dann muß ich Tante Isabeau Schmuck zu Onkel Samuel bringen. Hoffentlich gibt er ihnen was dafür. Ein Emailschild das früher einmal blau gewesen war dämmerte an dem dunklen engen Treppenaufgang, Samuel Cabirol An- und Verkauf Tauschgeschäfte Gold Silber Verschiedenes Kauf von Pfandscheinen, dritte Etage, die Frühlingsstürme ließen das altehrwürdige Haus aufstöhnen, heulend peitschte der Wind den Regen gegen die nackten Fenster, genau vor dem Eingang ... Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Eine Hitze wie im Treibhaus, den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf, seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt, die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei, Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Noch was zu trinken, Chef? Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Agentur Fiat Lux. Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Nestor Burma. Höchstpersönlich. Hier ist Ferrand. Ferrand. Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ihr Tausender kann mich mal, wir werden ... Leo Malet: Bilder bluten nicht (SWF 1993) Es war Januar, die Windstöße waren jetzt unangenehm, ich hastete in die Rue Jean-Lantier, die von Wind geschützt war, vor einigen Monaten hatte sich eine Blondine namens Gaby dort zwischen zwei Hoteleingängen die Schuhe durchgelaufen. Na, mein Süßer, was ist? Sie gehörte langsam zu der Gruppe von Huren die häufiger stehen als liegen und das in den durchbrochenen Riemchenschuhen, sie fror. Na. Nur ein Tip, Gaby, 1000 Francs für den Zeitverlust. Merci, was für ein Tip, was bist denn du für einer? Ich heiße Nestor Burma. Nestor, merkwürdiger Name. Ich suche einen merkwürdigen Typ, ein von deinen Kunden heißt Louis Lheureux, ein spießiger Kerl aus der Provinz aus Limoges, macht seine Spritztour hierher einmal im Jahr. Ah. Und weil er ... Leo Malet: Die Nächte von St. Germain (SWF 1994) Die Metro spuckte mich bei Saint-Germain-des-Pres aus, oben war es noch heißer als unter der Erde, langsam rollten prächtige Limousinen über die Boulevards, auf ihrem Blech spiegelte sich das Neonlicht des Café Mabillon und der Rhumerie Martiniquaise, zwischen diesen beiden knallvollen Bistros erschien mir die schmale Rue de l Echaude wie eine kühle Oase der Ruhe, ich nahm Kurs auf die Snackbar von Henri Leduc. Nestor Burma, schön dich zu sehen. In der Bar war kaum eine Menschenseele, es war noch zu früh. Wie gehts, Monsieur Burma? An der Theke würfelte Louis der Kellner mit einem bärtigen Gast, im Hintergrund dudelte ein unsichtbares Radio leise vor sich hin, ein filmreifes Paar aß eine Kleinigkeit und erörterte Kleiderfragen ... Leo Malet: Bambule am Boul Mich (SWF 1996) Meine edlen Fräulein, herrliche Damen, dämliche Herren, ich Jehan de Montgibet, Herr dieses Hauses habe die Ehre Ihnen jetzt den außergewöhnlichen Auftritt anzukündigen, der weit und fern die anspruchsvollsten Liebhaber der Kunst zu uns strömen läßt, die traurige Isolde, ist sie nicht trist, unsere Isolde, urteilen sie selbst. Eine junge Frau in einem streng geschnittenen Kostüm kam auf die Bühne, ihr volles blondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern, das Lied war traurig, und ich verstand nicht die Aufregung meiner Tischnachbarn, doch dann wurde mir klar was sich auf der Bühne tat, mit langsamen Bewegungen begann sich die Künstlerin auszuziehen, als sie nur noch mit Büstenhalter, Spitzenhöschen und schwarzen Strümpfen bekleidet war ... Leo Malet: Ein Clochard mit schlechten Karten (SWF 1997) Ein feiner Nieselregen strich über die Rue de la Saida, häßliche Wohnblöcke stießen an den Schlachthof von Vaugirard, den Autofriedhof und das Fundbüro, trübe Stimmung in dem trüben Quartier, in einem der trüben Häuserblöcke wartete die Frau von Demessy auf mich, sie hatte ein Problem mit Paul, kein Wunder bei einem Exclochard, trotzdem wollte ich ihr helfen. Gehst du in den Bal Negre? Hast dein Slip auf der Leine vergessen. Der Bal Negre geht dich einen Dreck an. Kleines Arschloch. Sie war 18 oder 20 Jahre. Die hübschen Beine steckten in feinen Nylonstrümpfen, die Füße in hochhackigen Schuhen, ihr Röckchen reichte ihr nicht mal bis zum Knie und das im Dezember, nicht unelegant, diese Jean, sie sprühte vor Gesundheit und Lebensfreude ... Leo Malet: Das stille Gold der alten Dame (SWR 1998) Der Frühling war etwas spät dran in diesem Jahr, dafür legte er sich aber mächtig ins Zeug, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, noch nie hatten die Bäume so schnell ihr grünes Kleid angelegt und noch nie hatten die Vögel im Bois de Boulogne so laut gezwitschert, um Punkt zwei war ich in einem Haus in der rue Raynouard verabredet, zwischen der Avenue Mozart und dem Quai de Passy, hochherrschaftliche Villa, Jahrhundertwende, Jugendstil, Hochparterre mit einer Etage, ein sehr hübsches Haus, leider wurde es von einem Wolkenkratzer erdrückt, der direkt dahinter aufragte, wahrscheinlich in der rue de Gauche. Guten Tag, Monsieur. Guten Tag, Nestor Burma, Madame Ailot erwartet mich. Ja Monsieur, wenn Monsieur mir folgen wollen ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh Mann, als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos, wie ein schwarzer Ritter, durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite, und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Rolf und Alexandra Becker: Gestatten, mein Name ist Cox (BR 1977) Gestatten, mein Name ist Cox. Mr Wallings, Mr Wallings, ah. Mr Peacock, Mr Peacock. Was ist denn los. So kommen sie doch, oh wie schrecklich, sehen sie doch, Mr Wallings, da umgebracht. Mord, Mord. Mord. Ja, Mord schrien die Leute, und wie sie schrien, also ich hab ja schon viele Leute schreien gehört so, beim Fußball oder im Hydepark oder so, aber was die für ein Lärm geschlagen haben, bloß weil da ein Toter lag, er lag mit dem Bauch auf seinem Schreibtisch, ein Messer im Kreuz, ja wenn ich ihnen jetzt verrate, daß das mein Messer war, dann werden sie bestimmt glauben, ich hätte den Kerl umgebracht, was na sehen sie, ne ne, meine Situation war nicht angenehm, schon gar nicht, da stand ich, in so ner Duschkabine versteckt ... Rolf und Alexandra Becker: Die Experten (BR 1980) Meine Damen und Herren, sie haben ihr Radio eingeschaltet und sie hören die 1. Episode der Sendereihe Die Experten. Wir informieren sie über die haarsträubende Geschichte einer deutschen Durchschnittsfamilie in dieser unserer Zeit. Verehrte Hörerinnen und Hörer, wir stellen vor die Familie Robinson. Angenehm. Sehr erfreut. Hallo. Hi. Servus. In ihrem schmucken Einfamilienhaus mit dem hübschen gepflegten Garten ist die Welt noch heil, eine intakte Familie wie die Soziologen sagen, die Robinsons teilen Freud und Leid miteinander, sie treffen sich pünktlich zu den Mahlzeiten, halten die Feiertage heilig und die Familientradition hoch, sie putzen regelmäßig Schuhe und Zähne und sind nett zueinander. Es ist 11 Uhr vormittags ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie, Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler, und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sogenannter übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr. John Montague, Dr. der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen, wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1 Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) (Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckle von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckle Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckle ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt. Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Bearbeitung Wort und Regie: Marina Dietz Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool, und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Bearbeitung Wort: Mi Jepsen-Föge Regie: Otto Düben Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Bearbeitung Wort: Erwin Neuner Regie: Norbert Schaeffer Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Bergsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die großen runden Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr. Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Bearbeitung Wort: Marina Dietz Regie: Barbara Plensat Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Regie: Rolf Dienewald Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Philip Marlowe: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Marlowe: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Marlowe: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Marlowe: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Marlowe: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Marlowe: Ja, mein Name ist Philip Marlowe. Dexter: Freut mich, Mr Marlowe, ich heiße Lew Dexter. Marlowe: Freut mich. Marlowe: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Marlowe: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Marlowe: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Marlowe: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Marlowe: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Marlowe: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Marlowe: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Marlowe: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Marlowe: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Marlowe: Verdammt. Marlowe: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Marlowe: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Marlowe: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Marlowe: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Marlowe: Philip Marlowe. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Marlowe: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Marlowe: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Marlowe: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Marlowe: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Marlowe: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Marlowe: Nur dieser. ORyan: Was. Marlowe: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Marlowe: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Marlowe: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Marlowe: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Marlowe: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Marlowe: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Marlowe: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Marlowe: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Marlowe: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Marlowe: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Marlowe: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Marlowe: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Garderobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Marlowe: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Marlowe: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Marlowe: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Marlowe: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Marlowe: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Marlowe: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Marlowe: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Marlowe: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Marlowe: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Marlowe: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Marlowe: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Marlowe: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Joseph. Marlowe: Er heißt also Joseph. Lola: Ja, Joseph, Joseph Baker. Marlowe: Und warum wollten sie diesen Joseph treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Marlowe: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Joseph, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Marlowe: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Marlowe: Joseph Bakers. Lola: Ja. Marlowe: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Joseph. Lola: Ja. Marlowe: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Joseph sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Marlowe: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Marlowe: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Marlowe: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Joseph sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Joseph selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Marlowe: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Marlowe: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Marlowe: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Marlowe: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Marlowe: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Marlowe: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Marlowe: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Marlowe: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Marlowe: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Marlowe: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Marlowe: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Marlowe: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Marlowe: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Marlowe: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich. Marlowe: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Marlowe: Hallo, Inspector, ich bins Philip Marlowe. ORyan: Ah, sie, Marlowe. Marlowe: Ja. ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist. Marlowe: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Marlowe: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab. ORyan: Wen. Marlowe: Den Killer. ORyan: Was. Marlowe: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln. ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Marlowe. Marlowe: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen. ORyan: Und wer ist noch bei ihnen. Marlowe: Sonst niemand, ich bin allein. ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr. Marlowe: Ja 4. Etage, Apartment 42. ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen. Marlowe: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden. ORyan: Sind sie sicher, daß er es war. Marlowe: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller. ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen. Marlowe: Ja. ORyan: Schlüssel. Marlowe: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu. Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie. Marlowe: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht. ORyan: Handtuch Marlowe. Marlowe: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf. ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie. Marlowe: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas. ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Marlowe, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen. Marlowe: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr. ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus. Marlowe: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen. ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan? Marlowe: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte. ORyan: Welcher andere? Marlowe: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer. ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich? Marlowe: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus. ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor? Marlowe: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt. ORyan: Wieso ich? Marlowe: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar. ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben. Marlowe: Ah worauf sie sich verlassen können. ORyan: Okay. Marlowe: Und der Junge, der mir geholfen hat. ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid. Marlowe: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme. Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein. Marlowe: Sie hier, sind Sie wahnsinnig? Lola: Steigen Sie ein, bitte. Marlowe: Aber schnell weg von hier. Marlowe: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte. Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie? Marlowe: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen. Lola: Und was geschah weiter? Marlowe: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich. Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt? Marlowe: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind. Lola: Miss Frank Barsaly, Fremont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin. Marlowe: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen. Lola: Ich will auch meine Perlen. Marlowe: Perlen? Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen. Marlowe: Haben sich aber nicht gefunden. Lola: Ach. Marlowe: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen. Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben. Marlowe: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien. Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel. Marlowe: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Lola: Lola. Marlowe: Erzählen Sie weiter, Lola. Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph. Marlowe: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja. Lola: Ja. Marlowe: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus. Lola: Ja. Marlowe: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren. Lola: Ja. Marlowe: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei. Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte. Marlowe: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie? Lola: Ja. Marlowe: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen. Lola: Das ist lieb von Ihnen. Marlowe: Dritte Etage. Lola: Apartment 31, ich werde hier warten. Marlowe: Ist gut. Marlowe: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive. Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden? Marlowe: Nicht eine einzige. Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden. Marlowe: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen. Lola: Ich fände es bedauerlich. Marlowe: Viel Glück, Lola. Lola: Good bye. Marlowe: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street. Marlowe: Guten Abend. Anja: Sie wünschen. Marlowe: Sie sind Misses Kolchenko. Anja: Nein, Miss Kolchenko. Marlowe: Ich habe ihren Wagen gebracht. Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht? Marlowe: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst? Anja: Wer sind Sie? Marlowe: Philip Marlowe, hier ist meine Karte. Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung. Marlowe: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte. Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist? Marlowe: Er ist tot. Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein. Frank: Was ist los mein Schatz? Anja: Hier, der Mann ist Detektiv. Marlowe: Guten Abend. Anja: Bitte mach Musik aus. Frank: Na und? Marlowe: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen. Frank: Was ist mit dem Wagen? Marlowe: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen. Frank: Und warum nicht? Warum nicht? Marlowe: Weil ihn jemand umgebracht hat. Frank: Verdammt noch mal. Marlowe: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte. Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es. Marlowe: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse. Frank: Und im Headquarter? Marlowe: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen. Frank: Und wonach suchten Sie? Marlowe: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten. Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung? Marlowe: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug. Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch? Marlowe: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde. Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz. Anja: Hier habt ihr. Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko. Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug. Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg? Marlowe: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten. Frank: Wie viel? Marlowe: Sagen wir noch mal 500. Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe. Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür? Marlowe: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt. Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen. Marlowe: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus? Frank: Ein Uruguayer, Leon Valesanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spezzia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen. Marlowe: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen. Frank: Ja. Marlowe: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat. Frank: Verdammt. Marlowe: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na. Frank: Frank Barsaly. Marlowe: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart. ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her? Marlowe: Sie gehören einer Dame. ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Marlowe, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Marlowe, sie haben mich getäuscht. Marlowe: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen. ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr. Marlowe: Wer war er denn? Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen. Marlowe: Und der, der ihn umgebracht hat. Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen. Marlowe: Danke Inspektor. ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Marlowe, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie? Marlowe: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte. ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Marlowe. Marlowe: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein. Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch. Marlowe: Falsch? Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch. Marlowe: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten? Miller: Wenn nicht mehr. Marlowe: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden. Miller: Ja. Marlowe: Haben Sie auch Papiere gefunden? Miller: Papiere? Keine. ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie? Marlowe: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe. ORyan: Und was die Dame anbelangt. Marlowe: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen. ORyan: Ah, schon etwas. Marlowe: Er nannte sich damals Joseph Baker. ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame? Marlowe: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen. ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren? Marlowe: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen. ORyan: Ja, möglich. Marlowe: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau. ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter. Marlowe: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezzia Club zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte. Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher. Marlowe: Eben. Miller: Ist das alles? Marlowe: Ja. Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür? Marlowe: Ich. ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht. Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Marlowe? Marlowe: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen. ORyan: So. Marlowe: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel? ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten. Miller: Sam. ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe. Miller: Steck die Waffe weg, Sam. ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können. Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden. Marlowe: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn. Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg. Marlowe: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken. Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir. Marlowe: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand. Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun. Marlowe: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valesanos, er war Croupier im Spezzia Club. Miller: Danke. Komm Sam gehen wir. Marlowe: Die Barsalys wohnen Fremont Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen. Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen. Marlowe: Okay. Miller: Komm schon. Lola: Hallo. Marlowe: Hier Philip Marlowe, ist bei Ihnen alles klar, Lola? Lola: Ja, ich bin allein. Marlowe: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden. Lola: Was denn? Marlowe: Die Perlen. Lola: Ja. Marlowe: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft. Lola: Oh nein. Marlowe: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen. Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden? Marlowe: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen. Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen? Marlowe: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden? Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung. Marlowe: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf. Lola: Also um vier. Mann: Ja. Was solls? Marlowe: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500. Mann: Okay, Mr. Marlowe. Marlowe: Danke. Marlowe: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen. Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit? Marlowe: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell. Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden. Marlowe: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben. Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig. Marlowe: Danke. Marlowe: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs. Lola: Schön Marlowe, daß Sie Wortgehalten haben. Marlowe: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung. Lola: Danke. Marlowe: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen? Lola: Ja. Marlowe: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat. Lola: Natürlich. Marlowe: Er muß den Mund halten. Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan. Marlowe: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen. Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Marlowe, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben. Marlowe: Allerdings. Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen. Marlowe: Oh, das tut mir leid, tja. Tja. Sonst ist nichts weiter zu sagen, also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr. Stan Phillips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen Sam ORyan, Inspektor: Karl Renar Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Bearbeitung Wort und Regie: Edmund Steinberger Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Sam Spade: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Spade: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Spade: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Spade: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Spade: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Spade: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Spade: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Spade: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Spade: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Spade: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Spade: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Spade: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Spade: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Spade: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Spade: Ich dachte. Hook: Na was denn. Spade: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Spade: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Spade: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Spade: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Spade: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Spade: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los, Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Spade: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Spade: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Spade: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann. Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann. Elvira: Hook sei doch vernünftig. Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso, hast du mich verstanden. Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter. Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können. Spade: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Hook: Elvira, komm doch mal her. Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will. Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her. Elvira: Was willst du denn von mir. Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide. Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse. Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen. Spade: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook. Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren. Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein. Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann. Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe. Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit. Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen. Elvira: Pst ich glaube er kommt. Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst. Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist. Spade: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman. Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook. Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt. Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr. Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will. Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen. Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei. Spade: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen. Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt. Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen. Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook. Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen. Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen. Spade: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr. Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen. Spade: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig. Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler. Spade: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver. Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn. Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt. Spade: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten. Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner. Spade: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen. Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht. Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen. Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind. Spade: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen. Tai: Was soll das heißen. Spade: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte. Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt. Spade: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen. Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was. Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her. Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere. Spade: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie. Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund. Spade: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken. Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt. Spade: Ja so ungefähr könnte man das sagen. Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie. Spade: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen. Tai: Ich biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon. Spade: Hm, das Mädchen. Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann. Tai: Was dann. Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich. Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr. Spade: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern. Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt. Spade: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben. Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her. Elvira: Was willst du von mir. Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade. Elvira: Ja hier sind Sie. Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln. Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt. Spade: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand. Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst. Spade: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß. Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt. Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck. Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas. Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen. Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann. Mr Quarre: Gut wie du meinst. Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt. Spade: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte. Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen. Spade: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um. Tai: Wo ist Elvira. Spade: Entwischt, jedenfalls vorläufig. Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand. Spade: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun. Tai: Was denn, was für einen Gefallen. Spade: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht. Tai: Warum es geht. Spade: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung. Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier. Spade: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht. Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen. Spade: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flößte sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy (Detektiv): Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Bearbeitung Wort: Carl Dietrich Carls Regie: Heinz Wilhelm Schwarz Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Burma: Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten waren es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein und dann lösen sich in Paris die Taxis bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1. Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen, nach billigem Parfüm riechenden Brief. Benoit: Lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins Hopital de la Salpetriere, dann erklär ich dir, wie du ein paar Freunden helfen kannst, in brüderlicher Verbundenheit, Abel Benoit. Burma: Keine Ahnung wer Abel Benoit war, keine Erinnerung an das Parfüm, wahrscheinlich wollte mich einer im November in den April schicken, plötzlich hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden, hinter der Trennscheibe zur 2. Klasse stand ein Mädchen, sie sah aus, als pflücke sie 1000km weiter weg Vergißmeinicht, als unsere Blicke sich trafen sah sie mir direkt in die Augen und blinzelte mir kaum merklich zu, ein aufregendes Mädchen, Anfang 20, tolle Figur, blauschwarz-schimmernde Haare, eine Zigeunerin wohl, an der Station Gare dAusterlitz stieg ich aus, sie auch. Belita: Sie sind Nestor Burma, stimmts. Burma: Ja, und sie. Belita: Gehen sie nicht hin, es ist umsonst. Burma: Wohin soll ich nicht gehen. Belita: Da wo sie hingehen, zu Abel Benoit, es hat keinen Zweck mehr. Burma: Mit einer energischen Kopfbewegung warf sie ihre schwarze Haarpracht zurück, die Ohrringe klirrten gegeneinander, da stieg mir eine Wolke des billigen Parfüms in die Nase. Belita: Er ist tot. Burma: Dann war es doch kein Aprilscherz. Belita: Wie meinen sie das. Burma: Nur so, weiter. Belita: Das ist alles. Burma: Entweder haben sie schon zu viel gesagt oder nicht genug, wann ist er gestorben. Belita: Heute morgen, er wollte sie sehen aber dazu ist es ja jetzt zu spät, vielleicht habe ich seinen Brief zuspät zur Post gebracht. Burma: Ich hab doch so was gerochen, waren sie mit ihm verwandt. Belita: Er war ein alter Freund von mir, so was wie ein Adoptivvater. Burma: Was wollte er von mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Aber er hat ihnen von mir erzählt. Belita: Ja. Burma: Was. Belita: Sie wären ein Flic, Privatflic aber anders als die anderen, ganz in Ordnung, ich könnte ihnen vertrauen. Burma: Und, vertrauen sie mir. Belita: Weiß ich nicht. Burma: Viel wissen sie wirklich nicht. Belita: Nur daß er tot ist. Burma: Ja jedenfalls behaupten sie das. Belita: Glauben sie mir nicht. Burma: Hören sie meine liebe, haben sie auch einen Namen. Belita: Belita, Belita Morales. Burma: Also meine liebe Belita, ich glaube im Allgemeinen nur das was ich sehe, sie erzählen mir er sei nicht mehr und ich geh wieder nach hause, leider gehe ich nie so schnell nach hause, ich bin hartnäckig. Belita: Ich weiß. Burma: Ach endlich wissen sie mal was. Belita: Ja das hat er mir nämlich auch erzählt. Burma: Ich gehe in die Salpetriere und sie kommen mit. Belita: Nein. Burma: Und wenn ich sie mir unter den Arm klemme. Belita: Das würde ich ihnen nicht raten. Burma: Na schon gut, gehe ich eben allein, werde sie schon wiederfinden. Belita: Das wird nicht schwer sein, ich warte auf sie. Fabre: Sieh mal einer an, Genosse Burma, herzlich willkommen Genosse Burma. Burma: Zum Glück bin ich kein flic, sonst würde ich sie bei ihrem Vorgesetzten verpfeifen, was soll denn dieses Vokabular, sind sie bei den Kommunisten. Fabre: Diese Frage wollte ich ihnen stellen. Burma: Dieser Staatsbürger in ziviler Uniform war niemand anders als Inspektor Fabre, einer der Leute meines Freundes Florimond Faroux, Chef der Kripozentrale. Burma: Ich bin kein Kommunist. Fabre: Aber sie waren Anarchist, vielleicht sind sies immer noch, für mich ist das alles eins. Burma: Schon lange her seit ich die letzte Bombe geworfen habe. Fabre: Verdammte Anarchisten. Burma: Jetzt reichts aber Mr McCarthy, schon mal was von G. Clemenceau gehört. Fabre: Der Tiger. Burma: Genau dem, dem ersten Flic der Nation, wie er sich selbst getauft hat, wer mit 16 kein Anarchist war, ist ein Dummkopf. Fabre: Das hat er gesagt der Tiger. Burma: Jawohl mein lieber. Fabre: Aber sollte er nicht hinzugefügt haben, aber auch der ist einer der mit 40 immer noch einer ist oder so ähnlich. Burma: Stimmt, so was ähnliches soll er auch gesagt haben. Fabre: Hören wir auf mit dem Quatsch, sie wollten zu Abel Benoit. Burma: Und sie haben direkt auf mich gewartet. Fabre: Genau, an sich ist der Fall klar, ein Überfall bei dem das Opfer dran glauben mußte aber daß sie das Opfer kannten fanden wir ganz lustig Kommissar Faroux und ich. Burma: Es wird sogar noch lustiger, ich kannte diesen Abel Benoit überhaupt nicht. Fabre: Warum haben sie dann nach ihm gefragt. Burma: Kommen sie schauen wir uns die Leiche an. Fabre: Na Monsieur Burma. Burma: Falls ich ihn kannte, hatte er bestimmt weniger Haare auf der Oberlippe, dafür mehr auf dem Schädel, vielleicht hat er auch gelacht. Fabre: Ja soll vorkommen, im Augenblick sieht er ziemlich wütend aus. Burma: Vielleicht ist ihm zu kalt, sagen sie, hatte dieser Abel Benoit noch andere Namen. Fabre: Lenantais. Burma: Lenantais, der aus Nord. Fabre: Kein Spitzname, Lenantais ein Wort, Abel. Burma: Großer Gott, Albert Lenantais, natürlich kannte ich ihn. Fabre: Wann und wo. Burma: Vor 30 Jahren in der Rue Tolbiac, Heim für Vegetalier. Fabre: Falsch. Burma: Wieso falsch. Fabre: Vegetarier. Burma: Was lernt ihr eigentlich auf der Polizeischule, Vegetalier, Vegetarier essen kein Fleisch, dafür aber Eier und Milchprodukte, Vegetalier dagegen essen ausschließlich pflanzliche Kost, einer behauptete sogar man müsse Gras fressen direkt von der Wiese, auf allen vieren. Fabre: Und Lenantais, war das auch so ein Bekloppter. Burma: Ein bißchen. Burma: Ich erinnerte mich an eine Szene im Vegetalierheim, es war kurz vor Weihnachten, der Genosse Garum kam in den Schlafsaal, schnüffelte, sah einen anderen Genossen seine Pfeife rauchen, ging auf ihn zu, nahm ihm die Pfeife aus dem Mund und schmiß sie gegen die Wand, daß sie zerbrach. Benoit: Genosse Garum, das war ein autoritärer Akt, eines Anarchisten unwürdig, willst du uns vielleicht eines Tages auch noch zwingen, auf allen vieren Gras zu fressen, du kannst tun und lassen was du willst, kannst erzählen wie schädlich Tabak ist, aber du mußt die Sklaven solcher Bedürfnisse durch Argumente überzeugen nicht durch autoritäres Verhalten. Ich nenn das verrückt aber das wundert mich nicht sie kennen sowieso nur verrückte. Faroux: Nanana ganz so hart wollen wir das nicht ausdrücken. Burma: Sieh an, Kommissar Faroux bemüht sich persönlich. Faroux: Wann haben sie Lenantais zum letzten Mal gesehen. Burma: Vor 30 Jahren, reicht das, und jetzt erzählen sie mir was hier gespielt wird. Faroux: Gehen wir in ein Bistro. Burma: Okay, ich brauch sowieso einen Schluck. Faroux: Ein seltsame art das andenken in ehren halten wo er doch nur Wasser trank. Burma: Er war tolerant. Faroux: Was trinken sie. Burma: Whisky, wenn sie mir schon einen ausgeben, dann wollen sie mir bestimmt sagen, was sie schon alles wissen, also raus damit, zB wo wohnte er. Faroux: Passage des hautes-formes, gleich um die Ecke von der rue de tolbiac in einem Schuppen. Burma: Und was machte er so. Faroux: Er handelte mit Lumpen und kümmerte sich um eine schöne Zigeunerin, die im Nebenhaus wohnt, im übrigen hat er eine Menge Zeitungssauschnitte gesammelt. Burma: Das ist nichts besonderes, machen viele. Faroux: Aber nur Berichte über Kriminalfälle, in die ein gewisser Nestor Burma verwickelt war, meistens geschrieben von einem Journalisten mit eindeutigem Ruf. Burma: Damit konnte nur mein trinkfreudiger Journalistenfreund gemeint sein, dessen Geschmacksnerven waren zwar vom Saufen lädiert aber sein Zinken roch die heißen Fälle schon vom weitem. Burma: Kommissar sie entschuldigen mich einen Augenblick. Frau: Redaktion Le Crepuscule. Burma: Nestor Burma, geben sie mir Marc Covet. Frau: Ich verbinde. Covet: Hallo. Burma: Burma, wieder mal mit ner kleinen Bitte, sieh doch bitte mal nach, was in den letzten Tagen über das 13. Arrondissement zusammengeschmiert worden ist, zwischen den Dreizeilern da muß irgendwas über einen Lumpensammler namens Abel Benoit stehen, richtiger Name Lenantais, recherchier mal ein bißchen und fabrizier einen Artikel über 30 Zeilen und paß auf daß er auch gedruckt wird. Covet: Ist das der anfang von was. Burma: Schon das ende, er ist tot, hab ihn gekannt, vor ner Ewigkeit. Covet: Und jetzt sorgst du posthum für Publizität. Burma: Ach, der hat bestimmt keinen Wert drauf gelegt, in der Zeitung zu stehen, ein ganz bescheidener. Covet: Also mißachtest du seinen Willen. Burma: Kann schon sein. Burma: Ich schickte die Schnipsel von Lenantais Brief mit der Wasserspülung auf große Fahrt, genehmigte mir noch ein Glas an der Theke und machte mich auf zur Passage des hautes-formes, um dieser süßen Belita einen besuch abzustatten, hier sah es noch aus wie unter dem ancien regime, links und rechts nichts als Baracken, höchstens mal 1 Etage drauf. Burma: He, he, wo finde ich den Schuppen von Abel Benoit. Mann: Am ende vom hof links. Burma: Und dahinter schimmerte Licht durch die Haustür, sie war nicht abgeschlossen, und schon war ich drin im Hausflur, und mitten in einem Mordsgestank von verwesenden Chrysanthemen, eine Stiege führte ins obere Stockwerk, wer quält hier kleine Mädchen um die zeit, ein furchtbares Weib drehte sich um, der Kopf saß direkt auf einer mottenzerfressenen Pelzjacke, eine Peitsche in der Hand. Burma: Hallo Belita. Frau: Belita, Belita, der fickt dich also, mit irgendeinem mußt du ja ficken, du Hure. Burma: Ich schlafe immer allein. Frau: Und du, du Hurenbock. Burma: Halt deine Schnauze, oder was das große schwarze Loch da ist, pack deine Titten ein und dann verpiß dich, so das wärs. Belita: Danke. Burma: Schon gut, übrigens sie haben nicht auf mich gewartet heute nachmittag. Belita: Ich hab die flics gesehen. Burma: Dachte ich mir, aber erstmal müssen wir das behandeln. Burma: Ich zeigte auf ihre Brust und sah mir die Striemen näher an, die die Alte ihr mit der Peitsche beigebracht hatte, eindrucksvoll, sieht nicht gut aus. Belita: Ich kümmer mich drum. Burma: Na legen sie sich hin. Burma: Ich nahm das erstbeste Handtuch und machte ihr eine Kompresse, es war nicht so schlimm wie ich ursprünglich angenommen hatte, ich stopfte meine Pfeife, mir war kotzelend, dazu der Gestank von unten, kurzentschlossen ging ich runter, schnappte mir die Kiste mit Chrysanthemen und warf alles auf den Hof, das wärs, sagte ich schon zum zweiten mal, erzählen sie mal von vorn und keine Märchen, hm. Belita: Also gut, das ist seine Brieftasche, Abel hat ausgesagt, er sei von Arabern überfallen worden, aber das ist nicht wahr, ich sollte die Brieftasche verstecken, damit es so aussah, als hätte man ihn ausgeraubt. Burma: Was ähnliches hab ich schon die ganze zeit gedacht, ist noch alles drin. Belita: Wofür halten sie mich. Burma: Es waren 30000 franc drin aber sonst nichts, was mich weiterbrachte, Belita wollte das Geld nicht, und da steckte ich es erstmal ein, wer war die alte Hexe. Belita: Dolores, vorhin bevor sie kamen hat sie mir erzählt, daß Abel ein Abkommen mit ihr hatte. Burma: Abel hatte ein Abkommen mit ihr. Belita: Er hat mich gekauft. Burma: Gekauft. Belita: Ja. Burma: Und warum kauft ein Lumpensammler eine junge Zigeunerin. Belita: Mit der Sippe kam ich vor 4 Jahren nach Lübri, dort lernten wir Abel kennen, Dolores haßte mich, er riet mir wegzugehen, aber ich konnte nicht, als es noch schlimmer wurde, ging ich zu ihm, er brachte mir lesen und schreiben bei, sorgte für mich. Burma: Und wieso gekauft. Belita: Er zahlte damit sie mich in ruhe ließen. Burma: Ach jeden Tag verlier ich eine Illusion, ich dachte die Zigeuner hätten mehr Charakter. Belita: Nur eines hätten sie niemals geduldet. Burma: Was. Belita: Wenn er mit mir geschlafen hätte. Burma: Und. Belita: Er hat mich nie angerührt, und das wußten sie, manche Dinge spüren wir instinktiv. Burma: Wir. Belita: In gewisser Hinsicht gehör ich noch zu ihnen. Burma: Ja, das hat sich die liebe Dolores heute auch gesagt, sie wollte sie zurückholen, stimmts, also nochmal zu Abel, er kam schwerverletzt hier an und dann. Belita: Erst sträubte er sich gegen das Krankenhaus, meinetwegen hat er nachgegeben, dann in die Salpetriere hat er gesagt, du lieferst mich einfach dort ab, ohne Erklärung, mein Privatleben geht niemand was an. Burma: Er hat ihnen die Salpetriere genannt, warum. Belita: Er kannte dort einen Arzt, glaub ich, werden sie ihn rächen, den Scheißkerl der ihn umgebracht hat. Burma: Was ich vergessen habe wo ist er überfallen worden hat er ihnen das erzählt. Belita: Er hat was von der rue watt gesagt, die Straße die unter der Bahn durchführt von der rue cantagrel zum quai de la gare. Burma: Watt, ein vielversprechender Name um licht ins dunkel zu bringen, hoffentlich blieb es nicht bei versprechen, in den folgenden Stunden versuchte ich so viel wie möglich aus ihr rauszuholen, Lenantais Gewohnheiten, Freunde, Geschäftsfreunde, nichts brauchbares, aber Lenantais Geschichte war auch meine, zum teil jedenfalls und ich erzählte Belita von einem zornigen jungen Mann, Nestor Burma mit Namen, der hier in der Gegend rumgelatscht war, scheiß viertel ist das hier Belita, miese gegend, hier bin ich kaputtgemacht worden, hat sich zwar ziemlich viel verändert seit meiner Zeit, aber da ist immer noch das selbe Klima, hau ab, Belita, hau ab, verscheuer deine Blumen wo du willst, aber verschwinde aus dieser Gegend, es stinkt hier nach Elend, nach Unglück. Belita: Jetzt hast du mich geduzt. Burma: Schlimm, bei Anarchisten duzt man sich schnell. Belita: Ich finds gut, erzähl mir mehr aus dem Vegetalierheim, warum haßt du diese Zeit. Burma: Weil nicht alle waren wie Lenantais, die meisten waren große Ärsche, Lacorre, der fing immer Streit mit mir an, ich verkaufte damals Zeitungen, um mir ein bißchen fressen zu kaufen. Lacorre: Und ich sag friß doch wenn du so großen Hunger hast, verdammt, nennt sich Anarchist und verkauft bürgerliche Zeitungen, der Anarchist mit der Eisbombe. Benoit: Jetzt reichts aber Lacorre, was soll er denn machen, bist du vielleicht ein besserer Anarchist. Lacorre: Allerdings. Benoit: Möchte wissen ob du überhaupt weißt, was das ist, bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will, wir fragen nicht danach was er ist. Lacorre: Hätte noch gefehlt. Benoit: Trotzdem ein Anarchist ist was anderes. Lacorre: Jedenfalls verhält sich ein Anarchist nicht so passiv, er resigniert nicht, wie das Bürschchen da, er läßt sich nicht dazu herab diesen bürgerlichen Schund zu verkaufen, er wehrt sich, schlägt sich durch, klaut. Benoit: Leeres geschwätz, jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält solange er die Freiheit des anderen nicht einschränkt, der da verkauft sein Käseblättchen, du simulierst Arbeitsunfälle, unterstehst vor der Kontrolluntersuchung bei der Sozialversicherung, solange du noch kein Geldboten überfallen hast, mußt du die Schnauze halten. Lacorre: Und du, hast du vielleicht einen Geldboten überfallen. Benoit: Ich hab mir 2 Jahre Bau eingefangen für Falschmünzerei, bin ich stolz drauf, aber das ist meiner Meinung nach was anderes als vorgetäuschte Unfälle. Lacorre: Dabei wirds nicht bleiben, eines Tages passiert was, dann werden wir sehen, wozu ich eigentlich fähig bin, ich kann auch Geldboten zusammenschlagen. Belita: Warum sollte Lacorre einen Geldboten überfallen. Burma: Wir diskutieren damals die sog. illegale Aktion, die Frage war, sollten wir dem Kapital durch individuelle Aneignung oder gewalttätige Enteignung wie das damals hieß einen Schlag versetzen. Belita: Wie alt warst du da. Burma: 17. Belita: Warum wurde von dir nicht dasselbe verlangt wie von Lacorre. Burma: Ich hatte zwar nichts zu beißen, schlief im Vegetalierheim, aber als kühner Spieler des Lebens wie die Aktionisten genannt wurden war ich nicht vorgesehen. Belita: Abel mochte dich wohl besonders. Burma: Sind offenbar beide Abels Lieblinge gewesen. Belita: Und jetzt beschützt du mich vor Dolores, das ist doch kein Zufall. Burma: Ich sollte gehen. Belita: Bleib, komm zu mir, halt mich ganz fest. Burma: Der Nebel hatte sich verzogen, eine gelbe Sonne kitzelte die kahlen Akazien in der rue de tolbiac, Passanten eilten an mir vorbei, ein ganz normales Viertel mit seinen Geschäften, seiner Zeitungsverkäuferin an der Ecke, ich kaufte die 5 Uhr Ausgabe des Crepuscule und ging ins nächste Bistro, Marc Covet hatte einen ziemlich langen Artikel über Lenantais Tod hingeschmiert, jetzt mußte ich nur noch warten daß jemand diesen Artikel las und reagierte, aber wer und wie, ich kaufte Croissants und Milch, und ging in die Passage des hautes-formes zurück, Belita stand im Hof und stopfte die verfaulten Chrysanthemen in den Mülleimer, ihr Morgenmantel gähnte was das Zeug hielt. Burma: Berührst du mich, nein, ich auch nicht. Belita: Paß auf, hinter dir, Salvador. Salvador: Los, mitkommen. Burma: Wer ich. Salvador: Die da. Burma: Du haust jetzt ganz schnell wieder ab. Salvador: Vor dir. Burma: Ich bin nicht allein, mit Blei in der Birne kannst du nicht mehr hinter deinen Cousinen herrennen. Burma: Der Kerl machte ein dämliches Gesicht und trat den Rückzug an. Salvador: Ich hau ja schon ab. Burma: Das ging ziemlich glatt, aber irgendwas würde noch kommen und es kam. Salvador: So du Großmaul, zeig mal ob du immer noch der tolle Beschützer bist. Burma: Plötzlich war er auch zu zweit, mit einem Messer das gefährlich blitzte. Burma: Keinen scheiß du machst dich unglücklich. Salvador: Aber du bist dann nicht mehr dabei. Burma: Du wirst gleich mitgenommen von den beiden hinter dir. Burma: Der Kleine fiel auf diesen Uralttrick herein und drehte sich um, das Messer fiel auf das holprige Pflaster, mit dem Fuß schoß sie es weit weg unter die Tür von Lenantais Schuppen. Salvador: Fühl dich nicht so sicher, wir werden uns wiedersehen. Burma: Salvador wußte jetzt, daß ich mit ihr schlief, also nichts wie weg aus dieser ungesunden Gegend. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, hier Burma, gibts was Neues. Helene: Nein Chef, hier herrscht himmlische Ruhe. Burma: Und mein Freund Florimond Faroux. Helene: Nichts Chef. Burma: Übrigens in meiner Wohnung ist vorübergehend ein Klient untergebracht. Helene: Hmh, nach ihren leuchtenden Augen zu urteilen handelt es sich wohl eher um eine Klientin. Burma: Ihre Eifersucht ist bezaubernd schöne Helene. Burma: Der Tag begann vielversprechend, keine Spur, kein Hinweis, mit Belita klapperte ich alle Lumpensammlerkollegen von Lenantais ab, nichts, in der Brasserie Rose nahmen wir kleinen Imbiß, ich lud Belita ins Kino ein, ein Kriminalfilm, vielleicht fiel mir dabei was intelligentes ein, wieder nichts, wir schlichen durch den verbummelten Tag. Burma: Der einzige, der uns weiterhelfen kann, ist der Arzt in der Salpetriere, aber wie find ich den unter tausend Ärzten. Belita: Madre dios, der Arzt. Burma: Was ist mit dem Arzt. Belita: Der ihn immer zuhause behandelt hat, ist schon ziemlich lang her, fast 2 Jahre, vielleicht ist er das. Burma: Ist er bestimmt, wie heißt er. Belita: Weiß ich nicht mehr, aber er hat ein Rezept ausgeschrieben, ich bin damals selbst zur Apotheke gegangen. Burma: Also zurück in die Passage des hautes-formes, wenn er das Rezept aufbewahrt hat, werde ich es finden, die flics haben sich bestimmt nicht für das Rezept interessiert. Burma: Lenantais wohnte über seinem Schuppen, oben sah es genauso aus wie unten, Lumpensammler und dazu noch Anarchist, da blieb die Ordnung auf der Strecke, offensichtlich hatte aber auch der Arm des Gesetzes geholfen, dieses Chaos anzurichten, die Bücher waren einfach aus dem Regal gerissen, und im Staub lagen ein paar seltene Nummern von Emile Pouget Le Pere Peinard und Sabotage neben Standardwerken wie Wegweiser für einen anarchistischen Individualisten von E. Armand, über einen Moral ohne Zwang von Guyau und Jule der Glückliche von Gore Vidal, tote Buchstaben und tote Gedanken, die nur noch Sammlerherzen höher schlagen lassen, mich kotzten sie an, ich ging wieder runter und schaute mich noch mal im Lager um, in einer Ecke, in die kaum Licht fiel, lag ein seltsamer Lumpenhaufen, einer mit Hosen und Regenmantel. Belita: Schon wieder ein toter. Burma: Reg dich nicht auf, du kennst Nestor Burma erst seit 24 Std, was Besseres kann mir gar nicht passieren, jetzt nimm dich zusammen und sieh dir die Leiche an, kennst du den. Belita: Nie gesehen. Burma: Papiere hatte der Kerl auch nicht dabei, dafür aber ein Messer im Rücken. Burma: Salvador ist gut im messerwerfen, oja, hat gut getroffen. Burma: Wer konnte dieses Opfer sein, neben ihm lag die heutige Ausgabe des Crepuscule mit Mark Covets Artikel über Lenantais, aufgeschlagen, mich traf also eine gewisse Mitschuld, irgendjemand hatte den Artikel gelesen und reagiert. Belita: Was machen wir jetzt. Burma: Die flics müssen ihn nicht unbedingt hier finden, aber ich möchte wissen, wer er ist, das können die besser rauskriegen, ich würd ihn irgendwo hinlegen wo er nicht zu lange vor sich hin schimmelt, ist Lenantais alte Kiste noch zu gebrauchen, sicher, hoffentlich hält der Nebel noch ein weilchen. Burma: Wir hievten die Leiche auf Lenantais alten Fordtransporter, fuhren durch die rue national und bogen dann links in die rue de tolbiac ein, zur Seine hin wurde der Nebel immer dichter, drang sogar durch unsere Kleider, meine Finger waren blau gefroren, krampften sich ums Lenkrad, ohne daß ichs wollte, ab und zu spürte ich Belitas Schenkel, wir fuhren wie durch dreckige Watte. Belita: Rue de tolbiac. Burma: Hier drunter sind die Gleise vom gare d austerlitz. Belita: Sei vorsichtig. Burma: Blödes Arschloch, war wohl völlig besoffen. Burma: Ich warf den Wagen wieder an, bald waren wir am Seineufer, überall lag Alteisen, der Unbekannte würde sich auf diesem Schrotthaufen wie zuhause fühlen, hatte sich ja bei Lenantais schon dafür interessiert, ich hielt an, stieg aus und lief nach hinten. Burma: Wir haben ihn verloren, hahaha, dem hat es bei uns nicht gefallen, oder er ist per Anhalter gefahren, ich dachte Tote schlafen fest. Burma: Wir fuhren denselben Weg zurück, mitten auf dem pont de tolbiac, im dicken Nebel kaum zu erkennen, beugten sich zwei Schatten mit Pelerine über ein längliches Paket. Burma: Ich glaube, ich hab mir einen Schluck verdient, du auch. Belita: Ich hab Angst, cheri. Burma: Ach was, mon amour. Belita: Aber vielleicht kann ich dir doch helfen, Abels Mörder zu finden, wir müssen noch zur Heilsarmee, mit denen machte Abel auch Geschäfte. Burma: Jaja, die Soldaten Gottes haben ihn abgemurkst. Burma: Der nächste morgen fing beunruhigend erfolgreich an, unsere verlorene Leiche war identifiziert, die Zeitungen machten die Geschichte groß auf. Belita: Bis zu seinem Tod brachte der pont de tolbiac Inspektor Ballard nur Unglück. Burma: Norbert Ballard war vor 20 Jahren beauftragt, das Verschwinden des Geldboten Daniel aufzuklären, dessen Spuren sich auf dem Pont de tolbiac verloren hatten, Ballard gelang es nie das Rätsel aufzuklären, er wurde darüber schwermütig, wurde frühzeitig pensioniert, und suchte sein restliches Leben lang die Lösung. Belita: Man konnte ihn häufig in der Nähe der rue dechevalier oder an den quais herumirren sehen, dieser harmlose friedliche Wahn muß ihm wohl zum Verhängnis geworden sein, wie seine frühere Kunden kehrte er an den Ort seines Verbrechens, seines Falles, seines Geheimnisses zurück, dort fiel er seinen Mördern in die Hände, was bedeutet das. Burma: Eins steht jedenfalls fest, Salvador war es nicht. Burma: Und noch ein Erfolg, Helene hatte Lenantais Arzt ausfindig gemacht, weiß der Teufel wie und sie hatte sogar schon mit ihm geredet. Helene: Ein gewisser Dr Kodorat, kennen sie ihn. Burma: Nein nie gehört. Helene: Aber er kennt sie. Burma: Und woher wissen sie das. Helene: Er meinte, falls es sich um Abel Benoit handeln würde, sollten sie sich besser an Monsieur Baurenot wenden, er sei bereits unterrichtet und erwarte sie. Burma: Danke Helene, können sie sich das erklären. Helene: Vielleicht lesen auch Ärzte manchmal Zeitung. Burma: Ich möchte zu Monsieur Baurenot. Mann: Sie haben Glück, eine Minute später, und ich hätte sie nicht mehr reingelassen. Burma: Warum. Mann: Hören sie die Säge, Monsieur. Burma: Jetzt nicht mehr. Mann: Eben, die Stunde x, Streik. Burma: Ich ging hoch ins Büro, ein Mann von rund 50 Jahren stand am Fenster und sah durch die Gardine auf den Fabrikhof, gutgekleidet, fett, breite Schultern, Charles Baurenot drehte sich zu mir um, musterte mich und meine Zeitungen, die ich unter dem Arm festgeklemmt hatte. Baurenot: Nestor Burma, altes Haus, was hast du denn die ganze Zeit getrieben. Burma: Ich muß wohl ziemlich blöd gekuckt haben, in der tat war ich auf eine solche Begrüßung nicht gefaßt. Baurenot: Na dämmert dir langsam, wer hätte das gedacht, Detektiv, naja, mein Name sagt dir wohl nichts, was, ja damals nannte ich mich Diporeno. Burma: Im Club der aufständischen, Boulevard August Longin, Thema wer ist schuld, die Gesellschaft oder der Verbrecher, Cami Berni. Baurenot: Nicht so laut, Cami Berni ist tot und begraben, war übrigens mein Name bei Anarchisten, mein richtiger Name ist Claude Baurenot, dein Name steht öfter in den Zeitungen, Privatflic, ist ein Unterschied, ein kleiner, also um was geht es. Burma: Ich schätze, daß dich in allernächster Zeit jemand belästigen wird. Baurenot: Aha, versteh ich nicht. Burma: Ich erzählte ihm von Lenantais Brief, und von meiner Überzeugung, daß ich jetzt die Freunde oder zumindest einen der Freunde gefunden hatte, denen ich nach Meinung des Alt und Exgenossen Lenantais hätte helfen sollen. Baurenot: Irgendein Schwein bringt Lenantais um, hat ne Sauerei vor, du sollst diese gemeinsamen Freunde davor bewahren ja gut gut aber wieso hast du sofort an mich gedacht. Burma: ZB weil ihr euch immer noch gesehen habt, weil du ihm geholfen hast, weil du seinen Arzt bezahlt hast. Baurenot: Weil ich ihn manchmal beneidet habe, jawohl, alle reichen Säcke erzählen dieses Märchen, aber ich mein das anders, er hatte so was unverdorbenes an sich, das tut richtig gut, und deshalb hab ich ihm den Arzt bezahlt. Burma: Und der Arzt hat der sich nicht gewundert. Baurenot: Ein guter Freund von mir, hat gedacht ich wäre besonders barmherzig, wenn ich einem Lumpensammler helfe, es war keine. Burma: Sondern Erinnerung an die Vergangenheit, egal was aus uns noch wird, so ganz löst man sich nie davon. Baurenot: Die Vergangenheit ist vergangen, meine Vergangenheit ist mir scheißegal. Jean: Scheiße, hast du die Zeitung gelesen. Burma: Der Mann sah mich an und blieb wie angewurzelt stehen, eckiges Kinn, elegant gekleidet, Brille mit Goldrand, dunkle Augen, gehetzter Blick, er schien krank, blaß in den Knien. Baurenot: Hey Burma, kennst du Delond nicht mehr. Burma: Ich hab ihn nur unter Jean gekannt, ich glaube jetzt würde ich langsam sämtliche Vegetalier wiedererkennen. Jean: Natürlich, hätte dich kaum wiedererkannt, du warst damals ein ganz kleiner scheißer, unseren Älteren gebührt Respekt, um ein haar hätte man mir nicht aufgemacht, die streiken also tatsächlich, scheint wohl die Zeit zu sein, was hast du, bist du krank, du siehst, irgendwas ist mir schlecht bekommen, die Austern glaub ich. Burma: Wir tranken Champagner, redeten über die alte Zeiten, über ehemaligen Genossen aus dem Vegetalierheim, ich ließ so richtig Dampf ab und schimpfte auf den grasfressenden Barbardu und das Arschloch von Lacorre, Delong wurde immer blaßer. Was ist denn mit dir los. Baurenot: Vorurteile, sich weiterentwickeln na gut, auch ruhig sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, was ist daran schlimmes, aber Jean meint, das mit Lacorre das war ein starkes Stück. Burma: Hat er den Geldboten überfallen. Baurenot: Nein, besser, oder schlechter, wir habens aus der Zeitung erfahren, er hat vor etwa 20 Jahren seine Freundin umgebracht, weil sie ihn betrogen hat hier. Burma: Apropos vor 20 Jahren und Geldbote, vielleicht erzählt ihr mir mal was über das Geheimnis des tolbiac, ihr habt doch den Geldboten der Kühlfirma um die Ecke gebracht, stimmts. Baurenot: Du jetzt reichts aber. Burma: Ich zitier aus der Zeitung von heute, auch die Polizeispitzel des Milieus waren für Inspektor Ballard keine Hilfe, entweder Einzelgänger oder Anarchisten, schätze ich, Anarchisten waren keine typischen Gangster, sie waren auch keine Verräter, intelligente Verbrecher. Baurenot: Intelligente Verbrecher, wenn ich das schon höre. Burma: Das hast du damals selbst gepredigt, im Vegetalierheim, weiter, ich will euch sagen wie ihr es gemacht hat, Lenantais und ihr zwei, bequatscht den Angestellten der Kühlfirma, das Geld, das er mit sich rumschleppt, unter euch aufzuteilen, der Geldbote soll untertauchen, taucht aber nach einiger Zeit wieder auf, als ihr das Geld schon unter euch beiden verschachert habt, ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Baurenot: Aha, ist aber schade. Burma: Ihr seid Charakterschwein, im Gegensatz zu Albert Lenantais, er hat euch vertraut und mir auch, denn ich sollte euch warnen, verdammt noch mal ich soll euch nicht die Leviten lesen ist mir scheißegal was ihr gemacht habt, aber eins sag ich euch, ich werde Alberts Mörder finden, auch wenn ihr mir nicht helft. Baurenot: Wir können dir leider nicht helfen, weil wir nichts damit zutun haben, glaubst du wenigstes selbst an deine Geschichte. Burma: Nicht unbedingt, ist so ne Art Diskussionsgrundlage. Baurenot: Dann ist die Diskussion wohl beendet. Burma: Ein paar Minuten später saß ich in einem Bistro an der Avenue Decobe und spülte mir den Champagnergeschmack aus dem Mund, dann rief ich in meiner Wohnung an, es hob niemand ab, verdammt, Lenantais, der pont de tolbiac, diese Anarchos, war mir scheißegal, ich mußte mich verwählt haben, aber es nahm immer noch niemand ab, ich rannte aus dem Bistro und nahm mir ein Taxi. Burma: Belita, Belita. Burma: Auf dem Bett lag ein Zettel. Es ist besser, wenn ich gehe. Belita: Es ist besser, wenn ich gehe, Salvator hat bewiesen wozu er fähig ist, wenn ich bei dir bleibe, wird er dich töten, ich will nicht, daß er dich tötet. Burma: Ich lief durch die Stadt auf der Suche nach Belita, und ein bißchen Ruhe in meiner Brust, ich ging über den pont national über die breite Steintreppe, stand plötzlich wieder auf der Kreuzung cantagrel watt scherale, die Gebäude der Heilsarmee erinnerten mich wieder an Belita, hatte sie nicht von Lenantais Geschäftsbeziehung mit der Heilsarmee gesprochen, dieses Viertel geht aufs Gemüt, und ich rief meinen Freund Marc Covet an, um mich in Gesellschaft zu besaufen. Covet: Nestor Burma hat Kummer, schlimm. Burma: Ja sieht so aus. Covet: Komm spucks aus, worum gehts, ne Frau. Burma: Auch und vor allem das Gefühl, daß ich nahe dran bin, aber keine Idee, ich brauch sie doppelt, einmal so, und als Muse. Covet: Wie verstehe ich denn das. Burma: Belita hat was gesagt von Lenantais und der Heilsarmee, jetzt ist sie weg, ich find sie nicht mehr, weiß sowieso nicht weiter, was soll ich mit der Heilsarmee. Covet: Vielleicht einen alten Anarchisten, bei ihnen untergeschlüpft ist, das machen solche Kerle öfter, wenn sie rauskommen. Burma: Bleib sitzen, und sauf einen auf meine Kosten. Covet: Ja, mach ich. Mann: gott ist mit dir. Burma: Mag schon sein aber ich bin Schriftsteller, und bereite ein Buch vor über Bagno-Sträflinge, die wieder Fuß gefaßt haben nach ihrer Entlassung, und da ich weiß, daß die Heilsarmee sich derer annimmt, ist meine Frage, ob sie mir nicht Gesprächspartner aus ihren Reihen empfehlen, falls sie überhaupt solche kennen. Mann: Ja nun, einige niedere Ränge haben schwere Stunden durchgemacht, vorsichtig ausgedrückt, aber sie haben Glück, vor kurzen ist einer aus der Provinz hergekommen, er wird sich bestimmt mit Vergnügen für ihre Dokumentation zur Verfügung stellen, Yves Lacorre ist sehr hilfsbereit. Burma: Yves Lacorre, Yves Lacorre, im Archiv des Crepuscule las ich den Fall des verschwundenen Geldboten nach, das Geheimnis des pont tolbiac, so bliesen die Journalisten den Fall damals auf, dann machte ich mich nochmal auf zur Heilsarmee, Lacorre war da gewesen, aber mit einem Besucher wieder weggegangen, sagte mir das Engelsgesicht von vorhin, ich lief wieder durch die lausigen Straßen des verlotterten Viertels, ein Wind blies durch die skelettartigen Bäume im Vorgarten der Entbindungsklinik, nicht gerade angenehm bei dieser düsteren Musik, was suchte ich eigentlich, Belita, Belita, cherie, siehst du wie du mir bei meiner Suche nach Lenantais Mörder behilflich bist, jetzt hab ich ihn, wieder ein Windstoß, sowas wie ein kleines Rad kam auf mich zugerollt, eine Uniformmütze der Heilsarmee, halleluja ich ging zurück, plusterte mich nochmal auf, und bekam prompt Lacorres Sachen zu sehen, unter anderem einen Umschlag mit der Aufschrift für den Bezirkskommissar. Lacorre: Kommissar, ich heiße Yves Lacorre, vor zwanzig Jahren habe ich mit zwei Komplizen die ich von den Anarchisten kannte, Camille Bernis und Jean genannt der Aufständische den Geldboten der Kühlbetriebe Monsieur Daniel in einen Hinterhalt gelockt, wir haben ihn im Keller seines eigenen Hauses vergraben, Bernis und Jean haben mich hintergangen, ich werde ihnen den Hals umdrehen oder sie mir, im zweiten Fall werden sie Kommissar diesen Brief lesen und dem Gesetz genüge tun, PS, um Lenantais brauchen sie nicht mehr zu kümmern, ich habe ihn zufällig wieder getroffen, er verkaufte alte Möbel und nannte sich Benoit, ich wollte von ihm wissen, wo ich Bernis und Jean finden kann, wir haben uns gestritten und ich habe ihn niedergestochen, damit habe ich der Gesellschaft einen Dienst erwiesen, denn er war ein Dogmatiker, also sehr viel gefährlicher als gewisse andere. Burma: Ich faltete den Brief und wollte ihn in die Tasche stecken. Mann: Das bekommt die polizei Monsieur. Burma: Und dann stand ich auf der Straße, in der rue bruneseau, ich wußte selber nicht wie ich dahingekommen war, was ich da wollte, aber dann sprang ich über die Gartenmauer, ging die Kellertreppe hinunter, knackte das Vorhängeschloß, und riß ein Streichholz an, ob unter dem Boden tatsächlich eine Leiche lag konnte ich nicht sagen, darauf lag eine, in Heilsarmeeuniform, erschossen, Lacorre. Covet: Es war eine verdammt lange Dienstreise, und jetzt eine Story aber fix, also hast du Lacorre gefunden. Burma: Ja kannst dir anschauen, in einer dreckigen Baracke in der rue bruneseau, im Keller eingegraben liegt ein Geldbote seit 20 Jahren, darauf ruht Lacorre, erschossen, nettes Bild, exklusiv für dich. Covet: Wer wars. Burma: Baurenot oder Delong oder beide, ich dachte an Lenantais, er hatte Lacorre nicht verraten, wo er die beiden finden konnte, hätte er es getan, würde er noch leben, er war abgestochen worden für zwei abtrünnige Exgenossen, die ihn belogen und betrogen hatten. Covet: Willst du immer noch den Willen von Lenantais erfüllen, willst du immer noch den Freunden helfen. Burma: Baurenot traf ich am Austerlitz, reden wir, aber nicht so nah am Wasser. Baurenot: Was willst du, ist ja alles bloß deine Schuld. Burma: Was, der Mord an Lacorre. Baurenot: Du weißt also bescheid du Schwein. Burma: So ungefähr. Baurenot: Delong hat den Kopf verloren. Burma: Das finde ich überhaupt nicht, immerhin hat er geahnt, wo man einen ehemaligen Banjosträfling finden kann, wußte auch wo sich Lenantais rumgetrieben hatte, wo er überfallen wurde. Baurenot: Dann kann er ziemlich intelligent sein, schluß mit den Gequatsche, wo sind die flics, du hast sie doch mitgebracht. Burma: Sollen gleich hier sein, Lacorre hat es hinterlassen, ich bin gekommen um dir ne Chance zu geben, deine letzte, verschwinde, bei dir ist sowieso alles im Arsch. Burma: Die flics machten den Rest und schnappten sich die beiden wohlanständigen Stützen der Gesellschaft, aber ich war noch nicht fertig mit dem 13. Arrondissement, ich machte mich auf die Suche nach Belita, wieder ging ich durch die Straßen die Belita und mich zusammen gesehen hatten, und eines nachmittags als ich mich in der Nähe des pont de tolbiac herumtrieb sah ich sie, sie kam direkt auf mich zu, es war ihr federnder Gang, der rote Rock, der gelbe Gürtel, die wiegende Hüften, die ungebändigte schwarze Haarpracht, die stolze Brust, sie lief auf mich zu, sank mir in die Arme, klammerte sich an mich, ich küßte sie, ihre Augen verloren ihren Glanz, mit einer Hand streichelte ich ihr über den Rücken, ich schaute über ihre Schultern hin weg, mitten auf der rue illustrela stand Salvador, die Hände in den Taschen seiner Jacke, er lachte. Nestor Burma, Privatdetektiv: Christian Brückner Helene, seine Sekretärin: Sabine Postel Kommissar Florimond Faroux: Dieter Eppler Inspektor Fabre: Jürgen Andreas Belita: Manuela Romberg Marc Covet: Andreas Mannkopff Baurenot, Ex-Anarchist: Karl Michael Vogler Joachim Bartels Manfred Boehm Ernst Konarek Wolfgang Reinsch Margarete Salbach Willi Schneider Andreas Szerda Iris Werlin Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Bernd Lau Leo Malet: Die Ratten von Montsouris (SWF 1993) Burma: Eine Hitze wie im Treibhaus. Den Thermometern stieg das Quecksilber zu Kopf. Seit 1940 hatte Paris keinen so heißen Sommer erlebt. Die ewigen Nörgler fragten sich schon, ob das ein gutes Zeichen sei. Helene saß am Schreibtisch und löschte ihren Durst. Helene: Noch was zu trinken, Chef? Burma: Sie trug ein luftiges Kleid in kräftigen Farben, ärmellos und großzügig ausgeschnitten. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ihr Dekollete war bemerkenswert, es gab Einblicke, doch das Beste von allem war noch mal separat verpackt, gehörte sich das? Ferrand: Nestor Burma. Burma: Höchstpersönlich. Ferrand: Hier ist Ferrand. Burma: Ferrand. Ferrand: Paul Ferrand, wir waren zusammen im Stalag, ich muß sie treffen. Burma: Okay, ich werde bei meiner Concierge nen Tausender hinterlegen. Ferrand: Ihr Tausender kann mich mal, wir werden uns treffen, ist es klar? Helene: Wer war das? Burma: Ferrand, ich habe ihn in der Gefangenschaft in Deutschland kennengelernt, Stammlager, Stalag genannt, kommt gerade aus dem Knast, 5 Jahre, ziemlich sympathischer Gauner, weit überm Durchschnitt, nicht das Übliche, er will mich treffen. Helene: Das ist wiederum nicht unüblich. Burma: Das Treffen soll heute Abend stattfinden, Rue de Laviere, 14. Arrondissement, ich soll mich als Clochard verkleiden und ihn in einer Billardkneipe treffen. Helene: Und, gehen Sie hin? Burma: Ja natürlich, und falls andere bekloppte möchten, daß ich als Frau verkleidet zur Poterne des Peupliers gehe, als Priester am St. Martinkanal entlang spaziere oder im Adamskostüm über die Place de la Concord, dann notieren Sie bitte genauestens ihre Anweisungen Helene. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Ferrand hätte an seinem Billardtisch warten können, bis aus Gummisbrot Kuchen würde, aber da war ein zweiter Anruf. Helene: Ein Monsieur Gaudebert möchte sie sehen, Rue de Douanier, ganz in der Nähe des Wasserspeichers von Montsouris. Burma: Von dort wird halb Paris mit Trinkwasser versorgt, seit 1888. Ich ging an der Pseudozitadelle vorbei auf die Avenue Reille am Park Montsouris entlang, schöne Gegend, die Villa von Monsieur Gaudebert lag mitten im Grünen, blühende Blumen überall, eine nackte Frau aus Stein badete ihre Füße in einem winzigen Brunnen. Burma: Ich bin mit Monsieur Gaudebert verabredet, Nestor Burma. Frau: Würden Sie bitte hier warten. Burma: Das Dienstmädchen sah nicht besonders schlau aus, ihre Wangen waren noch vom Wind ihres Heimatkaffs gerötet, sie führte mich ins Haus. Henriette: Oh, ich wußte nicht. Burma: 20, 22 sagen wir 23, ziemlich hochgewachsen, schöne rote Haare, sie sah mich fragend an. Burma: Guten Tag Mademoiselle, mein Name ist Nestor Burma, Monsieur Gaudebert erwartet mich. Henriette: Ach ja, natürlich, nett sie kennenzulernen. Burma: Ihre Finger mit den lackierten Nägeln waren weich und kühl, der Hausherr dagegen war eine Enttäuschung. Gaudebert: Ich habe nur Gutes über Sie gehört, Monsieur Burma, unsere Berufe hätten uns vielleicht früher zusammenführen können, aber ich habe schon vor einiger Zeit meinen Rücktritt eingereicht. Burma: Fette weiße Bischofshände mit ungepflegten Fingernägeln, etwa 60, aufgedunsen mit kaltem Blick. Gaudebert: Jemand will mich erpressen und Sie Monsieur sollen das in Ordnung bringen, ich kenne übrigens meinen Erpresser, ein Strolch. Burma: Warum gehen Sie nicht zur Polizei? Gaudebert: Die Polizeidienststellen liegen zu dicht am Palais de Justice, wo ich bekannt bin, ich möchte keinen Skandal, ich habe zwar noch Beziehungen. Burma: Im Palais Justice. Gaudebert: So langsam wissen Sie mich einzuordnen, also Armand Gaudebert Oberstaatsanwalt, ich war im Gefängnis nach der Befreiung, dieser kurze Aufenthalt in den Kerkern der vierten Republik hat meine Einstellung ziemlich verändert. Burma: Mir lief es kalt über den Rücken, Monsieur Gaudebert, Oberstaatsanwalt, der Mann der krank wurde, wenn die Köpfe nicht rollten wie er wollte, Monsieur Rübe ab. Gaudebert: Übrigens, ich bin inzwischen ungefährlich geworden. Burma: Na ja, wer will sie erpressen und warum? Gaudebert: Warum weiß ich nicht, hier, ist heute Morgen gekommen, ein gewisser Ferrand will daß ich ihm 250000 Franc postlagernd das Hauptpostamt Avenue General Leclerc schicke, sie machen ihm begreiflich, daß es besser ist, damit aufzuhören. Burma: Er rückte einen beachtlichen Vorschuß heraus, noch ein Grund, die Verabredung mit Ferrand im Billard Salon einzuhalten. Ferrand: Nett von Ihnen, mir ihr Vertrauen zu schenken. Burma: Ist mir ein Vergnügen, habe mich schon lange nicht mehr verkleidet und im Moment habe ich viel Zeit. Ferrand: Das Ganze muß ihnen ziemlich bescheuert vorkommen. Burma: Nicht mehr als würde Simone Signoret um meine Hand anhalten. Ferrand: Wissen Sie, bei mir muß alles wie am Schnürchen laufen, sonst läuft garnix. Burma: Wir gingen in die Rue dAlesia und plötzlich sprudelte es aus ihm heraus, warum das alles und so, weil er mir vertrauen müsse und daß alles korrekt laufen solle, der Einsatz sei sehr hoch. Ferrand: Ohne ihre Hilfe geht mir das Ding durch die Lappen Burma, sie sind korrekt und gewissenhaft, und wenn ich vor ihnen die Hüllen fallen lasse, werden sie mir nicht den Teufel an den Hals schicken, und ich lasse jetzt die Hüllen fallen. Burma: Aber doch nicht hier, Ferrand, da kommt jemand. Ferrand: Sie haben recht. Burma: Der kleine Scherz ließ ihn zum Eisblock erstarren, genau das Richtige bei den Temperaturen. Ferrand: Gehen wir zu mir. Burma: Du machst es aber sehr wichtig. Ferrand: Damit das klar ist, das Ding bringt ein paar Millionen. Burma: Zum letzten Mal hatte ich 1938 was über die Rue Blottiere gehört, damals wurden dort die drei Portionen Fleisch entdeckt, die allerdings nicht zum Verzehr geeignet waren, es handelte sich um Rumpf, linken Oberschenkel und rechten Arm einer alten Dame. Ferrand: Ein beschissenes Viertel und ich habe die beschissenste Bruchbude in der beschissensten Straße, das einzig saubere sind die Wanzen, blank wie Maikäfer. Burma: Eine zerfressene Fassade, davor eine Baustelle, dahinter die Schienen des Güterbahnhofs, wirklich eine Bruchbude, die sich neben anderen Gesetzen auch über die Statik lustig machte. Ferrand: Gehen wir rauf. Gut. Burma: Alles voller Dreck, hier wohnten offensichtlich nur abgewrackte Ganoven. Frau: Oh, wen haben wir denn da? Burma: Die Frau war rothaarig, wahrscheinlich ein hübsches Gesicht, wenn man sich die Spuren des Alkohols wegdachte, ich gab ihr 30 Jahre, hatte wohl schon bessere Tage gesehen, sie trug einen schmierigen Morgenmantel der nur notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurde, sie versuchte ihre Toilette in Ordnung zu bringen. Frau: Oh, es ist gar nicht so einfach. Burma: Die Schnur fiel zu Boden, außer einem Paar heruntergerutschter Nylonstrümpfe trug sie kein überflüssiges Kleidungsstück. Burma: Was war das für eine Frau? Ferrand: Keine Ahnung. Burma: Völlig blau, ich habe trotzdem das Gefühl, die gehört nicht hierher. Ferrand: Meinen Sie, ich gehöre hierher? Burma: Ferrand schloß das Fenster, er macht eine weitausholende Bewegung, ich hatte schon Klos gesehen, die größer waren als dieses Loch, das donnernde Rollen eines Güterzuges wurde etwas leiser, ein Nachtfalter flog besinnungslos gegen die nackte Glühbirne. Ferrand: Aber das hier wird bald ein Ende haben, haben sie mal was von den Ratten von Montsouris gehört? Burma: Mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte sie so getauft, Einbrecher, die sich hauptsächlich hier im Viertel betätigten, Avenue du Park de Montsouris, Rue de la Tombe-Issoire. Ferrand: Und ich bin einer von denen. Burma: Willst du die Jungs hochgehen lassen? Ferrand: Wofür halten sie mich? Burma: Er zog die Jacke aus und legte sie neben sich auf die Bettdecke, dann wischte er sich mit einem schmierigen Tuch die Stirn. Ferrand: Ja, das ist aus mir geworden, ein alberner Einbrecher, eine arme Sau, ich hatte Geld wie Heu und in den 10 Jahren Fresnes haben sich auch die Frauen davon gemacht und jetzt, nichts ist mit Solidarität im Milieu, die haben mich total fallen lassen. Burma: Also doch, du willst wen verpfeifen. Ferrand: Ach Quatsch, aber ich habe ein ganz heißes Ding, bei dem ich die Hornochsen von Montsouris nicht dabei haben will, so, jetzt wissen sie alles. Burma: Alles, also wirklich, du bist überhaupt nicht kompliziert. Ferrand: Über mich wissen sie alles, ich habe meine Gründe, ich rufe Sie an, spätestens morgen. Burma: Im Treppenhaus traf ich auf keine Menschenseele, eine beeindruckende Ruhe herrschte im ganzen Haus, draußen das gleiche Bild, der Mond stand käsegelb am Himmel und schickte sein giftiges Licht auf die Szenerie, nichts regte sich. Aus einer Häusernische ragten zwei Beine, ein, das war keine Leiche, nur ein sturzbesoffener Clochard, eine Literflasche an seine Brust gedrückt, die Hose offen, schlief er seinen Rausch aus. Ah. Der Schrei kam aus dem Wanzenhaus. Ich rannte sofort zurück und tastete mich im Dunkeln zur Treppe. Ich bekam einen Schlag auf den Kopf, im Fallen hielt ich mich an etwas fest, das sich wie eine kleine feste Brust anfühlte, die Brust war in diesem Haus weder jetzt noch vorher am rechten Ort, jemand stürzte auf Stöckelschuhen an mir vorbei, ich ließ ihn stürzen, benommen, wie ich war. Ich ging wieder nach oben, zweiter Versuch, tastend, horchend, ich machte Licht. Ein Nachtfalter warf riesige Schatten. Sie strichen über das kantige Gesicht der Ratte von Montsouris. Ferrand lag mehr oder weniger friedlich auf dem Rücken. Parallel zum Bett. Um ein Haar hätte sein Kopf ein paar Meter weiter gelegen. Der Rasiermesserschnitt hatte ihn fast vom Rumpf getrennt. Ich machte mich aus dem Staub direkt nach Hause, meine Clochardjacke war blutbeschmiert, ich kippte eine eiskalte Erfrischung runter, schob ein Schlafmittel hinterher und legte mich ins Bett, nackt, wie die Rote unter ihrem Morgenmantel. Burma: Ja. Helene: Ich wollte nur wissen, Chef, wo Sie stecken, kommen Sie nicht ins Büro? Burma: Bin spät ins Bett gegangen. Helene: Keine Details, bitte. Burma: Besorgen Sie ein paar Zeitungen, ich bin gleich da. Burma: Ich reinigte meine Blutjacke, duschte, zog mich an und steckte meinen Revolver ein. Helene: Erzählen Sie, Chef, was ist los, Rheuma, na ja, in ihrem Alter. Burma: Ich hab gestern Nacht mit einer rothaarigen gewagte Turnübungen gemacht. Helene: Ich dachte, sie hätten sich mit einem gewissen Ferrand verabredet. Burma: Ferrand ist tot, abgestochen wie ein Schwein. Burma: Helene hatte sich schnell von ihrem Schrecken geholt. Helene: Das heißt, sie wissen immer noch nicht, um welche heiße saubere Sache es geht, bei der mehrere Millionen rausspringen sollen. Burma: So ist es, und ich weiß auch nicht, wer die Rote ist. Helene: Vielleicht steht was in den Zeitungen, nackt unter einem blutgetränkten Morgenmantel irrte sie durch die heiße Nacht. Burma: Nichts davon, und auch von Ferrand war nichts zu lesen, ich schnappte mir das Telefon und ließ mich mit Marc Covet vom Crepuscule verbinden. Covet: Ist Ihnen eine weggelaufen? Burma: So kann man es auch sagen. Covet: Blond. Burma: Rot. Covet: Umso besser, ist was im Busch? Burma: Vielleicht. Covet: Fällt was für mich ab? Burma: Sie müssen was dafür tun, letzte Nacht, Kartierte Place, irgendwas bei den Polizeimeldungen? Covet: Ah, kam sie aus dem Haus? Burma: Aus welchem Haus? Covet: Na, heute Nacht ist ein Haus abgebrannt, eine alte Bruchbude, kurz bevor es hell wurde, eine brennende Zigarette hat die Katastrophe heraufbeschworen. Hübsch gesagt. Zitat aus dem Artikel meines Kollegen, fliegt bestimmt bei der nächsten Ausgabe raus, na, sie wissen doch, um die Rue Blottiere kümmert sich kein Schwein. Burma: Ja, danke, Covet. Covet: Salut. Burma: Helen kommen Sie mit, wird bestimmt interessant und dann gehen wir essen. Helene: Laden Sie mich ein? Burma: Ich hielt mit meinem Ligier unter der Brücke, die das 14. vom 15. Arrondissement trennt, ich täuschte eine Panne vor, denn in der Rue Blottiere gab es eine Autowerkstatt. Helene: Ich warte hier auf Sie, Chef, ja. Burma: Die Wanzen hatten Schwein gehabt, das Totenhaus stand da, als wäre nichts geschehen, ich ließ den Wagen trotzdem in die Werkstatt schleppen. Burma: Dauerts lange? Mann: Kann man vorher schlecht sagen. Helene: Dann gehen wir mal eine Runde spazieren, ne? Mann: Gibt nicht viel zu sehen hier, Madame, außer Gilo, aber das ist nichts für eine Dame. Helene: Und wer ist Gilo? Mann: Der größte Säufer des Viertels, wurde heute Nacht ohne Hose gefunden, auch sein Mantel war weg, sei ihm geklaut worden, wie gesagt nichts für eine Dame. Burma: Dabei schielte er gierig zu Helene, die im Gegenlicht der Einfahrt stand, ihr leichtes Sommerkleid war sehr durchsichtig. Mann: Erstklassig. Burma: Ich ging mit Helene auf das baufällige Haus zu. Helene: Sind Sie sicher, daß da drin Leute wohnen? Burma: Ein Araber und eine Frau, die rumgereicht wird, sagt der Mechaniker. Helene: Wie furchtbar. Burma: Der Hausflur stank, die Treppenstufen dienten als Mülldeponie, außerdem schien ein Sack Kohlen über die Stufen geschleift worden zu sein. Helene: Wir sind wohl allein hier, was? Burma: Gehen wir nach oben. Helene: Verlassen das Nest. Burma: Auch das Zimmer unseres Freundes Ferrand, der Toilettentisch und der einzige Stuhl standen in einer Ecke, das Eisenbett war hochkant gegen die Wand gelehnt, keine Leiche auf dem Boden. Helene: Hausputz, wollen Sie Kommissar Faroux alarmieren? Burma: Wir schauen uns erst noch die anderen Zimmer an. Helene: Muß das sein? Burma: Es waren drei Zimmer, die von einem Müllartdesigner eingerichtet worden waren, über einem Bett hing eine Sammlung aufmunternder Hintern und Brüste aus einschlägigen Magazinen, aber auch eine echte Zeichnung. Helene: Lassen Sie das hängen. Burma: Ich nahm Sie trotzdem ab, ein Foto, 6 x 9 hatte unter der Zeichnung gesteckt und fiel aufs Bett. Helene: Nein sowas. Burma: Ist doch angezogen und außerdem nüchtern, meine rote. Burma: Wir gingen zurück zur Werkstatt und holten den Wagen, ich zeigte dem Mechaniker das Foto. Burma: Kennst du die hier zufällig? Mann: Wollen sie mich verarschen? Burma: Ist das nicht die, die sich die drei in dem Abbruchhaus teilen? Mann: Die ist was ganz anderes. Burma: Kommt die Kleine wohl doch vom Land. Mann: Wissen Sie, wo das Foto gemacht worden ist, zwischen der Rue des Arbustes und der Rue des Camelias auf der Brücke hinter dem Hopital Broussais. Burma: Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, ich hatte eine Zeit lang im 14. gewohnt, zuerst in der Villa Duthy, im selben Haus wie Jacques Prevert, nicht weit von der Camelias, aber den Hintergrund hätte ich nicht wieder erkannt. Helene: Wo fahren wir denn eigentlich hin zum Essen? Burma: Noch nicht, meine rote Dame hat sich als Kameliendame entpuppt, wir schauen uns erstmal die Brücke und die Umgebung an. Helene: Und dann. Burma: Dann gehen wir noch bei Anatol Jakowski vorbei. Helene: Dem Kunstkritiker. Burma: Ja, der wohnt hier, wenn die rote hier aus der Gegend kommt, kennt er sie bestimmt. Helene: Und dann gehen wir aber essen. Burma: Zwischen dem bewaldeten, zugewucherten Bahndamm glänzten die Schienen über dem Schotter, hier und da lagen eine kaputte Gemüsekiste oder ein Pappkarton herum, auch ein einsamer verlassener Schuh und sowas ähnliches wie eine Hose hingen in einem Dornenstrauch. Helene: In Paris gibts Leute, die noch nie was von Mülleimern gehört haben. Burma: Die blonden Barthaare von Jakowski zitterten, er nahm seine dunkelgrüne Samtmütze ab, als er Helene begrüßte. Jakowski: Kommen Sie ruhig rein. Helene: Danke. Jakowski: Ich bin gerade dabei, mein Buch über Rodolphe Salis zu beenden. Helene: Wer ist das? Jakowski: Das ist der Begründer vom Kabarett Le Chat Noir. Burma: Sein Arbeitszimmer war mit naiven Bildern und einer Menge bizarrer Gegenstände dekoriert, mehr oder weniger surrealistisch, auf einem Möbel zwischen zwei Tabakdosen in Form von menschlichen Schädeln bewegte sich eins der ersten Mobiles von Coulder. Jakowski: Was möchten Sie Burma, ein paar Geschichten aus meiner Anthologie des Alltags. Burma: Nein, ich bin sozusagen im Dienst hier, die kleine auf dem Foto, kennen Sie die? Jakowski: Oh, natürlich, unvergesslich und unvergessen, also, wenn Mademoiselle nicht hier wäre, dann könnte ich an. Burma: Jaja nicht so schamhaft raus damit. Jakowski: Ja, also sie heißt Marie Courtenay, völlig verrückt die kleine, säuft, nimm Drogen, Nymphomanin, ihr Mann ist August Courtenay, Maler, großer Kunstpreis von Rom, was ist los mit ihr? Burma: Ich will offen sein, Jakowski, mein Klient hat mit ihr geschlafen, er ist verheiratet und hat Schiss, weil sie ihm gedroht hat, ihn umzubringen und ach, ich frage mich, ob sie dazu imstande ist. Jakowski: Warum nicht, glaube schon. Burma: Was anderes, Sie sind doch Kunstkritiker, sehen sich diese Zeichnung an, ist die von August Courtenay? Jakowski: Das glaube ich nicht. Burma: Ich danke Ihnen, wir werden Sie jetzt allein lassen mit Alfons Alle. Helene: Sehr erfreut sie kennengelernt zu haben, ihre Kunstsammlung hat mir sehr gefallen. Burma: Na ja, sie müssten erstmal seine Büste sehen. Helene: Aber gerne. Jakowski: Vom Flohmarkt. Burma: Es war ein Teil einer Schaufensterpuppe, ein ungewöhnliches Stück, Teil einer Sirene, irgendeiner grauenhaften Galionsfigur irgendeines Geisterschiffes liebkost von glitschigen Algen und bunten Muscheln wie erstarrte Küsse, ohne Kopf, ohne Arme, die Kehle, dem Messer des Opferpriesters theatralisch dargeboten, über und über bedeckt mit Meeresmuscheln und Schnecken, die sich überlappen, starr, aber scheinbar immer von Wogen des Meeres bewegt. Helene: Unglaublich. Jakowski: Das verwirrendste Beispiel für ein surrealistisches Objekt. Burma: Die surrealistischen Brüste wirkten außerordentlich anregend auf mich, ein Gespräch mit der heißglühenden Frau des Malers war dringend notwendig, vor ihrem Haus in der Rue des Camelias stand schon einer im Schatten eines Baumes, als er mich bemerkte, ging er langsam zur Brücke, plötzlich war er weg, ich nahm seinen Platz vor dem Haus ein. Courtenay: Kommen Sie, ich habe mit ihnen zu reden. Burma: Monsieur Courtenay, der Ehemann, war klein, hatte breite Schultern und große Füße, graumeliertes Haar, einen Schnurrbart und einen unendlich gelangweilten Gesichtsausdruck, seine Anzugjacke beulte ein Revolver aus. Courtenay: Also, wie viel. Burma: Ist Madame Courtenay nicht zu Hause? Courtenay: Geht sie nichts an. Burma: Diesmal hat Miss Alin etwas größere Scheiße gemacht als gewöhnlich. Courtenay: Was meinen Sie? Burma: Sie wissen genau, was ich meine, sie fragen gleich wie viel, aber ich will kein Geld Monsieur, es sei denn, Sie könnten mehrere Millionen auf den Tisch legen. Courtenay: Sie sind zu gierig, ich habe keine Millionen. Burma: Es war Zeit, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Courtenay: Aha, Privatdetektiv, was hat sie auf die Sache gebracht? Burma: Sagen Sie mir, wo Ihre Frau ist, vergessen Sie nicht, sie hat jemanden umgebracht. Courtenay: Sie ist unzurechnungsfähig. Burma: Aber Sie halten sie für schuldig. Courtenay: Ich weiß es nicht, nicht mehr. Burma: Sie lieben ihre Frau. Courtenay: Warum schleichen Sie um mein Haus herum? Burma: Ich muß sie unbedingt sprechen, ich habe sie gesehen letzte Nacht. Courtenay: Lassen Sie ihr etwas Ruhe, ich habe Sie in unser Landhaus in Saint-Remy-les-Chevreuse gebracht, ich versichere Ihnen, sie ist nicht in der Lage, irgendwelche Fragen zu beantworten. Burma: Zu Hause zog ich Zwischenbilanz und schnell bedauerte ich, den Maler gegenüber so vertrauensvoll gewesen zu sein, ich wußte nichts. Helene: Ja. Burma: Ah, hören Sie, mein Schatz, ich schwimme ganz fürchterlich, ich muß wissen, woher Ferrand von dem Millionending erfahren hat, gehen Sie gleich zum Crepuscule ins Archiv, ich brauche eine Liste mit allen Rattenopfern. Helene: Zu Befehl Chef, sagen Sie, ich hab nachgedacht, wenn Marie Courtenay Ferrand getötet hat, dann dann hat sie aber bestimmt nicht die Leiche verschwinden lassen. Burma: Sie hatte Komplizen. Helene: Sind Sie sicher, hab eher das Gefühl, daß sie noch länger schwimmen werden, wenn sie nicht bald die Polizei anschalten, wenn Kommissar Faroux die Leiche finden sollte, dann könnte er Ihnen von den Untersuchungsergebnissen erzählen und dann wüßten wir mehr. Burma: Eine gute Idee, mein Engel, die Leiche wird wie eine Bombe einschlagen, ich werde sie ihm direkt vor die Füße legen. Helene: Großer Gott, dann wissen Sie also. Burma: Am Bahndamm neben der Rue Blottiere unter den Kohlen verbuddelt. Helene: Wieso da? Burma: Der Kohlenstaub auf der Treppe, der war bei meinem ersten Besuch noch nicht da, kann nur von den Sargträgern auf dem Rückweg von der Beerdigung mitgebracht worden sein. Helene: Mann, ist das eine Drecksarbeit. Zavatter: Hallo. Burma: Zavatter. Zavatter: Chef. Burma: Ich möchte, daß sie sich gleich morgen früh auf die Socken machen, mich interessieren die Vermögensverhältnisse zweier ehrenwerter Herren, möchte wissen, ob sie eine Erpressung lohnt. Zavatter: Was ganz Neues bei Ihnen, äh, wer sind die Opfer? Burma: Armand Gaudebert, Rue du Douanier und August Courtenay, Rue Camilia. Zavatter: Bis morgen dann. Burma: Ich trank einen Schluck, weil es immer noch so heiß war, dann rauchte ich eine Pfeife, wovon ich Durst bekam, also trank ich noch einen Schluck. Wenn ich Faroux Ferrands Leiche, die mit Sicherheit unter den Kohlen am Bahndamm verbuddelt war, präsentieren würde, dann sollte ich meine Spuren verwischen. Ich kramte Hose und Jacke aus dem Versteck und durchwühlte die Taschen. In einer Hosentasche fand ich die 200 Franc, um die mich Ferrand an der Billardkneipe angepumpt hatte, die Scheine waren nicht mehr neu, einer hatte als Notizblock gedient, aber keine Liebesschwüre standen drauf, nur Zahlen und Buchstaben. ALE7809 war meine Telefonnummer, DEN3510 war eine andere. Ich ging schlafen. Dr: Hallo. Burma: Guten Morgen, können Sie mir sagen, mit wem ich spreche? Dr: DEN3510, Dr. Dallarü und wer sind Sie? Burma: Burma, Nestor Burma, Privatdetektiv. Dr: Ihre Geschäfte gehen gut im Augenblick. Burma: So lala. Dr: Nicht überarbeitet vielleicht. Burma: Na ja. Dr: Kommen Sie doch einfach mal zu mir, ich wohne Ecke Boulevard Arago und Avenue Denfert-Rochereau, dann plaudern wir ein wenig. Burma: Die Place Denfert-Rochereau war sonnenüberflutet, in der Mitte thronte majestätisch der grünliche Löwe von Belfort auf seinem Sockel. Dr: Sie sind also Nestor Burma, ich dachte, es handelte sich um einen Scherz. Burma: Sie hatten mir vorgeschlagen zu kommen. Dr: Ein folgsamer Patient, was kann ich für Sie tun, bitte fassen Sie sich kurz. Burma: Hatten Sie einmal eine Patientin namens Marie Courtenay, neurotische Nymphomanin, drogenabhängige Alkoholikerin. Dr: Bedaure, woher haben Sie eigentlich meine Telefonnummer, ich stehe seit zwei Jahren nicht mehr im Register. Burma: Sie stand auf einem zettel, Ferrand hieß der Mann der ihn mir zugesteckt hat. Dr: Ja, und. Burma: Was hatte ich aus dem Psychiater rauszukriegen gehofft? War überhaupt was rauszukriegen? Da war Courtenay eine bessere Adresse, zu Hause war er nicht, also auf nach Saint-Remy-les-Chevreuse, das alte Ehepaar, das das Landhaus des Malers verwaltete und Marie Courtenay von klein auf kannte, war bäuerlicher als es die Polizei erlaubt. Kuh: Muh. Frau: Ja, Monsieur, Monsieur war mit der Kleinen gekommen, die Kleine war hier im Schloß geblieben, ja, dann ist Monsieur wieder weggefahren, ja, und dann ist er wiedergekommen und jetzt sind sie gerade wieder weg, ja. Burma: Der Ärger über meine Blödheit kroch langsam in mir hoch und auch das Wetter war schon seit Tagen zu schön gewesen, es konnte nicht so bleiben, immer dasselbe mit der Ile de France, als ich durch Orsay kam, schüttelte es wie aus Kannen, das richtige Wetter, Monsieur Gaudebert Bericht zu erstatten. Gaudebert: Ja, Monsieur Burma, ich glaube, sie haben meine Frau bereits kennen gelernt, aber ich bin nicht dazu gekommen, sie vorzustellen, Henriette, das ist Monsieur Burma. Henriette: Ah ja. Burma: Henriette schenkte mir ihr zauberhaftestes Lächeln, während wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschten, schielte ich auf ihre Hand, kein Ehering. Gaudebert: Nun, sind Sie weitergekommen. Burma: Vor seinem Blick hatten die Angeklagten früher den Kopf gesenkt, bevor er ihn gefordert und bekommen hatte. Gaudebert: Sie können vor meiner Frau offen reden. Burma: Nichts Neues, kein Ferrand weder gestern noch heute. Gaudebert: Ich möchte wissen, ob der Mann nicht irgendetwas im Schilde führt, etwas, daß ich nicht verhindern kann. Burma: Gaudebert war so durcheinander, daß er mich und sogar sich selbst vergaß, seine rechte Hand wanderte vom Schreibtisch zur Hüfte seiner Frau und streichelte sie mechanisch, Henriette Gaudebert erschauerte, presste ihre Lippen zusammen, dann fing sie sich wieder und nahm die Hand ihres Mannes weg, ein heftiger Wind fegte durch die Bäume des Park Montsouris, ein Blitz zuckte durch die Wolken. Gaudebert: Ich glaube, sie werden einen Guß abbekommen, kommen Sie, ich bring sie hinaus. Burma: Oben stand Henriette, deren Hände sich um das Eichengeländer krampften, voller Hass sah sie auf ihren Mann. Das Gewitter kam wie eine Steuererklärung nieder. Vier dicken Tropfen auf die heißen Steine folgten keine weiteren mehr, die bleifarbenen Wolken blieben über Paris und verlegten den Einbruch der Nacht vor, Wetter für einen Besuch bei Monsieur Courtenay. Courtenay: Ich wollte Sie gerade anrufen, Monsieur Burma, meine Frau ist verschwunden. Burma: Jetzt habe ich aber die Schnauze voll von ihnen, ich laß mich nicht noch mehr verarschen, wo ist ihre Frau? Courtenay: Sie ist verschwunden, eben noch war sie auf ihrem Zimmer. Burma: Sein kummervolles Gesicht sah wirklich so aus, als sagte er die Wahrheit. Courtenay: Ich weiß nur, daß sie seit 48 Stunden keinen Mann mehr gehabt hat. Burma: Haben Sie ihr von mir erzählt. Courtenay: Ja, sie schien erleichtert und wollte mit ihnen reden, sie hat übrigens den Mord nicht begangen, sie war betrunken, voller Drogen und hatte sich in der Tür geirrt, stolperte über einen Körper, eine Leiche, Blut überströmt, sie schreit auf, rennt weg, so wie sie ist, halb nackt, Blut verschmiert. Burma: Ja ja, eine spannende Geschichte, wirklich, aber sagen Sie, wie hat Ihre Frau eigentlich dieses Haus verlassen, durch die Eingangstür, durchs Fenster oder wie? Courtenay: Durch einen ehemaligen Lieferanteneingang, die Tür war nur angelehnt. Burma: Wir schwiegen eine Weile, wie ein Tiger im Käfig lief Courtenay im Zimmer auf und ab. Langsam wurde es dunkel. Der Maler knipste eine Lampe an, nervös blickte er sich um, als hätte das Licht seine Frau angelockt. Courtenay: Es gibt Regen. Burma: Es donnert schon. Courtenay: Nein, das war der Zug vom Citroenwerk, wenn man ihn so deutlich hört, gibts Regen. Burma: Was war das? Courtenay: Offensichtlich ein Unfall. Burma: Wir hörten Getrappel auf der Brücke, ein Arbeiter im Blaumann rannte auf die Rue des Camelias und fluchte, der Fahrplan geriet durcheinander, es hatte sich jemand vor die Lok geworfen. Merde. Marie Courtenay war kaum wiederzuerkennen, aber es gab keinen Zweifel, der schöne Körper würde nicht mehr in leidenschaftlicher Umarmung erbeben, die Flics sammelten die Überreste von ihr ein, sie fanden einen Zettel in ihrer Jackentasche: Niemand ist für meinen Tod verantwortlich, ich schäme mich, ich habe den Mann in der Rue Blottiere getötet, der Gerechtigkeit ist genüge getan. Courtenay: Das ist alles ihre Schuld. Burma: Reden Sie keinen Scheiß und reißen sich zusammen und tun sie was für ihre Frau. Courtenay: Sie ist tot. Burma: Aber man wird ihr posthum einen Mord anhängen, den sie nicht begangen. Courtenay: Weiß ich selbst, daß sie nicht begangen hat. Burma: Wer hat sich damals um ihre Frau gekümmert, welcher Psychiater meine ich. Courtenay: Dr. Delanglad. Burma: Delanglad oder Dalalück? Courtenay: Derlonglad, wer ist Delarück? Burma: Ich schielte zur Ginflasche in seiner Hand, aber er hatte sie schon geschafft. Courtenay: Verschwinden Sie. Burma: Ich ließ ihn mit dem Gingeruch allein und ging den Weg, den die junge Frau genommen hatte. Das Schloß des ehemaligen Lieferanteneingangs war frisch geölt, von außen, eine kleine Vorarbeit, die nach den Ratten von Montsouris aussah. Ich kam gerade noch vor dem Gewitter nach Hause und ging schlafen, der Regen begoß meine verschwommenen Gedanken. Faroux: Salü Nestor, haben Sie meinen Anruf erwartet. Burma: Die Flics hatten Ferrand gefunden. Faroux: Der Tote lag unter einem Kohlenhügel gleich neben den Gleisen von Montsouris. Burma: Ach wirklich? Faroux wußte auch alles von Marie Courtenay, ihrem Leben, ihrer Begegnung in der Rue Blottiere und Madame Courtenay hatte die Leiche unter die Kohlen geschoben. Faroux: Ja, warum nicht? Burma: Anscheinend war es nicht nur ein Klasse Weib, sondern dazu noch ein Riesenweib. Faroux: Salut Nestor, schönen Tag noch, ich muß arbeiten. Burma: Die Presse hatte ihre Arbeit schon getan, mein Freund Marc Covet vom Crepuscule hatte die Kinder ausgequetscht, die Ferrand gefunden hatten, sie seien von einem Araber dazu angehalten worden, an einer bestimmten Stelle die Kohlen wegzugraben, der Araber habe sich dann aber aus dem Staub gemacht, konnte man ihnen glauben, denn Araber wurden hier nicht gerade gern gesehen. Helene: Chef, wann sehe ich Sie denn noch mal? Burma: Bald, aber nicht im Büro, ich brauche Luft, treffen uns im Park Montsouris. Helene: Im Park? Burma: Unter den leblosen Blicken der Statuen auf dem Rasen und den gleichgültigen der städtischen Angestellten, die den Durst des Rasens löschten, schlenderten wir zum See. Helene: Wars tatsächlich Selbstmord? Burma: Selbstmord, bei dem eine Frau in Stücke gehackt wird, man hat eine unbequeme Zeugin aus dem Weg geräumt, der Mörder hatte ihre Spur verfolgt. Helene: Wie denn? Burma: Marie Courtenay kannte zwar die Männer nicht, mit denen sie schlief, aber die Typen kannten sie als die Frau des bekannten Malers, neulich habe ich einen überrascht, der Courtenay beobachtete, leider ist er entwischt, sonst lebte Marie vielleicht noch. Helene: Nichts als Vermutung, oder? Burma: Ich glaube, dieser Kerl ist durch die Hintertür eingebrochen und na ja, der Kerl ist nicht nur ein altes Arschloch, sondern auch ihr letzter Liebhaber. Helene: Alle Männer sind Schweine. Burma: Ich bin anders als alle. Helene: Da bin ich mir nicht so sicher, also, sie meinen, der Kerl hat. Burma: Sie rumgekriegt mit ihr zum Tunnel zu gehen und da in einer Nische. Helene: Das ist doch verrückt. Burma: Dabei fiel mir der Psychiater ein, ein Verrückter, und dieser blöde Satz der Gerechtigkeit ist genüge getan, ein Selbstmord von Marie Courtenay hätte alle offenen Fragen beantwortet. Burma: Ich soll mich mit der angebotenen Lösung zufrieden geben, Helene, und Courtenay hat auch seine Rolle, er soll seine Beziehung spielen lassen, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Helene: Dann hätten die Gangster die Komödie extra für sie in Szene gesetzt, wie bescheiden. Burma: Es geht nicht um die Morde, Ferrand hat von mehreren Millionen gesprochen und je mehr ich mitkriege, desto mehr bin ich überzeugt, daß er richtig lag. Helene: Demnach wären die wirklichen Mörder. Burma: Die Ratten von Montsouris. Helene: Übrigens, ich habe die Liste der Opfer. Burma: Ach ja, die Liste. Helene: Ich hab nur die letzten drei Streifzüge notiert, weil sie sich die Zeit vorher sehr zurückgehalten haben, also zunächst Monsieur Botro, ein alter Rentner in der Rue Beaunier, in dem Haus in dem Charles Goffic von der Academie Francaise und Lenin gewohnt haben. Burma: Aber nicht gleichzeitig, oder? Helene: Haha, haben nur ein paar Flaschen aus dem Keller geklaut, übrigens scheinen sich die Ratten hauptsächlich für Keller zu interessieren. Burma: Mhm, und weiter? Helene: Ja, den zweiten Fall, Remo Ilas, versoffener Zeichner und Graveur, den lasse ich weg, aber der Dritte, der war in einer kleinen Villa in der Rue de Duranier, Sie kennen das Haus, Monsieur Gaudebert wohnt da. Burma: Ein Spatz flog an meiner Nase vorbei, ließ sich kurz auf der Pyramide nieder und flatterte weiter zu einem großen Baum, langsam legte sich meine Überraschung und ich ging mit Helene ins Büro zurück, auf dem Weg erzählte ich ihr von Henriette Gaudebert seltsamem Verhalten. Zavatter: Na endlich, ich dachte schon, sie interessieren sich überhaupt mehr. Helene: Was haben sie denn rausgekriegt? Zavatter: Also August Courtenay, Eigentümer von. Burma: Interessiert mich nicht mehr der nächste, bitte. Zavatter: Armand Gaudebert, ehemaliger Oberstaatsanwalt, früher ein hübsches Sümmchen, jetzt keinen so mehr. Burma: Weil werden wir bei ihm die Millionen wohl nicht finden. Zavatter: Weil eine junge Frau seine angebliche Gattin wie keine zweite das Geld unter die Leute bringt. Burma: Nicht ungewöhnlich. Zavatter: Ungewöhnlich ist der Name der jungen Frau. Burma: Erzählen Sie mir nicht, sie heißt Henriette Ferrand, die Tochter des Toten. Zavatter: Nicht ganz, sie ist die Tochter von Raul Castellenot, einem Gangster, Freund von Ferrand, wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Burma: Ein Exoberstaatsanwalt und die Tochter eines zum Tode verurteilten im selben Bett, großer Gott, hoffentlich zeugen die beiden keine Kinder, das wäre eine blutrünstige Mischung. Helene: Und welche Schlüsse ziehen Sie, Chef? Burma: Keine, ich halte es wie Ludwig der 14, on verra, wenn es was zu sehen gibt, jetzt gehe ich erstmal zu Gaudebert. Helene: Ich komme mit. Burma: Gaudebert und Frau waren nicht zu Hause, das pausbäckige Dienst-mädchen meinte, sie kämen nicht vor dem Abend zurück. Frau: Na ja, bei dem Wetter. Burma: Dann komme ich heute Abend wieder, übrigens, ich habe gehört, hier ist eingebrochen worden. Frau: Äh letzten Donnerstag vor einer Woche, glaube ich. Burma: Hatten Sie Angst? Frau: Ich hatte meinen freien Tag, Monsieur, verbringe die Nacht bei einer Freundin, solche Verbrecher wissen sowas immer ganz genau. Burma: Natürlich, und Monsieur und Madame, waren die zu Hause? Frau: Ich glaube nicht, Monsieur. Helene: Also dann, auf zum nächsten Opfer. Burma: Remont Ilas wohnte in der zweiten Etage eines nicht mehr ganz neuen Hauses Rue de la Tour Ecke Rue Duranier-Rousseau, hinter der Tür des Grafikers waren Stimmen zu hören, als ich klopfte, verstummten sie. Burma: Los, öffnen Sie. Mann: Moment, ich komm ja schon. Burma: Ein junger Kerl mit einer dicken roten Nase stand in der Tür, seine Stimmung schien übel zu sein. Mann: Was kann ich für Sie tun? Araber: So, ich gehe jetzt, aber ich komme wieder, Monsieur Ilas. Burma: Ein Araber nicht besonders übel, aber auch nicht besonders vertrauenerweckend, verdammt die Rue Blottiere. Burma: Pardon, Monsieur, Moment, Moment, Moment. Nicht so eilig. Nein, nicht. Plötzlich hielt er ein Rasiermesser in der Hand. Ich musste zusehen, daß ich außer Reichweite kam, um meine Kanone rausholen zu können. Helene: Machen Sie keine Dummheiten, das ist ein Mörder. Burma: War der Mörder, lassen Sie mich durch. Ich stürzte hinter dem Araber her und sah ihn Richtung Rue Lubercorantin rennen, am Zaun eines unbebauten Geländes entlang. Auf dem Grundstück tauchte eine ärmlich gekleidete Frau auf, die Frau hatte den Araber gerufen, der hatte sich umgedreht, dann um die eigene Achse gedreht und gedreht und gedreht, jetzt lag er auf dem Boden mit dem Gesicht nach unten, Gewehrschüsse hatten ihn niedergestreckt. Mann: Teufel noch mal, was soll der Scheiß? Burma: Als ich zu dem Grafiker zurückkam, fluchte der unflätig rum, Helene hatte ihn daran gehindert, die Fliege zu machen. Helene: Chef, wenn Sie immer noch den großen Künstler der bewußten Zeichnung aus der Rue Blottiere suchen, so sehen Sie ihn vor sich, der hat noch mehr davon. Mann: Gehört zu einer Serie, die mir aus dem Keller geklaut wurde. Burma: Was wollte der Araber? Mann: Mich erpressen wegen der Bilder. Helene: Da sollen die Millionen herkommen, ja. Burma: Vor dem Kommissariat des 14. Arrondissements stand eine neugierige Menge, Helene mischte sich darunter, um die Fakten zu erfahren, die Frau hatte den Araber, ihren Liebhaber erschossen, weil dieser ihren anderen Liebhaber ermordet hatte, einen gewissen Ferrand. Helene: Ferrand war also das Opfer eines Verbrechens aus Leidenschaft. Burma: Dadurch wurde nichts einfacher. Am Abend ging ich nochmals zu den Gaudeberts, aber nur seine Frau war da, sie nahm Ferrand Tod sehr kühl auf, fast fröhlich. Henriette: Großer Gott, sieht man mir das an, warum sollte ich das verheimlichen, das schöne Wetter, das macht mich glücklich, und sie, macht schönes Wetter sie nicht glücklich. Burma: Schöne Dinge machen mich glücklich, ja, häßliche Dinge dagegen hasse ich, z.B. die Todesstrafe. Henriette: Wirklich, warum dieses Glaubensbekenntnis, was wissen Sie? Burma: Vieles, z.B., daß es ihnen nicht schlecht geht, wenn ihr Mann leidet, daß sie Ferrand kannten. Henriette: Ach ja, der Erpresser. Burma: Ja, und das nutzen sie aus bei Gaudebert ebenso wie bei Ferrand. Henriette: Hören Sie, Monsieur Burma, sind Sie so dumm oder ist das ihre Masche einer Frau den Hof zu machen, ich liebe meinen Mann und jetzt gehe ich. Burma: Henriette Gaudebert ließ mir nur ihr Parfum und eine Kippe im Aschenbecher zurück, ich kapierte endlich, daß ich aus dem Tritt kam. Gaudebert: Monsieur Burma. Burma: Ich wollte mich abmelden, Ferrand. Gaudebert: Ja, ja, ja, ja, schon gut, ich habs in der Zeitung gelesen. Burma: Er machte nicht den Eindruck, als wäre er erleichtert, nach einer Schweigeminute lächelte er gezwungen. Gaudebert: Ich möchte Ihnen noch etwas erklären, Monsieur Burma, es muß ihnen unanständig vorkommen, daß ein ehemaliger Staatsanwalt, aber sie wissen ja, nach der Befreiung wurde ich eingesperrt. Burma: Das erzählten sie, ja. Gaudebert: Als ich rauskam, war ich ein anderer Mensch, man hatte mich Monsieur Rübe ab genannt, aber mein Beil war stumpf geworden, ich wußte, daß dieser Gangster, diese gemeingefährliche Ratte Castellenot eine Tochter hatte, ich ließ sie suchen und habe mich um sie gekümmert, sie war so etwas wie meine Adoptivtochter, offiziell war sie es natürlich nicht. Burma: Genauso wenig ist sie ihre Frau, sie ist also ihre Geliebte. Gaudebert: Die meisten Leute verstehen das nicht, ich wollte wiedergutmachung. Monsieur Burma. Burma: Was wollen Sie damit sagen? Gaudebert: Ich war es, der ihn zum Tode verurteilt hat. Burma: Ein reizendes kleines Motiv gab das für eine Erpressung, beide wollten nicht gern an diese Dinge erinnert werden, aber Ferrand war noch hinter einer anderen Sache her und die hatte ihm nicht sonderlich viel Glück gebracht. Ich ging zurück in mein Büro, um nachzudenken. Dr: Sie erinnern sich noch an mich. Burma: Für 48 Stunden reicht mein Gedächtnis noch. Dr: Meins auch, Sie haben ja Spaß gemacht. Burma: Dafür bin ich auch da, ich glaube, ich brauche ein paar Elektroschocks. Dr: Vielleicht kann ich Ihnen anderweitig helfen, Sie haben von einer Madame Courtenay gesprochen, die ist tot, aber sie haben noch einen anderen Namen genannt, Ferrand, ich habe in der Zeitung gelesen, daß der auch tot ist und daß der einen gewissen Castellenot zum Freund hatte. Burma: Der ist auch tot, gestorben an einer Art Gehirnschlag im fahlen Morgengrauen. Dr: Das sollte mich wundern, ich habe ihn gestern noch gesehen und da ging es ihm ausgezeichnet. Burma: Wie bitte? Dr: Er ist seit ungefähr 10 Jahren in der Psychiatrie sainte anne vollkommen verrückt. Burma: Er saß in seinem kleinen Zimmer auf dem schmalen Bett, aber nicht verrückter als viele andere, die frei herumlaufen, er redete kein Wort. Dr: Er schreibt Gedichte. Ich habe vor, eine Sammlung von Texten Geistesgestörter zu veröffentlichen, Gastelnos Gedichte werden dabei sein, eine interessante Persönlichkeit, sie kennen doch seine Lebensgeschichte. Burma: Nicht so richtig. Dr: Wollen Sie seine Texte lesen? Burma: Der Psychiater war so freundlich gewesen, sich mit mir hierher zu bemühen, jetzt konnte ich mich revanchieren. Dr: Geboren, um zum Tode verurteilt zu werden, 1939 wegen zweifachen Mordes, er konnte beim Transport fliehen, zu Beginn der Okkupation schnappten ihn die Deutschen, zum zweiten Mal Todesstrafe, er bricht aus, wird wieder geschnappt, flieht, schließt sich der Resistance an und lebte 1944 einige Zeit in den Katakomben, nach der Befreiung hatte ihn die Polizei nicht vergessen, aber er war verrückt geworden. Burma: Findet man in seinen Texten Spuren seines abenteuerlichen Lebens? Dr: Nein, er schreibt hauptsächlich über Frauenbrüste, hier lesen Sie. Burma: Für die Schönheit der Brüste, die Zähne der Austern, den goldenen Schleim der Schnecken, verschlungen verdaut die Brüste, oh, meine Leiche am Strand. Dr: Tja, so geht das meistens weiter. Burma: Für die Schönheit der Brüste, diese Zeilen passten wie ein Büstenhalter auf das außergewöhnliche Kunstobjekt, das Anatol Jakowski auf dem Flohmarkt erstanden hatte. In der Bibliothek National schlug ich in den Zeitungen von 1939 nach, ich erfuhr interessante Dinge über die Heldentaten des Raul Castellenot, z.B. über den Einbruch im Juweliergeschäft Lascave und daß der Tod der beiden Nachtwächter wohl eher ein Unfall war, dann sah ich mir den Plan vom unterirdischen Paris an, das 14. Arrondissement ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Helene: Was wurde denn erbeutet? Burma: Haufenweise Perlen, sie wurden nie gefunden. Helene: Und seine Freunde, seine Komplizen? Burma: Nicht alle waren Kriminelle, er war ein Schöngeist, Freund der Literatur und Kunst. Helene: Haben Sie mit der Versicherung gesprochen? Burma: Nein, noch nicht. Mann: Mondial Albatros Versicherung, Monsieur Loriot am Apparat. Burma: Nestor Burma, haben Sie inzwischen die Perlen von Laske gefunden? Mann: Leider nein, Monsieur Burma, haben Sie eine Spur? Burma: Steht die Prämie noch? Mann: Aber ja durchaus, ich hoffe nur bei Ihnen steckt mehr dahinter als bei dem anonymen Anrufer von neulich, er hat uns dieselbe Frage gestellt wie Sie. Burma: Das waren Ferrands Millionen, er glaubte, den Perlen auf der Spur zu sein und weil er es alleine nicht schaffte, hatte er mich angerufen, die Ratten von Montsouris wollte er nicht einweihen. Helene: Ein großer Wirrwarr, Chef, sie schwimmen immer noch. Burma: Die Büste von Jakowski, ich muß sofort dahin. Jakowski: Sie schon wieder, Burma. Burma: Sie hatten einen verdammt guten Tag, Jakowski, als sie ihre berühmte Büste gekauft haben. Schon mal was von Jeff Harrison gehört? Jakowski: Ja, äh kleckste ein bißchen rum, machte aber ganz nette Objekte, er ist während der Okkupation gestorben. Burma: Hat Harriston seine Objekte signiert? Jakowski: Was hat das mit meiner Büste zu tun? Burma: Harrison war befreundet mit Castellenot, einem Gangster, der 39 Perlen von immensem Wert abgeräumt hat. Jakowski: Ach und sie meinen, kommen Sie, schauen wir nach. Helene: Ferrand ist tot und die Perlen sind verschwunden, in der Büste von Jakowski sind sie auch nicht, die Ratten von Montsouris haben auch keine Ahnung. Burma: Das glaube ich kaum, bei den letzten Einbrüchen haben sich die Ratten sehr für Keller interessiert, entweder suchen sie ein Eingang zu den Katakomben oder einen bestimmten Gang. Helene: Warum sollten sich die Ratten für die Katakomben interessieren? Burma: Weil Castellenot einige Zeit da unten gelebt hat. Helene: Vielleicht haben die bei Gaudebert eingebrochen, um zusätzliche Informationen zu bekommen von Madame Gaudebert. Burma: Aber Madame wußte nichts, konnte nichts wissen, sie hatte selber gesucht und nichts gefunden, sonst hätten sie doch längst Ruhe gegeben. Auch ihre Gespräche mit ihrem Vater in Sainte Anne ergaben keine Hinweise. Ich zog meine kleine Surrealistennummer ab und rezitierte das Gedicht über die Schönheit der Brüste, ich sprach von Jakowskis Büste. Henriette: Es tut mir leid, Monsieur Burma, die Rückgabe der Perlen würde einen Teil der Vergangenheit auslöschen, schade, daß ich ihnen nicht helfen kann. Burma: Als wir uns verabschiedeten, war ich so klug wie zuvor. Dunkelheit hüllte die Avenue Reille ein. Vor mir erhob sich düster der Wasserspeicher von Montsouris, da drin waren mindestens 200 Millionen Liter Trinkwasser, verteilt auf unterirdische Gewölbe, deren Pfeiler in immer kühlem, grünlich schimmerndem Wasser stehen, und am Zugang zu dem untersten Behälter verrichten die Forellen als Zeugen für sauberes Wasser brav und still ihre Arbeit im öffentlichen Dienst. Zu Hause konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich Raul Castellenot in meinem Zimmer sah, wußte ich, daß ich schlief, er war mit dem Blut seiner Opfer beschmiert, dann kam Armand Gaudebert hinzu in seiner roten Robe und Henriette nackt unter dem Morgenmantel von Marie Courtenay auf den roten Haaren einen scharlachroten Witwenschleier. Am nächsten Morgen ging ich zu Gaudebert. Gaudebert: Reden Sie, Burma. Burma: Die Perlen haben mehrmals das Versteck gewechselt, Castellenot war ja nicht verrückt, wenn ich so sagen darf, aber in diesem Objekt haben wir nichts gefunden, reden wir also nicht mehr darüber, suchen wir lieber das Versteck, in dem Castellenot seine Beute zuletzt versteckt hat. Wo hat er die letzte Zeit als freier Mann verbracht, psychisch und physisch, in diesem Viertel hier, unter diesem Viertel, besser gesagt, in den Katakomben, und deswegen haben die Ratten von Montsouris das Viertel unsicher gemacht, hauptsächlich die Keller und Kellergeschosse. Gaudebert: Aber wie wie sind Sie? Burma: Ja, Monsieur, auch diese Männer suchen die Perlen. Woher sie die Informationen haben, weiß ich nicht, aber höchstwahrscheinlich wollen sie die Beute nicht zurückgeben, das können Sie mir wohl glauben, sehen Sie, das Vorgehen der Ratten unterscheidet sich zu sehr vom üblichen Vorgehen in dieser Branche und bei Ihnen hofften sie zusätzliche Hinweise zu finden. Helene: Agentur Fiat Lux. Burma: Helene, ich werde mir mit Monsieur Gaudebert den Wasserspeicher von Montsouris ansehen. Helene: Ganz allein, haben Sie keine Angst? Burma: Nö. Burma: Der glühend heiße Hof vor dem Eingang reflektierte Hitze und Licht, wir spürten den heißen Kies unter den Sohlen, der schon ältere Führer warf einen Blick auf Henriette, die nicht viel anhatte unter ihrem Rock und ihrer Bluse. Gaudebert: Gehen wir. Burma: Ich hoffe, Madame wird nicht frieren, da drin ist es kalt wie das Wasser. Henriette: Eine Abkühlung ist niemals schlecht, Monsieur Burma. Burma: Als wir an den Forellen vorbeikamen, stieß ich Gaudebert in die Seite, seine Frau war mit dem Führer vorausgegangen, er zuckte zusammen. Burma: Wovor haben Sie Angst, daß sie ins Wasser fallen oder daß ich die Scheiben des Aquariums kaputt schlage, um an die Perlen zu kommen? Gaudebert: Ja, ist ganz schön dunkel hier. Burma: Wir tasteten uns blind durch den dunklen feuchten Gang. Ich ging voraus. Ein Schlag auf die Schulter schickt dich nicht so leicht in ein Bassin, das nur darauf wartet, dich mit seinen kalten Wassermassen wie mit einem Leichentuch zu bedecken. Ich hatte noch meinen Revolver. Burma: Jetzt bist du reif Gaudebert, du hast es so gewollt, Richter. Henriette: Hahaha. Burma: Hören Sie, Richter, wie sie sich lustig macht über Sie, sie hat sie nach Strich und Faden verarscht, Richter, worauf spekulieren Sie, Sie kommen ja sowieso nur raus, um in den Knast zu wandern, Ihr Spiel ist aus. Henriette: Bravo, Monsieur Burma, Sie haben gute Arbeit geleistet, aber mir wäre lieber gewesen, er hätte sie getötet, niemals hätte er sich aus der Affäre ziehen können. Burma: Sie trat aus der Dunkelheit auf mich zu wie ein Gespenst, unter ihrer halb aufgeknöpften Bluse atmete es heftig, ihre goldbraunen Augen glänzten seltsam, die roten Haare sträubten sich. Burma: Er wird sich auch so nicht aus der Affäre ziehen können und sie sich auch nicht. Henriette: Mir ist das doch scheißegal. Gaudebert: Keine Bewegung, Burma. Burma: Was wollen sie mit dem Revolver, wollen Sie ihren Kollegen weiß machen, daß die Kugel in meinem Kopf auch ein Unfall war? Gaudebert: Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie nicht mir zu folgen. Burma: Wohin denn, du Idiot, selbst wenn die Perlen in den Aquarien wären, hättest du gar keine Zeit, sie zu finden und damit abzuhauen, aber die Perlen sind gar nicht da, die waren nie da. Gaudebert: Was? Burma: Du alter Esel, Castellenot hat die Perlen zwar geklaut, aber ist sie gleich wieder losgeworden, was glauben Sie denn, warum die Deutschen ihn haben entwischen lassen? Gaudebert: Das ist nicht wahr. Burma: Halt die Schnauze, Richter, das glaubst du nur, weil dir jemand immer wieder erzählt hat, die Perlen seien irgendwo versteckt, mit etwas Ausdauer könnte man an die ran kommen, hat dir der Experte gesagt, dieser Experte steht da und lacht sich schlapp, sieh sie dir an, habe ich recht? Henriette: Vollkommen. Burma: Hörst du es, Richter, sie hat dich verführt, um ihren Vater zu rächen, denn nicht du hast sie aufgenommen, sondern sie hat dich hochgepäppelt, als du aus dem Knast kamst, und dann hat sie dir von den Perlen erzählt und dich zum Chef der Ratten von Montsouris gemacht, und nur aus einem einzigen Grund, um dich vor aller Welt bloßzustellen. Gaudebert: Hure. Burma: Henriette stand oben an der Tür, schweigend hatte sie meinem Bericht zugehört wie ein braves kleines Mädchen, sie umklammerte mit beiden Händen das Geländer, schwankte hin und her. Burma: Das wars, Gaudebert, der Richter ist schuldig. Gaudebert: Sie Dreckskerl. Burma: Er sprang die Stufen nach oben hoch, schnappte sich Henriette und warf sie die Treppe herunter, ich sah sie wie eine Puppe auf mich zukommen, ihr Gesicht war verzerrt, der Mund stand offen, ihre Augen brannten vor Hass, der jetzt endlich befriedigt war. Er rannte durch den dunklen Gang und dann hörte ich ein lautes Platschen. Ich beugte mich über das Geländer. Jetzt musste erstmal das Trinkwasser aus diesem Bassin für den Verbrauch gesperrt und das Wasser desinfiziert werden. Langsam ging ich zurück, mein Fuß stieß gegen einen schweren Gegenstand, ich hob ihn mechanisch auf, es war mein Revolver, eine saubere Sache hatte dieser Ferrand mir eingebrockt, Millionen, daß ich nicht lache. Faroux: Hallo Nestor. Burma: Hallo. Faroux: Da sind wir ja noch nicht zu spät gekommen. Burma: Nein, diesmal nicht. Faroux: Sag mal, hast du mit deinem Revolver geschossen? Burma: Eine saubere Sache, hatte mir nichts als Ärger eingebracht, merde, und jetzt standen die Flicks vor mir und stellten Fragen. Sie hörten Die Ratten von Montsouris nach dem Kriminalroman von Leo Malet. Christian Brückner Nestor Burma Sabine Postel Helene Chatelet Matthias Ponnier Ferrand (Freund von R. Castellenot) Aljoscha Sebald Armand Gaudebert Katja Teichmann Henriette Castellenot Dieter Eppler Florimond Faroux Ernst Konarek Monsieur Jakowski Felix von Manteuffel Monsieur Courtenay Peter Panhans Zavatter Bearbeitung Wort: Klaus Schmitz Regie: Hans Gerd Krogmann Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Radio: Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Shirley: Tony. Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola... Hodding: Ah ah... Proctor: Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding. Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Mann: Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Mann: Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Frau: Ah ah. Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Radio: What a wonderful world... Mann: Ah ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Mann: Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment. Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies Vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Mann: Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Joyce: Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. Mann: 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer: Komm Hamond. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Mann: Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Mann: Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Mann: Oh. Radio: And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Bearbeitung Wort: Franz-Maria Sonner Regie: Barbara Plensat Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Myrna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse. Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja, das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming-pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften die beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Myrna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo, Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die Blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Garderobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel. Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg. Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt. Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen. Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen. Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen. Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch. Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip. Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja. Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips. Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben. Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine. Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt. Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu. Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode. Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an. Manning: Wie konntest du nur. Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch. Mike: Es war leicht. Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler Charlotte Manning: Caroline Schreiber Marry Bellemy: Myriam Gurland Pat Chambers: Justus Fritzsche George Kalecki: Horst Mendroch Bobo Hopper: Steffen Schult Bearbeitung Wort: Regine Ahrem Regie: Thomas Werner Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
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