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Reservat (RIAS/SWF 1970), von Michael Koser
Michael Koser: Reservat (RIAS Berlin / Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht freispielen. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Unserer. Das Gefängnis wird unendlich groß. Eines. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Kinder des und Kinder der. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie haben Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erfor-schung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst markelosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauf duften, Weihrauch duften, ein See, ein See rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tee, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesell-schaft von denen befreit werden die ihr lautloses funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulen. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vorne rein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren? Mir ist es gleich, wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen. Es geht uns gut. Wir müssen nicht mehr reagieren. Wir können leben. Das ist positiv. Unsere ökonomische Situation ist glänzend. Daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant. Wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation. Wirklichkeit ist nur in mir. Außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst. Wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind. Dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum. Wir werden benutzt. Ich will nicht benutzt werden. Ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir. Ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander. Auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind. Wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten. Wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört. Wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt. Wir sind nicht weitergekommen. Für die anderen ist die Revolution schon vorbei. Sie sind mit sich zufrieden. Sie haben etwas getan. Das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was dem Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser gesch. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken. Irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
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Michael Koser, There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst markelosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tee, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellsch aft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulen. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vorne rein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was dem Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser gesch. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Michael Koser, There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst markelosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tee, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellsch aft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulen. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vorne rein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was dem Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser gesch. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Friedrich Dietrich, Leningaanbod
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Michael Koser, Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst markelosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellsch aft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulen. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vorne rein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Michael Koser, Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst markelosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulen. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vorne rein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Michael Koser, Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muss es hören, man muss sich dieser Musik hingeben, man muss einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiss waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, hässlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewusstsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüsse des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mussten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bisschen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewusst vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muss etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muss es hören. Man muss sich dieser Musik hingeben. Man muss einfach hinhören. Immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muss sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muss das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfasst ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewusstsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewusstsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müsste etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlichgroß, wer fliehenwill fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, dass ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Michael Koser, Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein. Wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Michael Koser, Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970)
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).

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